Ein Trip zum Vergessen – „The Runaround“ (Blu-ray-Kritik)

Martin (Emile Hirsch, „Into the Wild“) ist ein absoluter Looser-Typ, aber auf unbeholfene Art und Weise charmant. Kurzzeitig datet er Ginnie (Analeigh Tipton, „Crazy, Stupid, Love.“), versagt aber beim Kennenlernen ihres Vaters, dem aalglatten Geschäftsmann Mr. Gallo (J.K. Simmons, „Whiplash“), auf voller Linie. Monate nach ihrer Trennung taucht Mr. Gallo aber wieder auf der Türschwelle von Martin auf – er sucht dringend seine Tochter und kann sie auch telefonisch nicht erreichen. Ausgerechnet Martin soll ihn nun dabei helfen, sie zu finden. Jetzt. Sofort. Ohne Widerrede. Ein bemerkenswerter nächtlicher Trip durch L.A. beginnt, der bei Beiden zu unerwarteten Einsichten führt …

Um es gleich klar zu sagen: J.K. Simmons ist es allein, der den Film auf ein ganz anderes Level zu heben vermag. Unter einem Kiffer-Klamauk-trifft-auf-straighten-Business-Vater vermag er tatsächlich eine interessante Charaktertransformation darzustellen. Zwar bereitet das Drehbuch diese Transformation für beide Protagonisten vor, aber Emile Hirsch schafft es nicht, dies bei seinem Charakter Martin auf ähnliche Weise nachvollziehbar einzuführen. Simmons schafft hingegen mit Leichtigkeit dies durch viele kleine Nuancen darzustellen. Ehrlicherweise ist mir Hirsch seit „Into the Wild“ auch leider nicht mehr positiv aufgefallen gewesen …

Einer der seltenen, flüchtigen Einblicke in das Leben des Mr. Gallo ist die Begegnung einer Yoga-Trainerin und Kellnerin (Emile Hirsch, l., und J.K. Simmons, Foto: Ascot Elite Home Entertainment)

Der große Schwachpunkt des Films liegt aber nicht bei Hirsch, sondern bei der Story. Der Film will sich nicht entscheiden, ob er einfach nur eine liebenswerte Odd-Couple-Comedy sein möchte, oder etwas in Richtung „Hangover“ mit völlig überzeichneten Nebencharakteren veranstalten möchte. Das Ärgerliche ist, dass tatsächlich einiges verstecktes Potenzial in dem Film schlummert und man lieber mehr die beiden Hauptdarsteller bei ihrer Reise, als die überzeichneten und gleichermaßen langweiligen Nebencharaktere (darunter Sitcom-Zweitligastars wie Kristen Schaal, Shannon Woodward und Jon Daly) kennenlernen möchte. So mäandern die gerade mal 90 Minuten des Films irgendwo zwischen allen Ideen und würden ohne Simmons leider völlig versanden.

„The Runaround – Die Nachtschwärmer“ („All Nighter“, USA 2017)

Regie: Gavin Wiesen

Buch: Seth W. Owen

Darsteller: J.K. Simmons, Emile Hirsch

Extras: Film-Trailer

★★☆☆☆

„The Runaround – Die Nachtschwärmer“ erscheint am 21.04.2017 bei Ascot Elite Home Entertainment auf DVD und Blu-ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Nicht mal mehr Plan B: „Lazer Team: Director’s Cut“ (Blu-ray-Kritik)

Vor Jahrzehnten haben im Geheimen Außerirdische Kontakt mit uns aufgenommen. Wir sollten für einen anstehenden Konflikt einen unserer besten Kämpfer ausbilden, der dann mit fortgeschrittener Technik, die sie uns noch senden würden, uns verteidigen soll. Doch dann wird diese Lieferung vom Kurs abgelenkt und ausgerechnet vier Dorftrottel finden diese – und bekommen nun eben die Superkräfte, die eigentlich für den Kämpfer geplant waren. Jetzt müssen notgedrungen diese vier als Lazer Team antreten – aber haben sie überhaupt eine Chance?

Sci-Fi-Comedy-Stoner-Superhelden

Das Genre der Sci-Fi-Comedy wird überraschend selten bedient – und auch überraschend selten gut (nennenswerte Ausnahmen sind bspw. „Galaxy Quest“, „Spaceballs“, „Paul“ und, natürlich, „Guardians of the Galaxy“). Dabei sollte doch gerade dieses Genre richtig gut gedeihen können (auch ohne Simon Pegg), aber bisher hat Hollywood hier bemerkenswert wenig investiert und Zutrauen in das Genre, was sicherlich auch daran liegt, dass in dem Bereich viel Trash produziert wird.

Strenggenommen ist „Lazer Team“ eine Mischung aus Sci-Fi mit Superhelden-Origin-Story und Stoner-Komödie. Das Rezept hier: Man nehme vier völlig verpeilte Versuchspersonen und gebe ihnen zufällig zugeteilte Superkräfte. Dann konfrontiere man diese Hillbillys mit einem strikt-durchorganisierten und an ihren verzweifelnden Militär und stecke sie in lachhafte Ganzkörperkondome. Schließlich hetze man alle zusammen in eine Alien-Arena, wo sie dann beweisen sollen, dass sie doch etwas erreichen können.

Das Resultat ist stellenweise durchaus ganz witzig. Man merkt, dass an vielen Stellen einiges Herzblut und liebevolle Ideen der Filmmacher in den Film geflossen ist. Diverse Anspielungen und Zitate auf und aus „Ghostbusters“ und „Star Wars“ eingeschlossen. Natürlich ist die Story nicht wirklich innovativ, aber das braucht man auch nicht immer, um sich zu amüsieren.

