Fantastischer Kurzfilm: „Plot Device“

18.
Jul.
2014

Ein junger Filmemacher bestellt sich ein „Plot Device“* (natürlich als Impulskauf bei Amazon), was sich dann aber als interessanter Fehler herausstellt, der einiges durcheinanderwirbelt – das Gerät wechselt die reale Welt nämlich in Filmgenres aus.

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* „Plot Device“ ist wörtlich übersetzt ein „Handlungsgerät“, gemeint bei Geschichten ist damit aber ein „Kunstgriff“, der die Handlung vorantreibt.

Manövermagie in Fate

30.
Jun.
2014

Karsten startet gerade eine neue Dresden Files-Rollenspielrunde und ich habe das Vergnügen, daran als Spieler teilnehmen zu dürfen. Gestern haben wir Charaktere und Setting erschaffen und dabei hatte eine der Mitspielerinnen die Idee einer eigenen Form von Magie, die auf Tarot-Karten basiert. Sie wollte, so ich es verstanden hatte, im Spiel eine Karte ziehen, diese (ein wenig wie bei Engel nehme ich an) interpretieren und darauf hin einen magischen Fluch-Effekt, wie „Warzen im Gesicht“, „Hängebrüste“ oder „akuten Durchfall“, basieren lassen.

Ein Tarot-Zigeunerwagen (Creative Commons CC-BY by Johnny_boy_A)

Ein Tarot-Zigeunerwagen in Brighton (UK) (Creative Commons CC-BY by Johnny_boy_A)

Das Dresden Files-RPG hat ein recht gut ausbalanciertes Magie-System*, das mit der richtigen Kreativität viel ermöglicht, aber letztlich in Kampfsituationen in der Regel auf konkurrierende Schadenswürfe hinausläuft, von denen der Hauptteil (hoffentlich) der Gegner abbekommt. Es gibt zwar neben diesem Attack auch noch den sehr wichtigen Block und das Maneuver (sowie den Counterspell), aber das wirklich durch Magier Manöver gesetzt werden, habe ich selten im Spiel erlebt – vielleicht, weil es sich zu selten lohnt, das einzusetzen, da Magie in der Regel mehr im Angriff bringt?

(*) Das System hat komischerweise den Effekt, dass ich fünf Minuten, nachdem ich die Regeln gelesen und komplett verstanden habe sie bereits wieder vergessen habe und erneut auf Kathys tollen Übersichtszetteln nachlesen muss – ich nenne das die „Memento-Magie“, aber ich komme ab vom Thema.

Meine Idee dazu war recht simpel: Statt über die Magie das zu lösen, macht es einfach ein Wurf auf eine vordefinierte Fertigkeit* es möglich, entsprechende Manöver zu setzen, die dadurch temporäre Aspekte setzen.

(*) Wir stimmten schnell überein, dass Intimidation hier durchaus ein Mittel der Wahl sein könnte, gegen den mit RapportDiscipline oder anderes passendes bestanden werden konnte (der Fluch wird halt angenommen oder nicht).

Die Alternative wäre gewesen, die Evocation-Magie von den oben genannten vier Anwendungszwecken auf nur einen zu kannibalisieren. So haben wir ein eigenes kleines Magiesystem, das lediglich Manöver setzen kann, das im Spiel auch noch etwas schneller geht als das Magiesystem.

Eigentlich ist es ja nur eine Form von Declaration, die eine andere Fertigkeit als sonst nutzt (hier Intimidation anstelle von Scholarship oder Lore), also, wie der Stunt-Baukasten ermöglicht, einer Fertigkeit ein neues Trapping zugedichtet wird. Entsprechend würde ich das auch nur mit einem [–1]-Refresh kostenmäßig beziffern.

Karsten tut sich (wenn ich ihn richtig verstehe) mit diesen günstigen Kosten offenbar noch etwas schwer, ich halte aber dafür mehr an Refresh zu investieren für zu teuer. Seht Ihr das anders?

