Mini-Dungeon-Crawl für Zwischendurch

Eine Rezension des Würfelspiels „Dungeon Roll“

Ein schnelles Würfelspiel für Dungeon-Crawler und Dungeon-Master, die hier mal nicht kreativ sein müssen – das ursprünglich crowd-finanzierte „Dungeon Roll“ ist bereits in der zweiten Edition bei Pegasus erschienen und war bisher tatsächlich komplett an mir vorbeigegangen.

Darf es noch ein weiterer Verliesraum sein?

Wie viele Würfelspiele ist auch dieses ein „Zock-solange-wie-Du-Dich-traust-aber-wenn-Du-einmal-nicht-werten-kannst-ist-alles-weg“-Spiel (auch bekannt als „Push-your-luck“-Spiel). Der besondere Kniff hier: Der aktive Spieler würfelt nur einmal pro „Abenteuer“ sieben Heldenwürfel, danach würfelt nur noch der aktuelle Dungeon-Master (jeweils ein anderer Spieler) eine Anzahl Monsterwürfel entsprechend des aktuellen Levels im aktuellen Abenteuer.

Da generell jedes Monster mit einem Heldenwürfel bekämpft werden muss und dieser danach für das aktuelle „Abenteuer“ auf den „Friedhof“ kommt, wird das Spiel naturgemäß von Level zu Level schwieriger und der aktive Spieler muss immer abwägen, ob er noch ein Level weitergeht oder aus dem Dungeon flieht sich strategisch zurückzieht.

Die Spielbestandteile (Tableaus sind in der Retail-Version nicht inbegriffen, Foto: Pegasus Spiele)
Die Spielbestandteile (Tableaus sind in der Retail-Version nicht inbegriffen, Foto: Pegasus Spiele)

Aufgelockert wird dieses Spielprinzip durch viele Zusatzfunktionen: Jeder der drei Standard-Helden („Krieger“, „Priester“, „Zauberer“) auf den Heldenwürfeln hat ein Monster, gegen das er besonders effektiv ist: er kann so statt nur ein Monster sogar alle dieser Sorte auf einmal bekämpfen. Der vierte Held auf den Würfeln ist der „Dieb“: Dieser kann Schatztruhen, die man manchmal statt Monster in einem Dungeon findet, besonders effektiv öffnen, denn er kann statt nur eine Truhe gleich alle Truhen öffnen. Dann gibt es den fünften Held, dem „Champion“, welcher tatsächlich eine Art Joker darstellt: Er kann entweder beliebig viele Monster einer Sorte bekämpfen oder beliebig viele Truhen öffnen. Die sechste Seite der Heldenwürfel zeigt schließlich eine Spruchrolle, die eingesetzt werden kann, um beliebig viele Würfel erneut würfeln zu dürfen – egal ob Helden- oder Monsterwürfel.

Auf den Monsterwürfeln gibt es drei verschiedene Monsterarten (Kobolde, Skelette und Schleimwesen), Schatztruhen, Tränke (mit denen man Würfel vom Friedhof zurückbekommen kann) sowie Drachen. Letztere rotten sich in der Drachenhöhle zusammen und kommen erstmal aus dem Spiel. Erst, sobald drei oder mehr dort während eines Abenteuers liegen, kommt der Drache geflogen und kann nur mit einer Gruppe aus drei unterschiedlichen Helden bezwungen werden.

Letztlich gibt es noch Charakterkarten, welche Sonderfähigkeiten bieten, die entweder immer, oder nur einmal pro Abenteuer einsetzbar sind und neben den Schätzen (von denen ebenfalls einige Sonderfähigkeiten bieten) dabei helfen, Erfahrungspunkte zu bekommen. Und nach genau drei Abenteuern pro Mitspieler sind es eben diese, welche über den Sieg entscheiden.

