Fazit 2006

Ich weiß, ich bin ein wenig spät dran. Aber besser spät, als nie. 🙂

Rollenspiel 2006

Rollenspieltechnisch war 2006 für mich vor allem eines der vielen Wechsel. Ich hatte wirklich stark damit zu kämpfen, dass in diversen meiner Runden Leute ausgeschieden sind. Die meisten sicherlich aus Zeitgründen, in ein paar Fällen merkten wir aber, dass die Spielweise einfach nicht mehr so richtig zueinander passten. Ich bin daran ganz sicher nicht schuldlos, da ich mich auch selbst sehr weiterentwickelt habe im Rollenspiel. Dazu gehören sicherlich Erkenntnisse im Bereich der Rollenspieltheorie. Ich weiß jetzt, was mir am Rollenspiel viel Spaß macht (verschrobene Charaktere mit festgelegten Bahnen und Zielen in komplexen Geschichten, ähnlich angelegt der Erzählweise von großartigen TV-Serien wie Babylon 5 oder Battlestar Galactica) und woran ich weniger Spaß habe (große strategische Überlegungen mit vielen Regeloptionen). Aus einem D&D-Spieler wurde immer mehr ein Fan von großen Kampagnen mit relativ wenig Würfelei.

Sowohl als Spieler als auch als Meister hatte ich daher meine Lieblingsrunden im Star Trek Bereich. In Martins Star Trek Runde baute ich mir ein absolut durchgeknalltes Konzept an dem ich einfach enorm viel Spaß hatte. Doch leider scheiterte die Runde letztlich daran, dass die Story verebbte und wir uns nur noch im Kreis auf einen Planeten drehten, dazu kam die Realisierung einiger Spieler, dass sie doch lieber im Fantasy-Genre spielen wollten. Zum Jahresende haben wir die Runde daher aufgelöst, sehr zu meinen Bedauern.

Meine eigene Star Trek Guardian Runde steuert ebenfalls mit großen Schritten auf ein Ende zu. Dies ist aber ein geplantes, vielmehr eines, dass ich bereits vor nun mehr fast fünf Jahren einmal gesetzt habe. Trotz diverser Spieler- und Charakterwechsel ist diese Runde doch immer eine der wichtigsten in meinem Portfolio geblieben. Und ich finde es wichtig, dass eine so groß aufgezogene Kampagne auch ein festes Ende haben kann. Mit den Spielern ist aber dennoch vereinbart, dass wir im Anschluss ein Spin-Off starten wollen.

Bei meinen anderen Runden gab es zwei Relaunches. Meine zweiwöchentliche Stargate-Runde hatte sich einfach festgefahren. Schuld daran war niemand so richtig allein, letztlich war es eine Mischung aus der Tatsache, dass ich meinen Kampagnen-Plot in eine Sackgasse manövriert hatte, nachdem der Haupterzählfaden über sich konkurrierende aufgestiegene Wesen plötzlich in der neunten Staffel der Serie sich wiederfand, sowie der Umstand, dass diverse Spieler aus Zeitgründen ausscheiden mussten und damit auch die Charakterkonstellation einfach nicht mehr miteinander harmonierte. Beim Relaunch entschlossen wir uns daher einen reinen Tisch zu machen und bei dem neuen Pitch für die Runde (Methoden von Primetime Adventures und Universalis erfolgreich zweckentfremdet) ist die Runde dann plötzlich auf eine Firefly-ähnliche Konstellation umgeschwenkt. Daher nahmen wir dann auch gleich das entsprechende Rollenspielsystem Serenity und Yúan Fèn entstand.

Die LodlanD-Runde hingegen erlebte ebenfalls einen drastischen Spielerschwund. Gestartet als eine Art „CSI Lodt“ waren wir in mehreren komplexen Fällen involviert, doch dann sind ausgerechnet die Spieler aus Zeit- und Ortsgründen (Umzug) ausgestiegen, die auf dieses Genre (Krimi) besonders Lust hatten. Daher haben wir dann einen Schlussstrich gezogen und mit Unknown Armies einen Ausflug ins Mystery-Genre begonnen. Momentan jagen meine Spieler da noch dem Maskottchen der Fußballweltmeisterschaft (s. Abenteuer aus dem Spielleiterschirm) nach.

