Action mit Botschaft: Dolph Lundgrens „Skin Trade“

29.
Jun.
2015

Polizist Nick Cassidy (Dolph Lundgren, „Universal Soldier“) gelingt es, den international agierenden serbischen Menschenhändler und Mafiaclan-Anführer Viktor Dragovic (Ron Perlman, „Hellboy“) festzusetzen. Doch das hält diesen nur kurz auf: der Bösewicht kommt auf Kaution frei und setzt sich ins Ausland ab. Zuvor töten seine Schergen aber noch die Frau von Nick und entführen dessen Tochter.

Getrieben von Rache (Dolph Lundgren in „Skin Trade“, Foto: Ascot Elite)

Getrieben von Rache (Dolph Lundgren in „Skin Trade“, Foto: Ascot Elite)

Nick verfolgt, von Rache getrieben und auf eigene Faust, Dragovic und gerät in Thailand mit dem dortigen Polizisten Tony Vitayakul (Tony Jaa, „Ong Bak“) ins Gehege. Beide kämpfen zwar eigentlich für die gleiche Sache (und auch mit sehr ähnlichen moralisch fragwürdigen Methoden), aber es braucht einige Zeit, bis sie dies auch realisieren und dann gemeinsam gegen die Sex-Sklavenhändler vorgehen.

Ein Film, der eine moralische Botschaft tragen will, sollte über die Moral seiner Helden nachdenken.

80er-und-90er-Jahre-Actionfilmstar Dolph Lundgren hat den Film mitproduziert und auch am Drehbuch mit geschrieben. Ihm war es offenbar ein Bedürfnis, auf den Menschenhandel aufmerksam zu machen, bei dem jedes Jahr Millionen Kinder und junge Frauen sexuell ausgebeutet werden. Und weil er ja auf ein Genre festgenagelt ist, macht er das konsequenterweise in Form eines Action-Films.

Soweit, so gut. Jeder Action-Film braucht klare Bösewichte, und Menschenhandel ist klar verabscheuungswürdig. Ein Action-Film braucht aber auch Helden, und hier klemmt der Film leider. Wenn die Helden, um Informationen aus einem Bösewicht herauszupressen, ihn nicht nur von einem Hochhausbalkon baumelnd ausfragen, sondern ihn danach auch noch mal eben in den sicheren Tod fallen lassen, garniert mit einem coolen Spruch, sind es keine wirklichen Helden mehr, sondern Folterer, Richter und Henker in einer Person.

Sicher, Jack Bauer hat in „24“ das regelmäßig vorgemacht, aber mir stößt Folter im Namen des vermeintlich Guten immer sehr sauer auf (und nicht nur mir, sondern auch bspw. John Oliver in seiner Show „Last Week Tonight“). Die Produzenten verteidigen das in Übrigen in einem Interview als gewollten „Charakter-Fehler“, gehen aber nicht darauf ein, warum sie es für unnötig halten, solche Fehler auch narrativ zu verarbeiten, denn Einsicht über ein solches Verhalten gewinnt keiner der beiden Protagonisten im Laufe des Films.

Im Gegenteil: Polizist Nick wird durch die Taten gegen seine Familie erst zu diesen Methoden getrieben und bleibt in diesem Rachemodus den Rest des Films über. Das ist in reinrassigen Action-Filmen sicher tolerabel, dort gelten ja ganz eigene Tropes. Wenn man aber den moralischen Zeigefinger auspackt, sollte man ihn auch auf sich selbst anwenden …

Lundgren ist solche High-Kicks durch Van Damme ja eigentlich gewohnt („Skin Trade“, Foto: Ascot Elite)

Lundgren ist solche High-Kicks durch Van Damme ja eigentlich gewohnt („Skin Trade“, Foto: Ascot Elite)

Dolph Lundgren spielt gewohnt routiniert und es bringt durchaus zwischenzeitlich Spaß ihn zusammen mit Peter Weller (der seinen Polizeichef leider viel zu kurz spielt) und Ron Perlman zu sehen. Tony Jaa bleibt leider weiterhin ein schauspielerisches Toastbrot, das mit seinen Moves in „Ong Bak“ noch überraschen konnte, jetzt aber langsam wirklich schimmelt, immerhin hört man in der deutschen Synchronisation sein schlechtes Englisch nicht, dass er leider immer wieder einsetzen muss. An Schauwerken bleibt das vermeintliche Action-Feuerwerk, das aber klar auf B-Film-Niveau bleibt, immerhin aber einen sehr hübschen Hubschrauber-Absturz realisiert bekommt.

