Pfadfinder-Widerstand im besetzten Polen – Kritik: „Operation Arsenal“

2.
Aug.
2015

Während der Okkupation Warschaus im zweiten Weltkrieg versucht eine aus der Pfadfindergruppe „Graue Reihen“ („Szare Szeregi“) hervorgegangene Gruppe junger Leute mit Guerilla-Aktionen den Widerstand gegen die Besatzer. Besonders aktiv sind dabei die gerade erwachsen gewordenen Anführer Zośka, Rudy und Alek, welche sich mit wenigsten Mitteln und vor allem Kreativität gegen die Deutschen behaupten, dabei aber kontinuierlich ihr Leben aufs Spiel setzen.

Rudy und Zośka hecken etwas gegen die deutschen Besatzer aus („Operation Arsenal“, Foto: Ascot Elite)

Rudy und Zośka hecken etwas gegen die deutschen Besatzer aus („Operation Arsenal“, Foto: Ascot Elite)

Es ist einige Zeit fast ein Katz- und Maus-Spiel für sie, doch dann wird Rudy von der SS gefangen genommen. Die SS-Offiziere foltern ihn grausam, wollen aus ihm die Namen der anderen heraus pressen, die währenddessen fieberhaft überlegen, wie sie ihn befreien können …

„Nur Schweine sitzen im Kino!“

In Polen ist Aleksander Kamińskis „Kamienie na szaniec“ („Steine fürs Bollwerk“) ein Literaturklassiker, der dort vielfach im Unterricht als kanonische Lektüre eingesetzt wird (eine deutsche Übersetzung gibt es aber offenbar leider nicht). Er beruht auf tatsächliche Ereignisse. Die Szare Szeregi gab es wirklich und auch der Angriff am helllichten Tage auf das Arsenal durch Zośka (Deckname von Tadeusz Zawadzki) zur Befreiung von Rudy (Deckname von Jan Bytnar) im Jahr 1943 fand tatsächlich statt und als „Operation Arsenal“ seinen Eingang in die Geschichtsbücher. Kamiński war selbst damals Teil der Grauen Reihen und beschrieb die Ereignisse aus eigener Erfahrung.

Der Film orientiert sich also an historischen Ereignissen. Dabei besteht er konzeptionell allerdings aus drei sehr unterschiedlichen Teilen: Zunächst schildert er den Untergrundkampf gegen die Besatzer, welches zwar durchaus ernsthaft, aber immer mit einer Leichtigkeit und Coolness gezeigt wird. Fast lausbubenartig sind die Streiche, mit welchen die Pfadfinder ihren Gegnern auf die Nerven gehen, die eigentliche Gefahr scheint weit entfernt. Verstärkt wird dies auch durch ein sehr markantes, rockiges Soundtrack-Stück, das bei jeder der Aktionen fast hymnenartig wieder eingespielt wird. Damit ist dann aber mit einem Mal Schluss. In allen grausamen Details wird nun die Folter von dem eben noch so spitzbübischen Rudy gezeigt. Der Film gleitet nun fast schon in die Torture-Porn-Ecke ab und bekommt dadurch auch zurecht das FSK 16-Siegel. Im dritten Part geht es dann um die Befreiung der Kameraden und hier wird es dann wieder ein recht klassisches Zweiter-Weltkriegsdrama, mit einigen fiesen Schlägen in die Magengegend der Zuschauer.

Kein Film aus dem zweiten Weltkrieg ohne Uniformen im Regen („Operation Arsenal“, Foto: Ascot Elite)

Kein Film aus dem zweiten Weltkrieg ohne Uniformen im Regen („Operation Arsenal“, Foto: Ascot Elite)

Als ich angefragt wurde, ob ich für diesen Film eine Rezension schreiben wollen würde, habe ich zunächst abgeblockt: Ich meide Filme mittlerweile aus dem zweiten Weltkrieg eigentlich generell, zu oft sind mir die Motive von Unterdrückung, Widerstand und Ohnmacht im Film untergejubelt worden, zu selten gelingt es Filmemachern noch, etwas Neues in diesem Setting zu erzählen. Es gibt andere Zeitperioden, die mich einfach mehr interessieren derzeit. Dennoch ließ ich mich dann aber auf „Operation Arsenal“ ein – und habe es nicht bereut: Es ist mit Sicherheit kein leichter Stoff, aber durch drei unterschiedlichen Erzählweisen, gerade der ersten, wird man schnell in das Setting gezogen und Fans dieser tollkühnen Jungs. Man ahnt zwar, dass es nicht lange gut gehen kann, aber als es dann passiert, trifft man dennoch noch unvorbereitet auf die Brutalität und Härte, und spätestens dann packt einen das Drama.