Mit Frank, Harald, Martin und später Verena durfte ich dann diverse Independent Rollenspiele kennen lernen (s. a. Franks Wilde Lande Blog und Haralds Blackbox). Nach Dogs in the Vineyard (wunderschönes Würfelssystem, nur das Setting finde ich doch gewöhnungsbedürftig) und Sorcerer (abgedrehte Runde mit knallharten aber guten Ende) sowie je einem One-Shot in All Flesh Must Be Eaten (durfte durch Genickbruch und zweimaligen Überfahren durch eines Feuerwehrwagens sterben, nachdem mich Klein-Timmy aus dem Glockenturm angesprungen hatte) und einem extrem wirren One-Shot Capes war es dann vor allem The Shadow of Yesterday, das mich wirklich begeisterte. Ein wirklich geniales Fantasy-System mit grandiosen, spielbereichernden Mechanismen (Auffüllen von Würfelpools durch Verausgabung, Kulturgenuß und Sex) hat mich vor allem der Erfahrungspunkte „on the fly“-Einsatz positiv überrascht. Es bereichert das Spiel grandios, wenn man direkt dann steigern kann, wenn man genau das braucht. Sicher ist das nur bei stufenlosen Systemen denkbar, aber wenn man kurz noch steigern kann, bevor man ausgerechnet jetzt über den steilen Hang klettern muss, ist das eigentlich wirklich eine Art „Learning by doing“ und befriedigt nebenbei das innere Munchkin (und macht daher auch einfach Spaß). Daher auch glatt zu Siebte See übernommen.

Teile dieser Runde waren es dann auch, die mich erstmalig zur Hannover Spielt überredeten. Am Sonntag morgen bin ich dann für eine einzige Rollenspielrunde dorthin gefahren (ok, ich hatte immerhin mit Chris angenehme Begleitung im Auto), in der Martin ein mehrstündiges Exposé über Artesia gehalten hatte und wir dann doch ein wenig auch zum Spielen gekommen sind. Das System machte einen gemischten Eindruck auf mich, sehr martialisch und viele Schlachten beinhaltend, aber dennoch sehr durchdacht und mit Details ausgefüllt. Besonders die Charaktererschaffung war einfach klasse und machte Lust auf mehr.

Im September hatte ich nach langer Zeit endlich mal eine Woche Urlaub und verbrachte die mit 10 weiteren Chaoten in einem Ferienhaus in Dänemark an der Nordsee. Natürlich hatten wir insgesamt vier der Abende mit Rollenspiel gefüllt (ja, drei durfte ich meistern) und an einem durfte ich von Jan Exalted kennenlernen. Meine bisherigen Erfahrungen mit dem Storyteller-System von WW waren eher gemischt gewesen, Exalted bietet jedoch meiner Meinung nach ein sehr ansprechendes Kampfsystem und hat den Manga-Aspekt, so ich das beurteilen kann, sehr schön umgesetzt (muss mir irgendwann wirklich mal Weapons of the Gods angucken).

Ansonsten habe ich dieses Jahr dank eBay meine Buffy RPG Sammlung ausbauen können (und in der Runde von Scotty auch meinen Watcher weiter leiden lassen können), habe mir mit Blue Planet einen weiteren Staubfänger in die Regale gesetzt (werde ich wohl nie spielen, aber das System ist klasse und war im Ausverkauf), und viel Geld in Independent und kleinere Rollenspiele gesetzt (u. a. Dogs in the Vineyard, Sorcerer, The Shadow of Yesterday, Universalis, Agon, With Great Power, Capes, My Life with Master, The Shab-Al-Hiri Roach, Covenant, Don’t Rest Your Head, The Princes‘ Kingdom, Space and Steel und Kobolde). Viel zu viel Auswahl für weitere Runden also.

