Italo-Superhelden-Anime-Hommage: „Sie nannten ihn Jeeg Robot“ (Blu-ray-Kritik)

Enzo ist eigentlich Kleinkrimineller, erlangt aber auf einer Flucht vor der Polizei plötzlich Superstärke und Regenerationskräfte. Diese stellen sich nicht nur als enorm praktisch für sein Tagewerk heraus, sondern stellen ihn bald vor ein Dilemma: Denn der verrückte Gangster „Gypsy“ bedroht plötzlich nicht nur ihn, sondern auch die attraktive, aber geistig zurückgebliebene Nachbarin Allessia, welche Enzo für den Helden Hiro aus der Anime-TV-Serie Jeeg Robot hält.

Bereits auf dem Fantasy Filmfest 2016 habe ich dieses italienische Kleinod anschauen (ausführliche Kritik) dürfen, und bereits damals hat er mir gefallen: Es ist zwar eine recht simple Geschichte über einen Superhelden-Origin, eine Jungfrau in Nöten und ein Superbösewicht, der erst durch den Helden entsteht und schließlich von diesem bezwungen werden muss, aber diese ist nicht nur mit einigem italienischen Lokalkolorit, sondern auch mit den in Italien immer noch sehr prominenten japanischen Anime-Serien durchwoben. Diese Anime-Serie, „Steel Jeeg“, gab es tatsächlich, sie flimmerte erstmals im Jahr 1975 über die japanischen Bildschirme und war vor allen in Italien überraschend erfolgreich – nach Deutschland kam sie aber offenbar nicht, wir hatten dafür „Captain Future“ als Anime-Serie, die Nerds abgöttisch heute noch lieben.

Superstärke ist praktisch (Foto: Pandastorm Pictures)

Der besondere Kniff von „Sie nannten ihn Jeeg Robot“ ist aber, dass der Film die Serie nicht direkt anspielt, sondern hier nur ein Plot-Inkubator ist, man braucht sie also nicht zu kennen um an den Film seine Freude zu haben, Anspielungen wie die Frage nach Jeegs „geflügelten Schwert“ sind nur extrem nerdige Details am Rande.

Superhelden-Ausbildung durch Videoabende (Foto: Pandastorm Pictures)

Die Blu-Ray-Umsetzung ist ebenfalls gelungen, kristallklares Bild und gelungene deutsche Synchron (italienischer Originalton ist mit optionalen Untertiteln in Deutsch/Englisch/Italienisch auch vorhanden), wenn auch bedauerlich ist, dass neben dem eingedeutschten Trailer es keine Extras auf die Scheibe geschafft haben. Sicher, der Film hat vor allen in Italien Filmpreise abgeräumt, in Deutschland gewann er immerhin den zweiten Platz beim Fresh Blood Award des Fantasy Filmfests.

„Sie nannten ihn Jeeg Robot“ („Lo chiamavano Jeeg Robot“, I 2016)

Regie: Gabriele Mainetti

Drehbuch: Nicola Guaglianone & Menotti

Darsteller: Claudio Santamaria, Ilenia Pastorelli, Luca Marinelli

Score: Erinnert, vermutlich bewusst gewollt, vereinzelt an Hans Zimmers „Man of Steel“-Musik.

★★★★

„Sie nannten ihn Jeeg Robot“ erscheint am 03.02.2017 bei Pandastorm Pictures auf DVD und Blu-ray, bereits seit 26.01.2017 ist er auch digital verfügbar. Offenlegung: Ich habe die Blu-ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

„Operation Avalanche“ – oder der Versuch, die Mondlandungsfälschung zu fälschen (Blu-ray-Kritik)

“We choose to go to the moon in this decade and do the other things, not because they are easy, but because they are hard.” (John F. Kennedy, 1962)

Kennedys Plan, auf dem Mond zu landen, setzte ein beispielloses Wettrennen zwischen der USA und der Sowjetunion in Gange, bei dem die Genossen lange die Nase vorn hatten, immerhin hatten sie anderthalb Jahr zuvor den Kosmonauten Gagarin als ersten Menschen in den Weltraum geschossen – und sicher wieder zurück auf die Erde geholt.

Doch als die CIA-Agenten Matt Johnson (Matt Johnson) und Owen Williams (Owen Williams) ein Telefonat der NASA abhören und dabei feststellen, dass die Weltraumbehörde zwar auf dem Mond landen, aber nicht wieder starten könne, keimt in beiden ein waghalsiger Plan auf: Begeistert von der Arbeit des kreativen Regisseurs Stanley Kubrick, der gerade einen Film über eine Mondlandung drehen will, wollen sie mit moderner Filmtechnik ein wenig nachhelfen und den Vereinten Staaten diesen wichtigen Sieg gegen den Klassenfeind ermöglichen.

Die Mondlandung war schon immer eines der großen Themen für Verschwörungstheoretiker und genau mit dieser Idee wird auch hier gespielt. Dabei ist es noch nicht einmal der erste Film, der dies umsetzt, bereits 1977 wurde das Thema von Peter Hyams in „Unternehmen Capricorn“ aufgegriffen und 2003 wurde bereits Regisseur Stanley Kubrick in der französischen Mockumentary „Kubrick, Nixon und der Mann im Mond“ für die Fälschung verantwortlich gemacht.

