Der Konflikt zweier Spezies auf unserer Welt: „Earth: Final Conflict“ Staffel 4

Die Jaridians sind nicht ganz so badass, wie gedacht … (Foto: Pandastorm Pictures)
Die Jaridians sind nicht ganz so badass, wie gedacht … (Foto: Pandastorm Pictures)

Die großen Feinde der Taelons tauchen endlich auf: Die Jaridians sind ein wenig die Antithese der vergeistigten und energiebasierten Außerirdischen, doch sie teilen ein ähnliches Schicksal: Beide stellen sich als aussterbendes Volk heraus. Auch Lili Marquettes Hybrid-Baby stellt sich nicht als die erhoffte Lösung für das Problem heraus, Lili muss erneut untertauchen. Dasselbe Schicksal ereilt Augur, der vor dem Gesetz fliehen muss. Liam und Renee schließen sich hingegen einer offensiveren Rebellion an, der Atlantic National Alliance, welche den Konflikt gegen die Taelons wieder aufnehmen will. Letztlich kommt es zu einem Showdown zwischen den Taelons und den Jaridians, bei denen Liam sie überzeugt, sich zu vereinen zu einer Urspezies, welche bessere Überlebenschancen haben soll …

Staffelstab-Übergabe: Auf Augur (r.) folgt Juliet Street (Melinda Deines und Richard Chevolleau, Foto: Pandastorm Pictures)
Staffelstab-Übergabe: Auf Augur (r.) folgt Juliet Street (Melinda Deines und Richard Chevolleau, Foto: Pandastorm Pictures)

Auch in der vierten Staffel geht das Personal-Karussell munter weiter. Diesmal ist es Augur (Richard Chevolleau), der die Show verlässt und dessen Funktion durch Juliet Street (Melinda Deines) ersetzt wird, auch Lili Marquette (Lisa Howard) und Jonathan Doors (David Hemblen) verbleiben weiterhin auf Gastrollen reduziert.

Während der Plot zunehmend soapiger wird, erlebt man als Zuschauer aber eine recht herbe Enttäuschung: Der lange angedeutete kommende Krieg zwischen den Taelon und den Jaeridians entpuppt sich als Kampf zweier sterbender Völker, nicht als Kampf zwischen Geist und Intellekt sowie schierer Masse und Körperkraft. Statt eines Krieges bekommen wir nur die Ahnung eines solchen gezeigt, die Serie taucht derweil lieber in recht austauschbare Plots der Woche ab: ein paar SciFi-Krimi-Plots, ein paar Intrigen, und ein paar mysteriöse Alien-Artefakte.

Abermals prachtvoll: Das Artwork der CDs in der Box
Abermals prachtvoll: Das Artwork der CDs in der Box

Pandastorm veröffentlicht hier abermals eine gelungene Box, auch wenn es abermals neben dem Booklet keine Specials gibt. Generell muss man sagen: In der vierten Staffel verliert die Serie einiges an Fahrt, dennoch ist sie immer noch kein so seltsames Konstrukt, wie die fünfte Staffel. Aber dazu demnächst mehr.

Rating: 3 Sterne

Die vierte Staffel von „Earth: Final Conflict“ erschien bei Pandastorm Pictures am 15. April 2016 auf DVD. Offenlegung: Ich habe die DVD-Box freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Sherlocks Trip in die Vergangenheit

Kritik zur Blu-ray von „Sherlock: Die Braut des Grauens“

4006448363864_highEs ist 1895. Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) und sein enger Freund Dr. Watson (Martin Freeman) bekommen einen mysteriösen Fall anvertraut: Emelia Ricoletti, die in einem Hochzeitskleid gekleidet von einem Balkon aus öffentlichkeitswirksam Selbstmord begangen hat und unter der Erde liegt, soll als Geist zurückgekehrt sein, um ihren eigenen Mann umzubringen. Für den streng an die Logik glaubenden Privatdetektiv ist dies natürlich keine ernstzunehmende Option. Aber kann er der „Braut des Grauens“ auf die Spur kommen? Und gehören Sherlock und Watson nicht eigentlich in das 21. Jahrhundert?