Adams (Alan Ritchson) Lebensziel wurde durch vier Chaoten zerstört, und jetzt darf er sie auch noch ausbilden (Foto: Rooster Teeth/Edel:Motion Film)

Dem Film fehlt aber naturgegeben jegliche Star-Power. Neben etlichen Youtube-„Sternchen“ aus dem Kreis der Rooster Teeth-Truppe (Darsteller Michael Jones – Zach in „Lazer Team“ – bspw. listet tatsächlich ein Youtube-D&D-Actual-Play als TV-Serie in seinen IMDb-Credits auf!) ist der bekannteste noch Alan Ritchson. Dieser durfte immerhin in ein paar TV-Serien („Smallville“, „Blue Mountain State“) bereits seinen gestählten Körper aalen  – und wurde immerhin konsequenterweise von den Filmmachern auch in eines dieser Ganzkörperkondomen von Kampfanzügen gesteckt.

Ein Youtube-/Crowdfunding-Hit, mit „Lazer Team 2“ in Produktion

Der Produktionshintergrund von „Lazer Team“ selbst ist äußerst bemerkenswert: Der Film ist der erste Langfilm eines Youtube-Kanals namens Rooster Teeth. Er wurde zum Teil crowd-finanziert (2,5 Mio. US-$) und ist dann in wenigen Kinos weltweit gestartet (die über „Cinema on Demand“ per Internetvotum ausgesucht wurden). Einen Monat später wurde er dann bei YouTube Red veröffentlicht, dem Premiumbereich von Youtube (den es in Deutschland immer noch nicht gibt).

Das Lazer-Team muss den Tag retten (Foto: Rooster Teeth/Edel:Motion Film)

Was etwas irritiert, ist, dass die Filmemacher eine Hintertür für ein mögliches Sequel eingebaut haben. Allerdings genauer genommen einen massiven Cliffhanger zum Schluss, der deutlich nach einer Fortsetzung schreit und das Publikum etwas unbefriedigt zurücklassen würde, wenn es eine solche nicht geben sollte. Doch Aufatmen: Im Gegensatz zu vielen anderen Low Budget-Filmen wird dieses Sequel tatsächlich produziert: Gerade (April 2017) laufen die Dreharbeiten für „Lazer Team 2“, das Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres veröffentlicht werden soll.

„Lazer Team“ ist, wie gesagt, keine hohe Kinokunst, aber dafür ein unterhaltsamer, etwas überdrehter und letztlich ziemlich kultiger Film. Genau das, was eine Sci-Fi-Comedy sein sollte.

„Lazer Team“ (USA 2016)

Regie: Matt Hullum

Autor: Burnie Burns

Darsteller:Burnie Burns, Gavin Free, Michael Jones

Extras: Outtakes und Bloopers, Features über Design, Effekte und Orchesteraufnahmen

★★★☆☆

„Lazer Team“ erscheint am 14.04.2017 bei Edel:Motion Film auf DVD und Blu-ray. Offenlegung: Ich habe die DVD freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Und: bereits am 18.04.2017 wird der Film seine Free-TV-Premiere bei Tele 5 feiern!

Entscheidung eines Repräsentanten – „The King’s Choice“ (Blu-ray-Kritik)

Der 9. April 1940 war ein Wendepunkt in der skandinavischen Invasion der deutschen Wehrmacht. Erst invadierte Hitler erfolgreich das vollkommen überraschte Dänemark, am selben Tag sollte auch Norwegen eingenommen werden. Dort nimmt der von Rückenschmerzen geplagte König Haakon VII. (Jesper Christensen, „Casino Royale“) die Kapitulation seines Bruders, des dänischen Königs Christian X., schockiert entgegen.

Doch er hat nicht viel Zeit zu reagieren, denn unter dem, auch militärischen, Druck Deutschlands zerbröckelt die Regierung und der deutsche Botschafter Curt Bräuer (Karl Markovics, „Stockinger“) stellt dem aufs Land geflüchteten Haakon ein Ultimatum: Er soll den Strohmann Vidkun Quisling zum neuen Ministerpräsidenten Norwegens einsetzen und den militärischen Widerstand sofort aufgeben.

König Haakon VII. (Jesper Christensen) steht vor einer folgenschweren Entscheidung – während er fliehen muss (Foto: Pandastorm Pictures)

Battlestar Wackelkamera

Minutiös folgt der Film den Ereignissen dieser paar Tage und dokumentiert die Ereignisse. In einer Mischung aus Kammerspiel und Schlachtengemälde zeigt Regisseur Erik Poppe („Hawaii, Oslo“) die Tage aus der Sicht mehrerer Protagonisten, neben dem König und seiner Familie, auch aus der Sicht des alten Oberst Birger Eriksen (Erik Hivju), der den Oslofjord verteidigte aber auch aus der des jungen Soldaten Menig Fredrik Seeberg (Arthur Hakalahti), der bei den Kämpfen verletzt werden sollte. Dabei ist sowohl die Ausstattung als auch die Inszenierung und letztlich auch ein gelungener Score positiv hervorzuheben – die dokumentarisch mitlaufende Handkamera, welche die Szenerie einen dokumentarischen Touch geben soll, leider nicht so sehr, zumal diese Unruhe dem Film tatsächlich keinerlei Authentizität beifügt und in seinen schlimmsten Momenten an die Wackelkamera der „Battlestar Galactica“-TV-Serie erinnert.

