Oscar-Tipp 2017

2016 hatte ich 17× richtig getippt und damit meinen Abwärtstrend von 2015 (18×) und 2014 (19×) leider fortgesetzt. Hier meine Tipps für dieses Jahr:

  • Bester Film: „La La Land“. Alles andere würde mich wirklich überraschen, auch wenn ich es „Arrival“ oder „Moonlight“ richtig gönnen würde. Aber ein Musical über die Traumfabrik Hollywood ist einfach schon vom Konzept her sehr stark, dass es auch noch ein gutes Musical mit Ohrwurmgarantie ist, hilft dem Film halt auch.
  • Bester Hauptdarsteller: Casey Affleck („Manchester by the Sea“). Was habe ich bei diesem Film mitgelitten mit Afflecks Charakter, dessen Geschichte sich so langsam aber gewaltsam entfaltet.
  • Beste Hauptdarstellerin: Emma Stone („La La Land“). Stone hat, im Gegensatz zu den Hauptdarstellern, weit weniger hochkarätige Konkurrenz im Feld. Streep hat mittlerweile genug Oscar-Rekorde, und sowohl Portman als auch Huppert und Negga haben zu wenig Momentum aufnehmen können bisher bei den anderen Preisen.
  • Bester Nebendarsteller: Mahershala Ali („Moonlight“). Die Academy hat dieses Jahr sicherlich etwas gut zu machen für die „Weißen Oscars“ der letzten Jahren und daher ist eine Wette auf die beiden schwarzen Nebendarsteller eine recht sichere Bank. Zumal Ali auch wirklich eine gute, wenn auch wirklich kleine Rolle in „Moonlight“ hatte und ich es auch Shannon gönnen würde. Was Dev Patel („Lion“) hier als Nebendarsteller zu suchen hat für einen Film, bei dem er klar der Hauptdarsteller ist, weiß aber nur die Academy.
  • Beste Nebendarstellerin: Viola Davis („Fences“). Siehe oben. Wobei Naomie Harris auch die Kategorie locker füllen könnte.
  • Bester animierter Film: „Zoomania“. Pixar setzt diesmal aus, während die Mutter Disney gleich zwei Filme ins Rennen schicken darf. Davon dürfte „Zootopiamania“ die Nase etwas weiter voraus haben, auch gegen die restliche Konkurrenz.
  • Beste Regie: Damien Chazelle („La La Land“). Wenn „La La Land“ irgendwo klar gewinnen wird, dann hier. Wobei ich Denis Villeneuve ihn mehr gönnen würde.
  • Beste Kamera: „La La Land“. Allein die Inszenierung der Anfangsszene auf der Brücke war große Kamerakunst.
  • Bestes adaptiertes Drehuch: „Moonlight“. Auch hier würde ich es „Arrival“ gönnen, zumal eine ordentliche aber nicht herausragende Kurzgeschichte auf wirklich großartiges Niveau gebracht wurde, aber „Moonlight“ rechne ich die besseren Chancen hier zu, die Story ist dazu einfach zu schön.
  • Bestes Originaldrehbuch: „Manchester by the Sea“. Hier setze ich auch mal gegen „La La Land“, denn ehrlicherweise ist dessen Story doch etwas flach im Gegensatz zu der Geschichte im Vorort von Boston …
  • Bester fremdsprachiger Film: „Toni Erdmann“. Ich habe auch „Ein Mann namens Ove“ und „Unter dem Sand“ gesehen, waren beides gute Filme, aber „Toni Erdmann“ war einfach brillant, weil er so vollkommen eigen ist. Dass es noch dazu ein deutscher Film ist, freut natürlich ein patriotisches Herz.
  • Bestes Produktionsdesign: „La La Land“. Hier werden die Hollywood-Kulissen selbst als solche zelebriert, wäre also quasi ein Meta-Gewinner.
  • Beste Kostümgestaltung: „Jackie“. Tendenziell gewinnen hier historische Filme in der Regel, weswegen ich hier mal etwas gegen den Strom setze.
  • Beste Dokumentation (Feature): „O. J.: Made in America“. Zählen sieben Stunden noch als Film? Die Academy hat es durchgelassen, daher muss Interesse schon da sein, oder?
  • Beste Dokumentation (Kurz): „Die Weißhelme“. Zwei Filme über Aleppo, aber ich denke, dass die Jury sich hier für den US-Film entscheiden werden. Könnte aber auch alles andere werden.
  • Bester Schnitt: „La La Land“.
  • Bestes Makeup und Frisur: „Star Trek Beyond“. Eine seltsame Kategorie dieses Jahr. Da „Ein Mann namens Ove“ nicht wirklich so stark dem US-Publikum bekannt sein dürfte und „Suicide Squad“ einfach viel zu grottig insgesamt war, bleibt hier tatsächlich nur „Star Trek Beyond“ über, bei dem – na ja – es seltsame Aliens mit viel Maske gab?
  • Beste Musik (Score): „La La Land“ (Justin Hurwitz). Absolute Ohrwurm-Qualität.
  • Beste Musik (Original-Lied): „La La Land“ – „City of Stars“. Pfeife ich heute noch bisweilen aus heiteren Himmel.
  • Bester Kurzfilm (animiert): „Piper“. Hier hat Pixar noch ein kleines, süßes Ass im Ärmel.
  • Bester Kurzfilm (live action): „Ennemis intérieurs“. Keine Ahnung, hier mal wieder blind getippt.
  • Bester Tonschnitt: „Hacksaw Ridge“. Kriegsfilme dominieren das Feld hier traditionell.
  • Beste Tonmischung: „La La Land“. Einfach darum.
  • Beste visuelle Effekte: „The Jungle Book“. Ein gewisser Nostalgie-Bonus.  Probier’s mal mit Gemütlichkeit …

Chris Rock hat mich letztes Jahr nicht so wirklich vom Hocker gerissen. Dieses Jahr darf es leider wieder nicht Ellen Degeneres, sondern der „Tonight Show“-Host Jimmy Kimmel richten, dessen Humor ich ja nur so mäßig finde:

