Dänische Jugendfantasy: „Hüterin der Wahrheit – Dinas Bestimmung“

Dina (Rebecca Emilie Sattrup) ist ein junges, elfjähriges Mädchen, das von all den anderen Kindern ihres Ortes verabscheut wird – denn Dina ist als Tochter einer „Beschämerin“ selbst mit dieser außergewöhnlichen Gabe versehen, die bei direktem Blickkontakt all die Erinnerungen in einem Menschen hervorruft, für dass dieser sich schämt. Für viele sind Dina und ihre Mutter (Maria Bonnevie) daher Hexen, vor denen sie Angst haben.

Als dann aber nahezu die gesamte Familie des Königs ermordet wird, wird erst Dinas Mutter und dann Dina selbst an den Königshof gebracht, um dem einzigen Verdächtigen, dem jungen Prinzen Nicodemus (Jakob Oftebro, „Kon Tiki“), in die Augen zu schauen um dessen Schuld festzustellen. Doch beide stellen bald fest, dass er zwar vieles hat, für dass er sich schämt – aber seine Familie nicht umgebracht hat. Das reicht aber Drakan (Peter Plaugborg, Mini-Serie „1864“) nicht – der offenbar selbst Ambitionen für den Thron hegt und nun Dina in große Gefahr bringt, denn Drakan trinkt das Blut von Drachen und wird dadurch nahezu unbesiegbar …

Dina versucht mit kurzen Haaren unterzutauchen (Rebecca Emilie Sattrup, Foto: Polyband)
Dina versucht mit kurzen Haaren unterzutauchen (Rebecca Emilie Sattrup, Foto: Polyband Medien GmbH)

Eine Fortsetzung im zweiten Teil?

Der Film bietet neben einer tollen Ausstattung in vielen alten Gemäuer – die rund um Prag gefunden wurden, also eigentlich gar nicht dänisch sind – eine durchaus gelungene Geschichte für etwas ältere Kinder mit einer tollen jungen Darstellerin und überraschend guten Effekten – auch wenn die Drachen vielleicht etwas bedrohlicher hätten wirken könnten und den Charakteren bisweilen etwas Tiefe fehlte.

„Die Hüterin der Wahrheit“ ist dabei die aufwendig inszenierte dänische Filmproduktion eines Jugendbuches der Dänin Lene Kaaberbøl, das bereits 2007 in Deutschland als „Dina in der Drachenburg“ erschienen war und mittlerweile als Film-Tie-In auch unter dem Titel „Hüterin der Wahrheit“ neu als Taschenbuch aufgelegt wurde.

Prinz Nicodemus soll um seinen Thron gebracht werden (Jakob Oftebro, Foto: Polyband Medien GmbH)
Prinz Nicodemus soll um seinen Thron gebracht werden (Jakob Oftebro, Foto: Polyband Medien GmbH)

Irritierend ist aber ein doch sehr offenes Ende des Films, zumal der (deutsche) Zuschauer auch nicht darauf hingewiesen wird, dass die Verfilmung nur der erste Teil der vierteiligen Jugendbuchreihe „Skammerens Datter“ (~ „Beschämerins Tochter“) ist, das noch aus den Büchern „Skammertegnet“ (~ „Das Schamzeichen“), „Slangens Gave“ (~ „Geschenk der Schlange“) und dem Abschlussband „Skammer Krigen“ (~ „Die Schamkriege“) besteht. Ob auch die weiteren Bücher verfilmt werden, konnte ich leider auch nach einiger Recherche mit meinen bescheidenen Dänischkenntnissen nicht in Erfahrung bringen. Auch ist bisher leider nur der erste Teil der Bücher auf Deutsch bei Carlsen erschienen, immerhin sind diese auf Englisch erschienen („Shamer Chronicles“), allerdings größtenteils nur noch antiquarisch zu bekommen, so dass es, sollte es keine Fortsetzung geben, schwierig wird, die weitere Geschichte zu erfahren.

Der Bösewicht in diesem Stück (Peter Plaugborg, Foto: Polyband Medien GmbH)
Der Bösewicht in diesem Stück (Peter Plaugborg, Foto: Polyband Medien GmbH)

Grundlagen für Fortsetzungen sind jedenfalls viele gelegt worden, der Film lockte in Deutschland bei einem kurzen Kinogastspiel im März 2016 nur etwas über viertausend Zuschauer an und verschwand nach nur einer Woche wieder aus den Sälen. In Dänemark lief er naturgemäß deutlich besser und lockte über 125 Tausend Besucher in die „Biografen“ (Kinos) und holte auch fünf „Roberts“ (dänischer Film- und Fernsehpreis).

Ob bei diesen Einspielergebnissen eine Fortsetzung des 7,5 Mio. Euro teuren Films möglich sein wird, ist zumindest fraglich – aber wünschenswert, denn der Film strahlt einen skandinavischen Fantasy-Charme aus, den zuletzt die Verfilmung von „Ronja Räubertochter“ hatte.


Update März 2017: 

Aufgrund des Feedbacks einer Leserin aus Wien habe ich nochmal neu in der der dänischen Wikipedia geguckt, und siehe da:

„Sattrup havde allerede i marts 2015 undskrevet en kontrakt på at lave en fortsættelse af filmen. Skammerens Datter 2, som bliver en filmatisering af bogen Skammertegnet fra 2001, er sat til at få premiere i 2018.“

Schnell von mir übersetzt:

„Sattrup hat bereits im März 2015 einen Vertrag für die Fortsetzung unterschrieben. Skammerens Datter 2, eine Adaption des Buchs Skammertegnet von 2001, soll 2018 Premiere feiern.“

Wir können also gespannt sein!


„Die Hüterin der Wahrheit – Dinas Bestimmung“ („Skammerens Datter“, DK 2015)

Regie: Kenneth Kainz

Buch: Anders Thomas Jensen und Lene Kaaberbøl

Darsteller: Rebecca Emilie Sattrup, Jakob Oftebro, Søren Malling, Maria Bonnevie, Stina Ekblad, Peter Plaugborg

Score: Jeppe Kaas („Adams Äpfel“, „Headhunters“)

Extras: Interviews mit Darsteller und Crew, Behind-the-Scenes, Trailer (auch in Original)

Rollenspiel-Inspirationsfaktor: Gerade für Kinder ein toller Einstieg in eine Fantasy-Welt.

www.diehueterinderwahrheit.de

★★★★

„Die Hüterin der Wahrheit – Dinas Bestimmung“ erscheint am 26.08.2016 bei Polyband auf DVD und Blu-ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

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