Fantasy Filmfest 2010: „Centurion“

Im Jahre 117 nach Christi erstreckt sich das römische Weltreich über den Großteil des europäischen Kontinents. Nur im Norden der britischen Insel leisten die Pikten in dem schottischen Bergland erbarmungslosen Widerstand durch erfolgreiche Guerilla-Taktiken. Doch nun bekommt der Statthalter Britanniens aus Rom den Befehl, diesen Widerstand ein für alle mal zu brechen, koste es, was es wolle. Er schickt die neunte Legion, König Gorlacon ein für alle mal zu stürzen – in der Hoffnung, dass eine kopflose Schlange nicht mehr gefährlich sei.

Centurion (Celador Films)

Centurion“ handelt von einem historisch teilweise belegten Mysterium: die Neunte Legion (auch Legio VIIII Hispana) verschwand in den Geschichtsbüchern urplötzlich. Eine lange gern gehegte These war, dass sie in den schottischen Bergland komplett vernichtet wurde. Dieser Film handelt von dieser These, und so entfaltet sich ein römisches Zehn-Kleine-Negerlein-Spiel.

Regisseur Neil Marshall („The Descent“) schafft es, ein produktionstechnisches Niveau in der Größenordnung eines Ridley Scott-Historienfilms zu schaffen. Die Kamera verliebt sich – zurecht – immer wieder in das Terrain, gleichzeitig ist der Film blutig, hart und größtenteils gnadenlos. Die schauspielerischen Leistungen überzeugen, besonders Michael Fassbender („Inglorious Basterds“) spielt die Rolle des namen-gebenden Centurio souverän und ohne irgendwelche aufgesetzten Allüren. Und Modell Olga Kurylenko erweist sich ebenfalls nicht als Fehlbesetzung in der Rolle als eiskalte Pikten-Späherin. Selbst die Geschichte bleibt in sich logisch, auch wenn sie zu großten Teilen vorhersehbar ist.

Insgesamt ein wirklich lohnender Film, hat mich positiv überrascht.

★★★★

Bisher ohne Starttermin in Deutschland, aber er hat bereits einen Verleih: Constantin Film.

Fantasy Filmfest 2010: „Monsters“

Vor sechs Jahren ist ein NASA-Raumschiff mit außerirdischem Leben an Bord abgestürzt und hat mit diesem einen Bereich zwischen Mexiko und den USA „infiziert“. Und zwar mit Cthulhu-ähnlichen, gigantischen Monstern. Durch diese Quarantäne-Zone muss der Fotoreporter Andrew unfreiwillig die verwöhnte Tochter seines Chefs, Samantha, eskortieren, da die letzte, reichlich überteuerte, Fähre ohne sie abgefahren ist.

Ausschnitt aus dem Filmplakat von „Monsters“ (Vertigo Films)

Der Film „Monsters“ ist schwer zu klassifizieren, am ehesten trifft wohl noch Road-Movie. Zwei ungleiche Charaktere (Scoot McNairy und Whitney Able), die dennoch (erwartungsmäßig) bald eine Chemie entwickeln und sich auch näher kommen, müssen sich durch ein neu verwildertes Land durchschlagen um zur Grenze in ihr altes Leben zu kommen. Dabei stellen sich ihnen die Monster in den Weg, die mit ihren Tentakeln problemlos Autos in Bäume schleudern. Ein Setup, bei dem man viel erwartet: großartige Kampfszenen, bizarre Kreaturen, Horroreffekte, u.s.w. – doch irgendwo bleibt dies alles im Hintergrund. Denn der Film dreht sich tatsächlich nur um den Weg den die beiden Protagonisten gehen und der erwartungsgemäß in der Frage, ob sich beide kriegen, endet. Dabei ist der Film über langen Strecken äußerst ruhig, beobachtet die Kamera doch nur die Szenerie einer zerstörten Welt – und die Menschen, die in dieser Welt dennoch ihr Schicksal bestreiten.

Dennoch fehlt dem Film irgendwo eine Struktur. Es gibt eigentlich keinen Konflikt, der dann irgendwann aufgelöst wird. Die Charaktere entwickeln sich zwar weiter (vorrangig aufeinander zu), aber es gibt keinen Showdown – stattdessen nimmt der Ritt der Walküren das Ende vorweg. Dies mag auch dem Prozess zu verdanken sein, wie der Film entstanden ist. Denn eigentlich ist nur eine Minimalcrew sowie zwei Schauspieler sich durch Mexiko, Costa Rica und Texas gefahren und hat an den Punkten, an denen die Szenerie gerade passte, improvisiert – gerne und oft auch mit der Einbindung von Einheimischen, wie der Regisseur Gareth Edwards in einem Q&A am Ende der Vorführung berichtet. Das Drehbuch war kein solches, sondern lediglich eine Ansammlung von Ideen, was den Charakteren physisch oder emotional passieren könnte. Diese Sammlung haben sie unterwegs immer wieder neu hektisch durchblättert und dann den Dialog, oder die Szene improvisiert. Was tatsächlich zu teilweise sehr langen Bereichen im Film führt, die gar völlig ohne Dialog auskommen.