Teilweise im Lyndon B. Johnson Space Center in Huston gedreht (Foto: Ascot Elite)

„Operation Avalanche“ ist eine Found-Footage-Mockumentary, die stilistisch extra auf altes Filmmaterial getrimmt wirken soll, vermutlich wie ein Super-8-Film (wobei dieses Filmformat erst 1965 von Kodak eingeführt wurde). Ständig gibt es Unschärfen, wilde Kameraschwenks sowie Dreck, Staub und andere Fehler auf der vermeintlichen Projektion, was dem Film eine besondere Authentizität verleihen soll. Dabei orientierte sich der Regisseur tatsächlich auch sonst von der Bildsprache her stark an den damaligen Dokumentationen. Auch die Ausstattung des Films ist mit sehr viel Liebe an der damaligen Zeit orientiert, was überraschend positiv auffällt, wenn man das geringe Budget des Films zugrunde legt.

Foto: Ascot Elite

Teile des Films wurden daher sogar im Guerilla-Stil gedreht: Die Filmmacher gaben sich als Filmstudenten aus, welche eine Filmdokumentation über die NASA in den 60er Jahren bei der NASA drehen wollten – strenggenommen nicht ganz eine Lüge – und bekamen so die Möglichkeit, an Originalorten zu drehen. Daher wurden die Hauptcharaktere des Films auch nach den Darstellern benannt, um die Charade aufrecht erhalten zu können. Ein faszinierender und äußerst kreativer Ansatz.

Leider zahlt sich dieser Ansatz aber nur bedingt aus, denn die eigentliche Story bleibt flach und letztlich eine One-Man-Show mit etwas bizarren Humor, der zumindest bei mir nicht immer zündete. Und es sollte auch etwas zu denken geben, dass die Featurette tatsächlich etwas interessanter als der Film selbst ist.

„Operation Avalanche“ (USA 2016)

Regie: Matt Johnson

Drehbuch: Matt Johnson , Josh Boles

Darsteller: Matt Johnson, Josh Boles, Owen Williams

Extras: Featurette, extra von Ascot Elite auf einem Züricher Filmfestival gedreht, Trailer

★★★☆☆

„Operation Avalanche“ erschien am 13.01.2017 bei Ascot Elite auf DVD und Blu-ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Fantastischer Rollenspiel-Kurzfilm: „Numenéra: Strand“

Monte Cook hat zu seinem Entdecker-Rollenspiel in Ferner Zukunft einen Kurzfilm zusammen mit Joan Manuel Urquiaga Valdes inszeniert. „Numenéra: Strand“ gibt einen guten Eindruck über das faszinierende Setting, in der längst-vergessene Relikte in den primitiven Augen der Bewohner der Welt zu Magie werden und ist mit wirklich guten Computereffekten inszeniert.

Wie sich „Numenéra“ spielt zeigen wir übrigens gerade drüben bei einem Let’s Play-Podcast bei Ausgespielt

Rollenspiel-Jahresrückblick 2016 (RPG-Blog-O-Quest #016)

Da ich eh auch für die Rollenspiele (und nicht nur für die Filme) einen kleinen Rückblick machen wollte, hier einfach dieser basierend auf den Fragen aus Greifenklaues RPG-O-Blog-Quest #016:

1. Für 2017 hab ich mir in punkto Rollenspiel vorgenommen, wieder etwas mehr Neues auszuprobieren. Dazu muss ich wohl oder übel mit meinen Runden etwas aufräumen. Derzeit sind es drei feste, die langlebige Dresden Files-Runde „Tower Knights“, eine 2016 gestartete Runde „Siebte See“ (2. Edition) sowie eine ebenfalls 2016 gestartete zweiwöchentliche Superhelden-Runde namens „Marvel Seconds“, in welcher die SC in die Fußstapfen von Marvel Superhelden treten müssen.

Während ich bei „Tower Knights“ auch in der aktuell ins achte Jahr startenden Staffel immer noch eher wenig Ermüdungserscheinungen sehe, ist die Siebte See-Runde nicht so richtig gut gestartet, was aber sehr stark an den äußeren Rahmenbedingungen lag, dies wird sich nun hoffentlich im neuen Jahr ändern, die Weichen sind bereits gesetzt. Und die Superhelden-Runde läuft bisher sehr gut, ich schätze momentan, dass wir mit der Kampagne in vier bis sechs Monaten aber durch sein werden, wie es danach weitergehen wird, müssen wir dann sehen, aber da mache ich mir keine Sorgen.

2. Das beste/einprägsamste Erlebnis 2016 in Deiner Rollenspielrunde war, als wir in einer Marvel-Rollenspielrunde durch das Einfügen von Deadpool die vierte Wand durchbrachen und damit eine großartige Metaebene einführten, auf der sich sowohl der Spieler von Deadpool als auch ich als Spielleiter kreativ austoben können.

3. Welches Rollenspielprodukt hat Dich im vergangenen Jahr am meisten erfreut? Bin immer noch Fate treu. Hatte zwar auch viele Hoffnungen auf das neue Siebte See-System gesetzt, bin aber noch nicht wirklich überzeugt, was aber auch an der Spielpraxis liegt (s.o.).

4. Welchen SC hast Du am meisten gespielt in 2016, welches System war das und an was werden sich die Mitspieler erinnern? Bis Mitte des Jahres konnte ich einen Weißhof-Vampir in einer Dresden Files-Kampagne spielen, der einfach komplett anders war als ich: Reich, attraktiv … äh … nein … ich meine, dass er komplett andere politische Einstellungen vertrat als ich und ein Riesen-Fan der Republikanischen Tea-Party war – und dennoch ein Held, gerade weil er so viele Fehler machte.

