Die 25. Staffel von Doctor Who – eine seltsame Wundertüte

14.
Mrz.
2015

Auch die zweite Staffel vom siebten Doktor (Sylvester McCoy) veröffentlicht Pandastorm auf einem prall gefüllten DVD-Set. Das erste Set habe ich mittlerweile meinen Kollegen und Experten vom Ausgespielt-Podcast zur Einschätzung ausgeliehen und mir wurde versichert, dass sie den englischen Veröffentlichungen in nichts nachstehen. Durch die Sammlung als Staffelboxen sind sie sogar deutlich günstiger und bequemer zu bekommen und bieten halt auch neben den Originalton die deutsche Synchronfassung der Folgen und abschaltbare Untertitel für alle Specials.

Die kunterbunte Staffel 25, oder in der deutschen Schreibweise: Die zweite Staffel vom siebten Doctor.

Die kunterbunte Staffel 25, oder in der deutschen Schreibweise: Die zweite Staffel vom siebten Doktor.

Ace (Sophie Aldred) übertrifft für mich nach wie vor alle anderen Companions. Allerdings war sie auch meine erste.

Ace (Sophie Aldred) übertrifft für mich nach wie vor alle anderen Companions. Allerdings war sie auch meine erste.

Weiterhin ist die in der letzten Folge der vorherigen Staffel eingeführte Sophie Aldred als Companion Ace dabei und ja, sie bleibt eine der besten Companions die ich kenne und ich hoffe weiterhin, dass es ähnlich wie mit Liz Sladen beim zehnten Doktor beim aktuellen Doktor irgendwann einen Gastauftritt für Aldred geben mag. Aber das bin vielleicht nur ich.

Die zweite Staffel vom siebten Doktor ist dann auch die 25. Staffel überhaupt, und gleich zu Beginn gibt es eine direkte Anknüpfung an den Beginn der Serie 1963.

Die Box umfasst gleich fünf DVD, wobei eine „nur“ mit Bonusmaterial gefüllt ist und kein eigenes Serial beinhaltet, bleiben derer vier, die ich hier im folgenden kurz bewerte:

„Die Hand des Omega“ (vierteiliges Serial, im Original: „Rememberance of the Daleks“)

Der Doktor und Ace treffen im Staffelauftakt auf Daleks, die gerade eine britische Schule der 1960er-Jahre eingenommen haben. Aber nicht irgendeine Schule, sondern die Schule, in der einst die Abenteuer des Doktors überhaupt begannen.* Der Doktor hat hier etwas damals liegenlassen, und wie ein Zeitreisender so ist, ist es ziemlich egal, wann er daran denkt, das abzuholen, Hauptsache, er denkt irgendwann mal dran, auch wenn es sechs Regenerationen später ist.

* Dem Doktor wird sogar als Drehbuchgag vom Rektor der Schule der Job des Hausmeisters angeboten, was dieser jedoch ablehnt. Spaßigerweise übernimmt der zwölfte Doktor in der achten Staffel von NuWho eben diese Funktion.

Es stellt sich aber heraus, dass in der Schule nicht nur eine Gruppe von Daleks eingedrungen ist, sondern gleich zwei konkurrierende. Und so geraten der Doktor und Ace zwischen die feindlichen Linien zweier Gruppierungen mörderischer Blechbüchsen.

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Für die Jubiläumsstaffel sind die Daleks natürlich die richtigen Gegner.

 

Ich fürchte, ich hab’ mich verrechnet! – Der Doktor.

Eine perfekte Folge von Ben Aaronovitch, der viele Jahre später durch die empfehlenswerten Urban-Fantasy-Romane der „Die Flüsse von London“-Reihe Bekanntheit erlangen sollte.

Sie sprüht voller vieler Details und Anspielungen auf ältere DW-Folgen, und geht auf die für die damalige Zeit noch typischen Anekdoten ein, wie dem nicht-dezimalen Zählsystem der britischen Währung oder einem Fenster-Schild in einer Pension, welche klarstellt nicht an Dunkelhäutige zu vermieten. Die Serie beendet den Running-Gag der Whovians, dass Daleks keine Treppen steigen können, ein für alle mal in dem sie einen Dalek einen Schwebeantrieb verpasst. Und sie hat einer der besten Szenen eines Doctor-Who-Companion überhaupt: Ace darf mit einem (vom Doktor entsprechend aufgemotzten) Baseball-Schläger einen Dalek kaputt hauen! Ich muss zugeben, als ich die Folge damals im TV geschaut habe, habe ich mich richtig in Ace verguckt!