Insofern arbeitete der Regisseur teilweise so, wie ein guter Spielleiter im Rollenspiel auch agieren kann: er hat einige zentrale Punkte festgesetzt und der Rest wird aus dem, was ihm begegnet improvisiert. Ergebnisoffen. Und so ist das Ergebnis des Filmes auch: offen. Auch wenn ich ansonsten Filme mag, die nicht alles beantworten müssen sondern mit einer Frage (oder einem sich drehenden Kreisel) enden, so hat dieses Filmende einen bis dahin interessanten Road Trip doch heruntergezogen. Irgendwie bleibt das schale Gefühl nach, dass auch das Team irgendwann festgestellt hat, dass sie eigentlich kein anständiges Material für ein ordentliches Ende hatten. Und daher verpufft ein Film, der bis dahin wirklich großartig hätte werden können, im Finale leider zu einem bedeutungslosen Murks. Und wenn dann Samantha sagt: „I don’t wanna go“ wirkt das nur noch schal und fade.

Die infizierte Zone in „Monsters“ (Vertigo Films)

Dennoch bleibt es faszinierend, was kreativ auch aus sehr schmalen Budgets herauszuholen ist – dem Film sieht man dies echt nicht an. Schlecht ist der Film sicher nicht. Aber der große Bringer wie „District 9“ ist er nicht geworden. Aus dem Regisseur kann echt noch etwas werden – und sympathisch im Q&A war er allemal.Vielleicht nimmt er das nächste Mal einfach mal ein Drehbuch mit auf eine solche Reise.

★★★★

Der Film startet im Oktober in wenigen Kinos in den USA, im November im Vereinten Königreich, bei uns soll er im Dezember in die Kinos kommen.

FFF-Nights 2010: „Daybreakers“ und „Splice“

Ich weiß, sie sind eigentlich schon lange durch. Aber ich kam erst jetzt dazu, eine etwas ausführlichere Review fertigzustellen. Immerhin bevor die Filme regulär nach Deutschland kommen.

Daybreakers

Die Prämisse ist mal etwas anders, als man es sonst von Vampirfilmen gewöhnt ist. Was wäre wenn fast die gesamte Menschheit von den Vampiren überrannt worden ist, die letzten paar Menschen noch gejagt werden und in Farmen das letzte bisschen Blut aus ihnen raus gepresst wird? So absurd ist die Frage gar nicht, Fans haben schon bei Buffy einst untersucht, wie deren Heimatstadt mit dem Ökosystem „Vampir“ klar kommen könnte.

Die Antwort, die Daybreakers gibt, ist erst einmal ein faszinierendes Setting mit vielen Facetten, wie einem „Subwalk“, bei dem die Bevölkerung aus Vampiren tagsüber geschützt von der Sonne gehen kann, Autos, die ihre Fenster verdunkeln und mit denen man via Videokamera dennoch tagsüber fahren kann, Coffee-Shops, die aufgrund der Blutknappheit den Blutanteil im Kaffee immer weiter reduzieren müssen und vielen anderen solcher Details. Auf der anderen Seite wird aber auch das klassische Thema des Nicht-Erwachsen-werden-könnens von Vampirkindern ebenso knapp beleuchtet wie die Tatsache, dass wenn man eh unsterblich ist, auch jeder problemlos rauchen kann. Denn Tabak gibt es ja immerhin noch.

Vampiralltag in Amerika
Vampiralltag in Amerika

In dieser Welt, die fast nur noch aus Vampiren besteht, ist der Held der Geschichte ebenfalls einer. Edward Dalton (Ethan Hawke, Gattaca) ist Blutforscher, dessen Aufgabe es ist, ein künstliches Substitut für Blut zu finden – die kontinuierlich bedrohender werdende Knappheit der Ressource macht dies nötig. Wie ein Ölmagnat überwacht die Ausgabe der Ressource Daltons Chef Charles Bromley (Sam Neill, Jurassic Park). Doch die Situation spitzt sich immer weiter zu. Verhungernde Vampire werden zu wirklichen Bestien, die sich auch auf ihresgleichen stürzen.

Doch eines Nachts trifft Dalton auf eine Gruppe flüchtiger Menschen und entgegen der geltenden Moralvorstellungen der Vampirgesellschaft rettet er sie vor deren Verfolgern. Sie fassen Vertrauen zu ihm und weihen ihn ein Geheimnis ein, dass die Gesellschaft doch noch retten könnte …

Die Geschichte hat eine wirklich interessante Prämisse und vermutlich ist es diese, mit der sie auch verkauft wurde – entsprechend ist es wirklich interessant in diese Welt, die nun von Vampiren statt uns Menschen ausgebeutet wird, zu schlüpfen und Analogien auf unser eigenes missratenes Verhalten mit unserer Umwelt zu schaffen. Leider gelingt es den Autoren nicht wirklich mehr aus der Geschichte zu machen. Die Figuren bleiben farblos, die Charakterbeziehungen sind aufgesetzt und nicht wirklich emotional nachvollziehbar und die Story plätschert so vor sich hin.

Dazu kommt bei solchen Stoffen natürlich wie immer das Problem der Suspension of Disbelief. Gut, es ist mal wieder ein Virus, der die Menschheit in Vampire verwandelt, soweit noch akzeptabel die Geschichte. Dass diese Kreaturen der Nacht aber von Sonnenlicht komplett binnen Sekunden verbrannt werden, ist durch einen Virus schon etwas schwerer nachvollziehbar erklärbar, aber wohl noch akzeptabel. Nur warum sollen die Vampire hier kein Spiegelbild haben? Hier und an ein paar anderen Punkten gleitet der bisherige Science-Fiction-Plot klar in Richtung von Fantasy/Magie ab, und solche Vermischungen mag ich einfach nicht. Dabei hätte der Film es hier gar nicht nötig.