(Beitragsbild:  CC-BY 2.0 Prayitno/Flickr)

Oscar-Kandidat „Moonlight“ (Kino-Kritik)

Chiron ist ein Außenseiter in der Schule, und wächst bei seiner alleinerziehenden und drogenabhängigen Mutter in Florida auf. Auf der Flucht vor ein paar Klassen-Bullys lernt er Juan (Mahershala Ali) kennen, einen Drogendealer, der ihn etwas unter seine Fittiche nimmt und für den „Little“ genannten Jungen (Alex Hibbert) eine Vaterfigur wird. Jahre später hat Chiron als Teenager (Ashton Sanders) nicht nur seine erste sexuelle Erfahrung, sondern muss sich auch entscheiden, ob er sich gegen die Bullys behaupten möchte. Und als imposanter Erwachsener (Trevante Rhodes) muss er sich der erneut der Frage stellen, ob der eingeschlagene Weg der richtige für ihn ist …

„Moonlight“ ist ein einfühlsamer Coming-of-Age-Film, welcher genauso wie sein zurückhaltender Protagonist viel mehr in seinen kleinen Details zeigt als durch seine Dialoge erklärt. Alle drei Darsteller von Chiron sind gleichermaßen fesselnd und erzählen doch eine gemeinsame Lebensgeschichte in drei Akten, ohne dabei in typischen Klischees zu zerfließen. Und selbst, wenn der Erwachsene Chiron mit goldenen Angeber-Veneers herumläuft, ist dies mehr als nur ablenkend – es ist tatsächlich relevant für den Gemütszustand des Film-Protagonisten.

Chiron als Teenager (Ashton Sanders, Foto: A24/DCM)
Chiron als Teenager (Ashton Sanders, Foto: A24/DCM)

„Moonlight“ hat bereits den Golden Globe als bestes Drama gewonnen, ob es gegen den Behemoth „La La Land“ aber bei den Oscars eine Chance hat, wird sich erst noch zeigen müssen. Unabhängig davon ist er ein äußerst sehenswerter Film, welcher zeigt, dass auch in einer Welt durchzogen von Drogen und Gewalt leise Töne existieren und Vieles beeinflussen.

„Moonlight“ (USA 2016)

Regie: Berry Jankins

Drehbuch: Barry Jenkins, basierend auf der Story von Tarell Alvin McCraney

Darsteller: Alex Hibbert, Ashton Sanders, Trevante Rhodes, Naomie Harris, Mahershala Ali

★★★★★

„Moonlight“ läuft ab dem 09.03.2017 in unseren Lichtspielhäusern.

Schwanengesang eines Superhelden – Kino-Kritik: „Logan“

Das Jahr 2029. Seit langem wurden keine neuen Mutanten mehr geboren und ihre Zahl reduziert sich ständig. Logan (Hugh Jackman, „Prestige“) arbeitet in Texas als Limo-Fahrer und setzt sein mühsam verdientes Geld in illegale Drogen um. Er ist alt und krank geworden. Gleiches gilt auch für Professor X, Charles Xavier (Patrick Steward, „Star Trek“), mit dem er zusammen kurz hinter der Grenze Mexikos einen Schrottplatz bewohnt.

Viel Zeit scheint beiden ohnehin nicht zu bleiben, als Logan plötzlich eine Mexikanerin zusammen mit ihrer schweigsamen Tochter (Dafne Keen) aufsucht und um Hilfe bittet – denn sie werden verfolgt. Verfolgt von eben denselben Schergen, die einst für Logans Transformation in die Kampfmaschine Wolverine zuständig waren. Und gerade deswegen ist ausgerechnet Wolverine die einzige Hoffnung der beiden, nach Norden ins vermeintliche Eden von Kanada zu fliehen …

17 Jahre, sieben Filme (und zwei Cameos)

Im Jahr 2000 schlüpfte ein damals noch recht unbekannter Hugh Jackman das erste Mal in die Rolle des Comichelden Wolverine in Bryan Singers „X-Men“. Siebzehn Jahre später spielt er sie nun dem Vernehmen nach ein letztes Mal – und er spielte sie tatsächlich nie so intensiv, wie in „Logan“.

Alle Auftritte von Hugh Jackman als Wolverine:

  1. „X-Men“ (2000)
  2. „X-Men 2“ (2003)
  3. „X-Men: Der letzte Widerstand“ (2006)
  4. „X-Men Origins: Wolverine“ (2009)
  5. „X-Men: Erste Entscheidung“ (2011, nur Cameo)
  6. „Wolverine: Weg des Kriegers“ (2013)
  7. „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ (2014)
  8. „X-Men: Apocalpyse“ (2016, nur Cameo)
  9. „Logan: The Wolverine“ (2017)

Sein Abschlussfilm ist ein untypischer Superheldenfilm, es ist eher ein Road-Movie, ein wenig auch ein Western oder auch eine obskure Kreuzung zwischen „Little Miss Sunshine“ und „Universal Soldier“: Eine dysfunktionale Familie reist durch Maisfelder-geprägte Landschaften verfolgt von Super-Soldaten und deren Erschaffern …

Wolverine (Hugh Jackman) trainiert ausnahmsweise mal nicht mit den Treckerreifen (Foto: 20th Century Fox)

Der Film von Regisseur und Drehbuchautor James Mangold ist gewalttätiger und härter als das meiste, was man sonst aus dem X-Men-Universum kennt. Die Protagonisten sind nicht durch den Plot allein kugelsicher – sterben aber auch nicht einfach so aus purer Whedon’scher Effekthascherei. Natürlich werden auch in „Logan“ faszinierende Superkräfte demonstriert, aber sie werden nie eingesetzt, um – mal eben – noch eine coole Actionszene einzubauen oder um Effektjunkies zu bedienen, der Fokus liegt auf den Charakteren und hier können Jackman und Stewart zeigen, zu was sie als Darsteller noch alles fähig sind. Auch Newcomerin Dafne Keen spielt durchaus intensiv – es sind die Bösewichter, hier Boyd Holbrook („Milk“) als Pierce und Richard E. Grant („Dracula“) als Dr. Rice, die abermals etwas unterfordert bleiben und deren Motivationen leider recht undurchsichtig sind, aber das scheint ein allgemeines Marvel-Problem zu bleiben.