Tolle Umverpackung, schnelles Zockerspiel, aber die Regeln leicht missverständlich

„Dungeon Roll“ ist mit einigen Abstrichen ein gelungenes Erstlingswerk von Chris Darden – und bisher auch sein einziges Spiel, wobei es bereits die ersten Erweiterungen gibt (dazu unten mehr). Es spielt sich angenehm flott und unterhaltsam und hält immer zwei Spieler gleichzeitig beschäftigt. Während die anderen Spieler natürlich mitfiebern und (falsche) Ratschläge geben können, ist es letztlich es aber ein Solitärspiel ohne Interaktion zwischen einzelnen Spielern. Gerade in großen Runden entstehen dadurch zwangsweise längere Pausen, da eine komplette Partie aber selbst nur etwa 30 Minuten dauert, fällt dies nicht so stark ins Gewicht.

Die Mechanik ist schnell erklärt, wird aber durch die Charakterkarten aufgepeppt und variabel. Allerdings sehe ich auch ein paar kleine Probleme im Spiel: Da nur drei Runden standardmäßig gespielt werden, ist es sehr wahrscheinlich, dass ein Spieler, der auch nur eines seiner drei Abenteuer durch einen unglücklichen Wurf (oder durch Überschätzen) vergeigt, aus dem Dungeon fliehen muss und dadurch in der Runde keine EP bekommt, bereits dadurch den Anschluss an den Rest des Feldes komplett verlieren wird. Auch hindert die Tatsache, dass jeder Schatz später potenziell ein EP wert ist, stark daran, diesen überhaupt erst einzusetzen – schließlich bekommt man ja auch überhaupt nur einen einzigen EP pro Eskalationsstufe dazu.

In einigen Punkten ist leider auch die Anleitung etwas diffus oder bleibt unklar: So bekommt man pro Drachenschuppen-Paar (einer der Schätze) zwei zusätzliche EP zu den normalen 1 EP, den man pro nicht-eingesetzten Schatz am Ende des Spiels erhält. Verstanden? Wir zuerst nicht. In meinen Augen eine unnötig komplizierte Regel – es wäre hier einfacher gewesen, würde man einfach einen Zusatz-EP pro Drachenschuppe bekommen, was nahezu auf dasselbe herauslaufen würde und viel einfacher zu handhaben wäre (es macht auch keinen wirklichen Sinn, dies als Herausforderung zu sehen, mehr Schätze zu erobern, da diese ja eher Zufallsprodukte der Würfel sind, die man kaum berechnen kann). Oder wann genau die Heldenfähigkeiten einsetzbar sind: Die Regel spricht einmal davon, dass dies in der Monster-Phase möglich wäre, aber später behauptet sie, es wäre jederzeit möglich (was mehr Sinn zu machen scheint). Und sie lässt auch das Detail vermissen, ob ein herausgelegter Drachenwürfel mit einem neuen ersetzt wird – was öfter bei uns dazu führte, dass wir Runden hatten, in denen einfach rein gar nix passierte. Ich gehe davon aus, dass dies aber tatsächlich so gedacht ist (der aktuelle Dungeonlevel war halt einfach leer gewesen).

Ein großer Pluspunkt ist letztlich die Verpackung: Das gesamte Spiel kommt als Schatzkiste (inkl. Magnetverschluss) daher, in welcher Karten, Marker und Würfel problemlos verstaubar sind. Die zweite Edition von 2016 beinhaltet neben einigen leichten redaktionellen Überarbeitungen der Anleitung ebenso das auch bei Pegasus separat erhältliche „Booster“-Pack „Neue Helden“, welches zwölf weitere Charakterkarten und ein paar neue Schätze (samt Erklärkarten) mit sich bringt. Es fasst damit die englischen Original-Erweiterungen „Dungeon Roll: Hero Booster Pack #1“ sowie „Dungeon Roll: Winter Heroes Pack“ zusammen.

„Dungeon Roll“ bietet ein kompaktes, schnelles und spaßiges Würfelspiel für Zwischendurch und ist dabei weniger komplex als „Munchkin“ und doch strategischer als ein „Can’t Stop“. Als Absacker an einem Spieleabend sicher gut geeignet. Ein Spiel, das ich sicherlich noch das eine oder andere mal hervorholen werde, woran die hübsche Umverpackung mit der Schatzkiste sicher auch einen Anteil hat.

★★★★

Offenlegung: Ich habe das Spiel, sowie das Tableau freundlicherweise als Rezensionsexemplar von Pegasus erhalten.

Josephine Martenstein, zwei virale Stöckchen und mehr …

Ich habe Post bekommen. Ohne Absender.

