Straßenbrutalität in Nord-Braband der 1930er – Kritik: „The Gang“

In den 1930er Jahren herrscht in der niederländischen Stadt Oss das organisierte Verbrechen: die „Ossche Bande“. Sie verdingen sich mit grausamen Versicherungsbetrügereien durch fingierte Unfälle, aber auch Mord, Vergewaltigung und Korruption waren an der Tagesordnung. Es existiert ein System des Schweigens und Schweigegeld zwischen Bandenführer, Pfarrer, Hauptarbeitgeber im Ort und anderen, welche die Pfründe unter sich aufteilen. Genährt wird die Verschwiegenheit dieser Bande noch dadurch, dass Oss in der Region Nord-Brabant liegt, welche zwar zu den Niederlanden gehört, im Gegensatz zum Rest des Landes aber in den 30ern noch sehr stark katholisch geprägt ist und einen starken Hass auf eben die „Holländer“ entwickelt hat.

Bandenchef Wim de Kuyper (Marcel Musters) mit seinem Neffen Ties (Matthias Schoenaerts) und dessen Frau Johanna (Sylvia Hoeks) haben noch gut Lachen („The Gang“, Foto: Black Hill Pictures/Koch Media)
Bandenchef Wim de Kuyper (Marcel Musters) mit seinem Neffen Ties (Matthias Schoenaerts) und dessen Frau Johanna (Sylvia Hoeks) haben noch gut Lachen („The Gang“, Foto: Black Hill Pictures/Koch Media)

Aus diesem Sumpf will Johanna van Heesch (Sylvia Hoeks, „The Best Offer – Das höchste Gebot“) ausbrechen. Ihr gewalttätiger Ehemann, Ties (Matthias Schoenaerts, „Der Geschmack von Rost und Knochen“), ist gerade auf Bewährung wieder frei und gemeinsam versuchen sie, ein Café im Ort zu etablieren. Doch der Bandenboss Wim de Kuiper (Marcel Musters) sorgt dafür, dass sein Neffe Ties schnell in schlechte Verhaltensmuster zurückfällt. Als Ties seine Frau sogar dazu zwingen will, ihr Kind abzutreiben, verbündet diese sich mit dem jungen Profi-Radfahrer Jan Greven (Benja Bruijning), um ihren Ehemann aus den Weg zu räumen. Doch sie hat die Rechnung ohne de Kuiper und den Rest der Bande im Ort gemacht.

Ein Stück niederländischer Geschichte

„The Gang“ basiert auf wahren Tatsachen: Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg eskalierte die Gewalt in den südlichen Niederlanden in einem bisher unbekannten Ausmaße, so dass die Militärpolizei einschreiten musste. Straßenschlachten waren das Resultat und in dem Sumpf von Korruption waren noch weit mehr Leute verstrickt, als befürchtet. Letztlich stürzte über diese Krise sogar die niederländische Regierung.

Johanna wollte eigentlich nur ein Café führen, was damals aber wohl eher Kneipe mit angeschlossenem Puff war (Sylvia Hoeks in „The Gang“, Foto: Black Hill Pictures/Koch Media)
Johanna wollte eigentlich nur ein Café führen, was damals aber wohl eher Kneipe mit angeschlossenem Puff war (Sylvia Hoeks in „The Gang“, Foto: Black Hill Pictures/Koch Media)

Der aufwendig produzierte Film – laut IMDb hatte er angeblich ein Budget von etwa 2,9 Millionen Euro, was für eine rein niederländische Produktion sehr ansehnlich ist – weiß diese Geschichte spannend zu vermitteln und erinnert oft an brutale Gangstergeschichten aus Chicago dieser Zeit, legt jedoch mit der Konzentration auf eine Protagonistin, die ein kleines, aber entscheidendes Rädchens des Mobs ist, einen interessanten, anderen Fokus als die meisten großen Vorbilder Hollywoods.

Blu-Ray-Cover von „The Gang“, Black Hill Pictures/Koch Media
Blu-Ray-Cover von „The Gang“, Black Hill Pictures/Koch Media

„The Gang – Auge um Auge“ („De Bende van Oss“, NL 2011)

Regie: André van Duren

Drehbuch: Paul Jan Nelissen und André van Duren

Darsteller: Matthias Schoenaerts, Sylvia Hoeks, Benja Bruijning

Extras: Fotogalerie, Trailer.

★★★★

„The Gang“ erscheint am 24.09.2015 auf DVD, Blu-Ray und als VoD bei Black Hill Pictures/Koch Media. Offenlegung: Ich habe die Blu-Ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.