Oscar-Tipp 2015

22.
Feb.
2015
Oscar-Statuen (Foto: CC-BY 2.0 Prayitno/Flickr)

Oscar-Statuen (Foto: CC-BY 2.0 Prayitno/Flickr)

Die Oscars stehen mal wieder ins Haus. Letztes Jahr hatte ich bei dem Tippspiel im Freundeskreis ganze 19 von 24 Kategorien richtig getippt (79 %) und lag damit sehr knapp nur vor Andi, der 18 richtige Tipps hatte. Das wieder hinzubekommen, wird schwer. Aber, es wird Zeit, meine Tipps dieses Jahr vorzustellen:

  • Bester Film: „Birdman“
  • Bester Hauptdarsteller: Eddie Redmayne („The Theory of Everything“)
  • Beste Hauptdarstellerin: Julianne Moore („Still Alice“)
  • Bester Nebendarsteller: J.K. Simmons („Whiplash“)
  • Beste Nebendarstellerin: Patricia Arquette („Boyhood“)
  • Bester animierter Film: „How to Train Your Dragon 2“
  • Beste Regie: Richard Linklater („Boyhood“)
  • Beste Kamera: …Emmanuel („Birdman“)
  • Bestes Drehbuch (adaptiert): Graham Moore („The Imitation Game“)
  • Bestes Drehbuch (Original): Alejandro G. Iñárritu et al („Birdman“)
  • Bester fremdsprachiger Film: „Ida“ (Polen)
  • Bestes Produktionsdesign: „The Grand Budapest Hotel“
  • Beste Kostümgestaltung: „The Grand Budapest Hotel“
  • Beste Dokumentation (Feature): „Citizen Four“
  • Beste Dokumentation (Kurz): „Crisis Hotline: Veterans Press 1“
  • Bester Schnitt: „Boyhood“
  • Bestes Make-Up und Frisur: „Foxcatcher“
  • Beste Musik (Score): Jóhann Jóhannsson („The Theory of Everything“)
  • Beste Musik (Lied): „Glory“ (aus „Selma“)
  • Bester Kurzfilm (animiert): „Feast“
  • Bester Kurzfilm (Live-Action): „The Phone Call“
  • Bester Tonschnitt: „American Sniper“
  • Beste Tonmischung: „Whiplash“
  • Beste visuelle Effekte: „Dawn of the Planet of the Apes“

Nicht meine Meinung über die Filme, sondern über die Academy

Wie gesagt: Das sind meine Tipps, wie ich glaube, dass sich die Academy entscheiden wird, was nicht immer damit übereinstimmt, was ich selbst wählen würde, hätte ich zu entscheiden. Ich fand bspw. „The Imitation Game“ emotional mitnehmender als „Birdman“, dennoch glaube ich, dass die Academy sich für letzteren entscheiden wird. Und die Story von „Baymax“ fand ich auch besser als die von „How to Train Your Dragon 2“, dennoch glaube ich, dass letzterer gewinnen wird. Mein persönlicher Favorit als bester animierter Film letzten Jahres wurde aber von der Academy ohnehin übergangen: „Der Lego Film“ wurde nicht nominiert. Wenn er mit der Nominierung für den besten Song gewinnen sollte, freut mich das extrem, aber ich glaube hier wird sich „Glory“ durchsetzen. Es ist die Academy und die hat halt einfach keinen Sinn für fantastische Filme.

Neil Patrick Harris auf dem Weg zum Host-Quadrupel

Und gespannt bin ich dann auch darauf, wie Neil Patrick Harris die Oscars moderieren wird. Ellen Degeneres letztes Jahr zu toppen wird nicht ganz so einfach. Allerdings hat Harris bereits die Emmys und die Tonys mit sehr viel Spaß und Elan moderiert, ihm fehlen nach Sonntag nur noch die Grammys, dann wäre er der allererste EGOT-Moderator!

