Zwischen Romantik und Horror – Kritik: „Spring“

Evan (Lou Taylor Pucci, „Thumbsucker“, „Evil Dead“) verliert erst seine Mutter an den Krebs, dann seinen Job und entschließt sich schließlich, sein Leben überstürzt in den USA zurückzulassen: Er flieht als Rucksacktourist nach Italien. Dort trifft er auf die bezaubernde aber auch mysteriöse Studentin Louise (Nadia Hilker, deutsche Nachwuchsdarstellerin).

Before Sunrise ist es entschieden … (Lou Taylor Pucci und Nadia Hilker in „Spring“, Foto: Koch Media)
Before Sunrise ist es entschieden … (Lou Taylor Pucci und Nadia Hilker in „Spring“, Foto: Koch Media)

Es entwickelt sich eine Romanze, doch nach der ersten gemeinsamen Nacht verändert sich etwas in der Beziehung: Louise selbst verwandelt sich und zeigt eine unmittelbare Begierde nach Blut. Und was ist dieses Mittel, dass sie sich immer spritzt? Und warum trifft Evan sie nie bei hellem Tageslicht?

Genre-Propfen

Was Louise genau sie ist, entpuppt sich erst langsam im Laufe des Filmes, und nein, es ist nicht ganz so einfach zu erraten, der Film führt einen gerne etwas in die Irre. Und: dieser Film ist eine ganz wundersame Mischung: Auf der einen Seite eine Romantik, wie man sie aus den „Before …“-Filmen Richard Linklaters kennt, zum anderen Cronenbergscher Bodyhorror, ein paar cthulhuiden Tentakeln, einiges an Blut und viel Schleim.

Klassischer Moment um über die Beziehung nachzudenken … die Dusche Putzen kann man später immer noch (Nadia Hilker in „Spring“, Foto: Koch Media)
Klassischer Moment um über die Beziehung nachzudenken … die Dusche Putzen kann man später immer noch (Nadia Hilker in „Spring“, Foto: Koch Media)

Das ist aber keine „Kreuzung“, sondern hier ist das Horror-Genre eher „aufgepfropft“, wie der Film auch in wunderbar gleichermaßen skurrilen und absurden Szenen in einem Orangenhein mit einem durchgeknallten Farmer selbst immer wieder herausstellt: Er bleibt weiterhin im Hauptast ein Liebesfilm, eine Romanze, auf die einige Horrorelemente angesetzt wurden, die sich künstlich mit dem Holz des anderen Genres verbunden haben, sich aus ihm ernähren, dadurch aber das Gesamtwerk weit eindrucksvoller machen als nur eines der Genre allein es vermocht hätte. Ein Genrefilm mit emotionalen Tiefgang, bei dem beide Hauptdarsteller ihre Charaktere die Beziehung wirklich entwickeln lassen können. Etwas, dass man im Horrorgenre viel zu selten erleben kann und so ein gelungener Propfen ist.

„Spring“-Cover (Koch Media)
„Spring“-Cover (Koch Media)

„Spring: Love is a Monster“ („Spring“, USA 2014)

Regie: Justin Benson, Aaron Moorhead

Drehbuch: Justin Benson

Darsteller: Lou Taylor Pucci, Nadia Hilker

Extras: Das ist eine lange Liste, aber hier merkt man die Liebe der Mitarbeiter am Film: Es gibt ein Elektronisches Pressekit in Form von Set-Videos, ein improvisiertes alternatives und ausgedehntes Ende, einen obskuren Stumm-Kurzfilm namens „Evan I Hate You“, Spaß-Variationen einer Szene, eine Hommage an „Der Talentierte Mr. Ripley“, ein WTF-Moment mit dem Farmer, eine Langfassung einer Monolog-Probe im Fluchen, Deleted Scenes, ein Proof-of-Concept, ein Einblick in die Gestaltung der visuellen Effekte, und die Trailer in Deutsch und Englisch.

Rollenspiel-Inspirationsfaktor: Schaut dies vor einer Runde „Monsterhearts“ und die Runde schreibt sich von selbst.

Score: Angenehmer sphärischer und atmosphärischer Elektro-Indie von Jimmy LaValle.

★★★★

„Spring: Love is a Monster“ erscheint am 08.10.2015 auf DVD, Blu-Ray und VoD bei Koch Media. Offenlegung: Ich habe die Blu-Ray-Disc freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.