Das Paket
Das Paket

Ein kleines, graues Päckchen. Inhalt (ja, ich bin so leichtsinnig, und mache das auf):

  • Ein schlecht kopierter Zeitungsausschnitt mit der Überschrift „Suchaktion erfolglos abgebrochen – junge Archäologin gilt weiterhin als vermisst.“
  • Zwei kleine Stöcker, offenbar abgebrochen
  • Ein Stück Kunstfell, sehr haarend, in dem eine kleine dünne Holzscheibe eingebunden ist mit einem Fischgräten-ähnlichen Symbol.
Der Inhalt (I)
Der Inhalt (I)

Das ist das zweite Mal in meiner Blog-Karriere, dass ich soetwas rätselhaftes unaufgefordert bekomme  (das erste Mal bekam ich vor Monaten ein seltsames Kaleidoskop).

Einzige ansatzweise brauchbare Fingerzeige:

  • Am Rande der Box wurde mit Stempeln ein „Erza Ehlkosm OS“ augedruckt.
  • Der Zeitungsartikel nennt den Namen der verschwundenen Archäologin: „Josephine Martenstein“
Der Inhalt (II)
Der Inhalt (II)

Googlet mal den Namen von der Archäologin kommt man auf ein Tumblr-Blog, dass offenbar vor vier Monaten bereits angelegt worden ist und mit einigen „mysteriösen“ Beiträgen vollgestopft wurde, dann aber abrupt aufhört. Daraus ergeben sich neue Hinweise:

  • Ein Foto, dass auf „Andor, die Legende von“ hinweist.
  • Eine Geo-Koordinate (N 52° 23.375’ E013°37.744’), die auf ein Waldstück in Berlin-Karolinenhof weist (ich schaue da aber jetzt nicht nach, ist etwas weiter weg von hier – gibt es Geo-Cacher, die hier mitlesen?)
  • Ein Archiv mit mehreren Dokumenten in Sütterlinschrift bei Google Docs. Darunter auch einmal ein Fischgrätenmuster, ähnlich dem auf dem Holzstück.
  • Zwei in Fraktur gesetzte Zeitungsartikel, die angeblich aus der „Frankfurter Volkszeitung“ von 1908 und 1912 stammen sollen. Allerdings gibt es darin kein für Fraktur typisches Langes s „ſ“, sondern nur die mittlerweile vereinheitlichte kurze Form.
  • Foto einer Flöte, auf der ebenfalls das Fischgrätenmuster aufgedruckt scheint.

Und hiermit höre ich mal mit der Spurensuche erstmal auf – am interessantesten wäre es wohl für einen Geo-Cacher, die Koordinaten mal zu verfolgen.

Der Inhalt (III)
Der Inhalt (III)

Klar ist: das ist ein Alternate Reality Game, zu dem ich eingeladen wurde. Und natürlich nicht als Einziger – gleiche Päckchen haben viele mittlerweile bekommen, zum Beispiel auch Cyclopean Citadels. Es gibt auch bereits eine Facebook-Gruppe dazu.

Bedruckte Seite der Schachtel
Bedruckte Seite der Schachtel

Die Meta-Frage ist: Wer steckt dahinter? Viel spricht für den Kosmos-Verlag, der damit sein in diesem Herbst erscheinenden neuen Spiel von Michael Menzel „Die Legenden von Andor“ promoten könnte. Dazu passen könnte auch das seitlich aufgedruckte „erza Ehlkosm OS“ – die letzten Buchstaben ergeben „Kosmos“. Zusammen aber halt „Erzählkosmos“, mit Erzählkosmos.de landet dann auch auf einer Internetseite von „Soma Labs“, die auf einer angeschlossenen Facebook-Seite sich als Herausgeber dieses ARG outen.

Hmm. Bleibe ich an der Geschichte dran? Lust hätte ich schon, aber nach Berlin werde ich nicht extra reisen …

Brettspiele auf der SPIEL ’10 – Der Vorspiel-Podcast

Teil 2 des SPIEL-Vorschau-Podcasts von „Ausgespielt – der (nicht nur) Rollenspiel-Podcast“ ist nun erschienen. Nachdem der erste Teil sich nur um Rollenspiele kümmerte, haben wir uns hier ein paar ausgewählten Brettspielneuheiten gewidmet.