Filmkritik: „Northmen: A Viking Saga“ – ein FSK-16-Disney-Märchenfilm für Rollenspieler

18.
Feb.
2015

Um es gleich zu sagen: Dieser Film ist nicht historisch genau, erzählt nicht das wahre Leben der Wikinger und orientiert sich auch nicht an einer Sage, was für Christina Riez von Spiegel Online offenbar die einzigen Kriterien sind, die ein Film über Wikinger erfüllen darf.*

* Hat sie eigentlich „Erik, der Wikinger“ oder „Wickie“ gesehen?

Die Gefährten, äh, die Wikinger-Truppe am Anfang ihrer Quest (Ascot Elite Home Entertainment)

Stattdessen erzählt er, wie eine Gruppe schiffbrüchiger Wikinger zufällig eine schottische Prinzessin (Charlie Murphy, „Philomena“) auflist, die mit einem bösen Stief-Vater geschlagen ist. Der hat kurzerhand eine Gruppe blutrünstiger Söldner ihr hinterher gesandt, die sie nicht etwa aus der Hand der Wikinger-Invasoren unbeschadet retten sollen, sondern alternativ einfach töten, und wie die Söldner der Zeit nun mal so sind, haben sie nur den letzten Part des Satzes im Kurzzeitgedächtnis behalten.

Was die Wikinger nun auch erstmal ziemlich verwirrt, die eigentlich auf ein stattliches Lösegeld hofften. Unerwartet bekommen sie von einem christlichen Mönch (Ryan Kwanten, „True Blood“) Hilfe, der praktischerweise einem D&D-Grundbuch entsprungen scheint und extrem gut mit einem Kampfstab umgehen kann.

Und so geht eine wilde Treibjagd durchs unberührte Schottland los – was man praktischerweise aber im unberührten Südafrika drehen konnte.

Wer es nicht erkannt hat: Eigentlich eine ziemlich klassische Erzähl-Struktur, die mit weit weniger Blutspritzern, grausigen Fallen und Splattereffekten eigentlich auch in einem Disney-Zeichentrickfilm erzählt werden hätte können: Ein schurkischer Held mit seiner Bande trifft auf eine Prinzessin, beide wollen eigentlich nichts voneinander wissen, doch ein gemeinsamer Feind von Außen setzt ihnen so lange zu, bis sie erstaunt feststellen, dass da mehr zwischen ihnen ist.

Garniert wird das ganze mit skurillen und witzigen Nebencharakteren, die mehr oder weniger den Plot ignorieren, aber ohne die der Film nicht halb soviel Spaß bringen würde. Denn genau das tut er trotz des einfach gestrickten Plots: Er bringt einfach Spaß.

Eine simple Story, mit viel Liebe inszeniert

Eigentlich hatte ich nicht viel von dem Film erwartet, wurde dann aber doch sehr positiv überrascht. Überrascht, weil der Film einfach soviel richtig macht und das Geek-Herz aufjauchzen lässt. Die Kämpfe sind blutrünstig und effekthascherisch mit vielen kleinen Gags aber auch einigen Splatter inszeniert, das Drehbuch ist simpel aber klar strukturiert, der Score ist monumental und erinnert zusammen mit den tollen Landschaftsaufnahmen und Einstellungen, in denen beispielsweise eine Helikopter-Kamera über die durch die Steppe laufende Heldentruppe hinweg fliegt, angenehm an „Herr der Ringe“ .

Der Kampf-Mönch Conall (Ryan Kwanten) im Action-Modus (alternativ kann er auch leise vor sich hin beten) (Ascot Elite Home Entertainment)

Nun gut, ein paar Kritikpunkte gibt es doch – vor allen die zu hölzerne Kunst von Hauptdarsteller Tom Hopper (der schon in der TV-Serie „Merlin“ zeigte, dass sein Bizep mehr Mimik als sein Gesicht hat), das furchtbare Over-Acting von Bösewichtdarsteller Ed Skrein (der in „Game of Thrones“ inzwischen zwischen zwei Staffeln einfach ersetzt wurde) und natürlich verliert der Testosteron-triefende Film auch den Bechdel-Test gnadenlos schon auf der ersten Stufe: Es gibt einfach nur eine Frau im ganzen Film.

