Ein Buch in Einzelfolgen: „The Human Division“ erschließt alternative Publikationswege

22.
Mrz.
2013

Ich bin ein Serienfreak. (Okay, das war keine großartige Erkenntnis.) Und dazu noch einer, der möglichst nah an der Ausstrahlung sein möchte. So kann ich zum einen die Gefahr, gespoilert zu werden, minimieren und zum anderen mich mit anderen Freaks über das gerade Konsumierte austauschen.

Mit dem E-Book „The “B” Team“ fängt alles an. Auch alle weiteren „Folgen“ haben eigene Cover

Mit dem E-Book „The “B” Team“ fängt alles an. Auch alle weiteren „Folgen“ haben eigene Cover

Natürlich schaffe ich es aber nicht, mit meinem Serienkonsum auch wirklich alles zu gucken. Dafür fehlt ganz einfach die Zeit. Daher habe ich viele Perlen verpasst und erst später in Marathon-Sitzungen mit den ganzen Staffelboxen nachgeholt.

Beide Konsumformen haben für mich nach wie vor ihren Reiz. Auch wenn ich das erste in der Regel bevorzuge.

Bei dem Konsum von Büchern war das bisher für mich anders: Dort galt es für mich bisher immer auf den nächsten Roman einer Reihe zu warten. Sozusagen auf die nächste Staffel, denn der Abstand zwischen dem Erscheinen zweier Romane beträgt in der Regel mehrere Monate, manchmal sogar Jahre.

Seit Anfang des Jahres lese ich aber in wöchentlicher Ausstrahlungsform. John Scalzi ist mit „The Human Division“ in sein „Old Man’s War“-Universum zurückgekehrt und hat dabei zusammen mit seinem Verlag eine (vermeintlich) neue und innovative Publikationsform gewählt: Das Buch erscheint häppchenweise, immer ein kleiner in sich abgeschlossener Abschnitt. Vielleicht eine halbe bis dreiviertel Stunde Lesezeit insgesamt. Jeder dieser Abschnitte erscheint als E-Book zum Preis von 99 US-Cent und ist auch über deutsche Anbieter entsprechend preisgünstig zu bekommen.

Und plötzlich habe ich beim Lesen tatsächlich ein ganz anderes Gefühl. Jede Nacht von Montag auf Dienstag erscheint eine neue „Folge“ auf meinem E-Book-Reader. Ich habe dann eine Woche Zeit, diese neue Folge zu lesen. Okay, eigentlich sogar noch länger, denn ich bin ja an keine Ausstrahlungszeit gebunden. Aber wenn ich den Diskussionsthread besuchen möchte, den der Verlag für jede neue „Folge“ im Internet aufmacht, dann sollte ich mich mit dem Lesen sputen. Und genau das erhöht plötzlich meinen Lesespaß deutlich. Wie eine Diskussion über die letzte TV-Episode kann man sich mit den Spekulationen und Interpretationen von anderen nach Lust und Liebe auseinandersetzen und bekommt gleichzeitig auch ein paar Details aufgezeigt, die man selbst so nicht beim ersten Lesen entdeckt hat.

Sicher, der Fortsetzungsroman als solches ist alles andere als Neuland. Und gerade im SF-Bereich gibt es ja auch bereits einiges, wie die Groschenromanreihe „Perry Rhodan“. Aber dies ist schon noch etwas anderes. Der Roman wurde so konzipiert, dass die „Häppchen“ durchaus auch einzeln gelesen werden könnten. Die Geschichte selbst ist solide, führt den Handlungsbogen der bisherigen vier Bücher in sich schlüssig weiter, so weit ich das bisher beurteilen kann. Sie hat mich bisher noch nicht komplett überrascht, aber sie ist gut genug, dass ich mich unterhalten gefühlt habe und mein „Abo“ der kommenden Folgen noch nicht abgebrochen habe.

Am Ende erscheinen alle Einzelepisoden natürlich auch noch als komplettes Buch. Sozusagen als Staffelbox. Ein Vorteil gibt es dann doch noch gegenüber der TV-Serie: Diese Staffel ist bereits fertig produziert, es ist derzeit also sehr unwahrscheinlich, dass sie mittendrin wegen schlechter Quoten abgesetzt wird …

John Scalzi

„The Human Division“.

Englischsprachige Buchserie bei Tor Books in 13 wöchentlich erscheinenden Folgen.

Erste Folge: „The B Team“, E-ISBN: 978-1-4668-3051-6

Hobbit-Fans auf Pilgerweg

25.
Dez.
2012

Kerry Shawcross und Chris Demarais sind Fans von den drei „Herr der Ringe“-Filmen und Büchern. Und sie kennen das Internet und seine Meme.