5. 2016 gilt als Jahr vieler toter Promis. Gab es auch tote SC {oder prominente NSC} in Euren Runden? Wenn es um prominente NSC geht, könnte ich einen Haufen X-Men aufführen, die Plot-gewollt den SC Platz machten. Wenn es um SC geht: Dieses Jahr habe ich kein D&D gemeistert, entsprechend sind meine Spieler auch um einen TPK herum gekommen.  Dafür habe ich den einen oder anderen SC (auf Wunsch der Spieler) ausgebaut, aber gestorben ist dabei keiner.

Die Regeln: An jedem Monatsersten stellen Würfelheld oder Greifenklaue in abwechselnder Reihenfolgen fünf Fragen/Lückentexte, welche wir Euch bitten auf Euren Blogs, in Euren Podcast, in Euren Vlogs oder in Foren zu beantworten (bzw. auszufüllen). Jeder Monat erhält ein Hauptthema, um den sich die Fragen drehen. Über die Zusendung Eurer Links, per Mail, Kommentar, usw. freuen wir uns. Jeder, der sich die Zeit nimmt, unsere Fragen zu beantworten ist herzlich Willkommen.

„Red Planet“ – Ein Fate World-of-Adventures-One-Shot

Zwischen Weihnachten und Neujahr biete ich schon seit einigen Jahren immer den einen oder anderen One Shot im Freundeskreis an mit dem Ziel, auch mal etwas Neues kennen zu lernen. Diesmal war es nicht wirklich etwas Neues: „Red Planet“ ist ein Fate Core World of Adventure, das gerade erst Ende 2016 erschienen ist, und das man kurz als „Sowjetische Pulp-Space-Opera“ pitchen könnte.

Weltraum-Pulp

Es ist das Jahr 3378 nach dem alten Erdkalender, doch die Erde ist zerstritten in die zwei Großkulturen der kapitalistischen USA und der korrupten pseudo-kommunistischen Diktatur der UdSSR. Doch nachdem vor 773 Jahren vierzehn Kommunen die „Nikolay Przhevalsky“ bauten und mit ihren Männern, Frauen und Kindern von der Hayes-Insel aus aufbrachen und die kapitalistisch-royalistische Diktatur der Marsianer nieder rangen, entstand auf dem Mars eine utopische Gesellschaft: die Union der Materialistischen Republiken (UdMR, kurz: Die Union).

Neben Neu Moskau und anderen Republiken auf dem Mars wurden auch Basen auf Phobos und Deimos errichtet. Im Jahr 181 nach der Landung erlebten die Siedler den ersten großen Rückschlag durch die Geometristen, einer zweidimensionalen Spezies, welche unsere Dimension erobern will. Im Jahr 227 wurde die Venus von dem dort herrschenden Feudalismus befreit. Im Jahr 521 nach der Landung konnte endlich der Friedenstag gefeiert werden, zusammen mit den sogenannten USA, UdSSR und den Geometristen (aber natürlich ohne die Piraten im Asteroidengürtel). Dieser Frieden, wenn er auch von vielen als „Stiller Krieg“ angesehen wird, dauert mittlerweile seit 252 Jahren an. Die UdMR konnte auf vielen anderen Planeten des Sonnensystems Basen errichten, lediglich auf Merkur (zu heiß und zuviele Insekten), Uranus (zu kalt) und dem erst kürzlich theoretisch gefundenen, aber bisher noch nicht entdeckten Planeten 10 wurde bisher nicht gesiedelt.

Was gilt als „normal“?

  • Strahlenrevolver und Blastergewehre
  • Fluganzüge und Jet-Pack Raumanzüge
  • Armbandkommunikatoren
  • Die meisten Planeten des Sonnensystems haben Erdähnliche Atmosphären
  • Antigrativation funktioniert dank einer Technologie basierend auf dem Element „Trirodov“
  • Überlichtgeschwindigkeit und -kommunikation ist möglich
  • Riesige, sich langsam bewegende Terraforming-Maschinen
  • Fortgeschrittene Computer (aber Roboter und KI sind in der Union verboten, das wäre zu nahe an der Sklaverei)
  • Luftschiffe zusätzlich zu Flugzeugen und Fluganzügen
  • Saubere und sichere Atomenergie

Regeln zu „Bekehrungen“

Es gelten die Regeln von Fate Core mit folgenden Zusätzen:

  • Jeder Charakter gehört einer Sozialen Klasse an, die ihm einen Bonus auf zwei Fertigkeiten einbringt (auf den Charakterzetteln bereits integriert).
  • Die Fertigkeit Fahren wird mit Pilot ersetzt.
  • Neue Fertigkeit: Ruhm (Renown). Kann und sollte im sozialen Konflikt eingesetzt werden.
  • Bekehrung: Anstelle seine Feinde umzubringen bevorzugen es Mitglieder der Union, diese zu konvertieren. Dies wird als mentaler Konflikt abgebildet, der auch bei Gruppen in Form von vier aufeinander aufbauenden Würfen funktioniert: Wahrnehmung, Empathie, Wille und Charisma. Erfolge werden gesammelt (Volltreffer bringen sogar 2 Erfolge) und abhängig davon wird ein Anteil der Gruppe konvertiert (bei 8+ Erfolgen hat man bspw. bereits 100% konvertiert).