Der Deutsche Darsteller Ken Duken (hier links) spielt auch mit, als Wikinger Thorald (keine Ahnung, an wessen Seite er hier steht, ich glaube das ist Leo Gregory). (Ascot Elite Home Entertainment)

Der Deutsche Darsteller Ken Duken (hier links) spielt auch mit, als Wikinger Thorald (keine Ahnung, an wessen Seite er hier steht, ich glaube das ist Leo Gregory). (Ascot Elite Home Entertainment)

Aber all das verzeiht man dann doch, wenn ein Axt-schwingender, bärtiger Wikinger das gleiche störrische Gemüt wie Gimli aufweist und der Kampf-Mönch gleichzeitig Legolas kanalisiert. Allgemein wird die Heldentruppe zu einer Gruppe von Gefährten, deren weitere Reisen man einfach gerne zuschauen mag. Vielleicht auch, weil die Abenteuer so sehr an einen spaßigen Pen-&-Paper-Abend mit Bier und Bretzeln erinnern.

Und wenn Ihr noch einen Grund braucht diesen Film zu lieben: Es ist eben keine Produktion aus den USA sondern eine Schweiz-Deutschland-Südafrika-Koproduktion. Ja, wir können also durchaus auch Filme produzieren, die so aussehen, als hätten Sie ein weit größeres Hollywood-Budget. Allein das sollte ein Grund sein, den Film sich mit etwas Geek-Stolz ins Regal zu stellen.

„Northman: A Viking Saga“ erscheint am 23. Februar 2015 erst im Verleih, ab 3. März 2015 dann auch im Verkauf auf DVD und Blu-Ray, sogar als Steelbook. Offenlegung: Ich habe die Blu-Ray freundlicherweise bereits vor der Veröffentlichung als Rezensionsexemplar erhalten.

cover_northmen_steelbook„Northmen – A Viking Saga“ (CH/D/ZA, 2014)

Regie: Claudio Fäh

Darsteller: Tom Hopper, Ryan Kwanten, Charlie Murphy, Ed Skrein

Score: Monumental, tolle Hymnen und actiongeladene orchestrale Musik. Komponist Marcus Trumpp bekommt sogar eine eigene, kurze Featurette zusammen mit dem Metal-Frontman Johan Hegg von Amon Amarth, der sogar eine Rolle im Film übernommen hat.

Rollenspiel-Inspirationsfaktor: Der ganze Film ist ein klassischer Rollenspielplot, ein Action-Adventure, bei dem man als P&P-Spieler immer mal wieder überlegt, welche Spielwerte denn hier verwendet werden.

Extras: Liebevoll zusammengestellte Making-Ofs, Featurettes, eine kurze Blooper-Szene sowie Blicke hinter die Kulissen und die umfangreichen Effekte. Und natürlich gibt es auch das Musikvideo „Deceiver of the Gods“ von der am Film beteiligten Metalband Amon Amarth zum Headbangen.

Rating: 8 Sterne

Filmkritik: „The Timber“

17.
Feb.
2015

Die tief verschneiten Berge Kanadas am Ende des Goldrauschs des 19. Jahrhunderts. Immer mehr Familien sind tief verschuldet, so auch die Familie rund um die Brüder Wyatt (James Ransone, bisher maximal aus Nebenrollen bekannt) und Samuel (Josh Peck, bekannt aus der Nickelodeon-Kinder-Serie „Drake & Josh“). Doch ein Banker macht Ihnen ein Angebot: Wenn die beiden ihren entfremdeten Vater Jebediah gefangen nehmen, der sich oben an einer Mine im Wald verschanzt hat, würden sie die 5000 Dollar Belohnung erhalten und könnten damit das kleine Familiengrundstück behalten.

