Fantastischer Kurzfilm über Augmentierte Realität und Punktesammeln: „Hyper-Reality“

„Haben Sie ihre Sammel-Karte dabei?“ – Seit über 16 Jahren existiert auch in Deutschland ein System, das unseren Spieltrieb ausnutzt und für minimale Rabatte unser Einkaufsverhalten überwacht und zu steuern versucht. Das ist real.

Auch real: Apps auf dem Handy, die uns zum „Einchecken“ motivieren (wieder ein Spieltrieb-Mechanismus) und uns im Alltag „begleiten“. Noch nicht real: Das Okkular-Implantat, mit dem eine virtuelle Ebene über unsere Realität drübergelegt wird. Aber das wird kommen, erste Brillen-Prototypen gibt es bereits seit Jahren.

Beides kombiniert kann aber zum Alptraum werden, auf jedem Fall, wenn es keinen Werbe-Blocker gibt: „Hyper-Reality“ von Keiichi Matsuda ist abermals ein über Kickstarter finanzierter Kurzfilm, der nach erfolgreicher Finanzierung noch gute zweieinhalb Jahre brauchte, um verwirklicht zu werden.

Ein Retro-SciFi-Zeitreise-Thriller – Kritik: „Synchonicity“

Jim Beale (Chad McKnight, „The Signal“) ist brillanter Physiker und steht kurz davor, einen Ausgang in ein Wurmloch zu öffnen. Theoretisch muss er einige Tage später erneut das extrem teure Experiment nachholen, um so den Eingang zu schaffen. Vermutlich wird er das aber geschafft haben oder schaffen werden, denn er findet eine seltene Dahlie wieder, die offenbar er oder jemand anders in die Vergangenheit, also seine Gegenwart, geschickt hat.

Chuck ist etwas verwirrt von den Absichten von Jim (AJ Bowen und Chad McKnight, Foto: Pandastorm Pictures)
Chuck ist etwas verwirrt von den Absichten von Jim (AJ Bowen und Chad McKnight, Foto: Pandastorm Pictures)

Um das Ganze zu finanzieren ist aber die Unterstützung des reichen Geldgebers Klaus Meisner (Michael Ironside, „Starship Troopers“) notwendig, der eine Mätresse namens Abby (Brianne Davis, „Jarhead“) hat, in ausgerechnet die sich Jim spontan verschossen hat – und die auch das Pendant der Dahlie besitzt. Dazu kommen aber auch noch seltsame Kopfschmerzattacken und ein etwas eigentümliches Verhalten von Jims beiden Forschungskollegen Chuck und Matty ihm gegenüber. Langsam gärt in Jim der Verdacht, dass die blonde Schönheit Abby vielleicht doch nur eine Femme Fatale war, welche ihm seine Erfindung für Meisner abspenstig machen sollte. Jim beschließt, selbst in die Vergangenheit zu reisen …

Zeitreisefilme garantieren gerne einiges an Hirnakrobatik und dieser Indie-Film ist da keine Ausnahme. Den Autoren ist eine in sich einigermaßen logische Zeitreiseschleife gelungen, die sich lange genug an den gängigen Tropes langhangelt, um dann doch noch den einen oder anderen überraschenden Haken am Ende zu schlagen. Daneben bedient er sich einer retro-futuristischen Szenerie die zusammen mit dem 80er-Synthesizer-Score angenehm an „Blade Runner“ erinnert.

Nur der Investor Klaus Meisner ermöglicht den Zugriff auf das nötige Material (Michael Ironside, Foto: Pandastorm Pictures)
Nur der Investor Klaus Meisner ermöglicht den Zugriff auf das nötige Material (Michael Ironside, Foto: Pandastorm Pictures)

Eine kleine Science-Fiction-Perle, die in ihren Dialogen manchmal etwas übertreibt, aber sich insgesamt überraschend gut zu schlagen weiß und wieder einmal zeigt, dass gute Science-Fiction kein Actionfeuerwerk benötigt.

synchronicity_bd_artwork_2d„Synchronicity“ („Synchronicity“, USA 2015)
 
Regie: Jacob Gentry
 
Drehbuch: Jacob Gentry und Alex Orr
 
Darsteller: Chad McKnight, Brianne Davis, AJ Bowen, Scott Poythress, Michael Ironside
 
Extras: Vom Trailer abgesehen keine.
 