Die Entscheidung muss getroffen werden (Foto: Pandastorm Pictures)

„The King’s Choice“ beeindruckt aber ebenso durch seinen Fokus auf moralische Fragen, Dilemmata und letztlich den Weg zu den Entscheidungen, welche die Demokratie und Monarchie Norwegens nachhaltig geprägt haben. Dabei sollte man im Hinterkopf behalten, dass bereits damals Norwegens König lediglich repräsentative Befugnisse hatte und sogar vom Volk selbst auf seinen eigenen Wunsch hin gewählt worden war.

„The King’s Choice: Angriff auf Norwegen“ („Kongens nei“, N 2016)

Regie: Erik Poppe

Buch: Harald Rosenløw-Eeg, Jan Trygve Røyneland

Darsteller: Jesper Christensen, Anders Baasmo Christiansen, Karl Markovics

Score:Gelungener Score von Johan Söderqvist, teilweise arg beklemmend und in seinen besten Momenten positiv an Hans Zimmer erinnernd.

Extras: Nur der Trailer

★★★★

„The King’s Choice: Angriff auf Norwegen“ erscheint am 14.04.2017 bei Pandastorm Pictures auf DVD und Blu-ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Wiederbelebungsversuche eines Timelords – DVD-Kritik: „Doctor Who: Der Film“

Ein letzter Wunsch des Masters war es, dass seine sterblichen berreste nach Gallifrey gebracht werden, was ausgerechnet sein Erzfeind, der Doktor (Sylvester McCoy), erledigen soll. Doch bei dem Transport mit der TARDIS geht etwas schief, sie muss kurz vor der Jahrtausendwende in San Francisco notlanden, wobei auch die Urne zerbricht und die Entitt des Masters fliehen kann. Whrend der Doktor (nun Paul McGann) regenerieren muss und dabei eine Amnesie erleidet, gelingt es auch dem Master einen neuen Krper zu erringen und der alte Konflikt zwischen beiden keimt neu auf

Der achte Doktor darf antreten

Als 1989 die dritte Staffel mit dem siebten Doktor zu Ende ging, war es der Willen der BBC, auch damit die langlebige Serie nach 26 Jahren zu beenden. Sieben Jahre spter startete aber bereits ein Versuch, die Serie wiederzubeleben, diesmal allerdings vom US-Fernsehsender FOX, der die Serie fr ein US-Publikum umstricken wollte und erstmal einen Backdoor-Pilot produzieren lie. Daher lief diese Episode tatschlich auch zuerst in Nordamerika, bevor sie zwei Wochen spter auf der BBC ausgestrahlt wurde.

Dieser Film ist offiziell in dem Canon von Doctor Who aufgenommen worden, Paul McGann bekam als einziger Doktor also nur einen einzigen Fernsehauftritt, bis er zum 50. Jubilum 2013 in einer Miniepisode erneut auftreten durfte um die Lcke zu seinem Nachfolger schlieen zu knnen.

Cheesige 90er-Jahre

Paul McGann als achter Doktor in Doctor Who: Der FIlm (Foto: Pandastorm/BBC Worldwide)

Der Film selbst ist typisch 90er-Jahre und deutlich auf hnlichem Niveau produziert wie andere Genre-Serien der Zeit. Das fllt sowohl positiv auf der Vorspann beispielsweise ist deutlich bei Star Trek TNG angelehnt, hat eine wirklich schmissige Version der Vorspannmusik und fr die Zeit ziemlich gute Effekte zu bieten aber auch negativ: Der Kugelhagel, der am Anfang der Folge von einer Straengang ausgeht ist nur fr die Dramatik da, genauso wie die OP im Ballkleid die Serie nimmt sich da selbst nicht ernst und wird extrem cheesy. Auch die Studio-Sets sind typisch amerikanisch, besonders das Tardis-Set ist extrem verspielt aber immerhin liebevoll umgesetzt.

Doch viel problematischer ist dieser Wust von Story, der in dem Film serviert wird. Der Master kann pltzlich auch nach seinem Tod als parasitres Lebewesen pltzlich andere bernehmen und macht mit dem Auge der Harmonie einigen Schindluder und schlielich muss der Doktor handgreiflich werden um den Master zu besiegen. Das passt alles hinten und vorne nicht wirklich mit dem Rest der Serie zusammen.

Der flamboyante Master (Eric Roberts, (Foto: Pandastorm Pictures/BBC Worldwide)

Ein Erfolg war diesem Wiederbelebungsversuch (der passenderweise in der Serie durch die Nutzung eines Frankenstein-Filmausschnitts angespielt wird) aber nicht zuteil. In den USA wollten sogar weniger Zuschauer (5,6 Mio.) den Film schauten als in Grobritannien (9 Mio.). Auch wenn es eigentlich ein Erfolg fr die BBC war, zog sich FOX aus dem Projekt zurck, und die BBC wollte nicht weitermachen. Erst neun Jahre spter kam sie dann wieder mit groem Erfolg zurck ins Fernsehen

Liebevolle Edition

In Deutschland lief dieser Film bisher nicht, Pandastorm Pictures hat ihn aber abermals, wie all die Verffentlichungen zu Doctor Who bisher, wundervoll liebevoll umgesetzt und sogar erstmals synchronisieren lassen. Neben der neuen deutschen und natrlich der Original-Tonspur, findet man in der aber auch zwei Kommentarspuren und sogar eine Spur, auf der nur der Score isoliert ist, vier Stcke aus dem Score auch noch einmal zum separaten Anhren, und daneben noch umfangreiches Bonusmaterial, darunter sogar Die Nacht des Doktors, den oben genannten Kurzfilm in dem Paul McGann abermals in die Rolle des Doktors schlpfen durfte. Abermals eine wirklich klasse Leistung, bei der deutsche Fans gegenberder UK-Verffentlichung nichts missen mssen.