Gerade für den jungen Familienvater Samuel ist die Entscheidung nicht einfach, muss er doch sein gerade geborenen Kind und seine Frau (Elisa Lasowski) alleine mit seiner Mutter (Maria Doyle Kennedy, immerhin ein bekannteres Gesicht aus „Orphan Black“) zurücklassen. Andererseits erscheint dies die einzige Alternative zu sein.

„Hast Du einen Schluck Whisky für mich?“

Ich tue mich immer schwer damit, das Genre Western zu definieren. Für viele ist es lediglich eine Settingbeschreibung, die vor allen durch die Spaghetti-Western zu einiger Bekanntheit kamen. Hierzulande sind auch immer noch Karl Mays Romane tief kulturell verwurzelt und prägen unsere Erwartung ans Genre. Dennoch ist das Genre mehr als ein Setting, es gibt Western im Weltraum („Outland“, „Firefly“) oder in der heutigen Zeit („No Country for Old Men“). Und dann ist das Genre auch noch eigentlich zu unterteilen in den klassischen, heroischen Western, in dem sich noch die Cowboys und Indianer prügeln, als auch in den heute dominanteren sogenannten „revisionistischen Western“, der grüblerische und durchaus philosophische Themen anschlägt.

„The Timber“ möchte wohl zu der revisionischten Gruppe gehören, er nimmt sich jedenfalls streckenweise sehr ernst, und die Protagonisten stapfen nicht nur durch zähe hohe Schneewelten sondern durch eben solche Dialoge. Abgewechselt wird dies durch schnell inszenierte Actionszenen, die immerhin einigermaßen übersichtlich bleiben, aber die Handlung kaum vorantreiben – aber hey, es sind Actionszenen.

„Wenn ich groß bin, lass ich mir eine Hand abhacken und mit einer Kettensäge ersetzen“ (Junger Ash-Doppelgänger James Ransone in „The Timber“, WVG Medien)

„Wenn ich groß bin, lass ich mir eine Hand abhacken und mit einer Kettensäge ersetzen“ (Junger Ash-Doppelgänger James Ransone in „The Timber“, WVG Medien)

Letztlich ist der Film so aber, vom Setting abgesehen, als Genre eher ein Roadmovie, bei dem ein Weg – in diesem Fall die Reise der beiden Brüder um ihren Vater zu töten – die Protagonisten verändern soll. Das Problem: Er verändert sie nicht wirklich. Die Charakterentwicklung bleibt ebenso irgendwo im zähen Schnee stecken, der rebellische Bruder kommt zur Einsicht, dass er seinem Vater doch mehr ähnelt als er glaubt und sich nun zwischen Rebellion und Altruismus entscheiden muss und der familienorientierte Bruder kommt zur Einsicht, dass er dann doch zuhause bei seiner Familie sein muss.

Alles andere auf dem Weg dahin sind Zufallsbegegnungen, welche der Spielleiter auf einer Tabelle gefunden und ausgewürfelt hat.

Szenenbild ist nicht nur eine Lari-Fari-Kategorie bei den Oscars

Stilsicher im Goldrausch, ob das dem harten Winter angemessen ist, ist eine andere Frage. Aus „The Timber“ (WVG Medien)

Stilsicher im Goldrausch – ob das dem harten Winter angemessen ist, ist eine andere Frage. Aus „The Timber“ (WVG Medien)

Mir ist selten in einem Film die Ausstattung so negativ aufgefallen. Viele Szenen wirken einfach nicht authentisch sondern im Hansaland gedreht, die Kleidung erscheint zwar zeitgemäß aber eher aus dem Kostümfundus einer Vorstadtbühne entliehen und vielfach einfach nicht dreckig genug oder übertrieben vielschichtig.

Zeitlich mehrfach nicht passende Verwendung von Fonts für Banner in „The Timber“ (Screenshot)

Ein Gesucht-Plakat wirkt frisch aus dem Tintenstrahldrucker gezogen und praktischerweise gleich in Graustufen gedruckt und auf Bannern im Ort hat jemand mit Word-Art Fonts verzerrt*. Gut, das wirft vielleicht nur jemanden, der zeitweise als Grafiker arbeitet heraus, aber ein wenig mehr liebe zum historischen Detail hätte hier gut getan.

