Wiederbelebungsversuche eines Timelords – DVD-Kritik: „Doctor Who: Der Film“

Ein letzter Wunsch des Masters war es, dass seine sterblichen berreste nach Gallifrey gebracht werden, was ausgerechnet sein Erzfeind, der Doktor (Sylvester McCoy), erledigen soll. Doch bei dem Transport mit der TARDIS geht etwas schief, sie muss kurz vor der Jahrtausendwende in San Francisco notlanden, wobei auch die Urne zerbricht und die Entitt des Masters fliehen kann. Whrend der Doktor (nun Paul McGann) regenerieren muss und dabei eine Amnesie erleidet, gelingt es auch dem Master einen neuen Krper zu erringen und der alte Konflikt zwischen beiden keimt neu auf

Der achte Doktor darf antreten

Als 1989 die dritte Staffel mit dem siebten Doktor zu Ende ging, war es der Willen der BBC, auch damit die langlebige Serie nach 26 Jahren zu beenden. Sieben Jahre spter startete aber bereits ein Versuch, die Serie wiederzubeleben, diesmal allerdings vom US-Fernsehsender FOX, der die Serie fr ein US-Publikum umstricken wollte und erstmal einen Backdoor-Pilot produzieren lie. Daher lief diese Episode tatschlich auch zuerst in Nordamerika, bevor sie zwei Wochen spter auf der BBC ausgestrahlt wurde.

Dieser Film ist offiziell in dem Canon von Doctor Who aufgenommen worden, Paul McGann bekam als einziger Doktor also nur einen einzigen Fernsehauftritt, bis er zum 50. Jubilum 2013 in einer Miniepisode erneut auftreten durfte um die Lcke zu seinem Nachfolger schlieen zu knnen.

Cheesige 90er-Jahre

Paul McGann als achter Doktor in Doctor Who: Der FIlm (Foto: Pandastorm/BBC Worldwide)

Der Film selbst ist typisch 90er-Jahre und deutlich auf hnlichem Niveau produziert wie andere Genre-Serien der Zeit. Das fllt sowohl positiv auf der Vorspann beispielsweise ist deutlich bei Star Trek TNG angelehnt, hat eine wirklich schmissige Version der Vorspannmusik und fr die Zeit ziemlich gute Effekte zu bieten aber auch negativ: Der Kugelhagel, der am Anfang der Folge von einer Straengang ausgeht ist nur fr die Dramatik da, genauso wie die OP im Ballkleid die Serie nimmt sich da selbst nicht ernst und wird extrem cheesy. Auch die Studio-Sets sind typisch amerikanisch, besonders das Tardis-Set ist extrem verspielt aber immerhin liebevoll umgesetzt.

Doch viel problematischer ist dieser Wust von Story, der in dem Film serviert wird. Der Master kann pltzlich auch nach seinem Tod als parasitres Lebewesen pltzlich andere bernehmen und macht mit dem Auge der Harmonie einigen Schindluder und schlielich muss der Doktor handgreiflich werden um den Master zu besiegen. Das passt alles hinten und vorne nicht wirklich mit dem Rest der Serie zusammen.

Der flamboyante Master (Eric Roberts, (Foto: Pandastorm Pictures/BBC Worldwide)

Ein Erfolg war diesem Wiederbelebungsversuch (der passenderweise in der Serie durch die Nutzung eines Frankenstein-Filmausschnitts angespielt wird) aber nicht zuteil. In den USA wollten sogar weniger Zuschauer (5,6 Mio.) den Film schauten als in Grobritannien (9 Mio.). Auch wenn es eigentlich ein Erfolg fr die BBC war, zog sich FOX aus dem Projekt zurck, und die BBC wollte nicht weitermachen. Erst neun Jahre spter kam sie dann wieder mit groem Erfolg zurck ins Fernsehen

Liebevolle Edition

In Deutschland lief dieser Film bisher nicht, Pandastorm Pictures hat ihn aber abermals, wie all die Verffentlichungen zu Doctor Who bisher, wundervoll liebevoll umgesetzt und sogar erstmals synchronisieren lassen. Neben der neuen deutschen und natrlich der Original-Tonspur, findet man in der aber auch zwei Kommentarspuren und sogar eine Spur, auf der nur der Score isoliert ist, vier Stcke aus dem Score auch noch einmal zum separaten Anhren, und daneben noch umfangreiches Bonusmaterial, darunter sogar Die Nacht des Doktors, den oben genannten Kurzfilm in dem Paul McGann abermals in die Rolle des Doktors schlpfen durfte. Abermals eine wirklich klasse Leistung, bei der deutsche Fans gegenberder UK-Verffentlichung nichts missen mssen.

Doctor Who: Der Film (Doctor Who: The Movie, US 1996)

Regie: Geoffrey Sax

Drehbuch:Matthew Jacobs

Darsteller:Paul McGann, Eric Roberts, Daphne Ashbrook, Sylvester McCoy

Extras: Umfangreiches Booklet mit Hintergrundinfos, Kommentarspuren, isolierte Musikspur, mehrere Featurettes und Behind-the-Scenes, Kurzfilm: Die Nacht des Doktors

★★★☆☆

(Die Ausstattung hat wieder fnf Sterne verdient!)

Doctor Who: Der Film erscheint am 31.03.2017 bei Pandastormauf DVD und Blu-ray. Offenlegung: Ich habe die DVDfreundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

 

Atemberaubende Natur: „Planet Erde II“ (Blu-ray-Kritik)

Vor zehn Jahren schuf die BBC mit Planet Erde eine der beeindruckendsten Dokumentarserien berhaupt. Nun kehrt das Team zurck und schafft mit Planet Erde II ein nicht minder imposantes Epos in sechs Teilen, welches auf allen Ebenen einfach nur als Superlativ gelten muss: Die Inszenierung der brillanten Aufnahmen, von denen man nahezu jeden Screenshot als Bildschirmhintergrund nutzen mchte, die einfache, aber immer spannende und nachvollziehbare Dramaturgie der Erzhlung mit dervom ersten Wort in seinen Bann ziehenden Stimme von Sir David Attenborough und letztlich auch durch den Score, den niemand geringeres als Hollywood-Genie Hans Zimmer komponieren durfte all das trgt zu einem audiovisuellen Erlebnis sondergleichen bei, das man nur uneingeschrnkt empfehlen muss.

Die neue Serie ist abermals als internationale Koproduktion entstanden, im Gegensatz zur ersten Serie, deren beiden Staffeln vonWDR und BR begleitet wurden, ist es diesmal in Deutschland das ZDF, dass sie untersttzte. Die Serie wurde auch tatschlich bereits im deutschen Fernsehen versendet: Im Rahmen von der Reihe Terra X unter dem Titel Eine Erde viele Welten am Sonntagvorabend im Januar und Februar 2017.

