Übersicht: Fernsehen in den USA

Der US-TV-Markt ist doch sehr anders strukturiert als der deutsche, weswegen die Unterscheidung von Network, Cable-Channel und Pay-TV-Channel für uns nicht immer leicht fällt. Ich versuche die größten Unterschiede einmal zu erklären.

Die fünf großen Networks

Auch in den USA wurde das Fernsehen viele Jahre lang nur terrestrisch ausgestrahlt, war also analog über Antennen zu empfangen – mittlerweile senden die dort aber auch nur noch digital. Terrestrisch gab und gibt es aber weit mehr Sender als bei uns. Dies sind allerdings fast ausschließlich regionale Sender.

Jedes County und jede Großstadt hat mehrere eigene Sender, die eigenes Programm herstellen, zum Beispiel Nachrichten, aber auch lokale Werbung ausstrahlen. Den Rest des Programms füllen sie aus zwei Quellen: Zum einen frei erwerbbare Programme, sogenannte „Syndication“, die größtenteils aus den Wiederholungen von alten Shows besteht, aber durchaus auch neue Programminhalte bieten kann. So war einst „Star Trek: Deep Space Nine“ eine Serie, die in Syndication lief. Wann die Syndication-Sendungen laufen, bleibt den Sendern überlassen, so dass man als Star Trek-Fan genau gucken musste, wann die Sendung in der eigenen Stadt lief.

Die Hauptquelle ist aber ein „Network“, mit dem ein Sender einen Vertrag für seine Region abgeschlossen hat und so zu dessen „Affiliate“ dort wurde. Die fünf größten Networks in den USA derzeit sind NBC, CBS, ABC, FOX und The CW (es gibt noch ein paar weitere, aber die spielen weit geringere Rollen, darunter das nicht-kommerzielle Bildung-Network PBS). Diese Networks produzieren Programminhalte, die Affiliates spielen sie zu festgelegten Zeitpunkten. Unter anderen senden sie zur Primetime Sonntag bis Freitag abends alle das selbe Programmfenster von 20:00–22:00 Uhr, teilweise auch bis 23:00 Uhr. Darüberhinaus gibt es weitere Fenster, beispielsweise für die Late-Night-Shows.

Zeitzonen in den USA (vereinfacht)
Zeitzonen in den USA (vereinfachte Darstellung)

Dabei gibt es aber ein Problem: Die unterschiedlichen Zeitzonen der USA. Auf dem Hauptland gibt es davon gleich vier (von Osten nach Westen oder „früher“ nach „später“): „Eastern“, „Central“, „Mountain“ und „Pacific“. Die Networks senden daher meist zwei Feeds, einen für die Ostküste und Zentral-USA und drei Stunden später einen für die Pazifikküste. Dies bedeutet, dass eine Show um 20:00 Uhr in „Central“ bereits um 19:00 Uhr ausgestrahlt wird, weswegen sie meist mit „8/7c“ angekündigt wird. Der Bereich „Mountain“ kann einen eigenen Feed bekommen, muss es aber nicht, bisweilen wird er einfach dem „Pacific-Feed“ angeschlossen. Dazu kommt, dass es eine große Menge Abweichungen von diesen vier Zeitzonen gibt, beispielsweise durch unterschiedliche Verfahren zur Sommerzeit bedingt. Übersichtlich ist das nicht wirklich.

Dies ist vor allen bei Livesendungen eine große Herausforderung. Manche Livesendungen werden zeitversetzt gezeigt (beispielsweise das Frühstücksfernsehen), andere werden sogar mehrfach neu aufgezeichnet, wie die beiden legendären Folgen von „30 Rock“, die drei Stunden zeitversetzt zweimal vor Publikum aufgeführt wurden und als kleine Schmankerl kleine Änderungen für Fans bereithielten.