Einstiegsabenteuer mit Hürden

Leichte Spoiler:

Die Helden werden auf einer Weltraumstation kurzerhand rekrutiert, als ein Trirodov-Frachter kurz vor dem Landeanflug umkehrt und auf den Asteroidengürtel zusteuert, in dem Piraten hausen. Bei der Verfolgungsjagd können sie tatsächlich auch auf Piraten treffen, das Endziel ist aber ein Asteroid, in dem eine riesige Kanone von einer Geometristin errichtet wurde und mit der diese sowohl die Erde als auch den Mars durch einen Riesenimpuls in eine technologische Steinzeit stürzen will.

Mit dem Abenteuer selbst hatte ich aber ein paar Probleme: Zum einen war der Einstieg ziemlich problematisch, denn die Idee, dass die Helden tatsächlich nur Touristen auf einer Raumstation waren und nur durch Zufall ins Abenteuer gezogen werden, fand ich schon sehr weit hergeholt. Notfalls sollte, laut Abenteuer, die Kommandantin eingreifen und sie dazu befehligen. Mit etwas Kreativität kann man diesen Einstieg als Spielleiter zwar einigermaßen umschiffen, aber für Anfänger-Spielleiter ist das dann doch etwas wenig.

Dann verläuft das Abenteuer extrem geradlinig, wobei es meine Spieler dann doch geschafft hatten, zwei Szenen (und damit Konflikte) komplett zu überspringen, was aber durchaus in Ordnung ging, da Kreativität immer vorgehen sollte.

Science Fiction aus der UdSSR

Ein pulpiges Space Opera-Setting ist im Prinzip ja erstmal nichts Neues. Hier ist der besondere Dreh aber die Tatsache, dass dies aus den Science Fiction-Werken der früheren Sowjetunion stammen soll und eine wirkliche Utopie schildern soll. Die Gesellschaft tut also nicht nur nach außen so, sondern ist tatsächlich eine kommunistisch/materialistische Utopie.

Zu den Regeln: Es gerät die Balance der 4er-Pyramide durch die zwei Boni (durch die neue soziale Klasse) etwas aus den Fugen, aber das ist abfederbar. Was aber problematisch erscheint, ist die Umsetzung der „Konvertierung“, oder genauer die der Massenkonvertierung, denn die klappt halt auch im Kampf gegen Mobs. Die dazu notwendigen vier Würfe sind für einen entsprechend spezialisierten SC (und einer der vorgefertigten Charaktere ist genau dies) nicht das große Problem und sind tatsächlich extrem effektiv. Andererseits gehen Mob-Kämpfe in Fate auch eher selten über vier Runden hinaus. Daher geht das nach meinem Gefühl durchaus in Ordnung und hat bei dem einen Einsatz, den wir erlebt haben, auch Spaß gehabt.

Ärgerlich sind ein paar Lektoratsfehler, bei denen die Spielmechanik falsch umgesetzt wurde: Einem vorgefertigten Spieler-Charakter fehlt ein fünfter Aspekt, und bei der Massenkonvertierung wird einmal von einer Grundschwierigkeit von +3 für die Würfe, einige Absätze später wird dann gesagt, dass die Grundschwierigkeit um einen auf +3 erhöht werden würde. Vermutlich ist +3 hier aber der korrekte Wert.

Allgemein ist „Red Planet“ aber abermals ein durchaus gelungenes Fate Core World of Adventure mit einem spaßigen, etwas anderem Setting.

„Red Planet – A World of Adventure for Fate Core“

Autor: Jess Nevins

Verlag: Evil Hat Productions

PDF bei DriveThruRPG

★★★★

Die „World of Adventure for Fate Core“-Reihe wird über Patreon finanziert, ich unterstütze diese dort. Einzelne Abenteuer lassen sich aber auch separat über DrivethruRPG als Pay-what-you-want erwerben. Derzeit erscheinen einzelne World of Adventure-Bände auch übersetzt als „Fate Abenteuerwelten“.

Die durchweg stimmungsvollen Illustrationen bei „Red Planet“ stammen von Tazio Bettin und Enrica Eren Angiolini/Evil Hat. 

Rons Filmjahr 2016 (plus Ausblick)

Ja, jeder hat schon über 2016 gemeckert undwir haben viel zu viele große und wichtige Film-Stars verloren (David Bowie, Kenny Baker, Carrie Fisher, Debbie Reynolds, Zsa Zsa Garbor, Gene Wilder, Garry Shandling, Anton Yelchin, Ron Glass, Alan Rickman, … Der In-Memoriam-Part der Oscars nächstes Jahr wird fühlbar schwerer als sonst).

Die Top-Filme des Jahres 2016

Aber es gab 2016 auch einige herausragende Filme, denen ich fünf Sterne verliehen habe. Ich bin positiv überrascht, dass dieses Jahr gleich die Hälfte dieser Liste von deutschsprachigen Produktionen belegt ist. Angeführt wird die Liste allerdings von dem grandiosen Kleinod von Taika Waititi, das leider hierzulande immer noch auf eine Veröffentlichung außerhalb von Festivals auf sich warten lässt, warum auch immer.

Platz 6: „Schrotten“

Foto: Port au Prince Pictures GmbH

Ein deutscher Heist-Film, um die Ecke in Celle gedreht, mit guten Darstellern und einem hervorragend getakteten Plot.

