Disney sollte es eigentlich besser können

In einer Woche startet in den meisten Kinos der Welt zeitgleich ein neuer Blockbuster aus dem Hause Disney: „John Carter“.

Dieser Film hat auch viele Vorzüge, schließlich handelt es sich um eine der bekanntesten und beliebtesten Science-Fiction-Reihen. Geschrieben vom „Tarzan“-Autor Edgar Rice Burroughs. In den 80er-Jahren war der Stoff kurzfristig als Konkurrenzmaterial für die großen Erfolge von „Star Wars“ und „Conan der Barbar“ angekauft worden. Die Regie übernahm der Pixar-Animationsfilm-Spezialist Andrew Stanton („Wall-E“, „Findet Nemo“), der auch am Drehbuch mit geschrieben hat. Im Herzen ist das Ganze eine Liebesgeschichte, hat wie Tarzan einen freien Oberkörper beim Hauptdarsteller vorgesehen und dann das Ganze mit großartigen Kämpfen und faszinierenden Alien-Spezies ausgebaut. Der erste Teaser des Filmes war auch noch wirklich interessant, kam nur sehr früh (bereits im Mai letzten Jahres, 10 Monate vor Veröffentlichung):

Damals war ich wirklich angetan davon – hey, immerhin bewies Stanton mit der Wahl von einem Peter Gabriel-Song als tragendes Element des Trailers wirklich Geschmack. Gut, er hatte schon Wall-E einen Gabriel-Song gegönnt, aber das zeigt doch nur, dass er wirklich cool ist!

Doch dann lief offenbar das Marketing von Disney richtig an.

Es startete damit, den Titel des Filmes „leicht“ abzuändern. Der Film wurde bisher als „John Carter of Mars“ gehandelt. Die Geschichten Burroughs enden übrigens fast allesamt auf „… of Mars“ („Under the Moons of Mars“, „The Gods of Mars“, „Synthetic Men of Mars“, „John Carter and the Giants of Mars“ etc.). Dieser Namenszusatz ist für Fans also nahezu essentiell. Das Marketing stellte aber offenbar fest, dass der letzte Filmtitel Disneys, der unseren Nachbarplanet referenzierte („Milo und Mars“), ein großer Kassenflop war (ja, ich habe ihn auch nicht gesehen). Und so entschied man sich wohl, den Film plötzlich nur noch „John Carter“ zu betiteln. Offiziell hieß es, dass der Titel so ein breiteres Publikum ansprechen würde und dass es ja eh vor allen um den Titelhelden und dessen Entstehung gehen würde (womit man netterweise potenzielle Nachfolger erstmal diskreditiert).  Hoffentlich können zumindest die Fans eines Hauptcharakters der TV-Serie „Emergency Room“ dies rechtzeitig unterscheiden, der Titel allein signalisiert durch die Weglassung erstmal weit weniger.

Während man sich aufgrund der nun offenbar abgewendeten Gefahr eigentlich freuen konnte, kam der Schock in den Testvorführungen: „Frauen aller Alterstufen hätten den Film völlig abgelehnt.“ Das behauptete jedenfalls ein Konkurrent. Was natürlich wirklich bei einem Science-Fiction-Action-Film überrascht. Aber eigentlich war das ja kein Science-Fiction-Actionfilm mehr, denn man hatte doch den Titel geändert?

Nun steht der Film also da, mit einem unscharfen Marketing-Konzept und einer unscharfen Zielgruppe. Ausgerechnet den Hardcore-Fans macht man eher Angst mit der Titelsänderung. Die Nebenbei-Sci-Fi-Fans laufen Gefahr, den Film einfach zu übersehen. Noch dazu bleiben dem Film gerade einmal realistisch gesehen zwei Power-Wochen, um an der Kasse sein vermutlich dreistelliges Millionen-Budget wieder einzuspielen – denn dann läuft bereits „Die Tribute von Panem“ an, ein Film der auf eine starke Fanbasis bereits zählen kann, besonders bei einem kinofreudigen jugendlichen Publikum.

Die Marketing-Abteilung muss also Panik schieben. Was macht man also als letzte Maßnahme? Man setzt eine Deadline, bevor der keiner etwas zu den Pressevorführungen sagen darf  (2. März sagt laut Wortvogel).

Wie kann man also dies noch verschlimmbessern, Disney?

Richtig, man macht auf Facebook Werbung:

(Zur Aufklärung: Die Figur John Carter wird nicht vom Schauspieler Wolverine aus „X-Men“ dargestellt. Noch nicht einmal von dem Schauspieler der Titelfigur „Wolverine“ aus „X-Men Origins: Wolverine“ (das wäre Hugh Jackman). Nein, die Figur wird dargestellt von Taylor Kitsch, der in „X-Men Origins: Wolverine“ die Figur des „Remy LeBeau“ (aka „Gambit“) an der Seite von der Figur „Wolverine“ gespielt hat. Immerhin hat Lynn Collins wirklich in der Serie „True Blood“ gespielt – eine Nebenrolle in immerhin fünf Folgen der Serie.)

Ach. Wer erklärt mir noch mal das Prinzip der Selbsterfüllenden Prophezeiung?

Ein Gedanke zu „Disney sollte es eigentlich besser können“

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