FFF 2011: „Hell“

Und los geht es mit dem Fantasy Filmfest für dieses Jahr. Wie angekündigt, haben wir sechs Filme auf dem Raster und heute starteten wir endlich. Mit „Hell“. Bevor ich dazu aber komme, noch ein wenig Abseits der Spur:

Was ist denn da bei der Orga in Hamburg schon wieder los?

Wie jedes Jahr hat der geneigte Festival-Gast die Option, eine von wenigen Dauerkarten vorher zu kaufen. Das rechnet sich ab etwa einen Dutzend Filme, wir kamen auch dieses Jahr noch nicht in diese Region. Daher haben wir vorher die Karten, wie auch in den vergangenen Jahren, online bei Cinemaxx-Tickets.de kaufen wollen.

Das klappte für zwei Filme. Danach akzeptierte der Service meine Kreditkarte nicht mehr. Ein kurzer Anruf bei der Karten-Hotline ergab, dass ich durchaus noch kreditwürdig sei, und sie auch nichts gesperrt hätten. Also hatte wohl der Cinemaxx-Ticketservice dies gesperrt. Ah ja. Gut, für die nächsten Filme gebe ich eben meine Kontoverbindung an, vielleicht ist das ja akzeptabler. War es. Allerdings abermals nur zweimal. Es stellte sich heraus, dass das Onlinebuchungssystem bereits nach zwei Ticketkäufen die Zahlungsverbindung erst einmal blockierte. Die Service-E-Mail-Bearbeiterin reagierte immerhin zügig und stellte auch fest, dass für ein Festival „die Sicherheitseinstellung nicht optimal [sind].“ Allerdings könnte sie selbst dies erst einmal nur weitergeben und bot mir als Ausweichlösung an, ich möge die Filme doch reservieren. Dies ging aber nicht online, sondern nur über eine kostenpflichtige Servicenummer. Immerhin bekamen wir dadurch alle Karten zusammen.

Daneben muss jemand weiteres geschlafen haben: für alle Filme durften wir dieses Jahr plötzlich Sitzplatzreservierungen durchführen. Dies wäre zwar generell begrüßenswert, aber bei einem Festival mit Dauerkarteninhabern ist dies einfach praktisch nicht realisierbar. Und so stellte sich beim Kartenabholen auch heraus, dass es „freie Sitzplatzwahl“ gab, wie mir die Servicemitarbeiterin freudestrahlend in Aussicht stellte. Ah ja.

Was natürlich abermals über eine halbe Stunde sich-die-Beine-in-den-Bauch-stehen bedeutete. Und dann hatte der erste Film auch noch Verspätung. Fängt ja gut an.

Okay, ich komme schon zum Film.

Die Story

Marie, ihre Schwester Leonie und der nicht wirklich sympathische Phillip sind in einem Auto unterwegs in die Berge. Allerdings ist es 2016, die Temperaturen sind um 10° über den bisherigen Durchschnitt gestiegen und eine fiese, ungefilterte Sonneneinstrahlung macht das Überleben in direkter Bestrahlung zunichte. Das System ist schon lange zusammengebrochen, die Menschen kämpfen um das aller nötigste: Wasser. Benzin. Dann auch noch vielleicht etwas zu Essen.

Die Hoffnung: ganz oben in den Bergen könnte vielleicht Regen fallen und ein langfristiges Überleben möglich sein. Bis dahin muss man nehmen, was man bekommen kann, und bei allen Menschen, denen man begegnet auf der Hut sein – denn sie wollen das selbe wie Du.

Der Road-Trip ist schon schwer genug, doch auf halber Strecke kippt das ganze völlig, als sie mitten in den kargen Bergen nicht weiter kommen …

„Hell“ (Paramount Pictures Deutschland)

Die Kritik

Ein deutscher Genrefilm? Moment. Sogar ein deutsch-sprachiger Genrefilm? Das gibt es noch? Doch, gibt es. Und nicht nur im Hobbybereich, sondern mit richtigem Budget und Schauspielern aus der vordersten Reihe wie Hannah Herzsprung („Vier Minuten“) Stipe Erceg („Der Baader Meinhof Komplex“) oder Angela Winkler („Die Blechtrommel“).

Dabei ignoriert der Film auch nicht seine Herkunft. Kleinigkeiten, wie das Titelblatt einer verstaubten „Süddeutschen Zeitung“ hier oder die Billigmarke eines Supermarktes dort, geben dem Film durchaus eine deutsche Authenzität (und es ist auch wieder angenehm, etwas nicht synchronisiertes zu sehen). Gedreht wurde der Film in Bayern, Brandenburg, der Schweiz und Korsika, letztere aber nur wegen eines Waldbrandgebietes, dass als durchaus eindrucksvolle Kulisse diente. Angenehmerweise schafft es der Film auch, auf ein Spezialeffektefeuerwerk zu verzichten, und setzt stattdessen sehr oft auf das grelle Überblenden des Bildes, wodurch er wirklich „Hell“ wird und einen einzigartigen Look bekommt.

Soweit die Habenseite.