Cool Guys Don't Look At Explosions (Blu-Ray-Cover von „Operation Arsenal“, Ascot Elite)

Cool Guys Don’t Look At Explosions (Blu-Ray-Cover von „Operation Arsenal“, Ascot Elite)

„Operation Arsenal – Widerstand in Warschau“ („Stones for the Rampart“/„Kamienie na szaniec“, PL 2014)

Regie: Robert Glinski

Drehbuch: Wojtek Palys und Dominik Wieczorkowski-Rettinger, basierend auf dem Buch von Aleksander Kamiński

Darsteller: Tomasz Zietek, Marcel Sabat, Kamil Szeptycki.

Extras: Interviews mit Regisseur und Darstellern (OmU), Trailer

Rating: 8 Sterne

„Operation Arsenal – Widerstand in Warschau“ erscheint am 4. August 2015 auf DVD und Blu-Ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-Ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

#RPGaDAY2015 – Frage 2

2.
Aug.
2015

Frage 2: Welches über Crowdfunding finanzierte Spiel hast Du am liebsten unterstützt?

(„Kickstarted game most pleased you backed?“)

Cover Fate Core (Evil Hat Productions)

Cover Fate Core (Evil Hat Productions)

Das müsste „Fate Core“ sein. Allein schon wegen der Kosten-/Nutzen-Relation, ist dort für wenig Geld extrem viel entstanden, mit dem meine Runden seit langem extrem viel Spaß haben (meistens). Wobei: die Strecht-Goals sind heute immer noch nicht ganz erfüllt („Dresden Files Accelerated“ ist immer noch nicht raus). Das hat insgesamt sehr viel Spaß zu unterstützen gemacht, wenn nur nicht der Zoll das Ganze so kompliziert gemacht hätte.

Aber:

Da das Gegenteil nicht abgefragt wird, nenne ich hier zwei Beispiele für Crowdfundings, die auch in die Hose gingen: die schicken „Fate Pulse Dice“, für die ich viel zu viel eingesetzt habe, wurden nie hergestellt und der Macher ist nach vielen Herausredeversuchen mittlerweile komplett abgetaucht. Und dann ist da noch James Wallis „Alas Vegas: an RPG of bad memories, bad luck & bad blood“, das eigentlich seit Juni 2013 hätte fertig sein sollen, aber bei dem sich der Autor immerhin noch die Mühe gibt, alle paar Monate mal neu zu vertrösten. Ich glaube nicht wirklich mehr daran, dass das jemals erscheinen wird. Das Geld für beides habe ich für mich abgeschrieben und nehme es als persönliche Lektion mit, nicht alles halbwegs Interessantes gleich unterstützen zu wollen.

#RPGaDAY2015 Rundblick

2.
Aug.
2015

Andere Blogger, die zu #RPGaDAY2015 schreiben

Die Themenliste

Die Themenliste-Übersichtsgrafik

Die Aktion, die gestern auch hier im Blog startete (übrigens gestartet von Autokratik), wird von vielen Blogger-Kollegen mitgetragen. Dies sind unter anderen: GreifenklaueAdrian, Obskures, Settembrini, Clawdeen, Mondbuchstaben, Curima, Christoph Daether, Arkanil, Purple Tentakel, Judith C. Vogt oder der Blechpirat.

Und: Es lohnt sich auch mal auf Twitter nach dem Hashtag #RPGaDAY2015 zu suchen. Auch auf FacebookGoogle+ oder sogar Youtube kann man das.

#RPGaDAY2015 – Frage 1

1.
Aug.
2015

RPG a day 2015Derzeit ein Trend: #RPGaDAY2015, eine Aktion bei der man jeden Tag im August eine Antwort auf eine spezifische Frage rund ums Rollenspiel bloggen/twittern/irgendwie mitteilen darf.

Frage 1: Auf welches noch kommende Spiel freust Du Dich am meisten?

(„Forthcoming game you’re most looking forward to“)

Derzeit dürfte das die Print-Ausgabe von „Part-time gods of Fate“ sein. Das PDF besitze ich allerdings schon, bin bei Rollenspielen aber Old School, ich brauche es auch im Print.

Da „Part-time gods of Fate“ die Nachfolgerunde meiner langjährigen Star-Trek-Kampagne werden soll, erklärt sich vermutlich auch, warum ich das derzeit gespannt erwarte.

Wenn das wegen des PDF nicht zählen sollte, erwähne ich ersatzweise einmal „Unknown Armies 3“. Weiß noch kaum etwas darüber, außer dass ich das bisherige Setting sehr mochte und vor allem gespannt bin, was sie mit den Regeln neu anstellen.

 

„Wild Card“ – Jason Statham abgezockt

30.
Jul.
2015

Es gibt viele gestrandete Existenzen in Las Vegas, die dort direkt neben den Leuchtreklamen der Casinos in heruntergekommenen Appartements leben und versuchen, sich irgendwie durchzuschlagen. Nick Wild (Jason Statham) gehört dazu, hält sich mit gelegentlichen Einmal-Jobs über Wasser, bei denen er sowohl seine Schlagkraft, als auch seine Gerissenheit für den schmierigen Anwalt Pinky (Jason Alexander) unter Beweis stellen muss.

