15 Jahre Edieh

Wow. Seit 15 Jahren existiert diese Internetseite nun bereits und ich htte fast das Jubilum verschlafen. Es kommt mir wie gestern vor, dass ich ber das 10. Jubilumsjahr geschrieben habe. Der Internetanbieter von damals, ber den ich eine Domain gratis zu meinem Vertrag dazu bekommen habe, gibt es nicht mehr oder besser gesagt, er verdingt sich sein Gnadenbrot als Internetportal, eine Spezies, die mittlerweile auch am Aussterben ist.

Edieh war am Anfang eine Website fr uns Spieler, vor allen intern. Mit der Zeit kamen ein paar Rollenspiel-spezifische News dazu, spter wurde daraus ein Blog. Irgendwann tauchten die ersten Film-Rezensionen von mir auf, vor allen zu den paar Filmen, die wir whrend des alljhrlichen Fantasy Filmfests begeistert guckten. Die Rezensionen haben mittlerweile einen deutlich greren Anteil hier im Blog als vorher, vor einigen Jahren habe ich aber entschieden, dass diese aber nicht mehr im Meta-Verzeichnis von RSP-Blogs.deerscheinen. Das hat mich einigen Traffic gekostet, aber der ist fr mich hier lngst nicht das Wichtigsteund ich finde es einfach fairer, damit nicht die Rollenspiel-Enthusiasten dort zuzuspammen.

Seit anderthalb Jahren syndiziere ich die alle Inhalte auch auf drei eigenen sozialen Kanlen: ber Twitter, Facebook und Google+. Ich habe auch mit einen eigenem Youtube-Kanal herumgespielt, auf den ich vor allen Trailer geladen habe. Aber ich bekam darber nie nennenswerten Traffic und meinen Besuchern ist es vermutlich egal, von wo aus sie den Trailer nun vorgesetzt bekommen. Ich glaube, ich werde den Kanal einschlafen lassen. Die sozialen Kanle bleiben aber bestehen, wobei ich immer noch keine gute Balance gefunden habe, was ich nun auf den Edieh-Kanal, und was ich auf meinen persnlichen stellen soll. Ich glaube, ich nutze die drei vorrangig als Verteiler fr diejenigen, die nicht wie ich strrisch an den mittlerweile ja offenbarsteinzeitalterlichen RSS-Readern festhalten (vor fnf Jahren gab es den Google Reader noch!).

Wie es hier weitergeht?Keine Ahnung, erstmal so wie bisher. In fnf Jahren ist allerdings die 20, die ja von Anfang an in dem im Logo symbolisierten Ikosaeder vorhanden war, erreicht. Sptestens dann muss ich mir etwas Neues einfallen lassen

Fantastischer Fan-Kurzfilm: „The Witcher“

Bereits in „Darth Maul Apprentice“ zeigte der Cosplayer/Stuntman Ben aka Maul-Cosplay sein Kampfchoreografie-Können unter ikonischer Maske. Jetzt probiert er sich als „Witcher“ aus dem Universum der Computerrollenspiele von CD Project Red in einer ebenfalls guten Choreografie ohne großer Story.

Dabei fällt mir ein, dass es um das angekündigte „The Witcher“ Pen-&-Paper-Rollenspiel etwas ruhig geworden ist in letzter Zeit. Es wird daran aber immer noch durch R. Talsorian Games gearbeitet, sie lassen sich aber wohl etwas mehr Zeit.

(Video via Teilzeithelden)

Mini-Dungeon-Crawl für Zwischendurch

Eine Rezension des Würfelspiels „Dungeon Roll“

Ein schnelles Würfelspiel für Dungeon-Crawler und Dungeon-Master, die hier mal nicht kreativ sein müssen – das ursprünglich crowd-finanzierte „Dungeon Roll“ ist bereits in der zweiten Edition bei Pegasus erschienen und war bisher tatsächlich komplett an mir vorbeigegangen.

Darf es noch ein weiterer Verliesraum sein?

Wie viele Würfelspiele ist auch dieses ein „Zock-solange-wie-Du-Dich-traust-aber-wenn-Du-einmal-nicht-werten-kannst-ist-alles-weg“-Spiel (auch bekannt als „Push-your-luck“-Spiel). Der besondere Kniff hier: Der aktive Spieler würfelt nur einmal pro „Abenteuer“ sieben Heldenwürfel, danach würfelt nur noch der aktuelle Dungeon-Master (jeweils ein anderer Spieler) eine Anzahl Monsterwürfel entsprechend des aktuellen Levels im aktuellen Abenteuer.