Faultiere sind berraschend gute Schwimmer (Copyright BBC 2016 & polyband)
Faultiere sind berraschend gute Schwimmer (Copyright BBC 2016 & polyband)

Dort liefen aber lediglich die etwas gekrzten 45-mintigen Fassungen der Episoden, welche im Original auf der BBC meist etwas lnger waren und jeweils mit einem gut 10-mintigem Making-of (Planet Earth II Diaries) ergnzt wurden. Diese sind nun auf den Blu-rays natrlich komplett vorhanden, wobei die Diaries nur im OmU vorliegen.

Mitten in einem Superschwarm von Grashpfern: Kameramann Rob Drewett (Copyright Ed Charles 2016 & polyband)
Mitten in einem Superschwarm von Grashpfern: Kameramann Rob Drewett (Copyright Ed Charles 2016 & polyband)

Neben dem Senderwechsel gab es auch einen Wechsel in der Stimme des Sprechers. Dies ist nunChristian Schult, der derzeitigen Synchronstimme von Robert Redford, der die aus der ersten Staffel bekannten Stimme von Tom Selleck, Norbert Langer, ersetzt. Eine durchaus gute Wahl, passt die etwas kratzigere Stimme doch mehr zu der Originalstimme von David Attenborough wenngleich dies hier eher ein unwichtiges Detail darstellt, denn das Wichtige, den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen, gelingt allen Sprechern gleichermaen gut.

Mark MacEwen filmt die Makaken in Jaipur, die vllig an Menschen gewhnt sind. (Photography by Fredi Devas Copyright BBC NHU 2016 & polyband)
Mark MacEwen filmt die Makaken in Jaipur, die vllig an Menschen gewhnt sind. (Photography by Fredi Devas Copyright BBC NHU 2016 & polyband)

Die sechs Episoden sind thematisch gebndelt: In Inseln, Berge, Dschungel, Wsten, Grasland und Stdte wobei die Grenzen naturgem etwas flieender sind. Damit nehmen sie die Abgrenzungen aus der ersten Serie wieder zu einem groen Teil auf. Zu jeder Episode gibt es das bereits genannte Making-of Diaries, sowie im 20-seitigem Begleit-Booklet einige Fakten zu der jeweiligen Umgebung sowie den gezeigten Schaupltzen.

Planet Erde II: Eine Erde viele Welten(Planet Earth II, GB 2016)

Score:Von Hans Zimmer. Muss man wirklich noch mehr sagen

★★★★★

Planet Erde II erscheint am 06.02.2017 bei Polybandauf DVD und Blu-ray.Offenlegung:Ich habe die Blu-ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Beitragsbild oben: Ein Bienenfresser begleitet einen Elefantenbullen in der Hoffnung, aufgewirbelte Insekten zu erhaschen (Photograph by Chadden Hunter Copyright BBC NHU 2106 & polyband)

Teuer remastered – „Captain Future“ auf Blu-ray

Captain Future ist der Held der Galaxis, der an Bord des Raum- und Forschungsschiffs Comet mit seinen illustren Gefhrten, darunter der Androiden Otto, der Roboter Grag und das lebende Gehirn Professor Simon Wright, sowie bisweilen auch die hbsche Planetare-Polizistin Joan Landor, unterwegs ist. Dabei dringt seine Mannschaft nicht nur zu fernen Planeten vor, sondern reist bisweilen sogar in der Zeit, um Mysterien aufzudecken und verbrecherischen Schurken das Handwerk zu legen.

Im Kinderfernsehen einst gescheitert

Die Animeserie Captain Future, welche auf der Groschenroman-Reihe Captain Zukunft aus den Vierziger Jahren basiert, wurde 197879 im japanischen Fernsehen uraufgefhrt und kam dann 1980 in das Kinderprogramm des ZDF. Sie wurde aufgrund von Elternprotesten jedoch recht bald abgesetzt hatte aber bereits viele Kinder mageblich beeindruckt.* Dabei unterscheidet sich die deutsche berarbeitung der Serie stark von dem ursprnglichen Anime, allein schon durch den Disco-Synthesizer-Score, welcher von Christian Bruhn fr die deutsche Version komplett neu erschaffen wurde und die japanische Jazz-Musik ersetzt, auch wurden die Folgen teilweise sehr stark geschnitten und auch durcheinander ausgestrahlt. Dennoch, oder auch vielleicht wegen all dieser nderungen hat die Serie hierzulande bis heute einen groen Kultstatus.

* Mich selbst hat sie bei der Urauffhrung nicht beeindruckt, war ich doch damals doch noch als vierjhriger in der wohlbehteten medialen Aufsicht meiner Eltern gewesen. Erst ein paar Jahre spter habe ich eine einzelne Folge im ZDF Ferienprogramm gesehen, die, wenn ich mich richtig erinnere, damals als Wunschfilm lief und vllig aus dem Kontext gerissen einzeln gezeigt wurde. Und sie machte ironischerweise das damit wahr, was die Elternproteste gefrchtet hatten: Sie hat mich enorm irritiert. Aber nicht wegen bermiger Gewalt, sondern weil sie mit einem Cliffhanger endete, der eben nicht eine Woche spter aufgelst werden sollte.Erst viele Jahre spter habe ich sie dann gesehen, doch da hatte schon Captain Picard den Platz als Weltraumheld in meinem Herzen besetzt.

Neues nur bei Amazon

Nun bringt Universum die Serie neu heraus und das mit einer digital berarbeiteten Fassung, erstmals sogar auf Blu-ray. Dabei erscheinen nun auch endlich auch die ungeschnittenen japanischen Originalfassungen mit Untertiteln. Allerdings sind diese einer limitierten Komplettbox vorbehalten, die es nur ber Amazon zu kaufen gibt und welche derzeit fr den sagenhaften Preis von knapp 200 angeboten wird. Die normale Komplettbox kostet immer noch die Hlfte, alternativ kann man fr 26 aber auch eine einzelne Blu-ray bekommen, welche die Episoden 112 erhlt (auf Volume 1, weitere Volumes sind bereits angekndigt).

In der Standardbox wie auch in den Volumes gibt es lediglich die deutsche Synchronfassung, die ein fr das Alter des Materials durchaus klares Bild zeigt und deren Vor- und Nachspann neu bearbeitet wurde. Dabei hat man aber auch hier den Sparstift angesetzt, und den Nachspann nur ein einziges Mal angepasst und an jede Folge geschnitten. Wer fr die jeweilige Regie verantwortlich war, muss man daher nun mit der Episodennummer abgleichen aber sicher, das ist Jammern auf hohem Niveau. Immerhin gibt es zustzlich noch jeweils einen japanischen Vor- oder Abspann zu sehen (welcher es sein soll, erschloss sich mir nicht genau, er luft jedenfalls nach der Episode jedenfalls) mit der fr deutsche Fans etwas irritierenden Jazz-Musik.