„Thorn Gandir“ – Versuch, aus einer Rollenspielkampagne ein Buchepos zu machen

26.
Jun.
2014

Bereits Ende letzten Jahres habe ich ein Rezensionsexemplar von „Thorn Gandir“ vom Autorenpaar Judith und Heinz Praßl (erschienen unter der Abkürzung J.H. Praßl) durch den Acabus-Verlag zugesendet bekommen, das mich mit einem interessanten Kniff neugierig machen sollte: Es basiert auf einer vor 20 Jahren als Pen-&-Paper-Rollenspiel entstandenen Welt, bei deren Kampagne sich das österreichische Ehepaar auch nach eigenen Angaben kennen lernte und die heute noch weitergeführt wird. Dabei ist offenbar Heinz der Kopf hinter der Kampagne und Judith die Schriftstellerin.

Der restliche Pressetext stellte natürlich erstmal Vergleiche mit George R.R. Martin an (ist ja auch gerade im Trend) –daher wohl auch „Die Chroniken von Chaos und Ordnung“ als Klammertitel für eine mehrteilige Serie. Für mich klang das aber dann doch eher nach einen recht typischen Fantasy-Epos.

Ewiger Kampf zwischen Chaos und Ordnung

Der Protagonist der Geschichte, Thorn Gandir, ist Teil einer Weissagung, die dem neuen Senatsvorsitzenden Testaceus bei der Opferung eines kleinen Jungen gemacht wird (womit praktischerweise gleich die Gut-Böse-Verteilung erstmal klar scheint). Als Waldläufer, der eigentlich besser mit dem Bogen als mit dem Schwert umgehen kann, kehrt Thorn gerade von einer missglückten Mission zurück, bei der er eigentlich alles Wichtige verlor, aber lässt sich dennoch durch Testaceus zu einer gefährlichen Quest überreden, bei dem ihn eine Söldnerin, ein Kriegspriester und ein Barbar zur Seite stehen, und bei der er nebenbei in dem Gewirr aus Intrigen den vermeintlich richtigen Weg ausmachen muss.

Vom Rollenspiel zu einer Geschichte – kann das klappen?

Cover „Thorn Gandir“ – hat ein schickes Sigil – wirkt aber „selbstgemacht“.

Cover „Thorn Gandir“ – hat ein schickes Sonnen-Sigil – wirkt aber meiner Meinung nach „selbstgemacht“.

Ich gebe zu, als langjähriger Spielleiter war ich durchaus interessiert daran zu sehen, wie man eine Geschichte auf all dem basieren lässt, was man im Spiel gemeinsam erlebt hat. Das Buch hat mich jedoch, um ehrlich zu sein, nicht so wirklich packen können. Vielleicht war es das teilweise sehr abrupte Wechseln der Erzähler-Perspektiven, dass mich aus dem ansonsten sehr gelungenen Schreibstil immer wieder heraus riss, vielleicht war es auch meine allgemein größere Zugangshürde vor Fantasygeschichten, die mich das Buch immer wieder leicht seufzend zur Seite haben legen lassen (weswegen auch diese Rezension viel zu lange auf sich hat warten lassen).

Aber da gab es ja noch die Metaebene. Im Hinterkopf beim Lesen blieb mir natürlich immer die Frage, welche Elemente aus der Geschichte wohl Rollenspiel-basiert wären. Schnell wurde mir klar, dass das Setting im Rollenspiel gewachsen sein muss – ehrlich gesagt schon auf den ersten Seiten, als die Karten die Welt vorstellen. Ich kenne selbst meine (grausam schlecht) handgezeichneten Kartenwerke, die geologisch kaum wirklich einen Sinn ergeben, da sie immer weiter erweitert wurden, wie man es eben brauchte. Die sind hier schon etwas besser, aber vielleicht hätte der Verlag ein klein wenig Geld einem Illustrator geben können, der das Kartenwerk nochmal umsetzt – denn in der gedruckten Ausgabe sind diese nicht nur nicht wirklich ansehnlich, sondern auch noch teilweise unleserlich. Wobei das von einem kleinen Verlag natürlich auch viel verlangt ist (das Lektorat und der Satz gehen dafür sehr in Ordnung). Ich vermute, dass einfach das Material, das während der Kampagne entstanden ist, vom Verlag eingescannt wurde (die Quellangabe deutet auch darauf hin). Eine weitere Illustration des Porträts von Thorn Gandir sowie das Umschlagmotiv (siehe Kasten) stammen demnach ebenfalls vom Autorenpaar, erstere ist durchaus gelungen.

