Neuer Doktor, neuer Schwung – Die achte Staffel Doctor Who

Auf Blu-Ray bietet die deutsche Fassung der achten Staffel von New Who (bzw. die 34. Staffel insgesamt) sogar mehr als das UK-Pendant: Die erste Weihnachtsfolge mit Peter Capaldi, die man in Großbritannien derzeit noch separat erwerben darf, sowie endlich auch einige Specials, die uns bisher vorenthalten wurden.

Clara (Jenna Coleman) muss sich erst an den neuen Doktor (Peter Capaldi) gewöhnen. (Foto: Polyband/BBC)
Clara (Jenna Coleman) muss sich erst an den neuen Doktor (Peter Capaldi) gewöhnen. (Foto: Polyband/BBC)

Aber erstmal zum neuen Doktor. Ich gebe es zu: Ich hatte mit keinem Doktor bisher sowenig Probleme am Anfang gehabt wie mit Capaldis. Nach drei jüngeren Doktoren ist der zwölfte Doktor einfach ein lang ersehnter Kontrapunkt für alle, die auch Old-Who kennen und lange schon auf einen älteren Doktor hofften. Und was für ein Kontrapunkt: Dieser Doktor ist endlich mal kein Love-Interest für seine Begleiterin, sondern hat sogar starke Probleme mit menschlicher Zuneigung umzugehen. Und er zeigt endlich wieder seine dunkle Seite: die Seite des Wahnsinnigen in einer Zeitmaschine, der zu oft über Leben und Tod entscheiden musste. Gleichzeitig kanalisiert Capaldi aber auch die überschäumende Energie von Smith, die Ungestümheit von Tennant und die Begeisterungsfähigkeit von Ecclestone – und er hat nimmt auch endlich wieder einen Löffel zur Hand*.

* Wobei eigentlich zwei Löffel authentischer gewesen wären.

Und einer der größten Problempunkte der letzten Smith-Folgen wird auch ausgemerzt: Companion Clara bekommt endlich richtig etwas tun und ist nicht nur ein einfaches Plot-Device. Sie ist endlich ein Mensch mit Stärken und Fehlern, und kommt in das Dilemma ihr normales Leben und ihr Leben an Bord der Tardis jonglieren zu müssen. Sie war einer der Schwachpunkte der zweiten Hälfte der siebten Staffel und, wie Showrunner Steven Moffat diese Woche einräumte, hatte auch bereits an einen Ausstieg aus der Serie gedacht, blieb dann aber doch der Serie treu und wird auch in der kommenden neunten Staffel wieder dabei sein.

Capaldi probiert sich auch mal als „Raggedy Doctor“ (Foto: Polyband/BBC)
Capaldi probiert sich auch mal als „Raggedy Doctor“ (Foto: Polyband/BBC)

Die Episoden im Einzelnen

Kleiner Warnhinweis: Wie immer versuche ich größere Spoiler hier möglichst zu vermeiden, kann sie aber nie ganz ausschließen.

8×01 „Tief Durchatmen“ („Deep Breath“): Die Einführung des neuen Doctors im viktorianischen England ist von den Effekten her beeindruckend, aber die Story ist dann doch etwas zu vollgestopft und ausgerechnet zum tiefen Durchatmen kommt man gar nicht. 

★★★★

8×02 „Mission Dalek“ („Into the Dalek“): Kann man ein Gewissen ausschalten? Das von Daleks offenbar, wie bei der wunderbaren Miniatur-Reise festgestellt wird. Der interessantesten moralischen Konsequenz aus dieser Frage stellt sich aber weder der Autor und so auch nicht der Doctor. Schade. 

★★★☆☆

Tom Riley spielt Robin Hood, der ja eigentlich gar nicht existiert, meint jedenfalls der Doctor (Foto: Polyband/BBC)
Tom Riley spielt Robin Hood, der ja eigentlich gar nicht existiert, meint jedenfalls der Doctor (Foto: Polyband/BBC)

8×03 „Roboter in Sherwood“ („Robot of Sherwood“): Auch wenn viele andere meiner Freunde die Folge mochten – ich war hier tief enttäuscht, wie eigentlich von jeder Folge von „Sherlock“-Mitautor Mark Gatiss. Sie bringt zwar zeitweise Spaß ist aber letztlich mal wieder ein buntes Kuddelmuddel, und bekommt eigentlich nur wegen des Löffels noch 

★★★☆☆

Der Doktor hat eine neue Leidenschaft für Diagramme auf Kreidetafeln entdeckt (Foto: Polyband/BBC)
Der Doktor hat eine neue Leidenschaft für Diagramme auf Kreidetafeln entdeckt (Foto: Polyband/BBC)

8×04 „Hör zu“ („Listen“): Eine nahezu perfekte Episode. Moffat vermag es doch noch, gute Episoden zu schreiben und diese verdient es auf einem Level wie „Don’t Blink“ genannt zu werden. 

★★★★★

8×05 „Verschlusssache“ („Time Heist“): Warum bisher mit dem Motiv des vielschichtigen Heist-Films, der regelmäßig Wendungen mit sich bringt, bei Doctor Who noch niemand angekommen ist, bleibt eine Frage, bringt doch gerade diese Folge einfach viel Spaß und gleichzeitig genügend weitere Charaktere mit, die ich gerne weiter als Companions gesehen hätte. 

★★★★★

8×06 „Der Hausmeister“ („The Caretaker“): In „Rememberance of the Daleks“ wurde Sylvester McCoys Doktor vom Rektor der Coal Hill School gefragt, ob er sich denn als Hausmeister bewerben möchte. Nun ja, Timelords überlegen halt manchmal etwas länger und die Tatsache, dass er nun, sechs Regenerationen später, das Jobangebot endlich annimmt, ist schon eine tolle Idee allein. Besser ist das, was Capaldi daraus macht. 