Doctor Who: Der Film (Doctor Who: The Movie, US 1996)

Regie: Geoffrey Sax

Drehbuch:Matthew Jacobs

Darsteller:Paul McGann, Eric Roberts, Daphne Ashbrook, Sylvester McCoy

Extras: Umfangreiches Booklet mit Hintergrundinfos, Kommentarspuren, isolierte Musikspur, mehrere Featurettes und Behind-the-Scenes, Kurzfilm: Die Nacht des Doktors

★★★☆☆

(Die Ausstattung hat wieder fnf Sterne verdient!)

Doctor Who: Der Film erscheint am 31.03.2017 bei Pandastormauf DVD und Blu-ray. Offenlegung: Ich habe die DVDfreundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

 

Oscar-Tipp 2017

2016 hatte ich 17× richtig getippt und damit meinen Abwärtstrend von 2015 (18×) und 2014 (19×) leider fortgesetzt. Hier meine Tipps für dieses Jahr:

  • Bester Film: „La La Land“. Alles andere würde mich wirklich überraschen, auch wenn ich es „Arrival“ oder „Moonlight“ richtig gönnen würde. Aber ein Musical über die Traumfabrik Hollywood ist einfach schon vom Konzept her sehr stark, dass es auch noch ein gutes Musical mit Ohrwurmgarantie ist, hilft dem Film halt auch.
  • Bester Hauptdarsteller: Casey Affleck („Manchester by the Sea“). Was habe ich bei diesem Film mitgelitten mit Afflecks Charakter, dessen Geschichte sich so langsam aber gewaltsam entfaltet.
  • Beste Hauptdarstellerin: Emma Stone („La La Land“). Stone hat, im Gegensatz zu den Hauptdarstellern, weit weniger hochkarätige Konkurrenz im Feld. Streep hat mittlerweile genug Oscar-Rekorde, und sowohl Portman als auch Huppert und Negga haben zu wenig Momentum aufnehmen können bisher bei den anderen Preisen.
  • Bester Nebendarsteller: Mahershala Ali („Moonlight“). Die Academy hat dieses Jahr sicherlich etwas gut zu machen für die „Weißen Oscars“ der letzten Jahren und daher ist eine Wette auf die beiden schwarzen Nebendarsteller eine recht sichere Bank. Zumal Ali auch wirklich eine gute, wenn auch wirklich kleine Rolle in „Moonlight“ hatte und ich es auch Shannon gönnen würde. Was Dev Patel („Lion“) hier als Nebendarsteller zu suchen hat für einen Film, bei dem er klar der Hauptdarsteller ist, weiß aber nur die Academy.
  • Beste Nebendarstellerin: Viola Davis („Fences“). Siehe oben. Wobei Naomie Harris auch die Kategorie locker füllen könnte.
  • Bester animierter Film: „Zoomania“. Pixar setzt diesmal aus, während die Mutter Disney gleich zwei Filme ins Rennen schicken darf. Davon dürfte „Zootopiamania“ die Nase etwas weiter voraus haben, auch gegen die restliche Konkurrenz.
  • Beste Regie: Damien Chazelle („La La Land“). Wenn „La La Land“ irgendwo klar gewinnen wird, dann hier. Wobei ich Denis Villeneuve ihn mehr gönnen würde.
  • Beste Kamera: „La La Land“. Allein die Inszenierung der Anfangsszene auf der Brücke war große Kamerakunst.
  • Bestes adaptiertes Drehuch: „Moonlight“. Auch hier würde ich es „Arrival“ gönnen, zumal eine ordentliche aber nicht herausragende Kurzgeschichte auf wirklich großartiges Niveau gebracht wurde, aber „Moonlight“ rechne ich die besseren Chancen hier zu, die Story ist dazu einfach zu schön.
  • Bestes Originaldrehbuch: „Manchester by the Sea“. Hier setze ich auch mal gegen „La La Land“, denn ehrlicherweise ist dessen Story doch etwas flach im Gegensatz zu der Geschichte im Vorort von Boston …
  • Bester fremdsprachiger Film: „Toni Erdmann“. Ich habe auch „Ein Mann namens Ove“ und „Unter dem Sand“ gesehen, waren beides gute Filme, aber „Toni Erdmann“ war einfach brillant, weil er so vollkommen eigen ist. Dass es noch dazu ein deutscher Film ist, freut natürlich ein patriotisches Herz.
  • Bestes Produktionsdesign: „La La Land“. Hier werden die Hollywood-Kulissen selbst als solche zelebriert, wäre also quasi ein Meta-Gewinner.
  • Beste Kostümgestaltung: „Jackie“. Tendenziell gewinnen hier historische Filme in der Regel, weswegen ich hier mal etwas gegen den Strom setze.
  • Beste Dokumentation (Feature): „O. J.: Made in America“. Zählen sieben Stunden noch als Film? Die Academy hat es durchgelassen, daher muss Interesse schon da sein, oder?
  • Beste Dokumentation (Kurz): „Die Weißhelme“. Zwei Filme über Aleppo, aber ich denke, dass die Jury sich hier für den US-Film entscheiden werden. Könnte aber auch alles andere werden.
  • Bester Schnitt: „La La Land“.
  • Bestes Makeup und Frisur: „Star Trek Beyond“. Eine seltsame Kategorie dieses Jahr. Da „Ein Mann namens Ove“ nicht wirklich so stark dem US-Publikum bekannt sein dürfte und „Suicide Squad“ einfach viel zu grottig insgesamt war, bleibt hier tatsächlich nur „Star Trek Beyond“ über, bei dem – na ja – es seltsame Aliens mit viel Maske gab?
  • Beste Musik (Score): „La La Land“ (Justin Hurwitz). Absolute Ohrwurm-Qualität.
  • Beste Musik (Original-Lied): „La La Land“ – „City of Stars“. Pfeife ich heute noch bisweilen aus heiteren Himmel.
  • Bester Kurzfilm (animiert): „Piper“. Hier hat Pixar noch ein kleines, süßes Ass im Ärmel.
  • Bester Kurzfilm (live action): „Ennemis intérieurs“. Keine Ahnung, hier mal wieder blind getippt.
  • Bester Tonschnitt: „Hacksaw Ridge“. Kriegsfilme dominieren das Feld hier traditionell.
  • Beste Tonmischung: „La La Land“. Einfach darum.
  • Beste visuelle Effekte: „The Jungle Book“. Ein gewisser Nostalgie-Bonus.  Probier’s mal mit Gemütlichkeit …