Die Serie selbst ist natrlich allein durch den Nostalgiefaktor eigentlich gegenber jeder Kritik erhaben, dennoch muss man sich aber auch eingestehen, dass die Geschichten heutigem narrativen Standards nicht mehr gerecht werden knnen. Es sind simple Geschichten, bisweilen arg trashig und einfach auch alt. Dennoch, oder vielleicht auch deshalb sind sie immer noch sehenswert und allein wegen des kongenialen Bruhnschen Scores immer noch hrenswert. Dass aber die Preispolitik auch irgendwo aus dem Heimkino-Markt der 80er Jahre zu stammen scheint, trbt mein Bild doch etwas.

Cover der Captain Future Vol. 1 Blu-ray
Cover der Captain Future Vol. 1 Blu-ray

Captain Future (J 197879)

Vol. 1 enthlt Folgen 112 auf zwei DVD oder einer Blu-ray. Die Komplettbox enthlt die Folgen 140 auf acht DVD oder 4 Blu-ray und enthlt als Special dieSonderepisode Sternenstraezum Ruhm OmU. Und die Limited Collectors Edition (nur als Blu-ray) zustzlich noch alle ungeschnittenen 52 japanischen Folgen auf ingesamt 9 Blu-ray.

Produziert von: Toei Animation Co., Ltd.

★★★★

Die restaurierten Captain Future-Editionen erscheinenam 9. Dezember 2016 auf Blu-ray und DVD. Offenlegung: Ich habe Vol. 1 als Screener erhalten.

Unter Mordverdacht – Blu-ray-Kritik: „Happy Valley 2“

Catherine (Sarah Lancashire) ist wieder zurck in der tristen Polizeiarbeit und wird einmal wieder mit der brutalen Realitt konfrontiert: Gelangweilte arbeitslose Jugendliche stehlen ein Schaf und hetzen ihre Hunde auf dieses weswegen sie erstmals Sterbehilfe bei dem Tier leisten muss. Wenig spter entdeckt sie einen grsslichen Geruch aus einer Garage und eine menschliche Leiche. Ausgerechnet die Leiche einer Frau, mit der sie selbst aneinander geraten war: die Mutter von Tommy Royce (James Norton), dem brutalen Vergewaltiger ihrer Tochter, den sie nur mit groen Opfern vor mittlerweile anderthalb Jahren berfhren und ins Gefngnis stecken konnte. Trotz oder gerade wegen dieser Ereignisse gert sie selbst unter Verdacht denn der Mord an Mrs. Royce ist nur einer einer ganzen Serie

Catherine (Sarah Lancashire) ist an einem dunklen Ort angekommen (Foto: Polyband/BBC)
Catherine (Sarah Lancashire) ist an einem dunklen Ort angekommen (Foto: Polyband/BBC)

Nahtlos fortgesetzt

Nach der sowohl beim Publikum als auch bei Kritikern uerst erfolgreichen ersten Staffel (Rezension) war eine zweite Staffel hnlich wie bei Broadchurch schnell beschlossene Sache auch wenn die eigentliche Story doch beendet erschien. Doch der ShowrunnerinSally Wainwright gelingt es tatschlich, die Geschichte organisch weiterzuerzhlen, ohne dabei wie bei Broadchurch auf einen Fokuswechsel zurckgreifen zu mssen.

18 Monate sind vergangen, Royce sitzt hinter Gittern, doch sein Einfluss auf Catherines Familie und vor allen auf deren Enkelsohn Ryan (Rhys Conna) sind nach wie vor deutlich sprbar. Die Stimmung der ersten Staffel wird dabei nahtlos weiter fortgesetzt und abermals steht dieTristesse der britischen Kleinstdte, und was dies mit ihrer Bewohner macht, in den Vordergrund. So gelingt es tatschlich, das Niveau der ersten Staffel problemlos zu halten.

Tommy Lee Royce (James Norton) kann auch vom Gefngnis aus seine Rache voranbringen. (Foto: Polyband/BBC)
Tommy Lee Royce (James Norton) kann auch vom Gefngnis aus seine Rache voranbringen. (Foto: Polyband/BBC)

Dritte Staffel Happy Valley verzgert sich

Eine dritte Staffel ist bereits in Aussicht gestellt, wobei Wainwright einrumen musste, dass wir uns abermals einige Zeit gedulden mssen, da sie derzeit noch keine Zeit fand, sie zu schreiben und auch gerne Ryan als Teenager zeigen mchte, der aber erstmal entsprechend altern muss. Derzeit wird daher frhestens Ende 2018 fr eine BBC-Ausstrahlung anvisiert.

happyvalley_2_bd_frontHappy Valley In einer kleinen Stadt: Die komplette Staffel 2 (Happy Valley Series 2, UK 2016)

Drehbuch: Sally Wainwright

Darsteller: Sarah Lancashire, James Norton, Siobhan Finneran

Extras: Features zu den Kostmen, Locations und Make-Up und Interviews mit Sally Wainwright, Ishia Bennison, James Norton, Karl Davies, Shirley Henderson sowie Siobhan Finneran & Con ONeill. Gegenber der ersten Staffel, der keinerlei Extras beilagen, eine enorme Steigerung.

★★★★★

Happy Valley Staffel 2 erscheint am 25.11.2016 bei Polyband auf DVD und Blu-Ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-Ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Ich sehe tote Menschen – Blu-ray-Kritik: „River“

Der brillante Detective Inspector John River (Stellan Skarsgrd, Verrter wie wir) arbeitet in der Londoner Polizei und hat eine besondere Begabung:Ersieht die toten Menschen in seiner Umgebung, deren Flle er aufklren will.

Besonders seine ehemalige Partnerin, Detective Sergeant Jackie Stevie Stevenson (Nicola Walker, Spooks), taucht immer wieder an seiner Seite auf und macht es River nicht nur schwer, seine Gefhle im Griff zu behalten, sondern auch seine Kondition unter Kontrolle zu behalten. Dabei will er gerade ihren Fall aufklren wre da nicht das Problem, dass er genau von diesem abgezogen wurde, da er ihm zu nahe ist und mittlerweile haben auch einige Kollegen von Rivers Talent Wind bekommen und sehen dies vor allen als psychische Strung an. Doch ist sie dies wirklich?Rivers neuer Partner, Ira King (Adeel Akhtar, The Four Lions), hat es jedenfalls auch nicht gerade leicht in dieser seltsamen Beziehung

Endlich wieder eine Hauptrolle fr Skarsgrd

Was ist es mit den Briten und kreativen Krimi-Ideen? Nach Luther, Broadchurch, London Spy oder Happy Valley zeigt die BBC abermals, wie man in dem Genre immer noch neue Ideen und Blickwinkel finden kann,und heuert dafr mal eben einer der profiliertesten Darsteller unserer Zeit an:Stellan Skarsgrd begleitet nun seit Jahren groe Hollywood-Blockbuster wie Arthaus-Filme in immer eindrucksvollen Nebenrollen (er spielte unter anderen in den Thor-Filmen, Avengers 2: Age of Ultron sowie den Pirates of the Caribbean-Fortsetzungen mit, war aber auch schon in Good Will Hunting zu sehen). Aber: Bisher taucht er nur selten in wirklich groen Hauptrollen auerhalb des Skandinavischen Films auf.

