Rons Filmjahr 2016 (plus Ausblick)

Ja, jeder hat schon über 2016 gemeckert undwir haben viel zu viele große und wichtige Film-Stars verloren (David Bowie, Kenny Baker, Carrie Fisher, Debbie Reynolds, Zsa Zsa Garbor, Gene Wilder, Garry Shandling, Anton Yelchin, Ron Glass, Alan Rickman, … Der In-Memoriam-Part der Oscars nächstes Jahr wird fühlbar schwerer als sonst).

Die Top-Filme des Jahres 2016

Aber es gab 2016 auch einige herausragende Filme, denen ich fünf Sterne verliehen habe. Ich bin positiv überrascht, dass dieses Jahr gleich die Hälfte dieser Liste von deutschsprachigen Produktionen belegt ist. Angeführt wird die Liste allerdings von dem grandiosen Kleinod von Taika Waititi, das leider hierzulande immer noch auf eine Veröffentlichung außerhalb von Festivals auf sich warten lässt, warum auch immer.

Platz 6: „Schrotten“

Foto: Port au Prince Pictures GmbH

Ein deutscher Heist-Film, um die Ecke in Celle gedreht, mit guten Darstellern und einem hervorragend getakteten Plot.

(Komplette Rezi)

Platz 5: „The Big Short“

Foto: Paramount Pictures/Regency Enterprises

Ein durchaus komplexes Thema, die Immobilien-Finanzkrise in den USA, wird aus mehreren Perspektiven mit äußerster Süffisanz mit einiger Starpower beleuchtet – und unterhält dabei genauso wie er informiert und schockiert.

(Komplette Rezi, bereits jetzt bei Netflix anzuschauen)

Platz 4: „Die Blumen von Gestern“

Foto: Edith Held/Four Minutes Filmproduktion

Ein eigentlich absurdes Film-Thema: Totila Blumen (Lars Eidinger) arbeitet als Holocaustforscher in einer Bundeseinrichtung und soll zusammen mit der französischen Praktikantin jüdischer Herkunft Zazie (Adèle Haenel) zusammen einen Ausschwitz-Kongress organisieren. Beide kommen nicht ansatzweise miteinander klar, doch Zazie hat mit Totilas neuem Boss (Jan Josef Liefers) eine Affäre und ist ebenso emotional labil wie Totila. Und dann droht auch noch der prominente Stargast des Kongresses abzuspringen …

Eine absolut gelungene Komödie mit glaubhaften Darstellern, welche die Auswirkungen des Holocausts auf spätere Generationen genauso realistisch wie komisch erforscht.

(Ab 12. Januar 2017 im Kino)

Platz 3: „The Arrival“

Als die Außerirdischen an zwölf Punkten der Welt landen, ist die erste Herausforderung, überhaupt eine Kommunikation mit diesen herzustellen. Die brillante Linguistin Louise Banks (Amy Adams) übernimmt dies bei einem der Muscheln genannten Schiffe, stellt aber bald fest, dass die wirkliche Herausforderung nicht in den Worten, sondern in der unterschiedlichen Denkstruktur liegt.

Ein oscarwürdiger Science-Fiction-Film basierend auf einer Kurzgeschichte von Ted Chiang, welche Drehbuchschreiber Eric Heisserer und Regisseur Denis Villeneuve noch deutlich verbessern. Ein Erst-Kontakt-Film ohne Raumschiffschlachten und einem Fokus auf die Sapir-Whorf-Hypothese – mit starker emotionaler Basis, die allein von Amy Adams getragen wird.

(Meine Lobhudelei im Ausgespielt-Podcast)

Platz 2: „Toni Erdmann“

Toni Erdmann (Peter Simonischek) beim Eiermalen (Foto: Komplizen Film)

Winfried (Peter Simonischek) ist ein ausgeprägter Scherzbold, der mit absurden Kostümierungen und vor allen falschen Zähnen seine Umgebung zu unterhalten versucht. Aber vor allen zu seiner Tochter, der Karrierefrau Ines (Sandra Hüller), hat er über die Jahre immer mehr Kontakt verloren. Daher entschließt er sich mit seinem Alter Ego, Toni Erdmann, in ihr Business-Leben vorzudringen.

Zu Recht als deutscher Oscarkandidat nicht nur gehandelt sondern auch tatsächlich ins Rennen geschickt – Maren Ades Film ist absolut unkonventionell wie auch gleichzeitig bezaubernd und kaum in Worte zu fassen. Einfach ein Erlebnis.

(Seit wenigen Tagen auf DVD, Bluray und VoD erhältlich)

Platz 1: „Hunt for the Wilderpeople“

Der Junge Ricky (Julian Dennison) ist ein echter Problemfall für seine Pflegefamilien, und auch bei seiner neuesten am Rande der neuseeländischen Wildnis hat er starke Probleme sich einzuleben. Doch als er und sein Pflegeonkel (Sam Neill) in der Wildnis verloren gehen, löst dies nicht nur eine nationsweite Suche nach den beiden aus, sondern bringt diese notgedrungen enger zusammen, als es beiden zunächst lieb ist.

Taika Waititi überraschte schon vor zwei Jahren mit der charmanten Komödie „5 Zimmer Küche Sarg“ („What We Do in the Shadows“). Sein neuer Film übertrifft diesen bei weiten und ist die Feel-Good-Indie-Komödie-mit-viel-Herz des Jahres, die wirklich „majestical“ ist.