So bleibt immerhin noch ein spannendes und faszinierendes Setting mit vielen kleinen Details zu entdecken, dass über die Story und die Charaktere aber nur leidlich hinweg hilft. Und immerhin kann man auch hier die Regel bestätigen, dass Vampire namens Edward Luschen sind.

[rating stars=“6„]

Splice

Clive (Adrien Brody, The Jacket) und Elsa (Sarah Polley, No Such Thing) sind brillante Genetiker und fast so etwas wie moderne Wissenschafts-Rockstars. So benehmen sie sich auch und wollen, nachdem sie ein Projekt einer Genspleißung erfolgreich abgeschlossen haben, nun endlich den nächsten Schritt gehen und mit menschlichem Genom experimentieren. Ihr beiden Vorgesetzten Barlow (David Hewlett, Stargate: Atlantis) und Melinda (Amanda Brugel) bremsen die beiden jedoch, die Öffentlichkeit wäre noch nicht so weit.

Deprimiert überredet Elsa aber Clive, dass sie im Geheimen dennoch gemeinsam an einer neuen Genspleißung arbeiten, die auch menschliches Material benutzt. Das Experiment gelingt und in der künstlichen Gebärmutter reift ein brandneues Lebewesen heran, dessen Gene aus vielen Spezies vermischt sind. Es wäre das erste seiner Art, und eigentlich wollten sie das Experiment ja noch rechtzeitig abbrechen. Sie wollten ja nur sich selbst beweisen, wie großartig sie sind. Doch dann kommt es zu einer Frühgeburt …

Ein neues Leben wird geboren
Ein neues Leben wird geboren

Vincenzo Natali hat für mich einst meine Sucht nach dem Fantasy Filmfest begründet. Neben seinem Meisterwerk Cube, sind auch seine Filme Cypher und Nothing verstörende Schönheiten, bei denen ich irgendwo zwischen „Häh?“ und „Ach, wie brillant!” hin- und hergerissen bin. Splice ist da keine Ausnahme. Das Thema ist bisher kaum im Film berührt worden (warum eigentlich?) und doch irgendwo tagesaktuell. Genmanipulation findet mittlerweile nicht nur auf unseren Feldern täglich statt.

Splice schafft es dennoch, uns aus dem Kino gehen zu lassen, mit großen Fragezeichen auf der Stirn. Dabei sind eigentlich die wesentlichen Fragen beantwortet und der Film bleibt weit mehr auf dem Teppich der bekannten Genre-Konventionen als bspw. Cube. Splice ist stellenweise sicher brillant. Stellenweise ist er aber unzureichend ausgeleuchtet, der zentrale Charakter der Elsa bleibt etwas zu stark unterbelichtet, obwohl eigentlich fast ständig der Fokus auf ihr ist. Adrien Brody schlüpft fast zu routiniert in diese Rolle wie in die vielfältigen T-Shirts, die sein Charakter Clive während des Films wechselt, und in deren Motive ich teilweise sogar Metabotschaften versuchte zu entdecken und doch irgendwie gescheitert bin.

Vielleicht habe ich den Film auch mit der falschen Erwartung angesehen. Er startet als Science-Thriller und driftet dann irgendwann unmittelbar in einen Horror-Slasher um. Das ist zwar nicht ganz so rapide brillant wie bei From Dusk Till Dawn, von dem ich vorher nicht wusste, dass er ein Horrorfilm sein wollte, und ihn bis zu einer gewissen Szene als Road-Movie-Gangster-Film angesehen hatte. Aber der Wechsel ist schon faszinierend gut gelöst. Dennoch bleibt irgendwie das Gefühl über, dass der zweite Part zu viel von Species und von Jeeper Creepers abgekupfert hat.

Dennoch: der Film ist eine wohltuende Abwechslung vom sonstigen Genre-Mix. Visuell ist er einfach gelungen, vor allem die Gestaltung der Kreatur ist in all ihrer bizarren Ausprägung irgendwo glaubhaft und die Spezialeffekte sind fürs Auge nicht mehr als solche wahrnehmbar.  Und vor allem scheut sich Natali auch nicht, unangenehme Fragestellungen dem Zuschauer vor zu setzen.

★★★★

Fantasy Filmfest 2009: „Wasting Away“ und „Orphan“

Ein Tag später standen zwei weitere Filme auf unserem Programm. Mit dem ersten Film hatten wir dann auch gerade noch Glück, dass wir ihn überhaupt sehen konnten, es konnte gerade noch ein Ersatz-Beamer beschafft werden (ja, Beamer, der Film lag recht offensichtlich nicht auf Zelluloid vor). Dennoch lief er verspätet, weswegen wir fast eine ganze Stunde anstanden. Das ist die Crux mit der „freien Platzwahl“ – man muss um gute Plätze zu ergattern rechtzeitig da sein.

Wasting Away

Das Setup von Wasting Away klingt originell: ein missglücktes Militär-Experiment gerät in die Softeismaschine einer Bowling-Bahn und lässt vier Freunde zu Zombies mutieren. Doch die merken davon gar nichts, außer dass die Welt um sie herum plötzlich so unglaublich hektisch geworden ist. Irgendwann kommen sie auf den Trichter, dass da irgendwas nicht ganz stimmt, da sie ständig angegriffen werden und einen gewissen Appetit auf Gehirn entwickeln.

