Ein norddeutscher Heist im Kino: „Schrotten!“

Der erste Langfilm des Studenten-Oscar-Kurzfilm-Gewinners Max Zähle ist alles andere als schrottreif.

Die Talhammers sind seit vielen Generationen Schrotthändler, die mehr oder weniger legal sich mit dem Müll anderer Leute ihr Leben verdingen. Als bei dem Diebstahl von Bahnschienen der Patriach Fiete Thalhammer umkommt, fällt der Schrottplatz nicht nur an dessen Sohn Letscho (Frederick Lau, „Victoria“) sondern auch an dessen Bruder Mirco (Lucas Gregorowicz, „Lammbock“). Mirco hatte sich vor einigen Jahren von seiner Familie und dem Familiengeschäft entfremdet, ist aber auch nicht gerade auf dem rechtschaffenden Pfad geblieben – er verdingt sich als Verkäufer in einem undurchsichtigen Versicherungsschneeballsystem in Hamburg.

Mirco will alles, nur nicht zurück in das Familiengeschäft, weswegen ihn das Angebot des Konkurrenten Kercher (Jan-Gregor Kremp, „Der Alte“) durchaus attraktiv erscheint – schließlich hat er selbst noch einige Schulden in dem Schneeballsystem offenstehen. Er willigt zunächst ein, auch Letscho davon zu überzeugen, zu verkaufen, der jedoch davon rein gar nichts hören will. Stattdessen hat dieser vor, Kercher um einiges Kupfer-Altmetall zu erleichtern – mit einem aberwitzigen Plan …

Mirco hat den Plan gefunden (Foto: Port au Prince Pictures GmbH)
Mirco hat den Plan gefunden (Foto: Port au Prince Pictures GmbH)

Wir können noch Kino

Was als klassischer Streit zweier Brüder um ein Erbe beginnt, wandelt sich recht schnell zu einen erstklassigen Heist-Film. Das Spielfilmdebüt von Max Zähle ist wirklich brillant inszeniert, mit viel Humor und Spannung erzählt und bringt gleichzeitig noch einiges an sympathischen norddeutsches Flair mit sich (es wurden viele Szenen in der Altstadt von Celle, der Heimatstadt des Regisseurs und in der Heide gedreht). Auch wenn man von der Prämisse eigentlich nicht viel erwartet, so ist es doch ein unheimlich starkes Ensemble in einem ungewöhnlichen Umfeld der Schrottsammler, welche einen unglaublichen Charme versprühen. Eigentlich würde man bei diesen Figuren viel mehr Zeit verbringen wollen als nur die eine Stunde und 38 Minuten des Films.

Sympathisch aber nicht unbedingt die hellsten: Letscho, Träumchen und Schmied (Frederick Lau, Lars Rudolph und Heiko Pinkowski; Foto: Port au Prince Pictures GmbH)
Sympathisch aber nicht unbedingt die hellsten: Letscho, Träumchen und Schmied (Frederick Lau, Lars Rudolph und Heiko Pinkowski; Foto: Port au Prince Pictures GmbH)

Wenn dann auch noch der allgemein tolle Score von „Schrotten!“ sein schönes Thema einmal zur Seite stellt und in einem katharsischen Ringkampf beider Brüder plötzlich der sanfte Indie-Folk „Hey Now“ von Hillburn gespielt wird, sollte auch dem letzten klar werden: Wir haben hier einen Nachwuchsregisseur gefunden, den man unbedingt beobachten sollte.

schrotten_plakatA0_160304_RZ_ZW.indd„Schrotten!“ (D 2016)

Buch & Regie: Max Zähle

Darsteller: Lucas Gregorowicz,Frederick Lau, Anna Bederke, Lars Rudolph, Heiko Pinkowski, Jan-Gregor Kremp

Score: Äußerst lohnenswert mit einem schönen, oft wiederkehrenden aber nie nervenden zentralen Thema von Zimmer mit Aussicht.

★★★★★

„Schrotten!“ startet am 5. Mai 2016 in unseren Lichtspielhäusern.

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