So geht Doctor Who: Vollgestopft mit Selbstreferenzen, eine spannende Story mit in Erinnerung bleibenden Handlungen und Daleks. Rating: 10 Sterne

„Die Macht der Fröhlichkeit“ (dreiteiliges Serial, im Original: „The Happiness Patrol“)

Der Doktor und der „Kandy Man“

Der Doktor und der „Kandy Man“

Auf einer Kolonie treffen der Doktor und Ace auf eine totalitaristische Gesellschaft, in der Diktatorin Helen A jede Form von Elend auszurotten versucht. Eine Fröhlichkeitspolizei jagt sämtliche „Spaßverderber“ und ein Scharfrichter-Roboter namens Kandy Man sorgt ebenfalls dafür, Helen As Plan umzusetzen. Wer nicht unterhaltsam ist, wird getötet. Natürlich nimmt die Tardis-Besatzung den Kampf auf.

Das gleiche Thema, Unterhaltungszwang, nimmt das vierte Serial dieser Staffel sich besser vor. So bleibt eine sehr trashige Folge, die vor allem durch den Kandy Man stark runtergezogen wird. Rating: 5 Sterne

„Das Vermächtnis der Nemesis“ (dreiteiliges Serial, im Original: „Silver Nemesis“)

Eine der letzten Verteidigungsbastionen von Gallifrey war eine Statue, die Rassilon selbst gebaut hatte. Der Doktor hatte sie einst selbst in einen Asteroiden in den Orbit geschleudert, von wo sie nun, Jahrhunderte später, wieder landen wird und das in unmittelbarer Nähe von Windsor Castle.

Eigentlich Formidable Gegner, die hier etwas untergehen: Die Cybermen (hinter Ace und dem Doktor)

Eigentlich formidable Gegner, die hier etwas untergehen: die Cybermen (hinter Ace und dem Doktor).

Wir packen Cybermen, Neo-Nazis und magische Besucher aus dem 17. Jahrhundert in ein Serial. So etwas vermag nur Doctor Who. Aber: So etwas mag auch nur Doctor Who zu verbocken. Hier packen sie einfach zu viel in die verwirrende Story und vor allem die ikonischen Cybermen bleiben leider etwas auf der Strecke. Rating: 5 Sterne

„Die Todesmanege auf Segonax“ (vierteiliges Serial, im Original: „The Greatest Show in the Galaxy“)

Unterhaltung finden Sie dort. Oder auch ihren Tod. Ist das nicht das selbe?

Was einen bei Serien aus den 80ern immer wieder auffällt: Dauerwellen-Galore.

„Sie sind entsetzlich langweilig!“ – Der Doktor

Der Doktor empfängt eine Spam-Nachricht. „Ja ja, die Werbung findet Dich überall“. Diesmal für einen Zirkus, der „die größte Show in der Galaxis“ präsentieren soll, den der Doktor und Ace natürlich besuchen. Sie sind dort zwar nicht die einzigen Gäste, aber die Menge der Gäste ist schon recht reduziert – was auch kein Wunder ist, da dieser Zirkus seine Gäste selbst in die Manege zerrt und, wenn sie dort nicht unterhalten, tötet.

Nette und typische Geschichte, für heutige Sehgewohnheiten etwas zu ausufernd erzählt, aber das gilt ja im Prinzip für alle Old-Who-Folgen. Rating: 7 Sterne

Das Bonusmaterial

„Na so etwas – mein Tee ist kalt geworden. Seltsam!“

Die DVD-Box mit Papp-Umhüllung mit ablösbaren FSK-Logo.

Die DVD-Box mit Papp-Umhüllung mit ablösbaren FSK-Logo.

Das Bonusmaterial hierzu ist wieder extrem umfangreich. Jede Folge wird mit einer ausführlichen Retrospektiv-Dokumentation begleitet, die an den jeweiligen Folgen Beteiligte zu Wort kommen, auf ihre damalige Zeit zurückblicken und viele Insider-Infos verraten lässt, Deleted Scenes und sogar die Ansagen der BBC-Inserts von damals, oder einen moderierten Presserückblick auf die vernichtenden Kritiken der „Fleet Street“. Dazu kommt diesmal auch eine komplette weitere Bonus-DVD mit einem Special rund um Davros. Sehr viel besser kann man dem nicht gerecht werden. Rating: 9 Sterne

„Doctor Who: Siebter Doktor Volume 2“ erschien am 27. Februar 2015 auf DVD. Offenlegung: Ich habe die DVD-Box freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

„Am Sonntag bist Du tot“ – Persönlicher Kreuzweg eines irischen Pfarrers

11.
Mrz.
2015

Vater James Lavelle (Brendan Gleeson, Mad-Eye-Moody aus den „Harry Potter“-Filmen) ist Priester einer kleinen Küstenstadt in Irland. Kurz vor seiner Sonntagspredigt will er einem seiner Schäfchen noch eine Beichte abnehmen. Dieser offenbart ihm allerdings, dass er als Kind von einem Priester sexuell missbraucht worden ist, und da er an diesem nicht mehr Rache nehmen kann, nun anstelle dessen an einen unschuldigen Priester – eben an Vater James – Rache nehmen will. Er gibt ihm eine Woche Zeit, seine Sachen in Ordnung zu bringen, dann will er ihn am Strand treffen und ermorden.