River (Stellan Skarsgrd) sinniert ber Leben und Tod (Foto: Polyband/BBC)
River (Stellan Skarsgrd) sinniert ber Leben und Tod (Foto: Polyband/BBC)

Hier darf Skarsgrd endlich mal im Rahmen einer TV-Hauptrolle dasganze Spektrum seiner Schauspielkunst zeigen und in die faszinierende Rolle eines schizophrenen Menschen schlpfen, der trotz seiner Krankheit hochfunktional bleibtund dabei dem Zuschauer im Unklaren lsst, ob dies wirklich nur eine Krankheit ist, oder doch etwas bernatrliches.

Dieser Balanceakt macht River zu einer faszinierenden, sechsteiligen Mini-Serie, deren Konzept zwar in der Theorie erst extrem bertrieben klingt, durch die gelungene Arbeit der Serienschpferin Abi Morgan (Shame, The Hour) aber geerdet bleibt und eine starke Faszination, gerade durch die Dialoge mit den Toten, ausbt.

Jackie Stevie Stevenson (Nicola Walker) untersttzt River (Stellan Skarsgrd) bei seinen Ermittlungen. (Foto: Polyband/BBC)
Jackie Stevie Stevenson (Nicola Walker) untersttzt River (Stellan Skarsgrd) bei seinen Ermittlungen. (Foto: Polyband/BBC)

River Staffel 2?

Polyband vermarket River hier als Staffel 1. Allerdings hat weder die BBC noch Netflix bisher bekanntgegeben, ob und wann es eine weitere Staffel geben wird, angekndigt war bisher lediglich die sechsteilige Mini-Serie. Das muss noch nichts heien, generell wre eine weitere Staffel von der Story her mglich. Aber prinzipiell ist die Geschichte abgeschlossen.

river_bd-vorabRiver – Staffel 1 (River, UK 2015)

Showrunnerin:Abi Morgan

Darsteller:Stellan Skarsgrd,Nicola Walker, Adeel Akhtar

Extras:The Making of River, Creating Manifests, Being River, Deleted Scenes

★★★★

River erscheint am 18.11.2016 bei Polyband auf DVD, Blu-ray und Digital. Offenlegung: Ich habe die Blu-Ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Upgrade auf Level 6 wird installiert … – Serienkritik: „Killjoys“ Staffel 2

D’avin wurde von Dutchs Killjoys-Mentor Khlyen auf den eigentlich unbewohnten Mond Arkyn entführt, um dort durch das Red-17-Programm verändert zu werden. Während sein Bruder Johnny und Dutch verzweifelt versuchen, dort zu landen um ihn herauszuholen, reagiert D’avin selbst sehr unerwartet auf den grünen Schleim und versucht zu fliehen. Dabei bekommt er unerwartete Hilfe …

Die Crew bekommt zeitweise Zuwachs: Pree (Thom Allison), Pawter (Sarah Power), John (Aaron Ashmore), Dutch (Hannah John-Kamen), D'Avin (Luke Macfarlane) und Alvis (Morgan Kelly) (Foto: Steve Wilkie/Syfy/Killjoys II Productions Limited/Pandastorm Pictures)
Die Crew bekommt zeitweise Zuwachs: Pree (Thom Allison), Pawter (Sarah Power), John (Aaron Ashmore), Dutch (Hannah John-Kamen), D’Avin (Luke Macfarlane) und Alvis (Morgan Kelly) (Foto: Steve Wilkie/Syfy/Killjoys II Productions Limited/Pandastorm Pictures)

Der Cliffhanger der ersten Staffel ist zügig abgearbeitet, setzt aber zugleich den Meta-Handlungsbogen in Gang: Was wollen die anderen Level-6-Veränderten? Was ist das Ziel von Red 17? Und was hat D’avins Begabung damit zu tun?

Auch danach bleibt die Serie im actionreichen Tempo und nimmt schrittweise immer mehr Abstand von der eigentlichen Prämisse der intergalaktischen Kopfgeldjägern: Aufträge sind zunehmend mehr privatem Ursprungs, es geht um Freunde und Familie – und vor allen um die drei Helden selbst. Dieser Fokuswandel tut der Serie ausgesprochen gut*, die zweite Staffel ist tatsächlich facettenreicher als die erste Staffel. Dutch und D’avin kreisen zwar weiterhin um einander wie Motten ums Licht, voneinander zwar angezogen aber immer in Angst, sich aneinander zu verbrennen – dürfen aber selbst jeweils eigene andere Eskapaden erleben. Und auch Johnny darf eine Beziehung zu Pawter, einer Tochter aus priviligiertem Hause, aufbauen.

* Im Gegensatz zu dem neuen Vorspann, dessen comichafte stilistische Adaption sich zwar prinzipiell etwas verbessert hat, aber dessen Titelmusik man aus unerfindlichen Gründen ausgewechselt hat.

Da kann es noch so schlechtes Wetter auf dem Mond geben – für Windschutzscheiben war kein Geld mehr (Foto: Steve Wilkie/Syfy/Killjoys II Productions Limited/Pandastorm Pictures)
Da kann es noch so schlechtes Wetter auf dem Mond geben – für Windschutzscheiben war kein Geld mehr (Foto: Steve Wilkie/Syfy/Killjoys II Productions Limited/Pandastorm Pictures)

„Killjoys“ bleibt gemeinsam mit „Dark Matter“ dennoch eine SF-Serie alter Schule. Viele der behandelten Tropes sind gut abgehangen (geheimes Supersoldaten-Programm, Telepathische Verbindungen, …) und aus dutzenden Star-Trek- und Stargate-Episoden gut bekannt. Dass sie dennoch so unterhaltsam umgesetzt werden spricht für „Killjoys“ und dem Autorenteam dahinter. Sicher, manchmal wünscht man sich etwas mehr Tiefgang, doch solange kann man weiterhin die einzelnen Folgen gut weggucken. Und auch das Trinkspiel aus der ersten Staffel funktioniert noch …

Eine 3. Staffel ist gesetzt und wird im Sommer 2017 in den USA laufen. Pandastorm hat diese bereits als Veröffentlichung angeteasert.

killjoys_s2_bd_artwork_2d_ohnefsk„Killjoys – Space Bounty Hunters: Staffel 2“ („Killjoys“, CDN/US 2016)

Extras: Leider wieder gar keine.

Rollenspiel-Inspirationsfaktor: Immer noch hoch, ein wildes Space-Opera-Setting mit viel Geballer und wenigen Konsequenzen bringt sicher Laune.

★★★★

„Killjoys: Staffel 2“ erscheint am 11.11.2016 bei Pandastorm Pictures auf Bluray und DVD. Offenlegung: Ich habe die Blu-ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Schwächen und Stärken eines Klassikers – „Akte X“ Staffel 10 (Serienkritik)

2002 schloss das FBI die X-Akten. Aber die unheimlichen Phänomene, die Dana Scully und Fox Mulder untersuchten, hörten nicht auf. 14 Jahre später werden sie, mittlerweile Ex-Agenten, von dem Fernseh-Moderator Tad O’Malley (Joel McHale aus „Community“) überredet, die X-Akten wieder zu öffnen. Angefangen mit einer jungen Frau, die behauptet von Außerirdischen entführt worden zu sein und Mulder sofort an seine vermisste Schwester erinnert, über einem Werwesen, dass eine Kleinstadt terrorisiert bis hin zu einem Terroristen im Koma, dessen Erinnerungen wichtig sein können – es geht wieder los.