Letztlich bleibt ein gerade noch ordentlich inszenierter Action-Thriller, der mehr sein möchte, aber es nicht ist.

Das Blu-Ray-Cover hat auch ein Wendecover (Foto: Ascot Elite)

Die Blu-Ray hat ein Wendecover (Foto: Ascot Elite)

„Skin Trade“, USA/THAI/CDN 2014

Darsteller: Dolph Lundgren, Tony Jaa, Ron Perlman

Regie: Ekachai Uekrongtham

Buch: Dolph Lundgren u.a.

Extras: Interviews mit den Darstellern, besonders das mit Lundgren ist interessant. Das Interview mit Tony Jaa ist jedoch nur ein sehr kurzes Statement, dass so 1:1 zu jedem seiner Filme funktionieren würde. Dazu eine B-Roll.

Rating: 4 Sterne

„Skin Trade“ erscheint am 7. Juli 2015 auf DVD und Blu-Ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-Ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Kein Science-Fiction-Film: Drohnenkrieg in „Good Kill“

10.
Jun.
2015
Töten mit dem Joystick (Zoë Kravitz, Bruce Greenwood und Ethan Hawke in „Good Kill“, Foto: Ascot Elite)

Töten mit dem Joystick (Zoë Kravitz, Bruce Greenwood und Ethan Hawke in „Good Kill“, Foto: Ascot Elite)

Mit Drohnen ist der Krieg von heute eine Frage von Beobachtung, Bestätigung und Beseitigung geworden. Major Thomas Egan (Ethan Hawke, „Gattaca“), eigentlich Pilot in der US Air Force, wurde zum Drohnendienst unter Lt. Col. Johns (Bruce Greenwood, „Star Trek“) abgeordnet. Von der CIA aus Langley bekommen Sie regelmäßig Zielinformationen sowie Spionage- und Tötungsaufträge in Afghanistan und anderen Ländern, die sie dann ausführen. Und abends steigen sie dann aus dem Container in der Wüste von Nevada und fahren nach Hause um dem Familienleben nachzugehen. Wobei die ethischen und philosophischen Konsequenzen ihrer Handlungen ihnen spürbar mehr zusetzen.

Puh.

Ein beeindruckender und bedrückender Film. Die Nur-Audio-Verbindung nach Langley wird zu einem abstrakten und verhassten Auftraggeber, welche die moralische Entscheidungen der Drohnenpiloten zwar eigentlich „abnehmen“ – „abdrücken“ müssen aber immer noch die Piloten. 10 bis 12 Sekunden heißt es dann noch abzuwarten, dann trifft die Rakete in aller Regel und vernichtet die auserkorenen Gegner in einer Explosion, die aber auch andere in den Tod zu reißen vermag, welche in diesem kurzen Zeitfenster unglücklicherweise dazu gestoßen sind.

„Schießen Sie zurück! Schießen Sie auf irgendwas!“

Dabei verlässt der Film nie die Perspektive der Piloten in Las Vegas und zeigt eindrücklich, welche psychologischen Konsequenzen das Töten von Menschen hat, selbst wenn man dies nur abstrakt auf der anderen Seite des Erdballs per Kamera erfährt.

