Del Toro mag Horrorhäuser: Erster Trailer von „Crimson Peak“

13.
Mai.
2015
Das deutsche Plakat „Crimson Peak“ (Quelle: Universal Pictures International Germany) bekommt als Unterzeile „Nimm Dich in Acht“ – das erinnert an klassischen Horrorfilme.

Das deutsche Plakat „Crimson Peak“ (Quelle: Universal Pictures International Germany) bekommt als Unterzeile „Nimm Dich in Acht“ – das erinnert an klassischen Horrorfilme.

Guillermo del Toro hatte schon den tollen spanischen Film „Das Waisenhaus“ mitproduziert, jetzt versucht er sich selbst an dem Sujet „Horrorhaus“.

Der erste Trailer von „Crimson Peak“ verspricht mit der bezaubernden Mia Wasikowska („Stoker“, „Alice im Wunderland“) und den unvergleichlichen Tom Hiddleston („Only Lovers Left Alive“, „Thor“) als junges Ehepaar im einsamen Landhaus im Norden Englands schon einiges – vor allem eine Geistergeschichte.

Del Toro, bekannt für sein detailliertes Szenenbild, ist auch diesmal darauf besonders stolz: „Ich wollte nicht einfach in einem gruseligen Gebäude drehen. Das Haus sollte aussehen wie ein Kadaver, es sollte sich anfühlen, als ob man sich in einem verwesenden Kopf befindet. Es sollte Augen und einen Mund haben; das Innere des Hauses hat ein Gesicht. Ich wollte, dass das Haus blutet. Deshalb mussten wir es selbst bauen.“

Kommt bei uns voraussichtlich am 15. Oktober 2015 ins Kino, also rechtzeitig zur Halloween-Saison. Ein paar mehr Infos gibt es auf der Website zum Film (Vorsicht, geht gleich mit Ton los) oder bei der Facebook-Seite zum Film.

Musik für Rollenspieler gemacht: Orkpacks „Fantasy Ambience“

29.
Apr.
2015

Ein unverhoffter Anruf

Ich war mitten in einer Veranstaltung als mich urplötzlich Ralf Kurtsiefer telefonisch anrief, ob ich nicht Interesse hätte, eine CD zu rezensieren. Ich hatte mit ihm bisher nicht viel zu tun gehabt, aber er war mir durch die Rollenspiel-Connections durchaus schon ein Begriff, dennoch brauchte ich quälend lange, bis der Groschen gefallen war und ich ihn einordnen konnte – und vor allen, warum ausgerechnet ich eine CD rezensieren wollen würde.

So machte es aber natürlich mehr Sinn. Durch jahrelange Penetration meiner Rollenspielrunden mit vorrangig Film-Scores habe ich wohl durchaus etwas Erfahrung darin einzuschätzen, was sich gut, und was sich weniger gut eignet.

Ich hatte, wie gesagt, gerade leider keine wirkliche Zeit mit ihm zu plaudern, aber wir sprachen ab, dass er mir gerne seine CD per Post zuschicken kann, und klärten nur noch kurz, ob die Adresse, die er von mir hatte, korrekt wäre.

Der Künstler: Verwoben mit dem Uhrwerk-Werken

Ralf hat über fünf Jahre Erfahrung mit dem Erstellen von Musik für Rollenspielrunden und laut seiner Vita auch für Fantasy-Filme und Audiobücher. Vorher hatte er nach eigenen Angaben mit der Rap-Szene der 80er zu tun gehabt, bevor ihn der Rollenspielvirus erwischt hat.

Dabei hat er offenbar starke Verbindungen zu den Orkenspalter- und Uhrwerk-Leuten aufgebaut, so hat er unter anderen den DSA-Fanfilm „Leuenklinge“ musikalisch untermalt hat und für mehrere Rollenspiel-Produkte des Uhrwerk-Verlags offizielle Scores konzipierte, darunter für Splittermond, Space 1889, Dungeonslayers und auch zur DSA-Welt Myranor, die ebenfalls bei Uhrwerk erscheint, wodurch er auch eine eigene Wiki Aventurica-Seite hat.

Aus seinen Soundtracks zu den Rollenspielen stammen dann auch je vier bis fünf Tracks auf „Fantasy Ambience“, das Ralf mir geschickt hat.

