„Neis tu miet ju!“ – „Terminator: Genisys“ probiert es mit alten Werten

Die Geschichte des ersten Terminator-Films sollte jeden bekannt sein. 1984. Los Angeles. Ein Terminator T-800, eine Kampfmaschine, kehrt aus der Zukunft zurück, um eben diese zu ändern. Sein Auftrag: „Töte Sarah Connor!“ Denn sie ist die Mutter des Rebellionsführers John Connor und der ist die letzte Hoffnung der Menschheit und hat sogar eine Chance im letzten Kampf gegen die apokalyptischen Maschinen. Doch wenn seine Mutter getötet wird, würde er nie existieren. John Connor schickt daher seinerseits einen engen Verbündeten, Kyle Reese, in eben diese Vergangenheit, um seine Mutter zu retten.

Arnie hat dem Genre wirklich gefehlt (Arnold Schwarzenegger in „Terminator: Genisys“, Foto: Paramount Pictures)
Arnie is back (Arnold Schwarzenegger in „Terminator: Genisys“, Foto: Paramount Pictures)

Doch diesmal ist alles ganz anders. Der T-800 (Arnold Schwarzenegger) kommt in der Vergangenheit an und will sich gerade etwas Anzuziehen besorgen (denn Kleidung kann bekannterweise nicht Zeitreisen), als eine ältere Version von ihm auftaucht und ihn wegballert. Die Zeitlinie wurde abermals geändert, in dieser wurde Sarah Connor (Emilia Clarke) nach einem weiteren Terminator-Attentat in ihrer Kindheit, bei denen ihre Eltern umkamen, vom T-800 aufgezogen. Die nun harte Kämpferin hat seit Jahren gelernt, um ihr Leben zu kämpfen und ist es nun ihrerseits, die den just angekommenen Kyle Reese (Jai Courtney) in dieser Zeitlinie retten darf, denn dieser wird gerade von einem neuen T-1000 (Byung-hun Lee) verfolgt.

Kleidungsprobleme sind im Franchisetrope vordefiniert (Jai Courtney in „Terminator Genisys“, Foto: Paramount Pictures)
Kleidungsprobleme sind im Franchisetrope vordefiniert (Jai Courtney in „Terminator Genisys“, Foto: Paramount Pictures)

Reese, der durch die Zeitreise auch noch Visionen aus einer anderen Zeitlinie bekommen hat – ein komischer Mann kam zu ihn und erklärte ihm, er müsse sich unbedingt merken, dass „Skynet Genisys“ wäre – muss sich nun nicht nur damit arrangieren, dass sein eigentlicher Plan mittlerweile obsolet ist, nein, auch dass Sarah mehr über die Zukunft als er selbst weiß: dass nämlich er der Vater von John Connor sein wird und entsprechend beide für einander bestimmt sind.

Richtig hirnverknotend wird es aber erst, als sie nach 2017 reisen („Paps“ T-800 hat mittlerweile praktischerweise eine eigene Einmal-Zeitmaschine gebaut) und dort dann tatsächlich auf dem aus der Zukunft zurückgereisten John Connor (Jason Clarke) treffen, der unglaublicherweise alles daran setzt, Genisys (formely known as Skynet) unbedingt zu Laufen zu bekommen …

Das Marketing verrät eine der interessantesten Wendungen des Films vorweg im Trailer

Das Terminator-Franchise hat bereits einiges durchgemacht, darunter gleich zwei Genre-prägenden Filme („Terminator“ und „Terminator 2: Tag der Abrechnung“), die Karriere von Arnold Schwarzenegger und Linda Hamilton (und in einem gewissen Maße auch die von Michael Biehn, Robert Patrick und Lance Henriksen), aber auch zwei bestenfalls durchwachsende Filme („Terminator 3: Rebellion der Maschinen“ und „Terminator: Die Erlösung“) sowie eine unterhaltsame, aber unter-budgetierte TV-Serie („Terminator: The Sarah Connor Chronicles“, hierzulande wegen einer angeblich bekannteren Sängerin „Terminator: SCC“), die es immerhin auf zwei Staffeln es schaffte und schließlich noch einigen Streit um die Rechte an dem Stoff.

Und das Großvaterparadoxon, das im ersten Teil eingeführt wurde und schon durch all die Fortsetzungen bereits für einige Zeitreisegehirnverrenkungen sorgte, wird hier nochmal extra verkompliziert. Und dann nochmal geschüttelt, auf den Boden geworfen, draufgetrampelt und durch einen gezielten einfachen Schuss in Flammen gehüllt. Wie man den Film auch dreht und wendet – von der Logik her macht er einfach keinen Sinn. Aber das machen ehrlicherweise gesagt die wenigsten Zeitreisefilme. Aber die Tatsache, dass weder Emilia Clarke mit Linda Hamilton noch Jai Courtney mit Michael Biehn wirklich Ähnlichkeiten aufweist, hilft da auch nicht gerade. Eine der Voraussetzungen, um diesen Film genießen zu können ist es also, die Logikkompensatoren auf Höchstleistung einzustellen.