Dass 20th Century Fox es schafft, aus der Spirale der immer bombastischeren Steigerungen anderer Superheldenfranchises – die sie ja auch gerade selbst mit den X-Men-Filmen so lange mit vorangetrieben haben – auszubrechen, ist eine angenehme Überraschung: Letztes Jahr war es „Deadpool“, dieses Jahr „Logan“, die beweisen, dass mehr als die ständige „Formel X“ im Superhelden-Kino steckt. Und ein weiterer Ableger aus dem X-Men-Universum, „Legion“, schafft gerade dasselbe für die Mattscheibe.

Das X-Men-Film-Universum wird erwachsen

Neben dem MCU wird gerade also auch das „X-Men“-Film-Universum erwachsen und erobert neue Genres – auch wenn Fox dabei auch noch etwas am Stolpern ist: Nach dem bei Kritikern und der Kinokasse gleichermaßen kaum beliebten „X-Men: Apocalypse“, dem reinrassigen Flop „Fantastic Four“ und dem Überraschungsmegahit „Deadpool“ hatte Fox den eigentlich für Oktober geplanten X-Men-Film „Gambit“ bereits mit dem zweiten „Kingsman“-Film überplant.

Logan ist die einzige Hoffung für das junge Mädchen (Dafne Keen, Foto: 20th Century Fox)

Autor/Produzent Simon Kinberg, der seit einigen Jahren bei Fox die Marvel-Zügel in der Hand hält, weist also bisher ein recht gemischtes Zeugnis auf. Ob der „Gambit“-Film doch noch ein Go erhält ist weiter fraglich, genauso steht bisher bei dem „X-Force“-Film noch nichts fest. Sicher ist derzeit nur „Deadpool 2“, wann dieser jedoch kommt ist noch unklar, derzeit sind für November 2018 und Februar 2019 aber zwei Plätze in der Programmplanung von Fox für Marvel-Filme freigehalten und natürlich ist gerade jetzt mit dem Start des Filmes die Gerüchteküche am Brodeln, nachdem vermeintlich Kinberg selbst in den Regiestuhl steigen soll.

Eine Fortsetzung von „Logan“ wird es nicht geben, jedenfalls nicht mit Hugh Jackman. Sein Abschlussfilm übertrifft aber alle Erwartungen – das Superheldengenre hat im Kino wieder mehr zu bieten.

„Logan: The Wolverine“ („Logan“, USA 2017)

Regie: James Mangold

Drehbuch: James Mangold und Scott Frank

Darsteller: Hugh Jackman, Patrick Stewart, Dafne Keen

Score: Marco Beltramis Score ist routiniert aber passend.

Abspannsitzenbleiben? War bei der Pressevorführung nicht nötig, es heißt aber, dass mittlerweile den Kinos eine drei Minuten längere Fassung ausgeliefert worden ist.

★★★★

„Logan: The Wolverine“ läuft ab dem 02.03.2017 in unseren Lichtspielhäusern.

Italo-Superhelden-Anime-Hommage: „Sie nannten ihn Jeeg Robot“ (Blu-ray-Kritik)

Enzo ist eigentlich Kleinkrimineller, erlangt aber auf einer Flucht vor der Polizei plötzlich Superstärke und Regenerationskräfte. Diese stellen sich nicht nur als enorm praktisch für sein Tagewerk heraus, sondern stellen ihn bald vor ein Dilemma: Denn der verrückte Gangster „Gypsy“ bedroht plötzlich nicht nur ihn, sondern auch die attraktive, aber geistig zurückgebliebene Nachbarin Allessia, welche Enzo für den Helden Hiro aus der Anime-TV-Serie Jeeg Robot hält.

Bereits auf dem Fantasy Filmfest 2016 habe ich dieses italienische Kleinod anschauen (ausführliche Kritik) dürfen, und bereits damals hat er mir gefallen: Es ist zwar eine recht simple Geschichte über einen Superhelden-Origin, eine Jungfrau in Nöten und ein Superbösewicht, der erst durch den Helden entsteht und schließlich von diesem bezwungen werden muss, aber diese ist nicht nur mit einigem italienischen Lokalkolorit, sondern auch mit den in Italien immer noch sehr prominenten japanischen Anime-Serien durchwoben. Diese Anime-Serie, „Steel Jeeg“, gab es tatsächlich, sie flimmerte erstmals im Jahr 1975 über die japanischen Bildschirme und war vor allen in Italien überraschend erfolgreich – nach Deutschland kam sie aber offenbar nicht, wir hatten dafür „Captain Future“ als Anime-Serie, die Nerds abgöttisch heute noch lieben.

Superstärke ist praktisch (Foto: Pandastorm Pictures)

Der besondere Kniff von „Sie nannten ihn Jeeg Robot“ ist aber, dass der Film die Serie nicht direkt anspielt, sondern hier nur ein Plot-Inkubator ist, man braucht sie also nicht zu kennen um an den Film seine Freude zu haben, Anspielungen wie die Frage nach Jeegs „geflügelten Schwert“ sind nur extrem nerdige Details am Rande.

Superhelden-Ausbildung durch Videoabende (Foto: Pandastorm Pictures)

Die Blu-Ray-Umsetzung ist ebenfalls gelungen, kristallklares Bild und gelungene deutsche Synchron (italienischer Originalton ist mit optionalen Untertiteln in Deutsch/Englisch/Italienisch auch vorhanden), wenn auch bedauerlich ist, dass neben dem eingedeutschten Trailer es keine Extras auf die Scheibe geschafft haben. Sicher, der Film hat vor allen in Italien Filmpreise abgeräumt, in Deutschland gewann er immerhin den zweiten Platz beim Fresh Blood Award des Fantasy Filmfests.