Wiederbelebte Kult-Serie

Neun Staffeln von „Akte X“ liefen zwischen 1993 und 2002 und begründeten damals einen Mystery-Boom im Fernsehen. Doch schon in den letzten Staffeln spielten die beiden Protagonisten der Serie, Dana Scully und Fox Mulder, nur noch eine Nebenrolle. Es gab noch einen weiteren lauwarmen Spielfilm, bei dem 2008 die X-Akten nochmal geöffnet werden sollten, aber danach schien, abseits von einer zehnten Staffel in Comic-Form, die Serie entgültig beerdigt.

Das Revival-Poster (Quelle: 20th Century Fox/Maxdome)
Das Revival-Poster (Quelle: 20th Century Fox/Maxdome)

Doch Serienschaffer Chris Carter gab nicht auf und 8 Jahre später schlüpften Gillian Anderson und David Duchovny tatsächlich ein weiteres mal in ihre ikonischen Rollen. Und die neuen sechs Folgen knüpfen tatsächlich an die alten Stärken der Serie an – aber leider auch an deren Schwächen, denn vom HD-Breitbild und allgegenwärtigen Smartphones abgesehen, scheint sich wirklich nichts geändert zu haben. Die Episoden verstricken sich in Andeutungen, seltenen Auflösungen und einen erneuten Aufbau einer allumfassenden Verschwörung, die schon damals die alte Serie ausmachte. Diese hatte die Mischung aus Monster-der-Woche-Folgen und Großer-Mysterium-Handlungsbogen-Folgen lange weiter zugespitzt – allerdings merkten nach ein paar Staffeln die Fans zusehend, dass die Autoren offenbar selbst keine Ambition hatten, die Mysterien aufzulösen oder auch nur in sich stimmig zu machen.

Die neue Staffel zeigt die gleichen Tendenzen, und wieder einmal zeigt sich, dass tatsächlich die kreativen Einzelepisoden am meisten überzeugen können, allen voran die wirklich absurd-komische Horrorfolge „Mulder & Scully Meet the Were-Monster“ (10×03), in der X-Akten-Alumni Darin Morgan erstmals in der Serie nicht nur das Buch schreiben durfte, sondern auch die Regie führen durfte. Dies ist in der Tat Akte X wie zu seinen Hochzeiten. Doch gerade Serien-Schöpfer Chris Carters Episoden, die sich vorrangig mit der Mythologie auseinandersetzen, enttäuschen abermals, sie bauen alle Versatzstücke der alten Serie nochmal neu auf, werfen den Jenga-Turm dann bewusst um, um ihn doch wieder neu aufzubauen. Das hat damals schon genervt, und nervt heute noch. Auch die Idee, beiden in den letzten Folgen jeweils ein Mini-Me zuzuordnen, welche von Lauren Ambrose („Six Feet Under“) und Robbie Amell („Flash“) als Agents Einstein und Miller dargestellt werden, ist auf dem ersten Blick faszinierend – aber die beiden werden so deutlich als Kopien geschrieben, dass sie einfach kein eigenes Profil entwickeln können und einem bald klar wird, dass sie wohl nur für den Fall reingeschrieben wurden, um die Serie ggf. ohne ihre zugkräftigen Alumni-Stars hätte fortsetzen können.

Fortsetzung fraglich

Letztlich hätte man sich doch gewünscht, wenn die Serie nicht einfach nach 14 Jahren fortgesetzt, sondern ein ordentliches Reboot stattgefunden hätte, mit einem Showrunner, der nicht nur die alten Mysterien neu aufwärmt, sondern wirklich neues dieser Serie beiträgt – genügend Stoff ist in einer Welt Post-9-11 und Post-Snowden für Verschwörungstheorien doch sicher vorhanden, warum muss dann zum x-ten Mal Roswell herhalten?

Überraschenderweise konnte man sich nicht auf eine weitere Staffel einigen, auch die engen Terminkalender von Duchovny und Anderson sprechen dagegen – doch die Produzenten haben noch nicht aufgegeben, derzeit hoffen alle, auf die TV-Saison 2017/18 für eine weitere Staffel. Und vielleicht schafft es die deutsche Synchronisation, wieder Benjamin Völz für die Rolle von Duchovny zu besetzen – sein aktueller Sprecher Sven Gerhardt ist nämlich leider mindestens ungewohnt und es ist äußerst seltsam, dass man ausgerechnet an dieser Stelle sich die alte Kultkombi mit Franziska Pigulla gespart hat.

★★★☆☆

Die neue Staffel von „Akte X“ ist derzeit exklusiv im Streaming auf Maxdome abrufbar. Offenlegung: Ich habe freundlicherweise zur Rezension dieser Serie einen Zugang zum Angebot von Maxdome erhalten.

Firefly-Vibes? „Killjoys“ Staffel 1 (Blu-ray-Kritik)

Die Kopfgeldjägerin Dutch (Hannah John-Kamen, „Happy Valley“) ist mit ihrem Partner John (Aaron Ashmore, „Warehouse 13“) an Bord des kleinen Raumschiffs Lucy quer durch ihr Vier-Planeten-System unterwegs, um Schurken dingfest zu machen. Notfalls sogar zu töten.

Die Crew der Lucy (Aaron Ashmore, Hannah John-Kamen und Luke Macfarlane, Foto: Universal/Pandastorm Pictures)
Die Crew der Lucy (Aaron Ashmore, Hannah John-Kamen und Luke Macfarlane, Foto: Universal/Pandastorm Pictures)

Doch als plötzlich Johns Bruder, D’avin (Luke Macfarlane), als potenzielles Ziel genannt wird, wird ihre Beziehung unter ziemlichen Stress gesetzt, denn der Ex-Soldat D’avin ist nicht nur auf der Flucht, er kann sich noch nichtmal erinnern, wovor genau …

Space Operas sind zurück im TV

Mit der Umbenennung des SciFi-Channels in SyFy fokussierte sich der Kanal auch neu – zum Ärger vieler Fans – und legte plötzlich mehr Wert auf seichtere Serien als das bei Kritikern so lange hochgelobte „Battlestar Galactica“. Günstig produzierte Serien wie „Eureka“ oder „Warehouse 13“ wurden neue Aushängeschilder und entsprechend sank das Ansehen, gerade auch auf Kritikerseite. 2015 sollte sich das endlich wieder etwas ändern, indem sie nun auch drei Science-Fiction-Serien ins Programm aufnahmen, die wirklich auch im Weltraum spielten. Von diesen dreien war aber auch wirklich nur eine innovativ und anspruchsvoll.