Kino 2006

Meine persönlichen Kino-Charts 2006, samt Einschätzung, ob ich mir einen Film auch auf DVD holen werde:

10. A Scanner Darkly
– Lief er überhaupt im regulären Kino? Ich habe ihn auf dem Fantasy Filmfest sehen können und fand ihn enorm … äh … verwirrend. Dennoch sehr unterhaltsam und eine Philip K. Dick Story. (DVD-Kaufabsicht: Wohl eher nicht).

09. Superman Returns
– Leider etwas untergegangen, obwohl der Film diverse Verneigungen vor dem grandiosen Original machte. (DVD-Kaufabsicht: Habe ihn schon billig geschossen)

08. Little Miss Sunshine
– Wenn man diesen Film sieht, wird einem klar, wie herrlich normal doch die eigene Familie ist. (DVD-Kaufabsicht: Wohl eher nicht)

07. V wie Vendetta
– „Remember, remember the 5th of November.“ Einfach grandiose Verfilmung der Graphic Novel. (DVD-Kaufabsicht: Wenn der Film mal unter 10 € liegt)

06. Departed: Unter Feinden
– Spannendes Verwirrspiel zwischen Undercover-Männer zwischen Mafia und Polizei. Trotz oder gerade wegen Leonardo DiCaprio amsehnlich. (DVD-Kaufabsicht: Wenn der Film mal unter 10 € liegt)

05. Inside Man
– Wie ein ausgerechnet ein Banküberfall Spike Lees bisher bester Film wurde. (DVD-Kaufabsicht: Wenn der Film mal unter 10 € liegt)

04. James Bond – Casino Royale
– Manchmal macht man einfach alles richtig. Selbst die Logikfehler gehören zum richtigen Bond-Feeling dazu. Nur Q fehlte mir doch. (DVD-Kaufabsicht: Vielleicht irgendwann mal, wenn der 100 Pack James Bond Filme zu kaufen ist)

03. Das Parfüm
– Oppulenter Historienfilm nach Bestsellervorlage von Tom Tykwer. Tom Tykwer. Muss ich mehr sagen? (DVD-Kaufabsicht: Öhm, vielleicht mal)

02. Brick
– Die Überraschung des Fantasy Filmfests sorgte nicht nur für akuten Sitzplatzmangel, sondern auch für ein neues grandioses Genre: Teen-Neo-Noir. (DVD-Kaufabsicht: Wenn es ihn auch außer dem superteuren UK-Import gibt, sofort)

01. Children of Men
– Grandiose Verfilmung eines postapokalyptischen Stoffes, noch herausragendere Kameraführungen teilweise minutenlang ohne Schnitt. Und dabei die so einfache Botschaft, dass ohne Kinder jede Hoffnung fehlt. Siehe auch @YouTube: „Why Children of Men should be nominated for best picture“ (DVD-Kaufabsicht: Sofort)

TV 2006

Immer mehr wird ersichtlich, dass man sich als Serienfan im Ausland bedienen muss. Bestes Beispiel das grandiose Battlestar Galactica: Während RTL II hierzulande die Serienausstrahlung einfach unguckbar durch ständige Einblendungen von Werbung macht, bekommt man die DVD-Box der zweiten Staffel bereits für 23 Euro frei Haus. Leider macht Battlestar Galactica auch inhaltlich für meinen Geschmack zur Zeit eine kleine Durststrecke durch, ich bin aber noch zuversichtlich, dass diese grandiose Serie sich wieder fangen wird.

Diese Hoffnung habe ich bei Lost leider immer weniger. Die Autoren verfangen sich zusehend in immer weiteren Mysterien, ohne dass sie großartig alte auflösen und damit die Geschichte auch mal ein wenig voranbringen. In den USA macht ihnen daher der Seriennewcomer Heroes auch schon arg zu schaffen, dort werden aufgestellte Rätsel einige Folgen später auch tatsächlich bereits aufgelöst. Und gerade deswegen bleibt der Zuschauer auch bei der Stange.