Vielfältiges Synthesizer-Werk

Das Wichtigste vorweg: Dies ist eine CD für Rollenspieler von jemanden, der über die besonderen Anforderungen solcher Runden Bescheid weiß. Es gibt keinen prägnanten Gesang im Vordergrund, der den Dialog der Spieler stören könnte und auch keine alles-dominierenden Melodien*.

* Das ist einer der Gründe, warum John Williams großartige Scores für Star Wars sich nur schwer bis gar nicht im Rollenspiel einsetzen lassen – die bekannte Hymnen reißen einen immer aus der Immersion raus.

Ein Medley der Tracks gibt es von ihm auf seinen Soundcloud-Account, so dass sich jeder selbst einen Eindruck verschaffen kann:

Ich muss einschränken: ich bin vor allem „große“ Filmsoundtracks gewohnt. Entsprechend fallen mir Synthesizerklänge erstmal ungewohnt auf. Sicher, man kann nicht erwarten, dass mal eben für die Aufnahme ein Symfonieorchester engagiert wird. Aber teilweise ist die Herkunft aus den künstlichen Repertoire eines Synthesizers doch zu deutlich zu erkennen, gerade die Streicher wirken zu „glatt“, zu „perfekt“ und entsprechend zu „unnatürlich“. Aber das ist keine Schuld des Komponisten und letztlich auch Geschmacks- und Gewöhnungssache. Man bekommt im Ausgleich dafür eine sehr breite Vielfalt unterschiedlicher Klangwelten serviert.

Dabei verwebt er mal Spieluhr-Melodien („Clockwork“), setzt auch mal auf äußerst prägnante Perkussion („Lizards“, das Stück ist auch oben im Video zu hören) oder mischt allerhand Samples wie Tierlaute oder menschliche Stimmen dazu („Tavern“, „Hometown“, „At the Court“) ein um seine Melodien zu bereichern. Seine Tracks „Inspired by Aventurien“, aber auch einer zu Dungeonslayers („Wasteland“) und einer zu Splittermond („Temple“) sind vor allen durch orientalische Klänge geprägt, erinnern dabei ein wenig an Bryan Tylers brillanten „Children of Dune“-Soundtrack. Auch eine Verwandheit mit Greg Bear und andere Einflüsse aus der modernen Film- und Serienmusik sind gegeben. Melodisch bewegen sie sich auf überzeugenden Niveau, er baut sogar zeitweise eine Fuge mit einem Cembalo auf (abermals „At the Court“), wodurch dieses Stück wohl zu meinem Favorit auf der CD wird.

Das Cover der CD zeigt passenderweise drei Orks.

Das Cover der CD zeigt passenderweise drei Orks.

Orkpack: „Fantasy Ambience“ (2015)

Komponist: Ralf Kurtsiefer

Aufmachung: Die CD selbst kommt in einem hochwertigen Super-Jewelcase und hat ein 8-seitiges Booklet dabei.

Laufzeit aller Tracks: Etwas über 1 Stunde und 18 Minuten.

Rating: 7 Sterne

Orkpack: „Fantasy Ambience“ ist derzeit nur vom Komponisten selbst zu beziehen. Offenlegung: Ich habe die CD freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Erbschaftstheater mit Maggie Smith und Kevin Kline – Kritik: „My Old Lady“

28.
Apr.
2015
Mathilde (Maggie Smith) ist unsicher, was sie von „ihrem neuen Besitzer“ halten soll. (Foto: Ascot Elite)

Mathilde (Maggie Smith) ist unsicher, was sie von „ihrem neuen Besitzer“ halten soll. (Foto: Ascot Elite)

Der Amerikaner Mathias Gold (Kevin Kline) ist pleite. Da kommt ihn die vermeintliche Erbschaft eines Appartements in Paris gerade recht. Mit seinem letzten Ersparten macht er sich auf dem Weg, das Erbe anzutreten und möglichst schnell zu Geld zu machen. Doch dort angekommen stellt sich heraus, dass an dem Erbe ein Haken befestigt ist: Es handelt sich um eine „Viagère“, einen Kauf auf Rentenbasis, den sein Vater abgeschlossen hatte. Die Bedingungen: Solange die ehemalige Besitzerin, die mittlerweile 90jährige Mathilde Girard (Maggie Smith), noch lebt, darf diese dort weiter wohnen und er zahlt ihr monatlich eine Rente.