Ein solches Meme ist „One does not simply …“ aus dem ersten der drei Filme, in dem Boromir eigentlich die These aufstellt, dass man nicht einfach nach Mordor gehen kann (Filmausschnitt). Dies bringt der Darsteller Sean Bean so pointiert herüber, dass daraus ein Meme wurde, das auf unterschiedlichste Art weiterverarbeitet wurde und von „One does not simply eat one last donut“ bis hin zu „One does not simply ask a woman if she is pregnant if you are not 110% sure she is“ und vielen anderen Variationen reicht.

Aber zurück zu den beiden Hobbit-Fans. Die produzieren allerlei witzige Webvideos und kamen irgendwann auf die, zugegebenermaßen etwas verrückte, Idee, einen Fußmarsch von Bilbo Beutlins Haus in Hobbingen bis zum Schicksalsberg nach Mordor zu unternehmen. Oder genauer zwischen deren Drehorte in Neuseeland, die praktischerweise „nur“ etwa 200 Kilometer auseinander liegen. Dafür haben sie sich nur sechs Tage Zeit genommen. Und der Titel dieser Reisedokumentation in vier kurzen Webvideo-Folgen ist folgerichtig: „A Simple Walk Into Mordor“.

Alle vier Teile gibt es bei RoosterTeeth.com.

Das Buch zum Rollenspiel

26.
Apr.
2012

Für DSA und Shadowrun gibt es sie schon lange: Romane zum Rollenspielsetting. Auch der Cthulhu-Mythos basiert bekanntermaßen auf einer Romanreihe. Auch für D&D gibt es unzählige Romane in unterschiedlichen Settings. Neu ist dies also nicht. Nur: für kleinere Settings existierte bisher kaum eine Nische, die finanzierbar gewesen wäre.

Aber: durch E-Books, Books-on-Demand und vor allem auch durch Crowdfunding wird es nun möglich, auch für kleinere Settings Romane und Geschichten zu refinanzieren. Dass es klappt, beweisen gerade drei Projekte abseits des Mainstreams:

„Spirit of the Century Presents: The Dinocalypse Trilogy“

Über Kickstarter wurde das Projekt finanziert, das auf den Pulp-Rollenspiel „Spirit of the Century“ basiert: Die Dinokalypse! Schon einem Unterstützer von gerade einmal 10 USD wurden zwei E-Books versprochen – und dank „Stretch-Goals“ wurden aus den zwei E-Books plötzlich viel mehr: erst wurde ein Spirit of the Century Abenteuer dazugepackt, dann ein drittes E-Book, dann zwei weitere E-Books, dann noch zwei und schließlich auch noch die PDF-Versionen von „Spirit of the Century“ und „Spirit of the Season“. Sieben Bücher und zwei PDF für gerade mal 10 USD. Kein Wunder, dass aus den angestrebten 5.000 USD letztlich 42.769 USD wurden und so für mehrere Autoren Arbeit geschaffen wurde. Am Sonntag wurde das Projekt erfolgreich abgeschlossen, die Bücher sind nachher auch normal zu bekommen.

„Have Blaster, Will Travel: A Bulldogs! Story Anthology“

Etwas kleiner als das „Spirit of the Century“-Projekt ist eine Anthologie von Geschichten im „Bulldogs!“-Setting ausgefallen. Aber auch hier: 8 USD für die komplette Anthologie als E-Book. Derzeit fehlen noch wenige Dollar, damit auch hier das Buchprojekt aufgestockt wird, drei Tage läuft das Kickstarter-Projekt noch.

„Don’t Read This Book“

„Don’t Rest Your Head“ ist ein kleines krankes Indie-Rollenspiel, das ich letztes Jahr auf dem Nordcon spielen durfte. Und dazu ist nun ebenfalls eine kleine Geschichtensammlung erschienen. Für gerade einmal 5 USD als E-Book im Evil-Hat-Store kann man sie regulär kaufen, ohne irgendwo etwas unterstützen zu müssen. Etwas weniger Nervenkitzel vor dem Lesen – aber danach sicher einiges.

Buchkritik „Daemon“/„Darknet“

27.
Okt.
2011

Cover Daemon (Rowohlt)Die Story

Der Computer-Spiel-Milliardär Matthew Sobol erliegt nach langem Kampf seinem Krebsleiden. Kaum verstorben, startet aber eine unaufhaltsame Kaskade von Computerprogrammen, die über Automatismen einen Menschen tötet. Offenbar hat Sobol diese geschrieben und so einen „Daemon“ geschaffen, eine dezentralisierte Instanz in den vernetzten Computersystemen weltweit, und der nun auf externe Auslöser lauert.