Vater James (Brendan Gleeson) am Strand seiner Gemeinde. (Foto: Ascot Elite Home Entertainment)

Vater James (Brendan Gleeson) am Strand seiner Gemeinde. (Foto: Ascot Elite Home Entertainment)

Und im Gegensatz zum Zuschauer weiß Vater James von Anfang an, wer es ist, der ihn dieses Ultimatum gesetzt hat. Er hadert aber mit dem Beichtgeheimnis, und geht nicht zur Polizei, sondern versucht tatsächlich, all die Probleme in seiner Gemeinde noch zu lösen. Und die sind vielfältig. Da ist der Metzger Jack (Chris O’Dowd, „IT-Crowd“), dessen Frau fremdgeht und der einst doch so an das heilige Sakrament der Ehe geglaubt hatte und nun zweifelt. Der Arzt Frank (Aidan Gillan, „Game of Thrones“), der mit grausamen Zynismus alles genussvoll kommentieren muss und für den die Kirche ein leichtes Opfer ist. Der reiche Michael (Dylan Moran, „Black Books“), der trotz seines vielen Gelds alles andere im Leben verloren hat. Der alternde Autor Gerard (M. Emmet Walsh, „Blood Simple“), der Angst vor der Gebrechlichkeit hat und nun deswegen überlegt, sein Leben selbst ein Ende zu setzen. Und neben anderen dann auch noch seine Tochter, die er bekam bevor er sich nach dem Tod seiner Frau dazu entschied, Priester zu werden, und mit der er regelmäßig in Streit gerät.

Vater Lavelle begibt sich also auf auf seinen persönlichen, siebentägigen Kreuzweg, an dessen Ende die letzte Konfrontation am Strand steht …

Das ist keine schwarze Komödie. Nein, nicht mal sonst eine Komödie. Aber trotzdem sehenswert.

Ich hielt nach den Trailern und den Namen nach „Am Sonntag bist Du tot“ für eine rabenschwarze Komödie. Ich mag schwarze Komödien, besonders welche, die von den Britischen Inseln kommen. „Am Sonntag bist Du tot“ ist aber keine.

Auch wenn der Film durchaus ein paar lichte Momente beinhaltet, ist es doch eine sehr andere Tonalität, die er anschlägt. Melancholie, Zweifel, Rache aber auch Hoffnung, Vergebung und menschlicher Beistand zeichnen den nicht leichten Job eines katholischen Seelsorgers in den vermeintlich letzten Tagen seines Lebens. Es ist dieses persönliche Drama und der Altruismus des Pfarrers, das den Regisseur und Autoren John Michael McDonagh („The Guard“) hier interessiert. Vater James wird nicht nur mit einer Welt konfrontiert, in der seine Kirche – zu Recht – von vielen angeklagt und abgekehrt wird, sondern auch mit einer Welt, die gerade heute einen Zusammenhalt durch einen starken Seelsorger besonders benötigt.

Vater James (Brendan Gleeson) mit einem seiner Schäfchen (Chris O’Dowd) (Foto: Ascot Elite Home Entertainment)

Vater James (Brendan Gleeson) mit einem seiner Schäfchen (Chris O’Dowd) (Foto: Ascot Elite Home Entertainment)

Im Original heißt der Film „Calvary“, gemeint ist damit der Kalvarienberg, auch als Golgota bekannt, der Ort, an dem Christus gekreuzigt wurde. Und das passt dann auch sehr viel besser als der deutsche Titel, der einen eine Komödie oder vielleicht einen humorigen Actionfilm erwarten lässt.

Aber es gibt eine weitere Ebene: Im Prinzip ist der Film nämlich eine Art Krimi, in dem man als Zuschauer herauszufinden versucht, wer der Täter sein wird, in die Irre geführt wird und schließlich auf die Auflösung am Ende des Filmes wartet. Es ist, wenn man so will, eine bisher nicht wirklich erfoschte Unterart des „Whodunnit“, ein „Who’lldoit“.

„Am Sonntag bist Du tot“ erscheint am 24. März 2015 auf DVD und Blu-Ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-Ray freundlicherweise bereits vor der Veröffentlichung als Rezensionsexemplar erhalten.