Direkt verscherbeln fällt also aus, er muss schauen, wie er dies doch noch zu Geld umsetzen kann. Es gäbe da wohl auch Interessenten, doch dann ist da noch die attraktive Tochter von Mathilde, Chloé (Kristen Scott Thomas), welche ebenfalls dort lebt und ihre Mutter in allen Belangen verteidigen will.

Die Schwierigkeit ein gutes Theaterstück zu einem guten Film zu übersetzen

„My Old Lady – Eine Erbschaft in Paris“ ist ursprünglich ein Theaterstück gewesen, was man dem dialog-lastigen Film auch schnell anmerkt. Nahezu alle wichtigen Szenen finden in dem Appartement statt und die Inszenierung von Paris beschränkt sich auf ein paar Szenen am verträumten Ufers der Seine und ein Park. Was nicht schlecht sein muss, Polanskis „Der Gott des Gemetzels“ (2011) beschränkt sich auch auf eine Wohnung und seine vier Protagonisten und entfaltet genau deswegen seine ungeheure Wucht.

Auch „My Old Lady“ konzentriert sich vorrangig auf seine drei Protagonisten und lebt vor allen immer dann auf, wenn Kline und Smith zusammen eine Szene bestreiten. Der Film hat aber ausgerechnet dann Probleme, wenn Thomas und Kline vor der Kamera stehen: Beide entwickeln keine wirkliche Chemie zusammen, sollen sich im Laufe des Filmes aber von Kontrahenten zu Freunden und letztlich zu einen Liebespaar entwickeln.

Beispiel für die über’s Ziel hinausgehende Comedy: Kevin Klines seltsame Beziehung zu einer Jagdtrophäe (Foto: Ascot Elite)

Beispiel für die über’s Ziel hinausgehende Comedy: Kevin Klines seltsame Beziehung zu einer Jagdtrophäe (Foto: Ascot Elite)

Es ist auch nicht nur der Altersunterschied – Kline ist 13 Jahre älter als Thomas und ironischerweise auch nur 13 Jahre jünger als Smith, welche hier die Generation seiner Eltern darstellen soll – es ist einfach auch das Buch, dass sich nicht richtig entscheiden will, ob es ein Drama, das die geschundenen Seelen der Nachkommen einer Generation freier Liebe darstellen will, oder doch nur eine etwas überdrehte Komödie sein will.

Dennoch: Der Film hat Maggie Smith. Und Maggie Smith ist immer sehenswert – und ein Feel-Good-Movie mit etwas Rotwein und gemütlicher Geschichte ist es letztlich auch.

Das Cover zu „My Old Lady“ baut auf die Oscar-Gewinne und -Nominierungen der drei Hauptdarsteller.

Das Cover zu „My Old Lady“ baut auf die Oscar-Gewinne und -Nominierungen der drei Hauptdarsteller.

„My Old Lady – Eine Erbschaft in Paris“ („My Old Lady“ GB/F/USA 2014)

Regie, Buch und ursprüngliches Theaterstück: Israel Horovitz

Darsteller: Kevin Kline, Maggie Smith, Kristin Scott Thomas

Score: Zuerst scheint Mark Orton etwas stark in die Paris-Klischee-Kiste gegriffen zu haben – zu den Streichern und Piano gesellt sich schnell das obligatorische  Akkordeon –, doch dann trägt er doch ein angenehmes Thema durch den Film und kommt teilweise als Kreuzung zwischen Rachel Portman und Thomas Newman angenehm schräg daher.

Rating: 6 Sterne

„My Old Lady“ erscheint am 5. Mai 2015 auf DVD und Blu-ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-Ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Ein unmöglicher Film: „Escape From Tomorrow“

21.
Apr.
2015

Eine vierköpfige Familie besucht Disneyworld in Orlando, Florida. Der Ehemann hat früh am Morgen noch erfahren, dass er gefeuert wurde, möchte aber seiner Familie den Tag nicht verderben und verheimlicht dies daher. Doch im „Glücklichsten Ort der Welt“ zu sein wird für ihn zunehmend mehr zum Stress und eben dieser entpuppt sich zunehmend als eine surreale Horror-Welt, die sich unter der schönen Fassade versteckt.

Schwer einzuordnen

Es gibt Filme, die mich sofort begeistern. Es gibt Filme, die mich regelrecht abstoßen. Es gibt Filme, die mich kalt lassen. Selten gibt es auch Filme, bei denen ich nachher nicht weiß, was ich von ihnen halten soll. „Escape From Tomorrow“ zählt zu dieser Art Filme.