(Komplette Rezi)

Platz 5: „The Big Short“

Foto: Paramount Pictures/Regency Enterprises

Ein durchaus komplexes Thema, die Immobilien-Finanzkrise in den USA, wird aus mehreren Perspektiven mit äußerster Süffisanz mit einiger Starpower beleuchtet – und unterhält dabei genauso wie er informiert und schockiert.

(Komplette Rezi, bereits jetzt bei Netflix anzuschauen)

Platz 4: „Die Blumen von Gestern“

Foto: Edith Held/Four Minutes Filmproduktion

Ein eigentlich absurdes Film-Thema: Totila Blumen (Lars Eidinger) arbeitet als Holocaustforscher in einer Bundeseinrichtung und soll zusammen mit der französischen Praktikantin jüdischer Herkunft Zazie (Adèle Haenel) zusammen einen Ausschwitz-Kongress organisieren. Beide kommen nicht ansatzweise miteinander klar, doch Zazie hat mit Totilas neuem Boss (Jan Josef Liefers) eine Affäre und ist ebenso emotional labil wie Totila. Und dann droht auch noch der prominente Stargast des Kongresses abzuspringen …

Eine absolut gelungene Komödie mit glaubhaften Darstellern, welche die Auswirkungen des Holocausts auf spätere Generationen genauso realistisch wie komisch erforscht.

(Ab 12. Januar 2017 im Kino)

Platz 3: „The Arrival“

Als die Außerirdischen an zwölf Punkten der Welt landen, ist die erste Herausforderung, überhaupt eine Kommunikation mit diesen herzustellen. Die brillante Linguistin Louise Banks (Amy Adams) übernimmt dies bei einem der Muscheln genannten Schiffe, stellt aber bald fest, dass die wirkliche Herausforderung nicht in den Worten, sondern in der unterschiedlichen Denkstruktur liegt.

Ein oscarwürdiger Science-Fiction-Film basierend auf einer Kurzgeschichte von Ted Chiang, welche Drehbuchschreiber Eric Heisserer und Regisseur Denis Villeneuve noch deutlich verbessern. Ein Erst-Kontakt-Film ohne Raumschiffschlachten und einem Fokus auf die Sapir-Whorf-Hypothese – mit starker emotionaler Basis, die allein von Amy Adams getragen wird.

(Meine Lobhudelei im Ausgespielt-Podcast)

Platz 2: „Toni Erdmann“

Toni Erdmann (Peter Simonischek) beim Eiermalen (Foto: Komplizen Film)

Winfried (Peter Simonischek) ist ein ausgeprägter Scherzbold, der mit absurden Kostümierungen und vor allen falschen Zähnen seine Umgebung zu unterhalten versucht. Aber vor allen zu seiner Tochter, der Karrierefrau Ines (Sandra Hüller), hat er über die Jahre immer mehr Kontakt verloren. Daher entschließt er sich mit seinem Alter Ego, Toni Erdmann, in ihr Business-Leben vorzudringen.

Zu Recht als deutscher Oscarkandidat nicht nur gehandelt sondern auch tatsächlich ins Rennen geschickt – Maren Ades Film ist absolut unkonventionell wie auch gleichzeitig bezaubernd und kaum in Worte zu fassen. Einfach ein Erlebnis.

(Seit wenigen Tagen auf DVD, Bluray und VoD erhältlich)

Platz 1: „Hunt for the Wilderpeople“

Der Junge Ricky (Julian Dennison) ist ein echter Problemfall für seine Pflegefamilien, und auch bei seiner neuesten am Rande der neuseeländischen Wildnis hat er starke Probleme sich einzuleben. Doch als er und sein Pflegeonkel (Sam Neill) in der Wildnis verloren gehen, löst dies nicht nur eine nationsweite Suche nach den beiden aus, sondern bringt diese notgedrungen enger zusammen, als es beiden zunächst lieb ist.

Taika Waititi überraschte schon vor zwei Jahren mit der charmanten Komödie „5 Zimmer Küche Sarg“ („What We Do in the Shadows“). Sein neuer Film übertrifft diesen bei weiten und ist die Feel-Good-Indie-Komödie-mit-viel-Herz des Jahres, die wirklich „majestical“ ist.

(Leider bisher kein deutscher Verleih bekannt)

Die Flop-Filme des Jahres 2016

Aber dann waren da auch noch diese beiden Tentpole-Filme, die Hollywood mal wieder kaputt-optimiert hat. Beiden zueigen sind zu große Ensemble, zu wenig Fokus auf die eigentliche Story und bombastisch langweilige Explosionen. „Batman v. Superman“ hat es übrigens nur knapp nicht auf diese Liste geschafft, da der Film zumindest in der Extended Version ein paar wenige gute Szenen hat – wenn man da noch eine Story dazwischen aufgefüllt hätte (eine sehr gelungene Video-Analyse dazu hat The Nerdwriter).

Platz 2: „Suicide Squad“

Foto: Warner Bros.

Wenn man Zack Snyders Filmen zumindest eine optische Brillanz assistieren kann, ist dieser neueste Eintrag in dem Versuch von DC an die Marvel-Filmwelt anzuknüpfen leider einfach nur misslungen. Die Idee der Bösewichte als Einsatztruppe ist ja noch recht charmant, aber wenn diese nahezu ohne Konsequenz bleibt, und die Bösewichte lediglich auf Sprüche begrenzt bleiben, verpufft dies im Nirvana. Sowohl Will Smith, als auch Margot Robbie spielen mit aller Kraft gegen ein ödes Skript an, können aber auch diesen Murks nicht mehr aus der Scheiße ziehen. Bitte Warner, gib das DC-Universum wieder in die Hände von Leuten, die einen kreativen Plan haben, der weitergeht als nur Starpower zu verheizen.

