Fantasy Filmfest 2009: „District 9“ und „Moon“

Ja, es ist endlich wieder Fantasy Filmfest in Hamburg, und diesmal schaffen wir auch gleich zweimal zwei Filme. Die ersten beiden haben wir uns heute im proppe vollen Saal 1 des CinemaxX gegeben, zuerst Moon, dann District 9.

Diesmal lief keine Premiere von irgendeinen obskuren deutschen Film parallel, dennoch war das Gedränge kaum besser als im letzten Jahr. Immerhin haben wir es geschafft, sehr gute Plätze zu erobern und mit der offiziellen Erlaubnis, Jacken als Reservierung zwischen den Filmen im Saal liegen zu lassen (auf eigene Gewähr) bekamen wir die gleichen Plätze auch beim zweiten Film. Wobei ich ja eigentlich lieber gleich im Saal geblieben wäre (aber warum das nicht geht, wurde ja deutlich bei f3a erklärt). Immerhin bekamen wir dann auch jeweils eine DVD geschenkt mit Trailern des FFF. Eine sehr nette Geste von Rosebud.

District 9

Im Internet ist derzeit kaum ein Weg um diesen Film herum, in den USA hat er wie eine Bombe eingeschlagen und die Box Office überrannt. Und das ganze zurecht. District 9 ist wirklich dieser grandiose Film.

Ausschnitt aus dem Filmplakat von District 9
Ausschnitt aus dem Filmplakat von District 9 (Sony Pictures Classics)

Der Film startet mit einer Mocumentary über ein Ghetto von über Johannesburg gestrandeten Außerirdischen und den Fremdenfeindlichkeiten ihnen gegenüber. Es wird wenig darauf eingegangen, warum das Raumschiff hier gestrandet ist, was die als „Prawn“ abfällig betitelten Außerirdischen eigentlich hier wollten und warum sie nicht einfach weiter fliegen. Stattdessen zeigt er zunächst die Bemühungen von einem international bestellten Wirschafts-Unternehmen MNU, die Außerirdischen von dem Ghetto direkt bei Johannesburg in ein 200 Kilometer entferntes „Internierungslager“ zu schaffen. Es gibt jedoch Widerstand unter den Außerirdischen und ein Verwaltungsmitarbeiter wird mit einer Art Virus infiziert, das ihn zu einem wichtigen Aktivposten von MNU macht.

Aus dem dokumentarischen Stil wird dann recht nahtlos übergehend ein Verschwörungsfilm und spontan ein Action-Reißer, der sich in Blut und Gewalt ungeniert wälzt. In keinem Spielfilm konnte man bisher so brutal und gleichzeitig grandios einen Mech wüten sehen (es wird eine legendäre Szene werden, wie der Mech einen Gegner mit einem Schwein ab-„wirft“). Gleichzeitig sieht man eine außerirdische Waffentechnologie, die der unsrigen nicht nur um Längen voraus ist, sondern auch wirklich fremdartig wirkt (also nicht nur in der Farbe des Laser-Strahls variiert). Und die Mischung aus CGI und Realfilm fällt einfach nicht auf – also so, wie es sein muss.

District 9 schafft den Balanceakt zwischen solch unterschiedlichen Genren und ist sein Eintrittsgeld auf jedem Fall wert. Der internationale Erfolg hat Sony ermutigt, auch den offiziellen Start in Deutschland auf dem 10. September vorzuziehen. Auf dem Fantasy Filmfest war er ein wirkliches Highlight. Und entsprechend darf man sich bei Peter Jackson bedanken, der diesen Film überhaupt erst ermöglichte, und in den jungen Regisseur Neill Blomkamp investierte, dessen Kurzfilm Alive in Joburg die Grundlage für diesen Feature Film bot. District 10 ist bereits geplant, wie man vom Regisseur hört und da der Film bereits an einem Wochenende in den USA alleine seine Produktionskosten eingespielt hat wohl unausweichlich. Wenn wir nur ansatzweise so viel visuell zu sehen bekommen und gleichzeitig interessante ethische Konflikte serviert bekommen wie in diesem Film, ist ein weiterer Top-Hit gewiss.