Nicht Lucy (Foto: Universal/Pandastorm Pictures)
Nicht Lucy (Foto: Universal/Pandastorm Pictures)

„Killjoys“ ist nicht diese Serie *.

Dafür macht „Killjoys“ einfach einen Heidenspaß. Zwar braucht sie einige Episoden, um richtig in den Groove zu kommen, aber vermag es dann, eine unterhaltsame, actionreiche Story in einem dystopischen Zukunftsuniversum, in dem ein Klassenkampf tobt, zu schildern. Ohne zuviel Tiefgang. Sie bietet viel fürs Auge und grundsätzlich eine perfekte Grundlage für ein Trinkspiel: Trink etwas, wenn John und der Computer des Raumschiffs, Lucy, unterschwellig flirten. Trink etwas, wenn D’avin wieder einmal aus unsinnigsten Plotgründen seinen gestählten Oberkörper zeigt. Trink etwas, wenn irgendein Charakter Alkohol zu sich nimmt …

Trotz all dieser Leichtigkeit, baut die Serie aber unter der Oberfläche langsam einen Handlungsbogen auf, schafft aber dennoch immer noch sehr gut die Balance zwischen diesem und dem Plot-der-Woche.

* Innovativ und anspruchsvoll war stattdessen „The Expanse“, die wir in Deutschland aber leider immer noch nicht zu sehen bekamen.

Firefly?

In der Serie gibt es keine Aliens und der vorherrschende Schmutz und Dreck der Sets sowie der Klassenkampf bringt tatsächlich ein gewisses „Firefly“-Feeling mit sich: Es gibt eine/n Captain, der/die auch problemlos harte Entscheidungen trifft aber nur vordergründig kein Gewissen zu haben scheint; eine/n idealistischen Mechaniker, die/der das Schiff insgeheim liebt; sowie das militärische Experiment, die/der manche seltsame Fähigkeiten mit sich bringt, die sie/er selbst noch nicht ganz unter Kontrolle zu haben scheint und genügend Basis für eine Verschwörung/Mystery-Geschichte mit sich bringt.

Dutch ist ein Badass-Charakter, nicht nur im hautengen Leder-Raumanzug (Foto: Universal/Pandastorm Pictures)
Dutch ist ein Badass-Charakter, nicht nur im hautengen Leder-Raumanzug (Foto: Universal/Pandastorm Pictures)

Natürlich: Es ist nicht das Kleinod von Joss Whedons TV-Serie, das wir Fans mittlerweile bereits dermaßen verklärt und vergöttert haben, dass selbst ein Remake die allzu schnell abgesetzte Serie nie erreichen würde – dazu fehlt der Serie ein weit größeres Ensemble und eine weit visionärere Grundstory. Und in sofern sollte man sich nicht von der Kritiker-Aussage „Killjoys ist die Weltraumserie auf die wir seit Firefly gewartet haben – IO9 Magazine“ auf der Rückseite des Blu-ray-Covers allzusehr täuschen lassen.

Aber solange es eben nicht das Reboot von „Firefly“ gibt …

killjoys_s1_bd_artwork_2d„Killjoys – Space Bounty Hunters“ („Killjoys“, CDN/US 2015)

Extras: Leider gar keine.

Rollenspiel-Inspirationsfaktor: Space-Opera-Settings gibt es wie Sand am Meer – aber dies ist durchaus sympathisch und sicherlich gut geeignet für die eine oder andere Runde.

★★★☆☆

„Killjoys – Staffel 1“ erscheint am 23.09.2016 bei Pandastorm Pictures auf DVD und Blu-ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Ein böser Doktor?

Kritik: „Doctor Who – Der sechste Doktor Vol. 3“

Prozess für einen Zeitwanderer

Die anderen Zeitwanderer des Hohen Rates sitzen über den Doktor (Colin Baker) zu Gericht. Ihm wird vorgeworfen, gegen zahlreiche Gesetze Gallifreys verstoßen zu haben, darunter Einmischung in andere Welten und später sogar Genozid. Als Ankläger fungiert ein mysteriöser Zeitwanderer namens Ankläger („Valeyard“, Michael Jayston).

Der Doktor im Anklagestand wird heftig vom Ankläger Valeyard zugesetzt (Colin Baker und Michael Jayston, Foto: Pandastorm Pictures/BBC)
Der Doktor im Anklagestand wird heftig vom Ankläger Valeyard zugesetzt (Colin Baker und Michael Jayston, Foto: Pandastorm Pictures/BBC)

Beweise werden durch die „Matrix der Zeit“ geliefert: Einem Konstrukt der Zeitwanderer, das vermeintlich manipulationssicher Ausschnitte aus zurückliegenden Abenteuern des Doktors und seinen Begleiterinnen Peri (Nicola Bryant) und Mel (Bonnie Langford) auf einem großen Bildschirm im Gerichtssaal zeigen kann*.

* Eine sehr andere Präsentationsform der Serials der 23. Staffel von 1986, die so nicht nur eine verbindende Rahmenhandlung für drei Serials á vier halbstündigen Episoden aufweist, sondern welche einzelne Plotbestandteile der Serials in ein spannendes Finale mit zwei halbstündigen Episoden zusammenführt. Allerdings haben im Deutschen sämtliche 14 Episoden denselben Titel („Das Urteil“) erhalten, während im Original es noch Untertitel gab, ein Makel, den offenbar Pandastorm mit der Veröffentlichung abgestellt hat – im Booklet gibt es endlich auch deutsche Titel, die ich hier übernehme.

Staffel 23, Serial 1: „Das Urteil – Der rätselhafte Planet“ („Trial of a Timelord – The Mysterious Planet“, 4×25 Minuten)

Peri und der Doktor landen auf dem primitiven Planeten Ravolox, dessen Bewohner einige überraschende Verbindungen zu der Erde aufweisen, was schließlich dem Schluss naheliegt, dass die Erde selbst Ravolox, nur an anderer Stelle im Weltall, sein muss.

Der Doktor auf dem mysteriösen Planeten (Foto: Pandastorm Pictures/BBC)
Der Doktor auf dem mysteriösen Planeten (Foto: Pandastorm Pictures/BBC)

Ein Roboter scheint darauf die Antwort zu haben. Dieser bewacht die Geheimnisse der alten Zeit, aber als der Schurke Sabalom Glitz (Tony Selby, der diese Rolle später noch weiterspielen soll) selbst versucht, an diese zu gelangen, wird die Stromzufuhr des Roboters instabil und der Doktor muss ihn deaktivieren, wodurch die Geheimnisse letztlich verloren gehen. Es bleibt unklar, wieso die Erde im Weltall eine neue Position eingenommen hat.