Platz 1: „Independence Day: Wiederkehr“

Zugegeben: Der erste Independence Day war auch nicht dass brillante Meisterwerk, aber es wusste immerhin seinem Ensemble etwas zu tun zu geben und hatte für die damalige Zeit beeindruckende visuelle Effekte. Doch 20 Jahre später fällt den Kreativen nichts anderes ein als die selbe Mannschaft müde wieder zu beleben (Brent Spiners Charakter sogar im wörtlichen Sinne) und gegen die selben übermächtigen Aliens in den Kampf zu schicken. Lediglich Will Smith zog sich wohlweislich aus dem Film heraus – traf aber leider nicht die besser Entscheidung. Boah, Emmerich, das wirklich das Einzige, was Du noch zustande bringst, ein müder Aufguss des alten Rezepts?

Und 2017?

Natürlich kann man jetzt noch nicht absehen, was auf den Festivals an wirklichen Neuheiten groß werden wird und so muss sich jeder Ausblick halt auf all die Fortsetzungen, Remakes und Prequels konzentrieren. Davon hat 2017 natürlich wieder einiges zu bieten:

  • „Blade Runner 2049“ – Eigentlich ist es ja ein Sakrileg, diesem Meilenstein der Filmgeschichte ein Sequel zu geben. Aber mit Harrison Ford an Bord und Denis Villeneuve („The Arrival“) auf dem Regiestuhl und einem atmosphärisch sehr dem Geist des Originals treffenden Trailer bin ich mittlerweile doch sehr hoffnungsvoll.
  • „Ghost in the Shell“ – Ich war nie ein Riesenfan von Animes, aber GitS sagt mir natürlich etwas. Ob es aber gelingt, den komplexen Stoff nicht zu sehr zu verwässern?
  • „Guardians of the Galaxy – Vol. 2“ – Wenn der Film nur ansatzweise so entspannt bleibt wie der erste, ist das ein Selbstläufer. Und: Baby-Groot!
„Alien: Covenant“ (Foto: Twentieth Century Fox)
  • „Alien: Covenant“ – Ich mochte an Prometheus die Bilder – die Story riss mich nicht vom Kinosessel. Aber: diese Fortsetzung hat keinen Lindelof als Schreiber. Und Alien im Titel. Und Fassbender und Rapace.
  • „Spider-man: Homecoming“ – In „Captain America: Civil War“ hat Marvel schon gezeigt, wie ein wirklich guter Spider-Man aussehen kann, und dieser bekommt nun seinen eigenen Film inkl. Auftritte von Robert Downey Jr. und Michael Keaton
  • „Dunkirk“ – Christopher Nolans Filme sind immer gesetzt für mich, auch wenn sein neuestes Werk aus der Reihe der Fantastischen Filme fällt und das Genre der Kriegsfilme des 2. Weltkriegs erweitert. Aber gerade diese Kombi klingt spannend.
  • „The Dark Tower“ – Ich habe Kings Bücher nie gelesen, aber es gilt als unverfilmbarer Zyklus. Dass so etwas ein gutes Zeichen sein kann, bewiesen schon Herr der Ringe und Game of Thrones – ob Idris Elba in der Hauptrolle sich da einreiht muss sich aber noch zeigen.
  • „Thor: Ragnarok“ – Taika Waititis andere Filme („What We Do in the Shadows“, „Hunt for the Wilderpeople“) sind brillante Kleinode. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, was er mit dem Marvel-Franchise anfangen kann – aber genau das macht mich enorm gespannt.
  • „Star Wars: Episode VIII“ – Hey, es ist Star Wars. Und Rian Johnson im Regiestuhl. Das wird schon was werden. Aber ohne Carrie Fisher ist es auch etwas traurig.

Und, wie schaut es bei Euch aus?

Ein Liebes- und Rachefilm – Kino-Kritik: „Nocturnal Animals“

Susan Morrow (Amy Adams, „American Hustle“) ist Kunsthändlerin in Los Angeles. Ihre letzte Vernissage war allerdings nur leidlich erfolgreich und auch die Beziehung zu ihrem zweiten Ehemann Hutton (Armie Hammer, „The Social Network“) wackelt bereits. Da erhält sie das Manuskript des Debutromans ihres ersten Ehemanns, Edward Sheffield (Jake Gyllenhaal, „Nightcrawler“), das auch noch ihr gewidmet ist. Seit vielen Jahren hatten die beiden keinen Kontakt mehr zueinander gehabt denn die Beziehung damals ist alles andere als reibungslos zu Ende gegangen.

