Babylon 5 Vergessene Legenden (Kritik)

Vierzehn Jahre ist es mittlerweile her, dass mit „Babylon 5“ erstmals eine Science Fiction TV-Serie „Star Trek“ das Wasser reichen konnte und in den Augen vieler Fans diese auch um Meilen übertroffen hat. Mit fünf Staffeln und einem großen Erzählbogen schaffte J. Michael Straczynski (JMS) auf jedem Fall einer der größten Kultserien aller Zeiten. Doch an den Erfolg konnten weder mehrere TV-Filme noch zwei Spin-Off-Serien anknüpfen, eine („Crusade“) wurde aufgrund kreativer Differenzen zwischen Autor und Sender nach einer halben Staffel Geschichte, eine andere („Legends of the Rangers“) schaffte es nicht über den Pilotfilm hinaus.

Babylon 5 Lost TalesDa auch Jahre nach dem Ende der Serie ist diese immer noch ein Verkaufsschlager im DVD-Bereich. Daher hat nun Warner Bros. JMS die Chance für eine Direct-to-DVD-Veröffentlichung gegeben. Unter dem Titel „The Lost Tales“ (dt. „Vergessene Legenden“) erscheinen nun erstmals zwei Geschichten á 45 Minuten die lose miteinander verbunden sind (also insgesamt 90 Minuten) auf DVD (ab 24. August 2007 auch in Deutschland erhältlich). Nachteil: Ein geringeres Produktionsbudget lassen nur eine Handvoll Schauspieler zu. Aber: Bei erfolgreichen DVD-Verkäufen hat Warner dann auch Fortsetzungen in Aussicht gestellt.

Achtung: Einige leichte Spoiler voraus!

Ein Vorspann mit der wunderbaren Musik von Christopher Franke empfängt einen und gibt sofort eine kribbelige Nostalgiestimmung. Wir sehen das Ende der Station und werden dann im Vorspann in der Zeit zurückgeworfen und sehen dann die Station wieder aufgebaut. Immerhin: Zehn Jahre sind vergangen, seitdem Sheridan die Station verlassen hatte. Und jetzt gibt es auch die vergilbten Fotos der Hauptcharaktere, seufz! Allerdings fehlen dort doch einige – wo ist Ivanova? Dafür ist Lochley dabei, ich war aber eigentlich nie ein großer Fan von ihr.

Und entsprechend enttäuscht bin ich dann auch, dass die erste Geschichte sich um sie dreht. Aber gut, es ist immerhin nach Jahren das erste Babylon 5 Material wieder, da muss ich mich freuen. Doch dann kommt es zu einer doch sehr Kammerspiel-ähnlichen Story. Ein Crewman scheint vom Teufel besessen zu sein, seltsame Phänomene, die um ihn passieren, lassen jedenfalls darauf deuten. Und so hat Lochley einen Priester angefordert, damit dieser einen Exorzismus an ihn durchführt. Doch irgendwas stimmt da nicht, es scheint fast, als wollte der Teufel exorziert werden.

Die zweite Geschichte beginnt auf Minbar. Sheridan steigt in ein Schiff um aus repräsentativen Gründen zum Jahrestag der Interstellaren Allianz nach Babylon 5 zu reisen. Auf der Reise gibt er zunächst ein sehr nostalgisches und pathetisches Interview an eine ISN Reporterin (Teryl Rothery), aber für so etwas lieben wir ja die Feder von JMS. Danach wird er vom Technomagier Galen (bekannt aus der Ablegerserie „Crusade“) in seinen Träumen aufgesucht, der ihm eine sehr düstere Zukunftsvision übermittelt: Der centaurische Prinz Vintari, der ebenfalls an Bord des Schiffes mitreist, wird in einigen Jahrzehnten als Kaiser einen blutigen Krieg gegen die Menschheit führen. Daher muss dieser bereits jetzt getötet werden. Ein fingierter Unfall beim Übersetzen auf die Station soll dies bewerkstelligen. Doch Sheridan kommen Zweifel.

Beides sind eindeutig Kammerspiele. Beide Episoden kommen mit gerade einmal drei Hauptfiguren und vier Nebenfiguren aus plus ein paar wenige Statisten. Entsprechend fehlt einen irgendwie ein sarkastischer Kommentar eines Garibaldi oder Ivanova oder ein nachdenklicher Hinweis von Delenn oder G’Kar. Mittlerweile sind zwei wichtige Darsteller der Serie gestorben (G’Kar-Darsteller Andreas Katsulas sowie Franklin-Darsteller Robert Biggs), denen auch mit einer wunderschönen Dialogzeile gedacht wird. Aber Babylon 5 war immer eine Serie, die von einem Ensemble vorangetrieben worden ist. Und das fehlt hier eindeutig. Man bekommt dadurch mehr das Gefühl einem Bühnenstück beizuwohnen denn einer Science Fiction Serie. Einige wenige, durchaus sehr gute CGI-Effekte, versuchen das ganze aufzulockern und nur wenige Sets sind nicht am Computer nachträglich eingefügt worden. Man merkt hier das geringere Budget, mit dem diese entstanden sind.

Und einige Extras wurden der DVD spendiert. Interviews mit JMS und den Hauptdarstellern, Gedenken an Andreas Katsulas (G’Kar) und Richard Biggs (Dr. Franklin), Produktionstagebücher und eine FAQ-Sektion, in der JMS Fragen der Fans beantwortet (allesamt mit deutschen Untertiteln).

Das Versprechen von Warner Bros. und JMS: Wenn genügend DVDs verkauft werden, gibt es Nachschub. Allein dadurch lohnt es sich natürlich, in die DVD zu investieren. Doch ob die Qualität je wieder an das großartige Meisterwerk der fünf Staffeln Babylon 5 heranreichen wird, bleibt für mich nach dieser DVD leider doch fraglich.

  • Note (Episode Eins): 6,5 von 10 Punkten – Note (Episode Zwei): 7,0 von 10 Punkten