Wollte eigentlich wirklich fliegen (Ethan Hawke, Foto: Ascot Elite)

Major Thomas Egan (Ethan Hawke) wollte eigentlich wirklich fliegen, ist jetzt aber auf Drohnenflüge spezialisiert (Foto: Ascot Elite)

Regisseur und Autor Andrew Niccol ist nach einigen Ausrutschern („In Time“, „Seelen“) hiermit wieder ein absolut sehenswerter und empfehlenswerter Film gelungen, der sich zu seinen Glanzstücken „Gattaca“ und „Lords of War“ gesellt. Es ist der böse Zynismus des Krieges der im Namen der Terrorbekämpfung geführt wird und die Konsequenzen, die mit dieser Kriegsführung verbunden sind. Der „Good Kill“ ist ein sauber ausgeführter Schlag, der nur das eigentliche Ziel eliminiert – nur wann gelingt der wirklich ohne Kollateralschaden? Wer beobachtet die Beobachter? Und wenn sie mit einem Fingerdruck zwischen Leben und Tod entscheiden können – verführt diese Macht nicht auch irgendwann?

Dennoch hält der Film nicht einfach den moralischen Zeigefinger in die Höhe, sondern zeigt gleichermaßen alle Perspektiven und lässt auch zum Schluss unklar, wer hier wirklich die Bösen sind. Absolut unverständlich, warum ein so wichtiger wie auch guter Film nicht in unsere Kinos kommt, sondern nur direkt auf DVD erscheint. Er verdient es eindeutig, gesehen zu werden.

Cover der Blu-Ray (Foto: Ascot Elite)

Cover der Blu-Ray (Foto: Ascot Elite)

„Good Kill – Tod aus der Luft“ USA, 2014

Regie und Buch: Andrew Niccol

Darsteller: Ethan Hawke, January Jones, Bruce Greenwood

Score: Passend und stark zurückhaltend, teilweise fast sphärisch, unterstützt er die Stimmung sehr.

Extras: Trailer und ein gut 15-minütiges Behind the Scenes, das einige Hintergründe nochmal näher erläutert.

Rating: 9 Sterne

„Good Kill: Tod aus der Luft“ erschien am 9. Juni 2015 auf DVD und Blu-Ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-Ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

„Battle for Skyark“ – Apokalypse für Kinder mit Budgetproblemen

8.
Jun.
2015

Evakuierung im Weltram

Die Erde ist aufgrund einer Invasion von Monstern unbewohnbar geworden, weswegen sich die Menschheit auf eine Raumstation gerettet hat, die „Skyark“. Doch diese ist nicht ohne Probleme, denn sie haben ein recht rabiates Mittel gegen Überbevölkerung und Unartigkeit: Sie verbannen Waisen-Kinder auf die Erde, wo sich diese selbst durchschlagen müssen.

Der „Auserwählte“ (Foto: Ascot Elite)

Rags (Caon Mortenson), der „Auserwählte“ mit den 13 Schandmalen (Foto: Ascot Elite)

Der derzeitige Anführer der Kinder auf der Erde, Rusty, erzählt von einem Retter, der 13 Schandmale tragen soll. Als dann Rags (Caon Mortenson), Sohn eines Dissidenten, wegen der Taten des Vaters auf die Erde verbannt wird und dort als der Träger dieser Male und damit der Prophezeiung identifiziert wird, ist klar: Das Ende des Kampfes Kinder gegen Monster ist gekommen. Nur Rags ist damit etwas überfordert …

Starke Idee, schwaches Budget

Es gibt Filme, die leiden an einer schwachen Prämisse. Es gibt Filme, die leiden an der Story. Es gibt Filme, die leiden an schwachen Darstellern. Und es gibt Filme, die leiden am Budget. „Battle for Skyark“ krankt leider überdeutlich an diesem Manko. Der Film spielt nahezu ausschließlich auf einem wild aufgeschütteten Schrottplatz in der Mojave-Wüste in den USA, in der die durch die Bank jungen Darsteller kämpfen dürfen. Und vielfach sieht das einfach nach einem Abenteuerspielplatz aus, wenn auch nach einen, bei dem auf sämtliche TÜV-Auflagen gepfiffen wurde.