Susan (Amy Adams) wird von dem Debutroman ihres Ex-Ehemanns stark mitgenommen (Foto: Merrick Morton/Focus Features/Universal Pictures)
Susan (Amy Adams) wird von dem Debutroman ihres Ex-Ehemanns stark mitgenommen (Foto: Merrick Morton/Focus Features/Universal Pictures)

Susan beginnt, den Roman an einem Wochenende zu lesen, das sie alleine zuhause verbringt – und wird in eine brutale Thrillerwelt gezogen, in welcher der Ehemann einer junger Familie, Tony Hastings (ebenfalls Jake Gyllenhaal in einer Doppelrolle, die dadurch begründet wird, dass Autoren doch eigentlich nur über sich selbst schreiben) auf einer einsamen Straße in Texas von drei jungen Rowdies (u.a. Aaron Taylor-Johnson, „Avengers: Age of Ultron“) erst abgedrängt wird, und später tatenlos dabei zu sehen muss, wie diese mit seiner Frau und seiner Tochter verschwinden. Durch die Hilfe eines resoluten Sheriffs (Michael Shannon, „The Harvest“) versucht die Romanfigur sein Trauma zu überwinden – und schließlich steht er vor der Wahl, ob er Rache üben will oder letztlich doch verzeihen kann …

Eindrucksvolle Verschmelzung der Erzählebenen

Zwei narrative Ebenen in einem Film zu verweben ist oft schwieriger als man denkt. Letztlich sind es hier sogar drei, da durch die Konfrontation mit dem Roman bei Susan selbst die persönliche Vergangenheit mit ihrem Ex-Ehemann und einige verdrängte schlechte Erinnerungen wieder hochkochen. Doch Regisseur Tom Ford schafft es meisterhaft, seine narrativen Ebenen zu verweben und immer wieder zwischen diesen zu wechseln, ohne eine Narration so zu unterbrechen, dass man eigentlich auf der anderen Ebene weiter hätte verweilen wollen.

Tony Hastings (Jake Gyllenhaal) im Streit mit dem gewalttätigen Turk (Robert Aramayo) während Ray (Aaron Taylor-Johnson) sich an Tonys Tochter India (Ellie Bamber) heranmacht (Foto: Merrick Morton/Focus Features/Universal Pictures)
Tony Hastings (Jake Gyllenhaal) im Streit mit dem gewalttätigen Turk (Robert Aramayo) während Ray (Aaron Taylor-Johnson) sich an Tonys Tochter India (Ellie Bamber) heranmacht (Foto: Merrick Morton/Focus Features/Universal Pictures)

Und: Er vermeidet es, die Zuschauer mit entsprechenden Zaunlatten zu den richtigen Schlüssen zu prügeln – entweder versteht man den Film, oder man findet ihn einfach grottig langweilig. Aber immerhin wohl nicht beides. Und auch nicht unmittelbar, denn ich habe einige Zeit gebraucht, um den Film für mich selbst einzuordnen.

Letztlich hat dieser Film zusammen mit „The Arrival“ für mich aber Amy Adams als eine der Darstellerinnen zementiert, von der man weit mehr erwarten kann als nur eine Randfigur in den DC-Filmen.

Plakat „Nocturnal Animals“„Nocturnal Animals“, USA 2016

Regie & Drehbuch: Tom Ford

Darsteller: Amy Adams, Jake Gyllenhaal, Armie Hammer, Aaron Taylor-Johnson, Michael Shannon, Laura Linney

facebook.com/Nocturnal.Animals.DE

★★★★

„Nocturnal Animals“ startet am 22.12.2016 in unseren Lichtspielhäusern. Beitragsbild: Merrick Morton/Focus Features/Universal Pictures.

Parkour im Nebel – Kinokritik: „Assassin’s Creed“

Callum Lynch muss als Kind miterleben, wie sein Vater seine Mutter umbringt, bevor eine Gruppe feindlicher Menschen ihr Haus stürmt. Er kann fliehen, aber dreißig Jahre später wird der Erwachsene Cal (Michael Fassbender) dann wegen eines Mordes gefangen genommen und hingerichtet.

Doch er kommt einige Zeit später wieder zu sich und findet sich in einer streng geheimen Forschungsanstalt von Abstergo Industries in Madrid wieder. Dort experimentiert die Forscherin Sofia (Marion Cotillard) unter der strengen Ägide ihres Vaters Rikkin (Jeremy Irons) mit einer faszinierenden Technik: Die „Animus“ getaufte Konstruktion erlaubt es Nutzern, die Erlebnisse ihrer genetischer Vorfahren nachzuerleben. Ausgerechnet Callum ist der letzte lebende Nachfahre von Aguilar, einem Assassinen, der 1492 in Spanien gegen die Templer kämpfte und als letzter über den Aufenthaltsort eines legendären Gegenstands weiß. Und diesen will Rikkin finden – um jeden Preis. Doch mit der regelmäßigen Nutzung des Animus erwachen auch in Callum ungeahnte Talente.

„Willkommen bei der Spanischen Inquisition“

Nach der atemberaubend schönen Verfilmung von  „Macbeth“ letztes Jahres – bei dem das selbe Team um Fassbender, Cotillard, Regisseur Justin Kurzel und Kamermann Adam Arkapaw bewiesen, wie sie einem kompliziertem literarischen Meisterwerk eine neue Ebene der Tiefe durch schauspielerische Leistung und brillanten Bilder mitgeben können – hatte ich auch hier große Hoffnungen, dass mehr als nur eine 08-15-Videospiel-Verfilmung heraus kommt.

Aguilar flieht über die Dächer Madrids des 15. Jahrhunderts (Michael Fassbender, Foto: 20th Century Fox)

In der Tat ist die Cinematographie abermals grandios – das Spiel mit Nebel oder Sandpartikeln in der Luft, die vereinzelt von Lichtstrahlen durchdrungen werden, schafft abermals eine faszinierende Kulisse, vor dem sich die Handlung entfalten kann. Es ist aber genau diese, welche das Problem des Films darstellt: Die Story, oder genauer: Die Motivation ihrer Figuren.