Chris Rock hat mich letztes Jahr nicht so wirklich vom Hocker gerissen. Dieses Jahr darf es leider wieder nicht Ellen Degeneres, sondern der „Tonight Show“-Host Jimmy Kimmel richten, dessen Humor ich ja nur so mäßig finde:

(Beitragsbild:  CC-BY 2.0 Prayitno/Flickr)

Oscar-Kandidat „Moonlight“ (Kino-Kritik)

Chiron ist ein Auenseiter in der Schule, und wchst bei seiner alleinerziehenden und drogenabhngigen Mutterin Florida auf. Auf der Flucht vor ein paar Klassen-Bullys lernt erJuan (Mahershala Ali) kennen, einen Drogendealer, der ihn etwas unter seine Fittiche nimmt und fr den Little genannten Jungen (Alex Hibbert) eine Vaterfigur wird. Jahre spter hat Chiron als Teenager (Ashton Sanders) nicht nur seine erste sexuelle Erfahrung, sondern muss sich auch entscheiden, ob ersich gegen die Bullys behaupten mchte. Und als imposanter Erwachsener (Trevante Rhodes) muss er sichder erneut der Frage stellen, ob der eingeschlagene Weg der richtige fr ihn ist

Moonlight ist ein einfhlsamer Coming-of-Age-Film, welcher genauso wie sein zurckhaltender Protagonistviel mehr in seinen kleinen Details zeigt alsdurch seine Dialoge erklrt. Alle drei Darsteller von Chiron sind gleichermaen fesselnd und erzhlen doch eine gemeinsame Lebensgeschichte in drei Akten, ohne dabei in typischen Klischees zu zerflieen. Und selbst, wenn der Erwachsene Chiron mit goldenen Angeber-Veneers herumluft, ist dies mehr als nur ablenkend es ist tatschlich relevant fr den Gemtszustand des Film-Protagonisten.

Chiron als Teenager (Ashton Sanders, Foto: A24/DCM)
Chiron als Teenager (Ashton Sanders, Foto: A24/DCM)

Moonlight hat bereits den Golden Globe als bestes Drama gewonnen, ob es gegen den Behemoth La La Land aber bei den Oscars eine Chance hat, wird sich erst noch zeigen mssen. Unabhngig davon ist er ein uerst sehenswerter Film, welcher zeigt, dass auch in einer Welt durchzogen von Drogen und Gewalt leise Tne existieren und Vieles beeinflussen.

Moonlight(USA 2016)

Regie:Berry Jankins

Drehbuch: Barry Jenkins, basierend auf der Story von Tarell Alvin McCraney

Darsteller:Alex Hibbert, Ashton Sanders, Trevante Rhodes, Naomie Harris, Mahershala Ali

★★★★★

Moonlight luft ab dem 09.03.2017 in unseren Lichtspielhusern.

Schwanengesang eines Superhelden – Kino-Kritik: „Logan“

Das Jahr2029. Seit langem wurden keine neuen Mutanten mehr geboren und ihre Zahl reduziert sich stndig. Logan (Hugh Jackman, Prestige) arbeitet in Texas als Limo-Fahrer und setzt sein mhsam verdientes Geld in illegale Drogen um. Er ist alt und krank geworden. Gleiches gilt auch fr Professor X, Charles Xavier (Patrick Steward, Star Trek), mit dem er zusammen kurz hinter der Grenze Mexikos einen Schrottplatz bewohnt.

Viel Zeit scheint beiden ohnehin nicht zu bleiben,als Logan pltzlich eine Mexikanerin zusammen mit ihrer schweigsamen Tochter (Dafne Keen) aufsucht und um Hilfe bittet denn sie werden verfolgt. Verfolgt von eben denselben Schergen, die einst fr Logans Transformation in die Kampfmaschine Wolverine zustndig waren. Und gerade deswegen ist ausgerechnet Wolverine die einzige Hoffnung der beiden, nach Norden ins vermeintliche Eden von Kanada zu fliehen

17 Jahre, siebenFilme (und zwei Cameos)

Im Jahr 2000 schlpfte ein damals noch recht unbekannter Hugh Jackman das erste Mal in die Rolle des Comichelden Wolverine in Bryan Singers X-Men. Siebzehn Jahre spter spielt er sie nun dem Vernehmen nach ein letztes Mal und er spielte sie tatschlich nie so intensiv, wie in Logan.

