Teuer remastered – „Captain Future“ auf Blu-ray

Captain Future ist der Held der Galaxis, der an Bord des Raum- und Forschungsschiffs Comet mit seinen illustren Gefährten, darunter der Androiden Otto, der Roboter Grag und das lebende Gehirn Professor Simon Wright, sowie bisweilen auch die hübsche Planetare-Polizistin Joan Landor, unterwegs ist. Dabei dringt seine Mannschaft nicht nur zu fernen Planeten vor, sondern reist bisweilen sogar in der Zeit, um Mysterien aufzudecken und verbrecherischen Schurken das Handwerk zu legen.

Im Kinderfernsehen einst gescheitert

Die Animeserie „Captain Future“, welche auf der Groschenroman-Reihe „Captain Zukunft“ aus den Vierziger Jahren basiert, wurde 1978–79 im japanischen Fernsehen uraufgeführt und kam dann 1980 in das Kinderprogramm des ZDF. Sie wurde aufgrund von Elternprotesten jedoch recht bald abgesetzt – hatte aber bereits viele Kinder maßgeblich beeindruckt.* Dabei unterscheidet sich die deutsche Überarbeitung der Serie stark von dem ursprünglichen Anime, allein schon durch den Disco-Synthesizer-Score, welcher von Christian Bruhn für die deutsche Version komplett neu erschaffen wurde und die japanische Jazz-Musik ersetzt, auch wurden die Folgen teilweise sehr stark geschnitten und auch durcheinander ausgestrahlt. Dennoch, oder auch vielleicht wegen all dieser Änderungen hat die Serie hierzulande bis heute einen großen Kultstatus.

* Mich selbst hat sie bei der Uraufführung nicht beeindruckt, war ich doch damals doch noch als vierjähriger in der wohlbehüteten medialen Aufsicht meiner Eltern gewesen. Erst ein paar Jahre später habe ich eine einzelne Folge im ZDF Ferienprogramm gesehen, die, wenn ich mich richtig erinnere, damals als Wunschfilm lief und völlig aus dem Kontext gerissen einzeln gezeigt wurde. Und sie machte ironischerweise das damit wahr, was die Elternproteste gefürchtet hatten: Sie hat mich enorm irritiert. Aber nicht wegen übermäßiger Gewalt, sondern weil sie mit einem Cliffhanger endete, der eben nicht eine Woche später aufgelöst werden sollte. Erst viele Jahre später habe ich sie dann gesehen, doch da hatte schon Captain Picard den Platz als Weltraumheld in meinem Herzen besetzt.

Neues nur bei Amazon

Nun bringt Universum die Serie neu heraus und das mit einer digital überarbeiteten Fassung, erstmals sogar auf Blu-ray. Dabei erscheinen nun auch endlich auch die ungeschnittenen japanischen Originalfassungen mit Untertiteln. Allerdings sind diese einer limitierten Komplettbox vorbehalten, die es nur über Amazon zu kaufen gibt und welche derzeit für den sagenhaften Preis von knapp 200 € angeboten wird. Die „normale“ Komplettbox kostet immer noch die Hälfte, alternativ kann man für 26 € aber auch eine einzelne Blu-ray bekommen, welche die Episoden 1–12 erhält (auf Volume 1, weitere Volumes sind bereits angekündigt).

In der Standardbox wie auch in den Volumes gibt es lediglich die deutsche Synchronfassung, die ein für das Alter des Materials durchaus klares Bild zeigt und deren Vor- und Nachspann neu bearbeitet wurde. Dabei hat man aber auch hier den Sparstift angesetzt, und den Nachspann nur ein einziges Mal angepasst und an jede Folge geschnitten. Wer für die jeweilige Regie verantwortlich war, muss man daher nun mit der Episodennummer abgleichen – aber sicher, das ist Jammern auf hohem Niveau. Immerhin gibt es zusätzlich noch jeweils einen japanischen Vor- oder Abspann zu sehen (welcher es sein soll, erschloss sich mir nicht genau, er läuft jedenfalls nach der Episode jedenfalls) mit der für deutsche Fans etwas irritierenden Jazz-Musik.

Die Serie selbst ist natürlich allein durch den Nostalgiefaktor eigentlich gegenüber jeder Kritik  erhaben, dennoch muss man sich aber auch eingestehen, dass die Geschichten heutigem narrativen Standards nicht mehr gerecht werden können. Es sind simple Geschichten, bisweilen arg trashig und einfach auch alt. Dennoch, oder vielleicht auch deshalb sind sie immer noch sehenswert und allein wegen des kongenialen Bruhnschen Scores immer noch hörenswert. Dass aber die Preispolitik auch irgendwo aus dem Heimkino-Markt der 80er Jahre zu stammen scheint, trübt mein Bild doch etwas.