Die Briten haben währenddessen ihr Doctor Who Franchise erfolgreich weiter ausgebaut und mit Torchwood bereits einen sehr guten Ableger für ein erwachseneres Publikum kreiert, der auch vor einem bisexuellen Hauptcharakter nicht zurückschreckt, und mit The Sarah Jane Adventures das gleiche für Kinder geschafft. Beides gucken Fans jedoch gleichermaßen gerne und begeistert mit. Lediglich die Neuauflage von Robin Hood als TV-Serie gefällt noch nicht so ganz.

Eine andere ebenfalls grandiose Serie habe ich allerdings zunächst übersehen. Dr. House ist für mich eine der grandiosesten Neuentdeckungen der TV-Serien der letzten Jahre, die Verknüpfung von einem absoluten Ar*****ch als Hauptcharakter mit CSI-ähnlichem Aufspüren von Krankheiten ist einfach genial und unterhaltsam zu gleich. Und dabei läuft die Serie sogar im Hauptprogramm eines großen TV-Senders hier in Deutschland und wurde nicht, wie andere grandiose Serien ins Randprogramm abgeschoben (s. Veronica Mars erst am ZDF Sonnabend Nachmittag und dann im Mittwoch Nachtprogramm, oder die letzte Ruhe, die jetzt Vox dem einstigen Zugpferd Six Feet Under im Sonnabend Nachtprogramm beschert).

Sonstiges

2006 war für mich persönlich ein Jahr mit einigen Höhen und mehreren Durststrecken, die aber alle erstmal überstanden sind. Besonders zum Jahresende war das berufliche Chaos einfach schier unüberwindlich, daher litten auch die Beiträge hier im Blog sichtlich. Aber in meiner aktuellen Branche ist die Zeit vor Weihnachten wohl generell ein einziges Durcheinander.

Mit dem Jahreswechsel habe ich den Werbebereich des Blogs renoviert. Ich bin mir aber nicht sicher, ob und wie ich das weiter behalten werde. Zum einen ist die weitere Wartung nun durch automatische Beitragszuordnung der Werbung problemloser geworden, zum anderen möchte ich gerne allgemein vermeiden, dass der Bereich dort zu bunt wird und zu sehr vom Thema abweicht. Ich bin mir da noch sehr unschlüssig, zumal die Einnahmen ohnehin nie die Ausgaben dieses Blogs deckelten. Klarer Fall von „Hmm, mal sehen“. 😉

Und genau das gilt auch für 2007.

12 Gedanken zu „Fazit 2006“

  1. Also, als deutscher Who-Seher der „ersten“ Stunde (also seit dem 7. Doc auf RTL) möchte ich Dir an dieser Stelle kurz widersprechen, daß „wir“ Torchwood „gleichermaßen gerne und begeistert“ ansehen. Mitnichten, es ist eher so, daß ein paar „Fangirls“ relativ laut heraus schreien, daß diese Serie „totalsupersüßundüberhauptabsolutknuddelig“ ist, jedoch ist die Mehrheit der „Who“-Fans eher der Meinung, daß „Torchwood“ so nicht unbedingt hätte renewed werden müssen.
    Insbesondere die allgegenwärtige s.g. „Gay Agenda“ (eben nicht nur ein bisexueller Hauptcharakter) des Produzenten Russel T. Davis hat die Serie fast schon nicht-ansehbar gemacht.
    „SJS“ is in Ordnung, Begeisterung macht sich aber noch nicht breit.

  2. Erstmal, auch ich habe schon damals den („ersten deutschen“) Doctor damals auf RTL verfolgt, würde mich also auch als Fan der ersten Stunden bezeichnen.

    Dann sicherlich: Die „Gay-Agenda“ ist etwas, vor dem viele erstmal zurückschrecken und das in einer SciFi-Serie bisher selten bis nie auftauchte. Und ich kann auch verstehen, wenn viele vor dieser Thematik in dem Kontext zurückschrecken. Ich persönlich finde aber, dass dies gar nicht so stark in der Serie auftauchte, wie von Euch in Eurem Podcast und dem Forum aufgebauscht (wobei Du sicher da mehr Kontakt zu den Fans hast als ich, aber das ist auch immer selektive Wahrnehmung). Wenn das bei manchen aufstößt: Bitte, dann soll es. Das hat ein Kuss zwischen einer Schwarzen und einem Weißen in einer gewissen anderen SciFi-TV-Serie vor etwa 40 Jahren auch schon mal.