Erst mal: Klar, surreale Filme sind schwierig und polarisieren, vorrangig weil nicht jeder sie versteht. David Cronenbergs oder David Lynchs Filme sind dafür sehr gute Beispiele, ich bin selten von einen Film der beiden Regisseure komplett begeistert. Aber ich habe jedes mal das Gefühl, einen großen Film-Kunstwerk beigewohnt zu haben, auch wenn ich es vielleicht gerade nicht völlig verstehe. Das ist auch in Ordnung, nicht jeder Film muss völlig und für jeden zugänglich sein, das ist halt Kunst. Und „Escape From Tomorrow“ zielt auf jedem Fall in dieses Kunst-Segment, der Film ist (aus Produktionsgründen) komplett in Schwarz-weiß inszeniert und ein penetranter Soundtrack, der ständig an das nervige Hintergrundgeklimper erinnert, dass in Disneyworld die Ohren heimsucht, unterstützen die Surrealität perfekt.

Undercover vor Ort gefilmt

Dazu kommen eine wirklich faszinierende Guerilla-Produktion: Da den Filmemachern von Anfang an klar war, dass der Disney-Konzern niemals einen solchem Projekt eine Drehgenehmigung gegeben hätte, haben sie nahezu den kompletten Film in Orlando und Anaheim mit einem Undercover-Team gedreht. Getarnt als Familien hielten sie mit ihren Spiegelreflex-Kameras drauf, schafften es, in die Achterbahnen mehrere Sitzreihen gemeinsam zu blockieren und hatten ihre Drehbücher zur Tarnung nicht ausgedruckt, sondern auf dem Smartphone dabei und nutzten diese für Backup-Tonaufnahmen.

Um weiter dem Radar von Disney zu entgehen, floh der Regisseur für den Schnitt nach Südkorea. Und als sie dann endlich eine Erstaufführung auf dem renommierten Sundance-Festival bekamen, war es immer noch nicht ausgestanden. Doch wider Erwarten entschied sich Disney, den Film weitestgehend zu ignorieren, wodurch er dann sogar einen kurzen Lauf in den US-Kinos bekam, der den Film aber nicht aus den roten Zahlen heraus half. Disney nutze hier quasi den umgekehrten Streisand-Effekt: Hätten sie eine Klage angestrebt, wäre dem Film recht sicher weit mehr Aufmerksamkeit zuteil worden denn auf eine Story „Böser Großkonzern gegen kleinen Filmemacher“ wäre besser verkaufen zu werden. Bisher ist in den zwei Jahren nach der Sundance-Premiere Regisseur und Drehbuchautor Randy Moore dann auch mit keinem weiteren Projekt verbunden worden.

Surrealer Abgrund

Aber zurück zum Film: Wenn ich den Film losgelöst von der faszinierenden Entstehungsgeschichte betrachte, bleibt leider wenig über. Es ist letztlich eine Aneinanderreihung von Szenen, die immer weiter ins Surreale abgleiten und dabei sich nicht völlig festlegen will, auf welcher Ebene sie funktionieren will. Ja, es gibt eine Auflösung zum Schluss, die kurze Zeit später wieder sabotiert wird. Es gibt mehrere Deutungsmöglichkeiten. Und es ist auch völlig in Ordnung, wenn ein Film nicht alles auflöst. Aber er sollte bis dahin den Zuschauer unterhalten und Interesse an seine Charaktere und Geschichte wecken. Und hierbei bleibt „Escape From Tomorrow“ leider dann doch hinter seinen Möglichkeiten. Und wenn an einem Film das Making-Of interessanter ist als er selbst, hat er leider ein Problem.

Filmplakat „Escape From Tomorrow“ (Credit: Producers Distribution Agency)

„Escape From Tomorrow“ (USA 2013)

Regie und Buch: Randy Moore

Darsteller: Roy Abramsohn, Elena Schuber

Bonusmaterial: Das erwähnte Making-Of ist durchaus interessant, schön auch die alternative Filmplakat-Galerie. Zwei Kommentare gibt es noch, in die ich aber nicht reingehört habe, muss ich zugeben.

Score: Nervig. Das ist hierbei aber positiv zu sehen, da er das Gesehene unterstützen versucht.

Rollenspielinspirationsfaktor: Ein Abenteuer in einem Vergnügungpark? Been there, done that.

