Grr Argh: 20 Jahre Buffy

In den Neunzigern hinkte das deutsche Fernsehen dem amerikanischen gerne noch über ein Jahr oder länger hinterher, wenn es darum ging, die Serien auch hier zu zeigen. Daher bekamen wir auch erst am 9. Oktober 1998 auf ProSieben zu sehen, was den amerikanischen Zuschauern auf dem Sendernetzwerk The WB am 10.03.1997, also heute vor zwanzig Jahren erstmals präsentiert wurde. „Buffy, the Vampire Slayer“ – bzw.: „Buffy, im Bann der Dämonen“, wie es hierzulande eingedeutscht wurde – sollte ein unvorhersehbarer Erfolg werden und eine Serie, die auch heute noch in aller Munde ist.

Ein ganzes Genre geprägt

Die Scooby-Gang der vierten Staffel: Oz, Giles, Buffy, Xander und Willow (v.l.n.r.: Seth Green, Anthony Head, Sarah Michelle Gellar, Nicholas Brendon, Alyson Hannigan, Foto: 20th Century Fox Home Entertainment)

Damals war das Sendernetzwerk The WB, das nahezu zeitgleich mit seinem Konkurrenten UPN gestartet war, noch unsicher, wie es sich eigentlich auf dem US-TV-Markt profilieren wollen würde. Als Reaktion von den großen Hollywood-Studios auf ihr Konkurrenzstudio Fox, das wider Erwarten mit seinem eigenen TV-Sendernetzwerk bereits zehn Jahre durchgehalten hatte, war The WB von Warner Bros. mit weit weniger Tamtam gestartet als der Konkurrenz von Universal und Paramout – UPN war immerhin die Senderheimat von der neuen Star Trek-Serie „Voyager“ und hatte damit ein großes Zugpferd im Stall. The WB versuchte sich zunächst an billigen Sitcoms. Erst etwas später landete es mit der christlich-familienwerte-orientierten Soap „Eine himmlische Familie“ einen ersten verhaltenden Hit. Und dann kam „Buffy“.

Verbotene Liebe: Buffy und Angel (Sarah Michelle Gellar und David Boreanaz, Foto: 20th Century Fox Home Entertainment)

„Buffy“ war eigentlich ein Mid-Season-Placement, ein Testballon, der mitten in der TV-Saison gestartet wurde, als eine andere Serie vorher auf dem Sendeplatz gescheitert war, ein damals, wie teilweise auch heute noch gängiges Prozedere. Erstaunlicherweise gelang es der Serie aber die damals höchsten Einschaltsquoten an einem Montag in der noch jungen Geschichte des Networks zu erreichen und zog sowohl ein neues, junges Publikum an, als auch neue Werbeträger.

„Buffy“ trat einen TV-Trend los, den noch heute der Nachfolge-Sender The CW prägt: Soap-Drama mit optionalen Mystery-Einschlägen und viel zu attraktiven Mittzwanzigern, die ganz normale Teenager darstellen sollen.

Die Serie über die unfreiwillige Vampirjägerin und ihre Scooby-Gang selbst erlebte dabei vor allen bei den Kritikern viel Lob und entwickelte sich zunächst zu einem Einschaltsquoten-Hit, bekam sogar mit „Angel“ eine Spin-Off-Serie auf dem selben Network, bis die Serie dann nach fünf Staffeln plötzlich den Sender wechselte und ihre letzten zwei Staffeln auf dem Konkurrenz-Network UPN ausstrahlen konnte.

Ich tat ihr auch Unrecht

In Deutschland habe ich wie so viele die Serie zunächst belächelt und ignoriert. Erst später habe auch ich den seltsamen Charme der Serie für mich entdeckt, und doch wurde ich vor allen mit ihrer Ableger-Serie „Angel“ erst richtig ein Fan. Später verfolgte ich natürlich die Karriere von Serienmacher Joss Whedon weiter, war ganz schnell Fan von „Firefly“ und begeistert von dessen erstem „Avengers“-Film. „Buffy“ war eben weit mehr als nur ein weiterer Herz-Schmerz-Soap-Klischee-Verwerter, sondern brach Konventionen, zeigte nachvollziehbare Charakterentwicklung und brachte einfach Spaß, selbst Musical-Muffeln wie mir.

Der beste Billy-Idol-Gedächtnis-Frisur-Träger der Seriengeschichte: Spike (James Marsters, Foto: 20th Century Fox Home Entertainment)

Natürlich habe ich mir auch das „Buffy the Vampire Slayer Roleplaying Game“ besorgt, das ich übrigens sehr gelungen fand und das danach Inspiration und Medium für diverse Rollenspielrunden wurde, unter anderen Scottys „Valencia City Nights“ oder meiner „Tower Knights“-Runde.

Auch heute, zwanzig Jahre später, ist das Fandom immer noch aktiv, auch hier in Deutschland – wo unter anderen ein Bekannter von mir den Rewatch-Podcast Once More with Feeling produziert, der jede einzelne Episode der Serie betrachtet. Im Rahmen des Ausgespielt-Podcasts haben meine Kollegen und ich bereits vor zwei Jahren die Serie ausführlich gewürdigt. Whedon selbst beschrieb den Mythos mit den Worten „In every generation there is a chosen one“. Und das kann man sowohl auf den Mythos der Serie, aber auch auf die Serie selbst beziehen.

Die komplette Serie ist bei 20th Century Fox Home Entertainment als DVD erhältlich.

Atemberaubende Natur: „Planet Erde II“ (Blu-ray-Kritik)

Vor zehn Jahren schuf die BBC mit „Planet Erde“ eine der beeindruckendsten Dokumentarserien überhaupt. Nun kehrt das Team zurück und schafft mit „Planet Erde II“ ein nicht minder imposantes Epos in sechs Teilen, welches auf allen Ebenen einfach nur als Superlativ gelten muss: Die Inszenierung der brillanten Aufnahmen, von denen man nahezu jeden Screenshot als Bildschirmhintergrund nutzen möchte, die einfache, aber immer spannende und nachvollziehbare Dramaturgie der Erzählung mit der vom ersten Wort in seinen Bann ziehenden Stimme von Sir David Attenborough und letztlich auch durch den Score, den niemand geringeres als Hollywood-Genie Hans Zimmer komponieren durfte – all das trägt zu einem audiovisuellen Erlebnis sondergleichen bei, das man nur uneingeschränkt empfehlen muss.

Die neue Serie ist abermals als internationale Koproduktion entstanden, im Gegensatz zur ersten Serie, deren beiden Staffeln von WDR und BR begleitet wurden, ist es diesmal in Deutschland das ZDF, dass sie unterstützte. Die Serie wurde auch tatsächlich bereits im deutschen Fernsehen versendet: Im Rahmen von der Reihe „Terra X“ unter dem Titel „Eine Erde – viele Welten“ am Sonntagvorabend im Januar und Februar 2017.

