Der Doktor wird gewalttätig – „Doctor Who – Der sechste Doktor Vol. 1“

Collage zu Doctor Who - Sechster Doktor - Volume 1 (Foto: Pandastorm/BBC)
Collage zu Doctor Who – Sechster Doktor – Volume 1 (Foto: Pandastorm/BBC)

Es gibt ein paar Doktoren, von denen habe ich fast noch gar nichts gesehen und der sechste Doktor (Colin Baker) gehört dazu*. Irgendwie war er für mich immer der unzugänglichste, auch meine Kollegen vom Ausgespielt-Podcast waren ihn nicht wirklich so angetan von ihm. Aber das bedeutet nicht, dass man sich nicht ein eigenes Bild machen sollte.

* Genauso übrigens der zweite Doctor, von dem ich auch noch kein einziges Serial gesehen habe. Aber das habe ich vor zu ändern.

Der sechste Doktor in seinem bunten Kostüm (Colin Baker, Foto: Pandastorm/BBC)
Der sechste Doktor in seinem bunten Kostüm (Colin Baker, Foto: Pandastorm/BBC)

Nummer 6 macht es einen aber auch wirklich nicht leicht: Er ist hochnäsig, ein wenig verrückt und das erste, was er macht, ist, seine aktuelle Companion Peri, die zu der Scream-Companion-Queen-Abteilung gehört und vermutlich nur wegen ihres attraktiven Dekolletees wegen ausgesucht wurde aber nicht ansatzweise eine interessante Geschichte wie Seven-of-Nine bei Star Trek Voyager aufweist, die aus ähnlichen Gründen gecastet wurde; äh … das erste was er also macht ist, Peri fast zu erwürgen. Und das nächste was die macht, ist bei ihm zu bleiben, weil es ja so aufregend hier ist, und sie sich ja nur an diesen anderen Doktor gewöhnen muss …Hust. Äh. Hust.

Dazu kommt ein Doktor-Kostüm, das aus dem Höhepunkt der Technicolor-Welle entstammen zu scheint, es ist … nun ja … eher eines Clowns würdig, und die beiden Fragezeichen am Hemdkragen sind auch nicht wirklich stylisch. Na ja, vielleicht reißen es ja die Episoden heraus …

21×07 „Zweimal Einstein“ („The Twin Dilemma“, 4×25 Minuten-Serial)

Der frisch regenerierte Doktor beginnt damit, sich seltsam zu benehmen und beweist auf der Suche nach einer Alternative der Cricket-Gemüse-Kleidung des fünften nun einen noch schrecklichen Modegeschmack, was ihm auch Peri bestätigt. Doch dieser lässt sich nicht beirren, probiert es mit ein paar Scherzen und ist plötzlich der Ansicht, dass Peri böse sei, weswegen er sie fast erwürgt. Er lässt nur von ihr ab, als er in einem Spiegel seine neue Gestalt erblickt.

Unterdessen sind sie auf einem Asteroiden, Titan 3 gelandet. Dorthin wurde gerade ein brillantes menschliches Zwillingspaar von einem Gastropoden namens Mestor entführt, der sie ausnutzen möchte, die notwendigen Kalkulationen vorzunehmen, mit denen die Eier seiner Spezies durch eine wohldosierte Sonnenexplosion quer über die ganze Galaxis verteilt werden können (ja, wirklich!). Und dann gibt es da noch einen anderen Zeitwanderer namens Azmael, der die Terrorherrschaft der Gastropoden zu beenden versucht und mit dem sich der Doktor und Peri verbünden.

„The Twin Dilemma“ wurde mehrfach zu dem schlechtesten Doctor Who-Serial überhaupt gewählt. Und ja: Es ist wirklich schlimm. Wirklich nur etwas für Hardcore-Whovians und keinesfalls empfehlenswert als Einstieg in die Serie. 

☆☆☆☆

22×01 „Angriff der Kybermänner“ („Attack of the Cybermen“, 2×45 Minuten-Serial)

Der Doktor will endlich den Chameleon-Schaltkreis der Tardis reparieren (was ihm nur bedingt gelingt) und landet dazu mal wieder auf dem Foremans Schrottplatz. Doch dort trifft er auf einige Kybermänner und einen alten Bekannten namens Lytton (den wir in Deutschland aber nie kannten, da die Serials des fünften Doktors hier nie liefen). Die Kybermänner wollen den Halleyschen Kometen* in die Erde lenken und Lytton scheint irgendwie da rein involviert zu sein. Kann man ihm trauen, schließlich hat er einst auch mit den Daleks kooperiert?

* Der Halleysche Komet kam tatsächlich der Erde ein Jahr später, 1986, bei seinem 76-jährigen Umlauf der Sonne am nächsten und war deutlich beobachtbar.

Dieser Doktor verwendet Waffen (Colin Baker, Foto: Pandastorm/BBC)
Dieser Doktor verwendet Waffen (Colin Baker, Foto: Pandastorm/BBC)

In Staffel 22 wurde von den 25-Minütigen Einzelfolgen auf 45-Minuten umgestellt, dafür bestehen die meisten Serials diesmal aber auch nur aus zwei statt vier Episoden*. Diese Folge mit den Kybermännern (wie die Cybermen im Deutschen übersetzt wurden) ist aber für Doctor-Who-Verhältnisse sehr gewalttätig. Sogar der Doctor selbst nutzt die Waffe eine Kybermanns mehrfach gegen seine Gegner, was sehr gegen seine sonst eher gewaltlose Art und Weise spricht. 

