Action mit Botschaft: Dolph Lundgrens „Skin Trade“

Polizist Nick Cassidy (Dolph Lundgren, „Universal Soldier“) gelingt es, den international agierenden serbischen Menschenhändler und Mafiaclan-Anführer Viktor Dragovic (Ron Perlman, „Hellboy“) festzusetzen. Doch das hält diesen nur kurz auf: der Bösewicht kommt auf Kaution frei und setzt sich ins Ausland ab. Zuvor töten seine Schergen aber noch die Frau von Nick und entführen dessen Tochter.

Getrieben von Rache (Dolph Lundgren in „Skin Trade“, Foto: Ascot Elite)
Getrieben von Rache (Dolph Lundgren in „Skin Trade“, Foto: Ascot Elite)

Nick verfolgt, von Rache getrieben und auf eigene Faust, Dragovic und gerät in Thailand mit dem dortigen Polizisten Tony Vitayakul (Tony Jaa, „Ong Bak“) ins Gehege. Beide kämpfen zwar eigentlich für die gleiche Sache (und auch mit sehr ähnlichen moralisch fragwürdigen Methoden), aber es braucht einige Zeit, bis sie dies auch realisieren und dann gemeinsam gegen die Sex-Sklavenhändler vorgehen.

Ein Film, der eine moralische Botschaft tragen will, sollte über die Moral seiner Helden nachdenken.

80er-und-90er-Jahre-Actionfilmstar Dolph Lundgren hat den Film mitproduziert und auch am Drehbuch mit geschrieben. Ihm war es offenbar ein Bedürfnis, auf den Menschenhandel aufmerksam zu machen, bei dem jedes Jahr Millionen Kinder und junge Frauen sexuell ausgebeutet werden. Und weil er ja auf ein Genre festgenagelt ist, macht er das konsequenterweise in Form eines Action-Films.

Soweit, so gut. Jeder Action-Film braucht klare Bösewichte, und Menschenhandel ist klar verabscheuungswürdig. Ein Action-Film braucht aber auch Helden, und hier klemmt der Film leider. Wenn die Helden, um Informationen aus einem Bösewicht herauszupressen, ihn nicht nur von einem Hochhausbalkon baumelnd ausfragen, sondern ihn danach auch noch mal eben in den sicheren Tod fallen lassen, garniert mit einem coolen Spruch, sind es keine wirklichen Helden mehr, sondern Folterer, Richter und Henker in einer Person.

Sicher, Jack Bauer hat in „24“ das regelmäßig vorgemacht, aber mir stößt Folter im Namen des vermeintlich Guten immer sehr sauer auf (und nicht nur mir, sondern auch bspw. John Oliver in seiner Show „Last Week Tonight“). Die Produzenten verteidigen das in Übrigen in einem Interview als gewollten „Charakter-Fehler“, gehen aber nicht darauf ein, warum sie es für unnötig halten, solche Fehler auch narrativ zu verarbeiten, denn Einsicht über ein solches Verhalten gewinnt keiner der beiden Protagonisten im Laufe des Films.

Im Gegenteil: Polizist Nick wird durch die Taten gegen seine Familie erst zu diesen Methoden getrieben und bleibt in diesem Rachemodus den Rest des Films über. Das ist in reinrassigen Action-Filmen sicher tolerabel, dort gelten ja ganz eigene Tropes. Wenn man aber den moralischen Zeigefinger auspackt, sollte man ihn auch auf sich selbst anwenden …

Lundgren ist solche High-Kicks durch Van Damme ja eigentlich gewohnt („Skin Trade“, Foto: Ascot Elite)
Lundgren ist solche High-Kicks durch Van Damme ja eigentlich gewohnt („Skin Trade“, Foto: Ascot Elite)

Dolph Lundgren spielt gewohnt routiniert und es bringt durchaus zwischenzeitlich Spaß ihn zusammen mit Peter Weller (der seinen Polizeichef leider viel zu kurz spielt) und Ron Perlman zu sehen. Tony Jaa bleibt leider weiterhin ein schauspielerisches Toastbrot, das mit seinen Moves in „Ong Bak“ noch überraschen konnte, jetzt aber langsam wirklich schimmelt, immerhin hört man in der deutschen Synchronisation sein schlechtes Englisch nicht, dass er leider immer wieder einsetzen muss. An Schauwerken bleibt das vermeintliche Action-Feuerwerk, das aber klar auf B-Film-Niveau bleibt, immerhin aber einen sehr hübschen Hubschrauber-Absturz realisiert bekommt.

Letztlich bleibt ein gerade noch ordentlich inszenierter Action-Thriller, der mehr sein möchte, aber es nicht ist.

Das Blu-Ray-Cover hat auch ein Wendecover (Foto: Ascot Elite)
Die Blu-Ray hat ein Wendecover (Foto: Ascot Elite)

„Skin Trade“, USA/THAI/CDN 2014

Darsteller: Dolph Lundgren, Tony Jaa, Ron Perlman

Regie: Ekachai Uekrongtham

Buch: Dolph Lundgren u.a.

Extras: Interviews mit den Darstellern, besonders das mit Lundgren ist interessant. Das Interview mit Tony Jaa ist jedoch nur ein sehr kurzes Statement, dass so 1:1 zu jedem seiner Filme funktionieren würde. Dazu eine B-Roll.

★★☆☆☆

„Skin Trade“ erscheint am 7. Juli 2015 auf DVD und Blu-Ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-Ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.