„Sie nannten ihn Jeeg Robot“ („Lo chiamavano Jeeg Robot“, I 2016)

Regie: Gabriele Mainetti

Drehbuch: Nicola Guaglianone & Menotti

Darsteller: Claudio Santamaria, Ilenia Pastorelli, Luca Marinelli

Score: Erinnert, vermutlich bewusst gewollt, vereinzelt an Hans Zimmers „Man of Steel“-Musik.

★★★★

„Sie nannten ihn Jeeg Robot“ erscheint am 03.02.2017 bei Pandastorm Pictures auf DVD und Blu-ray, bereits seit 26.01.2017 ist er auch digital verfügbar. Offenlegung: Ich habe die Blu-ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

„Operation Avalanche“ – oder der Versuch, die Mondlandungsfälschung zu fälschen (Blu-ray-Kritik)

“We choose to go to the moon in this decade and do the other things, not because they are easy, but because they are hard.” (John F. Kennedy, 1962)

Kennedys Plan, auf dem Mond zu landen, setzte ein beispielloses Wettrennen zwischen der USA und der Sowjetunion in Gange, bei dem die Genossen lange die Nase vorn hatten, immerhin hatten sie anderthalb Jahr zuvor den Kosmonauten Gagarin als ersten Menschen in den Weltraum geschossen – und sicher wieder zurück auf die Erde geholt.

Doch als die CIA-Agenten Matt Johnson (Matt Johnson) und Owen Williams (Owen Williams) ein Telefonat der NASA abhören und dabei feststellen, dass die Weltraumbehörde zwar auf dem Mond landen, aber nicht wieder starten könne, keimt in beiden ein waghalsiger Plan auf: Begeistert von der Arbeit des kreativen Regisseurs Stanley Kubrick, der gerade einen Film über eine Mondlandung drehen will, wollen sie mit moderner Filmtechnik ein wenig nachhelfen und den Vereinten Staaten diesen wichtigen Sieg gegen den Klassenfeind ermöglichen.

Die Mondlandung war schon immer eines der großen Themen für Verschwörungstheoretiker und genau mit dieser Idee wird auch hier gespielt. Dabei ist es noch nicht einmal der erste Film, der dies umsetzt, bereits 1977 wurde das Thema von Peter Hyams in „Unternehmen Capricorn“ aufgegriffen und 2003 wurde bereits Regisseur Stanley Kubrick in der französischen Mockumentary „Kubrick, Nixon und der Mann im Mond“ für die Fälschung verantwortlich gemacht.

Teilweise im Lyndon B. Johnson Space Center in Huston gedreht (Foto: Ascot Elite)

„Operation Avalanche“ ist eine Found-Footage-Mockumentary, die stilistisch extra auf altes Filmmaterial getrimmt wirken soll, vermutlich wie ein Super-8-Film (wobei dieses Filmformat erst 1965 von Kodak eingeführt wurde). Ständig gibt es Unschärfen, wilde Kameraschwenks sowie Dreck, Staub und andere Fehler auf der vermeintlichen Projektion, was dem Film eine besondere Authentizität verleihen soll. Dabei orientierte sich der Regisseur tatsächlich auch sonst von der Bildsprache her stark an den damaligen Dokumentationen. Auch die Ausstattung des Films ist mit sehr viel Liebe an der damaligen Zeit orientiert, was überraschend positiv auffällt, wenn man das geringe Budget des Films zugrunde legt.

Foto: Ascot Elite

Teile des Films wurden daher sogar im Guerilla-Stil gedreht: Die Filmmacher gaben sich als Filmstudenten aus, welche eine Filmdokumentation über die NASA in den 60er Jahren bei der NASA drehen wollten – strenggenommen nicht ganz eine Lüge – und bekamen so die Möglichkeit, an Originalorten zu drehen. Daher wurden die Hauptcharaktere des Films auch nach den Darstellern benannt, um die Charade aufrecht erhalten zu können. Ein faszinierender und äußerst kreativer Ansatz.

Leider zahlt sich dieser Ansatz aber nur bedingt aus, denn die eigentliche Story bleibt flach und letztlich eine One-Man-Show mit etwas bizarren Humor, der zumindest bei mir nicht immer zündete. Und es sollte auch etwas zu denken geben, dass die Featurette tatsächlich etwas interessanter als der Film selbst ist.

„Operation Avalanche“ (USA 2016)

Regie: Matt Johnson

Drehbuch: Matt Johnson , Josh Boles

Darsteller: Matt Johnson, Josh Boles, Owen Williams

Extras: Featurette, extra von Ascot Elite auf einem Züricher Filmfestival gedreht, Trailer

★★★☆☆

„Operation Avalanche“ erschien am 13.01.2017 bei Ascot Elite auf DVD und Blu-ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Ein Liebes- und Rachefilm – Kino-Kritik: „Nocturnal Animals“

Susan Morrow (Amy Adams, „American Hustle“) ist Kunsthändlerin in Los Angeles. Ihre letzte Vernissage war allerdings nur leidlich erfolgreich und auch die Beziehung zu ihrem zweiten Ehemann Hutton (Armie Hammer, „The Social Network“) wackelt bereits. Da erhält sie das Manuskript des Debutromans ihres ersten Ehemanns, Edward Sheffield (Jake Gyllenhaal, „Nightcrawler“), das auch noch ihr gewidmet ist. Seit vielen Jahren hatten die beiden keinen Kontakt mehr zueinander gehabt denn die Beziehung damals ist alles andere als reibungslos zu Ende gegangen.