Zombie in Wasting Away
Zombie in Wasting Away (Wasted Pictures)

Die Ausführung ist auch zunächst ordentlich spaßig. Durch den Wechsel von Schwarzweiß-Bildern und Farbbildern werden die unterschiedlichen Wahrnehmungen von Zombies und ihrer Umwelt für den Zuschauer einfach voneinander getrennt. Das skurrile Setting lässt eigentlich viel Raum für Gags. Dennoch: es hat sich ziemlich schnell abgenutzt. Nach einem recht schnellen Start plätschert der Film recht unstrukturiert vor sich hin, bald sind alle Zombie-Klischees abgearbeitet und dann weiß die Geschichte nicht mehr so recht, in welche Richtung es sich entwickeln soll. Und das Ende bleibt entsprechend uninspiriert und unbefriedigend.

★★☆☆☆

Orphan

Kate Coleman (Vera Farmiga) hatte nach zwei Kindern eine Fehlgeburt erlitten und fand nur schwierig wieder ins reguläre Leben zurück. Entsprechend lange tat sie sich mit dem Wunsch um, ein weiteres Kind zu adoptieren. Und gemeinsam mit ihrem Ehemann John (Peter Sarsgaard) findet sie dann letztlich in einem katholischen Waisenhaus ein kleines Mädchen: Esther (Isabelle Fuhrman) verlor ihre Eltern in einem Feuer und ihr distanziertes Verhalten hatte ihr dort eine Außenseiterrolle gegeben. Die Colemans entscheiden zusammen, Esther in ihrer Familie aufzunehmen. Doch die Kleine hat eine düstere Vergangenheit und Stück für Stück bröckelt eine Fassade, die puren Horror verdeckt …

Esther bekommt zwei neue Eltern
Esther bekommt zwei neue Eltern (Warner Bros.)

Der Horror in Orphan stammt aus dem Familienidyll, dass durch ein vermeintlich unschuldiges Kind zerstört wird. In dieser Hinsicht erinnert der Film an Klassiker wie Das Omen, aber auch an Die Hand an der Wiege oder Rosemarys Baby. In diesem Fall hat die gerade zwölfjährige Isabelle Fuhrman die schwierige Aufgabe einen so vielschichtigen und verstörenden Charakter darzustellen – und schafft es tatsächlich diverse andere Filmbösewichte locker auszustechen.

Der Film ist entsprechend verstörend, erschreckend und zeigt deutlich, welche Gewalt Kinder über Erwachsene allein durch die Manipulation anderer Erwachsene haben könnten. Aber auch die anderen beiden Kinderdarsteller, Jimmy Bennett und Aryana Engineer überzeugen in ihren jeweiligen Rollen, die Erwachsenen sowieso. Regisseur Jaume Collet-Serra gelingt es nach dem durchwachsenen House of Wax einen Horrorfilm zu inszenieren, der vermutlich einige Nachahmer und -folger im Genre finden wird.

★★★★

Update: Der Starttermin von Orphan wurde in Deutschland durch den Verleih etwas vorgezogen. Neuer Termin ist 22. Oktober 2009.

Fantasy Filmfest 2009: „District 9“ und „Moon“

Ja, es ist endlich wieder Fantasy Filmfest in Hamburg, und diesmal schaffen wir auch gleich zweimal zwei Filme. Die ersten beiden haben wir uns heute im proppe vollen Saal 1 des CinemaxX gegeben, zuerst Moon, dann District 9.

Diesmal lief keine Premiere von irgendeinen obskuren deutschen Film parallel, dennoch war das Gedränge kaum besser als im letzten Jahr. Immerhin haben wir es geschafft, sehr gute Plätze zu erobern und mit der offiziellen Erlaubnis, Jacken als Reservierung zwischen den Filmen im Saal liegen zu lassen (auf eigene Gewähr) bekamen wir die gleichen Plätze auch beim zweiten Film. Wobei ich ja eigentlich lieber gleich im Saal geblieben wäre (aber warum das nicht geht, wurde ja deutlich bei f3a erklärt). Immerhin bekamen wir dann auch jeweils eine DVD geschenkt mit Trailern des FFF. Eine sehr nette Geste von Rosebud.

District 9

Im Internet ist derzeit kaum ein Weg um diesen Film herum, in den USA hat er wie eine Bombe eingeschlagen und die Box Office überrannt. Und das ganze zurecht. District 9 ist wirklich dieser grandiose Film.

Ausschnitt aus dem Filmplakat von District 9
Ausschnitt aus dem Filmplakat von District 9 (Sony Pictures Classics)

Der Film startet mit einer Mocumentary über ein Ghetto von über Johannesburg gestrandeten Außerirdischen und den Fremdenfeindlichkeiten ihnen gegenüber. Es wird wenig darauf eingegangen, warum das Raumschiff hier gestrandet ist, was die als „Prawn“ abfällig betitelten Außerirdischen eigentlich hier wollten und warum sie nicht einfach weiter fliegen. Stattdessen zeigt er zunächst die Bemühungen von einem international bestellten Wirschafts-Unternehmen MNU, die Außerirdischen von dem Ghetto direkt bei Johannesburg in ein 200 Kilometer entferntes „Internierungslager“ zu schaffen. Es gibt jedoch Widerstand unter den Außerirdischen und ein Verwaltungsmitarbeiter wird mit einer Art Virus infiziert, das ihn zu einem wichtigen Aktivposten von MNU macht.