★★★★

8×07 „Tötet den Mond“ („Kill the Moon“): Es ist okay, dass der Doctor bisweilen düstere Entscheidungen trifft, die man nur schwer nachvollziehen kann. Aber dass er sich nicht in das Schicksal der Menschen einmischen möchte ist so dermaßen weit weg von dem, was er regelmäßig Woche für Woche macht … Und dazu kommen dann ein paar grundsätzliche Fragen von Himmelsmechanik, die die Folge einfach vermiesen. 

★★★☆☆

Eine der Highlights der Staffel: Mumien im Weltall (Foto: Polyband/BBC)
Eines der Highlights der Staffel: Mumien im Weltall (Foto: Polyband/BBC)

8×08 „Die Mumie“ („Mummy on the Orient Express“): Agatha Christie ist der Doctor ja bereits in der vierten Staffel getroffen, jetzt trifft er gleich noch auf ihre berühmteste Geschichte und gleichzeitig einem irrwitzigen Set-Design. Dazu eine durchweg spaßige Story. 

★★★★

8×09 „Hinter den Wänden“ („Flatline“): Die Idee, den Doctor in seiner Tardis einzusperren und stattdessen Clara in der Funktion des Doctors agieren zu lassen ist klasse, dazu kommen die wohl interessantesten neuen Monster-Kreationen seit zwei Staffeln. 

★★★★★

8×10 „Ruf der Wildnis“ („In the Forest of the Night“): Öh, ja. Vergessen wir die Folge lieber schnell mal wieder. Der Schulausflug ist zwar noch ganz amüsant, aber die Auflösung ist sogar für Doctor Who gerade zu hahnebüchend. 

★★☆☆☆

Die Auflösung, was Missy angeht im großen Finale (Foto: Polyband/BBC)
Im großen Staffelfinale erhalten wir endlich die Auflösung, was die mysteriöse Missy angeht (Foto: Polyband/BBC)

8×11 „Dunkles Wasser (1)“ („Dark Water (1)“) und 8×12 „Tod im Himmel (2)“ („Death in Heaven (2)“): Das zweiteilige Staffelfinal ist wieder ganz großes Tennis. Ich freute mich wie ein kleines Kind, dass ich Recht behalten sollte, was den Charakter von Missy anging. Und war gleichzeitig begeistert, dass ich die Herkunft des Firmen-Logos nicht erkannt hatte*. War traurig, einen meiner liebsten Nebencharaktere verloren zu haben, bekam einen Kloß im Hals, als sich die Serie vor dem Brigadier verbeugte und übersah beim ersten Ansehen glatt, dass sie den Vorspann der 12. Folge modifiziert hatten und Jenna Coleman erstmals zuerst genannt wurde. Großes Tennis. 

★★★★★

* Ja, ich freue mich darüber, wenn ich von Wendungen kalt erwischt werde, die gut vorbereitet waren und man hätte vorausahnen können. Passiert mir leider immer seltener.

Insgesamt bekam die 8. Staffel damit von mir im Durchschnitt sehr gute 7,4 Sterne.

Weihnachtsspecial 2014 „Hereingeschneit“ („Last Christmas“): Was für eine Mischung: Facehugger-Traum-Krabben, der Weihnachtsmann, Arktisstationen, Clara im schlechten Alters-Make-Up, der Weihnachtsmann, Elfen, Schlitten-ziehende Rentiere, Orangen und … erwähnte ich den Weihnachtsmann? Das alles passt eigentlich so gar nicht zusammen und eben doch. Vielleicht nicht die beste Weihnachtsfolge (das dürfte für mich bisher „A Christmas Carol“ (2010) sein), aber sie bringt Spaß, ist ausreichend chaotisch und weihnachtlich gleichzeitig. Und sie hat Nick Frost (den Weihnachtsmann). 

★★★★

Extras: Wie bei Doctor Who mittlerweile üblich platzen die Scheiben nur so voller Bonus-Materialien. Neben den obligatorischen Set-Berichten und Interviews sind hier vor allen hervorzuheben: „The Ultimate Timelord“ und „The Ultimate Companion“, in der Peter Davidson (der fünfte Doktor) Antworten auf die Frage „Was macht den Doktor/die Companions aus“ Antworten sucht, und „The Five(ish) Doctors Reboot“, einem kleinen Special, ebenfalls von Peter Davidson produziert, in dem er einen eigenen Anteil am 50. Jubiläum der Serie haben möchte und dazu eine Mockumentary mit vielen Gastauftritten allerhand Doctor Who-Prominenz inszeniert.

Darüberhinaus gibt es das Prequel zur ersten Episode, das bisher nur bei der Kinoaufführung gezeigt wurde und Strax dabei zeigt, wie er die unterschiedlichen Regenerationen des Doctors einsortiert. 

★★★★

Die deutschen Boxen werden immer besser

Insgesamt eine rundum gelungene Box deren Anschaffung nicht nur wegen der besseren Bildqualität gegenüber den Streaming-Anbietern vorzuziehen ist, sondern auch aufgrund der vielen Extras und der bereits vorhandenen Weihnachtsfolge von 2014 ein Muss für alle Whovians darstellt.

„Doctor Who – Staffel 8 – Komplettbox“ erscheint am 13. März 2015 auf DVD und Blu-Ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-Ray-Box freundlicherweise vorher als Rezensionsexemplar erhalten.