Rating: 5 Sterne

„Escape from Tomorrow“ erscheint am 23. April 2015 auf DVD und Blu-Ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-Ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Die 26. Staffel von Doctor Who – Echt Krass!

18.
Apr.
2015

Mit der 26. Staffel von Doctor Who veröffentlicht Pandavision dann auch die dritte und letzte Staffel des siebten Doktors. Zuvor gab es sechs andere Doktoren und meine Rezensionen zu Staffel 24 (2) und Staffel 25. Und ich schreibe diese Einleitung eigentlich nur, damit ich auch die tolle Staffel-Collage zeigen kann, die es auch hier wieder gibt:

„Der Meister, Ace und der Doktor“ ist tatsächlich eine Beschreibung dieser Collage und nicht ein John le Carré-Buch.

„Der Meister, Ace, der Doktor und der Zerstörer“ ist tatsächlich die Beschreibung dieser Collage und kein John le Carré-Buch!

„Excalibur’s Vermächtnis“ (sic!, „Battlefield“, vierteiliges Serial/alternativ auch in Spielfilmfassung)

Auch in der 26. Staffel gibt es viel Rückbesinnung auf die lange Geschichte der Serie. Und wieder nimmt sie kaum Rücksicht auf Neueinsteiger und erklärt nicht, wer dieser Brigadier Sir Alistair Gordon Lethbridge-Stewart überhaupt ist, der am Anfang der Episode Pflanzen für seinen Ruhesitz-Garten einkauft. Und auch Bessie wird nicht groß erklärt, wurde aber völlig plotirrelevant eingebaut.

Ein letztes Mal steht Brigadier Lethbridge-Stewart (Nicholas Courtney) an der Seite des Doktors (Sylvester McCoy) (Foto: Pandavision/BBC)

Ein letztes Mal steht Brigadier Lethbridge-Stewart (Nicholas Courtney) an der Seite des Doktors (Sylvester McCoy) (Foto: Pandavision/BBC)

Das Fan-Herz jauchzt und wird gleich verwirrt, da es plötzlich einen weiteren Brigadier gibt: Winifred Bambera ist von UNIT eingesetzt  einen Atomraketen-Transport zu überwachen, als plötzlich mit Ancelyn ein Ritter König Artus* auftaucht. Doch er ist nicht allein, seine Gegner sind Mordred und dessen Mutter Morgaine, die ebenfalls aus einer anderen Dimension ihm folgten. Ein erbitterte Krieg um Excalibur, Artus Schwert, beginnt, und das direkt neben eine Atomrakete auszufechten ist keine wirklich gute Idee. Und als sie dann noch den Doctor erblicken, identifizieren sie auch noch ausgerechnet als Merlin …

* Ancelyn wurde als Name für die Serie erfunden, während Mordred, Morgaine und natürlich Excalibur und Artus selbst tatsächlich Teile der Artus-Saga in ihren unzähligen Reinkarnationen sind.

Wie Ben Aaronovitchs erstes Serial in der Staffel zuvor ist auch dieses tatsächlich ein ziemlich großer Spaß. Klar, es gibt wieder ein, zwei Plotlöcher, aber auf der anderen Seite gibt es wirklich gut sitzende Dialoge und gleichzeitig wird die Hintergrundgeschichte von Ace noch etwas vertieft – und sie darf wieder etwas in die Luft sprengen. Herauszuheben ist auch das Maskendesign des „Zerstörers“, das könnte auch heute noch so verwendet werden.

Die neuen Charaktere Ancelyn (Marcus Gilbert) und Brigadier Winifred Bambera (Angela Bruce) (Foto: Pandavision/BBC)

Die neuen Charaktere Ancelyn (Marcus Gilbert) und Brigadier Winifred Bambera (Angela Bruce) (Foto: Pandavision/BBC)

„Ihr Wasser, Sir, 5 Pfund bitte.“ – „Was war das?“ – „Nicht vergessen, wir sind in der Zukunft, Ace!“

Das Serial wurde in Großbritannien auch als Special Edition veröffentlicht, bei der man es neu als Spielfilm geschnitten hatte und diesen um mehrere Minuten verlängerte Szenen sowie einigen besseren Spezialeffekten versehen hatte. Auch dies darf der Besitzer der deutschen Serienbox anschauen, wobei bei die Zusatzszenen lediglich untertitelt sind und teilweise der Übergang zwischen dem Synchron- und Originaltonmaterial etwas holperig ist. Das hätte man aber nur durch eine Neusynchronisation lösen können, was hier aber Unfug gewesen wäre. Herauszuheben ist, wie offen Pandavision mit dieser Problematik umgeht. Als Zuschauer hat man die Wahl zwischen der Original-Version oder der Spielfilm-Version auf jeweils einer eigenen DVD. Besser kann man das nicht lösen.