Einige der Effekte sind wirklich gut. Einiges des Films auch. (Foto: Ascot Elite)

Einige der Effekte sind wirklich gut. Einiges des Films auch. (Foto: Ascot Elite)

Das irritierende: es gibt zwischenzeitlich immer mal wieder richtig gute CGI-Effekte. Es gibt zwischenzeitlich starke Szenen. Beides nur jeweils für ein paar Sekunden. Und dann wird der Film wieder minutenlang in die Länge gezogen, ohne dass sich wirklich etwas neues erklärt oder visuell eine wirkliche Abwechslung gezeigt wird.

Und dann das Monster-Design: Es ist – nun ja – mindestens problematisch. Vor allem in Zusammenhang mit der Story. Es ist klar, dass nicht viel Geld zur Verfügung stand, aber die paar kleinen Make-Up-Effekte machten die Darsteller nicht wirklich zu „Monstern“, vor denen eine Gruppe Kinder und Jugendliche wirklich Angst haben würde. Und dass dann später eine der Auflösungen im Film tatsächlich ist, dass die Monster einst Menschen waren, ist eine der Wendungen die so offensichtlich waren, dass man sich eher fragt, ob die Kinder zwischenzeitlich auf Droge gewesen sein müssten, dass sie das nicht erkannt haben.

Szenenbild einer besseren Theateraufführung (Foto: Ascot Elite)

Szenenbild einer besseren Theateraufführung (Foto: Ascot Elite)

Aber gut, über Plotlöcher (und unsinnige Post-Credit-Scenes) rege ich mich eigentlich nicht mehr auf, wenn denn wenigstens der Rest stimmig wäre. Klar, das ganze soll ein Kinderfilm sein, und vieles ist dafür auch toll inszeniert (denn es gibt ohnehin viel zu wenig Science-Fiction-Kinderfilme), das große Problem bleibt aber: Der Film ist einfach überambitioniert. Er will eine viel größere Geschichte erzählen, als er mit seinen spartanischen Mitteln realisieren kann und muss dann den Rest improvisieren. Das erinnert zeitweise an die Mittel, die Georges Méliès einst eingesetzt hat, und es ist klar, dass die Filmmacher auch hier viel Liebe und Herzblut hereingesteckt haben, aber gerade der unfreiwillige Trash-Faktor tut umso mehr weh. Denn der Film hätte mehr sein können.

Cover „Battle for Skyark“-Blu-Ray (Foto: Ascot Elite)

Cover „Battle for Skyark“-Blu-Ray (Foto: Ascot Elite)

„Battle for Skyark“, USA 2015

Regie: Simon Hung

Buch: Simon Hung und Guy Malim

Darsteller: Caon Mortenson, Garrett Coffey, Taylor Coliee

Score: Überraschend liebevoll für einen solchen Low-Budget-Film mit einem netten, wiederkehrenden Hauptthema.

Rollenspiel-Inspirationsfaktor: Der Aufhänger ist ja soweit in Ordnung, könnte man evtl. für eine Runde mit Kindern oder jungen Jugendlichen als Aufhänger einsetzen.

Extras: Trailer, eine Reihe Interviews mit den Darstellern und Machern, sowie ein Video mit Impressionen von dem Dreh

Rating: 3 Sterne

„Battle for Skyark“ erscheint am 9. Juni 2015 auf DVD und Blu-Ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-Ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

„Earth: Final Conflict“ – Season 1 nun auch als deutsche DVD

30.
Mai.
2015

Vor drei Jahren sind die Taelons auf der Erde gelandet. Außerirdische, die offiziell in Frieden kamen und uns viele neue technologische Errungenschaften bringen – und beseitigen den Hunger und viele Krankheiten auf der Welt. Aber nicht alle begegnen diesen „Companions“ friedlich, viele haben Angst vor den fremdartigen Wesen und dem, was sie verheißen. Sie vermuten einen geheimen Plan …

Der Taelon Da’an (links) und sein Beschützer William Boone in einen der Taelon-Konstrukte (Foto: Pandavision)

Der Taelon Da’an (links) und sein Beschützer William Boone in einen der Taelon-Konstrukte (Foto: Pandastorm)