★★★★★

Moon

Duncan Jones’ erster Feature Film beschreibt die Einsamkeit des Astronauten Sam Bell (Sam Rockwell) auf dem Mond, der dort allein die Bergbau-Maschinen überwacht. Lediglich GERTY (Stimme von Kevin Spacey), ein intelligentes Computersystem ist sein Ansprechpartner, direkte Kommunikation mit der Erde ist aufgrund eines Satelliten-Ausfalls schon seit Monaten nicht mehr möglich, aber immerhin ist sein Drei-Jahres-Vertrag bald am Auslaufen. Doch dann kommt es zu einem Unfall, dessen Auswirkungen so einiges umwerfen.

Ganz allein: Sam Bell (Sam Rockwell) in Moon
Ganz allein: Sam Bell (Sam Rockwell) in Moon (Sony Pictures Classics)

Moon ist ein eher ruhiger Film, eigentlich ein psychologisches Kammerspiel rund um Sam und GERTY. Stellenweise wird man gerade bei GERTY an HAL aus 2001 erinnert um dann gleich wieder eines besseren belehrt zu werden. Sam wird mit sich selbst konfrontiert, muss seine eigene Existenz in Frage stellen und gleichzeitig einen Weg finden, ein schier unlösbares Problem zu lösen. Dabei ist es ein Film der leisen Töne mit fast monochromatischen Bildern die durch Clint Mansells (The Fountain) hypnotischem Soundtrack eine ganz besondere Wirkung entfalten. Und wenn dann der morgentliche Wecker mit dem Pop-Klassiker The One and Only diese Melancholie bewusst durchbricht, darf man auch mal lachen – um dann im nächsten Moment darüber nachzudenken, warum dieser Titel gewählt wurde.

Der Film lief im „Quasi“-Double-Feature auf dem Fantasy Filmfest Hamburg mit District 9 und ist so gar nicht vergleichbar mit dem Actionfilm. Sam Rockwells schauspielerische Leistung ist nur zu beneiden, spielt er doch gleichzeitig so viele Facetten einer einzigen Figur. Eine wunderbare kleine philosophische Science Fiction Perle in der Tradition von Klassikern wie Outland – Planet der Verdammten, Blade Runner oder Lautlos im Weltraum, der leider noch ein Vertrieb in Deutschland fehlt.

★★★★★

Fantasy Filmfest 2008: Outlander und Repo! The Genetic Opera

Dieses Jahr haben wir organisationstechnisch nur zwei Filme geschafft (und das auch nur knapp). Am Montag Abend in das CinemaxX Dammtor in Hamburg zu gehen sollte ja eigentlich kein Problem sein, wenn nicht das halbe Kino wegen irgendeiner Premierenfeier eines deutschen Films blockiert wäre. So konnte man nur einen der drei Eingänge des CinemaxX überhaupt nutzen und entsprechend groß war da auch das Gedränge.

Besonders vor dem Einlass des ersten Films – wir waren zwar eine halbe Stunde vorher da, aber das sollte noch knapp ausreichend sein einigermaßen gute Plätze zu ergattern. Der Saal 3 war komplett ausgebucht – wie schon vor zwei Jahren bei Brick haben sie es geschafft, dass durch Verkauf und Dauerkartenbesitzer zu wenig Plätze vorhanden waren. Diesmal saßen die letzten aber nicht auf den Treppenstufen sondern wurden offenbar gar nicht erst hineingelassen.

Vor dem Film gab es dann den typischen FFF-Vorturner und die ebenfalls typischen Vorwerbefilmchen (wieder mit dem zwar netten, aber selben Spot für den PayTV-Sender 13th Street, dafür aber auch einen obskuren Trailer für „Die Eylandt Recherche“, einen auf Dokumentation getrimmten Spielfilm, der derzeit viral im Internet gepusht wird). Dann startete auch schon der erste Film.