* Darüber, dass wie die verwendeten serifenlosen Fonts erst Mitte des 20. Jahrhunderts wirklich populär wurden, kann mal vielleicht noch gerade hinwegsehen, da die Akzidenz-Grotesk 1896 herauskam, was tatsächlich gerade zum Höhepunkt des Goldrauschs am Yukon wäre. Ob sie dann tatsächlich bereits dort für ein Banner herhalten würden, erst recht bei so traditionellen Institutionen wie Banken, sei aber mal zumindest kritisch hinterfragt.

„The Timber“ erscheint am 27. Februar 2015 in Deutschland direkt auf DVD und Blu-Ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-Ray freundlicherweise bereits vor der Veröffentlichung als Rezensionsexemplar erhalten.

Timber-BluRay-Cover-3D„The Timber“ (USA 2014)

Regie: Anthony O’Brien

Buch: Anthony O’Brien, Steve Allrich und Colin Ossiander

Darsteller: James Ransone, Josh Peck, Elisa Lasowski, Maria Doyle Kennedy

Rollenspiel-Inspirationsfaktor: Für ein paar Zufallsbegegnungen

Score: Überraschend gut.

Extras auf der Blu-Ray: 3 pauschal als „Making-Of“ titulierte Extras, eines davon ist ein Hintergrundgespräch zwischen Elisa Lasowski und Josh Peck, zwei andere beleuchten jeweils eine Szene. Darüberhinaus nur der Film-Trailer.

Rating: 4 Sterne

Meine Jurytätigkeit im Winter One Page Contest (WOPC) 2014/15

10.
Feb.
2015
Logo Winter OPC

Logo Winter OPC

Ich habe, wie auch schon im Jahr davor, die Ehre gehabt, für den „4. Winter One Page Contest“ (WOPC) von Greifenklaue und Würfelheld die Einsendungen zu begutachten. Im Vergleich zum 3. Jahr waren es statt 48 Einsendungen bereits stolze 72. Es galt also 50 % mehr zu lesen!

Uff. Das war mal eine Herausforderung.

Nicht alles war groß genug

Um ehrlich zu sein: Nicht alles davon war eine Freude zu lesen. Die Tatsache, dass nur eine DIN-A4-Seite zur Verfügung steht bedeutet offenbar für manche, dass sie auf Lesbarkeit pfeifen und einfach alles in Mikroschrift drauf klatschen. Vielfach wurden durchaus gut gesetzte Beiträge unnötigerweise von Text in Grafik konvertiert, ein Beitrag hatte sogar einen Kopierschutz. Um es deutlich zu sagen: Inhalt ist wichtig, Form ist es aber auch, selbst wenn man nicht auf den dieses Jahr neu eingeführten Designpreis aus war. Es macht für mich durchaus einen deutlichen Unterschied, ob man mit dem Geist des Wettbewerbs, nur eine Seite zu füllen, mit technischen Tricks zu umgehen versucht.

Erfreulich war für mich im Vergleich zum Vorjahr aber, dass viel mehr unterschiedliche Systeme eingeflossen sind, darunter auch viele Indie-Systeme, wie Fiasko oder dem Seelenfänger-RPG, aber auch die großen Boliden wie Shadowrun, Cthulhu oder DSA waren wieder dabei. Im Jahr davor waren noch (gefühlt) die Hälfte der Einsendungen Dungeoncrawls für Dungeonslayers und Ablegerkonsorten. Die gab es diesmal auch (soll es auch weiterhin geben, da kommen teilweise sehr klasse Geschichten zusammen), aber allein durch die schiere Anzahl anderer Systeme stach dies nicht so sehr ins Auge und Abwechslung selbst ist auch für Juroren angenehm.