Der skeptische Polizist William Boone (Kevin Kilner) wird nach einem heldenhaften Einsatz vom Taelon Da’an zu einen Companion-Beschützer gemacht. Gleichzeitig wird er aber auch von dem in den Untergrund verschwundenen Großunternehmer Jonathon Doors (David Hemblen) in den Widerstand eingeführt. Dort wird sichergestellt, dass Boones Cybervirales Implantat (CVI) so modifiziert wurde, dass er ohne „Motivationsimperativ“ handeln kann – also auch ggf. gegen die Taelons. Und ihm wird ein Symbiont als Waffe mitgegeben, ein „Skrill“, der auf seinem rechten Arm sitzt und wahlweise betäuben oder töten kann. Sein geheimes Ziel: Er soll herausfinden, was die Außerirdischen wirklich vor haben.

Im Laufe der ersten Staffel gelingt es Boone zusammen mit Pilotin Lili Marquette und Hacker Augur einigen Geheimnissen auf die Spur zu kommen: Sie finden heraus, warum Boones Ehefrau ermordert wurde, finden einen seltsamen abgestürzten Satelliten in einer Amish-Gemeinde, der Replikanten erzeugen kann, finden in Irland ein antikes Taelon-Artefakt, entdecken eine Verschwörung hinter einer Teleportations-Portal-Technologie und treffen sogar auf eine weitere außerirdische Spezies.

Damals war Roddenberry noch ein Name

Gene Roddenberry, der Erfinder von „Star Trek“, hatte nach der Absetzung 1969 noch einige andere Science-Fiction-Projekte in der Pipeline gehabt, die aus unterschiedlichen Gründen nie verwirklicht wurden*.

* Eines davon, „Andromeda“, sollte drei Jahre später noch verwirklicht werden, wohl auch angetrieben von dem Erfolg von „Earth: Final Conflict“.

1991 starb Roddenberry, noch nachdem er den erfolgreichen TV-Neustart von „Star Trek“ in Form von „Next Generation“ miterleben durfte. Seine Witwe, Majel Barrett-Roddenberry, die in der klassischen Star Trek-Serie Schwester Chapel spielte, und in der neuen Serie ebenfalls einige Rollen innehatte, begann Mitte der 90er Jahre einige dieser alten Konzepte wieder hervorzuholen und konnte, wohl auch aufgrund des Namens, einige Geldgeber finden, darunter die kanadische Produktionsfirma Tribune Entertainment aber auch die deutsche Tele München Fernseh Produktionsgesellschaft (TMG).

Die Untergrund-Verschwörer Doors, Marquette und Boone (v.l.n.r.) (Foto: Pandavision)

Die Untergrund-Verschwörer Doors, Marquette und Boone (v.l.n.r.) (Foto: Pandastorm)

Das Konzept, „Battleground: Earth“ wurde umbenannt um eine Verwechslung mit dem schlechten Film „Battlefield Earth“ zu vermeiden. Daraus wurde „Earth: Final Conflict“, das zum einen für das kanadische CTV, zum anderen für den damals immer noch blühenden Syndication-Markt*. Barrett-Roddenberry fungierte selbst als einer der Produzenten und nahm auch eine Nebenrolle in den ersten drei Staffeln der Serie ein: Sie spielte die Ärztin Dr. Belman.

* Freier Markt für Serien ohne ein fester Auftrag eines Senders. Mehr dazu in meiner Übersicht zum Thema Fernsehen in den USA

Die Serie brachte es auf fünf Staffeln, wobei es starke Produktionsprobleme gab, bei der unter anderen nahezu alle Hauptdarsteller im Laufe der Staffeln ausgetauscht wurden, William Boone taucht beispielsweise nur in der ersten und der fünften Staffel auf. Lediglich der Hauptantagonist, Ronald Sandoval (Von Flores) blieb eine Konstante.

