Neue Fantastische Kurzfilmreihe: „Nightwing: The Series“

1.
Okt.
2014

Fanfilme zu Superhelden gibt es viele, aber selten sind sie wirklich so aufwendig produziert, wie die Kurzfilme von Ismahawk. Die Choreografie von Kampfszenen und die Spezialeffekte können es durchaus mit aktuellen Serien wie Arrow aufnehmen.

Zugegeben: Storytechnisch ist es noch etwas arg mager, was uns in der ersten Webserie präsentiert wird. Aber wir bekommen dafür immerhin eine Badass-Szene mit Deathstroke zu sehen und der Held „Nightwing“ wird uns nach dem Vorspann natürlich auch präsentiert.

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Für Comic-Nichtkenner: Nightwing ist Dick Grayson, ehemaliges Mündel von Bruce Wayne, die gemeinsam als Batman und Robin auf die Verbrecher der Welt losgelassen worden. Mittlerweile hat sich Robin aber selbstständig gemacht und hat in Blüdhaven sein Luxusloft-Lager als Solo-Held „Nightwing“ aufgeschlagen.

Kim Stanley Robinsons „Marstrilogie“ als Action-TV-Serie?

27.
Sep.
2014

Kim Stanley Robinsons „Marstrilogie“ soll von „Game of Thrones“-Koproduzenten zur Fernsehserie adaptiert werden, meldet diese Woche unter anderen „The Wrap“.

Die preisgekrönte Bestseller-Trilogie gilt als eine der besten Hard-Science-Fiction-Werke überhaupt. Die Verfilmungsrechte über die schrittweise Kolonisation des roten Planeten durch die Menschheit wurde bereits seit Jahren herumgereicht, zwischenzeitlich war sogar James Cameron zeitweise im Gespräch eine Miniserie dazu zu produzieren.

Planet Mars, aufgenommen 1997, Lizenz: CC-BY-NC-ND NASA's Marshall Space Flight Center

Planet Mars, aufgenommen 1997, Lizenz: CC-BY-NC-ND NASA’s Marshall Space Flight Center

Allerdings soll dies nun nach all den Versuchen beim US-Sender Spike TV realisiert werden. Zur Einordnung: Der Kabelsender setzt derzeit vor allen auf testosterongeladene Reality-Shows, stellt Euch quasi DMAX mit Wrestling und Martial Arts vor, und Ihr habt ein Bild von dem Sender. Noch dazu kommt: Mit seinen bisherigen (kläglichen) fiktionalen Serien-Versuchen (2006 einer düsteren Actionserie zum Comic-Superhelden „Blade“ – kam auf nur 13 Folgen –, sowie 2010 mit der Football-Comedy-Serie „Blue Mountain State“, die zu großen Teilen daraus bestand, dass sich bullige Männer gegenseitig angeschrien haben) war der Sender bisher jedenfalls nicht sonderlich erfolgreich.

Auf dem ersten Blick also nicht wirklich passend, sogar besorgniserregend. Eine „Marstrilogie“-Serie, die vor allen aus gewaltstrotzenden Actionsequenzen besteht? Ähm …

Man muss aber auch bedenken, dass in den USA Kabelsender wie AMC, die sich jahrzehntelang mit billigen Filmklassikern über Wasser hielten, mittlerweile durch mutige Investitionen in Serienproduktionen wie „Breaking Bad“ neu erfunden und neu positioniert haben. Nur dadurch, dass dort mutige Senderchefs ihren Produzenten einfach freie Hand gelassen haben, konnten solche Serien überhaupt inszeniert werden. Das Problem der traditionellen Sender ist ja, dass sie oft zu stark auf ihre Zielgruppen achten und dabei Originalität soweit verwässern, bis nichts innovatives mehr übrig bleibt. AMC konnte so damals zur Rechten Zeit eine Nische im Kabelmarkt besetzen. Mittlerweile ist die Diversifizierung des Kabelmarktes in den USA aber weiter vorangeschritten und die innovativen Serien-Neu-Inszenierungen findet man heute vorrangig bei den On-Demand-Anbietern Netflix und Amazon.