Alle Auftritte von Hugh Jackman als Wolverine:

  1. X-Men (2000)
  2. X-Men 2 (2003)
  3. X-Men: Der letzte Widerstand (2006)
  4. X-Men Origins: Wolverine (2009)
  5. X-Men: Erste Entscheidung (2011, nur Cameo)
  6. Wolverine: Weg des Kriegers (2013)
  7. X-Men: Zukunft ist Vergangenheit (2014)
  8. X-Men: Apocalpyse (2016, nur Cameo)
  9. Logan: The Wolverine (2017)

Sein Abschlussfilm ist ein untypischer Superheldenfilm, es ist eher ein Road-Movie, ein wenig auch ein Westernoder auch eine obskure Kreuzung zwischen Little Miss Sunshine und Universal Soldier: Eine dysfunktionale Familie reist durch Maisfelder-geprgte Landschaften verfolgt von Super-Soldaten und deren Erschaffern

Wolverine (Hugh Jackman) trainiert ausnahmsweise mal nicht mit den Treckerreifen (Foto: 20th Century Fox)

Der Film von Regisseur und Drehbuchautor James Mangold ist gewaltttiger und hrter als das meiste, was man sonst aus dem X-Men-Universum kennt. Die Protagonisten sind nicht durch den Plot allein kugelsicher sterben aber auch nicht einfach so aus purer Whedonscher Effekthascherei. Natrlich werden auch in Logan faszinierende Superkrfte demonstriert, aber sie werden nie eingesetzt, um mal eben noch eine coole Actionszene einzubauen oder um Effektjunkies zu bedienen, der Fokus liegt auf den Charakteren und hier knnen Jackman und Stewart zeigen, zu was sie als Darsteller noch alles fhig sind.Auch Newcomerin Dafne Keen spielt durchaus intensiv es sind die Bsewichter, hierBoyd Holbrook (Milk) als Pierce undRichard E. Grant (Dracula) als Dr. Rice, die abermals etwas unterfordert bleiben und deren Motivationen leider recht undurchsichtig sind, aber das scheint ein allgemeines Marvel-Problem zu bleiben.

Dass 20th Century Fox es schafft, aus der Spirale der immer bombastischeren Steigerungen anderer Superheldenfranchises die sie ja auch gerade selbst mit den X-Men-Filmen so lange mit vorangetrieben haben auszubrechen, ist eine angenehme berraschung: Letztes Jahr war es Deadpool, dieses Jahr Logan, die beweisen, dass mehr als die stndige Formel X im Superhelden-Kino steckt. Und ein weiterer Ableger aus dem X-Men-Universum, Legion, schafft gerade dasselbe fr die Mattscheibe.

Das X-Men-Film-Universum wird erwachsen

Neben dem MCU wird gerade also auch das X-Men-Film-Universum erwachsen und erobert neue Genres auch wenn Fox dabei auch noch etwas am Stolpern ist: Nach dem bei Kritikern und der Kinokasse gleichermaen kaum beliebten X-Men: Apocalypse, dem reinrassigen Flop Fantastic Four und dem berraschungsmegahit Deadpool hatte Fox den eigentlich fr Oktober geplanten X-Men-Film Gambit bereits mit dem zweiten Kingsman-Film berplant.

Logan ist die einzige Hoffung fr das junge Mdchen (Dafne Keen,Foto: 20th Century Fox)

Autor/Produzent Simon Kinberg, der seit einigen Jahren bei Fox die Marvel-Zgel in der Hand hlt, weist also bisher ein recht gemischtes Zeugnis auf. Ob der Gambit-Film doch noch ein Go erhlt ist weiter fraglich, genauso steht bisher bei dem X-Force-Film noch nichts fest. Sicher ist derzeit nur Deadpool 2, wann dieser jedoch kommt ist noch unklar, derzeit sind fr November 2018 und Februar 2019 aber zwei Pltze in der Programmplanung von Fox fr Marvel-Filme freigehalten und natrlich ist gerade jetzt mit dem Start des Filmes die Gerchtekche am Brodeln, nachdem vermeintlich Kinberg selbst in den Regiestuhl steigen soll.

Eine Fortsetzung von Logan wird es nicht geben,jedenfalls nicht mit Hugh Jackman.Sein Abschlussfilm bertrifft aber alle Erwartungen das Superheldengenre hat im Kino wieder mehr zu bieten.

Logan: The Wolverine(Logan, USA 2017)

Regie:James Mangold

Drehbuch:James Mangold und Scott Frank

Darsteller:Hugh Jackman, Patrick Stewart, Dafne Keen

Score:Marco Beltramis Score ist routiniert aber passend.

Abspannsitzenbleiben? War bei der Pressevorfhrung nicht ntig, es heit aber, dass mittlerweile den Kinos eine drei Minuten lngere Fassung ausgeliefert worden ist.

★★★★

Logan: The Wolverine luft ab dem 02.03.2017 in unseren Lichtspielhusern.

Italo-Superhelden-Anime-Hommage: „Sie nannten ihn Jeeg Robot“ (Blu-ray-Kritik)

Enzo ist eigentlich Kleinkrimineller, erlangt aber auf einer Flucht vor der Polizei pltzlich Superstrke und Regenerationskrfte. Diese stellen sich nicht nur als enorm praktisch fr sein Tagewerk heraus, sondern stellen ihn bald vor ein Dilemma: Denn der verrckte Gangster Gypsy bedroht pltzlich nicht nur ihn, sondern auch die attraktive, aber geistig zurckgebliebene Nachbarin Allessia, welche Enzo fr den Helden Hiro aus der Anime-TV-Serie Jeeg Robot hlt.