Weder die Entwicklung von Cal noch die von Sofia werden nachvollziehbar gezeigt. Cal wechselt Allianzen hin- und her, noch dazu ohne wirkliche Konsequenzen für ihn, und selbst die Konfrontation mit seinem Vater Joseph (Brendan Gleeson, der in jüngeren Jahren von dessen Sohn Brian Gleeson gemimt wird) bringt keine nennenswerte Katharsis, die dem Zuschauer gezeigt wird. Neben dem sonst weit besseren Gleeson, der in seiner Rolle hier nur vor sich hinvegetieren darf, wird aber auch Charlotte Rampling völlig unterbenutzt und bleibt auf wenige Dialogzeilen reduziert.

All das tut dem Film nicht gut – aber immerhin trösten die faszinierenden Bilder etwas darüber hinweg. Immer einmal wieder fliegt ein Vogel über die Protagonisten hinweg um das Hinabtauchen in die Welt des Animus zu versinnbildlichen oder springen diese durch waghalsigen Parkour von viel zu schmalen Fensterbänken über Wäscheleinen auf den nächsten Dachvorsprung.

Vergleich mit den Videospielen Assassin’s Creed

Ubisoft hat seit 2007 mit seiner „Assassin’s Creed“-Reihe eine der erfolgreichsten Computerspielreihen in seinem Portfolio, das mittlerweile acht Hauptspiele und zahlreiche DLC umfasst und entsprechend schon einiges an Grundlagen gesetzt. Natürlich weicht der Film davon in einigen Punkten ab, aber insgesamt erscheint er doch überraschend werkgetreu.

Zwar wird anstelle der Eden-Splitter wird hier „nur“ der Edenapfel gesucht (womit aber andere Eden-Splitter nicht ausgeschlossen sind), der Kampf zwischen Templern und Assassinen, die Entwicklerfirma des Animus, Abstergo, und deren CEO Rikkin sind deutlich aus den Spielen adaptiert. Allerdings verzichtet der Film auf einen Sprung von einem Turm der Protagonisten in einen Heuhaufen.

Cal lernt durch seine Sitzungen im Animus auch richtiges Kämpfen (Michael Fassbender, Foto: 20th Century Fox)

Die Technik des Animus hingegen ist deutlich cineastischer umgesetzt: Anstelle eines Stuhls mit futuristischem Aufsatz, der seine Nutzer in eine überwachte Traumwelt-Simulation versetzt, ist es im Film ein riesiger Greifarm, der die Immersion der Probanden durch parallele Bewegungssimulation unterstützt – er hebt sie hoch und bildet so die waghalsigen Sprünge in der geräumigen Versuchhalle nach, projiziert aus dem genetischen Gedächtnis die relevanten Bilder in den Raum und erzeugt auch die passenden Geräusche. Das sieht auf der Leinwand imposant aus, wenn einzelne Szenen durch Umschalten zwischen beider Rollen Fassbenders (Cal und Aguilar) stimmig zueinander gezeigt werden – eine durchaus faszinierende Weiterentwicklung des Holodeck-Konzepts.

„Was nun, Pioneer?“

Bilder oho, Charaktere mau, bleibt zumindest eine gute Geschichte? Sicherlich, als Zuschauer muss man erstmal schlucken, wenn einem die Idee des genetischen Gedächtnisses präsentiert wird, aber akzeptiert man dies als gegeben bringt die Story durchaus Spaß – wenn man vom finalen Akt absieht, der letztlich genauso unbefriedigend wie unspannend bleibt. Es ist zwar durchaus eine mutige Entscheidung, den finalen Kampf nur im Hintergrund stattfinden zu lassen, aber dann sollte im Vordergrund etwas interessanteres seinen Platz einnehmen.

Sofie beobachtet von Außen die Ereignisse im Animus (Marion Cottilard, Foto: 20th Century Fox)

Wir suchen also weiterhin nach einer wirklich überzeugenden Videospieladaption auf der Leinwand. „Assassin’s Creed“ ist es noch nicht, denn auch wenn es visuell zu wirklich zu beeindrucken weiß, fehlt es ausgerechnet bei dieser Star-Riege an überzeugenden Charakteren.

„Assassin’s Creed“ (USA 2016)

Regie: Justin Kurzel

Darsteller: Michael Fassbender, Marion Cottilard, Jeremy Irons

Score: Abermals überzeugt der jüngere Bruder des Regisseurs, Jed Kurzel, mit einem überaus gelungenen Score, der vor allen in den atmosphärischen Szenen zu überzeugen weiß.

Lohnt sich 3D?: Die Parkour-Szenen wirken schon imposant im 3D-Effekt, aber in der Konversion des Films sind mir keine wirklichen Wow-Szenen aufgefallen.

★★★☆☆

„Assassin’s Creed“ läuft ab dem 27. Dezember 2016 in unseren Lichtspielhäusern im Verleih von 20th Century Fox.

Fantastischer Star Wars-Kurzfilm: Han Solo: A Smuggler’s Trade

Auf welch professionelles Niveau Fanfilme mittlerweile angekommen sind, sieht man immer wieder – und dieser Soloauftritt von Han Solo ist wirklich großartig inszeniert und gespielt – Jamie Costa ist tatsächlich eine gelungene Besetzung für Han (hoffen wir auf ähnlich gutes von Alden Ehrenreich 2018) und auch mit dem auf Böse- und Wichte spezialisierte Doug Jones („Hellboy“, demnächst: „Star Trek: Discovery“) spielt herrlich überzogen schleimig.