Fantasy Filmfest 2006 (2): „Hole/Zulo“, „Brick“

Der zweite Tag des Fantasy Filmfestes 2006 für uns war der Dienstag, mit zwei Filmen auf dem Zettel.

Hole / Zulo

(Spoiler voraus) Zum einen der spanische Film Hole bzw. Zulo (span. Originaltitel). Kurz: Ein Geschäftsmann wird gekidnappt und in ein metertiefes Loch eingesperrt. Trotz beklemmenden und leicht ekelerregenden Spiel verfehlt der Film aber sein Ziel. Er macht zwischendurch neugierig auf den Hintergrund der Entführung, löst diese aber nicht auf. Bis auf das ständig beklemmende Gefühl vermag er auch nichts vermitteln, und die aufgesetzte Botschaft am Ende: „Es könnte jedem passieren“ ist nur pathetisch. Damit war der Film für mich recht klar durchgefallen.

☆☆☆☆

Brick

(leichte Spoiler voraus) Ganz anders der für mich beste Film des diesjährigen Festivals. Brick ist eine extrem gelungene Hommage an den Film Noir angesiedelt im High School Milieu.

Brick - Copyright Focus Features

Der archetypische High School Einzelgänger Brendan (Joseph Gordon-Levitt) erhält von seiner Ex-Flamme Emily (Emilie de Ravin) einen panisch klingenden Anruf. Doch sie faselt anscheinend nur unzusammenhängendes Zeug von „Brick“, „Tug“ und „Pin“, und dass sie Mist gebaut hat. Dann rast ein Auto vorbei, eine Kippe fliegt cool aus dem Fenster und sie legt panisch auf. Brendan versucht sie zu finden und ihr zu helfen, doch nur einen Tag später liegt sie tot in der Gosse.

Brendan legt nun alles daran, herauszufinden, was mit seiner Ex-Freundin passiert ist. Doch in dem düsteren Gewirr an der High School zeigt sich so schnell kein roter Faden und das Puzzle braucht lange, bis er es endlich zusammensetzen kann und in einem Sumpf aus Drogenhandel, Bandenkriegen und gastfreundlichen Müttern einen Weg aus dem Schlamassel findet.

Brick - Copyright Focus Features

Sehr viel mehr sollte man eigentlich gar nicht verraten. Der Film ist einfach nur cool! Man befindet sich irgendwo zwischen Malteser Falken und Veronica Mars. Die jungen Schauspieler überzeugen auf voller Linie, im ganzen Film tauchen nur zwei „Erwachsene“ am Rande auf, wenn ich richtig aufgepasst habe. Insbesondere Joseph Gordon-Levitt schafft es mehr Facetten in seinem Schauspiel unterzubringen, als man dem Hinterm Mond gleich links Sitcom-Youngster zunächst zutrauen würde. Und auch den Soundtrack sollte man sich irgendwann mal zulegen, passt herrlich schräg, ähnlich wie der von Twin Peaks, zu diversen Mystery-Rollenspielen, wie Unknown Armies.

Brick - Copyright Focus Features

Einziger Makel: Der Kinosaal 3 bei uns in Hamburg war proppevoll. Irgendwie hatte die Orga es geschafft, den Saal überzubelegen, so dass sogar diverse Zuschauer auf den Treppen Platz nehmen mussten. Und genügend Stimmkarten für den Publikumspreis gab es leider auch nicht, was sie dann aber immerhin mit einem zusätzlichen Notizblock lösten. Ob Brick den Preis gewonnen hat, habe ich bisher leider noch nicht in Erfahrung bringen können, verdient hätte er es wohl und, so wird gemunkelt, hat er es auch in einigen anderen Städten bereits.

Immerhin hat dieser Film, nachdem er bereits im Januar 2005 auf dem Sundance Filmfestival einen Special Jury Preis gewonnen hat, nun auch in Deutschland mit Senator einen Verleiher gefunden. Nach letztem Stand wird er am 21. September auch in die deutschen Kinos kommen, und danach hoffentlich auch bald in meine DVD-Sammlung.