(Leider bisher kein deutscher Verleih bekannt)

Die Flop-Filme des Jahres 2016

Aber dann waren da auch noch diese beiden Tentpole-Filme, die Hollywood mal wieder kaputt-optimiert hat. Beiden zueigen sind zu große Ensemble, zu wenig Fokus auf die eigentliche Story und bombastisch langweilige Explosionen. „Batman v. Superman“ hat es übrigens nur knapp nicht auf diese Liste geschafft, da der Film zumindest in der Extended Version ein paar wenige gute Szenen hat – wenn man da noch eine Story dazwischen aufgefüllt hätte (eine sehr gelungene Video-Analyse dazu hat The Nerdwriter).

Platz 2: „Suicide Squad“

Foto: Warner Bros.

Wenn man Zack Snyders Filmen zumindest eine optische Brillanz assistieren kann, ist dieser neueste Eintrag in dem Versuch von DC an die Marvel-Filmwelt anzuknüpfen leider einfach nur misslungen. Die Idee der Bösewichte als Einsatztruppe ist ja noch recht charmant, aber wenn diese nahezu ohne Konsequenz bleibt, und die Bösewichte lediglich auf Sprüche begrenzt bleiben, verpufft dies im Nirvana. Sowohl Will Smith, als auch Margot Robbie spielen mit aller Kraft gegen ein ödes Skript an, können aber auch diesen Murks nicht mehr aus der Scheiße ziehen. Bitte Warner, gib das DC-Universum wieder in die Hände von Leuten, die einen kreativen Plan haben, der weitergeht als nur Starpower zu verheizen.

Platz 1: „Independence Day: Wiederkehr“

Zugegeben: Der erste Independence Day war auch nicht dass brillante Meisterwerk, aber es wusste immerhin seinem Ensemble etwas zu tun zu geben und hatte für die damalige Zeit beeindruckende visuelle Effekte. Doch 20 Jahre später fällt den Kreativen nichts anderes ein als die selbe Mannschaft müde wieder zu beleben (Brent Spiners Charakter sogar im wörtlichen Sinne) und gegen die selben übermächtigen Aliens in den Kampf zu schicken. Lediglich Will Smith zog sich wohlweislich aus dem Film heraus – traf aber leider nicht die besser Entscheidung. Boah, Emmerich, das wirklich das Einzige, was Du noch zustande bringst, ein müder Aufguss des alten Rezepts?

Und 2017?

Natürlich kann man jetzt noch nicht absehen, was auf den Festivals an wirklichen Neuheiten groß werden wird und so muss sich jeder Ausblick halt auf all die Fortsetzungen, Remakes und Prequels konzentrieren. Davon hat 2017 natürlich wieder einiges zu bieten:

  • „Blade Runner 2049“ – Eigentlich ist es ja ein Sakrileg, diesem Meilenstein der Filmgeschichte ein Sequel zu geben. Aber mit Harrison Ford an Bord und Denis Villeneuve („The Arrival“) auf dem Regiestuhl und einem atmosphärisch sehr dem Geist des Originals treffenden Trailer bin ich mittlerweile doch sehr hoffnungsvoll.
  • „Ghost in the Shell“ – Ich war nie ein Riesenfan von Animes, aber GitS sagt mir natürlich etwas. Ob es aber gelingt, den komplexen Stoff nicht zu sehr zu verwässern?
  • „Guardians of the Galaxy – Vol. 2“ – Wenn der Film nur ansatzweise so entspannt bleibt wie der erste, ist das ein Selbstläufer. Und: Baby-Groot!
„Alien: Covenant“ (Foto: Twentieth Century Fox)
  • „Alien: Covenant“ – Ich mochte an Prometheus die Bilder – die Story riss mich nicht vom Kinosessel. Aber: diese Fortsetzung hat keinen Lindelof als Schreiber. Und Alien im Titel. Und Fassbender und Rapace.
  • „Spider-man: Homecoming“ – In „Captain America: Civil War“ hat Marvel schon gezeigt, wie ein wirklich guter Spider-Man aussehen kann, und dieser bekommt nun seinen eigenen Film inkl. Auftritte von Robert Downey Jr. und Michael Keaton
  • „Dunkirk“ – Christopher Nolans Filme sind immer gesetzt für mich, auch wenn sein neuestes Werk aus der Reihe der Fantastischen Filme fällt und das Genre der Kriegsfilme des 2. Weltkriegs erweitert. Aber gerade diese Kombi klingt spannend.
  • „The Dark Tower“ – Ich habe Kings Bücher nie gelesen, aber es gilt als unverfilmbarer Zyklus. Dass so etwas ein gutes Zeichen sein kann, bewiesen schon Herr der Ringe und Game of Thrones – ob Idris Elba in der Hauptrolle sich da einreiht muss sich aber noch zeigen.
  • „Thor: Ragnarok“ – Taika Waititis andere Filme („What We Do in the Shadows“, „Hunt for the Wilderpeople“) sind brillante Kleinode. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, was er mit dem Marvel-Franchise anfangen kann – aber genau das macht mich enorm gespannt.
  • „Star Wars: Episode VIII“ – Hey, es ist Star Wars. Und Rian Johnson im Regiestuhl. Das wird schon was werden. Aber ohne Carrie Fisher ist es auch etwas traurig.

Und, wie schaut es bei Euch aus?

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