Susan (Amy Adams) wird von dem Debutroman ihres Ex-Ehemanns stark mitgenommen (Foto: Merrick Morton/Focus Features/Universal Pictures)
Susan (Amy Adams) wird von dem Debutroman ihres Ex-Ehemanns stark mitgenommen (Foto: Merrick Morton/Focus Features/Universal Pictures)

Susan beginnt, den Roman an einem Wochenende zu lesen, das sie alleine zuhause verbringt – und wird in eine brutale Thrillerwelt gezogen, in welcher der Ehemann einer junger Familie, Tony Hastings (ebenfalls Jake Gyllenhaal in einer Doppelrolle, die dadurch begründet wird, dass Autoren doch eigentlich nur über sich selbst schreiben) auf einer einsamen Straße in Texas von drei jungen Rowdies (u.a. Aaron Taylor-Johnson, „Avengers: Age of Ultron“) erst abgedrängt wird, und später tatenlos dabei zu sehen muss, wie diese mit seiner Frau und seiner Tochter verschwinden. Durch die Hilfe eines resoluten Sheriffs (Michael Shannon, „The Harvest“) versucht die Romanfigur sein Trauma zu überwinden – und schließlich steht er vor der Wahl, ob er Rache üben will oder letztlich doch verzeihen kann …

Eindrucksvolle Verschmelzung der Erzählebenen

Zwei narrative Ebenen in einem Film zu verweben ist oft schwieriger als man denkt. Letztlich sind es hier sogar drei, da durch die Konfrontation mit dem Roman bei Susan selbst die persönliche Vergangenheit mit ihrem Ex-Ehemann und einige verdrängte schlechte Erinnerungen wieder hochkochen. Doch Regisseur Tom Ford schafft es meisterhaft, seine narrativen Ebenen zu verweben und immer wieder zwischen diesen zu wechseln, ohne eine Narration so zu unterbrechen, dass man eigentlich auf der anderen Ebene weiter hätte verweilen wollen.

Tony Hastings (Jake Gyllenhaal) im Streit mit dem gewalttätigen Turk (Robert Aramayo) während Ray (Aaron Taylor-Johnson) sich an Tonys Tochter India (Ellie Bamber) heranmacht (Foto: Merrick Morton/Focus Features/Universal Pictures)
Tony Hastings (Jake Gyllenhaal) im Streit mit dem gewalttätigen Turk (Robert Aramayo) während Ray (Aaron Taylor-Johnson) sich an Tonys Tochter India (Ellie Bamber) heranmacht (Foto: Merrick Morton/Focus Features/Universal Pictures)

Und: Er vermeidet es, die Zuschauer mit entsprechenden Zaunlatten zu den richtigen Schlüssen zu prügeln – entweder versteht man den Film, oder man findet ihn einfach grottig langweilig. Aber immerhin wohl nicht beides. Und auch nicht unmittelbar, denn ich habe einige Zeit gebraucht, um den Film für mich selbst einzuordnen.

Letztlich hat dieser Film zusammen mit „The Arrival“ für mich aber Amy Adams als eine der Darstellerinnen zementiert, von der man weit mehr erwarten kann als nur eine Randfigur in den DC-Filmen.

Plakat „Nocturnal Animals“„Nocturnal Animals“, USA 2016

Regie & Drehbuch: Tom Ford

Darsteller: Amy Adams, Jake Gyllenhaal, Armie Hammer, Aaron Taylor-Johnson, Michael Shannon, Laura Linney

facebook.com/Nocturnal.Animals.DE

★★★★

„Nocturnal Animals“ startet am 22.12.2016 in unseren Lichtspielhäusern. Beitragsbild: Merrick Morton/Focus Features/Universal Pictures.

Parkour im Nebel – Kinokritik: „Assassin’s Creed“

Callum Lynch muss als Kind miterleben, wie sein Vater seine Mutter umbringt, bevor eine Gruppe feindlicher Menschen ihr Haus stürmt. Er kann fliehen, aber dreißig Jahre später wird der Erwachsene Cal (Michael Fassbender) dann wegen eines Mordes gefangen genommen und hingerichtet.

Doch er kommt einige Zeit später wieder zu sich und findet sich in einer streng geheimen Forschungsanstalt von Abstergo Industries in Madrid wieder. Dort experimentiert die Forscherin Sofia (Marion Cotillard) unter der strengen Ägide ihres Vaters Rikkin (Jeremy Irons) mit einer faszinierenden Technik: Die „Animus“ getaufte Konstruktion erlaubt es Nutzern, die Erlebnisse ihrer genetischer Vorfahren nachzuerleben. Ausgerechnet Callum ist der letzte lebende Nachfahre von Aguilar, einem Assassinen, der 1492 in Spanien gegen die Templer kämpfte und als letzter über den Aufenthaltsort eines legendären Gegenstands weiß. Und diesen will Rikkin finden – um jeden Preis. Doch mit der regelmäßigen Nutzung des Animus erwachen auch in Callum ungeahnte Talente.

„Willkommen bei der Spanischen Inquisition“

Nach der atemberaubend schönen Verfilmung von  „Macbeth“ letztes Jahres – bei dem das selbe Team um Fassbender, Cotillard, Regisseur Justin Kurzel und Kamermann Adam Arkapaw bewiesen, wie sie einem kompliziertem literarischen Meisterwerk eine neue Ebene der Tiefe durch schauspielerische Leistung und brillanten Bilder mitgeben können – hatte ich auch hier große Hoffnungen, dass mehr als nur eine 08-15-Videospiel-Verfilmung heraus kommt.

Aguilar flieht über die Dächer Madrids des 15. Jahrhunderts (Michael Fassbender, Foto: 20th Century Fox)

In der Tat ist die Cinematographie abermals grandios – das Spiel mit Nebel oder Sandpartikeln in der Luft, die vereinzelt von Lichtstrahlen durchdrungen werden, schafft abermals eine faszinierende Kulisse, vor dem sich die Handlung entfalten kann. Es ist aber genau diese, welche das Problem des Films darstellt: Die Story, oder genauer: Die Motivation ihrer Figuren.