Da generell jedes Monster mit einem Heldenwürfel bekämpft werden muss und dieser danach für das aktuelle „Abenteuer“ auf den „Friedhof“ kommt, wird das Spiel naturgemäß von Level zu Level schwieriger und der aktive Spieler muss immer abwägen, ob er noch ein Level weitergeht oder aus dem Dungeon flieht sich strategisch zurückzieht.

Die Spielbestandteile (Tableaus sind in der Retail-Version nicht inbegriffen, Foto: Pegasus Spiele)
Die Spielbestandteile (Tableaus sind in der Retail-Version nicht inbegriffen, Foto: Pegasus Spiele)

Aufgelockert wird dieses Spielprinzip durch viele Zusatzfunktionen: Jeder der drei Standard-Helden („Krieger“, „Priester“, „Zauberer“) auf den Heldenwürfeln hat ein Monster, gegen das er besonders effektiv ist: er kann so statt nur ein Monster sogar alle dieser Sorte auf einmal bekämpfen. Der vierte Held auf den Würfeln ist der „Dieb“: Dieser kann Schatztruhen, die man manchmal statt Monster in einem Dungeon findet, besonders effektiv öffnen, denn er kann statt nur eine Truhe gleich alle Truhen öffnen. Dann gibt es den fünften Held, dem „Champion“, welcher tatsächlich eine Art Joker darstellt: Er kann entweder beliebig viele Monster einer Sorte bekämpfen oder beliebig viele Truhen öffnen. Die sechste Seite der Heldenwürfel zeigt schließlich eine Spruchrolle, die eingesetzt werden kann, um beliebig viele Würfel erneut würfeln zu dürfen – egal ob Helden- oder Monsterwürfel.

Auf den Monsterwürfeln gibt es drei verschiedene Monsterarten (Kobolde, Skelette und Schleimwesen), Schatztruhen, Tränke (mit denen man Würfel vom Friedhof zurückbekommen kann) sowie Drachen. Letztere rotten sich in der Drachenhöhle zusammen und kommen erstmal aus dem Spiel. Erst, sobald drei oder mehr dort während eines Abenteuers liegen, kommt der Drache geflogen und kann nur mit einer Gruppe aus drei unterschiedlichen Helden bezwungen werden.

Letztlich gibt es noch Charakterkarten, welche Sonderfähigkeiten bieten, die entweder immer, oder nur einmal pro Abenteuer einsetzbar sind und neben den Schätzen (von denen ebenfalls einige Sonderfähigkeiten bieten) dabei helfen, Erfahrungspunkte zu bekommen. Und nach genau drei Abenteuern pro Mitspieler sind es eben diese, welche über den Sieg entscheiden.

Tolle Umverpackung, schnelles Zockerspiel, aber die Regeln leicht missverständlich

„Dungeon Roll“ ist mit einigen Abstrichen ein gelungenes Erstlingswerk von Chris Darden – und bisher auch sein einziges Spiel, wobei es bereits die ersten Erweiterungen gibt (dazu unten mehr). Es spielt sich angenehm flott und unterhaltsam und hält immer zwei Spieler gleichzeitig beschäftigt. Während die anderen Spieler natürlich mitfiebern und (falsche) Ratschläge geben können, ist es letztlich es aber ein Solitärspiel ohne Interaktion zwischen einzelnen Spielern. Gerade in großen Runden entstehen dadurch zwangsweise längere Pausen, da eine komplette Partie aber selbst nur etwa 30 Minuten dauert, fällt dies nicht so stark ins Gewicht.

Die Mechanik ist schnell erklärt, wird aber durch die Charakterkarten aufgepeppt und variabel. Allerdings sehe ich auch ein paar kleine Probleme im Spiel: Da nur drei Runden standardmäßig gespielt werden, ist es sehr wahrscheinlich, dass ein Spieler, der auch nur eines seiner drei Abenteuer durch einen unglücklichen Wurf (oder durch Überschätzen) vergeigt, aus dem Dungeon fliehen muss und dadurch in der Runde keine EP bekommt, bereits dadurch den Anschluss an den Rest des Feldes komplett verlieren wird. Auch hindert die Tatsache, dass jeder Schatz später potenziell ein EP wert ist, stark daran, diesen überhaupt erst einzusetzen – schließlich bekommt man ja auch überhaupt nur einen einzigen EP pro Eskalationsstufe dazu.