Diese Networks unterliegen den größten Beschränkungen aller Sender in den USA, werden sehr streng durch die Regulierungsbehörde FCC kontrolliert. Gerade für den europäischen Geschmack ist das sehr prüde, es dürfen keine Brüste gezeigt werden, oder eines der berühmt-berüchtigten Vierbuchstaben-Schimpfwörter benutzt werden.

Assoziationen US-TV-Networks/Filmstudios
Assoziationen US-TV-Networks/Filmstudios (vereinfacht)

Darüberhinaus ist streng kartellrechtlich geregelt, dass die Affiliates zu großen Teilen eigenständig bleiben müssen, also nur ein bestimmter kleiner Anteil von den Networks selbst besitzt werden darf. Hinter den Networks stehen nämlich mittlerweile die Besitzer der großen Hollywood-Studios. ABC gehört zum Disney-Konzern, CBS gehört ebenso wie Paramount zur CBS Corporation, FOX gehört zu 21st Century Fox, der auch das nahezu gleichnamige Filmstudio 20th Century Fox gehört, NBC gehört NBCUniversal/Comcast, der Mutter von Universal, und The CW gehört zur Hälfte jeweils CBS Corporation und Time Warner, die wiederum die Warner Bros. Studios besitzen.

Diese enge Verpflechtung zwischen Medienhäuser und Networks hat sich allerdings erst in den letzten Jahren ergeben. Traditionell kämpfen immer noch alle Medienhäuser bei allen Networks um Plätze für ihre Shows, so dass beispielsweise durchaus eine Comedyshow wie „How I Met Your Mother“ von der Produktionsfirma 20th Century Fox Television (nicht zu verwechseln mit Fox Broadcasting Company, die das Network FOX betreibt) für CBS produziert werden kann. Zunehmend produzieren aber immer mehr eigene Produktionsfirmen für „ihre“ Sender, ABC hat beispielweise dazu die ABC Studios in den letzten Jahren ins Leben gerufen.

Basic Cable: Kabelfernsehen

Aber ein kleiner Schritt zurück, als die Networks noch unabhängiger von den großen Medienhäusern waren: Mit dem Aufkommen des Kabelfernsehens in den siebziger Jahren gab es für die Medienhäuser die Möglichkeit, eigene Kanäle zu etablieren, die sie nahezu vollständig kontrollieren konnten und im vollem Umfang auch von deren Einnahmen durch Werbung und Kabeleinspeisegebühren profitierten.

Zuerst waren die Kanäle vollgestopft mit preisgünstigen Wiederholungen von Network-Shows, aber bald wurden auch qualitative Sendungen selbst im Auftrag gegeben und gezeigt. Es gibt hunderte Kabelkanäle, mittlerweile auch alternativ direkt über Satellit oder IPTV zu empfangen. Sie alle aufzuzählen würde zu weit gehen, die unten stehende Grafik gibt aber etwas Überblick über einige Zusammengehörigkeiten zu den großen Filmstudios (Stand 2013, nicht komplett).

 

Assoziationen zwischen US-Cable-Channels und den großen Filmstudios
Assoziationen zwischen US-Cable-Channels und den großen Filmstudios (vereinfacht)

Im Kabel sind die Zügel etwas gelockert. Daher können auch mal (selten) Schimpfworte fallen und auch das Gewaltlevel ist hier etwas höher.

Premium Cable: Pay-TV

Das Bezahlfernsehen startete zunächst noch mit einzelnen Kanälen. Mittlerweile sind es jedoch alles Senderfamilien wurden, die gemeinsam vermarktet werden. Sie treten als Premiummarke an, weswegen ihre Shows deutlich dem Sender zugeordnet werden und in der Regel auch erst spät (wenn überhaupt) auf den Syndicationmarkt gegeben werden. Am bekanntesten ist wohl das 1972 gegründete HBO („Home Box Office“, Warner), dessen beiden großen Konkurrenten sind Showtime (CBS, seit 1976) und Starz (eigenständig, seit 1994).