Faultiere sind überraschend gute Schwimmer (Copyright BBC 2016 & polyband)
Faultiere sind überraschend gute Schwimmer (Copyright BBC 2016 & polyband)

Dort liefen aber lediglich die etwas gekürzten 45-minütigen Fassungen der Episoden, welche im Original auf der BBC meist etwas länger waren und jeweils mit einem gut 10-minütigem Making-of („Planet Earth II Diaries“) ergänzt wurden. Diese sind nun auf den Blu-rays natürlich komplett vorhanden, wobei die Diaries nur im OmU vorliegen.

Mitten in einem Superschwarm von Grashüpfern: Kameramann Rob Drewett (Copyright Ed Charles 2016 & polyband)
Mitten in einem Superschwarm von Grashüpfern: Kameramann Rob Drewett (Copyright Ed Charles 2016 & polyband)

Neben dem Senderwechsel gab es auch einen Wechsel in der Stimme des Sprechers. Dies ist nun Christian Schult, der derzeitigen Synchronstimme von Robert Redford, der die aus der ersten Staffel bekannten Stimme von Tom Selleck, Norbert Langer, ersetzt. Eine durchaus gute Wahl, passt die etwas kratzigere Stimme doch mehr zu der Originalstimme von David Attenborough – wenngleich dies hier eher ein unwichtiges Detail darstellt, denn das Wichtige, den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen, gelingt allen Sprechern gleichermaßen gut.

Mark MacEwen filmt die Makaken in Jaipur, die völlig an Menschen gewöhnt sind. (Photography by Fredi Devas Copyright BBC NHU 2016 & polyband)
Mark MacEwen filmt die Makaken in Jaipur, die völlig an Menschen gewöhnt sind. (Photography by Fredi Devas Copyright BBC NHU 2016 & polyband)

Die sechs Episoden sind thematisch gebündelt: In „Inseln“, „Berge“, „Dschungel“, „Wüsten“, „Grasland“ und „Städte“ – wobei die Grenzen naturgemäß etwas fließender sind. Damit nehmen sie die Abgrenzungen aus der ersten Serie wieder zu einem großen Teil auf. Zu jeder Episode gibt es das bereits genannte Making-of „Diaries“, sowie im 20-seitigem Begleit-Booklet einige Fakten zu der jeweiligen Umgebung sowie den gezeigten Schauplätzen.

„Planet Erde II: Eine Erde – viele Welten“ („Planet Earth II“, GB 2016)

Score: Von Hans Zimmer. Muss man wirklich noch mehr sagen

★★★★★

„Planet Erde II“ erscheint am 06.02.2017 bei Polyband auf DVD und Blu-ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Beitragsbild oben: Ein Bienenfresser begleitet einen Elefantenbullen in der Hoffnung, aufgewirbelte Insekten zu erhaschen (Photograph by Chadden Hunter Copyright BBC NHU 2106 & polyband)

Teuer remastered – „Captain Future“ auf Blu-ray

Captain Future ist der Held der Galaxis, der an Bord des Raum- und Forschungsschiffs Comet mit seinen illustren Gefährten, darunter der Androiden Otto, der Roboter Grag und das lebende Gehirn Professor Simon Wright, sowie bisweilen auch die hübsche Planetare-Polizistin Joan Landor, unterwegs ist. Dabei dringt seine Mannschaft nicht nur zu fernen Planeten vor, sondern reist bisweilen sogar in der Zeit, um Mysterien aufzudecken und verbrecherischen Schurken das Handwerk zu legen.

Im Kinderfernsehen einst gescheitert

Die Animeserie „Captain Future“, welche auf der Groschenroman-Reihe „Captain Zukunft“ aus den Vierziger Jahren basiert, wurde 1978–79 im japanischen Fernsehen uraufgeführt und kam dann 1980 in das Kinderprogramm des ZDF. Sie wurde aufgrund von Elternprotesten jedoch recht bald abgesetzt – hatte aber bereits viele Kinder maßgeblich beeindruckt.* Dabei unterscheidet sich die deutsche Überarbeitung der Serie stark von dem ursprünglichen Anime, allein schon durch den Disco-Synthesizer-Score, welcher von Christian Bruhn für die deutsche Version komplett neu erschaffen wurde und die japanische Jazz-Musik ersetzt, auch wurden die Folgen teilweise sehr stark geschnitten und auch durcheinander ausgestrahlt. Dennoch, oder auch vielleicht wegen all dieser Änderungen hat die Serie hierzulande bis heute einen großen Kultstatus.

* Mich selbst hat sie bei der Uraufführung nicht beeindruckt, war ich doch damals doch noch als vierjähriger in der wohlbehüteten medialen Aufsicht meiner Eltern gewesen. Erst ein paar Jahre später habe ich eine einzelne Folge im ZDF Ferienprogramm gesehen, die, wenn ich mich richtig erinnere, damals als Wunschfilm lief und völlig aus dem Kontext gerissen einzeln gezeigt wurde. Und sie machte ironischerweise das damit wahr, was die Elternproteste gefürchtet hatten: Sie hat mich enorm irritiert. Aber nicht wegen übermäßiger Gewalt, sondern weil sie mit einem Cliffhanger endete, der eben nicht eine Woche später aufgelöst werden sollte. Erst viele Jahre später habe ich sie dann gesehen, doch da hatte schon Captain Picard den Platz als Weltraumheld in meinem Herzen besetzt.

Neues nur bei Amazon

Nun bringt Universum die Serie neu heraus und das mit einer digital überarbeiteten Fassung, erstmals sogar auf Blu-ray. Dabei erscheinen nun auch endlich auch die ungeschnittenen japanischen Originalfassungen mit Untertiteln. Allerdings sind diese einer limitierten Komplettbox vorbehalten, die es nur über Amazon zu kaufen gibt und welche derzeit für den sagenhaften Preis von knapp 200 € angeboten wird. Die „normale“ Komplettbox kostet immer noch die Hälfte, alternativ kann man für 26 € aber auch eine einzelne Blu-ray bekommen, welche die Episoden 1–12 erhält (auf Volume 1, weitere Volumes sind bereits angekündigt).

In der Standardbox wie auch in den Volumes gibt es lediglich die deutsche Synchronfassung, die ein für das Alter des Materials durchaus klares Bild zeigt und deren Vor- und Nachspann neu bearbeitet wurde. Dabei hat man aber auch hier den Sparstift angesetzt, und den Nachspann nur ein einziges Mal angepasst und an jede Folge geschnitten. Wer für die jeweilige Regie verantwortlich war, muss man daher nun mit der Episodennummer abgleichen – aber sicher, das ist Jammern auf hohem Niveau. Immerhin gibt es zusätzlich noch jeweils einen japanischen Vor- oder Abspann zu sehen (welcher es sein soll, erschloss sich mir nicht genau, er läuft jedenfalls nach der Episode jedenfalls) mit der für deutsche Fans etwas irritierenden Jazz-Musik.