In einigen Punkten ist leider auch die Anleitung etwas diffus oder bleibt unklar: So bekommt man pro Drachenschuppen-Paar (einer der Schätze) zwei zusätzliche EP zu den normalen 1 EP, den man pro nicht-eingesetzten Schatz am Ende des Spiels erhält. Verstanden? Wir zuerst nicht. In meinen Augen eine unnötig komplizierte Regel – es wäre hier einfacher gewesen, würde man einfach einen Zusatz-EP pro Drachenschuppe bekommen, was nahezu auf dasselbe herauslaufen würde und viel einfacher zu handhaben wäre (es macht auch keinen wirklichen Sinn, dies als Herausforderung zu sehen, mehr Schätze zu erobern, da diese ja eher Zufallsprodukte der Würfel sind, die man kaum berechnen kann). Oder wann genau die Heldenfähigkeiten einsetzbar sind: Die Regel spricht einmal davon, dass dies in der Monster-Phase möglich wäre, aber später behauptet sie, es wäre jederzeit möglich (was mehr Sinn zu machen scheint). Und sie lässt auch das Detail vermissen, ob ein herausgelegter Drachenwürfel mit einem neuen ersetzt wird – was öfter bei uns dazu führte, dass wir Runden hatten, in denen einfach rein gar nix passierte. Ich gehe davon aus, dass dies aber tatsächlich so gedacht ist (der aktuelle Dungeonlevel war halt einfach leer gewesen).

Ein großer Pluspunkt ist letztlich die Verpackung: Das gesamte Spiel kommt als Schatzkiste (inkl. Magnetverschluss) daher, in welcher Karten, Marker und Würfel problemlos verstaubar sind. Die zweite Edition von 2016 beinhaltet neben einigen leichten redaktionellen Überarbeitungen der Anleitung ebenso das auch bei Pegasus separat erhältliche „Booster“-Pack „Neue Helden“, welches zwölf weitere Charakterkarten und ein paar neue Schätze (samt Erklärkarten) mit sich bringt. Es fasst damit die englischen Original-Erweiterungen „Dungeon Roll: Hero Booster Pack #1“ sowie „Dungeon Roll: Winter Heroes Pack“ zusammen.

„Dungeon Roll“ bietet ein kompaktes, schnelles und spaßiges Würfelspiel für Zwischendurch und ist dabei weniger komplex als „Munchkin“ und doch strategischer als ein „Can’t Stop“. Als Absacker an einem Spieleabend sicher gut geeignet. Ein Spiel, das ich sicherlich noch das eine oder andere mal hervorholen werde, woran die hübsche Umverpackung mit der Schatzkiste sicher auch einen Anteil hat.

★★★★

Offenlegung: Ich habe das Spiel, sowie das Tableau freundlicherweise als Rezensionsexemplar von Pegasus erhalten.

„Harmonquest“ – animierte Pathfinder-Actual-Play-Comedy

Dan Harmon war Macher der großartigen Comedy-Serie „Community“ (jedenfalls des größten Teils davon) sowie erschuf die Zeichentrickserie „Rick & Morty“. Er hat bereits in „Community“ gezeigt, dass er ein Fan von Pen-&-Paper-Rollenspiel ist und nun nahm er ein „Actual Play“ mit Bekannten und Freunden aus der Comedyszene live vor Publikum auf.

Der besondere Kniff: Alle Intime-Szenen sind zeichentrickanimiert. Die Pilotfolge ist frei auf Youtube anschaubar und ein herrlicher Spaß:

Neun weitere Episoden sind exklusiv über das Streamingportal Seeso von NBC gegen Bezahlung anschaubar, und leider auch nur in den USA. Über internationale Rechte ist leider bisher noch nichts bekannt.