Outlander

Outlander – Ausschnitt aus dem internationalen Plakat
Outlander – Ausschnitt aus dem internationalen Plakat

Die Story von „Outlander“ ist in der Tat eine recht frische Mixtur bewährter Motive. Ein Soldat crasht mit seinem Raumschiff auf einen unterentwickelten Planeten und das gefangene außerirdische Monster entkommt dabei. Das Innovative: der Planet ist die Erde im achten Jahrhundert, der Ort ist Norwegen und die „armen“ Opfer des Aliens sind stolze Wikinger-Krieger. Natürlich lässt es sich der edle Recke aus dem Weltall nicht nehmen, in bester Vin Diesel-Manier den Kampf gegen das „böse“ Alien aufzunehmen, was sich mit den einfachen Schwertern der Zeit aber als recht schwierig erweist.

Trailer:

Kurz gesagt: sehr stimmige Bilder mit überdurchschnittlichen Effekten und Kampfchoreografien, einem sehr guten, mitreißenden Soundtrack (der allerdings einige Anleihen an dem von „Fluch der Karibik“ nimmt, was aber wohl am gleichen Mit-Komponisten liegt – auch dieser wird sicherlich gut für Rollenspiele geeignet sein, womit ich den kleinen Bogen zum Rollenspielrelevanten geschafft hätte, uff!).

Regisseur Howard McCain macht letztlich eine überraschend gute Sache, so dass man über die für solche Produktionen typischen Logik-Fehler gerne hinweg sieht. Und mit James Caviezel, Sophia Myles, Ron Perlman sowie John Hurt ist das ganze auch noch grandios und unterhaltsam besetzt. Wir konnten hier also insgesamt einer lohnenden Deutschlandpremiere beiwohnen (die Weltpremiere war erst vor drei Monaten in Cannes), für Freunde von Filmen wie „Pitch Black“ sicher ein wirklich empfehlenswerter Film (leider existiert bisher kein Starttermin für Deutschland, aber der Film könnte durchaus auch für ein Mainstream-Publikum im Kino interessant werden).

★★★★

Repo! The Genetic Opera

Szenenbild aus Repo! The Genetic Opera mit Anthony Steward Head
Szenenbild aus Repo! The Genetic Opera mit Anthony Steward Head (links)

Beim zweiten Film des Abends, „Repo! The Genetic Opera“ sollten wir dann einen Stargast begrüßen … die leider noch nicht da war (und offenbar auch gar nicht mehr auftauchte). Sarah Brightman wollte, laut Ansager, selbst einen Eindruck ihrer schauspielerischen Leistung gewinnen – nur gewann das Publikum im abermals proppe gefüllten Saal keinen Eindruck von ihr.

Dafür immerhin auf der Leinwand, auf der sie zusammen mit Anthony Head, Alexa Vega, Paul Sorvino und, Stunt-Casting sei Dank, Paris Hilton in einem Gothic-Horror-Opern-Musical-Comicfilm trällern durfte.

Erstmal schnell die Story: eine böse Krankheit hat fast alle Menschen auf Organtransplantationen angewiesen. Diese können sich zwar die wenigsten leisten, aber es gibt ja eine Mafia-Organisation, die allen Menschen Organe auf Kredit gibt – nur kann sie diese nach Belieben wieder einfordern und macht sich damit zum mächtigsten Konzern der Welt. In all dem liegt die tragische Geschichte eines Vaters und einer Tochter, die von dieser korrupten Organmafia ausgenutzt werden. Eine Geschichte voller Liebe, Schmerz, Gesang und – Splatter.

Ich gehöre an sich zu den Menschen, die nicht besonders viel von Musicals halten und bei Opern läuft mir gewöhnlich auch eher ein kalter Schauer über den Rücken. Hier wird aber mit soviel Elan ein groteske Geschichte präsentiert, deren Dialoge fast vollständig gesungen werden. Hier wird der Gothic-Look des Sets und der Figuren mit typischen Horrorfilm-Versatzstücken zu einem schauderhaften Gesamtkunstwerk verquirlt. Was der Theaterfreund sonst an kurzen Erklärstücken der Rollen in einem kurzen Info-Heft lesen kann wird hier als kleiner eingefügter Comic dem Zuschauer nahegebracht.

Letzlich kann man sagen, dass das ganze als Gesamtkunstwerk gelten kann, in dem sogar Paris Hiltons Auftritt kein Gesichtsverlust darstellt (ok, sie verliert es zwar wirklich, aber darum geht es hier mal nicht). Solch absurde Rock-Opern machen ja schon seit der Rocky-Horror-Picture-Show einfach unglaublich Spaß und spätestens beim zweiten Mal wird man die Songs mitgröhlen wollen …

★★★★

Shadowboxer (Kritik vom FFF ’07)

Feeling protected is very seductive.