Die Serie selbst ist natürlich allein durch den Nostalgiefaktor eigentlich gegenüber jeder Kritik  erhaben, dennoch muss man sich aber auch eingestehen, dass die Geschichten heutigem narrativen Standards nicht mehr gerecht werden können. Es sind simple Geschichten, bisweilen arg trashig und einfach auch alt. Dennoch, oder vielleicht auch deshalb sind sie immer noch sehenswert und allein wegen des kongenialen Bruhnschen Scores immer noch hörenswert. Dass aber die Preispolitik auch irgendwo aus dem Heimkino-Markt der 80er Jahre zu stammen scheint, trübt mein Bild doch etwas.

Cover der Captain Future Vol. 1 Blu-ray
Cover der Captain Future Vol. 1 Blu-ray

„Captain Future“ (J 1978–79)

„Vol. 1“ enthält Folgen 1–12 auf zwei DVD oder einer Blu-ray. Die „Komplettbox“ enthält die Folgen 1–40 auf acht DVD oder 4 Blu-ray und enthält als Special dieSonderepisode „Sternenstraßezum Ruhm“ OmU. Und die „Limited Collector’s Edition“ (nur als Blu-ray) zusätzlich noch alle ungeschnittenen 52 japanischen Folgen auf ingesamt 9 Blu-ray.

Produziert von: Toei Animation Co., Ltd.

★★★★

Die restaurierten „Captain Future“-Editionen erscheinen am 9. Dezember 2016 auf Blu-ray und DVD. Offenlegung: Ich habe Vol. 1 als Screener erhalten.

Unter Mordverdacht – Blu-ray-Kritik: „Happy Valley 2“

Catherine (Sarah Lancashire) ist wieder zurück in der tristen Polizeiarbeit und wird einmal wieder mit der brutalen Realität konfrontiert: Gelangweilte arbeitslose Jugendliche stehlen ein Schaf und hetzen ihre Hunde auf dieses – weswegen sie erstmals Sterbehilfe bei dem Tier leisten muss. Wenig später entdeckt sie einen grässlichen Geruch aus einer Garage – und eine menschliche Leiche. Ausgerechnet die Leiche einer Frau, mit der sie selbst aneinander geraten war: die Mutter von Tommy Royce (James Norton), dem brutalen Vergewaltiger ihrer Tochter, den sie nur mit großen Opfern vor mittlerweile anderthalb Jahren überführen und ins Gefängnis stecken konnte. Trotz oder gerade wegen dieser Ereignisse gerät sie selbst unter Verdacht – denn der Mord an Mrs. Royce ist nur einer einer ganzen Serie …

Catherine (Sarah Lancashire) ist an einem dunklen Ort angekommen (Foto: Polyband/BBC)
Catherine (Sarah Lancashire) ist an einem dunklen Ort angekommen (Foto: Polyband/BBC)

Nahtlos fortgesetzt

Nach der sowohl beim Publikum als auch bei Kritikern äußerst erfolgreichen ersten Staffel (Rezension) war eine zweite Staffel ähnlich wie bei „Broadchurch“ schnell beschlossene Sache – auch wenn die eigentliche Story doch beendet erschien. Doch der Showrunnerin Sally Wainwright gelingt es tatsächlich, die Geschichte organisch weiterzuerzählen, ohne dabei wie bei „Broadchurch“ auf einen Fokuswechsel zurückgreifen zu müssen.

18 Monate sind vergangen, Royce sitzt hinter Gittern, doch sein Einfluss auf Catherines Familie und vor allen auf deren Enkelsohn Ryan (Rhys Conna) sind nach wie vor deutlich spürbar. Die Stimmung der ersten Staffel wird dabei nahtlos weiter fortgesetzt und abermals steht die Tristesse der britischen Kleinstädte, und was dies mit ihrer Bewohner macht, in den Vordergrund. So gelingt es tatsächlich, das Niveau der ersten Staffel problemlos zu halten.

Tommy Lee Royce (James Norton) kann auch vom Gefängnis aus seine Rache voranbringen. (Foto: Polyband/BBC)
Tommy Lee Royce (James Norton) kann auch vom Gefängnis aus seine Rache voranbringen. (Foto: Polyband/BBC)

Dritte Staffel „Happy Valley“ verzögert sich

Eine dritte Staffel ist bereits in Aussicht gestellt, wobei Wainwright einräumen musste, dass wir uns abermals einige Zeit gedulden müssen, da sie derzeit noch keine Zeit fand, sie zu schreiben und auch gerne Ryan als Teenager zeigen möchte, der aber erstmal entsprechend altern muss. Derzeit wird daher frühestens Ende 2018 für eine BBC-Ausstrahlung anvisiert.

happyvalley_2_bd_front„Happy Valley – In einer kleinen Stadt: Die komplette Staffel 2“ („Happy Valley – Series 2“, UK 2016)

Drehbuch: Sally Wainwright

Darsteller: Sarah Lancashire, James Norton, Siobhan Finneran

Extras: Features zu den Kostümen, Locations und Make-Up und Interviews mit Sally Wainwright, Ishia Bennison, James Norton, Karl Davies, Shirley Henderson sowie Siobhan Finneran & Con O’Neill. Gegenüber der ersten Staffel, der keinerlei Extras beilagen, eine enorme Steigerung.

★★★★★

„Happy Valley Staffel 2“ erscheint am 25.11.2016 bei Polyband auf DVD und Blu-Ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-Ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Ich sehe tote Menschen – Blu-ray-Kritik: „River“

Der brillante Detective Inspector John River (Stellan Skarsgård, „Verräter wie wir“) arbeitet in der Londoner Polizei und hat eine besondere „Begabung“: Er sieht die toten Menschen in seiner Umgebung, deren Fälle er aufklären will.

Besonders seine ehemalige Partnerin, Detective Sergeant Jackie „Stevie“ Stevenson (Nicola Walker, „Spooks“), taucht immer wieder an seiner Seite auf und macht es River nicht nur schwer, seine Gefühle im Griff zu behalten, sondern auch seine Kondition unter Kontrolle zu behalten. Dabei will er gerade ihren Fall aufklären – wäre da nicht das Problem, dass er genau von diesem abgezogen wurde, da er ihm zu nahe ist – und mittlerweile haben auch einige Kollegen von Rivers „Talent“ Wind bekommen und sehen dies vor allen als psychische Störung an. Doch ist sie dies wirklich? Rivers neuer Partner, Ira King (Adeel Akhtar, „The Four Lions“), hat es jedenfalls auch nicht gerade leicht in dieser seltsamen Beziehung …

Endlich wieder eine Hauptrolle für Skarsgård

Was ist es mit den Briten und kreativen Krimi-Ideen? Nach „Luther“, „Broadchurch“, „London Spy“ oder „Happy Valley“ zeigt die BBC abermals, wie man in dem Genre immer noch neue Ideen und Blickwinkel finden kann, und heuert dafür – mal eben – einer der profiliertesten Darsteller unserer Zeit an: Stellan Skarsgård begleitet nun seit Jahren große Hollywood-Blockbuster wie Arthaus-Filme in immer eindrucksvollen Nebenrollen (er spielte unter anderen in den „Thor“-Filmen, „Avengers 2: Age of Ultron“ sowie den „Pirates of the Caribbean“-Fortsetzungen mit, war aber auch schon in „Good Will Hunting“ zu sehen). Aber: Bisher taucht er nur selten in wirklich großen Hauptrollen außerhalb des Skandinavischen Films auf.