Oscar-Tipp 2016

2015 hatte ich 18 von 24 Kategorien richtig getippt, 2014 sogar 19. Keine Ahnung, ob ich das wieder erreiche, aber hier sind meine Tipps für das aktuelle Jahr:

  • Bester Film: „The Big Short“ – eher unsicher bei dem Tipp, es könnte auch problemlos „Spotlight“ werden. Ich glaube eher nicht, dass „The Revenant“ wird, da hier eine Nominierung für das Beste Original-Drehbuch fehlt.
  • Bester Hauptdarsteller: Leonardo DiCaprio („The Revenant – Der Rückkehrer“) – es wird langsam Zeit, dass Leo gewinnt und die anderen Nominierten dieses Jahr verblassen entweder oder sind bereits geehrt worden.
  • Beste Hauptdarstellerin: Brie Larson („Raum“) – Habe ich noch nicht gesehen, ist wohl aber klare Favoritin. Gönnen würde ich ihn aber auch Charlotte Rampling.
  • Bester Nebendarsteller: Sylvester Stallone („Creed – Rocky‘s Legacy“) – Ich denke, hier wird die Nostalgie siegen und die Academy wird damit auch ein wenig retroaktiv die Leistung Stallones in Rocky honorieren, welche sie ja beim ersten Film ignorierten.
  • Beste Nebendarstellerin: Alicia Vikander („The Danish Girl“) – Eigentlich hätte sie ihn für „Ex Machina“ verdient, ich stelle mir einfach mal vor, dass sie dafür nominiert ist.
  • Bester animierter Film: „Alles steht Kopf“ – Keine Frage, der vorletzte Pixar-Film ist einfach bezaubernd, großartig und zurecht auch fürs beste Original-Drehbuch nominiert. Alles andere hier wäre eine riesige Überraschung.
  • Beste Regie: Alejandro González Iñárritu („The Revenant – Der Rückkehrer“) – Denke nicht, dass die Academy ihm hier den Oscar verwehrt, auch wenn es nur ein Jahr seit seinem letzten her ist …
  • Beste Kamera: Emmanuel Lubezki („The Revenant – Der Rückkehrer“) – Hier kann der Kameramann von „Birdman“ (Beste Kamera 2015) und „Gravity“ (Beste Kamera 2014) sogar ein Triple machen. Und das gönne ich ihm.
  • Bestes Drehbuch (adaptiert): Adam McKay und Charles Randolph („The Big Short“) – Einfach grandios, wie sie aus einem abstrakten Sachbuch einen solch skurill-informativen Film hergeleitet haben.
  • Bestes Drehbuch (Original): Thomas McCarthy und Josh Singer („Spotlight“) – Ich gönne ihn ja eigentlich mehr Alex Garland für „Ex Machina“, aber wir reden hier über die Academy und dort sind die großen Dramen halt mehr im Rennen.
  • Bester fremdsprachiger Film: „Son of Saul“ (Ungarn) – der große Favorit.
  • Bestes Produktionsdesign: „Mad Max: Fury Road“ – In den technischen und Ausstattungskategorien traue ich George Millers Film am meisten zu. Er wird damit auch die meisten Oscars dieses Jahr gewinnen, aber halt nicht in den großen Kategorien.
  • Beste Kostümgestaltung: „Mad Max: Fury Road“ – s. o.
  • Beste Dokumentation (Feature): „Amy“ – sagt den meisten wohl noch etwas, im Gegensatz zu den anderen Dokus dieses Jahr.
  • Beste Dokumentation (Kurz): „Body Team 12“ – Keine Ahnung, kenne keinen der Filme.
  • Bester Schnitt: „Mad Max: Fury Road“ – s. o.
  • Bestes Make-Up und Frisur:  „Mad Max: Fury Road“ – s. o.
  • Beste Musik (Score): Ennio Morricone („The Hateful 8“) – Ein Großmeister im Duell mit einem anderen Großmeister (John Williams).
  • Beste Musik (Lied): „Til It Happens To You“ („The Hunting Ground“ – Diane Warren und Lady Gaga) – Schwacher Jahrgang dieses Jahr, und der einzige andere Promi neben Lady Gaga im Feld (Sam Smith) ist mit „Writings on the Wall“ auch alles andere als gut aufgestellt.
  • Bester Kurzfilm (animiert): „Sanjay‘s Super Team“ – Pixars nominierter Kurzfilm war das einzig Herausragende an der Vorführung von „Arlo & Spot“.
  • Bester Kurzfilm (Live-Action): „Ave Maria“ – Keine Ahnung, kenne keinen der Filme.
  • Bester Tonschnitt:  „Mad Max: Fury Road“ – s. o.
  • Beste Tonmischung: „Mad Max: Fury Road“ – s. o.
  • Beste visuelle Effekte:  „Mad Max: Fury Road“ – s. o.

