Kolossal gut: Colossal (Blu-ray-Kritik)

Gloria (Anne Hathaway) hat ihren Absprung aus dem Partyleben nie geschafft. Nächte über Nächte feiert sie einfach durch. Irgendwann reißt aber auch ihrem Freund Tim (Dan Stevens) der Geduldsfaden durch und er setzt sie vor die Tür. Gloria muss aus der Metropole New York City zurück in das beschauliche Kleinstadtleben ihrer Heimatstadt ins Elternhaus zurückkehren, wo sie auf ihren alten Kindheitsbekannten Oscar (Jason Sudelkis) trifft, der dort eine Bar führt.

Das Monster kommt einen irgendwie bekannt vor (Foto: Voltage Pictures/Universum Film)

Währenddessen taucht auf der anderen Seite der Welt in Seoul gerade ein gigantisches Monster auf, welches Teile der Stadt verwüstet. Als sich dieses aber genau an jener Stelle kratzt, die auch Gloria immer mal juckt, keimt in ihr ein wahnsinniger Verdacht auf: Ist vielleicht ausgerechnet sie aus irgendwelchen Gründen mit eben diesem Monster verbunden und steuert es vielleicht sogar?

Colossal - Trailer (deutsch/german; FSK 6)
Dieses Video ansehen auf YouTube.

Ein High-Konzept, das aufgeht

Der spanische Regisseur Nacho Vigalondo, der bereits mit „Timecrimes“ bewies, dass er auch für komplexere durchdachte Drehbücher durchaus ein Händchen hat, schöpft hier aus dem Vollen. Er vertraut dabei sowohl auf seine erfahrenen Hauptdarsteller, allen voran Anne Hathaway, als auch auf seine Spezialeffekte-Crew, die zwar nicht aus dem Vollen schöpfen muss – eine der gewalttätigsten Actionszenen findet lediglich durch das Abfilmen von kräftigen Aufstapfen auf einem Spielplatz und darüberhinaus nur in der Fantasie der Zuschauer statt – aber in den wichtigen Szenen anderen modernen Kaiju-Filmen nicht nachstehen muss.

Gloria weiß weder, was sie mit ihrem Leben, noch was sie mit dieser Monstersituation anfangen soll (Anne Hathaway, Foto: Voltage Pictures/Universum Film)

Was als irrsinnige Idee für einen High-Concept-Film beginnt, entwickelt im Laufe des Films nicht nur immer absurdere Züge, sondern schafft es tatsächlich, die eigentliche Story als Metaebene mit dem Kaiju-Monstern in Seoul zu verbinden. Dabei ist der Film auch noch schwer einzuordnen. Ist er nun Science Fiction? Horror? Katastrophenfilm? Komödie? Drama? Liebesdrama? Rachefilm?

Das verwunderliche, wie auch wunderbare, daran ist aber, dass der Film tatsächlich auf seine ganz eigene Wiese funktioniert. Er sollte es eigentlich nicht, ist er doch zu sehr ein Monster aus seinen unterschiedlichen Versatzstücken. Aber wenn man sich auf seine verschiedenen, oft versetzten Metaebenen einlässt, all die unterschiedlichen vorgehaltenen Spiegel erkennt und zu einem grandiosen Finale gelangt, kann man eigentlich gar nicht anders, als dieses Monster und auch diesen Film zu mögen.


„Colossal“ („Colossal“, USA 2017)

Regisseur: Nacho Vigalondo

Drehbuch: Nacho Vigalondo

Darsteller: Anne Hathaway, Jason Sudeikis, Austin Stowell, Dan Stevens

Score: Bear McCreary bleibt hier angenehm im Hintergrund, der Score ist nicht überzeichnet. Andererseits dadurch auch nicht wirklich aus dem Stand markant.

Extras: Featurette (OmU), Trailer

Rollenspiel-Inspirationsfaktor: Die Grundidee der unbewussten Monster-Fernsteuerung durch einen unbedarften Menschen kann man sicher einmal verwenden, ansonsten bietet der Film aber für’s Rollenspiel eher wenig.

★★★★


„Colossal“ erscheint am 01.12.2017 bei Universum Film auf DVD und Blu-ray. Offenlegung: Ich habe die Blu-ray freundlicherweise als Rezensionsexemplar erhalten.

Ron Müller

Rollenspieler auf Suche nach neuen staffelübergreifenden Handlungssträngen. Bloggt auf Edieh, labert im AusgespieltTeam.

Das könnte dich auch interessieren …