Psychodelisch: „Es war einmal Indianerland“ (Film-Kritik)

Der siebzehnjährige Mauser (Leonard Scheicher) fiebert gerade auf seinen ersten richtig großen Box-Kampf hin und trainiert deswegen wie besessen. Aber dann verliebt er sich plötzlich und stürmisch in Jackie (Emilia Schüle), eine faszinierende Rothaarige aus reichem Hause. Doch Jackie betrachtet ihn bisher nur als interessantes Spielzeug. Und auch Edda (Johanna Polley) zeigt plötzlich Interesse an ihm. Ohnehin schon genug verwirrt in seinen Gefühlen bricht Mausers Welt dann völlig auseinander, als sein Vater Zöllner (Clemens Schick) seine Frau im Streit erwürgt und flieht.

ES WAR EINMAL INDIANERLAND Trailer
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Alles läuft auf das „Powwow“ hinaus, ein psychodelisches Selbstfindungs-Festival da draußen in der Pampa, wo nicht nur Zöllner sich versteckt haben soll, sondern Mauser auch Jackie weiß …

Mauser (Leonard Scheicher) auf dem Weg vom Boxtraining (Foto: Camino-Filmverleih)

Psychodelisches Coming-of-Age

In Coming-of-Age-Geschichten geht es oft um Dreiecksbeziehungen, bei denen der Protagonist realisieren muss, welche Wahl für ihn die bessere ist. Das ist ein gut abgehangenes Trope, auch gerade im Kino, und „Es war einmal Indianerland“ ist im Kern da auch nicht anders. Es ist eine bekannte, eine universelle Geschichte, neu abgemischt. Aber gerade diese neue Mische ist es, die den Film interessant machen soll.

Manche Trips führen auch zu Unfällen (Leonard Scheicher und Johanna Polley, Foto: Camino-Filmverleih)

Die Verfilmung des Preisträgers des gleichnamigen Deutschen Jugendliteratur-Preises 2012 von Nils Mohl trennt sich zu großen Teilen von der Non-Linearität, für die der Roman damals noch besonders gelobt wurde. Stattdessen erzählt „Es war einmal Indianerland“ die Geschichte sehr viel geradliniger, aber zeigt auch einige Experimentierfreude. Vor allem im späteren Teil des Filmes auf dem Festivalgelände des Powwow tobt sich der Film regelrecht kreativ aus: Sei es eine aufgebaute Hotel-Rezeption mitten im Wald oder ein Spaziergang durch die Nacht, bei dem der Protagonist, von Drogen beflügelt, nicht einfach neben anderen hergeht, sondern regelrecht zu schweben scheint.

Einchecken beim Powwow-Festival (Foto: Camino-Filmverleih)

Natürlich kocht auch dieser Coming-of-Age-Film nur mit Milch, und natürlich führt auch dieser Selbstfindungstrip zur Katharsis. Mauser erkennt letztlich, wen er wirklich liebt und es kommt auch zur Konfrontation mit seinem Vater und letztlich zu seiner Emanzipation. Soweit, so vorhersehbar. Aber selbst wenn das Ziel klar ist, kann der Weg noch interessant sein und unerwartete und interessante Schlenker machen. Und dieser Weg ist ein Trip, mit beeindruckenden, manchmal gar psychodelischen Bildern und Tönen.

„Es war einmal Indianerland“ (D 2017)

Regie: Ilker Catak

Drehbuch: Max Reinhold und Nils Mohl, basierend auf Mohls Bestseller

Darsteller: Leonard Scheicher, Johanna Polley, Emilia Schüle, Clemens Schick

Score: Passend zum Film, mal psychedelisch, mal ersthafter, mal experimentell, von Martin Gretschmann aka Acid Pauli.

★★★★

„Es war einmal Indianerland“ läuft ab dem 19. Oktober 2017 in unseren Lichtspielhäusern.

Ron Müller

Rollenspieler auf Suche nach neuen staffelübergreifenden Handlungssträngen. Bloggt auf Edieh, labert im AusgespieltTeam.

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