Mordsprobleme – Kinokritik: „Small Town Killers“

Edward und Ib (Ulrich Thomsen und Nicolas Bro) sind Handwerker in der dänischen Kleinstadt Nibe. Beide sind verheiratet, aber schon lange nicht mehr so richtig glücklich mit ihren Ehefrauen (Mia Lyhne und Lene Maria Christensen), weswegen sie beide sich nach einem großen Streit kurzerhand entschließen, sich scheiden zu lassen. Doch nachdem sie eine grobe Hochrechnung bekommen haben, was sie diese Scheidungen an Alimente kosten würden, kommt es zu einem folgenschweren Entschluss: Sturz betrunken bestellen sie über’s Internet einen russischen Auftragsmörder.

Doch sie haben (mal wieder) die Rechnung ohne ihre Frauen gemacht …

SMALL TOWN KILLERS | TRAILER
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„Small Town Killers“ versucht bitterböse, gleichzeitig aber auch überall absurd zu sein

Schwarze Komödien sind nicht das einfachste Metier für einen Filmemacher. Zu leicht schießt man über das Ziel hinaus, zu schnell ist der Ton eines Films inkonsistent. Gerade skandinavische Filme hatten aber in den letzten Jahren dabei einiges Großartiges geleistet, beispielsweise „Einer nach dem anderen“ (2014) mit Stellan Skarsgård („River“) und Bruno Ganz, oder auch die Dänen mit „Adams Äpfel“ (2005). Aus letzterem leiht sich Filmemacher Ole Bornedal („Nachtwache“) auch gleich zwei seiner Hauptdarsteller für die Killer aus Nibe aus: Ulrich Thomsen und Nicolas Bro. Doch trotz dieser und anderer guten Darsteller verheddert sich „Small Town Killers“ doch sehr in dem Anspruch, wie realistisch, wie schwarz, wie überdreht er sein will.

Szenenbild aus „Small Town Killers“: Ib (Nicolas Bro) versucht Edward auf einem Feld zur Vernunft zu bewegen.

In was für eine absurde Situation haben sich die beiden Schulfreunde und heutige Geschäftspartner da gebracht … (Nicolas Bro und Ulrich Thomsen, Foto: Henrik Petit/DCM)

Sicher, es ist völlig legitim, wenn eine bitter-schwarze Komödie ins Unrealistische abgleitet. Da können auch ruhig schon mal Menschen aus Gag getötet werden, da ist es legitim, dass der russische Hitman eine ganze Hausbar leer-säuft und trotzdem noch instinktiv funktionieren kann. Auch die britische mary-poppins-neske Giftmörderin darf ruhig übertrieben bösartig sein. Gleichzeitig will der Film aber eben dann doch nicht in das Überzeichnete abgleiten, es ist immer noch ein realer Ort (Nibe ist eine tatsächliche Kleinstadt nahe Ålborg im nördlichen Jütland) und es sollen reale Menschen sein, die hier sich in diese Fiasko-Spirale verdrehen.

Szenenbild aus „Small Town Killers“: Igor (Marcin Dorocinski) mit einem Leichensack über der Schulter, im Hintergrund ein ausgehobenes Grab.

Igor (Marcin Dorocinski) ist eine Mischung zwischen Profi-Killer und Drunken Master (Foto: DCM)

Eine sympathische Idee

Warum muss dann aber jeder Nebencharakter larger-than-life sein? Angefangen vom tuntigen Friseur, der als Salsa-Lehrer nicht nur die Frauen verwirrt, über den misstrauischen und erpresserischen Stadtpolizisten Heinz (Søren Malling), einen durchtriebenen und es-treibenden Winkeladvokaten (Ole Thestrup), einer sexgeilen Oma mit Hörgeräteschaden (Elsebeth Steentoft) bis hin zu der Tatsache, dass die beiden Protagonisten als einfache Handwerker mit dubiosen Wirtschaftsmodell dennoch mehrere Millionen Kronen über die Jahre auch ganz legal angehäuft haben. Die Idee, das Absurde gegen das Normale zu stellen scheitert hier daran, dass alles bereits völlig absurd ist. Und damit gibt es einfach keinen Kontrast mehr. Sondern nur noch Klamauk.

Und das ist letztlich schade, denn eigentlich hat „Small Town Killers“ eine wirklich sympathische Grundidee. Und auch einen recht spaßigen dritten Akt, der lediglich in der Auflösung versagt. Bis dahin muss man aber auch erstmal noch einige Zeit damit verbringen, sich durch einige träge Story-Beats zu kämpfen, die schlimmerweise bereits sämtlich vom Trailer verraten waren.

„Small Town Killers“ („Dræberne fra Nibe“, DK 2017)

Regie und Buch: Ole Bornedal

Darsteller: Nicolas Bro, Ulrich Thomsen, Mia Lyhne, Lene Maria Christensen

★★★☆☆

„Small Town Killers“ läuft ab dem 6. Juli 2017 im Verleih von DCM in unseren Kinos.

Ron Müller

Rollenspieler auf Suche nach neuen staffelübergreifenden Handlungssträngen. Bloggt auf Edieh, labert im AusgespieltTeam.

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