Staffel 23, Serial 2: „Das Urteil – Mindwarp“ („Trial of a Timelord – Mindwarp“, 4×25 Minuten)

Die Mentoren sind eine wunderschön verschrumpelte Spezies (Foto: Pandastorm Pictures/BBC)
Die Mentoren sind eine wunderschön verschrumpelte Spezies (Foto: Pandastorm Pictures/BBC)

Bei einem erst kürzlich zurückliegenden Abenteuer, an dass sich der Doktor selbst offenbar nicht mehr richtig erinnern kann, landen der Doktor und Peri auf dem Planeten Thoros Beta. Auf der Spur von Waffenhändlern treffen Sie auf ein hochentwickeltes, aber dekandentes und sterbendes Volk namens Mentoren, welche die primitiven Bewohner mit Hochtechnologie versorgen.

Doch der Mentor-König Kiv liegt im Sterben, und die einzige Möglichkeit, ihn zu retten, ist, sein Gehirn zu verpflanzen. Der Doktor benimmt sich immer uncharakteristischer und selbstsüchtiger und gefährdet zunehmend seine Begleiterin. Letztlich stirbt Peri, als eben ihr das Hirn von König Kiv eingesetzt wird.

Staffel 23, Serial 3: „Das Urteil – Vorvoid Terror“ („Trial of a Timelord – Terror of the Vervoids“, 4×25 Minuten)

Der Doktor wählt zu seiner Verteidigung nun Ereignisse aus seiner Zukunft, die er selbst noch nicht kennt, in der Hoffnung, dass sie ihn besser darstellen. Doch auch bei diesen schleicht sich bald der Verdacht der Manipulation ein.

Die Inquisitorin des Gerichtes und der Doktor (Lynda Bellingham und Colin Baker, Foto: Pandastorm Pictures/BBC)
Die Inquisitorin des Gerichtes und der Doktor (Lynda Bellingham und Colin Baker, Foto: Pandastorm Pictures/BBC)

Gemeinsam mit seiner neuen Begleiterin, Mel, folgen beide einen Notruf des interstellaren Schiffes Hyperion III. Dieses wurde von den Vervoiden sabotiert, einer Spezies pflanzenartiger Humanoide, welche hier als Sklaven gehalten werden und nun gegen ihre Schöpfer aufbegehrten und diese auslöschen wollen. Dem Doktor gelingt es, sie aufzuhalten, indem er ihre Photosynthese soweit beschleunigt, dass sie alle aufgrund Altersschwäche sterben.

Der Ankläger sieht damit nun auch noch den Tatbestand von Genozid als erfüllt an.

Staffel 23, Serial 4: „Das Urteil – Der schlimmste Feind“ („Trial of a Timelord – The Ultimate Foe“, 2×25 Minuten)

Der Doktor und seine neue Begleiterin Mel (Colin Baker und Bonnie Langford, Foto: Pandastorm Pictures/BBC)
Der Doktor und seine neue Begleiterin Mel (Colin Baker und Bonnie Langford, Foto: Pandastorm Pictures/BBC)

Um die Behauptung des Doktors zu widerlegen, dass die Matrix der Zeit manipuliert wurde, wird der Hüter der Matrix vor das Gericht bestellt. Dieser bestreitet die Möglichkeit, immerhin habe er als Einziger den Schlüssel Rassilions, aber kurze Zeit später erscheint ein alter Feind des Doktors, der Meister, auf dem Bildschirm der Matrix und beweist damit, dass diese in der Tat manipuliert werden kann.

Es stellt sich heraus, dass die Geheimnisse, nach denen Sabalom Glitz suchte, tatsächlich die Datenbank der Matrix waren und von dem Hohen Rat der Zeitwanderer gestohlen worden sind. Sie waren es, welche die Erde zur Verwischung der Spuren in der Position im All verschoben haben. Und der Ankläger selbst stellt sich als Amalgam der bösen Persönlichkeiten des Doktors heraus, der vom dem Hohen Rat als Kompensation für seinen Verrat die verbliebenen Regenerationen des Doktors erhalten sollte.

Aber der Doktor hat abermals die Rechnung ohne den Master gemacht …

Das Valeyard-Paradoxon

Natürlich ist die große Frage, wie sich der Charakter des Valeyard (oder „Ankläger“, wie er nur im Deutschen genannt wird) sinnvoll in den aktuellen Kanon einfügen lässt. Immerhin haben wir mittlerweile den ~zwölften Doktor mit Peter Capaldi vor uns und entsprechend sollten wir nun auch böse Reinkarnationen des Doktors sehen, oder? Andererseits: Natürlich ist das hier eine Zeitreisegeschichte, bei denen das Universum mittlerweile auch mal neu gestartet wurde, Parallelwelten besucht wurden, und so weiter … ob man sich also wirklich darüber Gedanken machen sollte?

Der Ankläger/Valeyard (Michael Jayston, Foto: Pandastorm Pictures/BBC)
Der Ankläger/Valeyard (Michael Jayston, Foto: Pandastorm Pictures/BBC)

Aber selbst wenn man es macht: Die Behauptung, dass der Valeyard zwischen der zwölften und letzten Reinkarnation angesiedelt wäre, wird lediglich vom Master („Meister“) getroffen, welcher nicht unbedingt dafür bekannt ist, immer die genaue Wahrheit zu sagen. Auch macht der vermeintliche Plan des Valeyards nicht unbedingt soviel Sinn: Wenn er wirklich die verbliebenen Regenerationen des Doktors haben will, würde er damit nicht auch sich selbst und seine Existenz in ein Großvater-Paradoxon stürzen?

Bleibt letztlich die andere Aussage des Masters: Der Valeyard sei ein „Amalgam“ der Bösen Persönlichkeiten des Doktors. Vielleicht hat sich dieses Amalgam ja nur das Aussehen einer zukünftigen Regeneration geliehen? Das würde auch narrativ mehr Sinn machen (wenn auch das Großvater-Paradoxon nicht aufgelöst werden würde).

Unterstützung bekommt die Theorie allerdings durch den aktuellen Showrunner Moffat selbst. Dieser lässt die „Great Intelligence“ auf Trenzalore in der Episode „Der Name des Doktors“ behaupten, dass der Valeyard einer der zukünftigen Pseudonyme des Doktors sein wird.

Tatsächlich war für den Valeyard mehr Hintergrund geplant gewesen: Der Drehbuchautor Eric Saward hatte ursprünglich geplant, dass er sogar die finale Reinkarnation des Doktors sei, die keine Regenerationen mehr hatte und nun verzweifelt nach einem Weg suchte, weitere zu bekommen – eine Motivation, die auch den Master eins angetrieben hatte. Aber hiergegen sprach sich der damalige Produzent John-Nathan Turner entschieden aus, aus Angst, die Serie könnte sonst ein klares Ende bekommen und so die Gefahr laufen, irgendwann abgesetzt zu werden.

Letztlich ist damit noch immer nicht aufgelöst, ob wir den Valeyard nicht doch ein weiteres mal zu Gesicht bekommen werden in der Serie …

Ein klassisches Ende

Mit „Das Urteil“ geht auch Colin Bakers Zeit als sechster Doktor zu Ende. Ihm wurde zwar angeboten, ein letztes Serial zu haben, aber er lehnte ab, weswegen auch seine Regeneration nicht durch Ihn gedreht wurde. Ihm folgte Sylvester McCoy (s. „Der siebte Doktor Vol. 1“).