Die Blu-Ray von „Am Sonntag bist Du tot“ ist ab 24.03.2015 zu bekommen.

Die Blu-Ray von „Am Sonntag bist Du tot“ ist ab 24.03.2015 zu bekommen.

„Am Sonntag bist Du tot“ („Calvary“, IRE/UK 2014)

Regie und Buch: John Michael McDonagh

Darsteller: Brendan Gleeson, Chris O’Dowd, Aidan Gillan

Score: Passt zum Film, ruhig, melancholisch, mit einigen Stücken mit gälischem Gesang. Patrick Cassady liefert hier ein tolles, stimmiges Werk ab, das zeitweise an Philip Glass, dann aber auch wieder an Howard Shore erinnert.

Extras (Blu-Ray): Featurette, Behind the Scenes, Interviews und B-Roll. Ganz Ordentlich.

Rating: 7 Sterne

Neuer Doktor, neuer Schwung – Die achte Staffel Doctor Who

8.
Mrz.
2015

Auf Blu-Ray bietet die deutsche Fassung der achten Staffel von New Who (bzw. die 34. Staffel insgesamt) sogar mehr als das UK-Pendant: Die erste Weihnachtsfolge mit Peter Capaldi, die man in Großbritannien derzeit noch separat erwerben darf, sowie endlich auch einige Specials, die uns bisher vorenthalten wurden.

Clara (Jenna Coleman) muss sich erst an den neuen Doktor (Peter Capaldi) gewöhnen. (Foto: Polyband/BBC)

Clara (Jenna Coleman) muss sich erst an den neuen Doktor (Peter Capaldi) gewöhnen. (Foto: Polyband/BBC)

Aber erstmal zum neuen Doktor. Ich gebe es zu: Ich hatte mit keinem Doktor bisher sowenig Probleme am Anfang gehabt wie mit Capaldis. Nach drei jüngeren Doktoren ist der zwölfte Doktor einfach ein lang ersehnter Kontrapunkt für alle, die auch Old-Who kennen und lange schon auf einen älteren Doktor hofften. Und was für ein Kontrapunkt: Dieser Doktor ist endlich mal kein Love-Interest für seine Begleiterin, sondern hat sogar starke Probleme mit menschlicher Zuneigung umzugehen. Und er zeigt endlich wieder seine dunkle Seite: die Seite des Wahnsinnigen in einer Zeitmaschine, der zu oft über Leben und Tod entscheiden musste. Gleichzeitig kanalisiert Capaldi aber auch die überschäumende Energie von Smith, die Ungestümheit von Tennant und die Begeisterungsfähigkeit von Ecclestone – und er hat nimmt auch endlich wieder einen Löffel zur Hand*.

* Wobei eigentlich zwei Löffel authentischer gewesen wären.

Und einer der größten Problempunkte der letzten Smith-Folgen wird auch ausgemerzt: Companion Clara bekommt endlich richtig etwas tun und ist nicht nur ein einfaches Plot-Device. Sie ist endlich ein Mensch mit Stärken und Fehlern, und kommt in das Dilemma ihr normales Leben und ihr Leben an Bord der Tardis jonglieren zu müssen. Sie war einer der Schwachpunkte der zweiten Hälfte der siebten Staffel und, wie Showrunner Steven Moffat diese Woche einräumte, hatte auch bereits an einen Ausstieg aus der Serie gedacht, blieb dann aber doch der Serie treu und wird auch in der kommenden neunten Staffel wieder dabei sein.

Capaldi probiert sich auch mal als „Raggedy Doctor“ (Foto: Polyband/BBC)

Capaldi probiert sich auch mal als „Raggedy Doctor“ (Foto: Polyband/BBC)

Die Episoden im Einzelnen

Kleiner Warnhinweis: Wie immer versuche ich größere Spoiler hier möglichst zu vermeiden, kann sie aber nie ganz ausschließen.

8×01 „Tief Durchatmen“ („Deep Breath“): Die Einführung des neuen Doctors im viktorianischen England ist von den Effekten her beeindruckend, aber die Story ist dann doch etwas zu vollgestopft und ausgerechnet zum tiefen Durchatmen kommt man gar nicht. Rating: 7 Sterne

8×02 „Mission Dalek“ („Into the Dalek“): Kann man ein Gewissen ausschalten? Das von Daleks offenbar, wie bei der wunderbaren Miniatur-Reise festgestellt wird. Der interessantesten moralischen Konsequenz aus dieser Frage stellt sich aber weder der Autor und so auch nicht der Doctor. Schade. Rating: 6 Sterne