Ich hoffe dann mal auf eine unterhaltsamere Show dieses Jahr. Chris Rock hatte zuletzt 2005 durch die Sendung geführt und ist mir in dieser Hinsicht überhaupt nicht mehr in Erinnerung. Ob das gut oder schlecht ist, weiß ich nicht, die obligatorische Show-Promo ist jedenfalls extrem lahm:

Letztes Jahr war ich jedenfalls bitter enttäuscht von Neil Patrick Harris, dem ich sehr viel mehr zugetraut hatte. Eigentlich hätte ich ja am liebsten Ellen Degeneres wieder, vielleicht macht sie es ja zur Promo von „Findet Dory“ nächstes Jahr …

(Beitragsbild:  CC-BY 2.0 Prayitno/Flickr)

Relaunch 2016

Ein neuer Twitter-, Facebook- und Google+-Kanal ergänzen das modernisierte Layout.

Mit dem Jahreswechsel gibt es ein kleines Facelifting hier auf der Seite, das Theme ist das minimal angepasste aktuelle WordPress-Theme Twentysixteen.

Eigentlich hat sich wenig wirklich geändert, lediglich die Kategorien habe ich leicht überarbeitet (aus „Fernsehen“ wurde „Serien“), leicht erweitert („Musik“ und „Computerspiele“ sind neu) und etwas besser sortiert.

Neuer Social Media-Ansatz

Wichtiger ist die Umstellung auf eigene Twitter-, Facebook- und Google+-Accounts für Edieh.de. Ich werde künftig nur noch sehr selten über meine privaten Accounts auf neue Beiträge hier hinweisen. Bitte folgt daher auf den Kanälen entsprechend:

Ich habe die Kanäle bereits in den letzten Wochen schon mal auffüllen lassen, teilweise wurden sie auch schon von Euch entdeckt.

„Dr. Ernst Garner“ – Kunstkopfstereofonie im Hörspiel

Im Harz untersuchen Dr. Ernst Garner, Kommissar Gottschalk und das Team eine Reihe von Ritualmorden. Bald stellt sich heraus, dass die Mordserie auf ein Zieldatum zusteuert: der Walpurgisnacht, die, praktischerweise, auch kurz bevorsteht. Denn irgendjemand bedient sich an den Motiven aus dem Hexenhammer und will ein Ritual durchführen, bei dem auch noch Zahlen und Sternenkonstellationen eine Rolle spielen. Doch erstmal trifft Dr. Garner in dem Hotel am Brocken eine attraktive Rucksacktouristin …

Hören in 3D?

Marco Ansing ist ohne Frage ein Hörspiel-Freak (im positiven Sinne), der sehr aktiv in der großen Hobbyisten-Szene in Deutschland ist. Er hat unter anderen 2013 eine Crowdfunding-Aktion für ein Steampunk-Live-Hörspiel erfolgreich finanziert, damals habe ich ihn für den Ausgespielt-Podcast dazu interviewen dürfen. Sein aktuelles Projekt ist eben dieses Mystery-Hörspiel in 3D.

Moment, ein Hörspiel „in 3D“?

Ganz im Stil von Grusel-Groschenroman-Klassikern wie „John Sinclair“ aufgemacht, sind für die Reihe „Dr. Ernst Garner“ bereits drei Episoden erschienen. Dem ersten Teil, „Hexensabbat auf dem Brocken“, haben sie nun ein Remake mit durchaus auch prominenten Sprechern (Helmut Krauss) verpasst und dabei zumindest teilweise eine besondere Aufnahmetechnik verwendet: die Kunstkopfstereofonie. Hier ist ein künstlicher Kopf mit Mikrofonen in künstlichen Ohrmuscheln der Ausgangspunkt der Aufnahme und die Tonsignale werden dadurch genauso zeitlich versetzt aufgenommen, als ob sie an einem lebendigen Kopf ankommen würden. Das Ziel dieser Technik: Stereoaufnahmen möglichst perfekt aufzunehmen und ebenso wiederzugeben, wobei letzteres nur durch Kopfhöhrernutzung wirklich realisierbar ist.

Hierbei heben die Macher den dritten Track ihres Hörspiels besonders hervor: Bei einer Leichenschau wird eben diese mit einem Wasserstrahl abgespritzt, und dieses Hörerlebnis – man wird gebeten, das ganze mit Kopfhörer und in einer liegenden Position zu genießen – ist in der Tat äußerst plastisch anzuhören, man ist in der akustischen Perspektive des Leichnams. Neben der Kunstkopfstereofonie sind die anderen Tonspuren allerdings herkömmlich aufgezeichnet und dann durch ein Computerprogramm entsprechend im Stereo-Raum arrangiert.

