Der eintägige Boykott…

Der Buena Vista Verleih und die Kinoketten CineStar, CinemaxX und UCI Kinowelt haben sich heute geeinigt. Der kinoreife Streit ging um die beiden Filme „Herbie Reloaded“ und „Sin City“. Beide wollte der US-Verleiher bereits noch im Vorweihnachtsgeschäft auf den DVD-Markt werfen, die Kino-Betreiber ihrerseits fürchteten aber um ihre Einnahmen und wollten in dieser Sache ein Exempel statuieren.

Resultat: Viele Kinogänger wunderten sich, dass die eigentlich gestarteten Filme gar nicht zu sehen waren. Gerade in Städten wie Hamburg musste man schon länger suchen, bis man ein Kino gefunden hatte, dass die Filme überhaupt zeigte, trotz den 8 Multiplex-Kinos der Stadt. Lediglich der Ufa-Palast und das Grindel (sowie die kleinen Kinos Studio, Hansa und das Blankeneser Kino) zeigten die Filme. Erst heute wurden die Filme wieder offiziell in das Programm aufgenommen (jedenfalls bei CineStar und CinemaxX, UCI Kinowelt hat bisher ihre Website noch nicht aktualisiert).

Doch was bringt das Ganze für den Endkunden (also den Kinogänger)? Erstmal: Chaos in den Kinosälen. Einige Vorstellungen waren nicht vorher reservierbar, einige Planungen werden nun durcheinandergewirbelt, manche Vorstellungen fallen gar aus (bspw. die „Madagaskar“-Vorstellung heute um 20:00 Uhr im CinemaxX Hamburg-Dammtor). Und: Ehrlich gesagt hätte man gar nicht mitbekommen, dass die genannten Filme so kurz nach der Kinovorstellung schon auf DVD veröffentlich worden wären. Richtige Kino-Fans werden ohnehin gute Filme auf der großen Leinwand genießen wollen. Da könnte man auch die Filme gleich parallel auf DVD herausgeben – das würde sie nicht wirklich stören.

Der wahre Grund, warum die Kinobetreiber so heftig bezüglich ihrer ausbleibenden Einnahmen reagieren, ist eigentlich ein anderer: Sie leben in einen heftigen Konkurrenzkampf in Deutschland. Allein in Hamburg gibt es 98 Leinwände (Quelle: Verband der Filmverleiher e.V.), da sind die umgebenden Orte noch nicht eingerechnet. Berlin hat gar 280 Leinwände und in anderen Großstädten Deutschland sieht es nicht anders aus. Die Kinos sind längst nicht mehr ausgelastet, und das spüren die Kinobetreiber. Daran Schuld sind aber mit nichten wegbleibende Kinogänger, deren Zahl ist seit Jahren erstaunlich konstant, sogar eher steigend, diese verteilen sich nur auf immer mehr Wettbewerber. Und entsprechend kleiner fallen die Kuchenstücke für die einzelnen aus.

Und wie vergeltet man es dem Kinogänger? Ganz einfach, man macht es immer unattraktiver für ihn, ins Kino zu gehen. Seien es die teilweise unverschämten Preise für Popcorn und Getränke, die mangelnde Reinigung (im Harburger CinemaxX beispielsweise wird offenbar nur alle Jubeljahre mal ein Teppichreiniger eingesetzt, jedenfalls klebt es in kaum einen anderen Kino so stark auf dem Boden) oder die immer stärker werdende Diffamierung der Besucher als potenzielle Verbrecher im Vorfeld der Filme.

Wenn man Medienanalysen sich anguckt, sind die eigentlichen Verlierer immer mehr die Bücher (-2% Umsatz 2003 vs. 2004). Doch dort ist man wesentlich kundenfreundlicher: Weder klebe ich bei jedem Schritt am Boden der Buchhandlung fest, noch werde ich beim anfänglichen Lesen eines Buches energisch darauf hingewiesen, dass ich es auf keinem Fall auf einen Fotokopierer legen soll…