Kein Science-Fiction-Film: Drohnenkrieg in „Good Kill“

Töten mit dem Joystick (Zoë Kravitz, Bruce Greenwood und Ethan Hawke in „Good Kill“, Foto: Ascot Elite)
Töten mit dem Joystick (Zoë Kravitz, Bruce Greenwood und Ethan Hawke in „Good Kill“, Foto: Ascot Elite)

Mit Drohnen ist der Krieg von heute eine Frage von Beobachtung, Bestätigung und Beseitigung geworden. Major Thomas Egan (Ethan Hawke, „Gattaca“), eigentlich Pilot in der US Air Force, wurde zum Drohnendienst unter Lt. Col. Johns (Bruce Greenwood, „Star Trek“) abgeordnet. Von der CIA aus Langley bekommen Sie regelmäßig Zielinformationen sowie Spionage- und Tötungsaufträge in Afghanistan und anderen Ländern, die sie dann ausführen. Und abends steigen sie dann aus dem Container in der Wüste von Nevada und fahren nach Hause um dem Familienleben nachzugehen. Wobei die ethischen und philosophischen Konsequenzen ihrer Handlungen ihnen spürbar mehr zusetzen.

Puh.

Ein beeindruckender und bedrückender Film. Die Nur-Audio-Verbindung nach Langley wird zu einem abstrakten und verhassten Auftraggeber, welche die moralische Entscheidungen der Drohnenpiloten zwar eigentlich „abnehmen“ – „abdrücken“ müssen aber immer noch die Piloten. 10 bis 12 Sekunden heißt es dann noch abzuwarten, dann trifft die Rakete in aller Regel und vernichtet die auserkorenen Gegner in einer Explosion, die aber auch andere in den Tod zu reißen vermag, welche in diesem kurzen Zeitfenster unglücklicherweise dazu gestoßen sind.

„Schießen Sie zurück! Schießen Sie auf irgendwas!“

Dabei verlässt der Film nie die Perspektive der Piloten in Las Vegas und zeigt eindrücklich, welche psychologischen Konsequenzen das Töten von Menschen hat, selbst wenn man dies nur abstrakt auf der anderen Seite des Erdballs per Kamera erfährt.

Wollte eigentlich wirklich fliegen (Ethan Hawke, Foto: Ascot Elite)
Major Thomas Egan (Ethan Hawke) wollte eigentlich wirklich fliegen, ist jetzt aber auf Drohnenflüge spezialisiert (Foto: Ascot Elite)

Regisseur und Autor Andrew Niccol ist nach einigen Ausrutschern („In Time“, „Seelen“) hiermit wieder ein absolut sehenswerter und empfehlenswerter Film gelungen, der sich zu seinen Glanzstücken „Gattaca“ und „Lords of War“ gesellt. Es ist der böse Zynismus des Krieges der im Namen der Terrorbekämpfung geführt wird und die Konsequenzen, die mit dieser Kriegsführung verbunden sind. Der „Good Kill“ ist ein sauber ausgeführter Schlag, der nur das eigentliche Ziel eliminiert – nur wann gelingt der wirklich ohne Kollateralschaden? Wer beobachtet die Beobachter? Und wenn sie mit einem Fingerdruck zwischen Leben und Tod entscheiden können – verführt diese Macht nicht auch irgendwann?

Dennoch hält der Film nicht einfach den moralischen Zeigefinger in die Höhe, sondern zeigt gleichermaßen alle Perspektiven und lässt auch zum Schluss unklar, wer hier wirklich die Bösen sind. Absolut unverständlich, warum ein so wichtiger wie auch guter Film nicht in unsere Kinos kommt, sondern nur direkt auf DVD erscheint. Er verdient es eindeutig, gesehen zu werden.

Cover der Blu-Ray (Foto: Ascot Elite)
Cover der Blu-Ray (Foto: Ascot Elite)

„Good Kill – Tod aus der Luft“ USA, 2014

Regie und Buch: Andrew Niccol

Darsteller: Ethan Hawke, January Jones, Bruce Greenwood

Score: Passend und stark zurückhaltend, teilweise fast sphärisch, unterstützt er die Stimmung sehr.

Extras: Trailer und ein gut 15-minütiges Behind the Scenes, das einige Hintergründe nochmal näher erläutert.

★★★★★

„Good Kill: Tod aus der Luft“ erschien am 9. Juni 2015 auf DVD und Blu-Ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-Ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.