Und hiermit habe ich dann leider ein leichtes Problem, wie mit den Beginn der Farbfilme oder der 3D-Filme im Kino: Der Effekt wird meiner Meinung nach hier zu stark eingesetzt. Statt farbig wird es quietschbunt, statt eindrucksvolle 3D-Welten zu inszenieren, springen einen ständig irgendwelche Objekte anscheinend entgegen. Akustisch bedeutet dies analog, dass regelmäßig Stimmen von links nach rechts schwingen, dabei leiser und lauter werden, sich entfernen oder nähern. Im Film umgesetzt wären die Darsteller also ständig am auf- und ablaufen und sich dabei auch gerne mal kreuzend. Dies sparsam eingesetzt ist auditiv durchaus unterhaltsam, hier lenkt dies aber leider etwas zu oft von der Geschichte ab und verkommt zu einem irritierenden bis nervigen Gimmick, wobei ich nicht ausschließen mag, dass dies evtl. auch an meinem Fokus auf die Inszenierungstechnik lag, dass mir diese so stark aufgefallen ist.

Dennoch muss ich auch anerkennen: Das Hörspiel ist höchst professionell inszeniert, alle Aufnahmen sind kristallklar, die Toneffekte sind hervorragend, Ortsbeschreibungen werden jeweils von einer separaten bewusst monotonen Stimme gelesen, die Erzählerinnen-Stimme ist dann noch eine weitere, auch allgemein sind die Sprecher durch die Bank mindestens befriedigend bis sehr gut. Man könnte jetzt noch besonders herausstellen, dass dies ein Hörspiel von einer Gruppe begeisterter Amateuren ist, aber die Produktion braucht sich nicht hinter den Produktionen professioneller Hörspielmacher zu verstecken. Dazu kommt eine unterhaltsame kleine Geschichte, die zwar insgesamt etwas vorhersehbar ist, aber ein paar gruselige Stellen geschickt einzusetzen weiß.

Das Cover von „Dr. Ernst Garner (1): Hexensabbat auf dem Brocken“ (Hoerspielprojekt.de)
Das Cover von „Dr. Ernst Garner (1): Hexensabbat auf dem Brocken“ (Hoerspielprojekt.de)

„Dr. Ernst Garner (1): Hexensabbat auf dem Brocken“ (Hörspiel D 2015)

Regie: Marco Ansing, Bastian Lembrecht, Marcus Micksch und Jan Schroeder

Buch: Marco Ansing basierend auf einer Kurzgeschichte von ihm

Sprecher: Marco Ansing, Malcolm Andreasson, Lily Riard, u. a.

Freiwillige Altersfreigabe: Ab 16 Jahren

★★★★

„Dr. Ernst Garner (1): Hexensabbat auf dem Brocken“ ist bei Hoerspielprojekt.de kostenlos im MP3-Format herunterladbar. Die offizielle Seite zur Reihe mit allen bisher erschienenen Folgen findet man unter www.ernstgarner.de. In diesem Beitrag ist ein Audio-Trailer eingebettet, der gemäß Marco Ansing unter einer Creative Commons-Lizenz steht.

EU-Überwachungsdystopie: „Drohnenland“ von Tim Hillenbrand

Kommissar Aart van der Westerhuizen arbeitet für die Europol der Zukunft an einen brisanten Fall: Ein Mitglied des Europäischen Parlaments ist ermordet worden. Seine Aufklärungsarbeit wird sofort, wie immer, durch unzählige kleine und großen Drohnen unterstützt, welche den Tatort komplett vermessen und aufzeichnen, so dass er sich alle Details später zusammen mit seiner Analystin, Ava, in einer virtuellen Simulation im „Mirrorspace“ anschauen kann. Schnell wird beiden klar, dass sie mit diesem Fall aber in ein Wespennest gestochen haben und dass der Mord nur ein Teil einer großen Intrige ist.

Pack’ es mal lieber zu den Krimis, die verkaufen sich besser als Science Fiction!