Weder die Entwicklung von Cal noch die von Sofia werden nachvollziehbar gezeigt. Cal wechselt Allianzen hin- und her, noch dazu ohne wirkliche Konsequenzen für ihn, und selbst die Konfrontation mit seinem Vater Joseph (Brendan Gleeson, der in jüngeren Jahren von dessen Sohn Brian Gleeson gemimt wird) bringt keine nennenswerte Katharsis, die dem Zuschauer gezeigt wird. Neben dem sonst weit besseren Gleeson, der in seiner Rolle hier nur vor sich hinvegetieren darf, wird aber auch Charlotte Rampling völlig unterbenutzt und bleibt auf wenige Dialogzeilen reduziert.

All das tut dem Film nicht gut – aber immerhin trösten die faszinierenden Bilder etwas darüber hinweg. Immer einmal wieder fliegt ein Vogel über die Protagonisten hinweg um das Hinabtauchen in die Welt des Animus zu versinnbildlichen oder springen diese durch waghalsigen Parkour von viel zu schmalen Fensterbänken über Wäscheleinen auf den nächsten Dachvorsprung.

Vergleich mit den Videospielen Assassin’s Creed

Ubisoft hat seit 2007 mit seiner „Assassin’s Creed“-Reihe eine der erfolgreichsten Computerspielreihen in seinem Portfolio, das mittlerweile acht Hauptspiele und zahlreiche DLC umfasst und entsprechend schon einiges an Grundlagen gesetzt. Natürlich weicht der Film davon in einigen Punkten ab, aber insgesamt erscheint er doch überraschend werkgetreu.

Zwar wird anstelle der Eden-Splitter wird hier „nur“ der Edenapfel gesucht (womit aber andere Eden-Splitter nicht ausgeschlossen sind), der Kampf zwischen Templern und Assassinen, die Entwicklerfirma des Animus, Abstergo, und deren CEO Rikkin sind deutlich aus den Spielen adaptiert. Allerdings verzichtet der Film auf einen Sprung von einem Turm der Protagonisten in einen Heuhaufen.

Cal lernt durch seine Sitzungen im Animus auch richtiges Kämpfen (Michael Fassbender, Foto: 20th Century Fox)

Die Technik des Animus hingegen ist deutlich cineastischer umgesetzt: Anstelle eines Stuhls mit futuristischem Aufsatz, der seine Nutzer in eine überwachte Traumwelt-Simulation versetzt, ist es im Film ein riesiger Greifarm, der die Immersion der Probanden durch parallele Bewegungssimulation unterstützt – er hebt sie hoch und bildet so die waghalsigen Sprünge in der geräumigen Versuchhalle nach, projiziert aus dem genetischen Gedächtnis die relevanten Bilder in den Raum und erzeugt auch die passenden Geräusche. Das sieht auf der Leinwand imposant aus, wenn einzelne Szenen durch Umschalten zwischen beider Rollen Fassbenders (Cal und Aguilar) stimmig zueinander gezeigt werden – eine durchaus faszinierende Weiterentwicklung des Holodeck-Konzepts.

„Was nun, Pioneer?“

Bilder oho, Charaktere mau, bleibt zumindest eine gute Geschichte? Sicherlich, als Zuschauer muss man erstmal schlucken, wenn einem die Idee des genetischen Gedächtnisses präsentiert wird, aber akzeptiert man dies als gegeben bringt die Story durchaus Spaß – wenn man vom finalen Akt absieht, der letztlich genauso unbefriedigend wie unspannend bleibt. Es ist zwar durchaus eine mutige Entscheidung, den finalen Kampf nur im Hintergrund stattfinden zu lassen, aber dann sollte im Vordergrund etwas interessanteres seinen Platz einnehmen.

Sofie beobachtet von Außen die Ereignisse im Animus (Marion Cottilard, Foto: 20th Century Fox)

Wir suchen also weiterhin nach einer wirklich überzeugenden Videospieladaption auf der Leinwand. „Assassin’s Creed“ ist es noch nicht, denn auch wenn es visuell zu wirklich zu beeindrucken weiß, fehlt es ausgerechnet bei dieser Star-Riege an überzeugenden Charakteren.

„Assassin’s Creed“ (USA 2016)

Regie: Justin Kurzel

Darsteller: Michael Fassbender, Marion Cottilard, Jeremy Irons

Score: Abermals überzeugt der jüngere Bruder des Regisseurs, Jed Kurzel, mit einem überaus gelungenen Score, der vor allen in den atmosphärischen Szenen zu überzeugen weiß.

Lohnt sich 3D?: Die Parkour-Szenen wirken schon imposant im 3D-Effekt, aber in der Konversion des Films sind mir keine wirklichen Wow-Szenen aufgefallen.

★★★☆☆

„Assassin’s Creed“ läuft ab dem 27. Dezember 2016 in unseren Lichtspielhäusern im Verleih von 20th Century Fox.

Ein ungewöhnlich unüberdrehter Burton: „Die Insel der besonderen Kinder“

Als Jakes Großvater (Terrance Stamp, „Superman II“) bei einem seltsamen Unfall ums Leben kommt, entschließt sich Jake zusammen mit seinem zögerlichen Vater auf eine walisische Insel zu fahren, um herauszufinden, ob an den Gute-Nacht-Geschichten über ein verstecktes Heim mit besonders begabten Kinder vielleicht doch etwas dran ist. Auf der Suche nach der Heimleiterin, Ms. Perigrine, stößt er dabei auf eine Welt, die sogar noch weit fantastischer ist als die Geschichten seines Großvaters … aber auch auf Gefahren durch für andere unsichtbare Monster.

Nicht das, was man erwartet …

Tim Burton gehört zu der Gattung Regisseure, deren Filme man bereits nach ein, zwei Einstellungen automatisch erkennt: Er hat einfach einen sehr typischen Stil, der sich in der Regel in seiner fantasievollen Ausstattung kennzeichnet und den besonders extrovertierte Darsteller wie Helena Bonham Carter, Jack Nicholson oder Johnny Depp auszeichnen.