Hochmoderne Kommunikationsgeräte (Foto: Pandastorm)

Hochmoderne Kommunikationsgeräte (Foto: Pandastorm)

In Deutschland konnten wir die Serie anderthalb Jahre später, ab Juni 1999, auf Vox sehen, der sich damals gerade als Serien- und Unterhaltungssender unter der Mehrheit von Rupert Murdoch neu profiliert hatte und gerade dabei war, in die RTL-Gruppe zu wechseln. Leider schwanden die Quoten, so dass Vox mitten in der vierten Staffel die Ausstrahlung abbrach. Die fünfte Staffel wurde nicht mehr synchronisiert und in Deutschland meines Wissens nach auch nicht ausgestrahlt, ein ähnliches Schicksal wie „Farscape“. Seitdem läuft die Serie aber in recht häufiger Wiederholung auf SyFy und/oder Tele 5, ersterer hatte sich dann irgendwann entschlossen, von dem deutschen Titel „Mission Erde: Sie sind unter uns“ abzuweichen und den englischen Originaltitel zu verwenden, so dass die Serienbox auch unter diesem Titel erschienen ist.

Keine Extras

Um es gleich zu sagen: Es gibt keinerlei Specials. Das ist insbesondere schade und auch etwas unverständlich, weil auf der bereits seit sechs Jahren existierenden US-Version mehrere Audiokommentare und Specials durchaus zur Verfügung stehen. Von Pandavision war ich bisher Besseres gewohnt, allerdings war die Rechtssituationen zur Veröffentlichung der US-DVD bereits schwierig gewesen, weswegen dort die ersten beiden Staffeln erst nach den anderen veröffentlicht werden konnten. Auch gibt es lediglich englische Untertitel und sowohl im deutschen als auch englischen lediglich Stereo-Ton.

Boone hatte wenigstens noch ein Extra implantiert (Foto: Pandavision)

Boone hatte wenigstens noch ein Extra implantiert (Foto: Pandastorm)

Die Serienbox ist dafür ohne Zweifel toll gestaltet und hat mit einem zwölfseitigen, vierfarbigen Booklet alle nötigen Informationen. Die einzelnen DVD sind jeweils zu zweit mit einem Motiv gestaltet, so dass sie übereinander in der Halterung in voller Pracht genossen werden können.

Kann sich immer noch ansehen lassen

Die DVD-Box mit einem etwas beunruhigend dreinblickenden Da’an (Foto: Pandavision)

Die DVD-Box mit einem etwas beunruhigend dreinblickenden Da’an (Foto: Pandastorm)

„Earth: Final Conflict“ ist dafür, dass die Serie mittlerweile 18 Jahre alt ist, überraschend gut gealtert. Sie schafft bereits den Spagat zwischen Fall der Woche und einem kontinuierlichen Handlungsbogen, bietet interessante und in Erinnerung bleibende Charaktere und auch die Spezial-Effekte gehen immer noch in Ordnung. Die Serie baut gerade in der ersten Staffel einen durchaus spannenden Hintergrund mit vielen Geheimnissen und einen faszinierenden Kulturhintergrund auf. Dass sie immer noch sehenswert ist, beweisen ja auch die vielen Wiederholungen im TV, dennoch ist es schön sie mit dieser optisch schönen Box ins Regal stellen zu können.

Rating: 7 Sterne

„Earth: Final Conflict“ erschien am 29. Mai 2015 auf DVD. Offenlegung: Ich habe die DVD-Box freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten. Die zweite Staffel hat Pandasturm bereits für den 18. September 2015 angekündigt.

EU-Überwachungsdystopie: „Drohnenland“ von Tim Hillenbrand

27.
Mai.
2015

Kommissar Aart van der Westerhuizen arbeitet für die Europol der Zukunft an einen brisanten Fall: Ein Mitglied des Europäischen Parlaments ist ermordet worden. Seine Aufklärungsarbeit wird sofort, wie immer, durch unzählige kleine und großen Drohnen unterstützt, welche den Tatort komplett vermessen und aufzeichnen, so dass er sich alle Details später zusammen mit seiner Analystin, Ava, in einer virtuellen Simulation im „Mirrorspace“ anschauen kann. Schnell wird beiden klar, dass sie mit diesem Fall aber in ein Wespennest gestochen haben und dass der Mord nur ein Teil einer großen Intrige ist.