Bereits auf dem Fantasy Filmfest 2016 habe ich dieses italienische Kleinod anschauen (ausfhrliche Kritik) drfen, und bereits damals hat er mir gefallen: Es ist zwar eine recht simple Geschichte ber einen Superhelden-Origin, eine Jungfrau in Nten und ein Superbsewicht, der erst durch den Helden entsteht und schlielich von diesem bezwungen werden muss, aber diese ist nicht nur mit einigem italienischen Lokalkolorit, sondern auch mit den in Italien immer noch sehr prominenten japanischen Anime-Serien durchwoben. Diese Anime-Serie, Steel Jeeg, gab es tatschlich, sie flimmerte erstmals im Jahr 1975 ber die japanischen Bildschirme und war vor allen in Italien berraschend erfolgreich nach Deutschland kam sie aber offenbar nicht, wir hatten dafrCaptain Futureals Anime-Serie, die Nerds abgttisch heute noch lieben.

Superstrke ist praktisch (Foto: Pandastorm Pictures)

Der besondere Kniff von Sie nannten ihn Jeeg Robot ist aber, dass der Film die Serie nicht direkt anspielt, sondern hier nur ein Plot-Inkubator ist, man braucht sie also nicht zu kennen um an den Film seine Freude zu haben, Anspielungen wie die Frage nach Jeegs geflgelten Schwert sind nur extrem nerdige Details am Rande.

Superhelden-Ausbildung durch Videoabende (Foto: Pandastorm Pictures)

Die Blu-Ray-Umsetzung ist ebenfalls gelungen, kristallklares Bild und gelungene deutsche Synchron (italienischer Originalton ist mit optionalen Untertiteln in Deutsch/Englisch/Italienisch auch vorhanden), wenn auch bedauerlich ist, dass neben dem eingedeutschten Trailer es keine Extras auf die Scheibe geschafft haben. Sicher, der Film hat vor allen in Italien Filmpreise abgerumt, in Deutschland gewann er immerhin den zweiten Platz beim Fresh Blood Award des Fantasy Filmfests.

Sie nannten ihn Jeeg Robot(Lo chiamavano Jeeg Robot, I 2016)

Regie:Gabriele Mainetti

Drehbuch:Nicola Guaglianone &Menotti

Darsteller:Claudio Santamaria, Ilenia Pastorelli, Luca Marinelli

Score:Erinnert, vermutlich bewusst gewollt, vereinzelt an Hans Zimmers Man of Steel-Musik.

★★★★

Sie nannten ihn Jeeg Robot erscheint am 03.02.2017 bei Pandastorm Pictures auf DVD und Blu-ray, bereits seit 26.01.2017 ist er auch digital verfgbar. Offenlegung: Ich habe die Blu-ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

„Operation Avalanche“ – oder der Versuch, die Mondlandungsfälschung zu fälschen (Blu-ray-Kritik)

We choose to go to the moon in this decade and do the other things, not because they are easy, but because they are hard. (John F. Kennedy, 1962)

Kennedys Plan, auf dem Mond zu landen, setzte ein beispielloses Wettrennen zwischen der USA und der Sowjetunion in Gange, bei dem die Genossen lange die Nase vorn hatten, immerhin hatten sie anderthalb Jahr zuvor den Kosmonauten Gagarin als ersten Menschen in den Weltraum geschossen und sicher wieder zurck auf die Erde geholt.

Doch als die CIA-Agenten Matt Johnson (Matt Johnson)und Owen Williams (Owen Williams)ein Telefonat der NASA abhren und dabei feststellen, dass die Weltraumbehrde zwar auf dem Mond landen, aber nicht wieder starten knne, keimt in beiden ein waghalsiger Plan auf: Begeistert von der Arbeit des kreativen Regisseurs Stanley Kubrick, der gerade einen Film ber eine Mondlandung drehen will, wollen sie mit moderner Filmtechnik ein wenig nachhelfen und den Vereinten Staaten diesen wichtigen Sieg gegen den Klassenfeind ermglichen.

Die Mondlandung war schon immer eines der groen Themen fr Verschwrungstheoretiker und genau mit dieser Idee wird auch hier gespielt. Dabei ist es noch nicht einmal der erste Film, der dies umsetzt, bereits 1977 wurde das Thema von Peter Hyams in Unternehmen Capricorn aufgegriffen und 2003 wurde bereits Regisseur Stanley Kubrick in der franzsischen Mockumentary Kubrick, Nixon und der Mann im Mond fr die Flschung verantwortlich gemacht.

Teilweise im Lyndon B. Johnson Space Center in Huston gedreht (Foto: Ascot Elite)

Operation Avalanche ist eine Found-Footage-Mockumentary, die stilistisch extra auf altes Filmmaterial getrimmt wirken soll, vermutlich wie ein Super-8-Film (wobei dieses Filmformat erst 1965 von Kodak eingefhrt wurde). Stndig gibt es Unschrfen, wilde Kameraschwenks sowie Dreck, Staub und andere Fehler auf der vermeintlichen Projektion, was dem Film eine besondere Authentizitt verleihen soll. Dabei orientierte sich der Regisseur tatschlich auch sonst von der Bildsprache her stark an den damaligen Dokumentationen. Auch die Ausstattung des Films ist mit sehr viel Liebe an der damaligen Zeit orientiert, was berraschend positiv auffllt, wenn man das geringe Budget des Films zugrunde legt.