River (Stellan Skarsgård) sinniert über Leben und Tod (Foto: Polyband/BBC)
River (Stellan Skarsgård) sinniert über Leben und Tod (Foto: Polyband/BBC)

Hier darf Skarsgård endlich mal im Rahmen einer TV-Hauptrolle das ganze Spektrum seiner Schauspielkunst zeigen und in die faszinierende Rolle eines schizophrenen Menschen schlüpfen, der trotz seiner Krankheit hochfunktional bleibt und dabei dem Zuschauer im Unklaren lässt, ob dies wirklich nur eine Krankheit ist, oder doch etwas Übernatürliches.

Dieser Balanceakt macht „River“ zu einer faszinierenden, sechsteiligen Mini-Serie, deren Konzept zwar in der Theorie erst extrem übertrieben klingt, durch die gelungene Arbeit der Serienschöpferin Abi Morgan („Shame“, „The Hour“) aber geerdet bleibt und eine starke Faszination, gerade durch die Dialoge mit den Toten, ausübt.

Jackie „Stevie“ Stevenson (Nicola Walker) „unterstützt“ River (Stellan Skarsgård) bei seinen Ermittlungen. (Foto: Polyband/BBC)
Jackie „Stevie“ Stevenson (Nicola Walker) „unterstützt“ River (Stellan Skarsgård) bei seinen Ermittlungen. (Foto: Polyband/BBC)

„River“ Staffel 2?

Polyband vermarket „River“ hier als „Staffel 1“. Allerdings hat weder die BBC noch Netflix bisher bekanntgegeben, ob und wann es eine weitere Staffel geben wird, angekündigt war bisher lediglich die sechsteilige Mini-Serie. Das muss noch nichts heißen, generell wäre eine weitere Staffel von der Story her möglich. Aber prinzipiell ist die Geschichte abgeschlossen.

river_bd-vorab„River – Staffel 1“ („River“, UK 2015)

Showrunnerin: Abi Morgan

Darsteller: Stellan Skarsgård, Nicola Walker, Adeel Akhtar

Extras: The Making of River, Creating Manifests, Being River, Deleted Scenes

★★★★

„River“ erscheint am 18.11.2016 bei Polyband auf DVD, Blu-ray und Digital. Offenlegung: Ich habe die Blu-Ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Upgrade auf Level 6 wird installiert … – Serienkritik: „Killjoys“ Staffel 2

D’avin wurde von Dutchs Killjoys-Mentor Khlyen auf den eigentlich unbewohnten Mond Arkyn entführt, um dort durch das Red-17-Programm verändert zu werden. Während sein Bruder Johnny und Dutch verzweifelt versuchen, dort zu landen um ihn herauszuholen, reagiert D’avin selbst sehr unerwartet auf den grünen Schleim und versucht zu fliehen. Dabei bekommt er unerwartete Hilfe …

Die Crew bekommt zeitweise Zuwachs: Pree (Thom Allison), Pawter (Sarah Power), John (Aaron Ashmore), Dutch (Hannah John-Kamen), D'Avin (Luke Macfarlane) und Alvis (Morgan Kelly) (Foto: Steve Wilkie/Syfy/Killjoys II Productions Limited/Pandastorm Pictures)
Die Crew bekommt zeitweise Zuwachs: Pree (Thom Allison), Pawter (Sarah Power), John (Aaron Ashmore), Dutch (Hannah John-Kamen), D’Avin (Luke Macfarlane) und Alvis (Morgan Kelly) (Foto: Steve Wilkie/Syfy/Killjoys II Productions Limited/Pandastorm Pictures)

Der Cliffhanger der ersten Staffel ist zügig abgearbeitet, setzt aber zugleich den Meta-Handlungsbogen in Gang: Was wollen die anderen Level-6-Veränderten? Was ist das Ziel von Red 17? Und was hat D’avins Begabung damit zu tun?

Auch danach bleibt die Serie im actionreichen Tempo und nimmt schrittweise immer mehr Abstand von der eigentlichen Prämisse der intergalaktischen Kopfgeldjägern: Aufträge sind zunehmend mehr privatem Ursprungs, es geht um Freunde und Familie – und vor allen um die drei Helden selbst. Dieser Fokuswandel tut der Serie ausgesprochen gut*, die zweite Staffel ist tatsächlich facettenreicher als die erste Staffel. Dutch und D’avin kreisen zwar weiterhin um einander wie Motten ums Licht, voneinander zwar angezogen aber immer in Angst, sich aneinander zu verbrennen – dürfen aber selbst jeweils eigene andere Eskapaden erleben. Und auch Johnny darf eine Beziehung zu Pawter, einer Tochter aus priviligiertem Hause, aufbauen.

* Im Gegensatz zu dem neuen Vorspann, dessen comichafte stilistische Adaption sich zwar prinzipiell etwas verbessert hat, aber dessen Titelmusik man aus unerfindlichen Gründen ausgewechselt hat.

Da kann es noch so schlechtes Wetter auf dem Mond geben – für Windschutzscheiben war kein Geld mehr (Foto: Steve Wilkie/Syfy/Killjoys II Productions Limited/Pandastorm Pictures)
Da kann es noch so schlechtes Wetter auf dem Mond geben – für Windschutzscheiben war kein Geld mehr (Foto: Steve Wilkie/Syfy/Killjoys II Productions Limited/Pandastorm Pictures)

„Killjoys“ bleibt gemeinsam mit „Dark Matter“ dennoch eine SF-Serie alter Schule. Viele der behandelten Tropes sind gut abgehangen (geheimes Supersoldaten-Programm, Telepathische Verbindungen, …) und aus dutzenden Star-Trek- und Stargate-Episoden gut bekannt. Dass sie dennoch so unterhaltsam umgesetzt werden spricht für „Killjoys“ und dem Autorenteam dahinter. Sicher, manchmal wünscht man sich etwas mehr Tiefgang, doch solange kann man weiterhin die einzelnen Folgen gut weggucken. Und auch das Trinkspiel aus der ersten Staffel funktioniert noch …

Eine 3. Staffel ist gesetzt und wird im Sommer 2017 in den USA laufen. Pandastorm hat diese bereits als Veröffentlichung angeteasert.

killjoys_s2_bd_artwork_2d_ohnefsk„Killjoys – Space Bounty Hunters: Staffel 2“ („Killjoys“, CDN/US 2016)

Extras: Leider wieder gar keine.

Rollenspiel-Inspirationsfaktor: Immer noch hoch, ein wildes Space-Opera-Setting mit viel Geballer und wenigen Konsequenzen bringt sicher Laune.