Aus dem dokumentarischen Stil wird dann recht nahtlos übergehend ein Verschwörungsfilm und spontan ein Action-Reißer, der sich in Blut und Gewalt ungeniert wälzt. In keinem Spielfilm konnte man bisher so brutal und gleichzeitig grandios einen Mech wüten sehen (es wird eine legendäre Szene werden, wie der Mech einen Gegner mit einem Schwein ab-„wirft“). Gleichzeitig sieht man eine außerirdische Waffentechnologie, die der unsrigen nicht nur um Längen voraus ist, sondern auch wirklich fremdartig wirkt (also nicht nur in der Farbe des Laser-Strahls variiert). Und die Mischung aus CGI und Realfilm fällt einfach nicht auf – also so, wie es sein muss.

District 9 schafft den Balanceakt zwischen solch unterschiedlichen Genren und ist sein Eintrittsgeld auf jedem Fall wert. Der internationale Erfolg hat Sony ermutigt, auch den offiziellen Start in Deutschland auf dem 10. September vorzuziehen. Auf dem Fantasy Filmfest war er ein wirkliches Highlight. Und entsprechend darf man sich bei Peter Jackson bedanken, der diesen Film überhaupt erst ermöglichte, und in den jungen Regisseur Neill Blomkamp investierte, dessen Kurzfilm Alive in Joburg die Grundlage für diesen Feature Film bot. District 10 ist bereits geplant, wie man vom Regisseur hört und da der Film bereits an einem Wochenende in den USA alleine seine Produktionskosten eingespielt hat wohl unausweichlich. Wenn wir nur ansatzweise so viel visuell zu sehen bekommen und gleichzeitig interessante ethische Konflikte serviert bekommen wie in diesem Film, ist ein weiterer Top-Hit gewiss.

★★★★★

Moon

Duncan Jones’ erster Feature Film beschreibt die Einsamkeit des Astronauten Sam Bell (Sam Rockwell) auf dem Mond, der dort allein die Bergbau-Maschinen überwacht. Lediglich GERTY (Stimme von Kevin Spacey), ein intelligentes Computersystem ist sein Ansprechpartner, direkte Kommunikation mit der Erde ist aufgrund eines Satelliten-Ausfalls schon seit Monaten nicht mehr möglich, aber immerhin ist sein Drei-Jahres-Vertrag bald am Auslaufen. Doch dann kommt es zu einem Unfall, dessen Auswirkungen so einiges umwerfen.

Ganz allein: Sam Bell (Sam Rockwell) in Moon
Ganz allein: Sam Bell (Sam Rockwell) in Moon (Sony Pictures Classics)

Moon ist ein eher ruhiger Film, eigentlich ein psychologisches Kammerspiel rund um Sam und GERTY. Stellenweise wird man gerade bei GERTY an HAL aus 2001 erinnert um dann gleich wieder eines besseren belehrt zu werden. Sam wird mit sich selbst konfrontiert, muss seine eigene Existenz in Frage stellen und gleichzeitig einen Weg finden, ein schier unlösbares Problem zu lösen. Dabei ist es ein Film der leisen Töne mit fast monochromatischen Bildern die durch Clint Mansells (The Fountain) hypnotischem Soundtrack eine ganz besondere Wirkung entfalten. Und wenn dann der morgentliche Wecker mit dem Pop-Klassiker The One and Only diese Melancholie bewusst durchbricht, darf man auch mal lachen – um dann im nächsten Moment darüber nachzudenken, warum dieser Titel gewählt wurde.

Der Film lief im „Quasi“-Double-Feature auf dem Fantasy Filmfest Hamburg mit District 9 und ist so gar nicht vergleichbar mit dem Actionfilm. Sam Rockwells schauspielerische Leistung ist nur zu beneiden, spielt er doch gleichzeitig so viele Facetten einer einzigen Figur. Eine wunderbare kleine philosophische Science Fiction Perle in der Tradition von Klassikern wie Outland – Planet der Verdammten, Blade Runner oder Lautlos im Weltraum, der leider noch ein Vertrieb in Deutschland fehlt.

★★★★★

Fantasy Filmfest 2008: Outlander und Repo! The Genetic Opera

Dieses Jahr haben wir organisationstechnisch nur zwei Filme geschafft (und das auch nur knapp). Am Montag Abend in das CinemaxX Dammtor in Hamburg zu gehen sollte ja eigentlich kein Problem sein, wenn nicht das halbe Kino wegen irgendeiner Premierenfeier eines deutschen Films blockiert wäre. So konnte man nur einen der drei Eingänge des CinemaxX überhaupt nutzen und entsprechend groß war da auch das Gedränge.

Besonders vor dem Einlass des ersten Films – wir waren zwar eine halbe Stunde vorher da, aber das sollte noch knapp ausreichend sein einigermaßen gute Plätze zu ergattern. Der Saal 3 war komplett ausgebucht – wie schon vor zwei Jahren bei Brick haben sie es geschafft, dass durch Verkauf und Dauerkartenbesitzer zu wenig Plätze vorhanden waren. Diesmal saßen die letzten aber nicht auf den Treppenstufen sondern wurden offenbar gar nicht erst hineingelassen.

Vor dem Film gab es dann den typischen FFF-Vorturner und die ebenfalls typischen Vorwerbefilmchen (wieder mit dem zwar netten, aber selben Spot für den PayTV-Sender 13th Street, dafür aber auch einen obskuren Trailer für „Die Eylandt Recherche“, einen auf Dokumentation getrimmten Spielfilm, der derzeit viral im Internet gepusht wird). Dann startete auch schon der erste Film.