Die andere Seite kommt leider nicht so gut davon. Der Film kann sich nicht entscheiden, in welche Richtung er eigentlich steuern will. Er fängt als Road-Movie an und gleitet dann auf der Hälfte der Strecke in einen anderen Genre-Bereich ab. Er bleibt dabei zwar in sich relativ konsistent, aber eigentlich würde man lieber die eine oder die andere Hälfte näher ausgeführt sehen. Das Thema, was eine solche Katastrophe mit den Menschen macht, ist interessant und spannend gewählt (Fragen nach dem Hintergrund der Katastrophe bleiben daher auch im Hintergrund). Aber er kann dies immer nur anreißen und bleibt wirklich interessante Fragen oftmals schuldig (von den Antworten ganz zu schweigen, aber darum geht es ja auch nicht). An manchen Stellen gerät der Film leider sogar so absurd, dass er unfreiwillig komisch wird. Teilweise vermag man die Motivation einzelner Figuren auch nur bedingt nachzuvollziehen. Immerhin werden rettende Gadgets bereits rechtzeitig im Film eingeführt, so dass sie nicht so sehr aus dem Hut gezaubert aussehen, wie sie es eigentlich sind.

„Hell“ (Paramount Pictures Deutschland)

Der Regisseur Tim Fehlbaum und einer der Produzenten waren auch für ein Q&A im Anschluss am Film zu haben. Dort hat sich der Regisseur die Herzen des anwesenden Publikums schnell erobert. Ganz im Gegenteil dazu der etwas steifere Produzent neben ihn, der stolz berichtete, er hätte Fehlbaum ausgeredet, einen Zombiefilm zu drehen was erst etwas skeptische Gesichter der Festivalgäste mit sich brachte. Doch dann rettete der Regisseur dies mit dem Kommentar, dass er seine eigentliche Absicht, einen Zombiefilm zu machen, immer noch nicht aufgegeben hätte – was zu großen Beifall führte. Insgesamt machte Fehlbaum eine sehr sympathische Figur und landet dadurch, und dass er im Anschluss sogar noch vor dem Saal einigen Fans persönlich Rede und Antwort stand, auf meine Liste der kreativen Köpfe, deren Schaffen ich auf jedem Fall erst mal beobachten werde.

Insgesamt schafft es der Film so gerade noch in den ausreichend bis guten Bereich hinein. Dennoch: allein um in der deutschen Filmlandschaft mehr solche Filme zu sehen, muss man sich den Film einfach angucken. Die deutsche Filmkultur muss einfach aus mehr, als nur aus Til Schweiger-Komödien bestehen.

„Hell“ (2011)

Regie: Tim Fehlbaum (Erstlingswerk)

Splatterfaktor: Mittel. Bleibt alles noch im erträglichen Bereich, wenn man mal von einer gewissen Grütze absieht.

Chance, den Film auch im regulären Kino zu sehen? 100%. Deutscher Kinostart ist 22. September

Was fürs Heimkino? Sobald er unter 10,— € zu kriegen ist, werde ich ihn mir wohl zulegen. Herzsprung allein ist dafür ja ein Grund.

Wie ist der Soundtrack? Eher im Hintergrund, fällt kaum auffällig ins Ohr. Keine besonders wieder erkennbaren Stücke, von einem gewissen Nena-Song abgesehen.

Besser als „The Book of Eli“? Keine Frage, ja. Um Längen. Aber „The Book of Eli“ ist ja auch aufgedunsener Hollywood-Schmonsens.

Besser als „The Road“? Kann ich nicht sagen, den Film habe ich leider noch nicht gesehen.

Rollenspiel-Inspirationsfaktor? Och, auf einen Endzeit-One-Shot habe ich durchaus mal wieder Lust bekommen.

★★★☆☆

hell-derfilm.de

2 Gedanken zu „FFF 2011: „Hell““

  1. Zur Rollenspielinspiration:

    The Book of Eli: Endzeit-Western, zwar mit bekloppter Story, aber dafür klassischen Western-Versatzstücken und sogar einer Art „Bibliothek“. Sprich: Deadlands: Hell on Earth pur! Eli ist ein „Teller“, ein „Geschichtenerzähler“, der auf dem Weg zu den Librarians ist. Kann man sogar sofort ins Rollenspiel umsetzen. – Und das Anschauen von KOMPETENTEN Leuten mit HOFFNUNG im Herzen macht Spaß.

    The Road: Hoffnungsverneinender, jämmerlicher Depri-Müll, der weniger Emotionen weckt als Transformers 3 (und das will erst einmal geschafft sein). Das im Rollenspiel ist ein Gewaltmarsch in die Depression UND Langeweile! Nicht einmal Degenesis ist so trist und NDE-deprimierend.

    Hell: Wenn das eher in Richtung The Road und weniger in Richtung The Book of Eli geht, dann paßt es wie die Faust auf sonnenverbrannte Auge: Die Neue Deutsche Endzeit ist nun auch im Deutschen Film angekommen. Mit aller Jämmerlichkeit und Depressivität, wie wir sie vom Rollenspiel her kennen und NICHT gebrauchen können.

    Klar, wer Rollenspiele spielt, um sich emotional herunterziehen zu lassen, weil es im im Alltag einfach zu gut geht und er seiner Umwelt mit seiner Quietschvergnügtheit auf den Senkel geht, der könnte solche Depri-Überdosis-Verabreichungen gebrauchen. – Ich spiele, um mich im Spiel spannend zu UNTERHALTEN, nicht um mich psychisch ins Tal der Tränen schleppen zu lassen.

    Depri-Endzeit ist sowas von OUT. Das war mal, früher mal, als die NDE noch das N verdient hat. Jetzt ist es aber nur noch die Endgültig Nichtzeitgemäße Deutsche Endzeit. ENDE.

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