Äpfel mit Birnen vergleichen, dann reduzieren und gut einköcheln lassen

Und inhaltlich ist es wirklich schwer, halt Äpfel mit Birnen zu vergleichen, auf der einen Seite nahezu fertige Abenteuervorlagen, auf der anderen Seite ein Schwertgenerator, auf der dritten ein NSC-Konzept. Für mich persönlich war immer die Frage: Wenn ich eines davon adaptiere für eine Runde, wie viel kann ich daraus an Inspiration ziehen? Wie einfach, wie Einsteigerfreundlich, oder wie viel Nacharbeit zieht die eine oder andere Seite noch nach sich?

Letztlich gelang es mir dann doch, die 72 Einsendungen auf 29 zu reduzieren, die für mich in die engere Auswahl kamen und daraus dann meine Favoriten in Reihenfolge gebracht. Das klingt leichter als getan und vielfach musste ich lange mit mir ringen, wer denn in die persönliche Top 12 kommen sollte. Und natürlich habe ich andere Präferenzen als meine Mitjuroren gefunden, das liegt in der Natur der Sache, dennoch waren wir uns bei den Siegern erfreulicherweise recht einig. Qualität setzt sich eben doch durch. :-)

Die Gewinner (nochmal)

Die Gewinner sind bei Greifenklaue und Würfelheld bereits veröffentlicht, hier aber der Bequemlichkeit nochmal schnell die Top 6:

  1. „Verrat auf dem Mississippi“ (Old Slayerhand) von Waylander
  2. „Wenn die Sterne richtig stehen“ (Fiasko) von der Spielrunde ­Chaotisch Neutral
  3. „Auf den Spuren von Arnor“ (Mittelerde) von Klaus Westerhoff
  4. „Ein Magiertraum“ (Seelenfänger) von Florian Wehner
  5. „New Albion“ (Cthulhu Gaslicht) von Stefan Droste
  6. „Der Komplex“ (ein universeller Horror-/Mystery-Schauplatz) von Christian Günther

Meine Einschätzungstexte sind bereits teilweise veröffentlicht worden, die restlichen werden auch noch veröffentlicht. Jetzt aber noch einen Glückwunsch an die Gewinner, es gibt ja einige tolle Preise!

Filmkritik: „Jupiter Ascending“ oder die Diskrepanz zwischen World-Building und Storytelling

10.
Feb.
2015

Jupiter Jones (Mila Kunis, „Die fantastische Welt von Oz“, die lange Zeit im Film nur ihre Rehaugen aufreißen darf) ist in einer großen Familie russischer Immigranten in den USA aufgewachsen und verbringt einen Großteil ihrer Zeit damit, die Toiletten Reicher zu putzen. Als sie sich dazu entschließt, ihre Eier für 15.000 $ zu verkaufen, entpuppen sich die großzügigen Ärzte als außerirdische Killer, die es stattdessen auf sie abgesehen haben. In letzter Minute wird sie von Caine Wise (Channing Tatum, „Magic Mike“, natürlich einige Zeit mit freien Oberkörper im Film), einem außerirdischen Mischling aus Mensch- und Wolf-Genom, gerettet.

Aber da sie selbst mit dem Genom einer lange verstorbenen intergalaktischen Adligen ausgestattet ist, machen die Kopfgeldjäger natürlich nicht so schnell Halt.

Als Ende 2013/Anfang 2014 die ersten Bilder von dem neuen Film von den Wachowski-Geschwistern auftauchten, war nicht nur ich angetan. Sie waren imposant und versprachen eine tolle Space Opera, etwas, dass wir seit Star Wars im Kino nicht mehr wirklich bestaunen durften – ja, das war bevor „Guardians of the Galaxy“ uns im Kinosessel wegpustete. Doch schon als der eigentlich für den Sommer angekündigte Blockbuster plötzlich auf Februar 2015 verschoben wurde, ahnte man, dass die Strategen bei Warner Bros. ihn aus der Schusslinie von Gamorra und Star-Lord bringen wollten. Nur warum?