Auf dem Cover steht „Kriminalroman“. Das ist er auch, zweifelsohne, aber eigentlich gehört das Buch in die Abteilung Dystopie oder Science Fiction. Letztlich geht es nämlich um Überwachung. Tom Hillenbrand zeichnet mit „Drohnenland“ aber nicht nur eine dystopische Zukunft, die sich bei Motiven aus „1984“ oder „Minority Report“ bedient, sondern vor allen eine in vielen Punkten reell wirkenden Extrapolation der heutigen Europäischen Union. Seien es separatistische Strömungen, welche Großbritannien sich von der Union abspalten lassen wollen, oder Auseinandersetzungen mit Nordafrika bei der es tatsächlich nicht um Flüchtlinge sondern um die Annektion von Wüstenregionen zur Solarenergiegewinnung geht. Dazu viele kleine Spielereien, wie der offenbar wieder modern gewordene „Steinkirk“ als Krawattenersatz oder eine Hyperinflation des Euros, die am Rande auftauchen aber dann doch die Welt etwas plastischer wirken lassen. Bei der US-Fixierung anderer Autoren ein angenehmer Gegenentwurf – wobei ich Hillenbrands Idee, dass Hollywood ausgerechnet von der Südkoreanischen Filmindustrie abgelöst wird, dann wieder doch etwas befremdlich fand, zumal er Indiens Schicksal in seiner Zukunftsvision (und die bereits heute Hollywood überragende Dominanz von Bollywood) gar nicht erwähnt.

Ist das ein Plotloch auf dem Cover?

Die Cover-Gestaltung von „Drohnenland“ versteht man auch nachdem man das Buch gelesen hat nicht. Aber sie ist plakativ. (Verlag: Kiepenheuer&Witsch)
Die Cover-Gestaltung von „Drohnenland“ versteht man auch nachdem man das Buch gelesen hat nicht. Sollen das Drohnenflugmuster sein? Aber sie ist immerhin plakativ. (Verlag: Kiepenheuer&Witsch)

Stilistisch und sprachlich habe ich dann auch nichts an dem Buch auszusetzen. Allerdings gibt es mehrere Plotlöcher, die er eher hektisch als sinnvoll versucht zu übertuschen. <SPOILER> Darunter, ist vor allem leider das wichtigste an einem Kriminalroman: das Mordmotiv selbst. Es ist sicher plausibel, dass der Täter damit das wichtige Geheimnis sichern wollte, dass durch den MEP gefährdet wurde, aber es bleibt unklar, warum der Täter überhaupt den MEP so stark im Visier hatte und warum seine Überwachung zu dem Zeitpunkt ausreichte, ihn zu eliminieren, aber nicht ausreichte den Zeugen des Anschlags ebenfalls gleich aus den Weg zu räumen. Kleine weitere Fehler, wie die Tischreservierung für drei Personen, die dann deutlich doch nur für zwei Personen war, irritieren ebenfalls. </SPOILER>

Es bleibt ein unterhaltsamer Kriminalroman mit interessantem Weltenbau, ein paar schönen Wendungen und einem angenehmen Film-Noir-Flair, nur dass der Protagonist nicht Ketteraucht, sondern stattdessen Salzlakritzsüchtig ist.

Aufmerksam wurde ich auf den Autoren übrigens durch seine kurzweilige Kurzgeschichten-Kolumne, die derzeit regelmäßig in der deutschen WIRED erscheint.

Tom Hillenbrand:

„Drohnenland: Kriminalroman“

Verlag Kiepenheuer&Witsch, 2014

ISBN: 978-3-462-04662, 432 Seiten, Taschenbuch
ISBN: 978-3-462-30793-1, E-Book

Die Rezension bezieht sich auf das E-Book.

★★★★

Musik für Rollenspieler gemacht: Orkpacks „Fantasy Ambience“

Ein unverhoffter Anruf

Ich war mitten in einer Veranstaltung als mich urplötzlich Ralf Kurtsiefer telefonisch anrief, ob ich nicht Interesse hätte, eine CD zu rezensieren. Ich hatte mit ihm bisher nicht viel zu tun gehabt, aber er war mir durch die Rollenspiel-Connections durchaus schon ein Begriff, dennoch brauchte ich quälend lange, bis der Groschen gefallen war und ich ihn einordnen konnte – und vor allen, warum ausgerechnet ich eine CD rezensieren wollen würde.

So machte es aber natürlich mehr Sinn. Durch jahrelange Penetration meiner Rollenspielrunden mit vorrangig Film-Scores habe ich wohl durchaus etwas Erfahrung darin einzuschätzen, was sich gut, und was sich weniger gut eignet.

Ich hatte, wie gesagt, gerade leider keine wirkliche Zeit mit ihm zu plaudern, aber wir sprachen ab, dass er mir gerne seine CD per Post zuschicken kann, und klärten nur noch kurz, ob die Adresse, die er von mir hatte, korrekt wäre.

