Lesezwinger-Kritik: „Ranks of Bronze“ von David Drake

Vor einigen Wochen habe ich an Sandra eine Lesezwinger-Aufgabe gestellt:

Ihre Lösung: „Ranks of Bronze“ von David Drake.

Sie gab zu, dass Sie dabei Hilfe von ihrem Ehemann Jens bekommen hat. Da ich mit beiden befreundet bin (wir produzieren gemeinsam seit einigen Jahren den Ausgespielt-Podcast), kannte ich Jens’ Faszination von Römern, insofern sollte ich über diese Antwort also nicht zu sehr überrascht sein.

Ich besorgte mir also das Buch als E-Book und legte los.

Römische Legionen im Weltraum

Die Regeln einer Gilde von Außerirdischen sehen vor, dass sie in Konflikten gegen weniger entwickelte Spezies nur Krieger auf dem selben Tech-Level einsetzen dürfen. Praktischerweise haben sie auf der Erde mehrere Legionen römischer Soldaten genau zu diesem Zweck gefunden, als Sklaven aufgekauft (sie waren offenbar bei einem fehlgeschlagenen Krieg übrig geblieben) und auf ihr Schiff entführt, die fortan für sie kämpfen dürfen.

Wir begleiten dabei als Protagonist den Werdegang Gaius Vibulenus, der von einen einfachen Soldaten zum Anführer seinen Weg nimmt, viele Kämpfe brillant entscheidet, noch mehr Kämpfe brillant entscheidet und schließlich die auf der Hand liegende Rebellion gegen seine außerirdischen Herrn anführt in der Hoffnung, auf die Erde zurückkehren zu können.

Schlachten und Schnetzeln

David Drake: „Ranks of Bronze“, Baen Books (2001)
David Drake: „Ranks of Bronze“, Baen Books (2001)

Wenn man gerne ausführliche Schlachten römischer Legionäre beschrieben bekommt, dann hat man sicher ein gutes Buch vor sich. Wer mehr auf Science Fiction hofft, kommt aber stark zu kurz, zwar gibt es ein paar wenige Elemente, die aber alle aus der Sicht der Legionäre beschrieben wird und deren Höhepunkte Holodeck-Simulationen sind, bei denen sie in andere Rolle schlüpfen können – und kämpfen dürfen.

Neben all dem Schlachten und Schnetzeln gibt das Buch nur wenig anderes. Irgendwann scheint dem Autoren eingefallen zu sein, dass man eventuell ja noch eine Beziehung einflechten kann, und lässt eine Außerirdische Prostituierte namens Quartilla auftauchen, die „auf die Bedürfnisse“ der Menschen zurechtgebaut wurde. Im Schummerlicht fälle das ja auch gar nicht mehr so auf. Und da es ja nur eine Prostituierte ist, kann man schnell wieder zum Schlachten und Schnetzeln übergehen.

Dazu kommt ein Schreibstil, der bei mir so gar keinen Gefallen fand. Der Autor fängt gerne die Beschreibung einer Szene an, um dann urplötzlich über ein Wort zu stolpern, dieses mit einer über mehrere Absätze ausgedehnten Anekdote aus dem alten Legionärsleben auf der Erde anzureichern und dann wieder die Szene weiter zu beschreiben. Vielleicht ist es die Konzentration, die mir dabei fehlte, aber ich musste mehrfach wieder zurückblättern, um den Faden wieder aufzunehmen.

Die Anekdoten und Beschreibungen des Heeresleben der Legionäre scheint mir, der sein Latinum aufgrund mangelhafter Büffelbereitschaft nicht erlangt hat, insgesamt durchaus plausibel zu sein, wobei ich mich schon fragte, warum ständig neben Castor und Pollux auch Herkules angerufen wurde, um eine Situation zu überleben – aber durch die ständige Wiederholung nahm ich das dann irgendwann hin. Die Beschreibungen der Formationen, der Disziplin und der Kameradschaft der Legionäre jedenfalls ist ebenso ausführlich wie die Beschreibung vom Schlachten und Schnetzeln.