Cover der Captain Future Vol. 1 Blu-ray
Cover der Captain Future Vol. 1 Blu-ray

„Captain Future“ (J 1978–79)

„Vol. 1“ enthält Folgen 1–12 auf zwei DVD oder einer Blu-ray. Die „Komplettbox“ enthält die Folgen 1–40 auf acht DVD oder 4 Blu-ray und enthält als Special dieSonderepisode „Sternenstraßezum Ruhm“ OmU. Und die „Limited Collector’s Edition“ (nur als Blu-ray) zusätzlich noch alle ungeschnittenen 52 japanischen Folgen auf ingesamt 9 Blu-ray.

Produziert von: Toei Animation Co., Ltd.

★★★★

Die restaurierten „Captain Future“-Editionen erscheinen am 9. Dezember 2016 auf Blu-ray und DVD. Offenlegung: Ich habe Vol. 1 als Screener erhalten.

Unter Mordverdacht – Blu-ray-Kritik: „Happy Valley 2“

Catherine (Sarah Lancashire) ist wieder zurück in der tristen Polizeiarbeit und wird einmal wieder mit der brutalen Realität konfrontiert: Gelangweilte arbeitslose Jugendliche stehlen ein Schaf und hetzen ihre Hunde auf dieses – weswegen sie erstmals Sterbehilfe bei dem Tier leisten muss. Wenig später entdeckt sie einen grässlichen Geruch aus einer Garage – und eine menschliche Leiche. Ausgerechnet die Leiche einer Frau, mit der sie selbst aneinander geraten war: die Mutter von Tommy Royce (James Norton), dem brutalen Vergewaltiger ihrer Tochter, den sie nur mit großen Opfern vor mittlerweile anderthalb Jahren überführen und ins Gefängnis stecken konnte. Trotz oder gerade wegen dieser Ereignisse gerät sie selbst unter Verdacht – denn der Mord an Mrs. Royce ist nur einer einer ganzen Serie …

Catherine (Sarah Lancashire) ist an einem dunklen Ort angekommen (Foto: Polyband/BBC)
Catherine (Sarah Lancashire) ist an einem dunklen Ort angekommen (Foto: Polyband/BBC)

Nahtlos fortgesetzt

Nach der sowohl beim Publikum als auch bei Kritikern äußerst erfolgreichen ersten Staffel (Rezension) war eine zweite Staffel ähnlich wie bei „Broadchurch“ schnell beschlossene Sache – auch wenn die eigentliche Story doch beendet erschien. Doch der Showrunnerin Sally Wainwright gelingt es tatsächlich, die Geschichte organisch weiterzuerzählen, ohne dabei wie bei „Broadchurch“ auf einen Fokuswechsel zurückgreifen zu müssen.

18 Monate sind vergangen, Royce sitzt hinter Gittern, doch sein Einfluss auf Catherines Familie und vor allen auf deren Enkelsohn Ryan (Rhys Conna) sind nach wie vor deutlich spürbar. Die Stimmung der ersten Staffel wird dabei nahtlos weiter fortgesetzt und abermals steht die Tristesse der britischen Kleinstädte, und was dies mit ihrer Bewohner macht, in den Vordergrund. So gelingt es tatsächlich, das Niveau der ersten Staffel problemlos zu halten.

Tommy Lee Royce (James Norton) kann auch vom Gefängnis aus seine Rache voranbringen. (Foto: Polyband/BBC)
Tommy Lee Royce (James Norton) kann auch vom Gefängnis aus seine Rache voranbringen. (Foto: Polyband/BBC)

Dritte Staffel „Happy Valley“ verzögert sich

Eine dritte Staffel ist bereits in Aussicht gestellt, wobei Wainwright einräumen musste, dass wir uns abermals einige Zeit gedulden müssen, da sie derzeit noch keine Zeit fand, sie zu schreiben und auch gerne Ryan als Teenager zeigen möchte, der aber erstmal entsprechend altern muss. Derzeit wird daher frühestens Ende 2018 für eine BBC-Ausstrahlung anvisiert.

happyvalley_2_bd_front„Happy Valley – In einer kleinen Stadt: Die komplette Staffel 2“ („Happy Valley – Series 2“, UK 2016)

Drehbuch: Sally Wainwright

Darsteller: Sarah Lancashire, James Norton, Siobhan Finneran

Extras: Features zu den Kostümen, Locations und Make-Up und Interviews mit Sally Wainwright, Ishia Bennison, James Norton, Karl Davies, Shirley Henderson sowie Siobhan Finneran & Con O’Neill. Gegenüber der ersten Staffel, der keinerlei Extras beilagen, eine enorme Steigerung.