TERMINATOR GENISYS
Für ein ordentliches Großvaterparadoxon braucht man auch grau melierte Terminatoren (Arnold Schwarzenegger in „Terminator Genisys“, Foto: Paramount Pictures)

Dennoch: Ähnlich wie „Jurassic World“ besinnt sich das Filmteam hier wieder sehr auf den Anfang und baut unzählige kleine Hommagen ein, wie den 1:1-Nachbau des Anfangs der klassischen Filmszene, in der sich der T-800 Kleidung besorgen will. Und er führt mit der Zeitreise John Connors einen wirklichen Gamechanger ein. Nur: Dieser krankt an zwei Sachen: Zum einen wird das hierdurch nochmal mehr verwirrende Großvaterparadoxon (immerhin legt es John darauf an, seine Eltern umzubringen) mit ein paar Dialogzeilen einfach weggewischt und ignoriert. Zum anderen wurde aber eine sehr wichtige Wendung einfach vom Marketingteam im Trailer gespoilert, über die ich hier einfach einmal sprechen muss, daher kurz einmal:

<SPOILER-WARNUNG> Achtung: Spoiler im folgenden Trailer und im Absatz darunter, Anschauen und Lesen auf eigene Gefahr!

Die Tatsache, dass John Connor mittlerweile selbst ein Terminator ist, einfach in dem Haupttrailer zu setzen, ist sehr heftig. Eine komplette Wendung mitten im Film ist damit für den Zuschauer hinfällig. Mag es aus Marketinggründen vielleicht sogar sinnvoll gewesen, sein – denn so wird einiges an Neugierde auf den Film gelenkt –. wäre es zu hoffen, dass das kein neuer Trendsetter wird!

</SPOILER-WARNUNG>

Doctor Who Matt Smith schaut nur kurz beim Terminator vorbei

Dann gibt es aber natürlich auch noch die Frage, was es eigentlich mit dem im Abspann nur als „Alex“ betitelten Charakter auf sich hat, der von Doctor Who-Ikone Matt Smith, pardon, hier mittlerweile als Matthew Smith auftauchend (warum auch immer), gemimt wird. Die Antwort darauf ist zweischneidig: einerseits ist es tatsächlich noch eine durchaus interessante Wendung, die vom Marketing netterweise bisher nicht hinausposaunt wurde (und die ich daher hier auch nicht spoilern werde – und haltet Euch besser von der IMDb-Seite zum Film fern), zum anderen kommt die Rolle im Film leider extrem kurz. Da allerdings bereits ein bis zwei Sequels angekündigt sind* und eine Post-Credit-Szene (Sitzenbleiben lohnt wieder, die kommt mitten im Abspann) auch eine Fortsetzung in Aussicht stellt, ist zu hoffen, dass seine Rolle da weiter ausgebaut wird.

*) Die Filmemacher müssen sich für zwei Fortsetzungen allerdings arg beeilen, denn 2019 fallen die Rechte vernehmlich wieder an James Cameron zurück, der sie in seiner Scheidung von Linda Hamilton (ja, die erste Sarah Connor) einst aufgegeben hatte, nun sie aber aufgrund Neuregelungen des Copyrights oder so zurückbekommen wird. – Andererseits, wenn dieser Film ein wirklich großer Erfolg werden sollte, kann man sich sicherlich auch mit Cameron irgendwie einigen, dieser hat mit seinen Avatar-Filmen ja eh genug zu tun gerade.

Zu den restlichen Schauwerten: Wie schon gesagt hat man ein paar Anlaufprobleme mit Emilia Clarke („Game of Thrones“) als Sarah Connor und auch mit Jai Courtney („Spartacus“) als Kyle Reese. Beide mühen sich sichtlich und spielen auch nicht mal wirklich schlecht, aber werden in ihrer Schauspielkunst ausgerechnet von Arnold Schwarzenegger an die Wand gedrückt. Das mag auch am dünnen Material liegen, das zwar zwischenzeitlich für beide zwar eine Entwicklung anfängt – beide müssen mit sich hadern, ob sie sich überhaupt werden verlieben können, wenn ihre Schicksale vorbestimmt sind, und gerade wenn dabei John Connor rauskommen wird – aber diese Entwicklung wird leider nicht sinnvoll abgeschlossen und bleibt letztlich irgendwo auf der Strecke. Etwas besser ist noch die Leistung von Jason Clarke zu nennen, aber, und ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sagen würde, die besten Szenen hat eindeutig Arnie und er ist einer der Gründe, warum man an dem Film wirklich Spaß haben kann.

Etwas Quality Time für Vater und Sohn (Jason Clarke und Jai Courtney in „Terminator Genisys“, Foto: Paramount Pictures)
Etwas Quality Time für Vater und Sohn (Jason Clarke, li., und Jai Courtney in „Terminator Genisys“, Foto: Paramount Pictures)

Fazit: „Terminator: Genisys“ ist besser als Teil 3 und 4, kommt aber leider immer noch nicht an Teil 1 und 2 heran und hätte beim Drehbuch ein deutlich mehr Sorgfalt an der Logikfront benötigen können. Aber er bringt Spaß und Arnie ist endlich wirklich „back“.

Der Film startet in Deutschland am 9. Juli 2015.

Sarah Connor und „Paps“ auf dem Filmplakat
Sarah Connor und „Paps“ auf dem Filmplakat zu „Terminator: Genisys“ (Paramount Pictures)

„Terminator: Genisys“, USA 2015

Regie: Alan Taylor („Thor: The Dark World“, „Game of Thrones“)

Buch: Laeta Kalogridis & Patrick Lussier

Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Jason Clarke, Emilia Clarke, Jai Courtney

Rollenspiel-Inspirationsfaktor: Action-Orgien bringen immer Spaß, Zeitreisen auch, leider gibt es immer noch kein offizielles Terminator RPG. Warum eigentlich nicht?

Score: Stammt aus dem Team von Hans Zimmer, erinnert aber mehr an Steve Jablonskys Transformer-Scores. Was alles andere als schlecht ist.

★★★☆☆