Spike TV hat sich bereits mehrfach neuorientiert in seiner Sendegeschichte, zwischenzeitlich war es auch schon mal „Der Star Trek-Sender“. Von einer erneuten Umpositionierung des Senders ist aber derzeit noch nichts bekannt. Versteht mich richtig: Ich hätte nichts gegen eine Actionserie, die auf dem Mars spielt, im Gegenteil. Die würde auch ins Programm von Spike TV durchaus passen. Aber ob eine eher ruhige Serie, in der Politik, Technik und soziale Konflikte die Hauptrolle spielen, auf dem derzeitigen Sender richtig positioniert ist – betrachtet mich zumindest verwundert.

Fantastischer Fan-Kurzfilm: „Spawn: The Recall“

21.
Sep.
2014

Spawn ist eine der ersten erfolgreichen Autoren-eigenen Comic-Reihen gewesen (und läuft immer noch). Ihr haben wir unter anderen den Verlag Image Comics zu verdanken aber auch einen mittelmäßigen Film von 1997.

Wie ein guter Spawn-Film mit heutigen Effekten und einem anständigen Drehbuch aussehen könnte, zeigt der Franzose Michael Paris mit seinem aufwendig produzierten Fan-Film „The Recall“, der an einem Sonntag und zwei Tagen nach Ladenschluss in einem Supermarkt gedreht wurde. Zwei weitere Drehtagen außerhalb schlossen die Dreharbeiten zwar bereits ab, dann folgten aber gute zwei Jahre Post Production – deren Qualität sieht man dem Film aber auch an.

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Das Schottland-Votum im Rollenspiel

17.
Sep.
2014

Was für ein loc na mhuice ist das bitte? Reale Politik im Rollenspiel?

Jein. Die Sache ist: Ich bin seit einigen Jahren Spielleiter in einer Urban-Fantasy-Runde („Tower Knights“), die zwar größtenteils in London spielt, aber in der die Helden das gesamte Commonwealth vor dem Übernatürlichen (und vor sich selbst) beschützen müssen. Derzeit gibt es in diesem vier geheime (aber den Spielercharakteren bekannte) Fraktionen, die an den vier Teilen Großbritanniens (England, Wales, Nordirland und eben Schottland) festgemacht sind und die sich durchaus untereinander auch opponieren. Und ich habe festgelegt, dass wir in unserer Realität spielen (oder einer dieser sehr nahestehenden), in der zwar Magie existiert, aber in der diese nur im Schatten, bla bla, den Rest könnt Ihr Euch zusammenreimen …

Derzeitige britische Flagge (CC0 Public Domain)

Derzeitige britische Flagge (CC0 Public Domain)

Das Problem mit Fantasy in der „realen“ Welt

Ich habe in der Runde immer mal wieder Bezug auf aktuelle Ereignisse genommen, meistens Popkulturelle (wir haben bspw. mal ein Night-of-the-Proms-Konzern verwüstet, oder Prinz Charles und Frau im Union-Kino am Leicester Square gerettet, oder in einer Mondfinsternisnacht zur Wintersonnenwende Stonehenge ritualisiert etc.). Die Spieler verlassen sich auch darauf, dass sie für alles andere, was nicht direkt für die Runde erfunden wurde, sich auf unsere Welt beziehen können, und das ist auch der Kreativität und der gemeinsamen Improvisation durchaus förderlich.

Nun weiß ich aber nicht, wie ich mit diesem Referendum morgen umgehen soll, oder genauer, mit dem Ausgang dieses.

Nehmen wir den Fall an, dass Schottland tatsächlich sich aus Großbritannien herauslöst. Dann sollte der Logik das auch in meiner Runde so passieren. Damit wäre aber ein Metaplot, den wir bereits seit Monaten mühsam aufgebaut haben, ziemlich torpediert und ich habe noch keine wirkliche Idee, wie ich das überhaupt einbauen könnte. Sicher, irgendetwas kann man immer improvisieren, aber …

Die Alternative: Ich ignoriere das Ganze und meister einfach so weiter, als hätte es das nicht gegeben in dieser Welt. Spricht natürlich erstmal nichts dagegen, aber irgendwie wäre damit auch das Gefüge durcheinander, gefällt mir auch nicht so richtig.

Abwarten und Haggis essen?

Dudelsackspieler vor dem London Eye (CC0 Public Domain)

Dudelsackspieler vor dem London Eye (CC0 Public Domain)

Natürlich kann ich hoffen, dass die Schotten morgen für einen Verbleib in Großbritannien stimmen (ich sage das jetzt bezogen auf meine Runde, das soll keine politische Aussage dazu sein). Damit wäre mein Problem elegant umschifft, vermutlich könnte ich das Ganze sogar mit einer Anekdote ins Spiel einfließen lassen. Aber als jemand, der gerne ein paar Schritte vorausplant um interessante Handlungsbögen zu schaffen, macht mir diese Ungewissheit derzeit durchaus etwas zu schaffen.