Tom Riley spielt Robin Hood, der ja eigentlich gar nicht existiert, meint jedenfalls der Doctor (Foto: Polyband/BBC)

Tom Riley spielt Robin Hood, der ja eigentlich gar nicht existiert, meint jedenfalls der Doctor (Foto: Polyband/BBC)

8×03 „Roboter in Sherwood“ („Robot of Sherwood“): Auch wenn viele andere meiner Freunde die Folge mochten – ich war hier tief enttäuscht, wie eigentlich von jeder Folge von „Sherlock“-Mitautor Mark Gatiss. Sie bringt zwar zeitweise Spaß ist aber letztlich mal wieder ein buntes Kuddelmuddel, und bekommt eigentlich nur wegen des Löffels noch Rating: 5 Sterne

Der Doktor hat eine neue Leidenschaft für Diagramme auf Kreidetafeln entdeckt (Foto: Polyband/BBC)

Der Doktor hat eine neue Leidenschaft für Diagramme auf Kreidetafeln entdeckt (Foto: Polyband/BBC)

8×04 „Hör zu“ („Listen“): Eine nahezu perfekte Episode. Moffat vermag es doch noch, gute Episoden zu schreiben und diese verdient es auf einem Level wie „Don’t Blink“ genannt zu werden. Rating: 10 Sterne

8×05 „Verschlusssache“ („Time Heist“): Warum bisher mit dem Motiv des vielschichtigen Heist-Films, der regelmäßig Wendungen mit sich bringt, bei Doctor Who noch niemand angekommen ist, bleibt eine Frage, bringt doch gerade diese Folge einfach viel Spaß und gleichzeitig genügend weitere Charaktere mit, die ich gerne weiter als Companions gesehen hätte. Rating: 9 Sterne

8×06 „Der Hausmeister“ („The Caretaker“): In „Rememberance of the Daleks“ wurde Sylvester McCoys Doktor vom Rektor der Coal Hill School gefragt, ob er sich denn als Hausmeister bewerben möchte. Nun ja, Timelords überlegen halt manchmal etwas länger und die Tatsache, dass er nun, sechs Regenerationen später, das Jobangebot endlich annimmt, ist schon eine tolle Idee allein. Besser ist das, was Capaldi daraus macht. Rating: 8 Sterne

8×07 „Tötet den Mond“ („Kill the Moon“): Es ist okay, dass der Doctor bisweilen düstere Entscheidungen trifft, die man nur schwer nachvollziehen kann. Aber dass er sich nicht in das Schicksal der Menschen einmischen möchte ist so dermaßen weit weg von dem, was er regelmäßig Woche für Woche macht … Und dazu kommen dann ein paar grundsätzliche Fragen von Himmelsmechanik, die die Folge einfach vermiesen. Rating: 5 Sterne

Eine der Highlights der Staffel: Mumien im Weltall (Foto: Polyband/BBC)

Eines der Highlights der Staffel: Mumien im Weltall (Foto: Polyband/BBC)

8×08 „Die Mumie“ („Mummy on the Orient Express“): Agatha Christie ist der Doctor ja bereits in der vierten Staffel getroffen, jetzt trifft er gleich noch auf ihre berühmteste Geschichte und gleichzeitig einem irrwitzigen Set-Design. Dazu eine durchweg spaßige Story. Rating: 8 Sterne

8×09 „Hinter den Wänden“ („Flatline“): Die Idee, den Doctor in seiner Tardis einzusperren und stattdessen Clara in der Funktion des Doctors agieren zu lassen ist klasse, dazu kommen die wohl interessantesten neuen Monster-Kreationen seit zwei Staffeln. Rating: 9 Sterne

8×10 „Ruf der Wildnis“ („In the Forest of the Night“): Öh, ja. Vergessen wir die Folge lieber schnell mal wieder. Der Schulausflug ist zwar noch ganz amüsant, aber die Auflösung ist sogar für Doctor Who gerade zu hahnebüchend. Rating: 4 Sterne

Die Auflösung, was Missy angeht im großen Finale (Foto: Polyband/BBC)

Im großen Staffelfinale erhalten wir endlich die Auflösung, was die mysteriöse Missy angeht (Foto: Polyband/BBC)

8×11 „Dunkles Wasser (1)“ („Dark Water (1)“) und 8×12 „Tod im Himmel (2)“ („Death in Heaven (2)“): Das zweiteilige Staffelfinal ist wieder ganz großes Tennis. Ich freute mich wie ein kleines Kind, dass ich Recht behalten sollte, was den Charakter von Missy anging. Und war gleichzeitig begeistert, dass ich die Herkunft des Firmen-Logos nicht erkannt hatte*. War traurig, einen meiner liebsten Nebencharaktere verloren zu haben, bekam einen Kloß im Hals, als sich die Serie vor dem Brigadier verbeugte und übersah beim ersten Ansehen glatt, dass sie den Vorspann der 12. Folge modifiziert hatten und Jenna Coleman erstmals zuerst genannt wurde. Großes Tennis. Rating: 9 Sterne

* Ja, ich freue mich darüber, wenn ich von Wendungen kalt erwischt werde, die gut vorbereitet waren und man hätte vorausahnen können. Passiert mir leider immer seltener.