Pack’ es mal lieber zu den Krimis, die verkaufen sich besser als Science Fiction!

Auf dem Cover steht „Kriminalroman“. Das ist er auch, zweifelsohne, aber eigentlich gehört das Buch in die Abteilung Dystopie oder Science Fiction. Letztlich geht es nämlich um Überwachung. Tom Hillenbrand zeichnet mit „Drohnenland“ aber nicht nur eine dystopische Zukunft, die sich bei Motiven aus „1984“ oder „Minority Report“ bedient, sondern vor allen eine in vielen Punkten reell wirkenden Extrapolation der heutigen Europäischen Union. Seien es separatistische Strömungen, welche Großbritannien sich von der Union abspalten lassen wollen, oder Auseinandersetzungen mit Nordafrika bei der es tatsächlich nicht um Flüchtlinge sondern um die Annektion von Wüstenregionen zur Solarenergiegewinnung geht. Dazu viele kleine Spielereien, wie der offenbar wieder modern gewordene „Steinkirk“ als Krawattenersatz oder eine Hyperinflation des Euros, die am Rande auftauchen aber dann doch die Welt etwas plastischer wirken lassen. Bei der US-Fixierung anderer Autoren ein angenehmer Gegenentwurf – wobei ich Hillenbrands Idee, dass Hollywood ausgerechnet von der Südkoreanischen Filmindustrie abgelöst wird, dann wieder doch etwas befremdlich fand, zumal er Indiens Schicksal in seiner Zukunftsvision (und die bereits heute Hollywood überragende Dominanz von Bollywood) gar nicht erwähnt.

Ist das ein Plotloch auf dem Cover?

Die Cover-Gestaltung von „Drohnenland“ versteht man auch nachdem man das Buch gelesen hat nicht. Aber sie ist plakativ. (Verlag: Kiepenheuer&Witsch)

Die Cover-Gestaltung von „Drohnenland“ versteht man auch nachdem man das Buch gelesen hat nicht. Sollen das Drohnenflugmuster sein? Aber sie ist immerhin plakativ. (Verlag: Kiepenheuer&Witsch)

Stilistisch und sprachlich habe ich dann auch nichts an dem Buch auszusetzen. Allerdings gibt es mehrere Plotlöcher, die er eher hektisch als sinnvoll versucht zu übertuschen. <SPOILER> Darunter, ist vor allem leider das wichtigste an einem Kriminalroman: das Mordmotiv selbst. Es ist sicher plausibel, dass der Täter damit das wichtige Geheimnis sichern wollte, dass durch den MEP gefährdet wurde, aber es bleibt unklar, warum der Täter überhaupt den MEP so stark im Visier hatte und warum seine Überwachung zu dem Zeitpunkt ausreichte, ihn zu eliminieren, aber nicht ausreichte den Zeugen des Anschlags ebenfalls gleich aus den Weg zu räumen. Kleine weitere Fehler, wie die Tischreservierung für drei Personen, die dann deutlich doch nur für zwei Personen war, irritieren ebenfalls. </SPOILER>

Es bleibt ein unterhaltsamer Kriminalroman mit interessantem Weltenbau, ein paar schönen Wendungen und einem angenehmen Film-Noir-Flair, nur dass der Protagonist nicht Ketteraucht, sondern stattdessen Salzlakritzsüchtig ist.

Aufmerksam wurde ich auf den Autoren übrigens durch seine kurzweilige Kurzgeschichten-Kolumne, die derzeit regelmäßig in der deutschen WIRED erscheint.

Tom Hillenbrand:

„Drohnenland: Kriminalroman“

Verlag Kiepenheuer&Witsch, 2014

ISBN: 978-3-462-04662, 432 Seiten, Taschenbuch
ISBN: 978-3-462-30793-1, E-Book

Die Rezension bezieht sich auf das E-Book.

Rating: 7 Sterne