Wie sieht das bei Euch aus? Wurde bei Euch schon einmal eine Story von realen Ereignissen stark beeinflusst oder gar geändert?

Kritik „Wish I Was Here“ (oder wie Zach Braff mir Kickstarter madig machte)

15.
Sep.
2014

Ich habe eben Zach Braffs neuen Film „Wish I Was Here“ sehen können. Endlich. Eine Kritik zum Film folgt etwas weiter unten im Text – erstmal muss ich hier über die Rahmenbedingungen dazu etwas Dampf ablassen.

„Garden State“ ist einer meiner Lieblingsfilme

Die TV-Serie „Scrubs“ hat mich nie wirklich begeistern können, ich stolperte eher zufällig über einen kleinen Indie-Film namens „Garden State“ (2004), der von dem Hauptdarsteller der Comedy-Serie, Zach Braff, inszeniert wurde und in dem auch er die Hauptrolle spielte. Um es kurz zu sagen: Ein wunderbarer sympathischer Film.

Das Poster von „Wish I Was Here“ wirkt noch wie eine Wundertüte. Ist der Film auch, zumindest was der Umgang mit internationalen Kickstartern angeht.

Das Poster von „Wish I Was Here“ (Deutscher Verleih: Wild Bunch) wirkt noch wie eine Wundertüte. Ist der Film auch, zumindest was der Umgang mit internationalen Kickstartern angeht.

Als dann im Frühjahr 2013 Braff über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter Mitstreiter suchte, um einen weiteren Film zu finanzieren, den er quasi als „Garden State 2“ ankündigte, war ich sofort bereit, zu investieren. Immerhin bot er, im Gegensatz zum Crowdfunding von dem „Veronica Mars“-Film, auch ein paar Unterstützungs-Stufen, die auch für Nicht-US-Amerikaner interessant erschienen. Als einer von 5707 Unterstützern finanzierte ich bereits am ersten Tag des einmonatigen Kickstarters die Stufe „Backer’s Thank You Screening“, in der einen unter anderen eine Vorführung versprochen wurde, mit anschließendem Online-Q&A mit Zach Braff selbst.

Das eigentliche Online Screening im Juli

Anfang Juli erreichte mich dann die Nachricht, dass endlich das Online-Screening stattfinden werde, kurz vor der Premiere in den US-Kinos. Umgerechnet auf unsere Zeitzone würde das Screening am 12. Juli um 2:00 Uhr nachts starten und man könnte jederzeit bis Sonntag um 5:00 Uhr es online starten. Ich hatte am 12. eigentlich was vor, nahm mir aber extra nachts Zeit, um dem beizuwohnen.

Und dann schlug das Geoblocking zu.

Die Erklärung des Geoblocks. Nachdem ich meinen Link zum Anschauen erhalten hatte.

Die Erklärung des Geoblocks. Angeblich hat also mein Land sich „entschieden“, einen eigenen Reward zu bekommen. Ich wurde nicht gefragt. (Eigener Screenshot)

Es war quasi die gesamte restliche Welt von diesem Event ausgesperrt. Und schlimmer: Sie hatten es noch nicht einmal vorher angekündigt, sondern einen ins offene Copyright-Unfug-Messer laufen lassen, obwohl sie es offenkundigt vorher wussten.

Geht es noch?

Danach: Vertröstungen. Ich sollte eine Online-Umfrage ausfüllen, in der ich mein Land ihnen verrate, wo ich es denn zu gucken gedenke. Sie meinten, dass sie so schnell wie möglich eine Lösung finden würden. Sie vertrösteten und schwiegen, während online kurze Zeit ein Shitstorm losging aber bald wieder verebbte.

Ich war fassungslos. Mir war klar, dass Braff auch die internationalen Distributoren mit all ihren unterschiedlichen Rechtsgeschichten ins Boot holen musste. Aber wir waren doch die ersten Geldgeber für den Film? Warum sollten ausgerechnet wir das Nachsehen haben? Geht es noch?

Unterdessen starte der Film in den USA und Kanada in den Kinos. Und sogar hier in Deutschland gab es bereits die ersten Pressevorführungen. Ich, der nicht einfach zu einem VPN gegriffen habe um dieses dumme Geoblocking zu umgehen, sondern das Rechte tun wollte, durfte ihn immer noch nicht sehen.