Insgesamt bekam die 8. Staffel damit von mir im Durchschnitt sehr gute 7,4 Sterne.

Weihnachtsspecial 2014 „Hereingeschneit“ („Last Christmas“): Was für eine Mischung: Facehugger-Traum-Krabben, der Weihnachtsmann, Arktisstationen, Clara im schlechten Alters-Make-Up, der Weihnachtsmann, Elfen, Schlitten-ziehende Rentiere, Orangen und … erwähnte ich den Weihnachtsmann? Das alles passt eigentlich so gar nicht zusammen und eben doch. Vielleicht nicht die beste Weihnachtsfolge (das dürfte für mich bisher „A Christmas Carol“ (2010) sein), aber sie bringt Spaß, ist ausreichend chaotisch und weihnachtlich gleichzeitig. Und sie hat Nick Frost (den Weihnachtsmann). Rating: 8 Sterne

Extras: Wie bei Doctor Who mittlerweile üblich platzen die Scheiben nur so voller Bonus-Materialien. Neben den obligatorischen Set-Berichten und Interviews sind hier vor allen hervorzuheben: „The Ultimate Timelord“ und „The Ultimate Companion“, in der Peter Davidson (der fünfte Doktor) Antworten auf die Frage „Was macht den Doktor/die Companions aus“ Antworten sucht, und „The Five(ish) Doctors Reboot“, einem kleinen Special, ebenfalls von Peter Davidson produziert, in dem er einen eigenen Anteil am 50. Jubiläum der Serie haben möchte und dazu eine Mockumentary mit vielen Gastauftritten allerhand Doctor Who-Prominenz inszeniert.

Darüberhinaus gibt es das Prequel zur ersten Episode, das bisher nur bei der Kinoaufführung gezeigt wurde und Strax dabei zeigt, wie er die unterschiedlichen Regenerationen des Doctors einsortiert. Rating: 8 Sterne

Die deutschen Boxen werden immer besser

Insgesamt eine rundum gelungene Box deren Anschaffung nicht nur wegen der besseren Bildqualität gegenüber den Streaming-Anbietern vorzuziehen ist, sondern auch aufgrund der vielen Extras und der bereits vorhandenen Weihnachtsfolge von 2014 ein Muss für alle Whovians darstellt.

„Doctor Who – Staffel 8 – Komplettbox“ erscheint am 13. März 2015 auf DVD und Blu-Ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-Ray-Box freundlicherweise vorher als Rezensionsexemplar erhalten.

Oscar-Tipp 2015

22.
Feb.
2015
Oscar-Statuen (Foto: CC-BY 2.0 Prayitno/Flickr)

Oscar-Statuen (Foto: CC-BY 2.0 Prayitno/Flickr)

Die Oscars stehen mal wieder ins Haus. Letztes Jahr hatte ich bei dem Tippspiel im Freundeskreis ganze 19 von 24 Kategorien richtig getippt (79 %) und lag damit sehr knapp nur vor Andi, der 18 richtige Tipps hatte. Das wieder hinzubekommen, wird schwer. Aber, es wird Zeit, meine Tipps dieses Jahr vorzustellen:

  • Bester Film: „Birdman“
  • Bester Hauptdarsteller: Eddie Redmayne („The Theory of Everything“)
  • Beste Hauptdarstellerin: Julianne Moore („Still Alice“)
  • Bester Nebendarsteller: J.K. Simmons („Whiplash“)
  • Beste Nebendarstellerin: Patricia Arquette („Boyhood“)
  • Bester animierter Film: „How to Train Your Dragon 2“
  • Beste Regie: Richard Linklater („Boyhood“)
  • Beste Kamera: …Emmanuel („Birdman“)
  • Bestes Drehbuch (adaptiert): Graham Moore („The Imitation Game“)
  • Bestes Drehbuch (Original): Alejandro G. Iñárritu et al („Birdman“)
  • Bester fremdsprachiger Film: „Ida“ (Polen)
  • Bestes Produktionsdesign: „The Grand Budapest Hotel“
  • Beste Kostümgestaltung: „The Grand Budapest Hotel“
  • Beste Dokumentation (Feature): „Citizen Four“
  • Beste Dokumentation (Kurz): „Crisis Hotline: Veterans Press 1“
  • Bester Schnitt: „Boyhood“
  • Bestes Make-Up und Frisur: „Foxcatcher“
  • Beste Musik (Score): Jóhann Jóhannsson („The Theory of Everything“)
  • Beste Musik (Lied): „Glory“ (aus „Selma“)
  • Bester Kurzfilm (animiert): „Feast“
  • Bester Kurzfilm (Live-Action): „The Phone Call“
  • Bester Tonschnitt: „American Sniper“
  • Beste Tonmischung: „Whiplash“
  • Beste visuelle Effekte: „Dawn of the Planet of the Apes“