Auch im klassischen Look machen beide eine gute Figur (Martin Freeman und Benedict Cumberbatch, Foto: Polyband/BBC)
Auch im klassischen Look machen beide eine gute Figur (Martin Freeman und Benedict Cumberbatch, Foto: Polyband/BBC)

Seit 2010 begeistern Cumberbatch und Freeman bereits in ihren Rollen als moderne Varianten der weltberühmten Romanfiguren von Arthur Conan Doyle. Die Neuauflage der BBC hat rasant Fanherzen erobert und nur einen gewaltigen Nachteil: Sie kann wegen der gut gefüllten Terminkalender der Stars und Produzenten nur alle paar Jahre inszeniert werden. Bisher wurden drei Staffeln mit je drei 90-minütigen Episoden gedreht, nun hat uns die BBC Anfang des Jahres (und zu Ostern hier in der ARD) mit einer neuen Episode überrascht, die etwas aus dem Rahmen fällt: Die Darsteller werden tatsächlich ins viktorianische London katapultiert und dürfen sich oppulent im BBC-Fundus bedienen um eine etwas andere Geschichte zu inszenieren.

Selbst für Watsons grandios-seltsamen viktorianischen Schnurrbart gibt es letztlich eine Erklärung (Martin Freeman, Foto: Polyband/BBC)
Selbst für Watsons grandios-seltsamen viktorianischen Schnurrbart gibt es letztlich eine Erklärung (Martin Freeman, Foto: Polyband/BBC)

Dennoch fügt sich die Folge in den Seriencanon geschickt ein und bringt ebenso viel Spaß wie andere Folgen der Serie. Zwar hätte man sich mehr Zeit mit den beiden gewünscht, aber es wird ja aktuell bereits eine neue Staffel gedreht.

Die Geschichte selbst ist im Kern dann letztlich eine sehr klassische Sherlock Holmes-Geschichte, die aber durch die Spielfreude der Protagonisten wie auch die mehrschichtige Erzählstruktur bisweilen doch zu überraschen weiß.

Auch an Extras bietet die Box einiges: Durch zwei kurzweilige Produktionseinblicke führt Co-Produzent Mark Gatiss, ein Special informiert über die Ausstattung und die Produzenten stellen sich Fragen aus dem Internet (alles OmU).

Rating: 4 Sterne

„Sherlock: Die Braut des Grauens“ erschien am 29.03.2016 bei Polyband auf DVD und Blu-ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

„Doctor Who“ Staffel 9 – Die bisher beste Staffel

4006448364038_highDie Box:

Diesmal habe ich die Folgen einzeln bereits während der Ausstrahlung rezensiert, präsentiere hier aber die komplette Zusammenfassung anlässlich der deutschen Veröffentlichung auf DVD und Blu-ray. Und was für eine Staffel – von ein bis zwei Ausrutscher abgesehen präsentiert sich Capaldi hier auf äußerst hohem Niveau und Coleman ist in ihrer Abschiedsstaffel wie aus einer Lethargie befreit.

Die Ausstattung der deutschen Box ist erfreulicherweise mit dem britischen Pendant nahezu identisch, wobei die Briten zusätzlich noch das Weihnachtsspecial „Last Christmas“ bekommen, das in Deutschland aber bereits auf der Komplettbox der achten Staffel erschienen war. Die Box selbst strotzt nur so mit Bonus-Features, Audiokommentaren, Interviews und Set-Berichten und beinhaltet auch die beiden Kurzfilme, die vor der Auftaktfolge angesiedelt sind (allerdings nur in OmU). Insgesamt hat sich Polyband hier wieder sehr viel Mühe gegeben.