Deutschland verspätet

Über zwei Monate dauerte es, bis der Film dann endlich auch für die deutschen Backer gezeigt wurde. Mittlerweile war das Interesse an dem Film spürbar abgeklungen, die ersten Rezensionen machten klar, dass er nicht an „Garden State“ heranreichen würde, aber ganz nett wäre. Auch mein Interesse war im Keller.

Dennoch habe ich mir heute die Zeit genommen, und tatsächlich konnte ich den Film auch endlich online schauen. Natürlich mit einem fetten Wasserzeichen meiner E-Mail-Adresse in der rechten oberen Ecke, damit ich auch ja nicht auf die Idee käme, den Film rechtswidrig zu kopieren. Und noch viel schlimmer: Mit Zwangs-Untertiteln, die man nicht ausstellen konnte. Sicher ist das für viele eine tolle Sache, aber ich wollte den Film eigentlich einfach nur so genießen, wie er … ach, was rege ich mich auf.

Zach Braff hat es jedenfalls geschafft, dass für mich das Thema Kickstarten von Filmen erstmal gestorben ist.

Der Film: Traumwelten

Aber nun zum Film. Aidan Bloom (Braff) ist ein erfolgloser Schauspieler, der seinen Träumen mit 35 immer noch hinterherjagt, während seine Kinder in der jüdischen Schule aufgezogen werden, für die Aidans tiefgläubiger Vater Gabe (Mandy Patinkin) zahlt. Als Gabe jedoch an Krebs erkrankt und nicht mehr für die Kosten der Schule aufkommen kann, muss Aidan zwangsläufig die Kinder selbst zuhause unterrichten und lernt dabei auch selbst über sich einiges.

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Daneben ist seine Ehefrau Sarah (Kate Hudson), die für die Familie ihre eigenen Träume aufgegeben zu haben scheint und Probleme mit einem Mitarbeiter hat, sowie Aidans geekiger Bruder Noah (Josh Gad), der in seiner ganz eigenen Welt lebt und die Bindung zu ihren Vater aufgegeben zu haben scheint.

Die Welt aus einem Aquariumhelm heraus betrachtet

„Wish I Was Here“ zieht all die Register, die „Garden State“ zu einem solchen Kleinod gemacht hatten. Ein erfolgloser Schauspieler, ein sterbendes Familienmitglied, eigentlich feste Familienbande, die auf gleich mehrere Proben gestellt werden und ein toller Indie-Musik-Score.

Die Kinderdarsteller (Joey King und Pierce Gagnon) sind wirklich großartig und Perücke und Bohrmaschine sind wichtige Requisiten. („Wish I Was Here“, Dt. Verleih: Wild Bunch)

Die Kinderdarsteller (Joey King und Pierce Gagnon) sind wirklich großartig und Perücke und Bohrmaschine sind wichtige Requisiten. („Wish I Was Here“, Dt. Verleih: Wild Bunch)

Aber: Er versucht leider zuviel. Aidan erklärt seinen Kindern in der Mitte des Films, was eine „Erleuchtung“ („Epiphany“) ist. Leider muss in dem Film nicht nur Aidan diese finden, sondern nahezu jeder einzelne der Nebencharaktere auch, sei es Gabe, der feststellen muss, dass er seinen Söhnen nie erzählt hat, dass er stolz auf sie ist, Noah, der sich durch seine Angst nach dem Verlust eines Elternteils vor dem anderen entfremdet hatte, Sarah, die ihre Arbeit nur noch der Sicherheit der Familie halber fortführte oder Tochter Grace, die lernen muss das Leben nicht nur aus Verboten und Geboten bestehen kann.

Es bleibt ein emotionaler Film, der einen an vielen Stellen berühren wird, aber der letztlich einen etwas leer zurücklässt und letztlich durchaus ein „Garden State 2“ sein kann, aber dem Gesagten dort leider nicht viel Neues hinzuzufügen vermag.

“Wish I Was Here” (USA 2014)

Regie: Zach Braff

Buch: Adam J. Braff, Zach Braff

Darsteller: Zach BraffKate HudsonMandy PatinkinJosh GadJoey KingPierce Gagnon

Score: Tolle Indie-Mischung, kann wie der von „Garden State“ in die regelmäßige Playlist.

Rating: 6 Sterne