„Spirit of the Laundry“-Testlauf

Karsten hatte mich eingeladen, an einem Testlauf für seine „Laundry Files“-Konversion auf FATE-Regeln teilzunehmen. Neben der Tatsache, dass ich Karsten (und die anderen Spieler) bisher nur virtuell kannte (was mich aber nicht abhielt – immerhin habe ich Jens und Sandra auch einst über Twitter kennengelernt), war ich vor allem darauf gespannt, wie diese wirklich großartige humorvolle Reihe sich mit FATE anfühlen würde.

Das Setting

Die „Laundry Files“-Reihe ist eine bisher dreiteilige (zzgl. ein paar Kurzgeschichten) Urban-Horror-Roman-Serie von Charles Stross. Ihr erster Teil (inkl. einer Kurzgeschichte) wurde sogar ins Deutsche übertragen, ist aber seit Jahren außer Druck. In ihr wurde eine geheime Behörde, die sogenannte „Wäscherei“, mit der Aufgabe ins Leben gerufen, das britische Empire gegen dämonische und sonstige Kreaturen aus anderen, unbegreiflichen Dimensionen zu schützen. Das Besondere: Magie wird in diesem Setting via höherer Mathematik gewirkt, je abstrakter, desto eher stolpert man über einen Zugriff zu anderen Dimensionen (und halt Magie). Entsprechend sind es hier vor allem die besonders abgedrehten Geeks und Nerds, die magisch begabt sind, und die Wäscherei bevölkern – die Bücher sind entsprechend vollgespickt mit Popkulturreferenzen und anderen nerdigen Kram. Der zweite Kniff: die Wäscherei ist halt eine Behörde – und so kämpft man zum einen darum, die Welt zu retten, zum anderen darum, möglichst seinen Etat nicht zu überziehen und weiteren bürokratischen Anforderungen Herr zu werden.

Es gibt bereits von 2010 eine veröffentlichte Rollenspiel-Umsetzung, allerdings für die „Basic Roleplaying“-Regeln (das sind die Regeln, die auch die „Cthulhu“-Reihe antreiben) vom britischen Verlag Cubicle 7.

Die Umsetzung

Karsten hat die deutschen Free-FATE-Regeln zugrunde gelegt, einige Skills gestrichen und vier neue („Bürokratie“, „Computer“, „Rang/Status“ sowie „Zaubern“) geschaffen. Dazu kam ein neuer Stress-Track: „Bürokratie“. Dieser spiegelt vor allem den Wahnsinn der behördlichen Arbeit wider. Darüberhinaus hat er noch als optionale Regel via Patzer beim Zaubern Spielleiterwillkür offiziell zugelassen und sich vor allem Gadget-Regeln ausgedacht, mit denen es möglich ist, sich über Retcon-Operationen coole Gadgets on the fly zu beschaffen. Über Stunts ordnete er ebenfalls Zugang zu Magie und/oder Waffen.

Die Charaktere

Wir hatten aufgrund mangelnder Absprache unter uns Spielern letztlich kaum zaubernde oder wirklich geekige Charaktere – und waren dadurch eher untypisch für eine Laundry-Einsatztruppe. Stattdessen waren wir allesamt ziemlich snobistische Briten. Lediglich ein Charakter konnte zaubern – allerdings tat er dies nicht „traditionell“ mit Handheld-Computern, sondern er zauberte über Feng-Shui – er baute also regelmäßig die Inneneinrichtung um und löste so Abwehrzauber, etc. aus. Die beiden anderen Charaktere konnten aber wenigstens kämpfen.

Das Abenteuer

Hier nutzte Karsten ein vorgefertigtes Abenteuer aus dem Band „Black Bag Jobs“ (von Cubicle 7), dass er entsprechend konvertiert hatte. Ich möchte hier daher nicht spoilern – es spiegelte aber sehr gut die Stimmung der Romane wieder. Wir haben es auch überraschenderweise alle (wenn auch knapp) überlebt – am Schluss half dann ein Zauberstab. Genauer genommen ein ordentlich geboosteter Pürierstab, was irgendwie bei einem mutierten Frosch auch wieder passend war …

Wie fühlten sich die Regeln an?