Rollenspiel-Inspirationsfaktor: Zeitreisen sind in Rollenspielrunden nur sehr schwer umsetzbar. Aber hier könnte man durchaus sich dafür eine Idee abkupfern.
 
Score: Ebenfalls sehr retro. Angenehm

Rating: 4 Sterne

 „Synchronicity“ erschien am 06.05.2016 bei Pandastorm Pictures auf DVD, Blu-ray und als VOD. Offenlegung: Ich habe die Blu-ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Gelungene Fortsetzung eines Krimi-Überraschungshits – „Broadchurch“ Staffel 2

Der Mörder von Danny ist gefasst, aber das Dorf Broadchurch ist noch lange nicht zu Ruhe gekommen. Zu verstörend waren die Ereignisse für die Gemeinschaft, in der man sich doch so gut zu kennen glaubte. Und dann passiert noch etwas weiteres Unerhörtes: Im Gerichtsverfahren gegen Dannys Mörder behauptet dieser trotz aller Beweise unschuldig zu sein. Was nicht nur dessen nichts-ahnende Ehefrau um so mehr aus der Bahn wirft. Und doch übernimmt die in Broadchurch ansässige Jocelyn Knight (Charlotte Rampling, „Dexter“) die Verteidigung.

Detective Ellie Miller und Chief Inspector Alec Hardy fürchten, dass ihre Beweise vor Gericht nicht ausreichen (Olivia Coleman und David Tennant, Foto: Studiocanal)
Detective Ellie Miller und Chief Inspector Alec Hardy fürchten, dass ihre Beweise vor Gericht nicht ausreichen (Olivia Coleman und David Tennant, Foto: Studiocanal)

Gleichzeitig wird der Sandbrook-Fall wieder eröffnet. Bei diesem war der vermeintliche Mörder aufgrund eines Ermittlungsfehlers von DI Hardy (David Tennant, „Doctor Who“) einst freigesprochen worden. Seitdem hält Hardy eine der Hauptzeuginnen des Falls, Claire Ripley (Eve Myles, „Torchwood“) vor dem vermeintlichen Täter (James D’Arcy) auf eigene Kosten versteckt. Doch der ist nun wieder aufgetaucht und will eine entgültige Klärung erzwingen.

Die erste Staffel von Broadchurch überzeugte mit einem extrem dichten Plot und einer unglaublich grandiosen Atmosphäre, an der auch der fantastisch melancholische Score von Ólafur Arnalds maßgeblich beigetragen hatte. Es war ein absoluter Überraschungshit in den UK und ist immer noch extrem sehenswert. Die zweite Staffel setzt, auch wenn sie erst fast zwei Jahre später ausgestrahlt wurde, direkt an die erste an und setzt den Plot unmittelbar fort. Eine mutige, wenn auch eher ungewöhnliche Entscheidung, setzten doch ansonsten Krimis in der Regel auf einen neuen Fall des Ermittlerteams. Damit diese auch etwas zu tun bekommen, wird auf den bereits in der ersten Staffel mehrfach angedeuteten Sandbrook-Fall angeknüpft und dieser in all seinen Implikationen aufgedeckt.

Auch die eigentlich zurückgezogen lebende Jocelyn Knight wird von den Ereignissen im Ort nicht kalt gelassen (Charlotte Rampling, Foto: Studiocanal)
Auch die eigentlich zurückgezogen lebende Jocelyn Knight wird von den Ereignissen im Ort nicht kalt gelassen (Charlotte Rampling, Foto: Studiocanal)

Dabei gelingt dem Team auch, die Atmosphäre der ersten Staffel fortzusetzen, wenn auch die Spannung etwas geringer ist. Aber das psychotische Spiel zwischen James D’Arcy, Eve Myles und David Tennant, aber auch der Gerichtskonflikt zwischen der fantastischen Charlotte Rampling auf der einen, und Marianne Jean-Baptiste auf der anderen Seite, sowie Olivia Coleman mittendrin tragen dazu bei, die Zuschauer weiter zu unterhalten. Bleibt nur die Frage, was Serienmacher Chris Chibnall für eine dritte Staffel in der Hinterhand hat, deren Existenz abermals der Sender ITV bis zum Ende der zweiten Staffel geheim hielt und die derzeit gedreht wird.