Rating: 8 Sterne

 

„Das Haus der tausend Schrecken“ („Ghost Light“, dreiteiliges Serial)

Der Doktor bringt Ace in ein Haus im viktorianischen London. Natürlich entpuppt es sich standesgemäß als Horror-Haus. Und offenbar hat der Doktor einen guten Grund, Ace hierher zu bringen, denn sie verbindet etwas mit diesem Haus – sie wird es als Teenager in über hundert Jahren in der Zukunft abgebrannt haben. Und natürlich ist auch in diesem Haus ein Raumschiff gestrandet, und es gibt Vampir-ähnliche Kreaturen und den letzten Neandertaler.

Der Außerirdische Licht (John Hallam, Foto: Pandavision/BBC)

Der Außerirdische Licht (John Hallam, Foto: Pandavision/BBC)

Man kann den klassischen Doctor Who-Folgen oft vorwerfen, dass sie einen Plot zu sehr auswalzen, diesem Serial hätte etwas mehr Zeit für Erklärung des Plots tatsächlich gut getan, er ist dann doch teilweise sehr verwirrend. Ein Extra auf der DVD hilft dann aber beim Verstehen und unter diesem Licht ist es tatsächlich ein eigentlich sehr guter Plot, der etwas mehr Struktur gut vertragen hätte können.

„Krass!“

Dies war die letzte Folge, die vor der damaligen Absetzung aufgezeichnet wurde, sie wurde allerdings früher gezeigt. In der deutschen Erstausstrahlung wurde sie dann übrigens tatsächlich am Ende gezeigt, warum auch immer. Schön ist dabei das Extra, in dem sich Sylvester McCoy und Sophie Aldred daran erinnern, dass McCoy in der letzten Szene eine kleine, aber sehr sinnvolle Änderung gemacht hatte, mit der er zeigte, dass auch Ace den Doctor beeinflusst hat.

Rating: 6 Sterne

 

„Die Todesbucht der Wikinger“ („The Curse of Fenric“, vierteiliges Serial/alternativ auch in Spielfilmfassung)

Während des zweiten Weltkriegs landen der Doctor und Ace an der nordenglischen Küste in einer Militärbasis, die ausgerechnet über einem alten Wikingergrab errichtet wurde. Der eigentlich für die Entschlüsselung von Nazi-Codes gedachte Supercomputer der Basis wird dann auch zur Entschlüsselung der Wikinger-Runen benutzt, die eine vergessene Macht schützen sollen – Fenrics Macht. Doch dahinter versteckt sich ein Großer Alter, der einst vom Doktor selbst mit Hilfe eines faszinierenden Schachproblems eingesperrt wurde.

Tolle Make-Up-Arbeit an dem Zerstörer (Marek Anton, Foto: Pandavision/BBC)

Tolle Make-Up-Arbeit an dem Zerstörer (Marek Anton, Foto: Pandavision/BBC)

Außerirdische Vampire, Wikingerrelikte, Nazis, Sowjetische Agenten, übermächtige Wesen – das muss ein Doctor Who-Plot sein (oder Indiana Jones wurde noch etwas fantastischer). Aber: Die Geschichte selbst ist auch trotz all dieser wirren Zutaten durchaus unterhaltsam und sticht dadurch hinaus, dass sie vorrangig direkt vor Ort an der Küste gedreht wurde.

Wie bereits „Excalibur’s Vermächtnis“ wurde auch „Die Todesbucht der Wikinger“ neben der normalen Fernsehfassung als vierteiliges Serial auch in einer Spielfilmversion mit zusätzlichen Szenen (12 Minuten), einigen Überarbeitungen und besseren Effekten herausgegeben, die auch hier auf einer weiteren DVD in der Box eingeschlossen ist.

Rating: 7 Sterne

 

„Der Tod auf leisen Sohlen“ („Survival“, dreiteiliges Serial)

Zuhause auf der Erde will Ace schauen, was ihre alte Gang so treibt, muss aber feststellen, dass diese fast alle verschwunden zu sein scheinen – und für das Verschwinden scheinen Katzen verantwortlich zu sein. Kurze Zeit später werden die beiden auf einen anderen Planeten transportiert, der kurz vor seinem Ende steht, auf dem Katzenmenschen in ständigen Kämpfen verstrickt sind. Und treffen dort auf einen alten Bekannten wieder, der dort die Fäden zieht: Den Meister!

