Kurzkritiken 06–07/2018

Seit einigen Monaten bespreche ich sämtliche Filme, die ich gucke und die ich nicht in einer größeren Kritik hier im Blog rezensiere in einer Kurzkritik auf Letterboxd. Das bringt Spaß, aber auch zwei Probleme mit sich: a) Ich parke meinen Content nur woanders. Generell nicht die beste Idee, kann der Service doch jederzeit pleite gehen. b) Ich kann da keine Serien oder anderes besprechen, der Dienst ist nur für Filme.

Die Lösung: Ich versuche künftig in etwa monatlichen Abständen meine Kurzkritiken aus Letterboxd, sowie die weitere Serien-Kritiken von komplettierten Staffeln hier zu sammeln. Diese Edition hier fällt dabei etwas größer aus, da ich in einen teilweise verregneten Dänemark-Urlaub war. Kann mir einer noch sagen, warum ich mich über Regen beschweren sollte? Aktuell ist es ja dermaßen heiß hier …

Filme

Frühstück bei Monsieur Henri (2015 ) ★★★★

Sympathischer kleiner Film über unerfüllte Träume und verkrustete Familienstrukturen. Hauptdarstellerin Noémie Schmidt sieht nicht nur Emma Watson sehr ähnlich sondern ist auch ähnlich talentiert (beides positiv gemeint).

Wobei mir unklar bleibt, wie dieser deutsche Titel („Frühstück bei Monsieur Henri“) zustande kommt (wo war denn da das Frühstück?). Wenn man schon nicht den französischen Titel übersetzen mag („Die Studentin und Monsieur Henri“) dann vielleicht etwas, dass zumindest etwas mit dem Film zu tun hat, wie „Monsieur Henris Pantoffeln“ oder „Erkälte Dich nicht“?

Tomb Raider (2018 ) ★★☆☆☆

Auch Alicia Vikander vermag es trotz ihres unbestreitbaren Talents nicht, eine sehenswerte Videospielverfilmung abzuliefern. Vermutlich gerade weil die Filmemacher wieder das Spiel zu stark als Vorlage genommen haben …

Isle of Dogs (2018 ) ★★★★★

Ich weiß beim besten Willen nicht, wie Wes Anderson es schafft, gleichermaßen brillant designte wie auch charmant erzählte Filme abzuliefern. Isle of Dogs ist abermals ein Augenschmaus in allen Bereichen.

Die Hunde. (Foto: 20th Century Fox)

Love, Simon (2018 ) ★★★★

Gelungener und sympathischer Coming-of-age-Film, der eigentlich so schon vor Jahrzehnten hätte erzählt werden können müssen.

Das Zeiträtsel (2018 ) ★★☆☆☆

Da wünscht man sich neben all den Remakes und endlosen Fortsetzungen neue Filmstoffe von Disney, und dann kommt so eine visuell zwar bezaubernde, ansonsten aber reine Zeitverschwendung heraus.

Ach, und es ist auch noch ein Remake? Disney hat das bereits verfilmt?

A Quiet Place (2018 ) ★★★★★

Ein Film, der von den ersten Minuten an im Bann hält und mit jedem seiner wenigen Charaktere mitleiden lässt. Lange nicht mehr einen so brillanten Horror-Film gesehen, absolute Empfehlung!

The Big Sick (2017 ) ★★★★★

Kumail Nanjiani als er selbst und Zoe Kazan as „Emily“ beim Einkaufen. (Foto: Nicole Rivelli/Weltkino Filmverleih GmbH)

Habe lange nicht mehr so sehr bei einem Film geheult und kann nicht mal genau sagen, was mich an diesem Indie-Kleinod so sehr berührt hat.

Befürchte nur, ich kann jetzt Silicon Valley nicht mehr unvoreingenommen weiterschauen. Aber das war es wert.

Happy Burnout (2017 ) ★★★☆☆

Etwas krumm strukturierter Film, der nicht all seinen Figuren eine eigene Auflösung ermöglicht, grundsätzlich aber sympathisch Probleme im sozialen Miteinander zu lösen versucht.

Ant-Man and the Wasp (2018 ) ★★★★

Die Wasp und Ant-Man werden von Hank Pym beraten. (Foto: Marvel Studios/Walt Disney)

Gelungene Fortsetzung, welche die Leichtigkeit des ersten Films weiter fortzusetzen vermag und weiterhin mit Größenunterschieden und Erwartungen gekonnt spielt.

Serien

Sense 8 (Staffel 2: „Amor Vincit Omnia“, 2018 ) ★★★★★

Die extra-lange Abschlussepisode schultert viel, löst aber auch viel und gibt einer außergewöhnlichen Serie einen eben solchen Abschluss, bei dem man lediglich kritisieren kann, dass man gerne noch länger den Handlungsfäden gefolgt wäre.