Viel zu lange hat er hier nun schon verbracht, eigentlich wollte er sich schon längst nach Korsika absetzen, aber zwei neue Jobs bringen Bewegung in die Geschichte: Zum einen der junge Multimillionär Cyrus (Michael Angarano), der ihn als Anstandsdame engagieren will, zum anderen eine alte Flamme, Holly (Dominik Garcia-Lorido), welche seine Hilfe bei Problemen mit dem Nachwuchsgangster Danny DeMarco (Milo Ventimiglia) braucht.

Doch all dies bedeutet nicht nur Chancen, sondern auch die Gelegenheit, dass seine alte Spielsucht wieder durchsickert …

Jason Statham kann richtig fallen (Foto: Universum)

Jason Statham kann richtig fallen (Foto: Universum)

Remake eines Flops

Warum verfilmt man einen Film neu, der eigentlich beim Publikum bereits durchgefallen war? Der Stoff von „Wild Cards“ jedenfalls war bereits 1986 wenig erfolgreich unter dem Namen „Heat – Nick, der Killer“ inszeniert worden. Der Grund könnte beim Drehbuchautoren William Goldman liegen, der einen regelrechten Legenden-Status in Hollywood inne hat, stammen doch von ihm herausragende Drehbücher zu so unterschiedlichen Stoffen wie „Zwei Banditen“ („Butch Cassidy and the Sundance Kid“, 1969), „Die Unbestechlichen“ („All the President’s Men“, 1976), „Die Braut des Prinzen“ („The Princess Bride“, 1987) oder „Wehrlos – Die Tochter des Generals“ („The General’s Daughter“, 1999).

Hope Davis als Crou­pi­è­re (ja, ich musste nachschlagen, wie die weibliche Form von Croupier korrekt lautet, Foto: Universum)

Hope Davis als Crou­pi­è­re (ja, ich musste nachschlagen, wie die weibliche Form von Croupier korrekt lautet, Foto: Universum)

Und Jason Statham hatte selbst offenbar einiges Interesse an dem Stoff und wollte sich hier endlich mal als Charakterdarsteller beweisen. Seine Karriere bisher war ja, nun ja, etwas „actionlastig“, weswegen in den Featurettes auf der Scheibe auch extra darauf hingewiesen wird, dass er in diesem Film mehr Dialogzeilen haben soll als in all seinen Filmen bisher. Leider ist das nicht wirklich ein Qualitätskriterium, obwohl man Stathams Leistung nicht wirklich kritisieren muss – wenn man von einer kruden Angstattacke im Film absieht, die genauso gut ein Herzinfarkt oder Etwas-in-der-Speiseröhre-Steckengebliebendes hätte sein können. Das Problem ist tatsächlich die Story selbst, die relativ ziellos vor sich hin plätschert und dabei versäumt, die Charaktere und ihre Motivationen näher vorzustellen, was auch einige tolle darstellerische Leistungen, wie die von Hope Davis als Croupière, nicht alleine retten können.

Jason Statham (rechts) bittet zum Kampf (Foto: Universum)

Jason Statham (rechts) bittet zum Kampf (Foto: Universum)

Natürlich bekommt der Actionfan zahlreiche, routiniert inszenierte Kampfszenen mit Jason Statham zu sehen, aber auch diese ermüden letztlich. Es bleibt ein Film über Glücksspieler, der anstatt alles auf eine Karte zu setzen, sein Risiko lieber möglichst großflächig verteilt und dabei letztlich keinen herausragenden Gewinn erzielen vermag, aber zumindest nicht langweilt.

Das stilisierte Cover von „Wild Card“ wurde auch im Blu-Ray-Menü optisch sehr schön fortgesetzt (Universum Film)

Das stilisierte Cover von „Wild Card“ wurde auch im Blu-Ray-Menü optisch sehr schön fortgesetzt (Universum Film)

„Wild Card“ (USA, 2015)

Regie: Simon West

Drehbuch: William Goldman, basierend auf einem Buch von William Goldman

Darsteller: Jason Statham, Michael Angarano, Dominik García-Lorido, Hope Davis, Milo Ventimiglia

Rollenspiel-Inspirationsfaktor: Las Vegas ist nach wie vor ein tolles Setting, aber vermutlich bekommt man in den „Ocean’s 11–13“-Filmen oder selbst in „CSI“ mehr Szenenideen.

Extras: Viele Featurettes und Interviews, sowie eine Kommentar-Tonspur des Regisseurs zum Film, kurz gesagt: Viel Extra-Content.

Rating: 6 Sterne

„Wild Cards“ erscheint am 31. Juli 2015 auf DVD und Blu-Ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-Ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.