Foto: Ascot Elite

Teile des Films wurden daher sogar im Guerilla-Stil gedreht: Die Filmmacher gaben sich als Filmstudenten aus, welche eine Filmdokumentation ber die NASA in den 60er Jahren bei der NASA drehen wollten strenggenommen nicht ganz eine Lge und bekamen so die Mglichkeit, an Originalorten zu drehen. Daher wurden die Hauptcharaktere des Films auch nach den Darstellern benannt, um die Charade aufrecht erhalten zu knnen. Ein faszinierender und uerst kreativer Ansatz.

Leider zahlt sich dieser Ansatz aber nur bedingt aus, denn die eigentliche Story bleibt flach und letztlich eine One-Man-Show mit etwas bizarren Humor, der zumindest bei mir nicht immer zndete. Und es sollte auch etwas zu denken geben, dass die Featurette tatschlich etwas interessanter als der Film selbst ist.

Operation Avalanche (USA 2016)

Regie: Matt Johnson

Drehbuch: Matt Johnson , Josh Boles

Darsteller: Matt Johnson, Josh Boles, Owen Williams

Extras: Featurette, extra von Ascot Elite auf einem Zricher Filmfestival gedreht, Trailer

★★★☆☆

Operation Avalanche erschienam 13.01.2017 bei Ascot Elite auf DVD und Blu-ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Ein Liebes- und Rachefilm – Kino-Kritik: „Nocturnal Animals“

Susan Morrow (Amy Adams, „American Hustle“) ist Kunsthändlerin in Los Angeles. Ihre letzte Vernissage war allerdings nur leidlich erfolgreich und auch die Beziehung zu ihrem zweiten Ehemann Hutton (Armie Hammer, „The Social Network“) wackelt bereits. Da erhält sie das Manuskript des Debutromans ihres ersten Ehemanns, Edward Sheffield (Jake Gyllenhaal, „Nightcrawler“), das auch noch ihr gewidmet ist. Seit vielen Jahren hatten die beiden keinen Kontakt mehr zueinander gehabt denn die Beziehung damals ist alles andere als reibungslos zu Ende gegangen.

Susan (Amy Adams) wird von dem Debutroman ihres Ex-Ehemanns stark mitgenommen (Foto: Merrick Morton/Focus Features/Universal Pictures)
Susan (Amy Adams) wird von dem Debutroman ihres Ex-Ehemanns stark mitgenommen (Foto: Merrick Morton/Focus Features/Universal Pictures)

Susan beginnt, den Roman an einem Wochenende zu lesen, das sie alleine zuhause verbringt – und wird in eine brutale Thrillerwelt gezogen, in welcher der Ehemann einer junger Familie, Tony Hastings (ebenfalls Jake Gyllenhaal in einer Doppelrolle, die dadurch begründet wird, dass Autoren doch eigentlich nur über sich selbst schreiben) auf einer einsamen Straße in Texas von drei jungen Rowdies (u.a. Aaron Taylor-Johnson, „Avengers: Age of Ultron“) erst abgedrängt wird, und später tatenlos dabei zu sehen muss, wie diese mit seiner Frau und seiner Tochter verschwinden. Durch die Hilfe eines resoluten Sheriffs (Michael Shannon, „The Harvest“) versucht die Romanfigur sein Trauma zu überwinden – und schließlich steht er vor der Wahl, ob er Rache üben will oder letztlich doch verzeihen kann …

Eindrucksvolle Verschmelzung der Erzählebenen

Zwei narrative Ebenen in einem Film zu verweben ist oft schwieriger als man denkt. Letztlich sind es hier sogar drei, da durch die Konfrontation mit dem Roman bei Susan selbst die persönliche Vergangenheit mit ihrem Ex-Ehemann und einige verdrängte schlechte Erinnerungen wieder hochkochen. Doch Regisseur Tom Ford schafft es meisterhaft, seine narrativen Ebenen zu verweben und immer wieder zwischen diesen zu wechseln, ohne eine Narration so zu unterbrechen, dass man eigentlich auf der anderen Ebene weiter hätte verweilen wollen.

Tony Hastings (Jake Gyllenhaal) im Streit mit dem gewalttätigen Turk (Robert Aramayo) während Ray (Aaron Taylor-Johnson) sich an Tonys Tochter India (Ellie Bamber) heranmacht (Foto: Merrick Morton/Focus Features/Universal Pictures)
Tony Hastings (Jake Gyllenhaal) im Streit mit dem gewalttätigen Turk (Robert Aramayo) während Ray (Aaron Taylor-Johnson) sich an Tonys Tochter India (Ellie Bamber) heranmacht (Foto: Merrick Morton/Focus Features/Universal Pictures)

Und: Er vermeidet es, die Zuschauer mit entsprechenden Zaunlatten zu den richtigen Schlüssen zu prügeln – entweder versteht man den Film, oder man findet ihn einfach grottig langweilig. Aber immerhin wohl nicht beides. Und auch nicht unmittelbar, denn ich habe einige Zeit gebraucht, um den Film für mich selbst einzuordnen.

Letztlich hat dieser Film zusammen mit „The Arrival“ für mich aber Amy Adams als eine der Darstellerinnen zementiert, von der man weit mehr erwarten kann als nur eine Randfigur in den DC-Filmen.

Plakat „Nocturnal Animals“„Nocturnal Animals“, USA 2016

Regie & Drehbuch: Tom Ford

Darsteller: Amy Adams, Jake Gyllenhaal, Armie Hammer, Aaron Taylor-Johnson, Michael Shannon, Laura Linney

facebook.com/Nocturnal.Animals.DE

★★★★

„Nocturnal Animals“ startet am 22.12.2016 in unseren Lichtspielhäusern. Beitragsbild: Merrick Morton/Focus Features/Universal Pictures.