Kritik: „Der Bunker“ (Fantasy Filmfest 2015)

Ein Student sucht sich ein möglichst abgeschiedenes Zimmer, um dort endlich seine Suche nach dem Hicks-Partikel beenden zu können und findet dies in einem Bunker, weit draußen im Wald. Dieser wurde von einer spießbürgerlichen Familie wohnlich gemacht, die dort allerlei Marotten angesammelt hat.

Der Vater der Familie ist ein Kontrollfreak, der dem Rest seiner Familie hinterherwischt und -kocht und die Mutter hört Stimmen, die ihr befehlen, dass ihr Sohn Klaus so zu unterrichten sei, dass er seiner Bestimmung, der nächste Präsident zu werden, folgen kann. Diesen Unterricht leistete bisher recht erfolglos der Vater, doch nun offenbart der Student ihnen eine neue Chance. Beginnen soll er mit dem wichtigsten: Das Auswendiglernen aller Hauptstädte der Erde …

Eine absurde Farce mit lediglich vier Darstellern, die stark von dem Kontrast zwischen hoffnungslos veralteten und brutalen Erziehungsmethoden, dem Retro-Charme der Ausstattung und der Absurdität der Situationen lebt. Die Idee, den achtjährigen Klaus mit dem 30jährigen Schauspieler Daniel Fripan zu besetzen, erscheint in dem Kontext dann fast schon als normal.

Mit niedrigsten Budget gelingt es den Machern aber ein Maximum aus der Idee herauszuholen, die, wie der sympathische Regisseur Nikias Chryssos im Q&A im Anschluss berichtet, durch die Bunker-Ferienwohnung seiner eigenen Großeltern in der Schweiz entstand. Gedreht haben sie das ganze zwar nicht dort, sondern in einem Wohnhaus bei Berlin, dennoch gelingt es ihnen durch entsprechende Umgestaltung und Tapezierung die Klaustrophobie eines Bunkers tatsächlich zu vermitteln.

Ein ungewöhnlicher Film, dessen Finanzierung ohne Unterstützung von Landesmedienanstalten oder TV-Sendern ebenso ungewöhnlich wie zu begrüßen ist, denn der deutsche Film braucht einfach mehr solcher unterhaltsamer Experimente.

„Der Bunker“ (D 2015)

Regie und Buch: Nikias Chryssos

Darsteller: Pit Bukowski, Daniel Fripan, Oona von Maydell und David Scheller

Score: Ebenso absurd wie der ganze Film, eine Mischung aus Klassik, Heavy Metal und Techno.

★★★★