Pfadfinder-Widerstand im besetzten Polen – Kritik: „Operation Arsenal“

Während der Okkupation Warschaus im zweiten Weltkrieg versucht eine aus der Pfadfindergruppe „Graue Reihen“ („Szare Szeregi“) hervorgegangene Gruppe junger Leute mit Guerilla-Aktionen den Widerstand gegen die Besatzer. Besonders aktiv sind dabei die gerade erwachsen gewordenen Anführer Zośka, Rudy und Alek, welche sich mit wenigsten Mitteln und vor allem Kreativität gegen die Deutschen behaupten, dabei aber kontinuierlich ihr Leben aufs Spiel setzen.

Rudy und Zośka hecken etwas gegen die deutschen Besatzer aus („Operation Arsenal“, Foto: Ascot Elite)
Rudy und Zośka hecken etwas gegen die deutschen Besatzer aus („Operation Arsenal“, Foto: Ascot Elite)

Es ist einige Zeit fast ein Katz- und Maus-Spiel für sie, doch dann wird Rudy von der SS gefangen genommen. Die SS-Offiziere foltern ihn grausam, wollen aus ihm die Namen der anderen heraus pressen, die währenddessen fieberhaft überlegen, wie sie ihn befreien können …

„Nur Schweine sitzen im Kino!“

In Polen ist Aleksander Kamińskis „Kamienie na szaniec“ („Steine fürs Bollwerk“) ein Literaturklassiker, der dort vielfach im Unterricht als kanonische Lektüre eingesetzt wird (eine deutsche Übersetzung gibt es aber offenbar leider nicht). Er beruht auf tatsächliche Ereignisse. Die Szare Szeregi gab es wirklich und auch der Angriff am helllichten Tage auf das Arsenal durch Zośka (Deckname von Tadeusz Zawadzki) zur Befreiung von Rudy (Deckname von Jan Bytnar) im Jahr 1943 fand tatsächlich statt und als „Operation Arsenal“ seinen Eingang in die Geschichtsbücher. Kamiński war selbst damals Teil der Grauen Reihen und beschrieb die Ereignisse aus eigener Erfahrung.

Der Film orientiert sich also an historischen Ereignissen. Dabei besteht er konzeptionell allerdings aus drei sehr unterschiedlichen Teilen: Zunächst schildert er den Untergrundkampf gegen die Besatzer, welches zwar durchaus ernsthaft, aber immer mit einer Leichtigkeit und Coolness gezeigt wird. Fast lausbubenartig sind die Streiche, mit welchen die Pfadfinder ihren Gegnern auf die Nerven gehen, die eigentliche Gefahr scheint weit entfernt. Verstärkt wird dies auch durch ein sehr markantes, rockiges Soundtrack-Stück, das bei jeder der Aktionen fast hymnenartig wieder eingespielt wird. Damit ist dann aber mit einem Mal Schluss. In allen grausamen Details wird nun die Folter von dem eben noch so spitzbübischen Rudy gezeigt. Der Film gleitet nun fast schon in die Torture-Porn-Ecke ab und bekommt dadurch auch zurecht das FSK 16-Siegel. Im dritten Part geht es dann um die Befreiung der Kameraden und hier wird es dann wieder ein recht klassisches Zweiter-Weltkriegsdrama, mit einigen fiesen Schlägen in die Magengegend der Zuschauer.

Kein Film aus dem zweiten Weltkrieg ohne Uniformen im Regen („Operation Arsenal“, Foto: Ascot Elite)
Kein Film aus dem zweiten Weltkrieg ohne Uniformen im Regen („Operation Arsenal“, Foto: Ascot Elite)

Als ich angefragt wurde, ob ich für diesen Film eine Rezension schreiben wollen würde, habe ich zunächst abgeblockt: Ich meide Filme mittlerweile aus dem zweiten Weltkrieg eigentlich generell, zu oft sind mir die Motive von Unterdrückung, Widerstand und Ohnmacht im Film untergejubelt worden, zu selten gelingt es Filmemachern noch, etwas Neues in diesem Setting zu erzählen. Es gibt andere Zeitperioden, die mich einfach mehr interessieren derzeit. Dennoch ließ ich mich dann aber auf „Operation Arsenal“ ein – und habe es nicht bereut: Es ist mit Sicherheit kein leichter Stoff, aber durch drei unterschiedlichen Erzählweisen, gerade der ersten, wird man schnell in das Setting gezogen und Fans dieser tollkühnen Jungs. Man ahnt zwar, dass es nicht lange gut gehen kann, aber als es dann passiert, trifft man dennoch noch unvorbereitet auf die Brutalität und Härte, und spätestens dann packt einen das Drama.

Blu-Ray-Cover von „Operation Arsenal“ (Ascot Elite Home Entertainment)
Blu-Ray-Cover von „Operation Arsenal“ (Ascot Elite Home Entertainment)

„Operation Arsenal – Schlacht um Warschau“ („Stones for the Rampart“/„Kamienie na szaniec“, PL 2014)

Regie: Robert Glinski

Drehbuch: Wojtek Palys und Dominik Wieczorkowski-Rettinger, basierend auf dem Buch von Aleksander Kamiński

Darsteller: Tomasz Zietek, Marcel Sabat, Kamil Szeptycki.

Extras: Interviews mit Regisseur und Darstellern (OmU), Trailer

★★★★

„Operation Arsenal – Schlacht um Warschau“ erscheint am 4. August 2015 auf DVD und Blu-Ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-Ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.