★★★★

„Killjoys: Staffel 2“ erscheint am 11.11.2016 bei Pandastorm Pictures auf Bluray und DVD. Offenlegung: Ich habe die Blu-ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Schwächen und Stärken eines Klassikers – „Akte X“ Staffel 10 (Serienkritik)

2002 schloss das FBI die X-Akten. Aber die unheimlichen Phänomene, die Dana Scully und Fox Mulder untersuchten, hörten nicht auf. 14 Jahre später werden sie, mittlerweile Ex-Agenten, von dem Fernseh-Moderator Tad O’Malley (Joel McHale aus „Community“) überredet, die X-Akten wieder zu öffnen. Angefangen mit einer jungen Frau, die behauptet von Außerirdischen entführt worden zu sein und Mulder sofort an seine vermisste Schwester erinnert, über einem Werwesen, dass eine Kleinstadt terrorisiert bis hin zu einem Terroristen im Koma, dessen Erinnerungen wichtig sein können – es geht wieder los.

Wiederbelebte Kult-Serie

Neun Staffeln von „Akte X“ liefen zwischen 1993 und 2002 und begründeten damals einen Mystery-Boom im Fernsehen. Doch schon in den letzten Staffeln spielten die beiden Protagonisten der Serie, Dana Scully und Fox Mulder, nur noch eine Nebenrolle. Es gab noch einen weiteren lauwarmen Spielfilm, bei dem 2008 die X-Akten nochmal geöffnet werden sollten, aber danach schien, abseits von einer zehnten Staffel in Comic-Form, die Serie entgültig beerdigt.

Das Revival-Poster (Quelle: 20th Century Fox/Maxdome)
Das Revival-Poster (Quelle: 20th Century Fox/Maxdome)

Doch Serienschaffer Chris Carter gab nicht auf und 8 Jahre später schlüpften Gillian Anderson und David Duchovny tatsächlich ein weiteres mal in ihre ikonischen Rollen. Und die neuen sechs Folgen knüpfen tatsächlich an die alten Stärken der Serie an – aber leider auch an deren Schwächen, denn vom HD-Breitbild und allgegenwärtigen Smartphones abgesehen, scheint sich wirklich nichts geändert zu haben. Die Episoden verstricken sich in Andeutungen, seltenen Auflösungen und einen erneuten Aufbau einer allumfassenden Verschwörung, die schon damals die alte Serie ausmachte. Diese hatte die Mischung aus Monster-der-Woche-Folgen und Großer-Mysterium-Handlungsbogen-Folgen lange weiter zugespitzt – allerdings merkten nach ein paar Staffeln die Fans zusehend, dass die Autoren offenbar selbst keine Ambition hatten, die Mysterien aufzulösen oder auch nur in sich stimmig zu machen.

Die neue Staffel zeigt die gleichen Tendenzen, und wieder einmal zeigt sich, dass tatsächlich die kreativen Einzelepisoden am meisten überzeugen können, allen voran die wirklich absurd-komische Horrorfolge „Mulder & Scully Meet the Were-Monster“ (10×03), in der X-Akten-Alumni Darin Morgan erstmals in der Serie nicht nur das Buch schreiben durfte, sondern auch die Regie führen durfte. Dies ist in der Tat Akte X wie zu seinen Hochzeiten. Doch gerade Serien-Schöpfer Chris Carters Episoden, die sich vorrangig mit der Mythologie auseinandersetzen, enttäuschen abermals, sie bauen alle Versatzstücke der alten Serie nochmal neu auf, werfen den Jenga-Turm dann bewusst um, um ihn doch wieder neu aufzubauen. Das hat damals schon genervt, und nervt heute noch. Auch die Idee, beiden in den letzten Folgen jeweils ein Mini-Me zuzuordnen, welche von Lauren Ambrose („Six Feet Under“) und Robbie Amell („Flash“) als Agents Einstein und Miller dargestellt werden, ist auf dem ersten Blick faszinierend – aber die beiden werden so deutlich als Kopien geschrieben, dass sie einfach kein eigenes Profil entwickeln können und einem bald klar wird, dass sie wohl nur für den Fall reingeschrieben wurden, um die Serie ggf. ohne ihre zugkräftigen Alumni-Stars hätte fortsetzen können.

Fortsetzung fraglich

Letztlich hätte man sich doch gewünscht, wenn die Serie nicht einfach nach 14 Jahren fortgesetzt, sondern ein ordentliches Reboot stattgefunden hätte, mit einem Showrunner, der nicht nur die alten Mysterien neu aufwärmt, sondern wirklich neues dieser Serie beiträgt – genügend Stoff ist in einer Welt Post-9-11 und Post-Snowden für Verschwörungstheorien doch sicher vorhanden, warum muss dann zum x-ten Mal Roswell herhalten?

Überraschenderweise konnte man sich nicht auf eine weitere Staffel einigen, auch die engen Terminkalender von Duchovny und Anderson sprechen dagegen – doch die Produzenten haben noch nicht aufgegeben, derzeit hoffen alle, auf die TV-Saison 2017/18 für eine weitere Staffel. Und vielleicht schafft es die deutsche Synchronisation, wieder Benjamin Völz für die Rolle von Duchovny zu besetzen – sein aktueller Sprecher Sven Gerhardt ist nämlich leider mindestens ungewohnt und es ist äußerst seltsam, dass man ausgerechnet an dieser Stelle sich die alte Kultkombi mit Franziska Pigulla gespart hat.

★★★☆☆

Die neue Staffel von „Akte X“ ist derzeit exklusiv im Streaming auf Maxdome abrufbar. Offenlegung: Ich habe freundlicherweise zur Rezension dieser Serie einen Zugang zum Angebot von Maxdome erhalten.

Firefly-Vibes? „Killjoys“ Staffel 1 (Blu-ray-Kritik)

Die Kopfgeldjägerin Dutch (Hannah John-Kamen, „Happy Valley“) ist mit ihrem Partner John (Aaron Ashmore, „Warehouse 13“) an Bord des kleinen Raumschiffs Lucy quer durch ihr Vier-Planeten-System unterwegs, um Schurken dingfest zu machen. Notfalls sogar zu töten.

Die Crew der Lucy (Aaron Ashmore, Hannah John-Kamen und Luke Macfarlane, Foto: Universal/Pandastorm Pictures)
Die Crew der Lucy (Aaron Ashmore, Hannah John-Kamen und Luke Macfarlane, Foto: Universal/Pandastorm Pictures)

Doch als plötzlich Johns Bruder, D’avin (Luke Macfarlane), als potenzielles Ziel genannt wird, wird ihre Beziehung unter ziemlichen Stress gesetzt, denn der Ex-Soldat D’avin ist nicht nur auf der Flucht, er kann sich noch nichtmal erinnern, wovor genau …

Space Operas sind zurück im TV

Mit der Umbenennung des SciFi-Channels in SyFy fokussierte sich der Kanal auch neu – zum Ärger vieler Fans – und legte plötzlich mehr Wert auf seichtere Serien als das bei Kritikern so lange hochgelobte „Battlestar Galactica“. Günstig produzierte Serien wie „Eureka“ oder „Warehouse 13“ wurden neue Aushängeschilder und entsprechend sank das Ansehen, gerade auch auf Kritikerseite. 2015 sollte sich das endlich wieder etwas ändern, indem sie nun auch drei Science-Fiction-Serien ins Programm aufnahmen, die wirklich auch im Weltraum spielten. Von diesen dreien war aber auch wirklich nur eine innovativ und anspruchsvoll.