Laut den Quellenangaben wurde im Spiel offenbar Midgard verwendet. Nun muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich, so ich mich erinnere, nur ein- bis zweimal Midgard gespielt habe und auch nur kurzzeitig das Grundregelwerk in meinem Regal hab verstauben lassen, so dass ich nicht wirklich sagen kann, welche Begrifflichkeiten Midgard-typisch sind. Das Setting selbst basiert jedenfalls vielmehr auf einem alten Rom, dass seine Blütezeit längst überschritten hat und von vielen Fürstentümern und sogar einem Elbenreich umgeben ist.

Ansonsten merkte ich tatsächlich wenig wirklich Rollenspiel-spezifisches, wie beispielweise typische (und nervige) Szenen die nur durch Würfelpech entstehen – was durchaus auch ein Verdienst der Autoren sein wird, die sehr flüssig schreiben, was man gerade bei einem Erstlingswerk durchaus positiv hervorheben sollte.

Transport in ein anderes Medium

Mich hat das Buch dann aber doch zwiegespalten zurückgelassen. „Thorn Gandir“ hat mich, wie gesagt, nicht so wirklich fesseln können und lässt als erster Teil einer Saga naturgemäß vieles offen.

Aber: Es ist durchaus spannend, einmal aus einer Rollenspielkampagne heraus etwas in ein anderes Medium zu transportieren, wo es doch sonst gewöhnlich nur in die andere Richtung passiert. Die Kunst ist dabei so etwas zu realisieren, ohne in das Klischee zu verfallen, nur seinen eigenen Charakter groß herausstellen zu wollen („Don’t tell me about your character!“). Das ist eine Leistung, die mich auf dieser durchaus überzeugt.

Erwähnenswert ist noch, dass das Autorenpaar eine eigene Internetseite www.chaosundordnung.com mit vielen Hintergrundinformationen betreibt, die weit über das Register am Ende des Buches hinausgeht.

Rating: 6 Sterne

Praßl, J.H: „Chroniken von Chaos und Ordnung. Band 1: Thorn Gandir – Aufbruch“, ACABUS Verlag, 2013. ISBN: 978-3862822102. Eine Leseprobe hat der Verlag online gestellt.

Dank an den Verlag für das Zurverfügungstellen des Rezensionsexemplars.

Fantasy Filmfest Nights 2014: Kurzkritiken „Snowpiercer“ und „Witching and Bitching“

31.
Mrz.
2014

Dieses Jahr haben wir nur zwei Filme auf den Fantasy Filmfest Nights uns herausgepickt, was uns am Sonnabend zuvor die Gelegenheit gab, noch „Odd Thomas“ endlich nachzuholen, den wir auf dem letztjährigen Fantasy Filmfest leider zeitlich nicht schaffen konnten (netter kleiner Mystery-Film mit einem tollen Anton Yelchin).

Erst am Sonntag dann also ins neue Hamburger Festivalkino, dem Savoy. Hatten wir das letztes Jahr erstmalig besucht und nicht die besten Eindrücke behalten – wir saßen auf Kippsesseln, die nicht arretierbar waren (oder wir waren einfach zu doof dazu) und wackelten daher anstrengend durch den gesamten dritten Cornetto-Film – waren wir dieses Jahr eine Reihe weiter nach hinten gerutscht. Dort gab es zusätzlich zu Kippsesseln noch kleine zugestellte Fußablagen – herrlich bequem, wir konnten die Filme quasi im Liegen genießen. Und auch sonst war das Festival noch nie so entspannend wie diesmal – durch Platzvorreservierungen gab es am Einlass kein ungestümes Gedränge, das Kartenreservierungssystem des Savoy hatte einen Warenkorb, so dass man die Karten alle auf einmal kaufen konnte und nicht wie bisher beim Cinemaxx-System jeweils einen Vorgang pro Film abschließen musste. Selbst einen Parkplatz hatten wir nur wenige Meter weiter gefunden. Das ist ja nahezu Luxus. Wobei die 3 € für die Fritz-Cola auch schon etwas „anspruchsvoller“ waren …

„Snowpiercer“

KOR/USA/FRA/CZE, 2013

Ein Film mit einer langen und komplizierten Verleihgeschichte – kurz: die Weinstein Brüder hatten den Vertrieb übernommen, wollten den Film aber nur geschnitten an die Kinokassen bringen, das wollte der Regisseur nicht, der daraufhin einen Eklat in der Filmszene auslöste. Die Chance, den Film ungeschnitten und vor allem im Kino sehen zu können, erschien daher nur auf dem Fantasy Filmfest gegeben zu sein. Letztlich gab The Weinstein Company aber doch nach und nun wird der Film auch nicht nur in den US-, sondern auch bereits nächste Woche in die deutschen Kinos kommen.

