Pen & Paper – wie Phoenix aus der Asche?

2007 war irgendwie das Jahr, in dem die gesamte Branche laut aufgeheult hat und vielfach das gesamte Spielgenre gleich zu Grabe getragen worden ist. An jeder zweiten Ecke hörte man von negativen Verkaufszahlen, einzelne Verlagsbereiche wurden gleich komplett abgestoßen, Lizenzen mehr oder weniger billig weiter verscherbelt. Man bemitleidete sich selbst gegenseitig und brachte Aspekte wie „mangelnden Nachwuchs“ gebetsmühlenartig unters entsprechend deprimierte Volk.

Doch was passiert eigentlich gerade? Eigentlich nichts sonderlich Neues. Knallharte Wirtschaftlichkeit ist nun ans Ende der „d20-Blase“ getreten. Und wie sieht es 2008 aus?

Dieses Jahr wird die vierte Version von Dungeons&Dragons erscheinen, dem wohl weltweit erfolgreichsten Rollenspiel. Und es wird abermals mit einer offenen Lizenz herauskommen (auch wenn sich diese leicht verspäten soll), so dass eines der wichtigsten Rollenspiel-Franchises immer noch weiter existieren wird und vermutlich diverse Verlage auf die neue d20-Blase setzen werden (Mongoose überlegt offenbar noch, da deren Produkte aber mittlerweile so stark an Qualität nachgelassen haben, trauert da kaum jemand wirklich nach). White Wolf hat mit Scion einen immerhin so erfolgreichen neuen Zweig geschaffen, dass sie die eigentlich auf drei Ausgaben (Hero – Demigod – God) limitierte Geschichte flugs um weitere Bände verlängern. Und mit allen anderen Rollenspielsystemen geht es halt auch irgendwie weiter – wenn auch teilweise unter neuer Flagge. Doch wirklich neu ist das auch nicht – so gut wie jedes Setting ist bereits durch diverse Reinkarnationen gegangen. Und wenn mal etwas erfolgreich ist, quetscht man es halt aus, bis es nicht weiter gekauft wird, auch das ist völlig normal. Wo also die wirklich massiven Änderungen, das Absterben des Genres?

Ja, LodlanD ist am Untergehen irgendwie. Siebte See ist es schon seit Jahren international, auf dem deutschen Markt kam der Untergang mit Verzögerung, bzw. die Neuübersetzungen von Uralt-Material verkauft sich immer noch so gut, dass sich ein Scheintod offenbar doch etwas rechnet. Andere Systeme, wie Mutants&Masterminds haben sich mittlerweile recht gut vom d20-System emanzipiert und fliegen weiter.

Das ist halt die Branche. Sie läuft weiter. Sicher werden sich neue Bereiche entwickeln und etablieren und die guten Alten von den Fans beweint werden. Aber auch das ist „normal“.

3 Gedanken zu „Pen & Paper – wie Phoenix aus der Asche?“

  1. Tja, 4e sieht regelseitig meiner Meinung nach sehr vielversprechend aus – genaueres werden wir wohl alle im Juni herausfinden.

    Viel schlimmer muss ich sagen finde ich was sie der grössten Spielewelt (Forgotten Realms) angetan haben –
    die Storyline der letzten Jahre ist in einer sehr inhomogenen und zerstörenden Weise abrupt geändert worden…

    Sehr vielversprechend finde ich persönlich ja Monte Cook’s Welt „Ptolus“ – abgesehen davon, dass es wunderschön – also wirklich „wunderschön“ verarbeitet ist – hat es auch ’ne Menge Inhalt – am besten mal in den gratis Player’s Guide reinschauen und selbst ein Bild machen ;).
    gibt’s z.B. hier – http://www.fortressgames.com/MalP-Ptolus_PG.pdf aber auch bei quasi allen DriveThruRPG und Co für 0 und nüx.

    lg
    Markus

  2. „Ptolus“ ist sicherlich eine extreme Welt – wenn man davon absieht, dass das Setting eigentlich nicht um eine Welt sondern „nur“ um eine einzige Stadt geht. Dennoch finde ich das Setting doch etwas … nun ja … groß. Ich hatte mit „The Banewarrens“ mal einen Kontakt mit Ptolus, sie gefiel mir durchaus (genauso hatte mir auch Green Ronins „Freeport“-Reihe damals gefallen, oder in Siebte See „Freiburg“), allerdings halt als Hintergrund für ein konkretes Abenteuer. Da ich aber seit längerem mehr SciFi als Fantasy meistere habe ich mir dieses Megapaket Ptolus dann halt nicht leisten wollen. Wobei Monte Cook halt eigentlich ein Grund dafür war, hmm, vielleicht wenn ich mal Geld auf eBay übrig habe …

  3. Naja ich krieg ja nicht dafür, dass ich das Produkt hier bewerbe…
    Trotzdem ein paar ehrliche Worte noch dazu – das Produkt als Stadt/Welt ist sicherlich faszinierend genug, was mir als Spielleiter allerdings am besten daran gefällt ist die Umsetzung der einzelnen Kapitel, die Details (Wirtschaft – es gibt ein Kapitel das sich mit dem „normalen Menschen“ abgibt – was passiert so an einem Tag, was kostet das (über)leben … daraufhin die zweite Hälfte des Kapitels bespricht genau den Zusammenhang der Abenteurer, was sie tun – wieso sie hier sind usw.)

    Bin schon sehr gespannt auf das neue Werk von Monte – am 21.02 ist denke ich der Release für seine „hausregel“ sammlung.
    wie dem auch sei
    lg
    Markus

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