Ein Kriterium der Lesezwinger-Herausforderung unerfüllt?

Lesezwinger Logo
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Auf die Herausforderung wurde binnen 24 Stunden, sogar bereits nach 50 Minuten eine Antwort gefunden. Von den Anforderungen an die Geschichte wurden zwei perfekt erfüllt: Es wurden Menschen von Aliens entführt (Römische Legionäre gelten als Menschen) und sie kämpften dann in einem Krieg (sogar mehrere).

Allerdings was ist mit dem „verbessert als Supersoldaten“? Die Außerirdischen haben natürlich großartige Technik, vor allem medizinische, mit denen sie auch ihre gefallenen Soldaten nach einem Konflikt binnen weniger Stunden wieder einsatzfähig machen. Und sie geben ihnen „Ewige Jugend“ als Gratisgeschenk – bzw. schützten sie damit ihre Investitionen. Qualifiziert dies als „verbesserte Supersoldaten“?

Für mich ist „Supersoldat“ als Trope vor allem durch „Captain America“ geprägt, also jemand der mehr oder weniger stark verbessert wurde gegenüber der restlichen Menschheit. Der „Harder, better, faster, stronger“ ist, also ein Superheld – oder meinetwegen auch Superschurke. All das sind die Soldaten hier nicht, auch wenn Drake manchmal ein paar Sachen andeutet, was sich aber auch auf einen Adrenalinausstoß zurückführen lassen kann. Eine „Ewige Jugend“ allein finde ich persönlich da nicht ausreichend, wobei unklar bleibt, ob dies nicht auch nur aufgrund der regelmäßigen medizinischen Versorgung quasi miterfolgt – es wird nur gesagt, dass dies „Geschenk“ ein sehr teures sei.

Nicht so mein Pilum

Das Buch jedenfalls hat mich sehr enttäuscht. Es ist letztlich eine Aneinanderreihung von Schlachten, eigentlich erzählt es davon genau vier, eines pro ellenlangen Kapitel, und die einzige Entwicklung, die wir erleben ist die Militärkarriere von Vibulenus. Zwischenzeitlich wechselt mal der Besitzer und die Farbe der Energiebarrieren im Raumschiff, das war es auch. Mein Bedürfnis, die weiteren Bücher dieser Serie zu lesen, ist so jedenfalls nicht vorhanden.

★★☆☆☆

4 Gedanken zu „Lesezwinger-Kritik: „Ranks of Bronze“ von David Drake“

  1. Und das Beste ist: David Weber hat ein Buch geschrieben: Die Excalibur-Alternative: Da kommen die Außerirdischen einer anderen Gilde auf die Erde, um sich ebenfalls (?) römische Legionen zu besorgen, aber die gibt es nicht mehr. Also decken sie sich mit englischen Langbogenschützen und Rittern ein, denen dann genau das Gleiche widerfährt wie den Römern, von denen sie gerüchteweise hören. Auch sie erhalten ewige Jugend, nahezu Unsterblichkeit und unglaubliche Fruchtbarkeit (im Gegensatz zu früher). Im Gegensatz zu den Römern erkennen sie allerdings schnell, dass es alleine mit der Flucht nicht getan ist…

    http://www.amazon.de/Die-Excalibur-Alternative-David-Weber/dp/340423281X/

    Ich weiß jetzt nicht, ob David Weber und David Drake Freunde sind, zwei Pseudonyme des gleichen Autors oder ob sie sich einen Wettstreit geliefert haben – Die Excalibur-Alternative liest sich jedenfalls logisch, gut geschrieben, verliert sich nicht allzu sehr in technischen oder taktischen Details und bietet – für einen Military-Fan wie mich – jede Seite Lesespaß.

    Ja, es ist definitiv das gleiche Universum

    1. Wikipedia verrät, dass es zwei unterschiedliche Personen sind (uff), Weber aber tatsächlich in genau dem Universum von Drake sein von Dir genanntes Buch angesiedelt hat.

      Drake hat seinerseits übrigens auch eine Kurzgeschichte im Honorverse veröffentlicht.

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