Manche Filme haben es schwer, einen Verleiher zu finden. „Shadowboxer“ sucht nun mittlerweile bereits seit 2005 einen Verleih in Deutschland, ohne wirklichen Erfolg, wie uns der Ansager des Fantasy Filmfests mit starkem Bedauern in der Stimme berichtete.

ShadowboxerDer Grund ist klar, wenn man den Film gesehen hat: Diverse kontroverse Themen werden im Film angeschnitten, ohne wirklich kritisch beleuchtet zu werden. Aber muss das ein Film auch?

Doch erstmal zur Story. Rose (Oscargewinnerin Helen Mirren) und Mikey (Oscargewinner Cuba Gooding Jr.) sind ein eigentümliches Gespann von Auftragskillern. Es trennen sie zwar mehrere Generationen, doch sind sie die einzigen, die sich gegenseitig vertrauen. Ihr Leben ist hart und entsprechend abgehärtet sind ihre Gefühle. Bis Rose Krebs diagnostiziert bekommt und plötzlich anfängt, sich mit Gott auseinander zu setzen.

Bei einem Auftrag geschieht es dann: Bei dem Anblick der hochschwangeren Vicki (Vanessa Ferlito) vergisst Rose ihre Professionalität und anstelle sowohl die Mutter als auch ihr noch ungeborenes Kind skrupellos zu ermorden, wallen plötzlich heftige Gefühle in ihr hoch und so hilft sie stattdessen der Frau, der gerade die Fruchtblase geplatzt ist, bei eben der Geburt. Und setzt sich, sehr zum Unbehagen von ihrem jüngeren Partner, dafür ein, dieser Frau und ihrem Kind Schutz und eine Familie zu geben. Doch im Untergrund kennt jeder jeden, und die Hilfe von dem jungen Arzt Dr. Don (Joseph Gordon-Levitt) soll sich noch als Verhängnis herausstellen …

Eine Liebes-Beziehung zwischen einer sechzigjährigen Frau und einem Mann Mitte Dreißig? Oder ist es nur eine reine Kontrolle von ihm durch sie? Ich muss zugeben, dass auch mir eine Sexszene zwischen Cuba Gooding Jr. und Helen Mirren wegen dem Altersunterschied schwer vorstellbar war. Und auch ansonsten ist der Film alles andere jugendfrei und wirft Denkanstöße auf, die man in einem Gangster-Film kaum erwarten würde. Gleichzeitig hat er bisweilen auch eine einfach großartige Komik, wenn bspw. Mikey manipuliert von den beiden Frauen sich widerwillig um das Baby kümmern muss und dabei sein knallhartes Killerimage einfach nicht unangekratzt bleiben kann.

Ja, ich kann verstehen, dass sich anhand der kontroversen Themen ein deutscher Verleih schwer tut. Der Film hat keine eindeutige Zielgruppe, zeigt diverse heftige nicht jugendfreie Szenen ist aber gleichzeitig auch Komödie und Drama. Für mich dennoch der beste Film in der diesjährigen Auswahl des Fantasy Filmfests.

  • 7,7 Punkte von max. 10

The Deaths of Ian Stone (Kritik vom FFF ’07)

Ian Stone (Mike Vogel) ist ein erfolgreicher Eishockey-Spieler (ok, das hatten wir gerade schon mal das Thema, aber das ist nur Zufall), hat in Jenny (Christina Cole) eine klasse Freundin erobert – bis die Uhr in der Eishockeyhalle 2 Sekunden vor Schluss stehen bleibt und der Schiedsrichter den entscheidenden Punkt nicht mehr anerkennt.

The Deaths of Ian StoneDanach geht alles bergab, seine Freunde, denen er nicht abgegeben hat, sind sauer auf ihn und auf dem Rückweg im strömenden Regen liegt urplötzlich eine regungslose Person auf der Strecke, direkt an einem Bahnübergang. Doch als er dem Unbekannten helfen will, entpuppt sich dieser plötzlich als Kreatur das Schreckens, dass ihn direkt auf die Gleise drückt, so dass er von einem herannahenden Zug erfasst wird.