Ja, schon wieder eine FATE-Fanboy-Lobhudelei: FATE ist klasse und auch für die „Laundry Files“ flexibel belastbar. Die wenigen Stellschrauben, die Karsten hier berührt hat, passten ausgesprochen gut und übertrugen das Feeling der Romane (oder besser gesagt für mich des des ersten Romans, die anderen beiden liegen seit Jahren auf meinem Lesestapel). Der zusätzliche Stresstrack ist sehr hilfreich – notfalls nimmt man halt etwas mehr Stress auf diesem um noch ein letztes, rettendes Ass aus dem Ärmel zu schütteln – die Konsequenzen wird man nachher aussitzen müssen.

Leider hat unsere Charakterwahl das Magiesystem nicht wirklich ausgetestet, dazu kann ich also wenig sagen. Die Gadget-Regeln gefallen mir jedoch schon einmal sehr – und sie machen den Bürokratie-Track erst wirklich wertvoll. Was mir nicht gefällt, ist die begriffliche Doppelung „Bürokratie“ als Track und als Fertigkeit – mein Vorschlag, die Fertigkeit in „Delegieren“ umzubenennen wurde allerdings zurecht als zu gering umfassend bewertet. Ein Griff in den Thesaurus habe ich natürlich erst jetzt gemacht: vielleicht wäre etwas wie „Verwaltungswesen“ oder notfalls halt das Fremdwort „Administration“ da eine Option?

Ansonsten scheinen mir noch die Stunt-Optionen etwas einengend. Karsten schlägt vor, dass sämtliche Magie-Arten und Waffengattungen jeweils einen eigenen Stunt (in Form einen Kurses wie „Sicherer Umgang mit Kurzwaffen für Fortgeschrittene“) benötigen. Davon gibt es aber nur maximal vier am Anfang. Bei den Waffen wird es schon teilweise kompliziert – es kam zwar nicht zu einem „Du kannst jetzt hier keine Handgranaten bekommen, weil Du den Stunt nicht hast“, aber es schränkt schon ein. Dies wird bei den unterschiedlichen Arten von Magie noch komplexer – Karsten hat bisher acht davon zusammengestellt. Diese Menge kann keiner sinnvoll mit vier Stunts abdecken. Und eigentlich möchte man ja auch noch ein-zwei normale Stunts haben.

Was vielleicht auch noch fehlt, ist ein allgemeiner Stunt, den jeder Laundry-Agent automatisch hat (also eine Art „Must“ wie beim „Dresden Files RPG“). Damit könnte man auch die „automatische“ Ausrüstung wie diese „Magic-Paper“ abdecken, mit denen praktisch jeder kleinere Geas nahezu automatisch wirken kann (die brauchen vielleicht auch noch konkretere Regeln, ansonsten haut man sie wirklich en masse heraus). Vielleicht kann man da auch noch ein paar weitere „simple“ Sachen reinpacken, wie einen simplen Handfeuerwaffen-Kurs, den eigentlich jeder Agent abgedeckt  haben sollte.

Letztlich hatten wir coole Aktionen, vor allem durch die ganzen Springbrunnen-Deko-Objekt-Verschiebe-Magiewirk-Aktionen. Und natürlich auch durch die Retcon-Gadgets!

Ich geh dann jetzt mal die restlichen Büroklammern sortieren …

3 Gedanken zu „„Spirit of the Laundry“-Testlauf“

  1. Wie war denn die Stimmung – kam Horror auf, oder war es eher launig-satirisch wie viele Abschnitte der Bücher? Das begeistert mich ja so an Stross: Er unterhält glänzend mit Humor, schafft dann aber (jedenfalls in den Short Stories und den ersten beiden Romanen) rechtzeitig den Absprung auf Horror und Spannung.

    btw: Im faterpg-Blog kann man keine Kommentare hinterlassen, ich habe keinen Tanelorn-Account, wollte aber darauf hinweisen, dass auf der faterpg-Seite der Link zu Pimpf! als Kurzgeschichte fehlt: http://baencd.thefifthimperium.com/13-TheBestofJimBaensUniverseCD/TheBestofJimBaensUniverseCD/Vol%201%20Num%201/1932093001___4.htm

  2. Wie gesagt, die Stimmung entsprach nach meinem Gefühl schon sehr den Geschichten – mit dem (selbst gewählten) Abstrich, dass wir etwas zu wenig nerdig waren. Sicher, wir haben es nicht bierernst genommen, aber es gab genügend Horror-Szenen, ausweglose Situationen aber gleichzeitig ironische Nebengeschichten.

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