Doctor Who – der siebte Doctor ist endlich wieder zurück in Deutschland (2)

Nachdem es zum Deutschland-Start der DVDs der ersten Staffel des siebten Doctors nicht ganz gereicht hatte, alle vier Serials zu schauen, habe ich die letzten drei nun nachgeholt, und auch ein Großteil der Bonus-Features begutachtet.

Der Fluch des Kroagnon (4-teiliges Serial, im Original: „Paradise Towers“)

Der Doctor und der Chef  der Hausmeister. Foto: Pandavision/BBC Germany
Der Doctor und der Chef der Hausmeister. Foto: Pandavision/BBC Germany

Mel möchte eigentlich nur den luxuriösen Swimmingpool auf der Dachterasse des futuristischen Wohnkomplex’ „Paradise Towers“ genießen, als die TARDIS aber dort landet, ist von den Versprechungen der Werbevideos wenig zu merken. Die viele hundert Stockwerke große Anlage wird von unterschiedlichen Fraktionen belagert: Den in unterschiedlichen farben strukturierten Mädchen-Graffiti-Gangs „Kangs“, der Gruppe der „netten, alten Damen“ und den „Hausmeistern“, die mehr die Funktion von „Judge Dredd“-Polizisten einnehmen, während Roboter die Aufräum-Arbeiten in den vielen Korridoren erledigen.

Die Hausmeister nehmen den Doctor gefangen, da sie ihn fälschlicherweise für den Großen Architekt Kroagnon der Anlage halten, der nach all den Jahren zurückgekommen ist. Mel trifft unterdessen auf Kannibalinnen und einen feigen Rambo-Verschnitt namens Pex, der sie eigentlich retten will, aber halt feige ist.

★★★☆☆

– Der Darsteller des Chef-Hausmeisters war offenbar überzeugt, in einer schrecklichen Parodie von Kinderfernsehen aufzutreten, übertreibt maßlos und zieht die eigentlich nette Storyidee ziemlich runter. Das ist aber halt auch Doctor Who bisweilen: unglaublich albern.

Delta und die Bannermänner (3-teiliges Serial, im Original: „Delta and the Bannermen“)

Die letzte Überlebende Delta Foto: Pandavision/BBC Germany
Die letzte Überlebende Delta Foto: Pandavision/BBC Germany

Mel hat noch nicht genügend Urlaubstimmung im Paradise Towers gefunden und entschließt sich, einer intergalaktischen Zeitreise-Touristen-Gruppe anzuschließen, die als Ziel Disneyland im Jahre 1959 auf der Erde hat. Natürlich stilsicher getarnt in einem fliegenden Zeitreisebus geht es los, während der Doctor es vorzieht, mit seiner TARDIS hinterherzufliegen.

Unter den Passagieren hat sich allerdings auch die letzte Überlebende eines Genozids durch die Bannermänner gemischt, die sich auf der Flucht vor ihren Verfolgern befindet. Leider zwingt eine Kollision mit einem US-Satelliten (wer konnte denn ahnen, dass diese dummen Erdlinge jetzt schon Satelliten bauen?) zu einem Beinahe-Crash, den der Doctor gerade noch verhindern kann. Die Reparatur müssen sie aber nicht im Disneyland, sondern in Wales schaffen, wo die Touristen im Shangri-La Urlaubscamp solange Unterschlupf finden. Doch die Bannermänner sind bereits dicht hinter ihnen …

★★★★

– Klar, eine Doctor Who-Folge im Disneyland kann es realistischerweise nicht geben, solange Disney sich diese Lizenz nicht auch einverleibt hat, dennoch hätte ich das gerne gesehen. Die Folge ist aber dennoch sehr unterhaltsam, zeigt den Doctor beim Motorrad fahren und bringt, obwohl sie alles andere als makellos ist, durchaus einfach Spaß durch viele kleine Ideen und dem Produktionsdesign. 

Das Feuer des Drachen (3-teiliges Serial, im Original: „Dragonfire“)

Der intergalaktische Pirat Glitz (Tony Selby). Foto: Pandavision/BBC Germany
Der intergalaktische Pirat Glitz (Tony Selby). Foto: Pandavision/BBC Germany

Der Doctor und Mel landen in einen Supermarkt. Einen intergalaktischen Supermarkt namens Iceworld natürlich, der auf der dunklen Seite eines Planeten im ewigen Eis gebaut wurde. Dort treffen sie auf einen alten Bekannten: Sabalom Glitz, einen Weltraum-Piraten, der gerade große Geldsorgen durch ein Pokerspiel hat und dem der böse Kolonie-Boss Kane sein Schiff „Nosferatu“* wegzunehmen droht. Er hat aber einen typischen Piraten-Plan: Er will einen Schatz suchen, der hier irgendwo liegen soll, er hat sogar eine Schatzkarte mit Siegel.