★★★☆☆

* Ein Muster, das gerade in der aktuellen achten Staffel von NuWho wieder aufgegriffen wurde und bei Kritikern wie Publikum sehr ankommt.

22×02 „Revolte auf Varos“ („Vengeance on Varos“, 2×45 Minuten-Serial)

Der Doktor braucht für seine Tardis etwas Zeiton-7, ein seltenes Erz, dass auf Varos existiert. Dort treffen er und Peri auf ein Volk, das seine Rebellen, aber auch seine Exekutive durch direkte Demokratie über ein interaktives Fernsehen steuert. Aber falls es mehrheitlich gegen jemanden votiert, auch diesen in einer grausamen Reality-TV-Show foltert …

Sil (Nabil Shaban), Peri (Nicola Bryant) und der Chief Officer (Forbes Collins) (Foto: Pandastorm/BBC)
Sil (Nabil Shaban), Peri (Nicola Bryant) und der Chief Officer (Forbes Collins) (Foto: Pandastorm/BBC)

Die Idee von einer tödlichen Fernsehshow zum Amüsement der Massen ist nicht neu, die Idee, dies auch mit einer Kontrolle der uninformierten und lenkbaren Masse, welche die Entscheidungen trifft, zu kombinieren ist deutlich kreativer. Hier stellen sich die regierenden Politiker dem ständigen Urteil und der Diktatur der Masse, die eigentlich nur darauf giert, dass sie die Politiker möglichst lange leiden lassen kann. Diese durchaus unterhaltsame* Episode reißt die Staffel doch sehr nach oben. 

★★★★

* Dazu gibt es hier den Einstand des Schauspieler Jason Connery als Rebell Jondar. Der Sohn von Schauspielerlegende Sean Connery schnupperte hier BBC-Luft und sollte ein Jahr später in der Robin Hood-Serie einsteigen, durch die er einige Berühmtheit erlangen sollte, und in der er ebenfalls oft sein Hemd verlieren musste.

22×03 „Die Rache des Meisters“ („The Mark of the Rani“, 2×45 Minuten-Serial)

Der Doktor trifft wieder einmal auf den Master (Anthony Ainley), der sich hier jedoch mit einem anderen Mitglied ihrer Spezies duelliert: Die Rani ist ebenfalls eine Zeitwandererin und absolut skrupellos bei ihren genialen Experimenten mit den Menschen des kleinen, viktorianischen Ortes Killingworth, der kurz vor der Industriellen Revolution steht. Doch drei Zeitwanderer an einem Ort zur selben Zeit kann nur Probleme bedeuten …

Die Rani (Kate O’Mara) hat sogar ein eigenes Tardis-Set, dass sie hier dem neidischen Master (Anthony Ainley) zeigt (Foto: Pandastorm/BBC)
Die Rani (Kate O’Mara) hat sogar ein eigenes Tardis-Set, dass sie hier dem neidischen Master (Anthony Ainley) zeigt (Foto: Pandastorm/BBC)

Die erste Begegnung mit der Rani ist genauso eindrucksvoll wie ihr Charakter und man wundert sich immer noch, warum es immer noch keine neuen Episoden mit ihr in NuWho gibt – wobei es dort ja nun ein wundervolle Missy gibt, die sich sehr stark an ihr orientiert. Die Rani ist einfach ein wundervoller soziopathischer verrückter Wissenschaftler, also ein perfekter Antagonist für den Doktor.  

★★★☆☆

Die Extras

DVD-Box
DVD-Box

Die sympathischen Bären bei Pandastorm Pictures haben sich entschieden, die Folgen des sechsten Doktors in drei Volumes zu veröffentlichen, um auch all die Zusatzmaterialien in gewohnt-erprobter hoher Qualität ausliefern zu können. Auf dem ersten Volume sind dies das letzte Serial aus der 21. Staffel von 1984, was tatsächlich das erste von Colin Baker ist, sowie die ersten drei der sechs Serials der 22. Staffel von 1985*. Grundsätzlich sind die DVDs aber abermals perfekt zusammengestellt mit allem untertitelten Bonusmaterial (über fünf Stunden allein) der UK-Original-Ausgaben. Für die Episode „Vengance on Varos“ ist sogar eine komtyplette weitere DVD mit dem Bonusmaterial abgestellt.

* Die weiteren Volumes werden daher voraussichtlich zum einen aus den letzten drei Serials der 22. Staffel, sowie zum anderen aus der 23. Staffel bestehen. Die 23. Staffel besteht ohnehin lediglich aus vier, aber dafür eng zusammenhängenden Serials.

„Doctor Who: Sechster Doctor Volume 1“ erscheint am 27.11.2015 bei Pandastorm Pictures auf DVD. Offenlegung: Ich habe die DVD-Box freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

2 Gedanken zu „Der Doktor wird gewalttätig – „Doctor Who – Der sechste Doktor Vol. 1““

  1. Also ich finde den neuen Dr. nicht so gut…. Allerdings lebt die Serie von Veränderung also würde ich trotzdem einen Daumen nach oben geben!

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