Outlander

Outlander – Ausschnitt aus dem internationalen Plakat
Outlander – Ausschnitt aus dem internationalen Plakat

Die Story von „Outlander“ ist in der Tat eine recht frische Mixtur bewährter Motive. Ein Soldat crasht mit seinem Raumschiff auf einen unterentwickelten Planeten und das gefangene außerirdische Monster entkommt dabei. Das Innovative: der Planet ist die Erde im achten Jahrhundert, der Ort ist Norwegen und die „armen“ Opfer des Aliens sind stolze Wikinger-Krieger. Natürlich lässt es sich der edle Recke aus dem Weltall nicht nehmen, in bester Vin Diesel-Manier den Kampf gegen das „böse“ Alien aufzunehmen, was sich mit den einfachen Schwertern der Zeit aber als recht schwierig erweist.

Trailer:

Kurz gesagt: sehr stimmige Bilder mit überdurchschnittlichen Effekten und Kampfchoreografien, einem sehr guten, mitreißenden Soundtrack (der allerdings einige Anleihen an dem von „Fluch der Karibik“ nimmt, was aber wohl am gleichen Mit-Komponisten liegt – auch dieser wird sicherlich gut für Rollenspiele geeignet sein, womit ich den kleinen Bogen zum Rollenspielrelevanten geschafft hätte, uff!).

Regisseur Howard McCain macht letztlich eine überraschend gute Sache, so dass man über die für solche Produktionen typischen Logik-Fehler gerne hinweg sieht. Und mit James Caviezel, Sophia Myles, Ron Perlman sowie John Hurt ist das ganze auch noch grandios und unterhaltsam besetzt. Wir konnten hier also insgesamt einer lohnenden Deutschlandpremiere beiwohnen (die Weltpremiere war erst vor drei Monaten in Cannes), für Freunde von Filmen wie „Pitch Black“ sicher ein wirklich empfehlenswerter Film (leider existiert bisher kein Starttermin für Deutschland, aber der Film könnte durchaus auch für ein Mainstream-Publikum im Kino interessant werden).

★★★★

Repo! The Genetic Opera

Szenenbild aus Repo! The Genetic Opera mit Anthony Steward Head
Szenenbild aus Repo! The Genetic Opera mit Anthony Steward Head (links)

Beim zweiten Film des Abends, „Repo! The Genetic Opera“ sollten wir dann einen Stargast begrüßen … die leider noch nicht da war (und offenbar auch gar nicht mehr auftauchte). Sarah Brightman wollte, laut Ansager, selbst einen Eindruck ihrer schauspielerischen Leistung gewinnen – nur gewann das Publikum im abermals proppe gefüllten Saal keinen Eindruck von ihr.

Dafür immerhin auf der Leinwand, auf der sie zusammen mit Anthony Head, Alexa Vega, Paul Sorvino und, Stunt-Casting sei Dank, Paris Hilton in einem Gothic-Horror-Opern-Musical-Comicfilm trällern durfte.

Erstmal schnell die Story: eine böse Krankheit hat fast alle Menschen auf Organtransplantationen angewiesen. Diese können sich zwar die wenigsten leisten, aber es gibt ja eine Mafia-Organisation, die allen Menschen Organe auf Kredit gibt – nur kann sie diese nach Belieben wieder einfordern und macht sich damit zum mächtigsten Konzern der Welt. In all dem liegt die tragische Geschichte eines Vaters und einer Tochter, die von dieser korrupten Organmafia ausgenutzt werden. Eine Geschichte voller Liebe, Schmerz, Gesang und – Splatter.

Ich gehöre an sich zu den Menschen, die nicht besonders viel von Musicals halten und bei Opern läuft mir gewöhnlich auch eher ein kalter Schauer über den Rücken. Hier wird aber mit soviel Elan ein groteske Geschichte präsentiert, deren Dialoge fast vollständig gesungen werden. Hier wird der Gothic-Look des Sets und der Figuren mit typischen Horrorfilm-Versatzstücken zu einem schauderhaften Gesamtkunstwerk verquirlt. Was der Theaterfreund sonst an kurzen Erklärstücken der Rollen in einem kurzen Info-Heft lesen kann wird hier als kleiner eingefügter Comic dem Zuschauer nahegebracht.

Letzlich kann man sagen, dass das ganze als Gesamtkunstwerk gelten kann, in dem sogar Paris Hiltons Auftritt kein Gesichtsverlust darstellt (ok, sie verliert es zwar wirklich, aber darum geht es hier mal nicht). Solch absurde Rock-Opern machen ja schon seit der Rocky-Horror-Picture-Show einfach unglaublich Spaß und spätestens beim zweiten Mal wird man die Songs mitgröhlen wollen …

★★★★

Shadowboxer (Kritik vom FFF ’07)

Feeling protected is very seductive.

Manche Filme haben es schwer, einen Verleiher zu finden. „Shadowboxer“ sucht nun mittlerweile bereits seit 2005 einen Verleih in Deutschland, ohne wirklichen Erfolg, wie uns der Ansager des Fantasy Filmfests mit starkem Bedauern in der Stimme berichtete.

ShadowboxerDer Grund ist klar, wenn man den Film gesehen hat: Diverse kontroverse Themen werden im Film angeschnitten, ohne wirklich kritisch beleuchtet zu werden. Aber muss das ein Film auch?