Emma ist leicht wie Luft, aber Jake fängt sie gerne ein (Ella Purnell und Asa Butterfield in „Die Insel der besonderen Kinder“, Foto: 20th Century Fox)
Emma ist leicht wie Luft, aber Jake fängt sie gerne ein (Ella Purnell und Asa Butterfield in „Die Insel der besonderen Kinder“, Foto: 20th Century Fox)

Und „Die Insel der besonderen Kinder“ hat genau die Zutaten, die der Burton-Stil auszeichnen sollte. Eine fantasievolle Welt, Ausstattung aus den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts sowie die herrliche Eva Green in der (im Originaltitel) titelgebenden Rolle der Miss Alma LeFay Peregrine. Aber Burton wie auch Green halten sich hier tatsächlich angenehm zurück – und räumen dem tatsächlichen Hauptdarsteller, Jake (Asa Butterfield, „Hugo Cabret“, „Ender’s Game“), genügend Raum zum Spielen ein. Insofern sind Fans beider vielleicht an dieser Stelle etwas enttäuscht, die einen „typisch surrealen“ Burton oder eine „typisch extrovertierte“ Green erwarten. Und dass Dame Judi Dench auf eine Mini-Nebenrolle reduziert bleibt, ist auch schade. Aber dem Film tut dies tatsächlich ausgesprochen gut.

Taucht vielleicht nur fünf Minuten im Film auf: Miss Avocet (Dame Judi Dench in „Die Insel der verlorenen Kinder“, Foto: 20th Century Fox)
Taucht vielleicht nur fünf Minuten im Film auf: Miss Avocet (Dame Judi Dench in „Die Insel der verlorenen Kinder“, Foto: 20th Century Fox)

Lediglich im letzten Akt der Geschichte verheddert sich das Drehbuch in einem Zeitreise-Strudel, der es deutlich erfordert, alle Logik-Kompensatoren aufzudrehen um den Konflikt zu genießen. Und begeht dann leider auch abseits von all den Hirnknoten auch noch einen nahezu unfassbaren Story-Fauxpas: Der Konflikt zwischen Jake und seinem Vater Frank (Chris O’Dowd, „Am Sonntag bist Du tot“), der in den ersten Akten so nebenbei aufgebaut wurde, wird einfach über Bord geworfen und komplett ignoriert. Hier wird man das Gefühl nicht los, dass da entweder etwas dem Schnitt zum Opfer gefallen sein muss, oder gezielt für eine Fortsetzung offen gelassen wurde. Ransom Riggs, auf dessen Roman der Film basiert, schrieb bereits zwei Sequels, ein viertes Buch erschien gerade auf dem amerikanischen Bücher-Markt.

Für Ms. Perigrine ist das genaue Einhalten der Zeit das Wichtigste (Eva Green, Asa Butterfield und Georgia Pemberton in „Die Insel der besonderen Kinder“, Foto: 20th Century Fox)
Für Ms. Perigrine ist das genaue Einhalten der Zeit das Wichtigste (Eva Green, Asa Butterfield und Georgia Pemberton in „Die Insel der besonderen Kinder“, Foto: 20th Century Fox)

Auch wenn der Schluss so enttäuscht, bleibt es dennoch ein amüsanter und durchaus sehenswerter Familienfilm – wenn auch ein sehr untypischer Tim-Burton-Film.

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„Die Insel der besonderen Kinder“ („Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children“, USA 2016)

Regie: Tim Burton

Drehbuch: Jane Goldman, basierend auf dem Roman von Ransom Riggs

Darsteller: Asa Butterfield, Eva Green, Samuel L. Jackson

Score: Kein Danny Elfman, dennoch bezaubernd und passend.

Lohnt 3D? Leider wieder nicht wirklich. Wurde auch offenbar nachträglich in 3D konvertiert, das gelingt zwar mittlerweile immer besser und routinierter, aber der Wow-Faktor, den wir am Anfang der 3D-Welle hatten, ist mittlerweile weg und auch dieser Film bietet in dieser Hinsicht nichts Neues.

★★★★

„Die Insel der besonderen Kinder“ startet im Verleih von 20th Century Fox am 06.10.2016 in unseren Lichtspielhäusern.

Fantasy Filmfest Favorit: „They call me Jeeg Robot“ (Filmkritik)

Enzo Ceccotti (Claudio Santamaria) ist Krimineller. Auf der Flucht vor der Polizei muss er im wahrsten Sinne des Wortes abtauchen und gerät dabei in im Tiber lagernde Atomabfälle, die ihm zu seiner großen Überraschung Regenerationskräfte und Superstärke verleihen. Das ist zum einen äußerst praktisch, wenn man gerade neun Stockwerke herunterstürzt – zum anderen hilft es auch, an Geld zu kommen, wenn man den Geldautomaten einfach aus der Wand reißen und mitnehmen kann.

Als aber seine attraktive, aber geistig auf einem infantilem Niveau verharrten Nachbarin Alessia (Ilenia Pastorelli) die einzige Spur für ein paar durchgeknallte Mafia-Schergen nach geschmuggelter Ware ist, muss sich Enzo dazu durchringen, seine neugefundenen Kräfte nicht nur für sein eigenes Wohl einzusetzen – das vor allen aus einfachen Joghurts und Pornofilmen auf DVD besteht –, sondern auch andere zu beschützen. Nur irritierend, dass Alessia ihn für den Helden Jeeg Robot aus einer 80er-Jahre-Anime-TV-Serie hält und sich selbst als Prinzessin ansieht. Doch da werden schon die ersten Zehen abgehakt …

Liebevolle Charaktere

Auf der einen Seite ist „They call me Jeeg Robot“ ein klassischer Superheldenfilm: Wir erfahren eine Origin-Story, der Held bekommt eine Liebesgeschichte, es gibt eine Entwicklung zum Altruismus hin und schließlich auch ein Showdown, bei dem vieles zubruch geht. Aber, wie so oft, sind es die Details, die eine Geschichte wirklich gut machen: Und hier sind es vor allen die Ideen der Charaktere selbst. Enzo ist ein Eigenbrödler, der sich mehr schlecht als recht durchschlägt und der auch vor allen ständig etwas verplant erscheint. Bei Alessia merkt man schnell, dass ihre Flucht in die Fantasiewelt der Serie ihrer Kindheit mehr ist, als nur eine geistige Verwirrung, sondern dass dies wohl durch an ihr verübte Gewalt forciert wurde. Und auch der Antagonist, Fabio Cannizzaro (Luca Marinelli), ist nicht nur einfach ein schleimiger Ekel, sondern ein schleimiger Ekel, der einst in einer Talentshow im Fernsehen auftrat und seitdem nicht nur eine Profilneurose mit sich herumträgt.