Schnitt. Ian Stone ist ein Büroarbeiter, der mehr oder weniger erfolgreich sein Leben meistert. Jenny arbeitet dort auch, aber in Wirklichkeit ist er mit einer anderen zusammen, die ihn zuhause erwartet. Auf dem Weg dorhin beobachtet er den Tod eines Mitarbeiters, was ihn verstört. Und zuhause erinnert er sich plötzlich an ein Leben als Eishockey-Spieler – aber das Foto in seinem Jahrbuch zeigt doch einen ganz anderen Spieler mit der Nummer 17? Wie kann das sein?

So beginnt ein spannendes Mystery-Setup in „The Deaths of Ian Stone“. Wer hat es auf Ian abgesehen? Und weswegen? Und warum erinnert er sich an andere Leben?

Das Problem beginnt dann nach dem Setup. Stück für Stück deckt der Regisseur eine Lösung auf, der nicht nur einiges an Logik fehlt, sondern die dazu mit einer gehörigen Portion Gore garniert ist. Das allein ist aber nicht das Hauptproblem des Films: Endlich alle Puzzlestücke zusammengesetzt gibt es einen extremen Antiklimax. Das dramatische Finale wird zu einer Tötungsorgie ohne ansatzweise irgendwie noch Spannung aufzubauen, da der Protagonist selbst anscheinend nicht ansatzweise mehr in Gefahr ist.

So kann man letztlich den Film dreigeteilt werten: Das Setup ist spannend und gibt diverse Denkanstöße, der Mittelteil um die Auflösung enttäuscht und das Finale geht komplett den Bach runter. Der Rest ist solide gespielt und zeigt einige interessante Ideen und wirklich schöne CGI-Effekte. Doch spätestens wenn die Hauptantagonistin des Films im roten Latex diverse Folterinstrumente auffährt, verliert man das Interesse an den Rest der Geschichte. Was wirklich schade ist, denn man hätte einiges aus den Stoff machen können.

★★★☆☆

The Lookout (Kritik vom FFF ’07)

Who ever has the money has the power.

Letztes Jahr hat uns Brick komplett vom Hocker gerissen. Entsprechend war für uns klar, dass wir in „The Lookout“ gehen wollten, da Joseph Gordon-Levitt auch hier die Hauptrolle spielt.

The LookoutAber was für ein anderer Charakter ist das bitte? Chris Pratt (Gordon-Levitt) ist ein ehemaliger Eishockey-Star, der einen schweren Autounfall erlebt, nein besser, knapp überlebt hat. Da dieser jedoch zum großen Teil sein Kurzzeitgedächtnis zerstört hat, ist der ganz normale Alltag für den bisher erfolgsverwöhnten Chris eine sehr große Herausforderung geworden. Aus dem brillanten Sport-Star ist ein Wrack geworden, das sich nur mit großer Anstrengung überhaupt durch den Tag schleppt. Immerhin hat er mit dem blinden Mitbewohner Lewis (Jeff Daniels) einen Alliierten gefunden, der sich um ihn so gut es geht kümmert und hilft, den Alltag so gut es geht zu meistern. Nachts arbeitet Chris in einer Bankfiliale gerade einmal noch als Reinigungskraft.

Und gerade in diese Filiale wollen Gary und einige weitere Leute einbrechen. Der durch seine Behinderung für sie naive Chris kommt ihnen da gerade recht und entsprechend manipulieren sie ihn, damit er für sie bei dem Überfall Schmiere steht.

Ein grandioser Film, was Charakterspiel angeht. Gordon-Levitt zeigt wieder eindrucksvoll, dass sein Weg zu den Independent-Filmen die richtige Entscheidung war. Er spielt den gebrochenen Charakter von Chris einfühlsam und glaubhaft, gleichzeitig aber mit Würde. Und Jeff Daniels bringt einen Charakter mit komischen Elementen ein, der wohl nicht zufällig irgendwie an The Big Lebowski erinnern soll.