Der Künstler: Verwoben mit dem Uhrwerk-Werken

Ralf hat über fünf Jahre Erfahrung mit dem Erstellen von Musik für Rollenspielrunden und laut seiner Vita auch für Fantasy-Filme und Audiobücher. Vorher hatte er nach eigenen Angaben mit der Rap-Szene der 80er zu tun gehabt, bevor ihn der Rollenspielvirus erwischt hat.

Dabei hat er offenbar starke Verbindungen zu den Orkenspalter- und Uhrwerk-Leuten aufgebaut, so hat er unter anderen den DSA-Fanfilm „Leuenklinge“ musikalisch untermalt hat und für mehrere Rollenspiel-Produkte des Uhrwerk-Verlags offizielle Scores konzipierte, darunter für Splittermond, Space 1889, Dungeonslayers und auch zur DSA-Welt Myranor, die ebenfalls bei Uhrwerk erscheint, wodurch er auch eine eigene Wiki Aventurica-Seite hat.

Aus seinen Soundtracks zu den Rollenspielen stammen dann auch je vier bis fünf Tracks auf „Fantasy Ambience“, das Ralf mir geschickt hat.

Vielfältiges Synthesizer-Werk

Das Wichtigste vorweg: Dies ist eine CD für Rollenspieler von jemanden, der über die besonderen Anforderungen solcher Runden Bescheid weiß. Es gibt keinen prägnanten Gesang im Vordergrund, der den Dialog der Spieler stören könnte und auch keine alles-dominierenden Melodien*.

* Das ist einer der Gründe, warum John Williams großartige Scores für Star Wars sich nur schwer bis gar nicht im Rollenspiel einsetzen lassen – die bekannte Hymnen reißen einen immer aus der Immersion raus.

Ein Medley der Tracks gibt es von ihm auf seinen Soundcloud-Account, so dass sich jeder selbst einen Eindruck verschaffen kann:

Ich muss einschränken: ich bin vor allem „große“ Filmsoundtracks gewohnt. Entsprechend fallen mir Synthesizerklänge erstmal ungewohnt auf. Sicher, man kann nicht erwarten, dass mal eben für die Aufnahme ein Symfonieorchester engagiert wird. Aber teilweise ist die Herkunft aus den künstlichen Repertoire eines Synthesizers doch zu deutlich zu erkennen, gerade die Streicher wirken zu „glatt“, zu „perfekt“ und entsprechend zu „unnatürlich“. Aber das ist keine Schuld des Komponisten und letztlich auch Geschmacks- und Gewöhnungssache. Man bekommt im Ausgleich dafür eine sehr breite Vielfalt unterschiedlicher Klangwelten serviert.

Dabei verwebt er mal Spieluhr-Melodien („Clockwork“), setzt auch mal auf äußerst prägnante Perkussion („Lizards“, das Stück ist auch oben im Video zu hören) oder mischt allerhand Samples wie Tierlaute oder menschliche Stimmen dazu („Tavern“, „Hometown“, „At the Court“) ein um seine Melodien zu bereichern. Seine Tracks „Inspired by Aventurien“, aber auch einer zu Dungeonslayers („Wasteland“) und einer zu Splittermond („Temple“) sind vor allen durch orientalische Klänge geprägt, erinnern dabei ein wenig an Bryan Tylers brillanten „Children of Dune“-Soundtrack. Auch eine Verwandheit mit Greg Bear und andere Einflüsse aus der modernen Film- und Serienmusik sind gegeben. Melodisch bewegen sie sich auf überzeugenden Niveau, er baut sogar zeitweise eine Fuge mit einem Cembalo auf (abermals „At the Court“), wodurch dieses Stück wohl zu meinem Favorit auf der CD wird.

Das Cover der CD zeigt passenderweise drei Orks.
Das Cover der CD zeigt passenderweise drei Orks.

Orkpack: „Fantasy Ambience“ (2015)

Komponist: Ralf Kurtsiefer

Aufmachung: Die CD selbst kommt in einem hochwertigen Super-Jewelcase und hat ein 8-seitiges Booklet dabei.

Laufzeit aller Tracks: Etwas über 1 Stunde und 18 Minuten.

★★★★

Orkpack: „Fantasy Ambience“ ist derzeit nur vom Komponisten selbst zu beziehen. Offenlegung: Ich habe die CD freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.