Nicht Lucy (Foto: Universal/Pandastorm Pictures)
Nicht Lucy (Foto: Universal/Pandastorm Pictures)

„Killjoys“ ist nicht diese Serie *.

Dafür macht „Killjoys“ einfach einen Heidenspaß. Zwar braucht sie einige Episoden, um richtig in den Groove zu kommen, aber vermag es dann, eine unterhaltsame, actionreiche Story in einem dystopischen Zukunftsuniversum, in dem ein Klassenkampf tobt, zu schildern. Ohne zuviel Tiefgang. Sie bietet viel fürs Auge und grundsätzlich eine perfekte Grundlage für ein Trinkspiel: Trink etwas, wenn John und der Computer des Raumschiffs, Lucy, unterschwellig flirten. Trink etwas, wenn D’avin wieder einmal aus unsinnigsten Plotgründen seinen gestählten Oberkörper zeigt. Trink etwas, wenn irgendein Charakter Alkohol zu sich nimmt …

Trotz all dieser Leichtigkeit, baut die Serie aber unter der Oberfläche langsam einen Handlungsbogen auf, schafft aber dennoch immer noch sehr gut die Balance zwischen diesem und dem Plot-der-Woche.

* Innovativ und anspruchsvoll war stattdessen „The Expanse“, die wir in Deutschland aber leider immer noch nicht zu sehen bekamen.

Firefly?

In der Serie gibt es keine Aliens und der vorherrschende Schmutz und Dreck der Sets sowie der Klassenkampf bringt tatsächlich ein gewisses „Firefly“-Feeling mit sich: Es gibt eine/n Captain, der/die auch problemlos harte Entscheidungen trifft aber nur vordergründig kein Gewissen zu haben scheint; eine/n idealistischen Mechaniker, die/der das Schiff insgeheim liebt; sowie das militärische Experiment, die/der manche seltsame Fähigkeiten mit sich bringt, die sie/er selbst noch nicht ganz unter Kontrolle zu haben scheint und genügend Basis für eine Verschwörung/Mystery-Geschichte mit sich bringt.

Dutch ist ein Badass-Charakter, nicht nur im hautengen Leder-Raumanzug (Foto: Universal/Pandastorm Pictures)
Dutch ist ein Badass-Charakter, nicht nur im hautengen Leder-Raumanzug (Foto: Universal/Pandastorm Pictures)

Natürlich: Es ist nicht das Kleinod von Joss Whedons TV-Serie, das wir Fans mittlerweile bereits dermaßen verklärt und vergöttert haben, dass selbst ein Remake die allzu schnell abgesetzte Serie nie erreichen würde – dazu fehlt der Serie ein weit größeres Ensemble und eine weit visionärere Grundstory. Und in sofern sollte man sich nicht von der Kritiker-Aussage „Killjoys ist die Weltraumserie auf die wir seit Firefly gewartet haben – IO9 Magazine“ auf der Rückseite des Blu-ray-Covers allzusehr täuschen lassen.

Aber solange es eben nicht das Reboot von „Firefly“ gibt …

killjoys_s1_bd_artwork_2d„Killjoys – Space Bounty Hunters“ („Killjoys“, CDN/US 2015)

Extras: Leider gar keine.

Rollenspiel-Inspirationsfaktor: Space-Opera-Settings gibt es wie Sand am Meer – aber dies ist durchaus sympathisch und sicherlich gut geeignet für die eine oder andere Runde.

★★★☆☆

„Killjoys – Staffel 1“ erscheint am 23.09.2016 bei Pandastorm Pictures auf DVD und Blu-ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Ein böser Doktor?

Kritik: „Doctor Who – Der sechste Doktor Vol. 3“

Prozess für einen Zeitwanderer

Die anderen Zeitwanderer des Hohen Rates sitzen über den Doktor (Colin Baker) zu Gericht. Ihm wird vorgeworfen, gegen zahlreiche Gesetze Gallifreys verstoßen zu haben, darunter Einmischung in andere Welten und später sogar Genozid. Als Ankläger fungiert ein mysteriöser Zeitwanderer namens Ankläger („Valeyard“, Michael Jayston).

Der Doktor im Anklagestand wird heftig vom Ankläger Valeyard zugesetzt (Colin Baker und Michael Jayston, Foto: Pandastorm Pictures/BBC)
Der Doktor im Anklagestand wird heftig vom Ankläger Valeyard zugesetzt (Colin Baker und Michael Jayston, Foto: Pandastorm Pictures/BBC)

Beweise werden durch die „Matrix der Zeit“ geliefert: Einem Konstrukt der Zeitwanderer, das vermeintlich manipulationssicher Ausschnitte aus zurückliegenden Abenteuern des Doktors und seinen Begleiterinnen Peri (Nicola Bryant) und Mel (Bonnie Langford) auf einem großen Bildschirm im Gerichtssaal zeigen kann*.

* Eine sehr andere Präsentationsform der Serials der 23. Staffel von 1986, die so nicht nur eine verbindende Rahmenhandlung für drei Serials á vier halbstündigen Episoden aufweist, sondern welche einzelne Plotbestandteile der Serials in ein spannendes Finale mit zwei halbstündigen Episoden zusammenführt. Allerdings haben im Deutschen sämtliche 14 Episoden denselben Titel („Das Urteil“) erhalten, während im Original es noch Untertitel gab, ein Makel, den offenbar Pandastorm mit der Veröffentlichung abgestellt hat – im Booklet gibt es endlich auch deutsche Titel, die ich hier übernehme.

Staffel 23, Serial 1: „Das Urteil – Der rätselhafte Planet“ („Trial of a Timelord – The Mysterious Planet“, 4×25 Minuten)

Peri und der Doktor landen auf dem primitiven Planeten Ravolox, dessen Bewohner einige überraschende Verbindungen zu der Erde aufweisen, was schließlich dem Schluss naheliegt, dass die Erde selbst Ravolox, nur an anderer Stelle im Weltall, sein muss.

Der Doktor auf dem mysteriösen Planeten (Foto: Pandastorm Pictures/BBC)
Der Doktor auf dem mysteriösen Planeten (Foto: Pandastorm Pictures/BBC)

Ein Roboter scheint darauf die Antwort zu haben. Dieser bewacht die Geheimnisse der alten Zeit, aber als der Schurke Sabalom Glitz (Tony Selby, der diese Rolle später noch weiterspielen soll) selbst versucht, an diese zu gelangen, wird die Stromzufuhr des Roboters instabil und der Doktor muss ihn deaktivieren, wodurch die Geheimnisse letztlich verloren gehen. Es bleibt unklar, wieso die Erde im Weltall eine neue Position eingenommen hat.