Anthony Ainley, der vierte Darsteller des Meisters (Foto: Pandavision/BBC)

Anthony Ainley, der vierte Darsteller des Meisters (Foto: Pandavision/BBC)

Ja, die Effekte dieser Folge sind schrecklich. Davon abgesehen ist die Folge aber sehr gut gealtert und würde im Prinzip auch heute noch funktionieren und schafft es den Charakterbogen von Ace zu einem schönen Ende zu bringen, auch wenn eigentlich die Produktionsreihenfolge eine andere war. Das war auch beabsichtigt, wie man in der wie immer großartigen Rückschau erfährt, die für die DVD produziert wurde, geplant war, dass Ace zur nächsten Staffel mit einer anderen Companion ausgewechselt würde.

Dazu kam es aber nicht mehr, Doctor Who wurde am Ende der 26. Staffel abgesetzt. Es folgte ein kleiner Versuch, die Serie mit einem neuen Doctor als TV-Film zu starten und erst 2005 sollte dann ein Neustart der Serie einen neuen Schub verschaffen.

„Irgendwo dort oben, brennt jetzt ein Planet, seine Meere kochen und seine Flüsse rasen. Aber bald wir der Rauch verwehen und der Wind wird wieder seine Lieder singen. Lieder des Friedens. Und Lieder der Wildnis. Eine Galaxie weiter wird irgendwo eine Kanne Tee kalt. Für uns beide, Ace, gibt es ’ne Menge zu tun!“

Rating: 7 Sterne

 

Die Extras

DVD-Cover Doctor Who 7. Doktor Volume 3

DVD-Cover Doctor Who 7. Doktor Volume 3

Die Staffel ist insgesamt sehr gelungen und die Box-Veröffentlichung von Pandavision ist wieder perfekt, vor allen durch die zahlreichen Specials und die Spielfilm-Versionen, die alleine schon drei der sieben DVD-Scheiben füllen. Wieder verpasst der deutsche Fan durch die liebevoll gemachte Box nichts gegenüber der englischen Veröffentlichung. Das sollte zwar eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, aber gerade bei Nischenprodukten sind viele Verleger doch leider nur darauf aus, möglichst wenig Aufwand zu haben – aber es gibt, wie hier, rühmliche Ausnahmen.

Ein letzter Rückblick auf meinen ersten Doktor

Der siebte Doktor (Sylvester McCoy) und Ace (Sophie Aldred). Ich vermisse Euch schon wieder! (Foto: Pandavision/BBC)

Der siebte Doktor (Sylvester McCoy) und Ace (Sophie Aldred). Ich vermisse Euch schon wieder! (Foto: Pandavision/BBC)

Erstaunlicherweise habe ich beim Sehen der alten Folgen nur noch wirkliche Erinnerungen an zwei Serials gehabt: „Die Hand des Omega“ und „Der Tod auf leisen Sohlen“. Ich hätte eigentlich mit mehr Erinnerungen gerechnet, aber es ist halt wirklich 25 Jahre her.  Und sicher: Aus der Sicht der Spezialeffekte heute ist die Serie nicht gut gealtert, noch schlechter die bewusste Entscheidung der deutschen Synchronisation, Aces Slang mit damaliger deutschen Jugendsprache aufzumotzen. All das „Ätzend!“ und „Krass“ geht irgendwann schon auf den Senkel.

Aber: In allen Punkten gut gealtert ist auch Star Trek nicht, auch Next Generation hat heutzutage schon extrem starke Abnutzungserscheinungen. Dennoch gucke ich gerne auch in diese Serien noch einmal rein, denn neben dem Nostalgietrip kann man auch sehen, woher sich die Serienkultur von heute entwickelt hat. Und Doctor Who ist Kultfernsehen, immer noch sehenswert und wirkt vielfach angenehm entschleunigt. Und man kann noch immer viele Referenzen in der heutigen Serie auf ihre lange Vergangenheit entdecken.

„Doctor Who: Siebter Doktor Volume 3“ erscheint am 24. April 2015 auf DVD. Offenlegung: Ich habe die DVD-Box freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.