★★★★★

„Happy Valley Staffel 2“ erscheint am 25.11.2016 bei Polyband auf DVD und Blu-Ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-Ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Erste-Welt-Probleme – Blu-ray-Kritik: „High Rise“

London in den 70er Jahren. Dr. Robert Laing (Tom Hiddleston, „The Night Manager“) bezieht sein neues Apartment in einem modernen neuen Wohnblock, nicht ahnend, dass hier das Prestige an die Etage gebunden ist und hier nahezu keine sozialen Hemmnisse mehr existieren: Alles ist erlaubt! Party!

Wollte er eigentlich in die Anonymität wechseln, lernt er doch schrittweise die Gesellschaft dort kennen, doch merkt er auch bald, wie schnell die Fassade Risse bekommt – sowohl die des Gebäudes, als auch seine eigene. Ein existentialistischer Kampf um das Überleben und Impulskontrolle beginnt.

„Das Leben im Hochhaus bedingt ganz bestimmte Verhaltensweisen. Man muss fügsam sein, zurückhaltend. Vielleicht sogar ein bisschen wahnsinnig!“

„High Rise“ basiert auf dem gleichnamigen Buch von J. G. Ballard, das vor 40 Jahren erschienen ist. Dennoch ist das Thema des Buches hochaktuell: Eine Gesellschaft, in welcher sich immer größere Klüfte zwischen Arm und Reich manifestieren und Ressourcen von den Reichen annektiert werden, kennen wir bereits heute – und auch wir ziehen es vor, uns dennoch eher den immerwährenden Feiern und Konsum hinzugeben.

All das scheint das Buch, das bereits damals eigentlich ein Science-Fiction-Werk war, vorherzusehen – wobei der Kniff des Films, auch seine Ausstattung in die Mitte der 70er Jahre zu versetzen, diesen nur um so abstrakter, absurder und doch beängstigender wirken lässt.

Dr. Robert Laing (Tom Hiddleston) bringt etwas Farbe in den Film (Foto: DCM)
Dr. Robert Laing (Tom Hiddleston) bringt etwas Farbe in den Film (Foto: DCM)

„Sie dürfen ihn nicht herunterwerfen, er schuldet mir noch eine Partie Squash!“

Dennoch spitzt sich dies bisweilen ins Lächerliche zu – mehrere Variationen von Abbas Hit „SOS“, darunter eine vorgetragen von einem Rokkoko-Kammerorchester, geistern genauso durch den Film wie die überzogene Dekadenz und Gewalt, welche sich irgendwann so stark anhäuft und immer weiter toppen will, so dass man den Plot nicht mehr ernst nehmen kann oder will. Doch diese Makel werden spätestens ein paar Sekunden später in neuen alptraumhaft absurden Bildern wieder ab- und aufgelöst, welche auch vom Schnitt her in dem Stil der 70er-Jahre teilweise kaleidoskopartig ineinander flanieren. Dass man diese jedoch noch lange im Gedächtnis behalten wird, ist dann doch eher zweifelhaft.

„Als was sind Sie hier?“ – „Als Dilletant!“

2d_packshot_88985342629_highrise_bd„High Rise“ (UK 2016)

Regisseur: Ben Wheatley

Buch: Ben Wheatley und Amy Jump nach dem Bestseller von J.G. Ballard

Darsteller: Tom Hiddleston, Jeremy Irons, Sienna Miller und Luke Evans

Extras: Vom Roman zum Film, Interviews mit Cast & Crew

www.highrise-film.de

www.facebook.com/HighRiseDE

★★★☆☆

„High Rise“ erscheint am 18.11.2016 bei DCM Film Distribution auf DVD und Blu-ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Ich sehe tote Menschen – Blu-ray-Kritik: „River“

Der brillante Detective Inspector John River (Stellan Skarsgård, „Verräter wie wir“) arbeitet in der Londoner Polizei und hat eine besondere „Begabung“: Er sieht die toten Menschen in seiner Umgebung, deren Fälle er aufklären will.

