Buchkritik „Daemon“/„Darknet“

27.
Okt.
2011

Cover Daemon (Rowohlt)Die Story

Der Computer-Spiel-Milliardär Matthew Sobol erliegt nach langem Kampf seinem Krebsleiden. Kaum verstorben, startet aber eine unaufhaltsame Kaskade von Computerprogrammen, die über Automatismen einen Menschen tötet. Offenbar hat Sobol diese geschrieben und so einen „Daemon“ geschaffen, eine dezentralisierte Instanz in den vernetzten Computersystemen weltweit, und der nun auf externe Auslöser lauert.

Ein Ermittler des Mordfalls stellt bald fest, dass er hier keinen herkömmlichen Mörder jagt, sondern dass hinter dem Ganzen ein weit größerer Plan steckt, gegen den er allein keine Chance hat.

Cover Darknet (Rowohlt)Die Kritik

Eigentlich lese ich keine Krimis. Aber der Nahe-SF-Hintergrund ließ mich aufmerksam werden. Im Prinzip ist das meiste, was hier beschrieben wird, durchaus heute realistisch und machbar und damit eben keine reine technische Zukunftsvision.

Das Buch, oder besser die Bücher, denn das zweite schließt nahtlos an den ersten Teil an, schaffen es dann recht schnell, von einem eben noch interessanten Mordfall zu einer spannende System-Kritik umzuschwenken. Er zeichnet die Anfänge eines alternativen Wirtschaftssystems und kritisiert die Auswüchse des modernen Kapitalismus, den es als reine Plutokratie darstellt. Und trotz dieser teilweise recht komplexen Themen schafft es Suarez, nicht auf einer Sachbuchbasis zu langweilen, sondern nebenbei ein actionlastiges und teilweise recht blutiges Drama zu beschreiben.

Dennoch, einige Geschichtselemente werden leider nicht, oder nur unzureichend erklärt. Teilweise hat man das Gefühl, dass einige Charakterentscheidungen nur zu Gunsten des Plots getroffen wurden. Eine plötzlich auftauchende Liebesgeschichte bleibt uninteressant, flach und hindert die Geschichte eher, als dass sie diese vorantreibt. Gerade weniger internetaffine Krimileser werden wohl bald überfordert und frustriert das erste Buch weglegen, da ihr Genre zu wenig bedient wird. Dies ist eben kein Krimi, sondern Science-Fiction, was einen aber erst nach einigen Seiten klar wird, weil erst dann die Sozialkritik in den Vordergrund tritt.

Letztlich sind es aber zwei zurecht hochgelobte Bücher, die gerade auch aufgrund der aktuellen Finanzkrise interessant zu lesen sind.

 „Daemon“/„Darknet“ (Original: „Daemon“/„Freedom™“)

Autor: Daniel Suarez (keine weiteren Werke bisher)

In Deutschland bei Rowohlt erschienen 2010/2011. Die Kritik basiert auf den E-Book-Versionen.

Rollenspiel-Inspirationsfaktor? Die Fraktion, die am Computer dieses Games-Genre pflegen, werden reichlich durch viele Geschichtsaspekte bedient.  Pen-&-Paper-Spieler finden aber wohl wenig Inspirationsquellen.

★★★★★★★★☆☆