Top-10 der TV-Serien-Saison 2013

Top-10-Listen gehen ja immer und bringen tolle Klickzahlen im Blog. Wie gut, dass dieses hier nicht werbefinanziert ist, also ist diese Top-10-Liste nicht auf Klickzahlen, sondern auf meinen persönlichen Geschmack fixiert (das ist besser, oder?). Wie immer versuche ich dabei, Spoiler größtenteils zu vermeiden.

Also: Hier nun meine Top-10-Liste der Besten TV-Serien-Staffeln dieser Fernsehsaison:

Platz 1: „Breaking Bad“

Keine Frage, keine andere Serie vermochte es, durchweg ein solch hohes Niveau zu halten und auch zum Finale dies durchzuziehen. Auch wenn ich, wie viele andere, das Finale eigentlich bei der vorvorletzten Folge sehe – die ja abermals von Regie-Genie Rian Johnson inszeniert wurde –, brachten auch die beiden letzten Folgen noch einen gelungenen Epilog mit sich. Der war zwar eigentlich nicht nötig, dafür aber blieb uns ein so radikales Ende wie beispielsweise bei den Sopranos erspart.

Letztlich: „Breaking Bad“ war eine Ausnahmeserie. Ihr Finale nochmal. Nur auf die DVD-Verwerter, die die fünfte Staffel nun auch splitteten (in „fünfte Staffel“ und „finale Staffel“) und nun doppelt Reibach damit machen, nerven natürlich.

Deutsche Ausstrahlung: Im Pay-TV lief sie bereits, derzeit läuft auf Arte die erste Hälfte der fünften Staffel.

Platz 2: „Game of Thrones“

Hatte bereits die erste Staffel mich in den Bann gezogen und überzeugt, die Bücher unbedingt lesen zu müssen, hatten mich letztere dann irgendwann entnervt diese wieder zur Seite legen lassen (oder besser: sie verschwanden bald jenseits von Seite 4 der Übersicht meines E-Book-Readers). Zu mühselig war mir die Erzählstruktur, zu ausführlich die Beschreibung der Essensgelage, zu komplex die schiere Anzahl der Charaktere.

So war ich auf die Ereignisse in Staffel 3 völlig unvorbereitet und auch das Internet hat mich nicht spoilern können (danke dafür), wohl aber ein paar Freunde (danke dafür nicht) – aber immerhin nicht mit dem wohl dramatischsten WTF-Moment, den ich dieses Jahr in einer TV-Serie erleben durfte. Dabei hatte sie bis dahin schon einige solcher Momente aufgewiesen.

Ich fürchte mich jetzt schon vor der vorletzen Folge der vierten Staffel.

Deutsche Ausstrahlung: Im Pay-TV lief sie bereits, RTL 2 zeigte die ersten beiden Staffeln bereits in Binge-Watching-Programmierungen am Wochenende, was hier auch wieder zu erwarten ist, vermutlich irgendwann im Frühjahr 2014.

Platz 3: „Broadchurch“

Seit „Doctor Who“ bin ich ein Fan von David Tennant, der mich auch in „Single Father“ bereits von seinem Talent für Drama außerhalb dieser einen ikonischen Rolle überzeugen konnte (Matt Smith muss das erst noch). Als ITV dieses Jahr eine Krimiserie mit ihm als Ermittler brachte, war ich aber dennoch erstmal skeptisch, zu abgenudelt das Genre.

Dann überraschte mich aber eine Serie mit einer ganz anderen Inszenierung, die weit weniger auf den Fall, sondern viel mehr auf das Trauma sich fokussierte, dass ein Kindermord mit einer kleinen Küstengemeinde anstellte. Heimsuchende Bilder mit fantastischer Musik von Ólafur Arnalds, durchweg herausragende schauspielerische Leistungen.

Aber dann der Moment, dass es eine zweite Staffel geben soll (warum?) und ein US-Remake (warum???) mit David Tennant (WARUM???). Dennoch bleibt zumindest die Original-Staffel Must-See-TV.

Deutsche Ausstrahlung: ProSiebenSat.1 hat die Rechte erworben, bisher ist aber weder genauer Sender noch Sendeplatz bekannt.