Broadchurch2_BluRay_ORing_D-1„Broadchurch“ Staffel 2

Showrunner: Chris Chibnall

Darsteller: Olivia Coleman, David Tennant, Charlotte Rampling, Marianne Jean-Baptiste, Andrew Buchan, Eve Myles, James D’Arcy

Score: Alles von Ólafur Arnalds ist fantastisch, und auch hier trägt er maßgeblich zur Stimmung der Serie bei.

Extras: Making-of, Featurette: Die Latimers, Interviews mit vielen Darstellern, Showrunner und Produzenten, Geschnittene und erweiterte Szenen

Rating: 4 Sterne

„Broadchurch – Die komplette 2. Staffel“ erschien am 28.04.2016 bei Studiocanal auf DVD und Blu-ray. 

Einfach nur draufhauen – Kritik: „X-Men: Apocalypse“

Im alten Ägypten ist einer der ersten Mutanten mittlerweile so mächtig geworden, dass er sich mittlerweile selbst als Gott ansieht. Doch Apocalypse (Oscar Isaac, „Inside Llewyn Davis“) kann durch eine Gruppe von Rebellen gestürzt werden, Apocalypse wird unter einer Pyramide begraben. Erst tausende Jahre später, genauer 1983, wird er wieder geweckt und findet sich in einer seltsamen Welt wieder, welche ihn als Gott größtenteils vergessen haben. Daher sucht er sich vier Mutanten-Gefolgsleute, um sich die Welt wieder Untertan zu machen und findet diese in der jugendlichen Taschendiebin Storm (Alexandra Shipp, „Straight Outta Compton“), dem Untergrundkämpfer Angel (Ben Hardy, „Eastenders“), der opportunistischen Psylocke (Olivia Munn, „The Newsroom“) und letztlich auch in Magneto (Michael Fassbender, „MacBeth“), der gerade untergetaucht in Polen versucht, ein normales Familienleben zu führen.

Apocalypse damals. (Foto: 20th Century Fox)
Apocalypse damals. (Foto: 20th Century Fox)

Auf der anderen Seite ist da die Schule von Professor X (James McAvoy, „Der letzte König von Schottland“), welcher zusammen mit Beast (Nicholas Hoult, „About a Boy“) wieder einmal versucht, Mutanten ein Leben in der Gesellschaft zu ermöglichen, und gerade drei neue integrieren muss: Scott Summers (aka Cyclops, Tye Sheridan, „ Mud“), Jean Grey (Sophie Turner, „Game of Thrones“) und Kurt Wagner (aka Nightcrawler, Kodi Smit-McPhee, „Let Me In“).

Und dann ist da noch Mystique (Jennifer Lawrence, „Tribute von Panem“), welche selbst versucht, Mutanten zu helfen die gefangen worden, sowie Quicksilver (Evan Peters, „American Horror Story“), der mittlerweile erfahren hat, wer sein Vater ist, und diesen endlich damit konfrontieren will, nachdem dieser so lange untergetaucht war.

Der dritte Teil ist immer der schwächste

„Der dritte Teil ist immer der schwächste“ – ein ironischer Seitenhieb der jugendlichen Protagonisten im Film auf das Star Wars-Franchise, der auch als Meta-Kritik über den allseits als schlechtesten dritten Film des X-Men-Franchises, „X-Men: The Last Stand“ verstanden werden kann, gilt letztlich leider auch für den dritten Part der Prequel/Neustart-X-Men-Trilogie („X-Men: First Class“, „X-Men: Days of Future Past“ und nun „X-Men: Apocalypse“). Wenn man es sich leicht machen würde, könnte man den Fehler einfach darin sehen, dass der Film einfach mit Figuren überbevölkert ist. Aber das ist nicht das einzige Problem des Films, wobei dieser Figuren wie Angel noch unrühmlicher verheizt als es schon The Last Stand gemacht hatte – in übrigen macht die neue Zeitlinie mit Angel so überhaupt keinen Sinn mehr, aber das ignorieren wir einfach mal.

