Malkovich, Hemsworth und Co. spielen eine Runde „Fiasco“ – Kritik: „Cut Bank“

Cut Bank, Montana. Ein verschlafenes Örtchen, in dem nur selten etwas wirklich wichtiges passiert. Doch dann filmt Dwayne (Liam Hemsworth, „Tribute von Panem“-Filme) seine Freundin Cassandra (Theresa Palmer, „Warm Bodies“) in einem Feld während der Postbeamter Georgie Wits (Bruce Dern, „Nebraska“) erschossen wird. Und ausgerechnet dieser Mord ist nun im Hintergrund des Videos zu sehen.

Ein Australier als All-American-Boy, der mit seinem Video vielleicht das große Los gezogen hat, endlich aus dem Kaff zu entkommen (Liam Hemsworth in „Cut Bank“, Foto: Koch Media))
Ein Australier als All-American-Boy, der mit seinem Video vielleicht das große Los gezogen hat, endlich aus dem Kaff zu entkommen (Liam Hemsworth in „Cut Bank“, Foto: Koch Media))

Sheriff Vogel (John Malkovich) scheint überfordert. Er hat sein Leben lang bisher nie einen Mordfall gehabt. Noch dazu einen Mordfall, bei dem die Leiche fehlt, denn der Postwagen wurde samt Wits’ Leiche vom Mörder mitgenommen.

Was zum einen bedeutet, dass die 10.000 $-Prämie, welche die Post auf Hinweise auf Verbrechen gegen ihre Angestellten ausgelobt hat, noch nicht an Dwayne ausgezahlt werden kann. Dwayne hatte diese aber eigentlich schon zur Flucht zusammen mit Cassandra aus dem Kaff (und vor Cassandras Vater Big Stan (Billy Bob Thornton)) fest eingeplant. Zum anderen bedeutet es aber auch, dass der Einsiedler Derby Milton (Michael Stuhlberg, „A Serious Man“), der ein wichtiges Paket aus eben dieser Lieferung erwartet, dies nicht erhält. Und eben dieser Milton ist bereit, alles für dieses Paket zu tun. Alles.

Amüsanter Kontrollverlust

„Fiasco“ ist ein kooperatives Pen-&-Paper-Rollenspiel, welches damit beworben wird, Filme wie „Fargo“, „Burn After Reading“ oder „No Country For Old Men“ nachzuempfinden. In all diesen Filmen und damit auch im Rollenspiel geht es darum, dass einfache Menschen mit schlechten Impulskontrollen aber überhöhten Ambitionen auf Kollisionskurs gegeneinander gesetzt werden und dadurch in eine gleichemaßen faszinierende wie erschreckende Spirale aus Gewalt gezogen werden, aus der am Ende sicherlich nicht alle lebend herauskommen werden. Dabei schafft es das Rollenspiel die Erzähl-Mechanismen dieser Filme sehr gut aufzudröseln und verzichtet dabei sogar auf einen Spielleiter.

Dwayne und Sheriff Vogel stecken den Mord unterschiedlich gut weg (Liam Hemsworth und John Malkovich in „Cut Bank“, Foto: Koch Media)
Dwayne und Sheriff Vogel stecken den Mord unterschiedlich gut weg (Liam Hemsworth und John Malkovich in „Cut Bank“, Foto: Koch Media)

Das Drehbuch zu „Cut Bank“ bedient sich extrem deutlich an diesen Mechanismen. Dwayne und Cassandra wollen aus der Stadt raus, aber Cassandras Vater Big Stan versucht alles, diese Ambitionen zu unterdrücken. Milton will einfach nur den MacGuffin bekommen, der bei der Ermordung des Postbeamten verschwunden ist. Und Sheriff Vogel will einfach nur wieder Ruhe in seine Stadt bekommen. Aber die hohe Belohnung der Postbehörde ist einfach zu attraktiv …

Derby Milton hat ganz eigene Ideen, was man mit unzuverlässigen Paketzustellern anstellen sollte. (Michael Stuhlbarg in „Cut Bank“, Foto: Koch Media)
Derby Milton hat ganz eigene Ideen, was man mit unzuverlässigen Paketzustellern anstellen sollte. (Michael Stuhlbarg in „Cut Bank“, Foto: Koch Media)

Cut Bank ist eine tatsächlich existierende Stadt in Montana mit knapp 3.000 Einwohnern, gedreht wurde der Film jedoch in Kanada. Dabei lag das Drehbuch zu dem Film sehr lange unverfilmt in den Schubladen Hollywoods, bis letztlich Matt Shakman sich für eine Verfilmung empfahl, hatte er zuvor doch bereits einige Episoden der gelungenen TV-Serien-Version von „Fargo“ inszeniert (weswegen der Hinweis „Regisseur von Fargo“ auf der DVD zwar faktisch korrekt, dennoch etwas irreführend ist). Es war sein erster Spielfilm, für den er allerdings bereits Größen wie John Malkovich, Billy Bob Thornton (den er auch in der Serie in Szene setzen durfte), Bruce Dern und Oliver Platt gewinnen konnte und dazu mit Liam Hemsworth einen zugkräftigen Namen fürs junge Publikum.

Dennoch lief der Film in den USA nur in einem Limited Release und im deutschsprachigen Raum lediglich auf einem Filmfestival in der Schweiz. Was schade ist, denn er hätte durchaus ein größeres Publikum verdient. Der Film ist zwar streckenweise etwas zu routiniert und vorhersehbar, dennoch vermag er gerade durch seinen brillanten Cast zu unterhalten.

Blu-Ray-Cover
Blu-Ray-Cover

„Cut Bank – Kleine Morde unter Nachbarn“ („Cut Bank“, USA 2014)

Regie: Matt Shakman

Drehbuch: Robert Patino

Darsteller: Liam Hemsworth, Teresa Palmer, John Malkovich, Billy Bob Thornton, Bruce Dern, Oliver Platt

Extras: Featurette „Bad Karma: Life in Cut Bank“, Deleted Scenes, Extended Scenes, Interviews, Audiokommentar mit Regisseur Shakman und Autor Patino.

Rollenspiel-Inspirationsfaktor: Ideal, um ein Playset für „Fiasco“ zu erstellen oder auch nur zu schauen, ob man auf solche Art von Geschichten Lust hat.

Score: Meist schöne Athmotracks vermischt mit etwas Country (inkl. einem Song über „Cut Bank, Montana“) und gelegentlich etwas Jazz.

★★★★

„Cut Bank“ erscheint am 24.09.2015 bei Koch Media auf DVD und Blu-Ray. Offenlegung: Ich habe den Blu-Ray-Screener freundlicherweise zur Rezension erhalten.