Nicht mal mehr Plan B: „Lazer Team: Director’s Cut“ (Blu-ray-Kritik)

Vor Jahrzehnten haben im Geheimen Außerirdische Kontakt mit uns aufgenommen. Wir sollten für einen anstehenden Konflikt einen unserer besten Kämpfer ausbilden, der dann mit fortgeschrittener Technik, die sie uns noch senden würden, uns verteidigen soll. Doch dann wird diese Lieferung vom Kurs abgelenkt und ausgerechnet vier Dorftrottel finden diese – und bekommen nun eben die Superkräfte, die eigentlich für den Kämpfer geplant waren. Jetzt müssen notgedrungen diese vier als Lazer Team antreten – aber haben sie überhaupt eine Chance?

Sci-Fi-Comedy-Stoner-Superhelden

Das Genre der Sci-Fi-Comedy wird überraschend selten bedient – und auch überraschend selten gut (nennenswerte Ausnahmen sind bspw. „Galaxy Quest“, „Spaceballs“, „Paul“ und, natürlich, „Guardians of the Galaxy“). Dabei sollte doch gerade dieses Genre richtig gut gedeihen können (auch ohne Simon Pegg), aber bisher hat Hollywood hier bemerkenswert wenig investiert und Zutrauen in das Genre, was sicherlich auch daran liegt, dass in dem Bereich viel Trash produziert wird.

Strenggenommen ist „Lazer Team“ eine Mischung aus Sci-Fi mit Superhelden-Origin-Story und Stoner-Komödie. Das Rezept hier: Man nehme vier völlig verpeilte Versuchspersonen und gebe ihnen zufällig zugeteilte Superkräfte. Dann konfrontiere man diese Hillbillys mit einem strikt-durchorganisierten und an ihren verzweifelnden Militär und stecke sie in lachhafte Ganzkörperkondome. Schließlich hetze man alle zusammen in eine Alien-Arena, wo sie dann beweisen sollen, dass sie doch etwas erreichen können.

Das Resultat ist stellenweise durchaus ganz witzig. Man merkt, dass an vielen Stellen einiges Herzblut und liebevolle Ideen der Filmmacher in den Film geflossen ist. Diverse Anspielungen und Zitate auf und aus „Ghostbusters“ und „Star Wars“ eingeschlossen. Natürlich ist die Story nicht wirklich innovativ, aber das braucht man auch nicht immer, um sich zu amüsieren.

Adams (Alan Ritchson) Lebensziel wurde durch vier Chaoten zerstört, und jetzt darf er sie auch noch ausbilden (Foto: Rooster Teeth/Edel:Motion Film)

Dem Film fehlt aber naturgegeben jegliche Star-Power. Neben etlichen Youtube-„Sternchen“ aus dem Kreis der Rooster Teeth-Truppe (Darsteller Michael Jones – Zach in „Lazer Team“ – bspw. listet tatsächlich ein Youtube-D&D-Actual-Play als TV-Serie in seinen IMDb-Credits auf!) ist der bekannteste noch Alan Ritchson. Dieser durfte immerhin in ein paar TV-Serien („Smallville“, „Blue Mountain State“) bereits seinen gestählten Körper aalen  – und wurde immerhin konsequenterweise von den Filmmachern auch in eines dieser Ganzkörperkondomen von Kampfanzügen gesteckt.

Ein Youtube-/Crowdfunding-Hit, mit „Lazer Team 2“ in Produktion

Der Produktionshintergrund von „Lazer Team“ selbst ist äußerst bemerkenswert: Der Film ist der erste Langfilm eines Youtube-Kanals namens Rooster Teeth. Er wurde zum Teil crowd-finanziert (2,5 Mio. US-$) und ist dann in wenigen Kinos weltweit gestartet (die über „Cinema on Demand“ per Internetvotum ausgesucht wurden). Einen Monat später wurde er dann bei YouTube Red veröffentlicht, dem Premiumbereich von Youtube (den es in Deutschland immer noch nicht gibt).

Das Lazer-Team muss den Tag retten (Foto: Rooster Teeth/Edel:Motion Film)

Was etwas irritiert, ist, dass die Filmemacher eine Hintertür für ein mögliches Sequel eingebaut haben. Allerdings genauer genommen einen massiven Cliffhanger zum Schluss, der deutlich nach einer Fortsetzung schreit und das Publikum etwas unbefriedigt zurücklassen würde, wenn es eine solche nicht geben sollte. Doch Aufatmen: Im Gegensatz zu vielen anderen Low Budget-Filmen wird dieses Sequel tatsächlich produziert: Gerade (April 2017) laufen die Dreharbeiten für „Lazer Team 2“, das Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres veröffentlicht werden soll.

„Lazer Team“ ist, wie gesagt, keine hohe Kinokunst, aber dafür ein unterhaltsamer, etwas überdrehter und letztlich ziemlich kultiger Film. Genau das, was eine Sci-Fi-Comedy sein sollte.

„Lazer Team“ (USA 2016)

Regie: Matt Hullum

Autor: Burnie Burns

Darsteller:Burnie Burns, Gavin Free, Michael Jones

Extras: Outtakes und Bloopers, Features über Design, Effekte und Orchesteraufnahmen

★★★☆☆

„Lazer Team“ erscheint am 14.04.2017 bei Edel:Motion Film auf DVD und Blu-ray. Offenlegung: Ich habe die DVD freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Und: bereits am 18.04.2017 wird der Film seine Free-TV-Premiere bei Tele 5 feiern!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.