Dennoch: Irgendwie ist die Story gleichzeitig zu geradelinig und zu verworren. Wer an spannenden und unvorhergesehenen Wendungen in der Art von Memento seine Freude hat, und mit dem Plotelement des Kurzzeitsgedächtnisverlusts ähnliches erwartet hat, wird komplett enttäuscht. Keine komplizierten Zeitsprünge oder unterschiedliche Erzählebenen. Gleichzeitig soll die Behinderung des Protagonisten aber aber den Plot vorantreiben und ein wesentliches Element darstellen – dies scheitert aber dadurch, dass dieses Element recht beliebig mit anderen austauschbar wäre. Lediglich diverse Nebengeschichten machen diese wirklich interessant. Und eben diese Nebengeschichte bremsen den Film sogar teilweise auch aus.

Wer letztlich Freude an Method Acting hat, wird Joseph Gordon-Levitt hier mit Begeisterung zu sehen. Wenn dazu aber noch die Story mit einigen interessanten und nicht vorhersehbaren Wendungen verbessert worden wäre, hätte der Film sogar die Option zu Bestnoten.

★★★★

Black Sheep (Kritik vom FFF ’07)

There are 40 Million Sheeps in New Zealand … And they’re pissed off!

Neuseeland ist bekannt für seine wunderschöne Landschaft, Kiwis und für seine vielen Schaffarmen. Herr der Ringe Regisseur Peter Jackson stammt dort her und sein erster Film ist ein Splatterfilm. Was liegt also näher, als das irgendwie miteinander zu verknüpfen? Nein, ich meine jetzt keine Tolkienverfilmung mit hüpfenden Kiwis, sondern bösester Splatterfilm mit Schafen. Nein, besser: Genmanipulierte Zombieschafe.

Black Sheep„Black Sheep“ hält sich dann auch nicht lange damit auf, eine große Einführung für seine Hauptcharaktere zu finden, die allesamt chronisch überzeichnet sind. Da sind die beiden Brüder, denen eine Schaffarm gehört. Ihr Vater starb einen gar fürchterlichen Tod weswegen der jüngere, Henry, der beiden eigentlich das Stadtleben vorzieht und vor Schafen eine heftige Phobie entwickelt hat. Sein älterer Bruder, Angus, hat sich unter dessen zu einer Karriere entschlossen und auf dem Farmgelände ein skrupelloses Genlabor angesiedelt mit dem Ziel, das Schaf der Zukunft zu züchten. Als dann noch zwei durchgeknallte Neu-Hippies dort einbrechen und dabei ein eigentlich für die Entsorgung bestimmtes „misslungenes“ Gen-Experiment freisetzen, startet ein heilloses Durcheinander. Denn der Biss des Experiments lässt alle Schafe zu blutrünstigen Killer-Schafen mutieren mit dem einzigen Ziel, die Weltherrschaft an sich zu reißen.

Der Film nimmt sich an keiner Stelle Ernst und das zu Recht. Dadurch entsteht ein herrliches Feuerwerk von Gags, wunderbar altmodisch hausgemachte Splatter-Effekte (von WETA-Workshop) die noch mit Animatronics arbeiten, vielen Ekel-Effekten aber auch einigen spaßigen Wendungen. Zu Recht war der Film von den vieren der mit Abstand am meisten besuchte, der Saal 1 des CinemaxX Hamburg war brechend voll. Apropos: Einigen Besuchern ist natürlich zwischendurch der Appetit vergangen und sie haben das Kino etwas vorzeitig verlassen, alle anderen haben sich köstlich amüsiert, Szenenapplaus gegeben und den Film sichtlich genossen. So auch wir.

★★★★

Fantasy Filmfest 2006 (2): „Hole/Zulo“, „Brick“

Der zweite Tag des Fantasy Filmfestes 2006 für uns war der Dienstag, mit zwei Filmen auf dem Zettel.

Hole / Zulo

(Spoiler voraus) Zum einen der spanische Film Hole bzw. Zulo (span. Originaltitel). Kurz: Ein Geschäftsmann wird gekidnappt und in ein metertiefes Loch eingesperrt. Trotz beklemmenden und leicht ekelerregenden Spiel verfehlt der Film aber sein Ziel. Er macht zwischendurch neugierig auf den Hintergrund der Entführung, löst diese aber nicht auf. Bis auf das ständig beklemmende Gefühl vermag er auch nichts vermitteln, und die aufgesetzte Botschaft am Ende: „Es könnte jedem passieren“ ist nur pathetisch. Damit war der Film für mich recht klar durchgefallen.