Jens stellt ausführlich „51st State“, „Cadwallon: Stadt der Diebe“, „Der Pate“, „Earth Reborn“, „High Frontier“, „Luna – im Tempel der Mondpriesterin“, „Merkator“, „Munera: Familia Gladiatoria“, „Runewars“ und „Target Earth“ vor, Sandra und ich geben mehr oder weniger kluge Kommentare dazu ab. Die kompletten Show-Notes gibt es auf der Ausgespielt-Webseite.

P.S.: Auch hier gilt, dass mein Handy sich offenbar zu nahe an dem Aufnahmegerät befand. Großes Sorry dafür, vor allem da es ausgerechnet die Vorstellung von Uwes „Merkator“ getroffen hat! Das nächste mal schalte ich es komplett ab, versprochen!

P.P.S.: Der reguläre 14. Ausgespielt-Podcast, mein Premieren-Podcast, ist weiterhin im Schnitt, soll aber auch in den kommenden Tagen erscheinen.

Cadwallon: Sadt der Diebe bei Truant oder City of Thiefs bei FFG  Englische Anleitung findet ihr hier

Der Pate – Kosmos Anleitung findet ihr hier

Earth Reborn – Ludically Anleitung findet ihr hier

High FrontierSierra Madre Games und Sphinx-Spieleverlag . Das Spiel erscheint auch mit deutschen Regeln. Die englischen Regeln findet ihr hier.

Luna- Im Tempel der Mondpriesterin Die Regeln findet ihr hier

MerkatorLookout Games (da sag ich was falsches im Podcast) Anleitung findet ihr hier

Munera: Familia GladiatoriaAlbe Pavo Die Regeln findet ihr hier

Runewars – Heidelberger Spieleverlag Die Regeln findet ihr hier

Target EarthGen-X Games Die Regeln findet ihr hier

Außerdem erwähnt werden unter Anderem: Civilization- The Board Game, The lord of the rings- The Card Game und  Stronghold.

Mein Charakterbogen ist heilig

CharakterblattYak hat mich auf das Video „Cooperation and Engagement: What can board games teach us?“ aufmerksam gemacht, ein Mitschnitt einer Präsentation von Matt Leacock, in der er diverse Mechanismen seines Brettspiels „Pandemic“ (dt. „Pandemie“ bei Pegasus Spiele) vorstellt.

In einem Nebensatz (ab etwa 41:50 Minuten) äußert er eine Regel vieler kooperativer Spiele, die mir immer etwas seltsam vorkam. Man darf danach mit den Mitspielern über seine Handkarten soviel reden wie man will – aber diese ihnen nicht einfach offen zeigen. Den einleuchtenden Grund dafür gibt er auch gleich an: auf diese Weise haben erfahrene Spieler nicht die Gelegenheit, das Spiel jederzeit völlig zu überblicken und damit komplett strategisch gegenüber den anderen zu dominieren, sondern jeder hat zumindest einen eigenen Bereich, den er bestreitet. Dadurch bleibt ein Spiel kooperativ und wird nicht zu einer One-Man-Show mit dessen zu Handlangern degradierten Kumpanen.

Das ist letztlich ein Effekt, den man auch häufiger beim Rollenspiel (vor allen in Kampfsituationen) beobachtet. Es ist einerseits durchaus normal, nein, sogar auch erwünscht, dass erfahrene Spieler Tipps weitergeben. Auch dass sie unerfahrene Spieler etwas an die Hand nehmen und ihnen Hinweise zu Strategien und Taktiken geben. Doch häufig driftet so etwas ab und jetzt wird mir auch klar, an welcher Stelle spätestens: wenn nach dem Charakterbogen gefragt wird mit dem Kommentar: „Lass mich doch mal sehen, was Dein Charakter noch so könnte und wir gerade brauchen!“ Das ist dann schon eine Art von Entmündigung und letztlich bekommt der so bevormundete Mitspieler nicht mehr das Gefühl selbst noch dem Spiel etwas beisteuern zu können. Es ist quasi eine Art Railroading durch den Mitspieler, wobei dieser eigentlich nur helfen will (und durch seine taktische Expertise glänzen).