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Der Film selbst basiert auf einer mir unbekannten Comicvorlage und geht kurzgesagt um einen ewig-langen Zug, der durch eine Eiszeit-Apokalypse rund um die Welt mit einem Affentempo fährt und die einzige Zufluchtstätte des kläglichen Rests der Menschheit ist. Dabei gibt es im Zug natürlich unterschiedliche Abteile – ganz vorne die Erste-Klasse-Passagiere, hinten im Zug der Abschaum, der von dem Rest des Zuges unterdrückt wird und mit einfachen Protein-Gelee-Riegeln abgespeist wird, während die Reichen vorne schlemmen. Der Gedanke des Aufstands wächst, schon einige Male ging die Revolution aber schief. Und den ganzen Weg bis nach vorne zu der Maschine, die den Zug antreibt, sich zu erkämpfen, scheint eigentlich aussichtslos.

Snowpiercer Poster (MFA+/Escot Elite)

Anerkennenswert: Das deutsche Poster zu „Snowpiercer“ (MFA+/Ascot Elite) erwähnt sogar die Quelle, die Graphic Novel „Schneekreuzer“, die hierzulande gerade mal erst seit 2013 erhältlich ist.

Mit überraschend viel Star-Power (unter anderen mit Jamie Bell, Ed Harris und John Hurt) besetzter Action-Sci-Fi-Film, der mit teilweise absurden Ideen glänzt, gleichzeitig aber auch dem Actionheld Chris Evans als unfreiwilligen Revolutionsführer Curtis hier tatsächlich etwas schauspielerisches zu tun gibt – was dieser überraschenderweise sogar ganz ordentlich meistert. Als Antagonistin brilliert Tilda Swinton, deren skurille, absurde und abstößige Performance als Sprachrohr der Priviligierten Mason so bizarr überzeichnet ist, als hätte sie sich für einen Auftritt in den „Tribute von Panem“-Filmen bewerben wollen.

Letztlich verliert der Film aber auf der ganzen Länge etwas an Dampf, ist tatsächlich etwas langatmig und auch ist die Prämisse des Films doch nicht nur absurd sondern auch noch nicht einmal komplett in sich komplett sinnvoll durchdacht. Wenn man aber die Logikkompensatoren voll ausfährt und über das halbgare Ende lieber nicht weiter nachdenkt, bringt er Spaß in einem Genre, dass sonst viel zu stiefmütterlich von Hollywood behandelt wird.

Rating: 8 Sterne

(Läuft in Deutschland offiziell am 3. April 2014 an.)

„Witching and Bitching“

ESP/FRA, 2013 („Las brujas de Zugarramurdi“)

Nur zwei Gangster und ein zehnjähriger Sohn kommen einigermaßen ungeschoren von einem Pfandhaus-Überfall mit den erbeuteten verpfändeten goldenen Eheringen davon. Eine Verfolgungsjagd im gekaperten Taxi führt dann in den eigentlich so verschlafenen kleinen Ort Zugarramurdi, in dem sie aber bereits von einem alten Hexenorden erwartet werden.

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Ja, das wäre auf dem Hauptfestival sicher ein Film, der unter dem „Midnight Madness“-Label laufen würde, so durchgeknallt und irre ist dieser. Unter der wirren Fassade verbirgt sich aber eigentlich nur eine Kopie von „From Dusk Till Dawn“, nur dass hier statt Vampire halt Hexen auf die Hauptzutaten ihres Festmahls warten. Das ganze wird mit durchaus spaßigen Spezialeffekten, einer Hexenchor-Einlage und allerlei absurden Ideen angereichert, die allesamt eine Allegorie auf die Probleme von Männern mit Frauen sein sollen.