☆☆☆☆

Brick

(leichte Spoiler voraus) Ganz anders der für mich beste Film des diesjährigen Festivals. Brick ist eine extrem gelungene Hommage an den Film Noir angesiedelt im High School Milieu.

Brick - Copyright Focus Features

Der archetypische High School Einzelgänger Brendan (Joseph Gordon-Levitt) erhält von seiner Ex-Flamme Emily (Emilie de Ravin) einen panisch klingenden Anruf. Doch sie faselt anscheinend nur unzusammenhängendes Zeug von „Brick“, „Tug“ und „Pin“, und dass sie Mist gebaut hat. Dann rast ein Auto vorbei, eine Kippe fliegt cool aus dem Fenster und sie legt panisch auf. Brendan versucht sie zu finden und ihr zu helfen, doch nur einen Tag später liegt sie tot in der Gosse.

Brendan legt nun alles daran, herauszufinden, was mit seiner Ex-Freundin passiert ist. Doch in dem düsteren Gewirr an der High School zeigt sich so schnell kein roter Faden und das Puzzle braucht lange, bis er es endlich zusammensetzen kann und in einem Sumpf aus Drogenhandel, Bandenkriegen und gastfreundlichen Müttern einen Weg aus dem Schlamassel findet.

Brick - Copyright Focus Features

Sehr viel mehr sollte man eigentlich gar nicht verraten. Der Film ist einfach nur cool! Man befindet sich irgendwo zwischen Malteser Falken und Veronica Mars. Die jungen Schauspieler überzeugen auf voller Linie, im ganzen Film tauchen nur zwei „Erwachsene“ am Rande auf, wenn ich richtig aufgepasst habe. Insbesondere Joseph Gordon-Levitt schafft es mehr Facetten in seinem Schauspiel unterzubringen, als man dem Hinterm Mond gleich links Sitcom-Youngster zunächst zutrauen würde. Und auch den Soundtrack sollte man sich irgendwann mal zulegen, passt herrlich schräg, ähnlich wie der von Twin Peaks, zu diversen Mystery-Rollenspielen, wie Unknown Armies.

Brick - Copyright Focus Features

Einziger Makel: Der Kinosaal 3 bei uns in Hamburg war proppevoll. Irgendwie hatte die Orga es geschafft, den Saal überzubelegen, so dass sogar diverse Zuschauer auf den Treppen Platz nehmen mussten. Und genügend Stimmkarten für den Publikumspreis gab es leider auch nicht, was sie dann aber immerhin mit einem zusätzlichen Notizblock lösten. Ob Brick den Preis gewonnen hat, habe ich bisher leider noch nicht in Erfahrung bringen können, verdient hätte er es wohl und, so wird gemunkelt, hat er es auch in einigen anderen Städten bereits.

Immerhin hat dieser Film, nachdem er bereits im Januar 2005 auf dem Sundance Filmfestival einen Special Jury Preis gewonnen hat, nun auch in Deutschland mit Senator einen Verleiher gefunden. Nach letztem Stand wird er am 21. September auch in die deutschen Kinos kommen, und danach hoffentlich auch bald in meine DVD-Sammlung.

★★★★★

Nachtrag: (Andreas 17.08.06 13:00 Uhr)
Die Gewinner des FRESH BLOOD Publikumspreises des FFFs sind nun bekannt und können hier angesehen werden.
Erster wurde wenig überaschend Brick, Zweiter Baba’s Cars und Dritter Secuestro express

Fantasy Filmfest 2006 (1): „Civic Duty“, „A Scanner Darkly“

Zum zwanzigsten Mal findet das ursprünglich aus Hamburg stammende Fantasy Filmfest in unserer Hansestadt wieder statt. Heute war Tag 1 der beiden Tage, an denen wir uns ingesamt 4 Filme dieses Jahr gönnen. Daher hier mal ein kleiner Umschwung zu einem Filmkritik-Blog (leichte Spoiler voraus):

