Das Schottland-Votum im Rollenspiel

Was für ein loc na mhuice ist das bitte? Reale Politik im Rollenspiel?

Jein. Die Sache ist: Ich bin seit einigen Jahren Spielleiter in einer Urban-Fantasy-Runde („Tower Knights“), die zwar größtenteils in London spielt, aber in der die Helden das gesamte Commonwealth vor dem Übernatürlichen (und vor sich selbst) beschützen müssen. Derzeit gibt es in diesem vier geheime (aber den Spielercharakteren bekannte) Fraktionen, die an den vier Teilen Großbritanniens (England, Wales, Nordirland und eben Schottland) festgemacht sind und die sich durchaus untereinander auch opponieren. Und ich habe festgelegt, dass wir in unserer Realität spielen (oder einer dieser sehr nahestehenden), in der zwar Magie existiert, aber in der diese nur im Schatten, bla bla, den Rest könnt Ihr Euch zusammenreimen …

Derzeitige britische Flagge (CC0 Public Domain)
Derzeitige britische Flagge (CC0 Public Domain)

Das Problem mit Fantasy in der „realen“ Welt

Ich habe in der Runde immer mal wieder Bezug auf aktuelle Ereignisse genommen, meistens Popkulturelle (wir haben bspw. mal ein Night-of-the-Proms-Konzern verwüstet, oder Prinz Charles und Frau im Union-Kino am Leicester Square gerettet, oder in einer Mondfinsternisnacht zur Wintersonnenwende Stonehenge ritualisiert etc.). Die Spieler verlassen sich auch darauf, dass sie für alles andere, was nicht direkt für die Runde erfunden wurde, sich auf unsere Welt beziehen können, und das ist auch der Kreativität und der gemeinsamen Improvisation durchaus förderlich.

Nun weiß ich aber nicht, wie ich mit diesem Referendum morgen umgehen soll, oder genauer, mit dem Ausgang dieses.

Nehmen wir den Fall an, dass Schottland tatsächlich sich aus Großbritannien herauslöst. Dann sollte der Logik das auch in meiner Runde so passieren. Damit wäre aber ein Metaplot, den wir bereits seit Monaten mühsam aufgebaut haben, ziemlich torpediert und ich habe noch keine wirkliche Idee, wie ich das überhaupt einbauen könnte. Sicher, irgendetwas kann man immer improvisieren, aber …

Die Alternative: Ich ignoriere das Ganze und meister einfach so weiter, als hätte es das nicht gegeben in dieser Welt. Spricht natürlich erstmal nichts dagegen, aber irgendwie wäre damit auch das Gefüge durcheinander, gefällt mir auch nicht so richtig.

Abwarten und Haggis essen?

Dudelsackspieler vor dem London Eye (CC0 Public Domain)
Dudelsackspieler vor dem London Eye (CC0 Public Domain)

Natürlich kann ich hoffen, dass die Schotten morgen für einen Verbleib in Großbritannien stimmen (ich sage das jetzt bezogen auf meine Runde, das soll keine politische Aussage dazu sein). Damit wäre mein Problem elegant umschifft, vermutlich könnte ich das Ganze sogar mit einer Anekdote ins Spiel einfließen lassen. Aber als jemand, der gerne ein paar Schritte vorausplant um interessante Handlungsbögen zu schaffen, macht mir diese Ungewissheit derzeit durchaus etwas zu schaffen.

Wie sieht das bei Euch aus? Wurde bei Euch schon einmal eine Story von realen Ereignissen stark beeinflusst oder gar geändert?

2 Gedanken zu „Das Schottland-Votum im Rollenspiel“

  1. Na hoffentlich klappt der Kommentar diesmal:

    Ich hatte eigentlich vorhin nur geschrieben (nachdem ich den Blogpost in meinem Feed-Reader gefunden habe), dass im Radio ein kanadischer Tourist zitiert worden ist.

    Der sagte nämlich am Ende des Ergenisses, dass er glücklich darüber sei, dass die Verlierer-Partei nicht dazu übergegangen sei, Edinburgh einfach kurzerhand zu brandschatzen.

  2. Yay! Diesmal hatts geklappt. (Das ganze hatte ich übrigens nur geschrieben, weil es eventuell für dich eine kleine Anekdote ist, die du eventuell als ironischen Seitenhieb auf die ganze Geschichte – und dein Bedrängnis in dem Bereich – irgendwie eventuell aufgreifen könntest.) ^^

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