Nicht meine Meinung über die Filme, sondern über die Academy

Wie gesagt: Das sind meine Tipps, wie ich glaube, dass sich die Academy entscheiden wird, was nicht immer damit übereinstimmt, was ich selbst wählen würde, hätte ich zu entscheiden. Ich fand bspw. „The Imitation Game“ emotional mitnehmender als „Birdman“, dennoch glaube ich, dass die Academy sich für letzteren entscheiden wird. Und die Story von „Baymax“ fand ich auch besser als die von „How to Train Your Dragon 2“, dennoch glaube ich, dass letzterer gewinnen wird. Mein persönlicher Favorit als bester animierter Film letzten Jahres wurde aber von der Academy ohnehin übergangen: „Der Lego Film“ wurde nicht nominiert. Wenn er mit der Nominierung für den besten Song gewinnen sollte, freut mich das extrem, aber ich glaube hier wird sich „Glory“ durchsetzen. Es ist die Academy und die hat halt einfach keinen Sinn für fantastische Filme.

Neil Patrick Harris auf dem Weg zum Host-Quadrupel

Und gespannt bin ich dann auch darauf, wie Neil Patrick Harris die Oscars moderieren wird. Ellen Degeneres letztes Jahr zu toppen wird nicht ganz so einfach. Allerdings hat Harris bereits die Emmys und die Tonys mit sehr viel Spaß und Elan moderiert, ihm fehlen nach Sonntag nur noch die Grammys, dann wäre er der allererste EGOT-Moderator!

Filmkritik: „Northmen: A Viking Saga“ – ein FSK-16-Disney-Märchenfilm für Rollenspieler

18.
Feb.
2015

Um es gleich zu sagen: Dieser Film ist nicht historisch genau, erzählt nicht das wahre Leben der Wikinger und orientiert sich auch nicht an einer Sage, was für Christina Riez von Spiegel Online offenbar die einzigen Kriterien sind, die ein Film über Wikinger erfüllen darf.*

* Hat sie eigentlich „Erik, der Wikinger“ oder „Wickie“ gesehen?

Die Gefährten, äh, die Wikinger-Truppe am Anfang ihrer Quest (Ascot Elite Home Entertainment)

Stattdessen erzählt er, wie eine Gruppe schiffbrüchiger Wikinger zufällig eine schottische Prinzessin (Charlie Murphy, „Philomena“) auflist, die mit einem bösen Stief-Vater geschlagen ist. Der hat kurzerhand eine Gruppe blutrünstiger Söldner ihr hinterher gesandt, die sie nicht etwa aus der Hand der Wikinger-Invasoren unbeschadet retten sollen, sondern alternativ einfach töten, und wie die Söldner der Zeit nun mal so sind, haben sie nur den letzten Part des Satzes im Kurzzeitgedächtnis behalten.

Was die Wikinger nun auch erstmal ziemlich verwirrt, die eigentlich auf ein stattliches Lösegeld hofften. Unerwartet bekommen sie von einem christlichen Mönch (Ryan Kwanten, „True Blood“) Hilfe, der praktischerweise einem D&D-Grundbuch entsprungen scheint und extrem gut mit einem Kampfstab umgehen kann.

Und so geht eine wilde Treibjagd durchs unberührte Schottland los – was man praktischerweise aber im unberührten Südafrika drehen konnte.

Wer es nicht erkannt hat: Eigentlich eine ziemlich klassische Erzähl-Struktur, die mit weit weniger Blutspritzern, grausigen Fallen und Splattereffekten eigentlich auch in einem Disney-Zeichentrickfilm erzählt werden hätte können: Ein schurkischer Held mit seiner Bande trifft auf eine Prinzessin, beide wollen eigentlich nichts voneinander wissen, doch ein gemeinsamer Feind von Außen setzt ihnen so lange zu, bis sie erstaunt feststellen, dass da mehr zwischen ihnen ist.