Doch erstmal zur Story. Rose (Oscargewinnerin Helen Mirren) und Mikey (Oscargewinner Cuba Gooding Jr.) sind ein eigentümliches Gespann von Auftragskillern. Es trennen sie zwar mehrere Generationen, doch sind sie die einzigen, die sich gegenseitig vertrauen. Ihr Leben ist hart und entsprechend abgehärtet sind ihre Gefühle. Bis Rose Krebs diagnostiziert bekommt und plötzlich anfängt, sich mit Gott auseinander zu setzen.

Bei einem Auftrag geschieht es dann: Bei dem Anblick der hochschwangeren Vicki (Vanessa Ferlito) vergisst Rose ihre Professionalität und anstelle sowohl die Mutter als auch ihr noch ungeborenes Kind skrupellos zu ermorden, wallen plötzlich heftige Gefühle in ihr hoch und so hilft sie stattdessen der Frau, der gerade die Fruchtblase geplatzt ist, bei eben der Geburt. Und setzt sich, sehr zum Unbehagen von ihrem jüngeren Partner, dafür ein, dieser Frau und ihrem Kind Schutz und eine Familie zu geben. Doch im Untergrund kennt jeder jeden, und die Hilfe von dem jungen Arzt Dr. Don (Joseph Gordon-Levitt) soll sich noch als Verhängnis herausstellen …

Eine Liebes-Beziehung zwischen einer sechzigjährigen Frau und einem Mann Mitte Dreißig? Oder ist es nur eine reine Kontrolle von ihm durch sie? Ich muss zugeben, dass auch mir eine Sexszene zwischen Cuba Gooding Jr. und Helen Mirren wegen dem Altersunterschied schwer vorstellbar war. Und auch ansonsten ist der Film alles andere jugendfrei und wirft Denkanstöße auf, die man in einem Gangster-Film kaum erwarten würde. Gleichzeitig hat er bisweilen auch eine einfach großartige Komik, wenn bspw. Mikey manipuliert von den beiden Frauen sich widerwillig um das Baby kümmern muss und dabei sein knallhartes Killerimage einfach nicht unangekratzt bleiben kann.

Ja, ich kann verstehen, dass sich anhand der kontroversen Themen ein deutscher Verleih schwer tut. Der Film hat keine eindeutige Zielgruppe, zeigt diverse heftige nicht jugendfreie Szenen ist aber gleichzeitig auch Komödie und Drama. Für mich dennoch der beste Film in der diesjährigen Auswahl des Fantasy Filmfests.

  • 7,7 Punkte von max. 10

The Deaths of Ian Stone (Kritik vom FFF ’07)

Ian Stone (Mike Vogel) ist ein erfolgreicher Eishockey-Spieler (ok, das hatten wir gerade schon mal das Thema, aber das ist nur Zufall), hat in Jenny (Christina Cole) eine klasse Freundin erobert – bis die Uhr in der Eishockeyhalle 2 Sekunden vor Schluss stehen bleibt und der Schiedsrichter den entscheidenden Punkt nicht mehr anerkennt.

The Deaths of Ian StoneDanach geht alles bergab, seine Freunde, denen er nicht abgegeben hat, sind sauer auf ihn und auf dem Rückweg im strömenden Regen liegt urplötzlich eine regungslose Person auf der Strecke, direkt an einem Bahnübergang. Doch als er dem Unbekannten helfen will, entpuppt sich dieser plötzlich als Kreatur das Schreckens, dass ihn direkt auf die Gleise drückt, so dass er von einem herannahenden Zug erfasst wird.

Schnitt. Ian Stone ist ein Büroarbeiter, der mehr oder weniger erfolgreich sein Leben meistert. Jenny arbeitet dort auch, aber in Wirklichkeit ist er mit einer anderen zusammen, die ihn zuhause erwartet. Auf dem Weg dorhin beobachtet er den Tod eines Mitarbeiters, was ihn verstört. Und zuhause erinnert er sich plötzlich an ein Leben als Eishockey-Spieler – aber das Foto in seinem Jahrbuch zeigt doch einen ganz anderen Spieler mit der Nummer 17? Wie kann das sein?

So beginnt ein spannendes Mystery-Setup in „The Deaths of Ian Stone“. Wer hat es auf Ian abgesehen? Und weswegen? Und warum erinnert er sich an andere Leben?

Das Problem beginnt dann nach dem Setup. Stück für Stück deckt der Regisseur eine Lösung auf, der nicht nur einiges an Logik fehlt, sondern die dazu mit einer gehörigen Portion Gore garniert ist. Das allein ist aber nicht das Hauptproblem des Films: Endlich alle Puzzlestücke zusammengesetzt gibt es einen extremen Antiklimax. Das dramatische Finale wird zu einer Tötungsorgie ohne ansatzweise irgendwie noch Spannung aufzubauen, da der Protagonist selbst anscheinend nicht ansatzweise mehr in Gefahr ist.

So kann man letztlich den Film dreigeteilt werten: Das Setup ist spannend und gibt diverse Denkanstöße, der Mittelteil um die Auflösung enttäuscht und das Finale geht komplett den Bach runter. Der Rest ist solide gespielt und zeigt einige interessante Ideen und wirklich schöne CGI-Effekte. Doch spätestens wenn die Hauptantagonistin des Films im roten Latex diverse Folterinstrumente auffährt, verliert man das Interesse an den Rest der Geschichte. Was wirklich schade ist, denn man hätte einiges aus den Stoff machen können.

★★★☆☆

The Lookout (Kritik vom FFF ’07)

Who ever has the money has the power.