Im Finale geht es um die ganz große Liebe, egal zwischen wen. (Foto: Netflix)

Olive Kitteridge (Mini-Serie, 2014 ) ★★★★★

Frances McDormand ist eine göttliche Schauspielerin, die nicht nur zwei Oscars gewonnen hat, sondern auch einen Emmy für „Olive Kitteridge“. Dass ich diese vierteilige HBO-Miniserie bisher noch nicht gesehen hatte, ist ein großes Versehen – und hiermit nachgeholt. Abermals ist McDormand eine Naturgewalt, eine verbitterte Frau in einer Serie, die mit einem Cliffhanger beginnt und sich das Sahnehäubchen Bill Murray vielleicht etwas zu lange aufspart.

Patrick Melrose (Mini-Serie, 2018 ) ★★★★

Noch eine Mini-Serie, diesmal von Benedict Cumberbatch angeführt, dessen gebrochene Figur erst ganz allmählich preisgibt, was sie geformt hat. Faszinierend und abstoßend zugleich.

Westworld (Staffel 2, 2018 ) ★★★☆☆

Hatte ich in der ersten Staffel noch nach jeder neuen Episode begierig das Internet nach Theorien durchforstet, hat mich die zweite Staffel weit weniger mitgerissen, trotz durchaus starker Einzelepisoden (insbesondere „Kiksuya“). Ich glaube es liegt daran, dass die Serie mittlerweile nur noch aus Antagonisten besteht und quasi keine Identifikationsfigur mehr bietet. Selbst das Finale bot so zwar großartige Twist-Auflösungen, aber es hat mich seltsam kalt gelassen.

The Expanse (Staffel 3, 2018 ) ★★★★

Bisweilen überrumpelte mich das Tempo, mit dem die Serie durch die neue Staffel preschte. Dennoch begeistert mich die Serie immer noch durch eine Kreativität, die ihresgleichen sucht, so dass ich auch über die immer unglaubwürdigeren Spezialeffekte im All hinwegsehen kann, da es ja klar ein Budget-Problem ist. Und man kann nur Amazon danken, dass sie die Serie weiterführen, auch wenn sie auf einer High-Note endet, die auch ein würdiger Abschluss hätte sein können. So ist es aber nur eine neue Konstellation …

Dark (Staffel 1, 2017 ) ★★★★

Die erste deutschsprachige Netflix-Serie präsentiert eine gehirnzermaternde Zeitreise-Geschichte, die offenbar in die Kategorie der vorbestimmten Zeitreisen fällt. Vermutlich wird ein zweites Gucken einiges an Erklärungen mehr bieten, zumal die Serie auch halt sehr dunkel ist, was beim Sonnenuntergang in Dänemark das Erkennen etwas schwer macht.

Auf der Suche nach den Zeitlöchern (Foto: Netflix)

Barry (Staffel 1, 2018 ) ★★★★

Bitterböse Dramedy über einen gefühlskalten Auftragskiller, der zufällig an eine abgehalfterte Schauspieler-Truppe in L.A. gerät und dort seine Leidenschaft entfacht bekommt. Lohnend, wenn auch nicht immer realistisch.

The End of the F***ing World (Mini-Serie, 2017 ) ★★★★

Bitterböse Dramedy über zwei Jugendliche, die von Zuhause auf einen wirren Road-Trip ausreißen, wobei der eine eigentlich nur die andere umbringen will, damit er endlich seine Bestimmung als Serienmörder erfüllen kann. Bisweilen etwas überzogen, aber hoffentlich ohne Fortsetzung.

Deception (Staffel 1, 2018 ) ★★★☆☆

In den letzten Jahren gab es sie fast schon inflationär: Krimis bei denen ein externer Ermittler aus Gründen dazukommt und durch seinen Beruf oder sein besonderes Können ein ungleiches Paar mit der Polizistin bildet. Siehe Castle und Co. Hier ist es ein Illusionist, der eines Mordes angeklagt wird und daher preisgeben muss, dass es in Wirklichkeit sein geheimer identischer Zwillingsbruder war. Doch auch der war es eigentlich nicht, sondern eine mysteriöse Frau mit zwei unterschiedlichen Augenfarben. Womit man gleich den Handlungsbogen für die erste Staffel festgelegt hat. Leider geht bereits nach wenigen Episoden der Serie ein wenig die Puste aus und aus der charmanten Idee wird zunehmend ein nerviges Plotelement, bei dem regelmäßig auch der Zuschauer in die Irre geführt werden muss.

Die Serie startete als Midseason-Placement in den USA und wurde mittlerweile auch schon wieder abgesetzt.

Marvel’s Jessica Jones (Staffel 2, 2018 ) ★★★☆☆

Nach der brillanten ersten Staffel fällt auch Jessica Jones leider in die Zu-viele-Folgen-pro-Staffel-mit-zuwenig-Handlung-Falle der Marvel-Netflix-Serien. Etwas mehr Fokussierung hätte der Serie äußerst gut getan, dennoch blieb ich allein wegen des charismatischen Spiels von Ritter dran.

Ron Müller

Rollenspieler auf Suche nach neuen staffelübergreifenden Handlungssträngen. Bloggt auf Edieh, labert im AusgespieltTeam.

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