Die Folgen:

9×01: „Der Zauberlehrling (1)“

(OT: „The Magician’s Apprentice (1)“)

Der Doktor mit seinem ältesten Feind und seinem ältesten Verbündeten (Michelle Gomez als Missy, Peter Capaldi als der Dkctor und Jenna Coleman als Clara, Foto: Polyband/BBC)
Der Doktor mit seinem ältesten Feind und seinem ältesten Verbündeten (Michelle Gomez als Missy, Peter Capaldi als der Dkctor und Jenna Coleman als Clara, Foto: Polyband/BBC)

Die neunte Staffel beginnt mit einer Folge, die einem Staffelende würdig wäre, sie fährt enorm viel auf, nur um es dann zwei Szenen weiter erstmal zu ignorieren, weil noch größere Kanonen aufgefahren werden. Nun, eher: Handminen. Und: Davros. Und: Die Schattenproklamation. In der Zeit stillstehende Flugzeuge überall auf der Welt. U.N.I.T. ist wieder da. Missi lebt. Panzer im mittelalterlichen Essex. „Dude“, diese Folge steht einem wirklich der Mund offen vor Momenten, die man nicht wirklich fassen vermag. Noch dazu endet sie mit einem Cliffhanger im Stil von „Let’s Kill Hitler“. Wow. Einfach wow. Wobei diese Folge sich für Neueinsteiger ins Whoniversum kaum eignen wird, zu viele alte Fäden werden hier aufgegriffen ohne sie wirklich zu erklären. Für Fans der alten und neuen Serie aber: Wow! So kann die Staffel gerne weitergehen. ★★★★★

9×02: „Hexenkunst (2)“

(OT: „The Witch’s Familiar (2)“)

Man sollte einen Zweiteiler eigentlich erst bewerten, wenn man ihn ganz gesehen hat, oder? Jedenfalls begeistert mich die zweite Episode weit weniger als die erste, die Auflösung des spannenden Dilemmas wird nahezu ignoriert oder weggewaschen. Wozu fährt Moffat all das auf, um es dann gleich wieder liegen zu lassen? Zumindest bleibt Missy ein Lichtblick – mit dem Abstrich, dass es nicht allzuviel Spaß bringt, den Master beim reinen Improvisieren zuzuschauen, ohne dass ein meisterhafter Plan dahintersteckt und irgendwann aufgelöst wird. Irgendwie atypisch halt.

Von einem grandiosen Plan ist hier jedenfalls noch keine Spur. Stattdessen wird Clara ein drittes Mal in einen Dalek gesteckt. Aha. Hatten wir das nicht schon oft genug? Und bin ich der Einzige, der sich daran stört, dass es anscheinend nicht mehr gefährlich ist, einen Dalek zu berühren? Letztlich kein Komplettausfall, aber daraus hätte man mehr machen können, wobei ich das Gefühl nicht los werde, dass Moffat hier ein paar Sachen für später versteckt hat. Andererseits warte ich schon seit „The Eleventh Hour“ darauf, dass der Elektronikhersteller „MΨTH“ nochmal eine Rolle spielen wird. ★★★☆☆

9×03: „Spur im See (1)“

(OT: „Under the Lake (1)“)

Ach so, die aktuelle Staffel besteht also größtenteils aus Zweiteilern. Vielleicht hätte ich das vorher einmal lesen sollen, aber eigentlich versuche ich ja, Spoilern aus dem Weg zu gehen, wenn sie nicht von Alex Kingston ausgehen.

Dieser Zweiteiler jedenfalls beginnt recht gemischt, er zeigt eine Clara, die in der Rolle als Companion mittlerweile völlig aufgeht und regelrecht auf das Abenteuer brennt, während der Doktor selbst etwas zurückhaltender und vorsichtiger ist. Ein interessanter Rollentausch, und die Idee mit Claras Karteikarten zur Ansprache von Gruppen durch den sozial oft etwas unbeholfenen Doktor (man erinnere sich an „Midnight“) ist genauso treffend wie humorvoll. Sehr gut auch die Idee mit einer taubstummen Kommandantin auf der Unterseestation und die Tatsache, dass diese Lippen lesen kann, ist ebenfalls sehr gut in die Story integriert. Leider ist die Hauptstory der Folge etwas generischer und erinnert stark an das letztjährige „Mummy on the Orient Express“. Und der Cliffhanger wirkt dann doch etwas aufgesetzt, dennoch: sehr unterhaltsam. ★★★★☆

