Musik für Rollenspieler gemacht: Orkpacks „Fantasy Ambience“

Ein unverhoffter Anruf

Ich war mitten in einer Veranstaltung als mich urplötzlich Ralf Kurtsiefer telefonisch anrief, ob ich nicht Interesse hätte, eine CD zu rezensieren. Ich hatte mit ihm bisher nicht viel zu tun gehabt, aber er war mir durch die Rollenspiel-Connections durchaus schon ein Begriff, dennoch brauchte ich quälend lange, bis der Groschen gefallen war und ich ihn einordnen konnte – und vor allen, warum ausgerechnet ich eine CD rezensieren wollen würde.

So machte es aber natürlich mehr Sinn. Durch jahrelange Penetration meiner Rollenspielrunden mit vorrangig Film-Scores habe ich wohl durchaus etwas Erfahrung darin einzuschätzen, was sich gut, und was sich weniger gut eignet.

Ich hatte, wie gesagt, gerade leider keine wirkliche Zeit mit ihm zu plaudern, aber wir sprachen ab, dass er mir gerne seine CD per Post zuschicken kann, und klärten nur noch kurz, ob die Adresse, die er von mir hatte, korrekt wäre.

Der Künstler: Verwoben mit dem Uhrwerk-Werken

Ralf hat über fünf Jahre Erfahrung mit dem Erstellen von Musik für Rollenspielrunden und laut seiner Vita auch für Fantasy-Filme und Audiobücher. Vorher hatte er nach eigenen Angaben mit der Rap-Szene der 80er zu tun gehabt, bevor ihn der Rollenspielvirus erwischt hat.

Dabei hat er offenbar starke Verbindungen zu den Orkenspalter- und Uhrwerk-Leuten aufgebaut, so hat er unter anderen den DSA-Fanfilm „Leuenklinge“ musikalisch untermalt hat und für mehrere Rollenspiel-Produkte des Uhrwerk-Verlags offizielle Scores konzipierte, darunter für Splittermond, Space 1889, Dungeonslayers und auch zur DSA-Welt Myranor, die ebenfalls bei Uhrwerk erscheint, wodurch er auch eine eigene Wiki Aventurica-Seite hat.

Aus seinen Soundtracks zu den Rollenspielen stammen dann auch je vier bis fünf Tracks auf „Fantasy Ambience“, das Ralf mir geschickt hat.

Vielfältiges Synthesizer-Werk

Das Wichtigste vorweg: Dies ist eine CD für Rollenspieler von jemanden, der über die besonderen Anforderungen solcher Runden Bescheid weiß. Es gibt keinen prägnanten Gesang im Vordergrund, der den Dialog der Spieler stören könnte und auch keine alles-dominierenden Melodien*.

* Das ist einer der Gründe, warum John Williams großartige Scores für Star Wars sich nur schwer bis gar nicht im Rollenspiel einsetzen lassen – die bekannte Hymnen reißen einen immer aus der Immersion raus.

Ein Medley der Tracks gibt es von ihm auf seinen Soundcloud-Account, so dass sich jeder selbst einen Eindruck verschaffen kann:

Ich muss einschränken: ich bin vor allem „große“ Filmsoundtracks gewohnt. Entsprechend fallen mir Synthesizerklänge erstmal ungewohnt auf. Sicher, man kann nicht erwarten, dass mal eben für die Aufnahme ein Symfonieorchester engagiert wird. Aber teilweise ist die Herkunft aus den künstlichen Repertoire eines Synthesizers doch zu deutlich zu erkennen, gerade die Streicher wirken zu „glatt“, zu „perfekt“ und entsprechend zu „unnatürlich“. Aber das ist keine Schuld des Komponisten und letztlich auch Geschmacks- und Gewöhnungssache. Man bekommt im Ausgleich dafür eine sehr breite Vielfalt unterschiedlicher Klangwelten serviert.

Dabei verwebt er mal Spieluhr-Melodien („Clockwork“), setzt auch mal auf äußerst prägnante Perkussion („Lizards“, das Stück ist auch oben im Video zu hören) oder mischt allerhand Samples wie Tierlaute oder menschliche Stimmen dazu („Tavern“, „Hometown“, „At the Court“) ein um seine Melodien zu bereichern. Seine Tracks „Inspired by Aventurien“, aber auch einer zu Dungeonslayers („Wasteland“) und einer zu Splittermond („Temple“) sind vor allen durch orientalische Klänge geprägt, erinnern dabei ein wenig an Bryan Tylers brillanten „Children of Dune“-Soundtrack. Auch eine Verwandheit mit Greg Bear und andere Einflüsse aus der modernen Film- und Serienmusik sind gegeben. Melodisch bewegen sie sich auf überzeugenden Niveau, er baut sogar zeitweise eine Fuge mit einem Cembalo auf (abermals „At the Court“), wodurch dieses Stück wohl zu meinem Favorit auf der CD wird.

Das Cover der CD zeigt passenderweise drei Orks.
Das Cover der CD zeigt passenderweise drei Orks.

Orkpack: „Fantasy Ambience“ (2015)

Komponist: Ralf Kurtsiefer

Aufmachung: Die CD selbst kommt in einem hochwertigen Super-Jewelcase und hat ein 8-seitiges Booklet dabei.

Laufzeit aller Tracks: Etwas über 1 Stunde und 18 Minuten.

★★★★

Orkpack: „Fantasy Ambience“ ist derzeit nur vom Komponisten selbst zu beziehen. Offenlegung: Ich habe die CD freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Hans Zimmers „Time“ (aus „Inception“) auf einem Looping Cello

Hans Zimmer ist seit Jahrzehnten einer der besten Komponisten Hollywoods. Seine Scores sind abwechslungsreich und viele bleiben im Ohr. Für „Inception“ schrieb er mit „Time“ ein grandioses musikalisches Finale (zur Erinnerung hier das Original).

Slashfilms David Chen produzierte dazu diese wunderbare Variante, gespielt auf einen einzigen Cello, das einfach über einen Loopcomputer wiederholt wird und so in eine Art Canon mit sich selbst verfällt. Eine wunderschöne Variante.

(via /Film)