Staffel 23, Serial 2: „Das Urteil – Mindwarp“ („Trial of a Timelord – Mindwarp“, 4×25 Minuten)

Die Mentoren sind eine wunderschön verschrumpelte Spezies (Foto: Pandastorm Pictures/BBC)
Die Mentoren sind eine wunderschön verschrumpelte Spezies (Foto: Pandastorm Pictures/BBC)

Bei einem erst kürzlich zurückliegenden Abenteuer, an dass sich der Doktor selbst offenbar nicht mehr richtig erinnern kann, landen der Doktor und Peri auf dem Planeten Thoros Beta. Auf der Spur von Waffenhändlern treffen Sie auf ein hochentwickeltes, aber dekandentes und sterbendes Volk namens Mentoren, welche die primitiven Bewohner mit Hochtechnologie versorgen.

Doch der Mentor-König Kiv liegt im Sterben, und die einzige Möglichkeit, ihn zu retten, ist, sein Gehirn zu verpflanzen. Der Doktor benimmt sich immer uncharakteristischer und selbstsüchtiger und gefährdet zunehmend seine Begleiterin. Letztlich stirbt Peri, als eben ihr das Hirn von König Kiv eingesetzt wird.

Staffel 23, Serial 3: „Das Urteil – Vorvoid Terror“ („Trial of a Timelord – Terror of the Vervoids“, 4×25 Minuten)

Der Doktor wählt zu seiner Verteidigung nun Ereignisse aus seiner Zukunft, die er selbst noch nicht kennt, in der Hoffnung, dass sie ihn besser darstellen. Doch auch bei diesen schleicht sich bald der Verdacht der Manipulation ein.

Die Inquisitorin des Gerichtes und der Doktor (Lynda Bellingham und Colin Baker, Foto: Pandastorm Pictures/BBC)
Die Inquisitorin des Gerichtes und der Doktor (Lynda Bellingham und Colin Baker, Foto: Pandastorm Pictures/BBC)

Gemeinsam mit seiner neuen Begleiterin, Mel, folgen beide einen Notruf des interstellaren Schiffes Hyperion III. Dieses wurde von den Vervoiden sabotiert, einer Spezies pflanzenartiger Humanoide, welche hier als Sklaven gehalten werden und nun gegen ihre Schöpfer aufbegehrten und diese auslöschen wollen. Dem Doktor gelingt es, sie aufzuhalten, indem er ihre Photosynthese soweit beschleunigt, dass sie alle aufgrund Altersschwäche sterben.

Der Ankläger sieht damit nun auch noch den Tatbestand von Genozid als erfüllt an.

Staffel 23, Serial 4: „Das Urteil – Der schlimmste Feind“ („Trial of a Timelord – The Ultimate Foe“, 2×25 Minuten)

Der Doktor und seine neue Begleiterin Mel (Colin Baker und Bonnie Langford, Foto: Pandastorm Pictures/BBC)
Der Doktor und seine neue Begleiterin Mel (Colin Baker und Bonnie Langford, Foto: Pandastorm Pictures/BBC)

Um die Behauptung des Doktors zu widerlegen, dass die Matrix der Zeit manipuliert wurde, wird der Hüter der Matrix vor das Gericht bestellt. Dieser bestreitet die Möglichkeit, immerhin habe er als Einziger den Schlüssel Rassilions, aber kurze Zeit später erscheint ein alter Feind des Doktors, der Meister, auf dem Bildschirm der Matrix und beweist damit, dass diese in der Tat manipuliert werden kann.

Es stellt sich heraus, dass die Geheimnisse, nach denen Sabalom Glitz suchte, tatsächlich die Datenbank der Matrix waren und von dem Hohen Rat der Zeitwanderer gestohlen worden sind. Sie waren es, welche die Erde zur Verwischung der Spuren in der Position im All verschoben haben. Und der Ankläger selbst stellt sich als Amalgam der bösen Persönlichkeiten des Doktors heraus, der vom dem Hohen Rat als Kompensation für seinen Verrat die verbliebenen Regenerationen des Doktors erhalten sollte.

Aber der Doktor hat abermals die Rechnung ohne den Master gemacht …

Das Valeyard-Paradoxon

Natürlich ist die große Frage, wie sich der Charakter des Valeyard (oder „Ankläger“, wie er nur im Deutschen genannt wird) sinnvoll in den aktuellen Kanon einfügen lässt. Immerhin haben wir mittlerweile den ~zwölften Doktor mit Peter Capaldi vor uns und entsprechend sollten wir nun auch böse Reinkarnationen des Doktors sehen, oder? Andererseits: Natürlich ist das hier eine Zeitreisegeschichte, bei denen das Universum mittlerweile auch mal neu gestartet wurde, Parallelwelten besucht wurden, und so weiter … ob man sich also wirklich darüber Gedanken machen sollte?

Der Ankläger/Valeyard (Michael Jayston, Foto: Pandastorm Pictures/BBC)
Der Ankläger/Valeyard (Michael Jayston, Foto: Pandastorm Pictures/BBC)

Aber selbst wenn man es macht: Die Behauptung, dass der Valeyard zwischen der zwölften und letzten Reinkarnation angesiedelt wäre, wird lediglich vom Master („Meister“) getroffen, welcher nicht unbedingt dafür bekannt ist, immer die genaue Wahrheit zu sagen. Auch macht der vermeintliche Plan des Valeyards nicht unbedingt soviel Sinn: Wenn er wirklich die verbliebenen Regenerationen des Doktors haben will, würde er damit nicht auch sich selbst und seine Existenz in ein Großvater-Paradoxon stürzen?

Bleibt letztlich die andere Aussage des Masters: Der Valeyard sei ein „Amalgam“ der Bösen Persönlichkeiten des Doktors. Vielleicht hat sich dieses Amalgam ja nur das Aussehen einer zukünftigen Regeneration geliehen? Das würde auch narrativ mehr Sinn machen (wenn auch das Großvater-Paradoxon nicht aufgelöst werden würde).

Unterstützung bekommt die Theorie allerdings durch den aktuellen Showrunner Moffat selbst. Dieser lässt die „Great Intelligence“ auf Trenzalore in der Episode „Der Name des Doktors“ behaupten, dass der Valeyard einer der zukünftigen Pseudonyme des Doktors sein wird.

Tatsächlich war für den Valeyard mehr Hintergrund geplant gewesen: Der Drehbuchautor Eric Saward hatte ursprünglich geplant, dass er sogar die finale Reinkarnation des Doktors sei, die keine Regenerationen mehr hatte und nun verzweifelt nach einem Weg suchte, weitere zu bekommen – eine Motivation, die auch den Master eins angetrieben hatte. Aber hiergegen sprach sich der damalige Produzent John-Nathan Turner entschieden aus, aus Angst, die Serie könnte sonst ein klares Ende bekommen und so die Gefahr laufen, irgendwann abgesetzt zu werden.

Letztlich ist damit noch immer nicht aufgelöst, ob wir den Valeyard nicht doch ein weiteres mal zu Gesicht bekommen werden in der Serie …

Ein klassisches Ende

Mit „Das Urteil“ geht auch Colin Bakers Zeit als sechster Doktor zu Ende. Ihm wurde zwar angeboten, ein letztes Serial zu haben, aber er lehnte ab, weswegen auch seine Regeneration nicht durch Ihn gedreht wurde. Ihm folgte Sylvester McCoy (s. „Der siebte Doktor Vol. 1“).