9×04: „Vor der Flut (2)“

(„Before the Flood (2)“)

Was hatte ich letzte Woche gesagt zu dem Cliffhanger? Er wirke aufgesetzt? Und ich befürchtete schon, dass er ebenso ignoriert werden würde wie in dem Zweiteiler zuvor? Diese Folge schafft es, den Cliffhanger komplett wichtig zu nehmen und zu etwas sehr Interessanten auszubauen. Ein wunderbares Dilemma von Zeitreisegeschichten wird thematisiert und in ordentliche Gehirnverrenkungen umgeformt und das Ganze auch noch mit einer kurzen Geschichte rund um Beethoven illustriert, die der Doktor vor dem Vorspann erzählen darf.

Toll erzählt, schön inszeniert – nur an die Sonic-Sunglasses habe ich mich immer noch nicht gewöhnt. Ganz groß aber auch die Rock-Variante der Vorspannmusik! ★★★★★

9×05: „Das Mädchen, das starb“

(„The Girl Who Died“)

Wikinger! Wann gab es bei Doctor Who eigentlich zuletzt Wikinger? Das muss ich gleich mal nachgucken …

(10 Minuten Recherchearbeit später) Kann nicht sein, es gab bei Doctor Who echt bisher noch keine wirkliche Wikinger-Folge? Wirklich? Gut, es tauchten ein paar Wikinger-Legenden beim siebten Doktor auf im Serial „Die Todesbucht der Wikinger“ („Curse of Fenric“), aber das waren Nachkommen der Wikinger und keine echten.

Nun also endlich eine Wikinger-Folge, und dann gleich eine wirklich sehr unterhaltsame. Jamie Mathieson, der uns letztes Jahr bereits die wirklich guten Folgen „Die Mumie“ („Mummy on the Orient Express“) und „Hinter den Wänden“ („Flatline“) beschert hat, schafft es hier, ein flottes Skript zu verfassen, das kaum an Spannung zwischenzeitlich verliert, dafür die Sonic Sunglasses entsorgt (endlich!) und mit Ashildr (Maisie Williams, „Game of Thrones“) einen wirklich tollen neuen Protagonisten einführt um ihn am Ende offenbar als neuen Antagonisten im Whoniversum zu etablieren. Und dann die Begründung, warum der Doktor sich eben dieses Gesicht ausgesucht hat! Ein Rückblick auf Tennant! Heidi! Und Benny-Hill-Musik! Wieder eine herausragende Episode! Diese Staffel hat das Potenzial ganz groß zu werden! ★★★★★

9×06: „Die Frau, die lebte“

(„The Woman Who Lived“)

Ashildr ist bereits wieder da, auch wenn sie sich nicht mehr so nennt oder auch nur eine Ahnung hat, dass sie jemals diesen Namen einst getragen hatte: Das menschliche Gehirn ist halt nur in der Kapazität auf ein Leben ausgelegt (tolle Idee!). Ihre Abhilfe: viele Tagebücher. Und natürlich Swashbuckling-Abenteuer. Hach, Swashbuckling. Aber eine Folge, die fast gänzlich ohne die aktuelle Companion auskommt. Und gerade deswegen mal wieder deutlich zeigt, dass Claras Zeit abgelaufen ist.

Aber Ashildr/Ich ist tatsächlich auch keine geeignete Companion für den Doktor, da hat er schon ganz recht. Ansonsten ein recht generischer Plot, aber die Erwähnung von Jack Harkness und das bisschen Philosophie am Schluss reißen es dann doch wieder raus. Hätte mir aber vielleicht doch eine etwas längere Pause zwischen diesen beiden Folgen gewünscht, da sie nicht wirklich als Zweiteiler nötig waren. Freue mich aber darauf, „Ich“ wiederzusehen, die Sonnenbrille aber bitte … ach, ich geb schon auf! ★★★★☆

