Jugendamt sagt LARP wegen Amok-Gefahr ab

Das Jugendamt Dortmund hat eine LARP-Veranstaltung in der Jugendfreizeitstätte Hombruch kurzfristig abgesagt. „Nach dem Amoklauf von Winnenden”, so die Fachbereichsleiterin, „muss das Konzept noch einmal auf den Prüfstand”.

Offenbar hat ein YouTube-Video einer Wirtshausschlägerei und ein besorgter Elternbrief dazu geführt. „Trotz pädagogischer Anleitung und Schaumstoffwaffen gebe es ‚berechtigte Zweifel an der Gewaltfreiheit‘. Und Vorbeugung sei nun mal alles“ zitiert Der Westen Amtsleiter Ulrich Bösebeck. (via Isotopp/Der Westen)

Ich bin kein LARP-Fan, daher gibt es hier auch selten bis nie Content zu. Aber ich habe im Rahmen von Jugendarbeit bereits diverse P&P-Runden gemeistert, die entsprechend sozialpädagogisch unterfüttert sehr gut geeignet waren, Gewalt und Macht mit Jugendlichen spielerisch zu diskutieren und zu hinterfragen und damit letztlich zu einer sehr viel höheren sozialen Kompetenz geführt hat. Ich weiß nicht, was sie dort für ein LARP geplant haben. Aber eine solche Aktion kurzfristig abzusagen spricht entweder dafür, dass bei der Planung der Veranstaltung extrem geschlampt wurde, oder dass dort einige Leute in höheren Positionen keine Ahnung haben, wovon sie reden.

4 Gedanken zu „Jugendamt sagt LARP wegen Amok-Gefahr ab“

  1. Naja, ich habe LARP nie als gewaltfrei erachtet. Genaugenommen ist Gewalt, wie in jedem Rollenspiel, egal ob P&P oder Live, ein Schlüsselelement. Genauso wie in Horror- oder Actionfilmen. Die Frage sollte stets lauten, wie wird Gewalt dargestellt und mit ihr umgegangen.
    Bei LARP wird viel zu selten das P beachtet. Es liegt ja ein spielerischer Charakter vor, das heisst die Gewalt ist nicht ernst. Jedes Gewaltopfer steht wieder auf, kann lachen und mit seinen Feinden (die üblicherweise seine Freunde sind – schön das mit den Realitätsebenen ;)) weiterspielen.
    Im P&P werden ja ebensooft Gewalttaten verübt, aber wieder nur im Sinne einer spielerischen Abstraktion. Mit der Realität hat das nur bedingt zu tun, da die Vorbilder wiederum zumeist aus dem Kino stammen.

    Wenn man Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit nimmt, Gewalt im spielerischen Kontext zu erleben, dann bleibt nur die reale Ebene. Und das macht mir echte Sorgen.

  2. Gerade das mit dem Spielerischen finde ich auch wichtig.

    Ich war bisher nur auf zwei Larps und beide Male NSC – und bin etwa 30 mal pro Abend gestorben 🙂

    In einer Situation wurde ich etwa 50 Meter über eine Straße rückwärts getrieben, bis ich kampfunfähig am Boden lag. Statt mich einfach niederzustechen haben die Spieler erst ihre Laterne geholt und mir ins Gesicht geleuchtet, um sicherzugehen, dass ich keiner der anderen Spieler war. Nach dem Todesstoß haben sie mir aufgeholfen und sich für den tollen Kampf bedankt.

    Und für solche Spieler sterbe ich gerne immer wieder. Es hat beiden Seiten riesigen Spaß gemacht, und ich möchte die Erfahrung auf keinen Fall missen! (Es gab noch viele andere schöne Erlebnisse und viele tolle Leute auf der Larp, aber ich bräuchte viele Tage, um sie alle zu erzählen 🙂 )

    Es ist definitiv ein Spiel. Wenn jemand im Theater niedergestochen wird, schreien ja auch nicht gleich alle „Gewalt, Amokgefahr!“…

  3. „Wenn man Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit nimmt, Gewalt im spielerischen Kontext zu erleben, dann bleibt nur die reale Ebene. Und das macht mir echte Sorgen.“
    (Zitat bennyb.)

    Mit den einfachen Worten eines Laien so präzise auf den Punkt gebracht, wie es kein Fachmann könnte. Dem ist nichts hinzuzufügen.

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