Mittlerweile ist wohl klar: Der Film wäre als Tentpole-Film im letzten Sommer gnadenlos untergegangen, gerade im Vergleich mit Marvels brillanten Lauf derzeit, aber auch bei den anderen Filmen des Sommers, darunter Franchise-Fortsetzungen von „21 Jump Street“, „Drachenzähmen leicht gemacht“ oder „Planet der Affen“, allesamt mit guten Erfolgsaussichten. Warner Bros. hatte mit „Godzilla“ bereits einen Wackelkandidaten im Rennen und war mit „Transcendence“ bereits schon derbe im Frühjahr gescheitert. Ein Verschieben auf Februar schien da sicherlich als eine gute Option.

Jedesmal, bevor ich im Jupiter lande, nehme ich gerne ein erfrischendes Bad. (Foto: Courtesy of Warner Bros. Pictures)

Jedesmal, bevor ich im Jupiter lande, nehme ich gerne ein erfrischendes Bad. (Foto: Courtesy of Warner Bros. Pictures)

Leider hat es nicht genutzt, den Film aus dem Schlamassel herauszuziehen, was da Story-technisch vermurkst wurde. Um es gleich offen zu sagen: Der Film ist nicht per se schlecht, nein, ganz im Gegenteil. Er hat einige sehr coolen Szenen und die Wachowski-Geschwister zeigen in ihm wieder einmal brillant, wie man faszinierende Welten erschafft. Aber: Der Film eiert so dahin, teilweise verheddert er sich minutenlang in einigen Actionszenen oder wirft Handlungsstränge auf, nur um sie gleich wieder zu vergessen und nachher komplett zu ignorieren. Im Prinzip wird die Protagonistin immer wieder entführt und muss von ihrem treuen Hündchen Söldner wieder gerettet werden. Das variiert leicht und letztlich darf auch Jupiter über das zerbrechliche Püppchen hinauswachsen – letztlich ist die Struktur der Geschichte aber sehr durchwachsen. Und mit dem Over-Acting als Bösewicht Balem hat sich Oscar-Favorit Eddie Redmayne (für „The Theory of Everything“) wirklich keinen Gefallen getan.

Kostüme können sie. (Foto: Courtesy of Warner Bros. Pictures)

Kostüme können sie. (Foto: Courtesy of Warner Bros. Pictures)

Wo der Film brilliert ist allerdings der Weltenbau. Die Wachowskis sind ja für ihre Spezialeffekte bereits berühmt, hier vermischen sie das Action-Feuerwerk aber auch mit bombastischen Setdesigns, tollen Kostümen und hundsmiserablen Makeup. Die präsentierte Space-Opera-Welt macht neugierig, man möchte gerne viele Details näher kennen lernen und ein wenig in ihr herum streunern.

Daraus wird wohl nichts, nach den mauen Einspielergebnissen des Startwochenendes zu urteilen. Leider. Einst hieß es, Jupiter Ascending könnte der Start einer neuen Trilogie von Space Opera-Filmen werden. Aber gegen die Disney-Dominanz in diesem Genre bleibt derzeit keine Laserpistole gewachsen, auch wenn sie noch so schön „surft“, wie der Held dieses Films.

Das Plakat von „Jupiter Ascending“ Copyright: © 2015 WARNER BROS. ENT. INC., VILLAGE ROADSHOW FILMS (BVI) LIMITED AND RATPAC-DUNE ENT. LLC

Das Plakat von „Jupiter Ascending“ Copyright: © 2015 WARNER BROS. ENT. INC., VILLAGE ROADSHOW FILMS (BVI) LIMITED AND RATPAC-DUNE ENT. LLC

„Jupiter Ascending“, USA 2015

Regie und Buch: Lana und Andy Wachowski

Darsteller: Mila Kunis, Channing Tatum, Eddie Redmayne, Sean Bean

Rollenspiel-Inspirationsfaktor: Gewaltig. Tolle Welten, vieles, was ich direkt in meine Runden einfließen lassen mag.

Score: Bisweilen überzogen und überdramatisch, bleibt bei mir nicht wirklich hängen.

Rating: 6 Sterne