Wie gut für den Doktor (Peter Capaldi), dass es in der Zukunft gute Roaming-Verträge gibt (Foto: Polyband/BBC)
Wie gut für den Doktor (Peter Capaldi), dass es in der Zukunft gute Roaming-Verträge gibt (Foto: Polyband/BBC)

9×07: „Die Invasion der Zygonen (1)“

(„The Zygon Invasion (1)“)

Als Ende der letzten Staffel Osgood durch Missi umgebracht wurde, hatte ich einen ziemlichen Kloß im Hals. Osgood hatte mich bereits begeistert, als ich nur ihren Schal entdeckte, den sie in „Der Tag des Doktors“ (dem 50-Jahre-Jubiläum) trug.

Nun ist sie zurück, oder vielleicht ihre Zygon-Kopie, aber eigentlich ist es gar nicht wichtig, was sie eigentlich ist – wow, eine so schöne und klare Botschaft gegen Fremdenhass gab es lange nicht mehr in Doctor Who. Doch dann der Schock, denn die Zygonen proben den Aufstand und bald können wir auch schon nicht mehr sicher sein, wer hier ein Betrüger ist, und wer ein Original, was in einer etwas kruden Szene mündet, indem ein Spezialkommando völlig überfordert erscheint.

Nach der eher spaßigen Folge von letzter Woche diesmal eine sehr actionlastige und gleichzeitig gruselige, passend zu Halloween im UK-Fernsehen ausgestrahlt. Und bevor jemand fragt: Ja, die nach einer Gameshow benannte Stadt „Truth or Consequences“ in New Mexiko existiert tatsächlich. Nebenbei erwähnt: Mittlerweile bin ich von diesem Zweiteiler-Konzept in dieser Staffel wirklich begeistert! ★★★★☆

9×08: „Die Inversion der Zygonen (2)“

(„The Zygon Inversion (2)“)

Basil? Die Folge setzt nahtlos an und bietet nach einigen Vorlauf nicht nur eine wunderbare philosophische Diskussion, sondern lässt auch weiter die 50-Jahre-Jubiläums-Folge hochleben. Einen Moment glaubte ich schon, sie würde einen billigen Ausweg nehmen und tatsächlich entweder alle Zygonen töten oder in Menschen verwandeln, aber die präsentierte Lösung ist weit weit besser und gleichzeitig glänzt Capaldi hier mit einem der wohl großartigsten Monologe in der Tradition aller Doktoren überhaupt.

Und natürlich waren wir alle davon überzeugt, dass Osgood eine perfekte und interessante Companion wäre (das war ich schon seitdem ich das erste Mal ihren Schal gesehen habe). Dann das Angebot – das sie ablehnt! Hach. Seufz. Nur die arme Kate, die nun schon so oft geblitzdingst wurde und jedesmal neu überzeugt werden muss bleibt als große Verliererin über. Einziger wirklicher Kritikpunkt: Wie bitte funktionieren jetzt die Formwandelfähigkeiten der Zygonen eigentlich wirklich? Gibt es da jetzt ein definitives Konzept? Oder ist es einfach nur Timey-Wimey? ★★★★★

9×09: „Morpheus Arme“

(„Sleep No More“)

Diesmal geht es also um Schlaf und einigen sehr netten Ideen: Maschinen, die das Schlafbedürfnis drastisch reduzieren, die gesamte Folge als Aufnahme von „Helm“-kameras, die Idee, dass der Doktor in der Doku eines anderen einfach mal auftaucht und das Ganze „Nicht anschauen!“ am Anfang.