Eine einfache Regel zwischen Spielern kann dagegen schon helfen: Mein Charakterbogen ist heilig – aber ich darf Dir alles davon erzählen.

Und ganz nebenbei kann man auch so noch ein paar Charaktergeheimnisse, die auf dem Bogen vermerkt sind und die anderen Spieler vielleicht nicht wissen sollen, besser verbergen (es soll ja nicht jeder gleich wissen, dass mein Charakter in Wirklichkeit ein Telepath ist) …

Gewinner beim Deutschen Spielepreis 2008

Ich nehme jetzt schon seit etwa 10 Jahren oder so regelmäßig an der Abstimmung zum Deutschen Spielepreis teil. Dieser Publikumspreis ist das Pendant zum Jurypreis Spiel des Jahres und hat unter Spielefans eine weit größere Bedeutung. Dieses Jahr ging er verdient an das absolut grandiose „Agricola“ (Lookout Games) von Uwe Rosenberg. Bleibt nur zu bedauern, dass Uwes Spiel zu komplex für eine Umsetzung für die BrettspielWelt ist.

Generell war dieser letzte Brettspieljahrgang meiner Meinung nach ein sehr starker. Auch der zweite Preisträger, „Stone Age“, ist ein spannendes Spiel das zum Ausprobieren diverser Taktiken einlädt und nicht so schnell langweilig wird. Ich hatte es auf Platz 4 gewählt, hinter „Agricola“, „Kakerlakensalat“ und „Linq“ und noch vor „Cuba“, dass beim Spielepreis Platz 3 geschafft hat. Wobei ich Kakerlakensalat mittlerweile persönlich etwas tiefer einstufen würde.

Und: auch ich habe mal beim Deutschen Spielepreis gewonnen. Nur durch meine Teilnahme bekam ich vom Ausrichter, dem Friedhelm Merz Verlag, ein Spiel: „Das Zepter von Zavandor“. Noch ein angenehmer Grund mehr sich zu freuen. 🙂

Solo-Hörspielabenteuer und Spielleiter 2.0

Solo-Abenteuer waren für viele von uns eine erste Begegnung in der Kindheit mit dem Genre der Rollenspiele. Die Spielbücher von Ian Livingstone und Steve Jackson waren dabei hierzulande besonders beliebt, aber auch Das Schwarze Auge hat ebenfalls regelmäßig Solo-Abenteuer herausgegeben. Inhalt: man geht mit einem Charakter auf eine interaktive Queste, deren Ausgang man durch eigene Entscheidungen am Ende eines Abschnitts („Wenn Du links weiter gehen willst, lese auf Seite 157 weiter, wenn Du rechts weiter gehen willst, lese auf Seite 63 weiter.“) oder in Fortgeschrittenenvarianten durch Würfelwurfe beeinflusst.

Brett-Spielkonsole Yvio
Brett-Spielkonsole Yvio

Nun plant ausgerechnet eine Brettspielinnovation dieses alte Genre etwas wieder zu beleben – und das als Hörspiel (ja, genau diese andere Sache, die mir in meiner Kindheit das Taschengeld geraubt hat). Mit dem Yvio, einer interaktiven Brettspielkonsole, kommt im Herbst das interaktive Hörspiel „Mia und der Zauberstein“ auf dem Markt, und das für Besitzer dieser Konsole (Kostenpunkt: etwa € 80,– inkl. Brettspiel) sogar als kostenloser Download. Sicher, das ganze ist auf eine junge Zielgruppe von Mädchen ab 5 Jahren anvisiert und entsprechend aufgemacht, aber dennoch ist das Prinzip und Gesamtkonzept durchaus interessant, um eine junge Zielgruppe an das Hobby heranzuführen.