* Nosferatu und Glitz zusammen animieren wirklich zu einen schrecklichen Popkultur-Witz, auf den ich hier natürlich verzichte …

Eine junge Kellnerin namens Ace (Sophie Aldred) wird auf die drei aufmerksam und schließt sich kurzerhand an, praktischerweise ist sie auch noch Sprengstoffexpertin. Was sie nicht wissen: Das Siegel in der Schatzkarte ist mit einem Peilsender ausgestattet, denn der unterkühlte Kane selbst will den Schatz auch haben und manipuliert Glitz gezielt in die entsprechende Richtung.

★★★★

– Die Folge gewinnt deutlich dadurch, dass hier die neue Companion Ace eingeführt wird und Mel sich entscheidet, eigene Wege zu gehen. Sylvester McCoy gibt dem Doctor wieder neue Facetten mit, er ist eigentlich der abenteuersuchende Junge, der einen Schatz suchen und einen Drachen sehen will, zeigt aber auch einen Doctor, dem der Abschied von Mel sichtlich schwer fällt, obwohl er nach außen die lustige Fassade bewahrt. Soviel aus einem eigentlich recht simplen Skript rauszuholen ist durchaus beeindruckend.

Die Begleiter (Companions)

Begegnung zweier Companions: Mel Bush (Bonnie Langford) und Ace (Sophie Aldred). Foto: Pandavision/BBC Germany
Begegnung zweier Companions: Mel Bush (Bonnie Langford) und Ace (Sophie Aldred). Foto: Pandavision/BBC Germany

Ja, ich bin mit Mel einfach nicht warm geworden, das ist kein Geheimnis. In einen der Extras auf der DVD wird auch gut auf dem Punkt getroffen, warum: Es gibt bei (Classic-) Doctor Who zwei Arten von Companions: Die, die schreien und die, die kämpfen. Mel war eine regelrechte Scream-Queen, die in allen vier Folgen kaum Profil gewann, eigentlich nur von einem Problem ins nächste schritt und eine Persönlichkeit aufwies, gegenüber der eine Scheibe Toastbrot weniger blaß aussieht (eine nicht-geröstete Scheibe).

Ace ist hingegen meiner Meinung nach einfach eine der beste Companions überhaupt und bereits auf den ersten Metern zeigt sie soviel mehr interessantes Profil und Hintergrundstory. Sie stammt zwar von der Erde, wurde aber von dort durch einen Zeitsturm weggerissen und heißt praktischerweise auch noch eigentlich Dorothy, konnte diesen Namen aber nie leiden, weswegen ihr ganz klar war, dass ihre Eltern gar nicht ihre wirklichen Eltern sein konnten. Sie ist nach außen ein punkiger und rebellischer Teenager, gleichzeitig aber auch Nerd und Geek und hat im Kunstunterricht Nitro explodieren lassen – um die Vergänglichkeit der Kunst zu demonstrieren natürlich. Solche Details kommen Schlag auf Schlag, gleichzeitig ist es Ace, die hier den Plot maßgeblich vorantreibt, die wichtigen Entscheidungen trifft, und und und.

Und: Sie hat auch noch coole Sprüche drauf: „Das ist kein echter Drache, der schießt mit Laserstrahlen!“ – „Wirklich? Ätzend!“ – „Ich fühl mich irgendwie so nackt, wenn ich nicht ein paar Flaschen Nitro-Neun dabei hab’!“. Schon in dieser ihrer ersten Folge beginnt sie auch den Doctor immer wieder „Professor“ zu nennen, warum auch immer.

Die Umsetzung als deutsche DVD-Box

Die erste Staffel des siebten Doctors, bzw. die 24. Staffel von Doctor Who insgesamt, jetzt auf DVD überall erhältlich, Bild: Pandavision/BBC Germany
Die erste Staffel des siebten Doctors, bzw. die 24. Staffel von Doctor Who insgesamt, jetzt auf DVD überall erhältlich, Bild: Pandavision/BBC Germany

Ich hatte es ja bereits schon geschrieben, die deutsche DVD-Box ist sehr gut und professionell umgesetzt und steht den UK-DVD in nichts nach, da alle mir bekannten Extras komplett erhalten sind und komplett untertitelt sind.

Mein Eindruck von der Box bleibt auch weiterhin äußerst positiv und ich sehe schon gespannt auf die weiteren Veröffentlichungen der weiteren zwei Staffeln des siebten Doctors entgegen.

Offenlegung: Ich habe die Box freundlicherweise bereits etwa eine Woche vor der Veröffentlichung als Rezensionsexemplar erhalten.