Civic Duty

Civic DutySix Feet Under-Star Peter Krause in einem politischen Film, der eigentlich gar keine fantastischen Elemente aufweist. Civic Duty handelt von Terry Allen, einen Buchhalter, der gerade seinen Job verloren hat und dem nun zuhause die Decke auf den Kopf fällt. Als dann ein arabischstämmiger Nachbar („a middle-eastern“) in die Nachbarwohnung einzieht, aber dabei kaum eigene Sachen in die Wohnung mitnimmt, wird Terry skeptisch. Immer weitere Indizien findet der unfreiwillige Hausmann, dessen Paranoia, zusätzlich durch die permanent auf ihn einrieselnden Horrormeldungen über Terroristische Angriffe und entsprechende Aufrufe, seine Pflicht als Bürger nachzugehen, immer weiter wächst. Irgendwann fängt Terry an wie Jack Bauer seinen Nachbarn nachzuspionieren, doch dieser Film ist nicht 24 und daher können solche Aktionen durchaus Konsequenzen haben.

Civic Duty überzeugt mit einem gut durchdachten Handlungsfaden, guten bis herausragenden schauspielerischen Leistungen, insbesondere von Peter Krause, sowie der Spannung, ob der Nachbar nur wirklich ein Terrorist ist oder nicht. Streckenweise fühlt man sich zurecht an Hitchcocks Fenster zum Hof erinnert (berechtigter Hinweis von Andi). Doch der Protagonist ist diesmal nicht nur mehr oder weniger hilfloser Beobachter …

Bleibt zu erwähnen, dass man ein noch seltsameres Gefühl über die Botschaft des Films bekommt, wenn man die Begleitumstände sieht, wie wir den Film gesehen haben: Die Karten konnte ich nur schwierig wegen einer Absperrung des Zugangs zum Kino durch die Polizei wegen einer vermeintlichen Kofferbombe im angrenzenden Dammtor-Bahnhof bekommen. Und beim Essen im Cha Cha Thai Street Kitchen im Anschluß lief dann auf den Bildschirmen n-tv mit Berichten über Terroralarm in London

★★★★

A Scanner Darkly

Keanu Reeves, Robert Downey Jr. und Winona Ryder in sicherlich der aufwändigsten Verfilmung von einem Roman von Philip K. Dick. Nachdem A Scanner Darkly komplett gedreht war, wurde jedes einzelne Bild des Filmes am Computer nachgezeichnet und stilisiert. D.h. der gesamte Film ist letztlich eine Special-Effect-Sammlung, so dass der Übergang von Realität in den Wahn wirklich für jeden unnachvollziehbar stattfinden kann.

Ausschnitt aus A Scanner Darkly

Bob Arctor (Reeves) arbeitet als Undercover Cop, dabei wird seine Identität auch vor seinen Kollegen durch einen Anzug verschleiert, der im Sekundentakt seine Erscheinung in die von Millionen anderer Menschen verändert, zum eigenen Schutz, denn an sich werden mittlerweile alle Bürger durch Teile ihrer Mitmenschen direkt überwacht. Außer Kontrolle gerät die Geschichte, als Bob Arctor damit beauftragt wird, Bob Arctor zu überwachen. Schritt für Schritt gerät er selbst, um nicht aufzufallen, immer weiter in einen Drogensumpf um die geheimnisvolle Droge D., und fängt irgendwann an deswegen auch zu halluzinieren. Doch welches Spiel wird wirklich gespielt? Beziehungsweise: Was ist die Wirklichkeit, was Halluzination?

Boah, schwere Kost, dennoch höchst amüsant und visuell wirklich innovativ und neu. Der Film eignet sich sicherlich dazu, ein weiteres mal angesehen zu werden, damit man die Vielschichtigkeit überhaupt erst nachvollziehen kann. Gefallen wird er sicherlich nicht jeden, teilweise sicher wegen den Kamerafahrten, die durch die Nachzeichnungen teilweise einfach perspektivisch falsch funktionieren und deswegen arg desorientieren. Dennoch: Der Film hat das Potenzial zum Kultstreifen.

★★★★