Fantasy Filmfest Favorit: „They call me Jeeg Robot“ (Filmkritik)

Enzo Ceccotti (Claudio Santamaria) ist Krimineller. Auf der Flucht vor der Polizei muss er im wahrsten Sinne des Wortes abtauchen und gerät dabei in im Tiber lagernde Atomabfälle, die ihm zu seiner großen Überraschung Regenerationskräfte und Superstärke verleihen. Das ist zum einen äußerst praktisch, wenn man gerade neun Stockwerke herunterstürzt – zum anderen hilft es auch, an Geld zu kommen, wenn man den Geldautomaten einfach aus der Wand reißen und mitnehmen kann.

Als aber seine attraktive, aber geistig auf einem infantilem Niveau verharrten Nachbarin Alessia (Ilenia Pastorelli) die einzige Spur für ein paar durchgeknallte Mafia-Schergen nach geschmuggelter Ware ist, muss sich Enzo dazu durchringen, seine neugefundenen Kräfte nicht nur für sein eigenes Wohl einzusetzen – das vor allen aus einfachen Joghurts und Pornofilmen auf DVD besteht –, sondern auch andere zu beschützen. Nur irritierend, dass Alessia ihn für den Helden Jeeg Robot aus einer 80er-Jahre-Anime-TV-Serie hält und sich selbst als Prinzessin ansieht. Doch da werden schon die ersten Zehen abgehakt …

Liebevolle Charaktere

Auf der einen Seite ist „They call me Jeeg Robot“ ein klassischer Superheldenfilm: Wir erfahren eine Origin-Story, der Held bekommt eine Liebesgeschichte, es gibt eine Entwicklung zum Altruismus hin und schließlich auch ein Showdown, bei dem vieles zubruch geht. Aber, wie so oft, sind es die Details, die eine Geschichte wirklich gut machen: Und hier sind es vor allen die Ideen der Charaktere selbst. Enzo ist ein Eigenbrödler, der sich mehr schlecht als recht durchschlägt und der auch vor allen ständig etwas verplant erscheint. Bei Alessia merkt man schnell, dass ihre Flucht in die Fantasiewelt der Serie ihrer Kindheit mehr ist, als nur eine geistige Verwirrung, sondern dass dies wohl durch an ihr verübte Gewalt forciert wurde. Und auch der Antagonist, Fabio Cannizzaro (Luca Marinelli), ist nicht nur einfach ein schleimiger Ekel, sondern ein schleimiger Ekel, der einst in einer Talentshow im Fernsehen auftrat und seitdem nicht nur eine Profilneurose mit sich herumträgt.

Dass das Genre der Superhelden mehr als Marvel bietet, hat sich nicht zuletzt durch Filme wie „Super“ oder „Chronicle“ schon gezeigt. Dass aber auch die Italiener hier mitspielen wollen ist neu – und eine angenehme Überraschung. Gerne mehr davon!

„They call me Jeeg“ („Lo chiamavano Jeeg Robot“, I 2016)

Regie: Gabriele Mainetti

Drehbuch: Nicola Guaglianone & Menotti

Darsteller: Claudio Santamaria, Ilenia Pastorelli, Luca Marinelli

Score: Erinnert, vermutlich bewusst gewollt, vereinzelt an Hans Zimmers „Man of Steel“-Musik.

★★★★

Offenlegung: Ich wurde von Pandastorm Pictures in den Film im Rahmen des Fantasy Filmfests eingeladen.

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