Artwork der DVD-Box (Foto: Pandastorm Pictures)
Artwork der DVD-Box (Foto: Pandastorm Pictures)

Die Idee, eine komplette Staffel mit einer Story zu füllen, war damals neu im Whoniversum und ist auch (abgesehen von der dritten und vierten Staffel von Torchwood und diversen Metaplotebenen bei New Who) bisher nicht wieder so umgesetzt worden. Es fällt daher auch schwer, die Serials einzeln zu bewerten, denn auch obwohl einzelne Bestandteile etwas zu lang ausgewalzt werden ist es doch die gesamte Story, welche insgesamt (trotz aller Who-typischen Logikfehler) einen soliden und interessant konstruierten Handlungsbogen zeigt. Vor allen kann Colin Baker hier endlich beweisen, dass sein oft (auch von mir) kritisierte Ansatz des moralisch ambivalenten Doktors doch sehr interessant ist und er dem Charakter des Doktors, trotz des bunten Clownkostüms, einige eigene Facetten abgewinnen kann. Wenn Capaldi also in der aktuellen Staffel fragt: „Bin ich ein guter Mensch?“ bringt gerade Bakers Interpretation hier ordentlich Gravitas für diese Frage mit.

Mit „Der sechste Doktor, Volume 3“ sind aber auch die deutschen Veröffentlichungen der klassischen Doctor Who-Episoden leider an ein Ende angekommen. Weitere Episoden sind schlichtweg bisher nicht synchronisiert worden und es ist äußerst unwahrscheinlich, dass sie dies noch werden. Pandastorm Pictures ist aber auch zum Abschluss hier wieder eine tolle und liebevolle Veröffentlichung gelungen, auf fünf DVD-Scheiben bietet es abermals alle Specials der UK-Veröffentlichungen und geben abermals großartige Einblicke in die Produktionsbedingungen der damaligen Zeit und warum Doctor Who zwischen der Ära Davidson und Baker über ein Jahr pausierte. Abermals gibt es auch ein sehr informatives Booklet, mit Einleitungen von Colin Baker und Nicola Bryant und sogar einem Interview mit dem Synchronssprecher der damaligen Doktoren, Michael Schwarzmaier.

★★★★

„Doctor Who: Sechster Doctor Volume 3“ erschien am 29.07.2016 bei Pandastorm Pictures auf DVD. Offenlegung: Ich habe die DVD-Box freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Gelungene Fortsetzung eines Krimi-Überraschungshits – „Broadchurch“ Staffel 2

Der Mörder von Danny ist gefasst, aber das Dorf Broadchurch ist noch lange nicht zu Ruhe gekommen. Zu verstörend waren die Ereignisse für die Gemeinschaft, in der man sich doch so gut zu kennen glaubte. Und dann passiert noch etwas weiteres Unerhörtes: Im Gerichtsverfahren gegen Dannys Mörder behauptet dieser trotz aller Beweise unschuldig zu sein. Was nicht nur dessen nichts-ahnende Ehefrau um so mehr aus der Bahn wirft. Und doch übernimmt die in Broadchurch ansässige Jocelyn Knight (Charlotte Rampling, „Dexter“) die Verteidigung.

Detective Ellie Miller und Chief Inspector Alec Hardy fürchten, dass ihre Beweise vor Gericht nicht ausreichen (Olivia Coleman und David Tennant, Foto: Studiocanal)
Detective Ellie Miller und Chief Inspector Alec Hardy fürchten, dass ihre Beweise vor Gericht nicht ausreichen (Olivia Coleman und David Tennant, Foto: Studiocanal)

Gleichzeitig wird der Sandbrook-Fall wieder eröffnet. Bei diesem war der vermeintliche Mörder aufgrund eines Ermittlungsfehlers von DI Hardy (David Tennant, „Doctor Who“) einst freigesprochen worden. Seitdem hält Hardy eine der Hauptzeuginnen des Falls, Claire Ripley (Eve Myles, „Torchwood“) vor dem vermeintlichen Täter (James D’Arcy) auf eigene Kosten versteckt. Doch der ist nun wieder aufgetaucht und will eine entgültige Klärung erzwingen.

Die erste Staffel von Broadchurch überzeugte mit einem extrem dichten Plot und einer unglaublich grandiosen Atmosphäre, an der auch der fantastisch melancholische Score von Ólafur Arnalds maßgeblich beigetragen hatte. Es war ein absoluter Überraschungshit in den UK und ist immer noch extrem sehenswert. Die zweite Staffel setzt, auch wenn sie erst fast zwei Jahre später ausgestrahlt wurde, direkt an die erste an und setzt den Plot unmittelbar fort. Eine mutige, wenn auch eher ungewöhnliche Entscheidung, setzten doch ansonsten Krimis in der Regel auf einen neuen Fall des Ermittlerteams. Damit diese auch etwas zu tun bekommen, wird auf den bereits in der ersten Staffel mehrfach angedeuteten Sandbrook-Fall angeknüpft und dieser in all seinen Implikationen aufgedeckt.

Auch die eigentlich zurückgezogen lebende Jocelyn Knight wird von den Ereignissen im Ort nicht kalt gelassen (Charlotte Rampling, Foto: Studiocanal)
Auch die eigentlich zurückgezogen lebende Jocelyn Knight wird von den Ereignissen im Ort nicht kalt gelassen (Charlotte Rampling, Foto: Studiocanal)

Dabei gelingt dem Team auch, die Atmosphäre der ersten Staffel fortzusetzen, wenn auch die Spannung etwas geringer ist. Aber das psychotische Spiel zwischen James D’Arcy, Eve Myles und David Tennant, aber auch der Gerichtskonflikt zwischen der fantastischen Charlotte Rampling auf der einen, und Marianne Jean-Baptiste auf der anderen Seite, sowie Olivia Coleman mittendrin tragen dazu bei, die Zuschauer weiter zu unterhalten. Bleibt nur die Frage, was Serienmacher Chris Chibnall für eine dritte Staffel in der Hinterhand hat, deren Existenz abermals der Sender ITV bis zum Ende der zweiten Staffel geheim hielt und die derzeit gedreht wird.

Broadchurch2_BluRay_ORing_D-1„Broadchurch“ Staffel 2

Showrunner: Chris Chibnall

Darsteller: Olivia Coleman, David Tennant, Charlotte Rampling, Marianne Jean-Baptiste, Andrew Buchan, Eve Myles, James D’Arcy

Score: Alles von Ólafur Arnalds ist fantastisch, und auch hier trägt er maßgeblich zur Stimmung der Serie bei.

Extras: Making-of, Featurette: Die Latimers, Interviews mit vielen Darstellern, Showrunner und Produzenten, Geschnittene und erweiterte Szenen

★★★★

„Broadchurch – Die komplette 2. Staffel“ erschien am 28.04.2016 bei Studiocanal auf DVD und Blu-ray.