Platz 4: „The Returned“ („Les Revenants“)

Mit dem Finale von „Lost“ ist der Sucker für große Mysterys in mir kaum noch richtig bedient worden. Dies hat „Les Revenants“, deutscher Titel: „The Returned“, dann geschafft, eine französische Serie, die es immer noch nicht in das deutsche Fernsehen, wohl aber ins deutsche On-Demand geschafft hat. Sie spielt großzügig mit dem Untoten-Genre und fokussiert sich im Gegensatz zum Zombie-Slasher „The Walking Dead“, das mich auch dieses Jahr größtenteils unzufrieden zurückließ, weit mehr auf die philosophischen Fragen, die eine Wiederkehr von Verstorbenen auslöst. Dazu das einklemmende Setting einer Bergstatt mit unendlich lange hinaufschlängelnden Straßen, die nirgendwo hinzuführen scheinen, und abermals ein Score weit abseits des Serien-Allerleis, diesmal von der schottischen Band Mogwai.

Kurz: Ich habe wieder ein „Twin Peaks“, das zwar derzeit schon wieder mehr Fragen aufwirft, als es beantwortet, aber das mich einfach durch faszinierende Charaktere, Bilder, Musik wie auch Mysterien in den Bann ziehen vermochte.

Deutsche Ausstrahlung: Derzeit exklusiv bei dem Streaming-Dienst Watchever zu sehen, die erste Episode sogar kostenlos.

Platz 5: „The Good Wife“

Huch, ein Legal-Drama? Ja, aus irgendeinen Grunde wurde dies für mich ein Guilty-Pleasure über die Jahre, das mich vor allem durch seine Charaktere bei der Stange gehalten hat. Die Fälle sind durchwachsen bis erträglich aber nebenbei wurden mehrere Erzählstränge etabliert und, wenn sie gezündet hatten, auch konsequent weiter ausgebaut.

So ist vermutlich auch der diesjährige Strang der fünften Staffel entstanden, bei dem sich mehrere Angestellte von der Kanzlei Lockhard-&-Gardner selbständig machten und ihrem alten Arbeitgeber die Klienten stehlen. Plötzlich wurden aus den alten Kollegen und Freunden erbitterte Gegner und die Serie dermaßen spannend und explosiv wie selten etwas.

Leider strauchelt die Serie in den USA mit den Quoten etwas, sie wäre aber die einzige Serie, um dies es mir wirklich leid tun würde derzeit.

Deutsche Ausstrahlung: Verschiedene Sender von der ProSiebenSat.1-Media AG haben die ersten Staffeln als „Good Wife“ gezeigt, der Sender Sixx wird ab Februar nach einiger Verzögerung erstmal die dritte Staffel zeigen.

Platz 6: „Doctor Who“

Wir bekamen 2013 erstmal nur eine halbe Staffel serviert, noch dazu eine, die teilweise enttäuschte, da selbst sonst brillante Schreiber wie Neil Gaiman nur bestenfalls mittelmäßige Drehbücher lieferten und der eigentliche Erzählstrang selbst unterwältigend blieb.

Bis dann im Finale der siebten Staffel plötzlich alles wieder durchaus interessant wurde und eine absolut brillante 50-Jahre-Special-Episode sogar hierzulande in den Kinos lief, die tatsächlich alle Wünsche des Fanherzens erfüllen vermochte und gleichzeitig in mir die Lust weckte, tatsächlich in den alten Episoden wieder zu wühlen.

Deutsche Ausstrahlung: Derzeit nur im Pay-TV bei Fox, dies dafür zeitgleich zur internationalen Ausstrahlung.

Platz 7: „Real Humans – Echte Menschen“ („Äkta människor“)

Abseits des anglophonen Serienbereichs hatte mich schon vor „The Returned“ (s.o.) eine andere fantastische Serie hinterrücks überfallen. Arte zeigte die schwedische Serie „Äkta människor“ unter dem deutschen Titel „Real Humans“ und damit gleichzeitig, wie man mit einem geringen Produktionsbudget eine faszinierende Science-Fiction-Serie realisieren kann.

„Real Humans“ geht um Roboter, hier Hubots genannt, und deren Einfluss in eine ansonsten unserer Welt so ähnlichen Gesellschaft. Versklaven wir diese? Halten wir sie uns nur als Sexbots oder verlieben wir uns gar in sie? Haben sie ein eigenes Bewusstsein, brauchen sie vielleicht sogar die gleichen Rechte wie wir Menschen? All das verpackt in eine packende Ensemble-Serie, auf deren zweite Staffel (läuft derzeit in Schweden) ich wirklich gespannt bin.

Deutsche Ausstrahlung: Lief auf Arte.