Artwork der DVD-Box (Foto: Pandastorm Pictures)
Artwork der DVD-Box (Foto: Pandastorm Pictures)

Die Idee, eine komplette Staffel mit einer Story zu füllen, war damals neu im Whoniversum und ist auch (abgesehen von der dritten und vierten Staffel von Torchwood und diversen Metaplotebenen bei New Who) bisher nicht wieder so umgesetzt worden. Es fällt daher auch schwer, die Serials einzeln zu bewerten, denn auch obwohl einzelne Bestandteile etwas zu lang ausgewalzt werden ist es doch die gesamte Story, welche insgesamt (trotz aller Who-typischen Logikfehler) einen soliden und interessant konstruierten Handlungsbogen zeigt. Vor allen kann Colin Baker hier endlich beweisen, dass sein oft (auch von mir) kritisierte Ansatz des moralisch ambivalenten Doktors doch sehr interessant ist und er dem Charakter des Doktors, trotz des bunten Clownkostüms, einige eigene Facetten abgewinnen kann. Wenn Capaldi also in der aktuellen Staffel fragt: „Bin ich ein guter Mensch?“ bringt gerade Bakers Interpretation hier ordentlich Gravitas für diese Frage mit.

Mit „Der sechste Doktor, Volume 3“ sind aber auch die deutschen Veröffentlichungen der klassischen Doctor Who-Episoden leider an ein Ende angekommen. Weitere Episoden sind schlichtweg bisher nicht synchronisiert worden und es ist äußerst unwahrscheinlich, dass sie dies noch werden. Pandastorm Pictures ist aber auch zum Abschluss hier wieder eine tolle und liebevolle Veröffentlichung gelungen, auf fünf DVD-Scheiben bietet es abermals alle Specials der UK-Veröffentlichungen und geben abermals großartige Einblicke in die Produktionsbedingungen der damaligen Zeit und warum Doctor Who zwischen der Ära Davidson und Baker über ein Jahr pausierte. Abermals gibt es auch ein sehr informatives Booklet, mit Einleitungen von Colin Baker und Nicola Bryant und sogar einem Interview mit dem Synchronssprecher der damaligen Doktoren, Michael Schwarzmaier.

★★★★

„Doctor Who: Sechster Doctor Volume 3“ erschien am 29.07.2016 bei Pandastorm Pictures auf DVD. Offenlegung: Ich habe die DVD-Box freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Gelungene Fortsetzung eines Krimi-Überraschungshits – „Broadchurch“ Staffel 2

Der Mörder von Danny ist gefasst, aber das Dorf Broadchurch ist noch lange nicht zu Ruhe gekommen. Zu verstörend waren die Ereignisse für die Gemeinschaft, in der man sich doch so gut zu kennen glaubte. Und dann passiert noch etwas weiteres Unerhörtes: Im Gerichtsverfahren gegen Dannys Mörder behauptet dieser trotz aller Beweise unschuldig zu sein. Was nicht nur dessen nichts-ahnende Ehefrau um so mehr aus der Bahn wirft. Und doch übernimmt die in Broadchurch ansässige Jocelyn Knight (Charlotte Rampling, „Dexter“) die Verteidigung.

Detective Ellie Miller und Chief Inspector Alec Hardy fürchten, dass ihre Beweise vor Gericht nicht ausreichen (Olivia Coleman und David Tennant, Foto: Studiocanal)
Detective Ellie Miller und Chief Inspector Alec Hardy fürchten, dass ihre Beweise vor Gericht nicht ausreichen (Olivia Coleman und David Tennant, Foto: Studiocanal)

Gleichzeitig wird der Sandbrook-Fall wieder eröffnet. Bei diesem war der vermeintliche Mörder aufgrund eines Ermittlungsfehlers von DI Hardy (David Tennant, „Doctor Who“) einst freigesprochen worden. Seitdem hält Hardy eine der Hauptzeuginnen des Falls, Claire Ripley (Eve Myles, „Torchwood“) vor dem vermeintlichen Täter (James D’Arcy) auf eigene Kosten versteckt. Doch der ist nun wieder aufgetaucht und will eine entgültige Klärung erzwingen.

Die erste Staffel von Broadchurch überzeugte mit einem extrem dichten Plot und einer unglaublich grandiosen Atmosphäre, an der auch der fantastisch melancholische Score von Ólafur Arnalds maßgeblich beigetragen hatte. Es war ein absoluter Überraschungshit in den UK und ist immer noch extrem sehenswert. Die zweite Staffel setzt, auch wenn sie erst fast zwei Jahre später ausgestrahlt wurde, direkt an die erste an und setzt den Plot unmittelbar fort. Eine mutige, wenn auch eher ungewöhnliche Entscheidung, setzten doch ansonsten Krimis in der Regel auf einen neuen Fall des Ermittlerteams. Damit diese auch etwas zu tun bekommen, wird auf den bereits in der ersten Staffel mehrfach angedeuteten Sandbrook-Fall angeknüpft und dieser in all seinen Implikationen aufgedeckt.

Auch die eigentlich zurückgezogen lebende Jocelyn Knight wird von den Ereignissen im Ort nicht kalt gelassen (Charlotte Rampling, Foto: Studiocanal)
Auch die eigentlich zurückgezogen lebende Jocelyn Knight wird von den Ereignissen im Ort nicht kalt gelassen (Charlotte Rampling, Foto: Studiocanal)

Dabei gelingt dem Team auch, die Atmosphäre der ersten Staffel fortzusetzen, wenn auch die Spannung etwas geringer ist. Aber das psychotische Spiel zwischen James D’Arcy, Eve Myles und David Tennant, aber auch der Gerichtskonflikt zwischen der fantastischen Charlotte Rampling auf der einen, und Marianne Jean-Baptiste auf der anderen Seite, sowie Olivia Coleman mittendrin tragen dazu bei, die Zuschauer weiter zu unterhalten. Bleibt nur die Frage, was Serienmacher Chris Chibnall für eine dritte Staffel in der Hinterhand hat, deren Existenz abermals der Sender ITV bis zum Ende der zweiten Staffel geheim hielt und die derzeit gedreht wird.

Broadchurch2_BluRay_ORing_D-1„Broadchurch“ Staffel 2

Showrunner: Chris Chibnall

Darsteller: Olivia Coleman, David Tennant, Charlotte Rampling, Marianne Jean-Baptiste, Andrew Buchan, Eve Myles, James D’Arcy

Score: Alles von Ólafur Arnalds ist fantastisch, und auch hier trägt er maßgeblich zur Stimmung der Serie bei.

Extras: Making-of, Featurette: Die Latimers, Interviews mit vielen Darstellern, Showrunner und Produzenten, Geschnittene und erweiterte Szenen

★★★★

„Broadchurch – Die komplette 2. Staffel“ erschien am 28.04.2016 bei Studiocanal auf DVD und Blu-ray.