Dass das Genre der Superhelden mehr als Marvel bietet, hat sich nicht zuletzt durch Filme wie „Super“ oder „Chronicle“ schon gezeigt. Dass aber auch die Italiener hier mitspielen wollen ist neu – und eine angenehme Überraschung. Gerne mehr davon!

„They call me Jeeg“ („Lo chiamavano Jeeg Robot“, I 2016)

Regie: Gabriele Mainetti

Drehbuch: Nicola Guaglianone & Menotti

Darsteller: Claudio Santamaria, Ilenia Pastorelli, Luca Marinelli

Score: Erinnert, vermutlich bewusst gewollt, vereinzelt an Hans Zimmers „Man of Steel“-Musik.

★★★★

Offenlegung: Ich wurde von Pandastorm Pictures in den Film im Rahmen des Fantasy Filmfests eingeladen.

Zombiehafte Untoten-Safari – „The Rezort“ (Blu-ray-Kritik)

Den katastrophalen Ausbruch der Zombie-Epidemie hat die Welt gerade hinter sich gebracht und endlich baut sich die Zivilisation wieder auf. Doch als auf einer Insel der Kanaren noch eine Zombiehorde entdeckt wird, wittern windige Geschäftsleute eine Chance: Sie zäunen die Untoten ein, entwickeln ein Corporate Design, bauen nebenan dazu ein Luxus-Hotel und bieten unter dem Label „The Rezort“ einem zahlungsbereiten Klientel Safaris in dieses Gebiet an. Safaris, bei denen sie nach Herzenslust auf Zombies ballern können.

Doch als das Sicherheitssystem des Resorts, pardon, „Rezorts“ ausfällt, steht plötzlich weit weniger zwischen einer Besuchergruppe und den wiederbeseelten Leichen …

Zombie-Safari hautnah (Foto: Ascot Elite Home Entertainment)
Zombie-Safari hautnah (Foto: Ascot Elite Home Entertainment)

Idee nicht ausgeschöpft

Viele, wenn nicht die meisten Zombie-Filme und -Serien starten mit dem Ausbruch der Epidemie. Insofern ist ein Szenario, in dem die Epidemie eingedämmt werden konnte, und die Welt sich irgendwie mit den Untoten arrangiert hat, tatsächlich erfrischend, auch wenn dies generell keinesfalls ein Novum ist – schon 2006 gab es beispielsweise mit „Fido“ ein wunderbar inszeniertes Setting mit domestizierten Zombies. Domestiziert sind die Zombies in „The Rezort“ sicherlich nicht – aber sie werden, wenn sie denn schon mal da sind, auch kontrolliert und als Ressource verwendet.

Was machen Möchtegern-Bill und -Ted in diesem Film, Bro? Und wer hat Ihnen Waffen gegeben, Bro? Oder diese Dialogzeilen, Bro? (Foto: Ascot Elite Home Entertainment)
Was machen Möchtegern-Bill und -Ted in diesem Film, Bro? Und wer hat Ihnen Waffen gegeben, Bro? Oder diese Dialogzeilen, Bro? (Foto: Ascot Elite Home Entertainment)

Die Idee der Zombie-Safari auf einer abgelegenen Kanaren-Insel (tatsächlich wohl eine fiktive Insel irgendwo an der Stelle von Fuerteventura), die entsprechend schnell Anleihen an „Jurassic Park“ nehmen kann, ist daher tatsächlich kreativ. Denn es ist durchaus vorstellbar, dass unterschiedlichste Typen von Menschen an einer solchen teilnehmen würden – sei es aus reinen Nervenkitzel oder sogar um die eigene Vergangenheit zu bewältigen.

Dougray Scott vermeidet auch im Film positiv oder besser überhaupt aufzufallen (Foto: Ascot Elite Home Entertainment)
Dougray Scott vermeidet auch im Film positiv oder besser überhaupt aufzufallen (Foto: Ascot Elite Home Entertainment)

Der Rest des Films ist es aber alles andere als kreativ. Müde Standard-Plotideen werden mit Standard-Plot-Auflösungen abgearbeitet oder einfach ignoriert und die einer-nach-dem-anderen-sterbenden Charaktere sind entweder unerträglich blass, unerträglich nervig oder unerträglich dumm – auch in beliebiger Kombination aus diesem, was es nicht ansatzweise besser macht.

Und das ist wirklich schade, denn das Setting bietet wirklich viel Potenzial, wie ethische Fragen nach „Leichenschändung“, sogar eine Kluft zwischen Arm und Reich, aber das leuchtet alles nur vereinzelt immer mal wieder kurz im Film auf, um dann aber entweder in hölzernen Dialogen oder Gemetzel ohne Sinn und Verstand zunichte gemacht zu werden.

„The Rezort – Willkommen auf Dead Island“ („The Rezort“, USA 2015)

Regie: Steve Barker

Drehbuch: Paul Gerstenberger

Darsteller: Martin McCann, Dougray Scott, Jessica de Gouw, Elen Rhys

Extras: Behind the Scenes, Trailer

Rollenspiel-Inspirationsfaktor: Die Setting-Idee ist klasse und vereinzelt gibt es im Film tatsächlich auch versteckte Ideen für Plots, welche der Drehbuchautor zufällig ignoriert haben muss.

★★☆☆☆

 „The Rezort“ erscheint am 16.09.2016 bei Ascot Elite Home Entertainment auf DVD, Blu-ray und als VoD. Offenlegung: Ich habe die Blu-ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.