★★★★★

Nachtrag: (Andreas 17.08.06 13:00 Uhr)
Die Gewinner des FRESH BLOOD Publikumspreises des FFFs sind nun bekannt und können hier angesehen werden.
Erster wurde wenig überaschend Brick, Zweiter Baba’s Cars und Dritter Secuestro express

Fantasy Filmfest 2006 (1): „Civic Duty“, „A Scanner Darkly“

Zum zwanzigsten Mal findet das ursprünglich aus Hamburg stammende Fantasy Filmfest in unserer Hansestadt wieder statt. Heute war Tag 1 der beiden Tage, an denen wir uns ingesamt 4 Filme dieses Jahr gönnen. Daher hier mal ein kleiner Umschwung zu einem Filmkritik-Blog (leichte Spoiler voraus):

Civic Duty

Civic DutySix Feet Under-Star Peter Krause in einem politischen Film, der eigentlich gar keine fantastischen Elemente aufweist. Civic Duty handelt von Terry Allen, einen Buchhalter, der gerade seinen Job verloren hat und dem nun zuhause die Decke auf den Kopf fällt. Als dann ein arabischstämmiger Nachbar („a middle-eastern“) in die Nachbarwohnung einzieht, aber dabei kaum eigene Sachen in die Wohnung mitnimmt, wird Terry skeptisch. Immer weitere Indizien findet der unfreiwillige Hausmann, dessen Paranoia, zusätzlich durch die permanent auf ihn einrieselnden Horrormeldungen über Terroristische Angriffe und entsprechende Aufrufe, seine Pflicht als Bürger nachzugehen, immer weiter wächst. Irgendwann fängt Terry an wie Jack Bauer seinen Nachbarn nachzuspionieren, doch dieser Film ist nicht 24 und daher können solche Aktionen durchaus Konsequenzen haben.

Civic Duty überzeugt mit einem gut durchdachten Handlungsfaden, guten bis herausragenden schauspielerischen Leistungen, insbesondere von Peter Krause, sowie der Spannung, ob der Nachbar nur wirklich ein Terrorist ist oder nicht. Streckenweise fühlt man sich zurecht an Hitchcocks Fenster zum Hof erinnert (berechtigter Hinweis von Andi). Doch der Protagonist ist diesmal nicht nur mehr oder weniger hilfloser Beobachter …

Bleibt zu erwähnen, dass man ein noch seltsameres Gefühl über die Botschaft des Films bekommt, wenn man die Begleitumstände sieht, wie wir den Film gesehen haben: Die Karten konnte ich nur schwierig wegen einer Absperrung des Zugangs zum Kino durch die Polizei wegen einer vermeintlichen Kofferbombe im angrenzenden Dammtor-Bahnhof bekommen. Und beim Essen im Cha Cha Thai Street Kitchen im Anschluß lief dann auf den Bildschirmen n-tv mit Berichten über Terroralarm in London

★★★★

A Scanner Darkly

Keanu Reeves, Robert Downey Jr. und Winona Ryder in sicherlich der aufwändigsten Verfilmung von einem Roman von Philip K. Dick. Nachdem A Scanner Darkly komplett gedreht war, wurde jedes einzelne Bild des Filmes am Computer nachgezeichnet und stilisiert. D.h. der gesamte Film ist letztlich eine Special-Effect-Sammlung, so dass der Übergang von Realität in den Wahn wirklich für jeden unnachvollziehbar stattfinden kann.

Ausschnitt aus A Scanner Darkly

Bob Arctor (Reeves) arbeitet als Undercover Cop, dabei wird seine Identität auch vor seinen Kollegen durch einen Anzug verschleiert, der im Sekundentakt seine Erscheinung in die von Millionen anderer Menschen verändert, zum eigenen Schutz, denn an sich werden mittlerweile alle Bürger durch Teile ihrer Mitmenschen direkt überwacht. Außer Kontrolle gerät die Geschichte, als Bob Arctor damit beauftragt wird, Bob Arctor zu überwachen. Schritt für Schritt gerät er selbst, um nicht aufzufallen, immer weiter in einen Drogensumpf um die geheimnisvolle Droge D., und fängt irgendwann an deswegen auch zu halluzinieren. Doch welches Spiel wird wirklich gespielt? Beziehungsweise: Was ist die Wirklichkeit, was Halluzination?

Boah, schwere Kost, dennoch höchst amüsant und visuell wirklich innovativ und neu. Der Film eignet sich sicherlich dazu, ein weiteres mal angesehen zu werden, damit man die Vielschichtigkeit überhaupt erst nachvollziehen kann. Gefallen wird er sicherlich nicht jeden, teilweise sicher wegen den Kamerafahrten, die durch die Nachzeichnungen teilweise einfach perspektivisch falsch funktionieren und deswegen arg desorientieren. Dennoch: Der Film hat das Potenzial zum Kultstreifen.

★★★★