Entscheidung eines Repräsentanten – „The King’s Choice“ (Blu-ray-Kritik)

Der 9. April 1940 war ein Wendepunkt in der skandinavischen Invasion der deutschen Wehrmacht. Erst invadierte Hitler erfolgreich das vollkommen überraschte Dänemark, am selben Tag sollte auch Norwegen eingenommen werden. Dort nimmt der von Rückenschmerzen geplagte König Haakon VII. (Jesper Christensen, „Casino Royale“) die Kapitulation seines Bruders, des dänischen Königs Christian X., schockiert entgegen.

Doch er hat nicht viel Zeit zu reagieren, denn unter dem, auch militärischen, Druck Deutschlands zerbröckelt die Regierung und der deutsche Botschafter Curt Bräuer (Karl Markovics, „Stockinger“) stellt dem aufs Land geflüchteten Haakon ein Ultimatum: Er soll den Strohmann Vidkun Quisling zum neuen Ministerpräsidenten Norwegens einsetzen und den militärischen Widerstand sofort aufgeben.

König Haakon VII. (Jesper Christensen) steht vor einer folgenschweren Entscheidung – während er fliehen muss (Foto: Pandastorm Pictures)

Battlestar Wackelkamera

Minutiös folgt der Film den Ereignissen dieser paar Tage und dokumentiert die Ereignisse. In einer Mischung aus Kammerspiel und Schlachtengemälde zeigt Regisseur Erik Poppe („Hawaii, Oslo“) die Tage aus der Sicht mehrerer Protagonisten, neben dem König und seiner Familie, auch aus der Sicht des alten Oberst Birger Eriksen (Erik Hivju), der den Oslofjord verteidigte aber auch aus der des jungen Soldaten Menig Fredrik Seeberg (Arthur Hakalahti), der bei den Kämpfen verletzt werden sollte. Dabei ist sowohl die Ausstattung als auch die Inszenierung und letztlich auch ein gelungener Score positiv hervorzuheben – die dokumentarisch mitlaufende Handkamera, welche die Szenerie einen dokumentarischen Touch geben soll, leider nicht so sehr, zumal diese Unruhe dem Film tatsächlich keinerlei Authentizität beifügt und in seinen schlimmsten Momenten an die Wackelkamera der „Battlestar Galactica“-TV-Serie erinnert.

Die Entscheidung muss getroffen werden (Foto: Pandastorm Pictures)

„The King’s Choice“ beeindruckt aber ebenso durch seinen Fokus auf moralische Fragen, Dilemmata und letztlich den Weg zu den Entscheidungen, welche die Demokratie und Monarchie Norwegens nachhaltig geprägt haben. Dabei sollte man im Hinterkopf behalten, dass bereits damals Norwegens König lediglich repräsentative Befugnisse hatte und sogar vom Volk selbst auf seinen eigenen Wunsch hin gewählt worden war.

„The King’s Choice: Angriff auf Norwegen“ („Kongens nei“, N 2016)

Regie: Erik Poppe

Buch: Harald Rosenløw-Eeg, Jan Trygve Røyneland

Darsteller: Jesper Christensen, Anders Baasmo Christiansen, Karl Markovics

Score:Gelungener Score von Johan Söderqvist, teilweise arg beklemmend und in seinen besten Momenten positiv an Hans Zimmer erinnernd.

Extras: Nur der Trailer

★★★★

„The King’s Choice: Angriff auf Norwegen“ erscheint am 14.04.2017 bei Pandastorm Pictures auf DVD und Blu-ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

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