Ein Ermittler des Mordfalls stellt bald fest, dass er hier keinen herkömmlichen Mörder jagt, sondern dass hinter dem Ganzen ein weit größerer Plan steckt, gegen den er allein keine Chance hat.

Cover Darknet (Rowohlt)Die Kritik

Eigentlich lese ich keine Krimis. Aber der Nahe-SF-Hintergrund ließ mich aufmerksam werden. Im Prinzip ist das meiste, was hier beschrieben wird, durchaus heute realistisch und machbar und damit eben keine reine technische Zukunftsvision.

Das Buch, oder besser die Bücher, denn das zweite schließt nahtlos an den ersten Teil an, schaffen es dann recht schnell, von einem eben noch interessanten Mordfall zu einer spannende System-Kritik umzuschwenken. Er zeichnet die Anfänge eines alternativen Wirtschaftssystems und kritisiert die Auswüchse des modernen Kapitalismus, den es als reine Plutokratie darstellt. Und trotz dieser teilweise recht komplexen Themen schafft es Suarez, nicht auf einer Sachbuchbasis zu langweilen, sondern nebenbei ein actionlastiges und teilweise recht blutiges Drama zu beschreiben.

Dennoch, einige Geschichtselemente werden leider nicht, oder nur unzureichend erklärt. Teilweise hat man das Gefühl, dass einige Charakterentscheidungen nur zu Gunsten des Plots getroffen wurden. Eine plötzlich auftauchende Liebesgeschichte bleibt uninteressant, flach und hindert die Geschichte eher, als dass sie diese vorantreibt. Gerade weniger internetaffine Krimileser werden wohl bald überfordert und frustriert das erste Buch weglegen, da ihr Genre zu wenig bedient wird. Dies ist eben kein Krimi, sondern Science-Fiction, was einen aber erst nach einigen Seiten klar wird, weil erst dann die Sozialkritik in den Vordergrund tritt.

Letztlich sind es aber zwei zurecht hochgelobte Bücher, die gerade auch aufgrund der aktuellen Finanzkrise interessant zu lesen sind.

 „Daemon“/„Darknet“ (Original: „Daemon“/„Freedom™“)

Autor: Daniel Suarez (keine weiteren Werke bisher)

In Deutschland bei Rowohlt erschienen 2010/2011. Die Kritik basiert auf den E-Book-Versionen.

Rollenspiel-Inspirationsfaktor? Die Fraktion, die am Computer dieses Games-Genre pflegen, werden reichlich durch viele Geschichtsaspekte bedient.  Pen-&-Paper-Spieler finden aber wohl wenig Inspirationsquellen.

★★★★★★★★☆☆

Androidenträume

8.
Jan.
2009
Cover Androidenträume

Cover John Scalzi „Androidenträume“, Heyne 2009

Eben benachrichtigt worden:

Guten Tag,

Amazon.de hat eine gute Nachricht zu Ihrer aktuellen Bestellung:

Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu koennen, dass die folgende Ware frueher als angekuendigt verschickt werden kann:

John Scalzi (Autor), Bernhard Kempen (Übersetzer) „Androidenträume“
[Perfect Paperback]
Voraussichtliches Lieferdatum: 10.01.2009 – 13.01.2009

Oh, da kommt wieder ein Buch ins Haus geflattert, das ich vor Monaten vorbestellt hatte und sich nun auf meinem Lesehaufen frech nach oben drängeln wird. John Scalzi hat mit „Old Man’s War“ (dt. „Krieg der Klone“) bereits einen mich für diverse Plots sehr inspirierenden Military-SciFi Roman-Erstling abgeliefert, dessen beide bisher erschienen Fortsetzungen „Geisterbrigaden“ und „Die letzte Kolonie“ ich ebenfalls bereits verschlungen habe. Nun ist das außerhalb dieses Settings spielende Werk endlich auch auf Deutsch erschienen, ich bin gespannt.

Für Juli angekündigt und auch bereits vorbestellt: „Zwischen den Planeten“, das vierte Buch seiner „Old Man’s War“-Reihe, dass im englischen Original noch „Zoe’s Tale“ hieß und dessen eigenwillige deutsche Titelgebung auch dem Autoren selbst Rätsel aufgab. Bei der Gelegenheit allgemein der Tipp: der Autor unterhält ein sehr unterhaltsames Blog in dem er auch oft kritisch zur Entwicklung der Science Fiction Stellung nimmt: Whatever. Dort gibt es auch einen Sampler seiner Werke.