Garniert wird das ganze mit skurillen und witzigen Nebencharakteren, die mehr oder weniger den Plot ignorieren, aber ohne die der Film nicht halb soviel Spaß bringen würde. Denn genau das tut er trotz des einfach gestrickten Plots: Er bringt einfach Spaß.

Eine simple Story, mit viel Liebe inszeniert

Eigentlich hatte ich nicht viel von dem Film erwartet, wurde dann aber doch sehr positiv überrascht. Überrascht, weil der Film einfach soviel richtig macht und das Geek-Herz aufjauchzen lässt. Die Kämpfe sind blutrünstig und effekthascherisch mit vielen kleinen Gags aber auch einigen Splatter inszeniert, das Drehbuch ist simpel aber klar strukturiert, der Score ist monumental und erinnert zusammen mit den tollen Landschaftsaufnahmen und Einstellungen, in denen beispielsweise eine Helikopter-Kamera über die durch die Steppe laufende Heldentruppe hinweg fliegt, angenehm an „Herr der Ringe“ .

Der Kampf-Mönch Conall (Ryan Kwanten) im Action-Modus (alternativ kann er auch leise vor sich hin beten) (Ascot Elite Home Entertainment)

Nun gut, ein paar Kritikpunkte gibt es doch – vor allen die zu hölzerne Kunst von Hauptdarsteller Tom Hopper (der schon in der TV-Serie „Merlin“ zeigte, dass sein Bizep mehr Mimik als sein Gesicht hat), das furchtbare Over-Acting von Bösewichtdarsteller Ed Skrein (der in „Game of Thrones“ inzwischen zwischen zwei Staffeln einfach ersetzt wurde) und natürlich verliert der Testosteron-triefende Film auch den Bechdel-Test gnadenlos schon auf der ersten Stufe: Es gibt einfach nur eine Frau im ganzen Film.

Der Deutsche Darsteller Ken Duken (hier links) spielt auch mit, als Wikinger Thorald (keine Ahnung, an wessen Seite er hier steht, ich glaube das ist Leo Gregory). (Ascot Elite Home Entertainment)

Der Deutsche Darsteller Ken Duken (hier links) spielt auch mit, als Wikinger Thorald (keine Ahnung, an wessen Seite er hier steht, ich glaube das ist Leo Gregory). (Ascot Elite Home Entertainment)

Aber all das verzeiht man dann doch, wenn ein Axt-schwingender, bärtiger Wikinger das gleiche störrische Gemüt wie Gimli aufweist und der Kampf-Mönch gleichzeitig Legolas kanalisiert. Allgemein wird die Heldentruppe zu einer Gruppe von Gefährten, deren weitere Reisen man einfach gerne zuschauen mag. Vielleicht auch, weil die Abenteuer so sehr an einen spaßigen Pen-&-Paper-Abend mit Bier und Bretzeln erinnern.

Und wenn Ihr noch einen Grund braucht diesen Film zu lieben: Es ist eben keine Produktion aus den USA sondern eine Schweiz-Deutschland-Südafrika-Koproduktion. Ja, wir können also durchaus auch Filme produzieren, die so aussehen, als hätten Sie ein weit größeres Hollywood-Budget. Allein das sollte ein Grund sein, den Film sich mit etwas Geek-Stolz ins Regal zu stellen.

„Northman: A Viking Saga“ erscheint am 23. Februar 2015 erst im Verleih, ab 3. März 2015 dann auch im Verkauf auf DVD und Blu-Ray, sogar als Steelbook. Offenlegung: Ich habe die Blu-Ray freundlicherweise bereits vor der Veröffentlichung als Rezensionsexemplar erhalten.

cover_northmen_steelbook„Northmen – A Viking Saga“ (CH/D/ZA, 2014)

Regie: Claudio Fäh

Darsteller: Tom Hopper, Ryan Kwanten, Charlie Murphy, Ed Skrein

Score: Monumental, tolle Hymnen und actiongeladene orchestrale Musik. Komponist Marcus Trumpp bekommt sogar eine eigene, kurze Featurette zusammen mit dem Metal-Frontman Johan Hegg von Amon Amarth, der sogar eine Rolle im Film übernommen hat.

Rollenspiel-Inspirationsfaktor: Der ganze Film ist ein klassischer Rollenspielplot, ein Action-Adventure, bei dem man als P&P-Spieler immer mal wieder überlegt, welche Spielwerte denn hier verwendet werden.

Extras: Liebevoll zusammengestellte Making-Ofs, Featurettes, eine kurze Blooper-Szene sowie Blicke hinter die Kulissen und die umfangreichen Effekte. Und natürlich gibt es auch das Musikvideo „Deceiver of the Gods“ von der am Film beteiligten Metalband Amon Amarth zum Headbangen.

Rating: 8 Sterne