    Torchwood ist für mich dennoch keine Revolution des Genres. Es ist wie angekündigt dunkler und nicht das Familienprogramm wie Doctor Who. Dennoch hat man fast nur Monster of the Week Episoden und die Charakterentwicklung bleibt dabei irgendwie auf der Strecke. Klar, sind Ansätze da, aber irgendwie fehlt irgendwo noch ein wenig die Chemie zwischen den Charakteren (und das mal geschlechtsneutral geschrieben). Dennoch: Meiner Meinung nach meistens eine gute Unterhaltung.

    Die Sarah Jane Adventures sind klar für Kinder abgezielt. Daher auch die entsprechenden Identifikationsfiguren, der Plot und die vielen Gadgets. Also letztlich der ganz andere Aspekt aus der „Mutter“-Serie genommen. Hat aber auch seine Berechtigung.

  3. Nur noch einmal kurz zur „Gay Agenda“-Thematik. Ich bleibe bei meiner Wertung, daß es sich nicht(!) um eine SciFi-Sendung handelt und in dem Sinne fühle ich mich als „Kunde“ vera****t. Statt dessen wurden mir RTDs politische und kulturelle Meinung, garniert mit ein paar „fantastischen Elementen“ aufgedrückt. Nur weil am Schluß z.B. eine CGI-Godzilla-Variante durch Cardiff läuft, ist dies noch lange nicht SciFi im eigentlichen Sinne. Mich stört in diesem Sinne die falsche Ettiketierung, aber wie Du schon schreibst, kann man meine bzw. dabei dann auch unsere (also Raphaels und meine) im Whocast nachhören.

  4. >>Das hat ein Kuss zwischen einer Schwarzen und einem Weißen in einer gewissen anderen SciFi-TV-Serie vor etwa >>40 Jahren auch schon mal.

    Das ist jetzt bitte, bitte, BITTE nicht Dein Ernst, dass Du das vergleichen willst – in der heutigen Zeit…
    Das wäre der erschreckende Beweis dafür, dass manche Rollenspieler tatsächlich nichts mehr mitbekommen…

    r:

  5. Ich weiß leider nicht, wie Du „SciFi im eigentlichen Sinne“ definierst, habe aber das Gefühl, dass Du da etwas ganz anderes raus verstehst, als ich. Für mich ist Science-Fiction recht gut definiert mit der Frage „Was wäre wenn“ und der daraus entstehenden Komplikationen, gerade auch in Frage von Politik und Kultur. Science Fiction ist für mich nicht damit charakterisiert, dass irgendein Monster durch Cardiff läuft, nicht durch irgendwelche futuristischen Waffen oder Raumschiffen alleine, sondern mit den Auswirkungen, die eine solche Sache auf die Menschen herum macht und ja, auch besonders die philosophischen und ethischen Implikationen.

    Ich gebe gerne zu, dass sowohl Torchwood als auch Doctor Who da manchmal etwas arg schwach auf der Brust sind und ins triviale abgleiten (aber das sind andere Serien in diesem Genre auch gerne). Torchwood ist für mich dennoch dann klar Science-Fiction, wenn es darum geht, welche moralischen Dilemma sich aufwerfen, wenn man außerirdische oder übernatürliche Apparaturen zur Verfügung und welchen Missbrauch das beinhalten kann. Dieser Faden zieht sich durch die gesamte Serie, daher ist es für mich klar Science-Fiction und eindeutig kein Etikettenschwindel, auch wenn ich manchmal gehofft hatte, dass dies etwas nachvollziehbarer bei den Charakteren passiert wäre.

  6. Raphael: Doch, das ist mein Ernst, aber ich glaube (oder hoffe), Du verstehst das dennoch falsch. Es gibt Weiterentwicklungen in unserer Kultur, auch und gerade was die Sexualität angeht (da erzähle ich Dir hoffentlich ebenfalls nichts Neues). Was vor 40 Jahren nur mit sagenhaften Plotumstrickungen in der US Kultur machbar war, ist mit heutigen Massstäben und aus unserer Perspektive nur noch schwer als Tabubruch nachzuvollziehen (für die, die nicht wissen, wovon wir da gerade reden: In der klassischen Star Trek Serie gab es einen Kuss zwischen Captain Kirk und Lt. Uhura, allerdings unter Zwang von Außen).