Ja, das hört sich eigentlich ganz nett an – ist aber letztlich zu abgedreht und zu unschlüssig um eine wirklich interessante Geschichte zu erzählen.

Rating: 4 Sterne

(Nicht in den Kinos hierzulande zu erwarten.)

40 Jahre Dungeons&Dragons

26.
Jan.
2014

Es ist tatsächlich heute genau 40 Jahre her, dass ein Pen-&-Paper-Rollenspiel namens Dungeons&Dragons, kurz D&D, das Licht der Welten erblickte. Die Autoren Gary Gygax und Dave Arneson erschufen damit einen, wenn nicht sogar den Urvater von der Spielgattung, die heute noch so viele begeistert.

<a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/">Creative Commons 2.0 BY-NC-SA</a> – Bestimmte Rechte vorbehalten von <a href="http://www.flickr.com/photos/luca-zucchelli/">LucaZ FeliXONE/Flickr</a>

Creative Commons 2.0 BY-NC-SA – Bestimmte Rechte vorbehalten von LucaZ FeliXONE/Flickr

Sicher, Rollenspiele gab es auch schon vorher. Allerdings waren diese mehr dem Improvisationstheater oder dem therapeutischem Zweck nahe. Gute Geschichtenerzähler vermochten zwar, ihre Geschichten den Wünschen des Publikums spontan anzupassen. Aber erst die Verkaufspackungen mit den noch selbst-zu-bemalenden, polyhedrischen Würfeln und die billigen Abenteuerhefte mit den kryptischen Abkürzungen in den Statistik-Kästchen der Monster brachten die Vorstellung in strukturiert simulierte Bahnen und vermochten, die reine Willkür mit statistischen Chancen interessanter und spannender zu gestalten.

Eine jahrelange Leidenschaft, die dann ebenso schnell wieder abgekühlt war

Meine Begegnung mit D&D war erst knapp 25 Jahre später. Ich hatte schon Rollenspiele gespielt, aber erst mit der dritten Edition wurde ich vom D&D-Virus infiziert. Mein erster Charakter war eine bärbeißige Hexenmeisterin namens Olfdinga, die mehr an die anderen Charaktere aneckte als wirklich hilfreich und spielkonform zu sein. Kurze Zeit später übernahm ich in der Runde das Spielleiten (erst noch unter der Hilfe eines Co-Meisters, der die Regeln übernahm – ich war für die Geschichte verantwortlich) und versetzte die Gruppe auf eine eigene, fantastische Welt namens Edieh. Wir hatten viel Spaß damit.

Nach einigen, exzessiven Jahren, verlor ich ihn aber immer mehr. Es kamen andere Systeme und Settings, an denen ich mehr Freude fand und vor allem legte ich meinen Fokus weg vom vorrangig Kampf-orientierten hin zu einem Story-orientierten Spielstil. War vorher ein Abend fad, an denen es nicht mindestens drei Kämpfe gab, fanden Kämpfe plötzlich nur noch alle drei Abende oder noch seltener statt.

Dennoch: Die Erinnerung an D&D ist immer noch da und auch wenn sie vielleicht ein wenig verklärt ist mit den Jahren – es war schon eine großartige Zeit. Trotz einiger TPKs (Total Party Kills) – oder vielleicht sogar deswegen. Und trotz der Tatsache, dass keiner von uns sich je die Grapple-Regeln länger als zehn Minuten merken vermochte.

Der Versuch, die alte Beziehung wieder anzufachen

Dann kam die vierte Edition und versagte für mich auf voller Linie. Ich erkannte, was die Designer geschaffen hatten, fand es von einem rein gamistischen Hintergrund betrachtet sogar äußerst gelungen. Aber ich stellte doch auch fest, dass mir der erwünschte Spielstil hier noch viel weniger lag, als der forcierte der dritten Edition. Entsprechend habe ich nur die drei Grundbücher gekauft – und diese verstauben in meinen Regal.

Ich habe am Playtest von der fünften Edition dann auch nur noch sporadisch teilgenommen. Dennoch: Ich werde sie mir wohl doch holen, wenn sie dieses Jahr erscheint, denn es ist immer noch das D&D. Und ja: Ich verkläre da sicher vieles.