Es gibt doch noch Hoffnung: „Man of Steel“

Superman auf der Suche nach sich selbst

Wir starten auf Krypton. Viele Szenen erinnern an Marlon Brandos Jor-El, der seinen Sohn mit einem Raumschiff von einen sterbenden Planeten ins Exil auf einen kleinen Planeten um eine gelbe Sonne aussendet, während er selbst zurückbleiben muss. Doch während der Prolog in „Superman“ von 1978 recht schnell vorbei war, bleiben wir hier ein gutes Stück mit der Handlung bei Jor-El () auf eben diesen anderen Planeten, der diesmal wirklich fremdartig wirkt und bei dem nicht kreisende aneinandergeklebte Hula-Hoop-Reifen das innovativste darstellen müssen.

Auf der Erde setzten wir erst 33 Jahre später wieder ein. Clark () ist mittlerweile auf der Suche nach seinen Ursprüngen und zieht rastlos um die Erde. Schließlich findet er einen Hinweis auf seine Herkunft, doch dies zieht die Aufmerksamkeit von General Zod () auf die Erde, einer der letzten Überlebenden Kryptons, der nun der Erde ein Ultimatum stellt, dass sie ihm Clark ausliefern sollen.

Große und mickrige Fußspuren zugleich

Henry Cavill ist endlich ein Superman mit ausreichend Muskeln für die Rolle („Man of Steel“, Warner Bros. Pictures and Legendary Pictures, Warner Bros. Pictures release.)
Henry Cavill ist endlich ein Superman mit ausreichend Muskeln für die Rolle („Man of Steel“, Warner Bros. Pictures and Legendary Pictures, Warner Bros. Pictures release.)

1978 glaubten wir das erste Mal, dass ein Mensch fliegen kann. Christopher Reeve spielte den Mann aus Stahl in vier Filmen, von denen die letzten beiden leider Schandflecke in seiner Karriere sind und von den Produzenten mit dem Versuch den Film kindgerechter zu machen, ihn leider nur lächerlich machten. 2006 war es dann Bryan Singer, der mit Brandon Routh einen neuen Superman-Versuch auf der großen Leinwand wagte, und sich leider größtenteils nur in einer großen Hommage an die Richard Donner-Originalfilme der späten Siebziger verlor und Supes von einem weit charismatischeren Darsteller, namentlich Kevin Spacey, an die Wand spielen ließ.

Andere Versuche von Warner Bros. seine Lizenz für die DC Comics auszunutzen scheiterten meist an dem Unverständnis der Materie. Irgendwie schienen die Drehbuchautoren es sich entweder mit den Comicfans oder mit dem Publikum zu verscherzen. Oder mit beidem wie „Green Lantern“ deprimierenderweise  bewies. Lediglich die neuen Batman-Filme, „Batman Begins“, „The Dark Knight“ und „The Dark Knight Rises“ blieben Ausnahmen. Dabei war es Marvel unterdessen gelungen, gleich mehrere seiner Franchises zu gut laufenden Kinomehrteilern aufzubauen.

Was eine gute Superman-Geschichte ausmacht

Es brauchte dann den Regisseur der neuen Batman-Trilogie als Produzenten und den Regisseur der DC-Graphic-Novel-Verfilmung „Watchmen“ () als Regisseur um gemeinsam das Rezept festzulegen, wie man den Superhelden schlechthin wieder auf die Leinwand bringen konnte. Ein kompletter Neustart, der viele Details der Geschichte komplett neu interpretiert, gleichzeitig aber die wichtigen Aspekte, die eine Superman-Story ausmachen beachtet.

Dieser Film badet nicht nur in gelungener (und nur in wenigen Punkten etwas überzogener) Action, sondern bietet uns auch Antworten auf die essentielle Frage: wie jemand zu einem Helden wird. Und dies längst nicht nur beim zentralen Protagonisten, der nahezu unverwundbar gleich durch mehrere Häuserblöcke geprügelt wird, sondern auch bei den Nebenfiguren. Das Militär ist hier eben nicht nur ein nerviger Gegenspieler, sondern reagiert plausibel und an den richtigen Punkten strategisch. Lois Lane () und selbst Perry White () haben mehr zu bieten als nur in Gefahr zu geraten. Das zentrale Motto des Filmes ist gleichzeitig das, wofür das markante Logo von Superman retconned wurde: „Hoffnung“.