Besonders seine ehemalige Partnerin, Detective Sergeant Jackie „Stevie“ Stevenson (Nicola Walker, „Spooks“), taucht immer wieder an seiner Seite auf und macht es River nicht nur schwer, seine Gefühle im Griff zu behalten, sondern auch seine Kondition unter Kontrolle zu behalten. Dabei will er gerade ihren Fall aufklären – wäre da nicht das Problem, dass er genau von diesem abgezogen wurde, da er ihm zu nahe ist – und mittlerweile haben auch einige Kollegen von Rivers „Talent“ Wind bekommen und sehen dies vor allen als psychische Störung an. Doch ist sie dies wirklich? Rivers neuer Partner, Ira King (Adeel Akhtar, „The Four Lions“), hat es jedenfalls auch nicht gerade leicht in dieser seltsamen Beziehung …

Endlich wieder eine Hauptrolle für Skarsgård

Was ist es mit den Briten und kreativen Krimi-Ideen? Nach „Luther“, „Broadchurch“, „London Spy“ oder „Happy Valley“ zeigt die BBC abermals, wie man in dem Genre immer noch neue Ideen und Blickwinkel finden kann, und heuert dafür – mal eben – einer der profiliertesten Darsteller unserer Zeit an: Stellan Skarsgård begleitet nun seit Jahren große Hollywood-Blockbuster wie Arthaus-Filme in immer eindrucksvollen Nebenrollen (er spielte unter anderen in den „Thor“-Filmen, „Avengers 2: Age of Ultron“ sowie den „Pirates of the Caribbean“-Fortsetzungen mit, war aber auch schon in „Good Will Hunting“ zu sehen). Aber: Bisher taucht er nur selten in wirklich großen Hauptrollen außerhalb des Skandinavischen Films auf.

River (Stellan Skarsgård) sinniert über Leben und Tod (Foto: Polyband/BBC)
River (Stellan Skarsgård) sinniert über Leben und Tod (Foto: Polyband/BBC)

Hier darf Skarsgård endlich mal im Rahmen einer TV-Hauptrolle das ganze Spektrum seiner Schauspielkunst zeigen und in die faszinierende Rolle eines schizophrenen Menschen schlüpfen, der trotz seiner Krankheit hochfunktional bleibt und dabei dem Zuschauer im Unklaren lässt, ob dies wirklich nur eine Krankheit ist, oder doch etwas Übernatürliches.

Dieser Balanceakt macht „River“ zu einer faszinierenden, sechsteiligen Mini-Serie, deren Konzept zwar in der Theorie erst extrem übertrieben klingt, durch die gelungene Arbeit der Serienschöpferin Abi Morgan („Shame“, „The Hour“) aber geerdet bleibt und eine starke Faszination, gerade durch die Dialoge mit den Toten, ausübt.

Jackie „Stevie“ Stevenson (Nicola Walker) „unterstützt“ River (Stellan Skarsgård) bei seinen Ermittlungen. (Foto: Polyband/BBC)
Jackie „Stevie“ Stevenson (Nicola Walker) „unterstützt“ River (Stellan Skarsgård) bei seinen Ermittlungen. (Foto: Polyband/BBC)

„River“ Staffel 2?

Polyband vermarket „River“ hier als „Staffel 1“. Allerdings hat weder die BBC noch Netflix bisher bekanntgegeben, ob und wann es eine weitere Staffel geben wird, angekündigt war bisher lediglich die sechsteilige Mini-Serie. Das muss noch nichts heißen, generell wäre eine weitere Staffel von der Story her möglich. Aber prinzipiell ist die Geschichte abgeschlossen.

river_bd-vorab„River – Staffel 1“ („River“, UK 2015)

Showrunnerin: Abi Morgan

Darsteller: Stellan Skarsgård, Nicola Walker, Adeel Akhtar

Extras: The Making of River, Creating Manifests, Being River, Deleted Scenes

★★★★

„River“ erscheint am 18.11.2016 bei Polyband auf DVD, Blu-ray und Digital. Offenlegung: Ich habe die Blu-Ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Erster Trailer von Luc Bessons „Valerian“

Luc Bessons Space Opera „Das fünfte Element“ wird nächstes Jahr bereits 20 Jahre alt werden und ist immer noch einer der Science Fiction-Filme, dessen Ausstattung mich immer wieder aufs Neue begeistert. Mit „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ wagt er sich endlich wieder an das Genre – und ja, ich freue mich auf diesen Film!