Vom Oscar zu Unrecht ignoriert: „Sicario“

Im Kampf gegen den Drogenschmuggel an der Grenze zu Mexiko wird die Ethik einer FBI-Agentin auf harte Proben gestellt.

Es gab 2015 zwei Filme, die ich als äußerst sehenswert und beeindruckend empfand, aber die von den Oscars (nahezu) komplett ignoriert wurden: „MacBeth“ und „Sicario“. Letzterer ist mittlerweile auf Blu-ray erschienen, dazu kommt hier ein später Review:

Gewalt an der mexikanischen Grenze zur USA

„Sicario“ wird in Mexiko als Bezeichnung für „Auftragskiller“ verwendet. Dies wird am Anfang des Films in einer kurzen Einblendung erklärt und gerät dann im folgenden Film schnell in Vergessenheit. Das ist aber auch wenig überraschend, wird man doch schnell in einen Strudel der Gewalt an der Grenze der USA zu Mexiko gezogen, der mit der Entdeckung dutzender eingemauerter Leichen in einem Haus durch das FBI beginnt.

Kate Macer (Emily Blunt) und Reggie (Daniel Kaluuya) nach einem harten Einsatz (Foto: Studiocanal)
Kate Macer (Emily Blunt) und Reggie (Daniel Kaluuya) nach einem harten Einsatz (Foto: Studiocanal)

Die FBI-Agentin Kate Macer (Emily Blunt, „Edge of Tomorrow“) ist von der Entdeckung erschüttert und stimmt daher zu, einer Einsatztruppe der CIA beizutreten, die das Übel an der vermeintlichen Wurzel packen möchte: dem mexikanischen Drogen-Kartell-Boss Manuel Diaz.

Der mysteriöse Profi Alejandro (Benicio Del Toro, Foto: Studiocanal)
Der mysteriöse Profi Alejandro (Benicio Del Toro, Foto: Studiocanal)

Die CIA ist auf Macers Kooperation angewiesen, kann sie aufgrund der Gesetze der USA nicht auf heimischen Grund und Boden tätig werden. Dennoch wird Kate von CIA-Agent Matt Graver (Josh Brolin, „No Country for Old Men“) über die genauen Vorgänge erstmal lange im Dunkel gelassen, sie bekommt kaum Erklärungen und auch der an die Taskforce teilnehmende kolumbianische Staatsanwalt Alejandro (Benicio del Toro) ist ihr zunächst ein Buch mit sieben Siegeln.

Doch Kate kommt gar nicht dazu, viele Fragen zu stellen, wird sie doch schnell in die Handlung hereingeworfen: Bei einem Gefangentransport in die USA nutzt das Kartell den Stau vor der Grenze aus, um einen Angriff zu starten …

Warum hätte der Film einen Oscar verdient gehabt?

Genauso wie Kate wird auch der Zuschauer lange im Dunkeln gelassen, was der Hintergrund von all dem ist, dem er gerade auf der Leinwand beiwohnt. Mühsam kann man einzelne Puzzleteile ausmachen und sich ein Bild zusammenbasteln, bei dem moralische Fragen immer ein Grundthema stellen: Wie weit darf man gehen bei dem Versuch, die USA vor all den Drogen und auch der Gewalt zu schützen?

Neben der spannenden wie auch aktuellen Geschichte sind es vor allen die schauspielerischen Leistungen von Blunt und del Toro, welche den Film auf ein noch höheres Level hieven und zu einem der Besten des Jahrgangs von 2015 machen. Und der Film behandelt ein hartes Thema, das die Oscar-Jury ansonsten doch sehr gerne berücksichtigt.

Beispiel für das beeindruckende Kameraspiel mit Licht und Schatten (Foto: Studiocanal)
Beispiel für das beeindruckende Kameraspiel mit Licht und Schatten (Foto: Studiocanal)

Letztlich bekam er „nur“ drei Nominierungen. Zum einen für die beste Kamera, welche zum dritten Mal in Folge Emmanuel Lubezki abgraste, zum anderen für den besten Tonschnitt bei dem „Mad Max: Fury Road“ das Rennen machte und letztlich für den besten Soundtrack (Score), bei dem die Academy aber die unausschlagbare Gelegenheit bekam, Ennio Morricone endlich einmal auszuzeichnen.

Dabei ist gerade auch der Score von Jóhann Jóhannsson („Die Entdeckung der Unendlichkeit“) bemerkenswert beklemmend, mechanisch und gewaltig und unterstreicht so die aufgehitzten Einstellungen von Kameramann Roger Deakins („James Bond 007: Skyfall“) perfekt. Auf der Blu-ray kann man sowohl Bild als auch Ton genießen, letzteres sogar im Dolby Atmos-Format.

„Sicario“ ist ein Thriller, dessen knallharte Actionszenen tatsächlich nicht nur aus Schauwerten eingesetzt werden, sondern weit mehr mit sich trägt als man auf den ersten Blick ahnt.

Blu-ray-Cover „Sicario“
Blu-ray-Cover „Sicario“

„Sicario“ (USA 2015)

Regie: Denis Villeneuve

Drehbuch: Taylor Sheridan

Darsteller: Emiliy Blunt, Benicio del Toro, Josh Brolin, Victor Garber, Jon Bernthal

Extras: Featurettes über das visuelle Design, dem Hintergrund von Sicario, die Charaktere und die Filmmusik (OmU)

Score: Beklemmend, mechanisch und gewaltig, zurecht Oscar-nominiert von Jóhann Jóhannsson.

★★★★★

„Sicario“ erschien am 4. Februar 2016 bei Studio Canal auf DVD, Blu-ray und VoD. Offenlegung: Ich habe die Blu-ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.