Magneto darf im Dreck wühlen (Foto: 20th Century Fox)
Magneto darf im Dreck wühlen (Foto: 20th Century Fox)

Der Film klemmt auch an vielen anderen Stellen: Selbst ein großartiger Charaktermime wie Michael Fassbender vermag es kaum zu kaschieren, dass Magnetos erneutes Abgleiten ins Dunkle durch dessen Trauer, nur um dann wieder einmal bekehrt zu werden, wieder einmal öffentlich reingewaschen zu werden nur um dann wieder abzutauchen, einfach nicht nur schwer, sondern quasi gar nicht nachvollziehbar ist. Dazu zerstört er, mal eben, in einem Anfall von Trauer, Zorn und erwachter neuer Kraft die Gedenkstätte von Auschwitz. Die eigentlich lange vorbereitete Begegnung zwischen Vater und Sohn wird ebenfalls am Rande abgehandelt – Quicksilver hat „mal eben“ von Mama erfahren, dass Magneto sein Vater ist, traut sich dann aber nicht, dies diesem zu offenbaren. Das passt zwar zu Quicksilvers Charakter, aber reduziert die Emotionalität rein auf Lawrences Mystique, ihn zu erreichen.

Mystique und Quicksilver haben beide Ihre Probleme mit Magneto (Jennifer Lawrence und Evan Peters, Foto: 20th Century Fox)
Mystique und Quicksilver haben beide Ihre Probleme mit Magneto (Jennifer Lawrence und Evan Peters, Foto: 20th Century Fox)

Apropos Quicksilver: Abermals darf man eine schöne Szene, diesmal zu einem Eurythmics-Song (wir sind ja in den 80ern mittlerweile), mit ihm in Zeitlupe genießen, abermals bringt diese viel Spaß und wurde mit viel Liebe zum Detail gestaltet, wird aber damit konterkariert, dass der eigentliche Auslöser ein Versehen war, dass Havoc das Leben kostet. Dessen Beziehung zu seinem Bruder, Scott, aka Cyclops, bleibt dann auch  viel zu wenig berücksichtigt, beide dürfen gerade mal einmal gemeinsam Autofahren, danach sind schon ihre gemeinsamen Szenen zu Ende, stattdessen darf sich Scott gleich mit Jean Grey anfreunden.

Charakterentwicklung – Fehlanzeige

Letztlich machen die wenigsten Charaktere wirklich eine Entwicklung durch. Mystique darf lernen, was es heißt, Anführerin und Lehrerin zu werden, und ist vor allen davon überrascht, dass ihr ein solcher Job zusagt. Professor X verliert mal wieder seine Haarpracht und entscheidet sich, eine alte, missglückte Entscheidung zurückzunehmen um so etwas ähnliches wie eine Beziehung zu Moira Taggert zu entwickeln. Beast darf als Q ein paar Sachen bauen und schließlich vergessen, seine praktischen Enthaarungspillen einzunehmen. Und die Nachwuchsgang von Cyclops, Jean Grey und Nightcrawler darf zeigen, dass sie es bereits im Teenie-Alter schon einiges mit dem Kämpfen drauf hat.

Punker-Angel (Ben Hardy, Foto: 20th Century Fox)
Punker-Angel (Ben Hardy, Foto: 20th Century Fox)

Und selbst die Motivation von dem chronisch sich im Stimmbruch befindlich Apocalypse bleibt extrem nebulös. Er will einfach nur alles zerstören um alle zu beherrschen. Basta.

Metal-Angel (Ben Hardy, Foto: 20th Century Fox)
Metal-Angel (Ben Hardy, Foto: 20th Century Fox)

Puh. Ich mag die Filme, vor allen die X-Men-Filme, von Bryan Singer ja eigentlich sehr gerne. Aber dieser ist ähnlich verstopft wie der zweite Avengers-Film „Age of Ultron“. Dass man durchaus die Jonglage von einem breiten Rooster von Superhelden eine kohärente, spannende und interessante Geschichte erzählen kann, beweist ausgerechnet gerade der parallel in den Kinos laufende Marvel-Film „Captain America: Civil War“ – gerade weil man in diesem die Perspektiven aller Kontrahenten so gut nachvollziehen und -empfinden kann. Das fehlt bei „X-Men: Apocalypse“ leider. Und so bleiben es die Kleinigkeiten, die das Comic-Fan-Herz aufgehen lässt (vor allen der erneute Auftritt des Weapon X-Projekts und die an die Comics angelehnten Anzüge von Cyclops und Co. am Ende), die den Film aber nicht aus der Mittelmäßigkeit herausheben. Leider.