    Dass ich das Beispiel angeführt habe sollte nur verdeutlichen, dass gerade auch Science Fiction zum Aufbrechen von alten Erzähl- und Rollenstrukturen einmal wesentlich beigetragen hat (und auch noch immer trägt). Wobei ich dabei bei Torchwood fast schon enttäuscht fand, aber das aus sehr anderen Gründen als ihr, wenn ich mir so Euren Podcast anhöre (sinngemäß daraus mehrfach: „Ich habe mich geekelt bei dem Kuss zwischen zwei Männern“). Ich kann und will Euch Euren persönlichen Ekelfaktor nicht vorschreiben. Aber über die Polemik, dass ich nichts mehr mitbekommen würde als Rollenspieler, darüber kann ich wirklich nur schmunzeln.

  7. 03. Das Parfüm
    – Oppulenter Historienfilm nach Bestsellervorlage von Tom Tykwer. Tom Tykwer. Muss ich mehr sagen? (DVD-Kaufabsicht: Öhm, vielleicht mal)

    Tom Twyker ist lediglich der Regisseur, der Roman ist von Patrick Süskind.

  8. Tom Twyker ist lediglich der Regisseur, der Roman ist von Patrick Süskind.

    Korrekt, das habe ich leider etwas undeutlich formuliert. Mir ging es dabei um den Regisseur.

  9. @Ron: Du schreibst zwar, daß Du uns unseren persönlichen Ekelfaktor nicht vorschreiben willst, jedoch geht es uns genau darum. Hier (in der Serie und in manchen Foren – damit meine ich jetzt nicht Dich) wird so plakativ „Bi sein ist toll und ihr müßt das alles super finden“ heraus geschrien, daß es sehr wohl einem „ich schreibe Dir vor wie Du zu denken hast“ gleich kommt.

  10. Um einen anderen Vergleich zu ziehen: Mir persönlich gefällt die rabiate und durch das „wichtige Ziel“ gerechtfertigte und tolerierte Gewalt von „24“ ganz und gar nicht. Diese „Gewalt-Agenda“ kann ich mal tolerieren, aber mittlerweile hat sie mir die Serie so weit vermiest, dass ich meine Zeit lieber mit anderen Sachen verbringe. Dennoch hat die Serie nach wie vor noch viele Fans, die sie weiterhin gerne sehen (gut in Deutschland weniger, aber das liegt auch an der Sendepolitik von RTL II).

    Wenn mir jetzt jemand aber in einer Diskussion vorschreiben will, ich habe diese Gewalt für gut und nötig zu befinden, dann blockiere ich auch. Aber ich gehe nicht soweit, meinerseits zu verlangen, dass er diese „Gewalt-Agenda“ genauso wie ich verabscheuen muss und einsehen muss, dass „24“ wegen all den Folterszenen keine Actionserie mehr ist. Denn beides wäre meiner Meinung nach falsch.

  11. „24“ kann ich nicht beurteilen, da ich es nicht sehe. Aber wir gehen da denke ich konform, denn auch mir geht es, wie dargelegt darum, daß ich meine Meinung zu etwas habe und mir (insbes. in Foren) andere diese Meinung als „veränderungswert“ bewerten. Meine Aussage ist ja eben auch nicht, daß andere das auch als „eklig“ empfinden sollen, ich gebe nur meine persönliche Meinung wider.

  12. Meine Aussage ist ja eben auch nicht, daß andere das auch als „eklig“ empfinden sollen, ich gebe nur meine persönliche Meinung wider.

    Bisweilen hatte ich leider den Eindruck, dass Deine/Eure Meinung – im Podcast konnte ich die Stimmen nicht ganz differenzieren, sorry – als allgemein gültig hingestellt worden ist. Gut, dass Du das hier nun klar gestellt hast.

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