Platz 8: „New in Paradise“ („Bunheads“)

„Gilmore Girls“ war eine regelrechte Sucht-Serie, deren fantastische Dialoge und verspielten Charaktere die simple Struktur einer Soap weit überstieg. Schon mit der letzten Staffel merkte man aber, dass es wohl vor allem Showrunnerin Amy Sherman-Palladino zu verdanken war, dass jeder einzelne Dialog so brillant mit Popkulturreferenzen angereichert war.

Ihre neue Serie war „Bunheads“ und hatte all die richtigen, erprobten Zutaten: Eine verschlafene Stadt voller skuriller Nebencharaktere, eine dysfunktionale Mutter-Tochter-Beziehung und eben diese Dialoge. Das Setting war von einer familienfokussierten Serie zu einer Serie rund um ein Ballettstudio mutiert, was nebenbei viel Platz für Tanz brachte, der mir zwar nicht wirklich etwas brachte, aber immerhin mich auch nicht weiter störte.

Aber: Die Serie wurde nach einer zweigeteilten Staffel abgesetzt um Platz für mehr herkömmliche Teenie-Herzschmerz-Serien zu machen.

Deutsche Ausstrahlung: Der deutsche Disney Channel, der ab nächstem Jahr Free-TV sein wird, wird die Serie ab Januar unter dem deutschen Titel „New in Paradise“ ausstrahlen.

Platz 9: „Gravity Falls“

Dass Disney Zeichentrick-Serien kann, ist ja nichts Neues, aber meistens kommt da nur Stangenware heraus (von Ausnahmen wie „Kim Possible“ einmal abgesehen). „Gravity Falls“ hingegen war eine positive Überraschung, die genauso voller skurriler Ideen steckte als auch voller kluger Geschichten, die einst direkt zu einer „Akte X“-Folge mutiert hätten können, wenn man sie nicht rechtzeitig aus dem Gruselkeller herausgeholt hätte. Dazu genauso liebenswerte wie auch übertriebene Charaktere und eine gehörige Portion Meta-Ebenen, die man nicht immer gleich kapiert, aber dann umso mehr Spaß an ihnen hat.

Deutsche Ausstrahlung: Lief auf dem deutschen Disney-Channel, ob bei dem Wechsel ins Free-TV die Serie mitkommen wird, ist bisher noch nicht bekannt.

Platz 10: „The Escape Artist“

David Tennant hatte dieses Jahr einiges am Start, manches davon etwas weniger gut („The Politician’s Husband“), anderes mehr („Broadchurch“). Aber in dem dreiteiligen Thriller „The Escape Artist“ beeindruckte er wieder einmal mit zwei seiner stärksten Facetten: Die des verwundeten Familienmenschen und die des entschlossenen Strategen, der um jeden Preis gewinnen will und dies auch in der Regel schafft.

Ich lernte hier, dass es im britischen Rechtssystem nicht nur Anwälte mit komischen Perücken gibt, sondern sich diese auch noch in Solicitors und Barristers aufteilen. Und dass ich Toby Kebbell nicht nachts vor meinem Fenster sehen will, aber die Hand schütteln würde. Und dass ich nicht immer meinem Instinkt trauen soll, wie sich eine Geschichte weiterentwickelt – beziehungsweise, dass ich noch überrascht werden kann.

Deutsche Ausstrahlung: Bisher nicht bekannt.

Ehrenwerte Nennungen

Knapp nicht in die Liste haben es die letzten Staffeln von „The Almighty Johnsons“ und „Misfits“ geschafft. Beide Serien schafften es, ihre Erzählungen zufriedenstellend zu einem Abschluss zu bringen, danke. Auch schaffte es nicht die Abschlussfolge von „The IT Crowd“, die plötzlich nach all den Jahren auftauchte und nochmal all die bissige Comedy wieder zeigte, die wir vermisst haben. „Black Mirror“ lief auch wieder, war aber nicht ganz so herausragend wie die drei Episoden der ersten Staffel, dennoch sehenswert. Auch „In the Flesh“ hätte es knapp schaffen können, denn auch diese Zombie-Serie war besser als „The Walking Dead“ dieses Jahr. Und dann gab es ja noch das absolut verrückte „Utopia“, das mir allein aufgrund einer Folterszene immer noch den Magen umdreht aber bereits sehr verblasst ist in meiner Erinnerung.

Eigentlich ein sehr gelungener Jahrgang, bei dem mich am meisten freut, dass ich mir um kaum Serien wirklich Sorgen machen muss, lediglich um „Bunheads“ ist es schade.

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