Leider entwickelt es sich wie nahezu jede Folge von Mark Gatiss: Schöne Ideen zerfallen zu Staub und zu einen storytechnisch unzusammenhängenden Murks, ohne wirklich sinnvolle Auflösung, Erklärung oder irgendetwas Befriedigendes am Schluss. Ich weiß einfach nicht, warum alle auf seine Episoden so sehr stehen: Weder „Die rastlosen Toten“ (1×03), noch „The Idiot’s Lantern“ (2×07) waren schon bei Davies wirklich gut, und bei seinem Kumpel Moffat hat er die „viele viele bunte Daleks“ in „Sieg der Daleks“ (5×03) verbrochen, „Nacht der Angst“ (6×09) war lahm genauso wie „Kalter Krieg“ (7×09) und „Der feuerrote Schrecken“ (7×12). Auch in „Roboter in Sherwood“ (8×03) mochte ich eigentlich nur die Idee mit dem Löffel-Schwertkampf. Es ist bei ihm immer das selbe: Ein tolles Setting oder eine tolle Idee mündet in bestenfalls müder Ausführung und einem mittelmäßigen Drehbuch. Der bisherige Tiefpunkt der Staffel. ★★☆☆☆

9×10: „Das Schattenquartier“

(„Face the Raven“)

Es gab eine Zeit, da war ich genauso wie Matt Smiths Doktor von dem Geheimnis rund um Clara fasziniert. Als ihre erste eigene Staffel anfing, verlor ich schnell das Interesse an ihr, sie war dann doch zu wenig Companion, zu sehr Mysterium. Als das endlich gelöst war, hatte sie kaum Zeit bei Matt Smith noch ordentlich Companion zu sein, doch mit Capaldi zeigte Clara plötzlich eine unbändige Chemie, die nur durch die eher schnöde Danny-Pink-Romanze etwas geschmälert wurde.

In dieser Staffel hatte ich an ihr aber rein gar nichts auszusetzen, mir war aber wie allen klar, dass ihr Schwanengesang nahe war und in dieser Staffel stattfinden würde. Ich tippte aber aufs Staffelfinale und dachte auch, dass dies noch gar nicht stattfinden würde – Junge, habe ich mich geirrt. Der Abschied fand aber immerhin in einer soliden, wenn auch bis zu dem Punkt nicht wirklich herausragenden Folge statt, die Idee mit dem Countdown-Tattoo war sehr nett, aber es wirkte dann doch etwas arg konstruiert – wurde aber sinnvoll aufgelöst.

Ashildr/Ich zeigte eine Kaltherzigkeit die aber aufgrund ihres langen Lebens nachvollziehbar war und der eigentliche Abschied von Clara gelang dann hochemotional, gleichzeitig aufgrund des „Fehlers“ äußerst tragisch und trotz der Implikation fast als Kammerspiel mit einer brillanten Darstellerkunst von Capaldi, Williams und Coleman sowie einem grandiosen Abschiedsthema von Komponist Murray Gold. Ich werde sie vermissen, zumal Companions bei Doctor Who doch eigentlich nicht sterben*. Aber nun: Auf ins Finale! ★★★★☆

* Das ist natürlich nicht wahr, es gab einige Todesfälle bei OldWho, schon beim ersten Doktor sind Companions gestorben. Bei NuWho sah es bisher aber etwas anders aus, zumindest bei den Langzeitcompanions, die eher durch das Trope Unfreiwillige-Trennung-durch-MacGuffin ausgebaut wurden. Am tragischsten war damals für mich noch Donna Nobles „Reset“.

Rein technisch gesehen zählen zu den toten Companions auch Amy und Rory, welche in der Zeit für den Doktor verloren gingen, aber dennoch ein glückliches und langes Leben noch miteinander hatten – aber wir sahen in der selben Folge ihres Ausbaus noch ihren Grabstein! Und dann ist da noch eine gewisse Clara, die strenggenommen sogar aberwitzig oft für den Doktor gestorben ist um diesen zu retten. Insofern ist dieser Tod dann doch ein wunderbar sentimentaler Schluss.

9×11: „Die Angst des Doktors“

(„Heaven Sent“)

Es ist Peter Capaldi hoch anzurechnen, wie er einen durch diese seltsame Episode trägt. Ich war mittendrin noch sehr zwiegespalten über die seltsame Story des Doktors in diesem seltsamen Gebäude, nahm nur irgendwie an, dass es irgendetwas mit dem „Confession Dial“ zu tun haben würde und eine hahnebüchende Erklärung irgendwann aus dem Hut gezogen werden würde und ich mich über Moffat deswegen aufregen müsste.