Darüberhinaus könnte das ganze durchaus auch für das P&P-Rollenspiel interessant werden, wie der Hersteller auf seiner Website direkt anspricht: „Einige Spiele (z.B. Rollenspiele) zeichnen sich durch eine große Komplexität aus und Erschweren so den Zugang […]. [Der Yvio] kann hier Hilfestellung geben und mittels moderner Technologien, wie elektronischer Identifikation/Positionsbestimmung oder Sprachausgabe, komplexe Spielabläufe verständlich abbilden und den Einstieg in die Materie erleichtern.“ (Quelle)

Ist das also der Spielleiter 2.0? Oder vielleicht nur der Spielleiterschirm 2.0? Jedenfalls würde ich eine solche Gegensprechanlage wohl eher auf dem Spieltisch als Hilfe stellen als mein Laptop …

(via Heise Newsticker)

Der Film zum Brettspiel

Spielbox meldet heute, dass Hasbro und Universal Pictures einen Kooperationsvertrag abgeschlossen haben, bei dem mindestens vier erfolgreiche Spiele von Hasbro durch Universal verfilmt werden sollen.

Dies mit der Videospielbranche schon lange praktizierte Konzept der Zweitverwertung (man denke nur an die Verfilmungen von „Tomb Raider“ oder „Resident Evil“) soll nun mit Brett- und Kartenspielen versucht werden. Bei dem genannten Beispiel von „Cluedo“ kann ich mir das ja durchaus noch vorstellen, auch dass man irgendetwas in das „Magic the Gathering“-Setting setzen kann.

Aber spätestens bei „Monopoly“ hört es für mich auf, dafür will mir kein direkter Ansatz einfallen, wenn dann muss es sehr abstrakt sein. Was hat Hasbro noch für Marken? Hmm, „Robo Rally“ fällt mir natürlich noch ein, da könnte man sicher einen spaßigen Animationsfilm in der Art von „Robots“ oder „Wall-E“ machen. Und „Origo“ könnte auch zu einem interessanten Früh-Mittelalter-Film führen. „Trivial Pursuit“, „Tabu“ oder „Outburst“ laden aber eher zu spaßigen Spielshows denn Kinofilmen ein (zu „Trivial Pursuit“ zumindest gab es das ja mal in den neunziger Jahren auf Vox mit Biggi Lechtermann). Und Kinderspiele wie „Doktor Bibber“, „Wer ist es“ oder „Twister“ erscheinen mir auch nicht die besten Grundlagen zu bieten.

Hasbro hat ja nicht die Lizenzen an den erfolgreichsten Brettspiel-Reihen „Siedler von Catan“ oder „Carcassonne“. Da könnte ich mir richtig interessante Verfilmungen vorstellen, für die Siedler gibt es ja immerhin schon einen erfolgreichen Roman. So abwegig wäre das ganze gar nicht. Mir fällt gerade ein: irgendwann letztes Jahr hatte ich mal mit Uwe gesprochen, der über eine Cartoon-Reihe für sein „Bohnanza“ spekulierte.

Und was ich mir wirklich spaßig vorstellen könnte, wäre eine Verfilmung der Munchkin-Spiele … 😉

AudioGuide zur SPIEL 2007

AudioGuide LogoMorgen Abend wird Stefan Franks mit seinem Pöppelpod mit einem Special „AudioGuide“ zur SPIEL 2007 an den Start gehen. Darin stellt er wie immer gut recherchiert und in gewohnter Manier die Highlights der diesjährigen SPIEL vor und lässt dabei „zahlreiche Autoren, Spiele-Redakteure und andere Vertreter der Spieleszene zu Wort“ kommen. Das ganze geordnet nach Verlagen, so dass man sich gezielt aussuchen kann, mit welchen Informationen man sich berieseln lassen will.

Wer bereits auf der SPIEL angekommen ist, hat sogar dort noch die Möglichkeit sich die Infos kostenlos auf seinen MP3-Player spielen zu lassen. Am Stand der „Spiel’x’Press“ (6-37) gibt es den entsprechenden USB-Anschluss.

Auch ein paar Neuheiten der Rollenspiel-Verlage werden dabei vorgestellt, verriet mir Stefan vorab. Auf der Messe ist er dann auch wieder als rasender Reporter unterwegs und wird dort sicher einiges interessantes Material, auch für das RPGRadio, zusammenbekommen.

Stimmabgabe für den Deutschen Spiele Preis – Letzte Chance

Nur noch drei Tage, dann ist das Voting für den Deutschen Spielepreis 2007 geschlossen. Noch kann man auf der offiziellen Internetseite seine Stimme für die fünf besten Gesellschaftsspiele und das beste Kinderspiel des Jahrgangs abgeben.

