Alice im Schauderland – Kritik: „Crimson Peak“

Auf der Suche nach einen Geldgeber für eine Tonförderungsanlage für ihr Anwesen wenden sich Thomas Sharpe (Tom Hiddlestone, „Only Lovers Left Alive“, „Thor“) und seine Schwester Lucille (Jessica Chastain, „Interstellar“) an einen Investor in den fernen USA. Doch Carter Cushing (Jim Beaver, „Deadwood“) vermutet einen Betrug und lässt das Paar abblitzen. Carters Tochter Edith (Mia Waskikowska, „Alice im Wunderland“) entwickelt aber ein romantisches Interesse an Thomas, der als Einziger sich für ihre Gespenstergeschichten begeistert.

Sir Thomas Sharpe (Tom Hiddleston) wirbt um Edith Cushing (Mia Wasikowska) mit einem Walzer (Foto: Legendary Pictures/Kerry Hayes)
Sir Thomas Sharpe (Tom Hiddleston) wirbt um Edith Cushing (Mia Wasikowska) mit einem Walzer (Foto: Legendary Pictures/Kerry Hayes)

Als Carter bei einem tragischen Unfall umkommt, entschließt sich Edith kurzerhand, Thomas zu heiraten und diesen nach England auf dessen Anwesen zu folgen. Doch das ist bereits ziemlich zerfallen und scheint so eigene Gespenster zu beherbergen …

Ein Haus, das blutet

Jessica Chastain als Lady Lucille Sharpe lädt in das gotische Spukhaus (Foto: Legendary Pictures/Kerry Hayes)
Jessica Chastain als Lady Lucille Sharpe lädt in das gotische Spukhaus (Foto: Legendary Pictures/Kerry Hayes)

Guillermo del Toros Filme sind immer ein optisches Fest im Bereich Bühnenbild, Kostümen und Ausstattung. „Crimson Peak“ bildet da keine Ausnahme: Das riesige düstere Anwesen von Allerdale Hall, irgendwo im Nirgendwo gelegen, dessen einzige Darseinsberechtigung die rote Lehmgrube bildet über die es gebaut wurde. Und dieser blutrote Lehm färbt nicht nur die Wege, sondern sickert aus den Wänden des Gebäudes oder dringt von unten in den weißen Schnee vor und färbt ihn rot, bis man irgendwann nicht mehr unterscheiden kann, welches Rot vom Lehm oder vom Blut stammt. Jeder Raum in diesem Gebäude ist in allen Kleinigkeiten durchdacht und durchgestylt, sei es das Labor von Thomas, die Küche von Lucille, der käfigartige Fahrstuhl, oder die große Halle, in der durch die fehlende Decke erst Blätter, später der Schnee rieselt. Das Auge mag sich gar nicht sattsehen an all dieser wunderbaren Ausstattung, und das alles dank eines realen Sets, das fast sechs Monate zu bauen dauerte.

Hinter der Fassade steckt allerdings leider ein recht generischer Spuk, welcher zwar stimmungsvoll von den talentierten Hauptdarstellern inszeniert wird, aber nicht wirklich überraschen vermag. Die Geschichte kommt nicht wirklich in Gang, meandert lange zwischen Geistermythologie und einer mittelmäßigen Akte-X-Folge hin- und her. Ein paar mal mehr mal weniger gelungene Schockeffekte fügen leider auch nichts wesentliches der Handlung hinzu. Dennoch: Dafür dass das Spukhaus-Genre eigentlich recht stark verbraucht ist, gelingt del Toro eine zumindest optisch schöne Inszenierung, bleibt aber hinter dem von ihm selbst produzierten „Das Waisenhaus“ (2007) oder gar seinem „Pans Labyrinth“ (2006) stark zurück.

Plakat „Crimson Peak“ (Universal Pictures)
Plakat „Crimson Peak“ (Legendary Pictures/Universal Pictures)

„Crimson Peak“ („Crimson Peak“, USA 2015)

Regie: Guillermo del Toro

Drehbuch: Guillermo del Toro, Matthew Robbins

Darsteller: Mia Wasikowska, Jessica Chastain, Tom Hiddleston

Rollenspiel-Inspirationsfaktor: Eher mäßig.

★★★☆☆

„Crimson Peak“ läuft am 15. Oktober in unseren Lichtspielhäusern im Verleih von Universal Pictures an.