Ein Liebes- und Rachefilm – Kino-Kritik: „Nocturnal Animals“

Susan Morrow (Amy Adams, „American Hustle“) ist Kunsthändlerin in Los Angeles. Ihre letzte Vernissage war allerdings nur leidlich erfolgreich und auch die Beziehung zu ihrem zweiten Ehemann Hutton (Armie Hammer, „The Social Network“) wackelt bereits. Da erhält sie das Manuskript des Debutromans ihres ersten Ehemanns, Edward Sheffield (Jake Gyllenhaal, „Nightcrawler“), das auch noch ihr gewidmet ist. Seit vielen Jahren hatten die beiden keinen Kontakt mehr zueinander gehabt denn die Beziehung damals ist alles andere als reibungslos zu Ende gegangen.

Susan (Amy Adams) wird von dem Debutroman ihres Ex-Ehemanns stark mitgenommen (Foto: Merrick Morton/Focus Features/Universal Pictures)
Susan (Amy Adams) wird von dem Debutroman ihres Ex-Ehemanns stark mitgenommen (Foto: Merrick Morton/Focus Features/Universal Pictures)

Susan beginnt, den Roman an einem Wochenende zu lesen, das sie alleine zuhause verbringt – und wird in eine brutale Thrillerwelt gezogen, in welcher der Ehemann einer junger Familie, Tony Hastings (ebenfalls Jake Gyllenhaal in einer Doppelrolle, die dadurch begründet wird, dass Autoren doch eigentlich nur über sich selbst schreiben) auf einer einsamen Straße in Texas von drei jungen Rowdies (u.a. Aaron Taylor-Johnson, „Avengers: Age of Ultron“) erst abgedrängt wird, und später tatenlos dabei zu sehen muss, wie diese mit seiner Frau und seiner Tochter verschwinden. Durch die Hilfe eines resoluten Sheriffs (Michael Shannon, „The Harvest“) versucht die Romanfigur sein Trauma zu überwinden – und schließlich steht er vor der Wahl, ob er Rache üben will oder letztlich doch verzeihen kann …

Eindrucksvolle Verschmelzung der Erzählebenen

Zwei narrative Ebenen in einem Film zu verweben ist oft schwieriger als man denkt. Letztlich sind es hier sogar drei, da durch die Konfrontation mit dem Roman bei Susan selbst die persönliche Vergangenheit mit ihrem Ex-Ehemann und einige verdrängte schlechte Erinnerungen wieder hochkochen. Doch Regisseur Tom Ford schafft es meisterhaft, seine narrativen Ebenen zu verweben und immer wieder zwischen diesen zu wechseln, ohne eine Narration so zu unterbrechen, dass man eigentlich auf der anderen Ebene weiter hätte verweilen wollen.

Tony Hastings (Jake Gyllenhaal) im Streit mit dem gewalttätigen Turk (Robert Aramayo) während Ray (Aaron Taylor-Johnson) sich an Tonys Tochter India (Ellie Bamber) heranmacht (Foto: Merrick Morton/Focus Features/Universal Pictures)
Tony Hastings (Jake Gyllenhaal) im Streit mit dem gewalttätigen Turk (Robert Aramayo) während Ray (Aaron Taylor-Johnson) sich an Tonys Tochter India (Ellie Bamber) heranmacht (Foto: Merrick Morton/Focus Features/Universal Pictures)

Und: Er vermeidet es, die Zuschauer mit entsprechenden Zaunlatten zu den richtigen Schlüssen zu prügeln – entweder versteht man den Film, oder man findet ihn einfach grottig langweilig. Aber immerhin wohl nicht beides. Und auch nicht unmittelbar, denn ich habe einige Zeit gebraucht, um den Film für mich selbst einzuordnen.

Letztlich hat dieser Film zusammen mit „The Arrival“ für mich aber Amy Adams als eine der Darstellerinnen zementiert, von der man weit mehr erwarten kann als nur eine Randfigur in den DC-Filmen.

Plakat „Nocturnal Animals“„Nocturnal Animals“, USA 2016

Regie & Drehbuch: Tom Ford

Darsteller: Amy Adams, Jake Gyllenhaal, Armie Hammer, Aaron Taylor-Johnson, Michael Shannon, Laura Linney

facebook.com/Nocturnal.Animals.DE

★★★★

„Nocturnal Animals“ startet am 22.12.2016 in unseren Lichtspielhäusern. Beitragsbild: Merrick Morton/Focus Features/Universal Pictures.

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