Hier meine Stimmabgabe:

  1. Yspahan. Nicht nur der eindeutige Favorit vieler Spielefreunde sondern auch einfach das beste Spiel des aktuellen Jahrgangs. Und auch nur knapp am Spiel des Jahres vorbeigeschlittert. Punkt.
  2. Gheos. Ein einfaches Prinzip eines Legespiels in der Art von Carcassonne umgebaut zu einem spannenden Spiel, bei dem man selbst mal ein Gott sein kann und die Schicksale von Völkern beeinflussen kann. Und die Wertungen kommen überraschender, als man meint.
  3. Würfel-Bingo. Das Spiel hat nicht nur den wohl einen der unattraktivsten aber gleichzeitig passendsten Namen verpasst bekommen, die man sich vorstellen kann, sondern spielt sich angenehm zügig und spannend mal eben nebenbei.
  4. Space Dealer. Allein wegen der innovativen Spielkomponente der vielen Sanduhren gehört es auf meine Liste.
  5. Ladybohn. Als absoluter Bohnanza-Fan muss ich doch ein Spiel der Familie nominieren, oder? 😉

Auch wenn einige meiner durch meinen persönlichen Spielegeschmack stark gefärbten Nominierungen doch eher chancenlos sein werden, bei Yspahan bin ich mit zu 90% sicher, dass es gewinnen wird.

Spiel des Jahres 2007: „Zooloretto“

Wie von vielen Spielefreunden erwartet und auch von mir im Forum vorhergesagt, hat die Jury des Spiel des Jahres „Zooloretto“ gekürt und damit IMHO eine gute Wahl getroffen.

Zooloretto – Spiel des Jahres 2007„Zooloretto“ ist quasi eine kleine Zoosimulation. Die Spieler decken reihum je eine Karte mit Tieren, Zooständen oder Geld auf und sortieren diese nach eigener Meinung auf einen der Wagen. Alternativ dürfen sie auch einen der bereits aufgedeckten Wagen nach Hause nehmen (dann spielen sie aber diese Runde nicht mehr mit, was aber durch nette Sortierfreuden erleichtert wird) oder in ihrem bisherigen Zoo gegen Geld Umbauaktionen vornehmen. Kleine niedliche Details ermöglichen es, dass Tiere im eigenen Zoo Nachwuchs bekommen können, damit die Gehege noch schneller füllen und ein zusätzlicher Besuchermagnet sind.

Das Spiel hat keine besondere Tiefe, bringt aber dennoch (oder gerade deshalb) durchweg Spaß und weißt einen extremen Niedlichkeitsfaktor auf (nur das Eisbärengehege samt Eisbär-Baby fehlt noch). Gerade durch seine doch sehr simplen Regeln ist es daher ein wirkliches Familienspiel, dass von groß und klein gerne gespielt werden wird. Nachdem letztes Jahr die Jury vor allem die Vielspieler mit „Thurn und Taxis“ angesprochen hat aber viele Familien aufgrund der Regelkomplexität aus dem typischen Kaufraster für ein Spiel des Jahres rausgefallen waren, ist dieses Jahr ein Spiel gekürt worden, dass auch unter vielen Weihnachtsbäumen landen kann. Und gerade davon profitiert dann auch die gesamte Spielebranche wieder, da die Spielkultur in Deutschland generell gefördert wird.

Damit setzt sich der Trend fort, dass das Spiel des Jahres vor allem ein Familienspiel auszeichnet und die Vielspieler in dem Deutschen Spielepreis eine sinnvollere Orientierungshilfe finden. Dort wird dann nach meiner Ansicht das ebenfalls für das Spiel des Jahres nominierte „Yspahan“ das Rennen machen. Noch kann jeder bis zum 31. Juli dort seine Stimmen abgeben.

„Zooloretto“ wird erfahrungsgemäß in wenigen Tagen bereits auch im gut sortierten Handel komplett ausverkauft sein und es wird bis August dauern, bis der Verlag eine neue große Stückzahl auf den Markt bringen kann. Man sollte sich also beeilen, wenn man noch ein Exemplar ohne den Roten Pöppel haben möchte.