Letztes Jahr hat uns Brick komplett vom Hocker gerissen. Entsprechend war für uns klar, dass wir in „The Lookout“ gehen wollten, da Joseph Gordon-Levitt auch hier die Hauptrolle spielt.

The LookoutAber was für ein anderer Charakter ist das bitte? Chris Pratt (Gordon-Levitt) ist ein ehemaliger Eishockey-Star, der einen schweren Autounfall erlebt, nein besser, knapp überlebt hat. Da dieser jedoch zum großen Teil sein Kurzzeitgedächtnis zerstört hat, ist der ganz normale Alltag für den bisher erfolgsverwöhnten Chris eine sehr große Herausforderung geworden. Aus dem brillanten Sport-Star ist ein Wrack geworden, das sich nur mit großer Anstrengung überhaupt durch den Tag schleppt. Immerhin hat er mit dem blinden Mitbewohner Lewis (Jeff Daniels) einen Alliierten gefunden, der sich um ihn so gut es geht kümmert und hilft, den Alltag so gut es geht zu meistern. Nachts arbeitet Chris in einer Bankfiliale gerade einmal noch als Reinigungskraft.

Und gerade in diese Filiale wollen Gary und einige weitere Leute einbrechen. Der durch seine Behinderung für sie naive Chris kommt ihnen da gerade recht und entsprechend manipulieren sie ihn, damit er für sie bei dem Überfall Schmiere steht.

Ein grandioser Film, was Charakterspiel angeht. Gordon-Levitt zeigt wieder eindrucksvoll, dass sein Weg zu den Independent-Filmen die richtige Entscheidung war. Er spielt den gebrochenen Charakter von Chris einfühlsam und glaubhaft, gleichzeitig aber mit Würde. Und Jeff Daniels bringt einen Charakter mit komischen Elementen ein, der wohl nicht zufällig irgendwie an The Big Lebowski erinnern soll.

Dennoch: Irgendwie ist die Story gleichzeitig zu geradelinig und zu verworren. Wer an spannenden und unvorhergesehenen Wendungen in der Art von Memento seine Freude hat, und mit dem Plotelement des Kurzzeitsgedächtnisverlusts ähnliches erwartet hat, wird komplett enttäuscht. Keine komplizierten Zeitsprünge oder unterschiedliche Erzählebenen. Gleichzeitig soll die Behinderung des Protagonisten aber aber den Plot vorantreiben und ein wesentliches Element darstellen – dies scheitert aber dadurch, dass dieses Element recht beliebig mit anderen austauschbar wäre. Lediglich diverse Nebengeschichten machen diese wirklich interessant. Und eben diese Nebengeschichte bremsen den Film sogar teilweise auch aus.

Wer letztlich Freude an Method Acting hat, wird Joseph Gordon-Levitt hier mit Begeisterung zu sehen. Wenn dazu aber noch die Story mit einigen interessanten und nicht vorhersehbaren Wendungen verbessert worden wäre, hätte der Film sogar die Option zu Bestnoten.

★★★★

Black Sheep (Kritik vom FFF ’07)

There are 40 Million Sheeps in New Zealand … And they’re pissed off!

Neuseeland ist bekannt für seine wunderschöne Landschaft, Kiwis und für seine vielen Schaffarmen. Herr der Ringe Regisseur Peter Jackson stammt dort her und sein erster Film ist ein Splatterfilm. Was liegt also näher, als das irgendwie miteinander zu verknüpfen? Nein, ich meine jetzt keine Tolkienverfilmung mit hüpfenden Kiwis, sondern bösester Splatterfilm mit Schafen. Nein, besser: Genmanipulierte Zombieschafe.

Black Sheep„Black Sheep“ hält sich dann auch nicht lange damit auf, eine große Einführung für seine Hauptcharaktere zu finden, die allesamt chronisch überzeichnet sind. Da sind die beiden Brüder, denen eine Schaffarm gehört. Ihr Vater starb einen gar fürchterlichen Tod weswegen der jüngere, Henry, der beiden eigentlich das Stadtleben vorzieht und vor Schafen eine heftige Phobie entwickelt hat. Sein älterer Bruder, Angus, hat sich unter dessen zu einer Karriere entschlossen und auf dem Farmgelände ein skrupelloses Genlabor angesiedelt mit dem Ziel, das Schaf der Zukunft zu züchten. Als dann noch zwei durchgeknallte Neu-Hippies dort einbrechen und dabei ein eigentlich für die Entsorgung bestimmtes „misslungenes“ Gen-Experiment freisetzen, startet ein heilloses Durcheinander. Denn der Biss des Experiments lässt alle Schafe zu blutrünstigen Killer-Schafen mutieren mit dem einzigen Ziel, die Weltherrschaft an sich zu reißen.

Der Film nimmt sich an keiner Stelle Ernst und das zu Recht. Dadurch entsteht ein herrliches Feuerwerk von Gags, wunderbar altmodisch hausgemachte Splatter-Effekte (von WETA-Workshop) die noch mit Animatronics arbeiten, vielen Ekel-Effekten aber auch einigen spaßigen Wendungen. Zu Recht war der Film von den vieren der mit Abstand am meisten besuchte, der Saal 1 des CinemaxX Hamburg war brechend voll. Apropos: Einigen Besuchern ist natürlich zwischendurch der Appetit vergangen und sie haben das Kino etwas vorzeitig verlassen, alle anderen haben sich köstlich amüsiert, Szenenapplaus gegeben und den Film sichtlich genossen. So auch wir.

★★★★