Doch dann bringt er tatsächlich das Teleporter-Dilemma in eine Geschichte mit dem Doktor ein und der Doktor schlägt sich über Millennia hinweg durch Diamant, bis er endlich fliehen kann. Er stirbt dabei unzählige Tode und nähert sich so Claras Geschichte an, die selbst unzählig oft starb und hier als seine Ratgeberin und Lehrerin in einer seltsamen Form der Trauerbewältigung nochmal auftaucht. Gleichzeitig beweist Moffat, dass die Serie immer noch viel Neues zeigen und überraschen kann. Wunderbare Folge! ★★★★★

Der Doktor ist zurück auf Galifrey (Peter Capaldi, Foto: Polyband/BBC)
Der Doktor ist zurück auf Galifrey (Peter Capaldi, Foto: Polyband/BBC)

9×12: „In Teufels Küche“

(„Hell Bent“)

Der Doktor ist zurück auf Gallifrey und macht zunächst genau das, was der Doktor macht: Er liefert sich mit dem Präsidenten der Timelords nur mit Worten und Präsenz ein Duell und gewinnt dies. Dann macht er genau, was der Doktor macht: Er rettet Clara doch noch.

Eine viel zu lange Zeit hält er mich tatsächlich in dem Glauben, dass Clara genau das gleiche Ende wie Donna bekommen wird. Doch dann dreht Moffat wieder einen typischen eigentlich unmöglichen Twist in seiner Story und am Ende reisen Ich und Clara mit einer eigenen Tardis (im Retro-Look!) durch das Universum in dem Wissen, dass Clara eines Tages wieder auf Gallifrey zurückkehren muss, in genau dem Moment, aus dem sie herausgerissen wurde. Damit ist Clara nun endgültig selbst zum Doktor geworden: Sie rennt von Gallifrey in einer gestohlenen Tardis weg mit einer Companion an ihrer Seite.

Währenddessen löscht der Doktor alle emotionalen Verbindungen an sie und hat letztlich auch den Abschied von ihr verarbeitet und seine Trauer in einen Gitarrensong gelegt, der eben genau das wunderschöne Thema aufweist, das Murray Gold einst für Clara eingeführt hat. Und: er bekommt einen neuen Sonic Screwdriver, womit endlich die Sonic Shades durch sein dürften (juchu!).

Clara tauchte einst mit dem Spruch „Run you clever boy and remember“ auf. Dies kann der Doktor nun nicht mehr. Was für ein bitter-süßes Ende von was für einer gelungenen Staffel. ★★★★★

Weihnachtsspecial 2015: „Besuch bei River Song“

(„The Husbands of River Song“)

Zu Weihnachten kommt ein Mann ganz in Rot gekleidet (Peter Capaldi als der Doctor, Alex Kingston als River Song sowie Hydroflax, Foto: Polyband/BBC)
Zu Weihnachten kommt ein Mann ganz in Rot gekleidet (Peter Capaldi als der Doctor, Alex Kingston als River Song sowie Hydroflax, Foto: Polyband/BBC)

Ja, es bringt eine Zeitlang Spaß, wie verbohrt River dabei ist, völlig auszublenden, dass der Doktor direkt vor ihr steht. Aber es wird dann doch schnell überstrapaziert, und auch nur, um noch einen weiteren Gag aus dem ausgerittenen Pferd zu quetschen. Auch die Idee, River bei ihrer „archäologischen Arbeit“ einmal zu besuchen, hält nicht für die ganze Episode stand und das Ganze noch dazu in weihnachtlicher Deko zu packen ist dann doch ziemlich aufgesetzt (aber für ein Weihnachtsspecial vielleicht unausweichlich). Ich möchte zwar eigentlich die zusätzliche Folge zu Weihnachten nicht missen, aber in den letzten Jahren sind diese gegenüber den eigentlichen Staffeln doch ziemlich schwächer geworden. Vielleicht waren sie es schon immer?

