Schwanengesang eines Superhelden – Kino-Kritik: „Logan“

Das Jahr 2029. Seit langem wurden keine neuen Mutanten mehr geboren und ihre Zahl reduziert sich ständig. Logan (Hugh Jackman, „Prestige“) arbeitet in Texas als Limo-Fahrer und setzt sein mühsam verdientes Geld in illegale Drogen um. Er ist alt und krank geworden. Gleiches gilt auch für Professor X, Charles Xavier (Patrick Steward, „Star Trek“), mit dem er zusammen kurz hinter der Grenze Mexikos einen Schrottplatz bewohnt.

Viel Zeit scheint beiden ohnehin nicht zu bleiben, als Logan plötzlich eine Mexikanerin zusammen mit ihrer schweigsamen Tochter (Dafne Keen) aufsucht und um Hilfe bittet – denn sie werden verfolgt. Verfolgt von eben denselben Schergen, die einst für Logans Transformation in die Kampfmaschine Wolverine zuständig waren. Und gerade deswegen ist ausgerechnet Wolverine die einzige Hoffnung der beiden, nach Norden ins vermeintliche Eden von Kanada zu fliehen …

17 Jahre, sieben Filme (und zwei Cameos)

Im Jahr 2000 schlüpfte ein damals noch recht unbekannter Hugh Jackman das erste Mal in die Rolle des Comichelden Wolverine in Bryan Singers „X-Men“. Siebzehn Jahre später spielt er sie nun dem Vernehmen nach ein letztes Mal – und er spielte sie tatsächlich nie so intensiv, wie in „Logan“.

Alle Auftritte von Hugh Jackman als Wolverine:

  1. „X-Men“ (2000)
  2. „X-Men 2“ (2003)
  3. „X-Men: Der letzte Widerstand“ (2006)
  4. „X-Men Origins: Wolverine“ (2009)
  5. „X-Men: Erste Entscheidung“ (2011, nur Cameo)
  6. „Wolverine: Weg des Kriegers“ (2013)
  7. „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ (2014)
  8. „X-Men: Apocalpyse“ (2016, nur Cameo)
  9. „Logan: The Wolverine“ (2017)

Sein Abschlussfilm ist ein untypischer Superheldenfilm, es ist eher ein Road-Movie, ein wenig auch ein Western oder auch eine obskure Kreuzung zwischen „Little Miss Sunshine“ und „Universal Soldier“: Eine dysfunktionale Familie reist durch Maisfelder-geprägte Landschaften verfolgt von Super-Soldaten und deren Erschaffern …

Wolverine (Hugh Jackman) trainiert ausnahmsweise mal nicht mit den Treckerreifen (Foto: 20th Century Fox)

Der Film von Regisseur und Drehbuchautor James Mangold ist gewalttätiger und härter als das meiste, was man sonst aus dem X-Men-Universum kennt. Die Protagonisten sind nicht durch den Plot allein kugelsicher – sterben aber auch nicht einfach so aus purer Whedon’scher Effekthascherei. Natürlich werden auch in „Logan“ faszinierende Superkräfte demonstriert, aber sie werden nie eingesetzt, um – mal eben – noch eine coole Actionszene einzubauen oder um Effektjunkies zu bedienen, der Fokus liegt auf den Charakteren und hier können Jackman und Stewart zeigen, zu was sie als Darsteller noch alles fähig sind. Auch Newcomerin Dafne Keen spielt durchaus intensiv – es sind die Bösewichter, hier Boyd Holbrook („Milk“) als Pierce und Richard E. Grant („Dracula“) als Dr. Rice, die abermals etwas unterfordert bleiben und deren Motivationen leider recht undurchsichtig sind, aber das scheint ein allgemeines Marvel-Problem zu bleiben.

Dass 20th Century Fox es schafft, aus der Spirale der immer bombastischeren Steigerungen anderer Superheldenfranchises – die sie ja auch gerade selbst mit den X-Men-Filmen so lange mit vorangetrieben haben – auszubrechen, ist eine angenehme Überraschung: Letztes Jahr war es „Deadpool“, dieses Jahr „Logan“, die beweisen, dass mehr als die ständige „Formel X“ im Superhelden-Kino steckt. Und ein weiterer Ableger aus dem X-Men-Universum, „Legion“, schafft gerade dasselbe für die Mattscheibe.

Das X-Men-Film-Universum wird erwachsen

Neben dem MCU wird gerade also auch das „X-Men“-Film-Universum erwachsen und erobert neue Genres – auch wenn Fox dabei auch noch etwas am Stolpern ist: Nach dem bei Kritikern und der Kinokasse gleichermaßen kaum beliebten „X-Men: Apocalypse“, dem reinrassigen Flop „Fantastic Four“ und dem Überraschungsmegahit „Deadpool“ hatte Fox den eigentlich für Oktober geplanten X-Men-Film „Gambit“ bereits mit dem zweiten „Kingsman“-Film überplant.

Logan ist die einzige Hoffung für das junge Mädchen (Dafne Keen, Foto: 20th Century Fox)

Autor/Produzent Simon Kinberg, der seit einigen Jahren bei Fox die Marvel-Zügel in der Hand hält, weist also bisher ein recht gemischtes Zeugnis auf. Ob der „Gambit“-Film doch noch ein Go erhält ist weiter fraglich, genauso steht bisher bei dem „X-Force“-Film noch nichts fest. Sicher ist derzeit nur „Deadpool 2“, wann dieser jedoch kommt ist noch unklar, derzeit sind für November 2018 und Februar 2019 aber zwei Plätze in der Programmplanung von Fox für Marvel-Filme freigehalten und natürlich ist gerade jetzt mit dem Start des Filmes die Gerüchteküche am Brodeln, nachdem vermeintlich Kinberg selbst in den Regiestuhl steigen soll.

Eine Fortsetzung von „Logan“ wird es nicht geben, jedenfalls nicht mit Hugh Jackman. Sein Abschlussfilm übertrifft aber alle Erwartungen – das Superheldengenre hat im Kino wieder mehr zu bieten.

„Logan: The Wolverine“ („Logan“, USA 2017)

Regie: James Mangold

Drehbuch: James Mangold und Scott Frank

Darsteller: Hugh Jackman, Patrick Stewart, Dafne Keen

Score: Marco Beltramis Score ist routiniert aber passend.

Abspannsitzenbleiben? War bei der Pressevorführung nicht nötig, es heißt aber, dass mittlerweile den Kinos eine drei Minuten längere Fassung ausgeliefert worden ist.

★★★★

„Logan: The Wolverine“ läuft ab dem 02.03.2017 in unseren Lichtspielhäusern.

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