„Superman Begins“

Der Film zeigt eine neue Origin-Story von Superman. Dennoch vermeidet er, zu lange in der Geschichte von dem jungen Clark Kent auf der Erde zu verbringen, sondern erläutert plausibel in wenigen Rückblenden, warum der Hauptcharakter gerade jetzt so agiert. Was und wer ihn geprägt hat. Und so setzt sich aus vielen Mosaiksteinen die Persönlichkeit zusammen, die dann in einer Szene auf dem Punkt gebracht wird:

Szene aus „Man of Steel“, in der Jonathan Kent mit seinem Adoptivsohn über Verwundbarkeit spricht. (Warner Bros. Pictures and Legendary Pictures, Warner Bros. Pictures release.)
Szene aus „Man of Steel“, in der Jonathan Kent mit seinem Adoptivsohn über Verwundbarkeit spricht. (Warner Bros. Pictures and Legendary Pictures, Warner Bros. Pictures release.)

Als Papa Kent () dem gerade von anderen Kindern gemobbten Clark () fragt: „Bist Du verletzt worden?“ entgegnet dieser: „Du weißt, dass sie das nicht können.“ und spielt damit auf seine körperliche Unverwundbarkeit an. „Das meine ich nicht“, entgegnet Jonathan Kent und macht damit klar, dass es nicht nur den Körper gibt, der verletzt werden kann.

Auch wenn es paradox klingt: Was Superman schon immer ausmachte, ist seine Verletzbarkeit. Und wenn ein Film dies nicht durch seine (sonst viel zu über-benutzte) Archillesferse Kryptonit schafft darzustellen, ist die halbe Miete schon drin.

Sicher, im Prinzip ist der Film sicher auch ein Remake von dem besten Superman-Film bisher: „Superman II“. Aber er macht soviel richtig, wo andere Filme versagt haben. Er bringt die Action mit, die man erwartet. Eine Lois Lane, die mehr ist als ein anschmachtendes Anhängsel mit Schreibschwäche. Ein Bösewicht mit einer Motivation, die mehr als nur Rache ist. Und einen Hauptdarsteller, dessen schiere Körpermasse endlich zu dem Charakter passen lässt. Auch wenn 3D abermals absolut unnötig ist: Ein perfektes Sommerkino-Erlebnis und einer der besten Superhelden-Filme überhaupt.

Men of Steel, USA 2013

Regie: 

Darsteller: 

Soundtrack: Nahezu perfekter, leicht meditativer, Score von Hans Zimmer, der noch lange in Erinnerung bleiben wird und zwar John Williams’ Superman-Thema vermissen lässt, dafür aber die Eigenständigkeit des Filmes weiter unterstreicht. Der im Trailer verwendete Track heißt passenderweise: „What Are You Going To Do When You Are Not Saving The World“.

★★★★★

Nachsatz: Erste Ergebnisse aus den USA

Wir starten mit dem Film aus irgendwelchen Gründen erst eine Woche später als die USA (also genau umgekehrt als der letzte Star Trek-Film, der bei uns eine Woche früher startete). Daher gibt es schon die ersten Einspielprognosen, und die sehen großartig aus. „Man of Steel“ hat einen neuen Box-Office-Rekord für ein Startwochenende im Juni aufgestellt und damit den bisherigen Rekordhalter, „Toy Story 3“, vom Thron geworfen. Allerdings blieb er hinter dem Einspielergebnis von „Iron Man 3“, der letzten Monat gestartet war, etwas zurück. 128,6 Millionen US-Dollar hat der Film, laut Box Office Mojo, in seinen ersten fünf Spieltagen dort eingespielt.

Erstaunlicherweise ist der Film bei Kritikern in den USA durchgefallen. Rotten Tomatoes gibt ihm derzeit nur 56 %, was einen gegenüber den 75 %, den dort „Superman Returns“ zugebilligt wird, kopfschüttelnd zurücklässt. Offenbar wird diese Einschätzung aber nicht von Fans getragen und auch die Analystin Grae Drake von Rotten Tomatoes zeigte sich sehr überrascht.

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