Aber es gibt auch schöne Momente, wie die erste Chance des Doktors über die Tardis staunen zu dürfen und vor allen aber der gemeinsame Abschluss mit dem Doktor und River auf dem Restaurant-Balkon. Beide haben gerade in ihren jeweiligen Zeitlinien einen starken Verlust erlitten – der Doktor Clara und River ihre Eltern – und ihr Dialog über das „Happily Ever After“ (interessant, dass wir in den deutschsprachigen Märchen da weit realistischer sind und im Gegensatz zum Englischen den Tod durchaus in „… und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende“ erwähnen) und was dies wirklich bedeutet, ist ein schöner Gedanke. Aber leider auch nicht mehr. ★★★☆☆

Fazit Staffel 9

Sechs Episoden haben volle fünf Sterne erhalten, nur eine einzige Folge ist mit zwei Sternen schlecht bewertet von mir*, das zeigt deutlich: Die neunte Staffel macht sehr viel richtig. Die Idee, einen Großteil der Episoden mehr Raum zum Entfalten zu geben, hat sich ausgezahlt gemacht. Auch wenn ich nicht alle Entscheidungen von Showrunner Steven Moffat begrüße, dies war eine gute.

* Durchschnitt aller Folgen dieser Staffel: 4,2 Sterne, die Staffel 8 hatte noch 4,0 Sterne von mir im Durchschnitt erhalten.

Leider müssen wir nun auf die zehnte Staffel bis ins Jahr 2017 warten, da die BBC ein Jahr aussetzt und lediglich ein Weihnachtsspecial bringen wird. Auch wird die zehnte Staffel die letzte unter Moffat sein, danach übernimmt aber mit Chris Chibnall ein erfahrener Showrunner, der bereits mit Broadchurch bewies, gute Geschichten erzählen zu können. Er hat auch bereits Doctor Who-Erfahrung, wenn auch seine bisherigen Folgen nicht so herausragend waren, wie die von Steven Moffat damals. Immerhin übernimmt nicht Mark Gattis. 🙂

Es bleibt eine der besten Staffeln von Doctor Who überhaupt, sicherlich die beste Staffel von NuWho, die ich im Gegensatz von OldWho alle gesehen habe und damit mir eine Wertung zutraue. Capaldi ist und bleibt ein toller Doktor-Darsteller und ich bin gespannt auf die zehnte Staffel, selbst wenn es seine letzte werden wird. Immerhin hat Moffat genügend Zeit seinen eigenen Schwanengesang ordentlich vorzubereiten …

Rating: 4 Sterne

„Doctor Who: Die komplette neunte Staffel“ erschien am 18.03.2016 bei Polyband auf DVD und Blu-ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Fantastischer Kurzfilm: „Ma’agalim“

Ich weiß gar nicht genau, warum mich diese wunderschöne Animation und Melancholie so sehr anspricht. Eigentlich ist es ein Musikvideo zu einem Stück von der israelischen Band Jane Bordeaux, die Country/Folk-Musik mit hebräischen Texten kombiniert. Dazu die Animation einer großen Spielhallen-Spieluhr. Sehr einfach und doch irgendwie bezaubernd.

Fantastischer Kurzfilm: „Code 8“

„District 9“-Vibe mit Superkräften

Nachdem vor allen Teile der verarmten Bevölkerungsschichten Superkräfte entwickelten, musste das Establishment entsprechend mit Dronen und Technik aufrüsten. Als der junge Elektriker und Familienvater Taylor aus den Slums eine versprochene Bezahlung nicht bekommt, schlägt er aus Frust eine Autoscheibe ein … und wird so zum Ziel des Überwachungsstaats.

Schauspieler Robbie Amell (bekannt aus „The Flash“, „Tomorrow People“ aber auch der aktuellen „Akte X“-Staffel) möchte zusammen mit seinem Cousin Stephen Amell („Arrow“) aus diesem Kurzfilm ein Langfilmkonzept bauen und sucht dafür Unterstützung via IndieGoGo.