Assoziationen US-Premium-Cable-Channels mit  Filmstudios
Assoziationen US-Premium-Cable-Channels mit Filmstudios

Die Pay-TV-Kanäle starteten als Film- und Eventkanäle, produzieren mittlerweile alle aber auch hochwertige eigene Serien und Shows und dürfen auf Jugendschutz nahezu komplett verzichten, weswegen hier auch Brüste und Schimpfwörter keine Problematik mehr darstellen – im Gegenteil: Gerade weil sie dies dürfen, gehen sie teilweise recht übertrieben damit um. Und: im US-Pay-TV senden natürlich auch spezielle Soft- und Hard-Core-Pornografie-Sender.

Die Zukunft: Video-on-Demand

Assoziation US-Internet-Video-on-Demand-Anbieter mit Filmstudios
Assoziation US-Internet-Video-on-Demand-Anbieter mit Filmstudios

Erst kürzlich wirklich relevant geworden auf dem Fernsehmarkt ist Netflix (eigenständig). Gestartet als DVD-Postverleih entwickelte er sich mit dem Ausbau des Breitbandinternets vor allem zu einem Anbieter von Video-on-Demand, der für eine geringe Pauschale eine gewaltige Bibliothek an Filmen und Serien bereitstellt. Mittlerweile produziert Netflix auch selbst Serien (wie „House of Cards“) und vertreibt diese exklusiv.

In dem gleichen Markt will sich der Platzhirsch des Internetshoppings etablieren: Amazon hat in den USA für seine Prime-Kunden ein eigenes Video-on-Demand-Angebot namens Amazon Instant Video, für dass er mittlerweile auch erste eigene Sendungen produziert. Die laufen hierzulande in übrigen bei dem Netflix-Klon Lovefilm, der mittlerweile wieder Amazon gehört.

Bereits länger auf dem Markt ist hulu, das ursprünglich als gemeinsame Mediathek von NBC, ABC, FOX und The CW gestartet ist (man bemerke, dass CBS fehlt), zunehmend aber auch ein Premiumangebot vorhält, dass bisher aber vorrangig aus Einkäufen in Großbritannien gespeist wird. Auch Google hat mit seiner Plattform YouTube mittlerweile professionellen Content am Start, der auch als Paid Content angeboten wird.

Fazit: Die Medienhäuser kontrollieren zunehmend das Fernsehen in den USA

Lange war nur FOX ein Ausreißer, als viertes großes Network war es in der Hand eines einzigen Medienkonzerns, mittlerweile sind aber alle großen Networks fest in den Händen eines der Hollywoodstudios, und auch auf dem Kabelmarkt gibt es nur noch wenige unabhängige und relevante Kanäle. Signifikante Ausnahmen sind eigentlich nur noch AMC, das in den letzten Jahren von einem Abspielkanal alter Spielfilmklassiker (AMC steht ursprünglich für „American Movie Classics“) sich zum Sender herausragender Serien-Eigenproduktionen wandelte („Mad Men“, „Breaking Bad“, „The Walking Dead“, etc.), BBC America, die den reichhaltigen Fundus ihrer britischen Mutter dort mit Werbung ausstrahlen und damit monetarisieren können aber mittlerweile auch selbst Programm herstellen (das dann wiederum in Großbritannien aufgekauft wird) sowie im Pay-TV-Bereich Starz, deren Serienproduktionen (unter anderen „Spartacus“, „Die Säulen der Erde“, Staffel 4 von „Torchwood“) sich aber im Vergleich noch etwas schwer tun.

Andererseits sind die Shows, welche die Networks und Cable-Channels der großen Medienhäuser mittlerweile produzieren, alles andere als schlecht und mit fünf privaten Medienfamilien ist die USA immer noch recht vielfältig aufgestellt. Und solange die Networks und Channels auch nicht nur aus dem eigenen Fundus einkaufen, bleibt auch eine große Vielfalt erhalten, von der wir hierzulande in der Zweit- und Drittverwertung auch profitieren.

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