„X-Men Apocalypse“ (USA 2016)

Regie: Bryan Singer

Buch: Simon Kinberg (Drehbuch) und Bryan Singer (Story)

Darsteller: James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence, Nicholas Hoult, Oscar Isaac, Rose Byrne, Evan Peters, Sophie Turner, Tye Sheridan, Lucas Till, Kodi Smith-McPhee, Alexandra Shipp

Rollenspiel-Inspirationsfaktor: Durchaus gegeben. Vielleicht kann man mit vier apokalyptischen Reitern ja mal kreatives machen …

Score: Solide, fügt aber keine wirklich neue Akzente hinzu, man freut sich aber über das alte X-Men-Filmthema.

Rating: 3 Sterne

„X-Men: Apocalypse“ läuft ab dem 19. Mai in unseren Lichtspielhäusern.

Eine Einladung, die man ablehnen sollte – Kritik: „The Invitation“

Jahre nach dem Tod ihres gemeinsamen Sohn, lädt Eden (Tammy Blanchard), die sich nach dem tragischen Erlebnis isoliert hatte, plötzlich ihren Ex Will (Logan Marshall-Green) zu einer Dinner-Party ein. Eden präsentiert sich dabei als vollkommen ausgewechselter, neuer Mensch und möchte sich offenbar mit ihm aussöhnen. Und überraschenderweise präsentiert sie auch ihren neuen Ehemann (Michiel Huisman).

Einfach nur eine Dinner-Party, oder? (Von links nach rechts: Jordi Vilasuso, Logan Marshall-Green, Emayatzy Corinealdi, Tammy Blanchard, Michiel Huisman. Foto: Pandastorm Pictures)
Einfach nur eine Dinner-Party, oder? (Von links nach rechts: Jordi Vilasuso, Logan Marshall-Green, Emayatzy Corinealdi, Tammy Blanchard, Michiel Huisman. Foto: Pandastorm Pictures)

Stück für Stück passieren aber seltsame Ereignisse bei dieser Party in einem Haus, das Will von früher noch kennt, langsam gedeiht ein unheimlicher Verdacht in ihm und dann gehen einige Dinge furchtbar schief …

Horror-Kammerspiel bei der Ex

Im Theater gibt es die Tradition des Kammerspiels, das auf beengtem Raum einen großen Wert auf die Charakterdarstellung der in der Regel sehr übersichtlichen Zahl der Schauspieler legt. Bereits zu Stummfilm-Zeiten gab es die ersten Kammerspielfilme, großartige Beispiele wie Polanskis „Der Gott des Gemetzels“ setzen diese Tradition heute noch weiter fort.

Ein Kammerspiel im übernatürlichen bzw. Horror-Rahmen ist weit seltener anzutreffen, aber es gibt auch hier ein paar Ausnahmen, besonders positiv zu Nennen wäre das großartige „The Man From Earth“. Auch „The Invitation“ gibt sich mit einem sehr kleinen Rahmen zufrieden – schafft es aber nicht einmal, diesen sinnvoll zu füllen.

Ist es ein Spoiler zu zeigen, dass ein Messer gezückt wird? (Foto: Pandastorm Pictures)
Ist es ein Spoiler zu zeigen, dass ein Messer gezückt wird? (Foto: Pandastorm Pictures)

Viel Potenzial wird einfach verschenkt, lange spielt der Film mit der Ungewissheit, ob sich Will Vieles einfach nur einbildet, es gibt Anlass zum Zweifeln, um dann doch wieder etwas zu bestätigen, und es gleich wieder zu verwerfen. Das ermüdet mit der Zeit und wird viel zu lange in langatmigen Dialogen ersäuft, welche viele Genrefreude komplett verschrecken wird. Als dann schließlich der Film zum Ende hin endlich kippt, haben diese sicher schon lange aufgegeben.

„The Invitation“ (USA 2015)

Regie: Karyn Kusama

Drehbuch: Phil Hay, Matt Manfredi

Darsteller: Logan Marshall-Green, Tammy Blanchard, Michiel Huisman, Emayatzy Corinealdi

Rating: 2 Sterne